Tag 1176 – Nicht so gruselig, dafür schön.

Endlich klappt hier mal was.

Die KiTa-Eingewöhnung läuft weiterhin gut, heute lieferte ich Pippi um viertel nach acht ab, verteilte etwa eine Tonne Klamotten auf verschiedene Boxen (Drinnen, Draußen, Wechselsachen, Hausschuhe, Fleece/Wolle…) und verabschiedete mich dann behutsam von Pippi. Die fand das zwar nicht gut, das darf sie ja gerne auch sagen, sie darf sogar weinen, das ist ja total verständlich. Als die Erzieherin sie dann aber tröstete und mit Bügelperlen lockte und ich versprochen hatte, bald wiederzukommen und den Regenhut mitzubringen*, schnüffelte sie ein bisschen und dann durfte ich gehen.

Pippi und ich hatten dann jeweils ein paar schöne Stunden ohne einander. Ich holte sie nach dem Mittagessen ab, mit dem Regenhut, da begrüßte mich ein kleiner Dreckspatz, glücklich in den Matschepfützen** herumspringend, die vom gestrigen Schnee übrig geblieben sind.

Auch überraschend gut läuft die neue Absprache, was die Nachmittags- und Abendgestaltung angeht. Das hatte ich am Montag einmal sehr deutlich erklärt, nämlich dass ich finde, dass die Kinder zu viel fernsehen, dass sie sich deshalb dauernd streiten und keine Lust haben, zum Essen zu kommen. Dass sie deshalb auch zu spät ins Bett kommen und wir ständig unnötig rumdiskutieren, dass ich deshalb abends oft ganz schlechte Laune habe und die Kinder morgens ja dann auch müde sind, wenn wir sie wecken müssen. Erstaunlicherweise kam kaum Protest und die neuen, diktatorisch von mir eingeführten Regeln sind:

  • Essen um sechs, wir werden dafür halt Gerichte zusammensammeln, die sich in 30 Minuten kochen lassen
  • Hausaufgaben möglichst davor
  • Fernsehen erst nach dem Essen
  • Um sieben gehts ins Bad und von da ins Bett

Natürlich funktioniert das zum Beispiel dienstags nicht, denn Michels Skitraining geht bis sieben, danach gibt es da noch Abendbrot und Pippi möchte ungern ins Bett bevor Michel wieder zu Hause ist. Und übermorgen ist Kinderdisco in der Schule, das wird also auch nichts. Aber ich bin erstmal froh, dass es wirklich kaum Protest gab. Vielleicht ist es auch wieder so ein Ding: wenn der Leidensdruck erstmal groß genug ist, dass man eine wirklich klare Ansage macht, weil man wirklich, WIRKLICH dringend was ändern muss, dann schnallen das auch die Dauerdiskutierkinder. Hoffen wir, dass es so bleibt und wir das auch weiter durchziehen.

Was auch super gut läuft: ich hab bisher keine spürbaren Nebenwirkungen.

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In unserem neuen Wohngebiet wird ganz fleißig Trick-or-treat gesammelt, mit mehr oder weniger gruseligen Kostümen und (je nach Alter der Kinder) mehr oder weniger Eltern in ganz und gar ungruseligen Warnwesten dabei. Es waren heute Kinder von etwa 3 bis etwa 13 da und ich finde das, es überrascht mich selbst, gar nicht schlimm, sondern ganz putzig. Laternesingen fände ich immer noch schöner, aber das gibts ja halt hier eh nicht, da ist das schon in Ordnung so. Ich merke mir fürs nächste Jahr: 20 Mini-Riegel des Mars-Konzerns plus ebenso viele kleine Haribo-Tütchen sind recht knapp bemessen. Nächstes Jahr hat Michel dann ja vielleicht auch Lust, heute war ihm das zu gruselig. Auch ok.

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*Das Kind hat zu viel Peppa Wutz geguckt und die Folge, in der Schorsch seinen Regenhut nicht aufsetzt und sich dann erkältet, sehr verinnerlicht.

**Siehe *. Zu viel Peppa Wutz. Di-didedidi-didedidedidi.

Tag 1175 – Kindergarteneingewöhnung die 5.

Hoffentlich zum allerletzten Mal gewöhnen wir also ein Kind im Kindergarten ein. Dieses Mal ganz in Ruhe, denn ich hab Urlaub von meinem Job* und dann bin ich arbeitslos und, also, ach, ich hab halt Zeit.

Pippi braucht diese Zeit glaube ich auch. Gestern wollte sie nicht in einen anderen Kindergarten gehen. Ich kann’s verstehen. Nach den drei Monaten war sie im alten richtig angekommen und jetzt halt wieder ein Wechsel, das ist, unbestritten, nicht schön. Dass die Erzieherin, die ihre Bezugsperson werden soll, krank ist, ist natürlich auch ungünstig, aber halt nicht zu ändern. Jedenfalls bräuchte Pippi gestern erst mal eine gute halbe Stunde um von meinem Schoß runterzukommen. Ich durfte auch nicht sonderlich weit weg gehen, sondern musste, zum Beispiel beim Kneten, im selben Raum bleiben, was natürlich dazu führte, dass mir von sämtlichen Kindern der Gruppe alle Schlangen, Bälle und… unförmigen Gebilde gezeigt wurden. Irgendwie bin ich dann auch in was reingeraten und plötzlich machte ich ganz viele Knetäpfel und -eier. Pippi hat das passende Nest dazu gebaut.

Ich war ehrlich gesagt nach dem Kneten (da waren wir grade zwei Stunden da) schon bereit für Mittagsschlaf, so sehr stresst mich das Zusammensein mit neun Zwei- bis Dreijährigen. Allein der Geräuschpegel frisst meine Nerven in kürzester Zeit auf. Und dauernd wollen die irgendwas. Alle was unterschiedliches, versteht sich, aber alles super dringend. Und wenn keiner was will, haut garantiert irgendwer irgendwem anderem ein Spielzeugauto auf den Kopf oder es fällt wer mit dem Stuhl, den er grad rumschiebt, auf die Nase. Eieiei.

Trotzdem wollten wir bis nach dem Essen bleiben und plötzlich stand da ein Teller für mich auf dem Tisch, zwischen den ganzen Kinderplätzen. Uff. Ich schmierte dann also Stullen mit Leberwurst, Prim, Brunost und Kaviar aus der Tube, goss Milch und Wasser in kleine Tassen, wischte Milchseen vom Tisch, ich ermahnte sogar hier und da wenn Füße über Tischkantenhöhe wanderten. Ehrlich, als es danach hieß, wir sollten nach Hause gehen, damit sich Pippi auf den nächsten Tag freue, war ich glaube ich viel froher als sie.

Heute war also der nächste Tag. Mit Schnee.

Natürlich waren alle Kinder unglaublich aufgeregt, auch Pippi. Sie rannte von der Garderobe aus auch direkt in den Gruppenraum und fing an zu Spielen, als es kurz darauf raus ging, ging ich nur kurz mit und dann wieder rein. Pippi soll ja auch lernen, dass sie alleine dableiben kann, dass ich nicht jeden Tag da sitze und auf Zuruf Eier knete. Für Pippi war das auch erst total ok, aber nach einer guten Stunde kam sie aufgelöst an, weil ihre Finger kat waren. Man stelle sich das vor, wenn man seine warmen Handschuhe nicht anziehen will, werden im Schnee die Hände kalt. Danach war sie jedenfalls echt ungehalten und wollte am liebsten direkt nach Hause. Wir gingen aber noch nicht, sondern aßen und tanzten und Pippi spielte und ich putzte Rotznasen und kultivierte meinen Tinnitus, während ich versuchte, Datenschutzzettel und Gesundheitserklärungen auszufüllen.

Morgen werde ich dann mal tatsächlich den Kindergarten verlassen. Das habe ich Pippi so angekündigt und auch mit den Erzieherinnen abgesprochen. Pippi hätte mich lieber da, aber ich habe das Gefühl, dass es ihr schwer fällt, auf die anderen Kinder und vor allem die Erzieherinnen zuzugehen, wenn ich im gleichen Raum sitze, so unsichtbar wie ich da auch zu werden versuche. Es bleibt spannend.

Pippi findet diese Eingewöhnung auch anstrengend, gestern und heute war sie danach hundemüde und schlief einfach ein, die Nacht von gestern auf heute war dann absolut furchtbar und sie heute noch müder. Hoffen wir, dass sich alles recht schnell zurechtruckelt. Heute gehe ich jedenfalls um neun ins Bett.

P.S. weshalb ich jetzt schon schreibe: Michel ist wieder beim Skitraining. Er war vom ersten Mal letzte Woche so begeistert, dass er es diese Woche gar nicht abwarten konnte und auf dem Hinweg immer wieder fragte, ob wir es eilig hätten, ob wir pünktlich kämen, ganz sicher pünktlich? Und ich sitze derweil im Vereinsheim und Thomas Alsgaard schaut direkt aus den 90ern auf mich herab.

Ich bin total froh, dass ihm das so viel Spaß macht, dass ihn auch Nieselregen bei sehr wenigen Plusgraden nicht schreckt. Ich wäre da anders.

Tag 1087 – Nix mit ausschlafen.

Mit dem Schlafen klappt es bei mir grad eh wieder nicht so super, aber heute mussten wir tatsächlich auch noch beide Kinder wecken, um nämlich deren neue Schule bzw. Kindergarten anzuschauen. Michels neue Schule ist recht nah und 2/3 des Wegs liegen mit Herrn Rabes Weg zum Zug zusammen. Noch ist ja keine Schule sondern Ferienbetreuung, aber wenigstens haben wir schon mal ein paar Kinder gesehen und in Erfahrung gebracht, welche Art Brotdose Michel am Montag braucht. Frühstück nämlich wenn er sehr früh kommt, sonst eigentlich nichts. Ansonsten gibt es über die Ferienbetreuung nicht viel zu sagen. Angenehm finde ich, dass hier alle auf Pendler*Innen eingestellt sind und recht lange Betreuungszeiten anbieten. Das erleichtert uns vieles. Michel freut sich ein bisschen und ein bisschen geht ihm auch die Düse, das ist also auch alles ganz ok.

Pippis neuer Kindergarten hingegen ist halt echt weit weg. Mit einem kleinen Umweg liegt er auf meinem Arbeitsweg, anders würde es echt nicht gehen. Aber dafür ist das mal der krasseste Kindergarten, den ich bisher gesehen habe. Er wurde erst im Februar eröffnet, es ist also alles ganz neu. Ganz ganz neu. Es gibt gefühlte 30 Gruppen mit jeweils 20 Kindern, Pippi ist jetzt in der Türkisen Gruppe. Zwei der Betreuerinnen sind eher im Oma-Alter, das finde ich ja recht sympathisch. Und ganz anders als vor zwei Jahren bei der Eingewöhnung aus der Hölle fing Pippi direkt an mit den anderen Kindern, den Spielsachen und den Betreuerinnen zu spielen. Yeah! Als wir den Rest des Kindergartens anschauen wollten, blieb sie sogar auf eigenen Wunsch hin in der Gruppe und verpasste so eigentlich das beste. Nach Mal- und Bastelraum, Bibliothek, Turnraum und Küche wurde uns nämlich der „Wasserspielraum“ gezeigt. Ein Kindergartenspa. Eine große, aber flache Wanne, in der jeweils zwei bis drei Kinder planschen können. Pippi wird AUS-RAS-TEN! Ein Kindergarten mit Badebecken.

Auch draußen ließ der Kindergarten absolut keine Wünsche offen (außer grünes Gras vielleicht, aber was willste machen bei totalem Bewässerungsverbot) und wenn das so gut weiterläuft, wie es sich angedeutet hat, haben wir da wirklich Glück im Unglück gehabt, dass alle Kindergärten in der Nähe von unserem neuen Wohnort voll waren.

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Auto-Lobhudelei: nach 4 Schubladen die restlichen 4 in Rekordzeit zusammengebaut. Und endlich Klamotten ausgepackt.

Tag 810 – Berappelungstag.

Erstmal: vielen lieben Dank für all Ihre netten Worte. Und dann zur Erklärung:

– nein, ich glaube nicht, dass das in allen norwegischen Kindergärten so läuft. Meine Kolleginnen guckten auch alle etwas sparsam, als ich die Geschichte erzählte.

– leider weiß ich nicht, ob das bei anderen Kindern auch vorkommt, aber ich habe vor, das herauszufinden.

– ich glaube schon, dass sie 38,2 gemessen haben. Ich glaube nicht, dass sie dreimal gemessen haben, das halte ich für eine Notlüge, weil ich auf unsere Absprachen (s.u.) hingewiesen hab. Laut der Erzählung lief es so: sie waren draußen (also in wirklich viele Schichten Wolle verpackt), Pippi war erst nölig und brüllte dann irgendwann (sie ist nicht gern draußen wenn’s regnet und kalt ist, das gute Kind, Mama ist sehr stolz). Sie gingen rein, pellten ihr die Schichten vom Leib und maßen dann. Direkt nach dem Brüllen, direkt nachdem sie sehr warm angezogen war und gegen jede Absprache, die wir extra diesbezüglich mal getroffen hatten. Die nämlich besagte: nicht vorm Essen messen (Pippi wird schnell hangry, auch da: ganz die Mama…), nicht direkt nach dem Brüllen, nicht direkt nach dem Schlafen.

– nein, ich glaube nicht, dass Pippi eine höhere Betriebstemperatur hat. Ich glaube eher, dass ihre Körpertemperatur schnell auf alles mögliche reagiert und sie regelrecht heiß läuft. Deshalb hatten wir ja auch eine Absprache: wenn irgendwas gemessen wurde und Kind sonst normal (also nicht schlapp rumhängend) ist, nach 10 Brüllfreien Minuten noch mal messen.

– Ich stehe jetzt mit einer potentiellen Kinderfrau in Kontakt.

– Zur Geldproblematik: ich bekomme kein Arbeitslosengeld, wenn ich den PhD nicht eingereicht oder schriftlich erklärt habe, dass ich diesen nicht mehr weiter verfolgen werde. Letzteres geht aber auch nur mit Bestätigung der Uni, ich muss dann alles abgeben und komme buchstäblich nicht mehr rein. Die sind da hier sehr streng, wenn man halt PhD student ist, dann ist man das zu 100%, selbst wenn man kein Geld mehr bekommt und/oder seinen PhD abends und nachts erledigt. Alles egal. Nicht eingereicht —> keine Kohle. Deshalb muss ich spätestens am 31.12. einreichen. Es sieht ja auch alles machbar aus, käme nicht ständig so ein Scheiß dazwischen

– dass Herr Rabe die Hauptansprechperson sein könnte, habe ich auch schon überlegt. Aber vermutlich hat sich das durch meinen Ausraster am Telefon gestern eh erledigt, Norweger*Innen können ja nicht so mit Konflikten und die gehen mir jetzt wohl erstmal soweit möglich aus dem Weg.

Ansonsten lief der Tag extrem zäh an, der Tag gestern und das Arbeiten bis fast Mitternacht steckte mir noch in den Knochen und in der Psyche. Das ist wirklich so ne Sache, wenn man eh kurz vorm Durchdrehen ist, braucht’s eben nur nen kleinen Piekser und aus mir entweicht alle Luft mit einem lauten Quietscher. Und nie weiß ich, ob’s diesmal drei Wochen oder drei Stunden dauern wird, mich zu berappeln. Und unglaublich viel Kraft kostet es wirklich jedes Mal und die fehlt mir dann logischerweise an anderer Stelle. Aber heute ging es relativ fix, nach einem sehr späten Kaffee nach dem Kinder wegbringen, dann einer ausgedehnten Badrunde mit Glitzer aufmalen und ausgiebiger Beautyblender-Massage meiner geschwollenen Augenlider und dann noch lunch mit der Lieblingskollegin saß ich danach fünf Stunden lang fast ohne was anzünden zu wollen am

Mikroskop.

Abends dann Discovery mit Herrn Rabe. Viel Liebe dafür.

Tag 576 – Wheeeeee und oh. 

Heute hier was unterhaltsames und was trauriges. Das Traurige zuerst.

Letzte Woche bekamen wir eine Mail vom Kindergarten, in der für heute ein „außerordentlicher Elternabend“ anberaumt wurde. Es solle um den Mietvertrag und die nächsten Schritte gehen. Tja und leider klingt das fast so bescheiden wie es ist: der Mietvertrag des Kindergartens läuft am 1.7.2018 aus und wird nicht verlängert werden. Die Schule braucht nämlich wegen der vielen neuen Wohnungsbauprojekte in unserer Gegend die drei verwinkelten Räumchen selbst. Angeblich. Die Kommune möchte aber auch die Form des Kindergartens (eine altersübergreifende Gruppe) aus ökonomischen Gründen nicht weiter unterstützen und ist deshalb keine Hilfe bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Dass das alles total hirnrissig ist, in einem schnell wachsenden Stadtteil mit vielen Familien KiTas nicht nur nicht auszubauen sondern sogar noch zu schließen, scheint auch weder bei der Kommune noch bei den Bauträgern irgendwem aufzufallen. Damit bleibt dem Kindergarten die (aussichtslos erscheinende) Suche nach neuen Räumlichkeiten in der Nähe, oder vielleicht auch nicht ganz so in der Nähe, oder am anderen Ende der Stadt. Oder sie lassen sich von einem größeren Träger übernehmen, müssten dann aber vermutlich das Konzept aufgeben. Und obwohl das uns nicht mehr betreffen wird (Michel eh nicht, der kommt im August 2018 in die Schule), weil wir höchstwahrscheinlich dann nicht mehr hier wohnen werden, war die ganze Situation so traurig, dass ich am Ende mindestens so viel Pipi in den Augen hatte, wie die Leiterin der KiTa. Die hatte schon den Redepart dem „Busfahrer“ (der arbeitet Teilzeit da als Pädagoge mit Busführerschein und fährt eben den KiTa-Bus wenn die Kinder Ausflüge machen: mindestens Mittwochs, manchmal auch Montags und/oder Freitags) überlassen und saß die meiste Zeit nur wie ein Häufchen Elend auf dem Stuhl. Am Ende rang sie sich zu einem „das ordnet sich bestimmt“ durch, aber, ach. Ich glaube, sie weiß ziemlich genau, dass das mindestens schwer wird oder Lottogewinn-Level Glück braucht. Sehr traurig eben, das ganze. Es ist ein toller Kindergarten. So. 

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Zur Aufmunterung: ich war am Dienstag Abend Ski fahren. Ja, wirklich. Ich. Ski. Das kam so:

Ich fragte am Montag meine Kollegin L., deren jüngere Tochter etwas älter ist als Michel, ob sie zufällig Ski in Michels Größe hätten, weil der Kindergarten am Mittwoch einen Skiausflug machen wollte. Hatte sie und brachte sie am Dienstag mit. Wir plauderten ein bisschen darüber* und sie fragte mich, wieso wir denn Michel nicht selbst Skifahren beigebracht hätten. Ich sagte, dass wir nicht Skifahren können. Zumindest ich nicht, Herr Rabe fast nicht, aber ich, so erzählte ich auch ihr wahrheitsgemäß, habe mich bei meinem bisher einzigen Versuch mit Langlaufskiern so dermaßen an einem vereisten Hügel auf die Fresse (leider wörtlich, ich bin aufs Gesicht gefallen und wegen der lächerlich langen Stöcker konnte ich mich leider auch fast gar nicht abfangen) gelegt, dass mir die Luft wegblieb und ich kurz dachte, ich hätte mir mindestens alle Knochen gebrochen oder schlimmeres und daraufhin habe ich dem norwegischen Volkssport Langlauf für immer abgeschworen. Und sie, was macht sie? Fragt „Hast du Lust, heute Abend mitzukommen? Ich will eh Ski fahren, ich bin die schlechteste norwegische Skifahrerin, du kannst Ski von mir leihen, die sind ganz langsam und ich brings dir bei.“ Und ich sagte zu. Schlafmangel macht mich unzurechnungsfähig, sage ich Ihnen! 

Abends machte ich mich, als alle im Bett waren, auf den Weg. Die Loipen sind hier beleuchtet, ist also egal, wann man losgeht. Ich holte L. von zu Hause ab, das war alles recht chaotisch wegen WosindnochmaldieStöckerOhichmussjaWachsmitnehmenVerdammtwoistderAutoschlüssel, aber irgendwann waren wir dann doch unterwegs zum Nissebyen. L. wachste noch grad ihre Skier (es war -8 Grad und das Wach was drauf war war -2 – 4 Grad oder so.), ich schaute den ganz leichten Polarlichtern zu und dann machten wir los. 

Die Loipe war extrem gut gepflegt und wegen der späten Uhrzeit auch kaum Leute unterwegs. Soviel zum positiven. 

Viel zu lange Ski, für meinen Geschmack.

Puh. Langlauf ist sehr anstrengend, soviel vorweg. Und auch eine angeblich super schlechte Skifahrerin aus Stavanger ist erstaunlich flott unterwegs. 

Den ersten Kilometer oder so ging es flach voran, ich übte also geradeaus fahren. Peinlicher Weise scheiterte ich erstmal an der Arm-Bein-Koordination. Man sollte meinen, eine Tänzerin kann das. Hahaha. Nein. 

Dann kam ein Hügel. Ein langer. Relativ flach zwar, aber für mich mit meinen negativen Erfahrungen sehr angsteinflößend. L. zeigte mir, wie man bremst. Und wie man fällt, wenn man fällt. Wie man vermeidet, zu fallen. Ich tat wir mir geheißen und fiel nach etwa 30 Metern ziemlich Sackmäßig auf meinen Po. Die Knie in einem mörderisch unbequemen Winkel und völlig unfähig, aus der Position wieder aufzustehen. Aber laaaaaaaaaange nicht so schlimm wie beim ersten Mal. L. zeigte mir, wie ich über die Seite aufstehen muss (einfacher gesagt als getan mit 1,80 m langen Dingern an den Füßen) und ich hievte mich elegant wie eine Seekuh zurück in den Stand. Dann fuhr ich in Zeitlupe den restlichen Berg herunter. 

Leider kam nach dem Bergab direkt ein Bergauf. L. zeigte mir also, wie man den Berg heraufklettert. Das sieht im Fernsehen immer so einfach aus und auch L. schien sich nicht allzu sehr anstrengen zu müssen. Ich, naja, ich wahr, als ich endlich oben war, komplett durchgeschwitzt, aus der Puste und meine Knie taten weh vom Kippen der Skier. Und schon ging es wieder bergab. Diesmal fiel ich schon viel eleganter auf die Seite. Beim dritten Mal fiel ich gar nicht mehr. Beim vierten Hügel aufwärts hatte ich den Dreh mit der Gewichtsverlagerung raus und kam nicht mehr total fertig oben an. Geradeaus war zwar mit den stumpfen Skiern wirklich anstrengend, ging aber irgendwann auch. Und am Ende schaffte ich den steilen Hügel bergab mit Linkskurve ohne Hinfallen und hatte fast sowas wie Spaß. Fast. 

Gestern ging es mir übrigens überraschend gut. Nur im Po und im Nackenbereich hatte ich Muskelkater. Heute hingegen möchte ich am liebsten sterben. Po, der ganze Rücken, die Oberschenkel, die Trizepse (halleluja, die Trizepse!), alles ist Muskelverkatert. Aua. 

Aber insgesamt war’s schön. Mit L. etwas unternehmen, hat Spaß gemacht und das Meisterungsgefühl war am Ende einfach gigantisch. Vielleicht machen wir das ja nochmal…

Tag 487 – Weihnachtsdings 2 und 3

Jösses. Was ein Tag. Erst ein klitzekleines bisschen verschlafen, dann schnellschnell Kinder abliefern (die verabschieden sich gar nicht mehr von mir, auch Pippi nicht. Michel sehe ich meistens nicht mehr, nachdem ich ihm aus dem Fahrradanhänger geholfen habe, der macht alles alleine), dann schnellschnellschnell arbeiten. Dann ohne was gegessen oder getrunken zu haben und mit dem dauernden Mantra „Ich komme nicht zu spät!“ im Kopf zum Kindergarten gerast. Um 11:58 in Regenklamotten, verschwitzt und mit knallroter Birne in den Saal gekommen, um 11:59:30 Regenklamotten aus und Haare gemacht (ja, ohne Spiegel, ohne alles und vor allen Leuten) um 12:00 ging die Weihnachtsfeier los. 

So. Niedlich. Echt. Mehr fällt mir dazu nicht ein. Und so toll, wie in dem Kindergarten alle miteinander umgehen. Ich finde das super gut. Viel KiTa-Liebe. 

Zu Hause musste Pippi dann erstmal schlafen und Michel baden (sie haben das sehr weihnachtliche Boogie-Boogie-Lied in noch weihnachtlicheren Skelett-Kostümen mitsamt Schminke gesungen), Ich lackierte mir meine Fingernägel golden, Herr Rabe zog mit Michel los, Schrauben für den Croozer umtauschen, ich machte mich derweil ausgehfertig und Pippi räumte eine Feuchttücherpackung aus. Als Herr Rabe wieder da war zog ich zur Institutsweihnachtsfeier auf dem Berg am anderen Ende der Stadt los. 

Hmmmmm. Also. Das Essen war gut, obwohl (ja, so muss man das sagen) es viel traditionelles norwegisches Weihnachtsessen war. Ribbe, Pinnekjøtt, Lutefisk. Aber Alles sehr gut zubereitet. Sogar die Ribbe war ok: knusprig und nicht allzu fettig. 

Zwei große Gläser Wein waren auch ok. 

Der Gin-haltige Longdrink nach dem Essen schmeckte nach Fanta Limette und sonst nix. 

Die Reden waren grausam (der Institutsleiter) über naja (Kollegin) bis Mario Barth (Ignacio aus España). 

Das Unterhaltungsprogramm war ganz ok. 

Der DJ am Ende war hmmmmmmm eigenwillig in seinem Mix, aber auch ganz ok. 

War ganz ok, I guess. 

Jetzt Bett. 

Tag 354 – Wuaaahhhhh!

Pippi kommt morgen in den Kindergarten. Morgen. Mor-gen. 

(Um da nicht zu viel drüber nachzudenken, war ich heute mal locker flockig drei Stunden arbeiten. 12, jetzt 24 Flaschen Zellkultur machen ganz schön Arbeit. Vor allem wenn nichts, aber auch wirklich gar nichts, was man zum Arbeiten braucht, im Zelllabor vorhanden ist. Keine Pipetten, Pipettierhilfen mit leeren Akkus, Serum alle, Trypsin alle, keine Kulturflaschen… Obendrein noch zwei Inkubatoren wegen Wartung morgen gesperrt, sodass ich sämtliche 24 Flaschen in Sechserstapeln durch das gesamte normale Labor ins andere Zelllabor zu den anderen Inkubatoren schleppen musste. Und weil ich heute so fleißig war, hab ich morgen – aus gegebenem Anlass – frei. Trotzdem: würde Herr Rabe sowas machen, ich würde ausrasten. Manchmal frage ich mich, wie es diese Familie mit mir aushält.)