Tag 517 – Verkorkster Sonntag. 

Also was ja eh schon kacke ist, ist wenn eins der Kinder krank ist. Wenn es dann auch noch das Kleine ist, dem man nicht einfach Shaun das Schaf anmachen kann, ist das noch ein bisschen blöder. Dann liegt man wahlweise als Schlafunterlage den halben Tag mit ihr im Bett oder schleppt sie in der Trage rum, weil sie alles außer auf dem Arm sein völlig inakzeptabel findet. Ich bin aber leider mehrstündiges Manducatragen vorne überhaupt nicht mehr gewöhnt und mein Rücken findet das auch nicht so prall. Aber irgendwie muss man ja sein Minimalziel „Brot backen“ erfüllen, also schleppt man halt und backt dabei. Meine Güte, was war ich froh um die halbe Stunde in der sie selig eine im Bad gefundene Box aus- und einräumte. Da wirkte grad der Fiebersaft. Eine halbe Stunde. Mehr war heute nicht drin. 

Super toll auch, wenn das Kind, das dann den ganzen Tag mehr oder weniger verpennt hat, abends nicht schlafen kann. Aber Wachsein geht auch nicht. Da wird gewühlt und sich an den Ohren gezogen und irgendwann wird getreten und wenn man das dann nicht darf wird geweint. Lange. Und ich Summe und singe und kuschle und gehe weg und decke zu und nehme die Decke weg und irgendwann findet sie auf mir eine bequeme Position und wird ganz ruhig. Und ich summe noch ein bisschen weiter aber es ist dunkel im Schlafzimmer und warm unter der Bettdecke und zack, schlafe ich, aber sie nicht. 

Und wenn man dann geweckt wird, indem ein kleiner, aber sehr harter Kinderhinterkopf mit Schmackes ans linke Jochbein kracht, dann ist das echt mal richtig mies. 

Tag 516 – Gespräche. 

Kurzer Einblick in unser tägliches Leben mit den bezaubernden Kindern. 

Michel: Willst du raten, was ich für ein Tier bin?

Herr Rabe: Klar! Bist du vielleicht… braun?

Michel: Nein, ich bin ja ein Eisbär! Orrrr. 

Michel: Willst du raten, was ich für ein Tier bin?

Herr Rabe: Klar!

Michel: Du musst fragen, welche Farbe ich hab.

Herr Rabe: Hmmmm. Bist du braun?

Michel: Nein.

Herr Rabe: Bist du weiß?

Michel: Hmmmmmneeeeiiiin?

Herr Rabe: Hmm. Bist du grau?

Michel: Nein.

Herr Rabe: Bist du rot?

Michel: Nein.

Herr Rabe: Hmm, jetzt fällt mir nichts mehr ein…

Michel: Ich bin ja ein Eisbär! Orrrrr!

Michel: Jetzt bist du dran. Du musst dir überlegen, was du für ein Tier bist. 

Herr Rabe: Ok, ich hab’s mir überlegt.

Michel: Bist du weiß?

Herr Rabe: Nein. 

Michel: Orrrr Papa, du musst ja auch ein Eisbär sein!

Pippi kann auch sprechen. Drei Worte. Vier, wenn man ‚Mjam‘ mitzählt. Fünf, gestern hat sie ein paar Mal „Okeyyyyy?“ gesagt. Dafür singt sie echt schön. Bææ Bææ lidl laaa (Bææ Bææ Lille Lamm), Åååå hudldudldudl (åååå boogieboogieboogie), Düpdüpdüp, düpdüpdüp (Mikkel rev, satt og skrev…), klappt alles super in der richtigen, erkennbaren Melodie. Lustig ist auch, dass sie viele verschiedene Intonationen von ‚Ja‘ kann, aber kein ‚Nein‘. Gespräche mit ihr sind dann ungefähr so:

Pippi: *nöckelnöckel* Mamaaaa?

Ich: Na, hast du Hunger?

Pippi: Jaaaaa!

Ich: Soll ich dir Brot machen?

Pippi: Jaaaaa!

Ich: Mit Frischkäse?

Pippi: Jaaaa!

(Vermutlich könnte das Gespräch auch weitergehen mit:

Ich: Soll ich dir geraspelte Fußnägel mit draufstreuen?

Pippi: Jaaaaa!

Aber so fies bin ich nicht.)

Pippi: *drückt* *nöckelnöckel*

Ich: Na, sollen wir mal eine frische Windel machen?

Pippi: Ja. *wetzt ins Bad*

Pippi: *wacht nachts auf und weint*

Ich: Willst du Banane essen?

Pippi: Jaaaaa. (Hier abfallenden Laut vorstellen. Und abfallende Mundwinkel.)

Herr Rabe: *holt Banane*

Pippi: Ja! Ja! Haha!

Pippi: *wacht sehr warm auf und weint*

Ich: Oh nein, hast du Fieber?

Pippi: Jaaaaaa?

Ich: Fühlst du dich nicht gut?

Pippi: Jaaaaaa?

Ich: Kannst du deshalb nicht mehr schlafen?

Pippi: Jaaaaa?

Also alles in allem eine sehr positive, etwas Eisbärenlastige Situation hier. 

Tag 511 – Fehlplanung. 

Ich wollte eigentlich jetzt schon im Bett liegen. Aber erstens ist Pippi hellwach (wieder, nachdem ihre Nacht kurz war und sie dementsprechend heute Nachmittag total gerädert schlief sie früh ein) und zweitens habe ich über der neuen Sherlock-Folge vergessen, das Brot einzuschießen. Und jetzt muss ich noch 15 Minuten auf das Brot und vermutlich ca. 2 Stunden auf Pippis Schlaf warten. 

Reines Weizen(weiß-)brot ohne Hefe. Ziemlich viel Ofentrieb, gut, dass die Gare unbeabsichtigt verlängert wurde.


Was anderes: ich war heute arbeiten und endlich bekam ich nach einer 3. e-mail Prism 7 installiert. Dann spielte ich den Tag über damit herum und jetzt bin ich sehr verliebt. So schöne Bildchen. Und so einfach! So muss das, Sigma Plot! Da bezahle ich (also von meinem Projektgeld) doch gerne für.

Wenn man nur ein paar Stunden am Tag zu Hause ist, geht’s eigentlich mit dem Besuch haben. 

Tag 507 – Der Adler ist gelandet. 

Ich hatte mir das so einfach vorgestellt mit dem nicht so fies sein. Einfach, naja, nicht so fies sein, den Sarkasmus wegpacken, versuchen, mich in meine Mutter reinzuversetzen, Beziehung auf Augenhöhe und der ganze Kram. 

Es ist nicht einfach. 

Außerdem: wann soll ich denn jetzt bitte nen Jahresrückblick schreiben, wenn ich dauernd damit beschäftigt bin, nicht fies zu sein? Vermutlich hätte ich das in den letzten Tagen in meiner Blase der Glückseligkeit machen sollen. Tjanun, habe ich nicht. 

Und jetzt muss ich zurück zu meinem Brötchenteig. Dem gegenüber bin ich nicht fies. Das ist einfach. Meine Mutter bastelt derweil Lego mit Michel, Pippi schläft in der Trage an mir dran, ich habe noch Wein und seit heute weitere zehn Tonnen Süßkram aus Deutschland. Hauptsache, der Wein lockert meine fiese Zunge nicht allzu sehr. 

Morgen Jahresrückblick. Muss irgendwie gehen. 

Tag 506 – Mama. 

Ich liege hier im Bett, endlich ist Pippi wieder eingeschlafen. Auf mir drauf. Aber egal. Wenn Sie dann schläft, ist fast alles vergessen, das Gebrüll, das Gekneife, das Erzählen und Aufstehen und sich selber so lange am Ohr zuppeln bis sie wieder ganz hellwach ist. Jetzt ist sie mein Baby. 85 cm Baby. So wie Michel mein 106 cm Baby ist. Und immer sein wird. 

Und dann denke ich an ein anderes Baby, eins das monatelang total viel brüllte und getragen werden wollte und nach einem Wohnungsbrand eine ganze Weile nur im Elternbett schlief. Und das all das durfte und trotzdem lieb gehabt wurde. 

Morgen kommt meine Mutter. Ich habe mir vorgenommen, zu versuchen, möglichst wenig fies zu ihr zu sein. 

Tag 505 – Urlaub, Hachz. 

Urlaub mit Kindern zu Hause. Ohne dass man irgendwen besuchen müsste oder überhaupt könnte. Ich finde das total großartig. Endlich kommt man mal zu all den liegen gebliebenen Dingen (Herr Rabe hat schon die Messer geschliffen und alle Holz-Kochutensilien abgeschmirgelt und geölt! Ich habe, ähhh, einen Staubsaugerroboter gekauft.)  und die Kinder sind halbwegs ruhig und entspannt weil eben nicht täglich drölfzig Leute zu besuchen sind. Und weil ich so entspannt bin und nicht sechstausend Dinge gleichzeitig in ein Wochenende quetschen muss, kann ich mir Zeit nehmen für Bügelperlen, Knete, Malen, Bücher vorlesen, Lego und wir haben sogar schon einmal eine Kinder-CD gehört. Außerdem kuscheln wir viel und kitzeln uns viel und erzählen uns viel (Michel vor allem, der ist weiterhin in der Laberphase) und haben uns gern. Selbst über Pippis nächtliche Bananen-Fressattacken* lachen wir gemeinsam. So harmonisch kann es hier gern öfter sein. 

*jede Nacht, gegen Mitternacht. Wird wach und hat Hunger. Wenn am nächsten Tag um sechs der Wecker klingelt, reagiere ich da gerne mal gereizt…

Tag 496 – Weihnachtsstimmung in drei, zwei, eins…

So langsam ist es ja an der Zeit, aus meiner grinchigen Stimmung herauszukommen. Passenderweise war heute Weihnachtvorbereitungstag mit zweieinhalb Programmpunkten. 

Zuerst waren wir einen Weihnachtsbaum besorgen. Da gibt es hier in nicht allzu großer Entfernung einen Hof, der eigene Weihnachtsbäume anbietet, zum Selberschlagen, und an den zwei Wochenenden vor Weihnachten mit ein bisschen Programm drumrum, dann gibt es Kaffee und Kekse am Lagerfeuer und je nach Wetter kann man Pferdeschlitten fahren oder die Kinder können Ponyreiten. Das Wetter als wir ankamen war allerdings unterirdisch schlecht. 2 Grad und Regen, der Untergrund komplett vereist, wirklich kein Wetter, bei dem man lange in einem Weihnachtsbaumfeld herumstapfen möchte. Eigentlich kein Wetter, um länger als unbedingt nötig draußen zu sein. Wir waren dementsprechend froh, dass es auch fertig geschlagene Bäume da gab, kauften nach kurzer Diskussion* eine der letzten drei „Edeltannen“, verstauten das Ganze im Auto, ignorierten Pippis skeptischen Blick (die Plane, in die wir den Baum eingewickelt hatten, damit nicht das ganze Auto vollgenadelt wird, hing nur ein paar cm über ihrem Kopf) und fuhren direkt wieder nach Hause. Bis wir da waren, waren beide Kinder eingeschlafen. Endlich kurz Ruhe. 

Eine der hier abgebildeten Personen hat heute nonstop gelabert.

Ja, ich hab zwischendurch immer wieder geguckt, dass ihr die Pläne nicht ins Gesicht hing.


Herr Rabe hat den Baum dann zu Hause auch gleich aufgestellt. Nicht dass uns noch wer ans Bein pisst, wegen Brandschutz und Bäume im Flur oder so. 

Yeah! Weihnachtsbaum. Michel hat direkt darauf bestanden, seine Kindergartenkunst dranzuhängen.


Danach hab ich mit Michel zusammen sehr, sehr viele Kekse gebacken. Ich hatte viel Augenzucken dabei, aber irgendwie haben wir es doch fast ohne Streit geschafft. 

Links ich, rechts er. Ich kann so nicht arbeiten.

Sogar verziert haben wir, aber das steht alles noch in der Kühlung (also hinten im Flur), deshalb keine Bilder. 

Und dabei hörten wir die ganze Zeit norwegisches Weihnachtsradio mit dem mich würgen machenden Namen P7 Klem (Umarmung). Da laufen die ganze Zeit nur Weihnachtslieder. Es gibt offensichtlich ein komplettes Enya Weihnachtsalbum. 

https://twitter.com/i/tfb/v1/quick_promote/ios/809725000525746176

Wer da nicht in Weihnachtsstimmung kommt, der muss echt komisch sein. So wie ich, vielleicht. 

* Michel hat den Baum ausgesucht. Ihn dann noch ablehnen hätte hundertprozentig zu einem Meltdown im eisigen Regen geführt. Pick your battles…

Was ganz anderes: Alles alles Gute an Herrn Paul, Herrn Schnuffke, Jott, IHN und SIE! Wie schön, dass ihr jetzt zu fünft seid! Und auch noch am gleichen Tag Geburtstag wie Flavius und Brutus, sehr umsichtig, dann müssen Leute wie ich sich nicht so viel merken! 

Tag 488 – Baaa baaa lidldidl

Wenn Sie mal in der Vorweihnachtszeit in Trondheim sein sollten, kommen Sie uns doch besuchen. Und gehen Sie nicht (!) auf den Weihnachtsmarkt. Schon gar nicht auf einem Samstag. Ehrlich: Weihnachtsmarkt ohne Glühwein ist schon mal kein richtiger Weihnachtsmarkt. Fertig. Wenn es dann (überteuertes) Essen nur in einem Zelt gibt, in das man mit Kinderwagen nicht darf, finde ich das auch nicht so wirklich gut. Meinen (überteuerten) Markenkinderwagen mit der (überteuerten) Markenschlaftüte (aka Fußsack, aber da kann man im Zweifel das ganze Kind bis aufs Gesicht drin einschnüren, damits auch bei -20 Grad nicht erfriert) lasse ich nämlich sicher nicht einfach so draußen rumstehen. Wir haben ein Schloss für solche Gelegenheiten, aber das hatten wir nicht dabei. Also, jedenfalls durfte ich da dank Kinderwagen nicht rein, es waren zwei Grad und feuchter Schneefall, es waren ca. vier Millionen Menschen da und nach ner Viertel Stunde, in der ich den ganzen Weihnachtsmarkt zwei Mal gesehen hatte und sämtlichen GlaskunstBabuschkapuppenHolzbrettchenStrickSchnickeldi mit wachsendem Weihnachtsmarkthass in mir als totalen Scheiß und wer kauft denn sowas* abgetan hatte, war ich bereit, alles mit reinen Blitzen aus meinen Augen anzuzünden. Tat ich dann doch nicht. Aber einem Mann, der der Meinung war, er ließe mir total viel Platz, während er Augenrollend ca. drei cm freigab, bin ich vielleicht mit voller Absicht über die Füße gefahren. 

Dass wir danach auf einem Kinderkonzert waren, bei dem teilweise hohes Fremdschampotential vorhanden war, machte es nicht besser. 

Was schön war: Pippi singt jetzt „Bææ bææ lille lamm“. Siehe Überschrift. Und Michel hat mir ein Privatkonzert gegeben und mir nochmal alle Kindergarten-Weihnachtsfeierlieder vorgesungen. Ich werde zwar wohl für immer einen Ohrwurm von „Santa Lucia“ haben, aber das war’s wert. Die sind schon niedlich, die Kinder. Sehr. Zum Platzen niedlich. 

Pippis Zahnstatus: Vier Schneidezähne oben, drei unten, vier Backenzähne. 

*ich. Der Stand mit den schönen Emaille-Ohrringen, bei dem ich mir im Sommer beim Maker Faire mal welche gekauft habe, ist auch da. Ich habe das schon ganz subtil Herrn Rabe mitgeteilt. (Rot, ich hab, seit mir die Lego-Stecker kaputt gegangen sind, viel zu wenige Ohrringe in rot.)

Tag 487 – Weihnachtsdings 2 und 3

Jösses. Was ein Tag. Erst ein klitzekleines bisschen verschlafen, dann schnellschnell Kinder abliefern (die verabschieden sich gar nicht mehr von mir, auch Pippi nicht. Michel sehe ich meistens nicht mehr, nachdem ich ihm aus dem Fahrradanhänger geholfen habe, der macht alles alleine), dann schnellschnellschnell arbeiten. Dann ohne was gegessen oder getrunken zu haben und mit dem dauernden Mantra „Ich komme nicht zu spät!“ im Kopf zum Kindergarten gerast. Um 11:58 in Regenklamotten, verschwitzt und mit knallroter Birne in den Saal gekommen, um 11:59:30 Regenklamotten aus und Haare gemacht (ja, ohne Spiegel, ohne alles und vor allen Leuten) um 12:00 ging die Weihnachtsfeier los. 

So. Niedlich. Echt. Mehr fällt mir dazu nicht ein. Und so toll, wie in dem Kindergarten alle miteinander umgehen. Ich finde das super gut. Viel KiTa-Liebe. 

Zu Hause musste Pippi dann erstmal schlafen und Michel baden (sie haben das sehr weihnachtliche Boogie-Boogie-Lied in noch weihnachtlicheren Skelett-Kostümen mitsamt Schminke gesungen), Ich lackierte mir meine Fingernägel golden, Herr Rabe zog mit Michel los, Schrauben für den Croozer umtauschen, ich machte mich derweil ausgehfertig und Pippi räumte eine Feuchttücherpackung aus. Als Herr Rabe wieder da war zog ich zur Institutsweihnachtsfeier auf dem Berg am anderen Ende der Stadt los. 

Hmmmmm. Also. Das Essen war gut, obwohl (ja, so muss man das sagen) es viel traditionelles norwegisches Weihnachtsessen war. Ribbe, Pinnekjøtt, Lutefisk. Aber Alles sehr gut zubereitet. Sogar die Ribbe war ok: knusprig und nicht allzu fettig. 

Zwei große Gläser Wein waren auch ok. 

Der Gin-haltige Longdrink nach dem Essen schmeckte nach Fanta Limette und sonst nix. 

Die Reden waren grausam (der Institutsleiter) über naja (Kollegin) bis Mario Barth (Ignacio aus España). 

Das Unterhaltungsprogramm war ganz ok. 

Der DJ am Ende war hmmmmmmm eigenwillig in seinem Mix, aber auch ganz ok. 

War ganz ok, I guess. 

Jetzt Bett.