Tag 2373 – Nicht in Form.

Es sei denn, die Form einer Qualle am Strand zählt als Form. Vielleicht war es etwas voreilig, zu sagen, Pippi habe niemanden angesteckt, vielleicht ist es auch nur Migräne und dann Nebenwirkungen der Triptane. Keine Ahnung, ich hab jedenfalls heute die komplette zweite Staffel Bridgerton gebingt, viel mehr war nicht drin.

Tag 2372 – #healthy #supermom #mindfulness

Wir haben heute wieder das Instagram-Life gelived. Sowas von. Erst hab ich meinen #shoehaul ausgepackt und bin jetzt um ein paar Gesundheitslatschen von *ieker für den Sommer reicher. Die sind nicht sehr hübsch aber sehr bequem und ich kapituliere einfach vor meiner Hammerzehe, die in vielen weniger bequemen und dafür hübscheren Schuhen inzwischen beim Laufen weh tut. Das andere Paar Schuhe war leider zu klein, die wären ein schöner Ersatz für meine Winterschuhe, die Hallux-mäßig leider zu Foltergeräten mutiert sind. Ich schickte die zurück und bestellte nicht noch mal in einer Nummer größer, sondern kaufte ein anderes Modell der gleichen Marke eine Nummer größer gebraucht über Finn. #Nachhaltigkeit? Eher #Geiz, weil ich so fast 50% gespart habe, für Schuhe, die angeblich nur einen Nachmittag getragen wurden (und neu furchtbar teuer sind).

#Tierliebe #adoptdontshop ich wollte eigentlich dieses Wochenende ein Gebrauchtschweinchen abholen, das hat nun aber leider eine Lungenentzündung und kann erst mal nicht umziehen. Meh.

Pippi ist wieder top fit, hat aber den Tag vor diversen Endgeräten verbracht. #Karrieremutter #Vereinbarkeit Sie isst wieder und scheinbar hat sich auch niemand angesteckt, puh.

Als Michel nach Hause kam, brachte er einen Kumpel mit, was mit mir per SMS abgeklärt war. Ich hatte ihn nämlich weggedrückt, als er anrief, weil ich in einem Meeting saß #Supermom #Vereinbarkeit und wechselte stattdessen schnelle SMS „Kann N mitkommen?“ „Ja aber ihr könnt nicht hier oben rumtrampeln, ich hab ein Meeting“ „K“ heimlich unterm Tisch #MitarbeiterinDesJahres #Fokus #Supermom #Vereinbarkeit. Die Jungs saßen pädagogisch wertvoll ziemlich viel vor Super Smash Bros #SchauHin #DigitalDetox #UnserAlltagIstIhreKindheit

Irgendwann ist aber sogar mein Job vorbei und ich fuhr sehr schnell in den Supermarkt, wo ich (ich übertreibe nicht) Tiefkühlpizza, Eis am Stiel, Knoblauchsoße (für auf die Pizza) und zwei Dosen Bier kaufte. Wenn das nicht #healthy und #ausgewogen und #eatrealfood ist! Ich meine – 3 von 4 Pizzen waren vegetarisch! #BessereMenschen #MoralischÜberlegen

Nach dem Essen (irgendwie war noch ein weiteres Besuchskind aufgetaucht) wollte ich mir gerne beide Ohren amputieren, weil drei Jungs im Alter von 9 und 10 Jahren ein Energieniveau haben, das ich am Ende eines Tages nur mit großer Mühe aushalte #BoysWillBeBoys #FullHouse #ImmerLebenInDerBude. Ich zog mich deshalb in meine Gemächer zurück, um auf einer viersaitigen Holzkiste andere Arten von Lärm zu erzeugen #mindfulness #ZeitFürMich #OldestProdigyEver

Zum Abschluss des Tages wurde mir mal wieder von Pippi die Familienzugehörigkeit gekündigt, weil ich gesagt hatte, sie solle zum Zähne putzen das iPad ausmachen #Supermom #MotherDaughterLove.

Jetzt Bett, die Bettwäsche hat rote Punkte und ich trage weder Wollsocken noch einen oversized Pulli, sondern ein uraltes Männer-Tour-T-Shirt #Boyfriendlook von Blink182. Man muss sich ja die Street Cred bewahren. Nicht nur mit dem Strom schwimmen. Ne?

Tag 2372 – Wäsche waschen.

Pippi geht es wieder so halbwegs ok, sie hat abends auch wieder ein bisschen Haferbrei gegessen. Sie war aber den Tag über schlapp und hing rum, schlief sogar nachmittags noch mal ein. Und ich war heute müde (Herr Rabe vermutlich auch) und habe einige Maschinen Wäsche zwischen der Badewanne (wo man sie halt nachts so hinwirft), der Waschmaschine, dem Trockner und diversen Wäschekörben hin und her transferiert. Weiter bin ich noch nicht gekommen, man muss aber auch sagen, dass sich unsere 2,40 x 2,20 m Bettwäsche echt schlecht alleine zusammen legen lässt.

Jetzt Bett und hoffen, dass nicht bald der oder die nächste von uns dran ist.

Tag 2371 – Lang ist’s her.

Vorhin kam Pippi an, weil sie nicht mehr schlafen konnte, weil irgendwas war, sie behauptete Nase zu, aber das war es nicht, sie atmete ganz normal durch die Nase. Ich packte die Geige ein und setzte mich mit ihr aufs Sofa, wo sie wieder einschlief. Ich döste auch kurz weg, wurde dann aber sehr schlagartig wieder sehr wach und jetzt ist Pippi frisch geduscht und meine Klamotten und die Sofadecke sind in der Waschmaschine.

Hoffen wir, dass es nur was falsches gegessen ist, Magen-Darm brauchen wir wirklich nicht im Haus. War eigentlich auch ganz schön so ohne…

Tag 2370 – Dies und das.

Draußen riecht es nach Frühling. Endlich. Ja, das ist sicher auch wieder irgendsoeine unromantische Sache wie sterbende Grashalme oder irgendwelche Bakterien, aber ich finde es schön. Heute habe ich auch die ersten Blümchen entdeckt (blåveis, äh, Leberblümchen) und ein paar grüne Grashalme an besonders sonnigen Ecken. Morgens musste ich noch Eis kratzen, nach der Arbeit war es zu warm für ne Jacke und das Auto auf Sauna erwärmt.

Ich habe immer ein bisschen Angst, dass ich eines Dienstags beim Tanzen sitze und versuche, meinen Fuß in ein Schläppchen in Größe 33 zu stecken.

Aufstehen heute war ziemlich brutal und ich überlegte kurz, doch spontan einfach Homeoffice zu machen, weil ich dann noch ne Stunde hätte liegen bleiben können. Hab ich dann aber doch nicht. Arbeit war erst zäh und wurde dann besser, immerhin. Aber ich beobachte wieder genauso volle Züge wie vor der Pandemie. Auch der Pendlerparkplatz ist wieder voll und man muss schon vor sieben ziemlich weit hinten parken. Vielleicht ist „alle machen jetzt viel mehr Homeoffice“ nur Wunschdenken gewesen? Ich find‘s kacke, ehrlich gesagt. Können wir nicht mal das, was gut war, bewahren? Müssen wir echt zurück zu 2019, mit einem Spritzer Handdesinfektionsmittel hier und da? Ich möchte teilweises Homeoffice behalten, ich habe eigentlich keine große Lust, wieder zwei Vollzeitjobs, Kinder, Hobbies der Kinder, eigene Hobbies und pro Erwachsenem zwei Stunden pendeln JEDEN TAG unter einen Hut quetschen müssen. Es ist unnötig, das zu tun, das haben wir jetzt zwei Jahre lang gezeigt.

Aber eigentlich will ich mich heute nicht ärgern. Denn draußen riecht es nach Frühling.

Tag 2369 – Zu Hause ist es auch (überraschend) warm!

Wir sind wieder zu Hause. Seit 5 Uhr (englischer Zeit) wach und auf den Beinen, wieder tausend Schlangen aber wenigstens keine fallenden älteren Leute. Ein ruhiger und pünktlicher Flug. Zu Hause erwarteten uns überraschend viele Plusgrade draußen, ein relativ kaltes Haus drinnen (aber gut gelagertes Feuerholz, damit wird es zumindest im Wohnzimmer schnell wieder warm), nach wie vor null grüne Pflanzen draußen und zwei aufgeregte Schweinchen, die froh sind, dass hier wieder Leben in der Bude ist.

Die ersten zwei Maschinen Wäsche sind bereits gelaufen, wobei eine die Schweinchenwäsche war, die zählt nicht richtig. Herr Rabe macht aber morgen Homeoffice, da kann er weitere Wäsche waschen.

Ich muss aus Gründen morgen ins Büro und möchte das nicht, überhaupt möchte ich noch nicht direkt wieder arbeiten müssen, mimimi.

Deshalb (und weil der Tag schon lang und anstrengend genug war), mache ich jetzt auch einfach die Augen zu.

Tag 2366 – Sheffield Park & Garden.

Wir haben heute einen Ausflug mit Picknick gemacht, in den Sheffield Park, wo die Kinder einen Naturlehrpfad mit Ostereiprämie machen konnten. Pippi fand das auch ganz toll, suchte begeistert und lernte ein paar neue englische Wörter, butterfly zum Beispiel. Michel fand das insgesamt alles eine Zumutung, war dann aber einigermaßen zufrieden damit, auf einem alten, toten Baum(-stumpf) herumzuklettern. So lange jedenfalls, bis er bemerkte, dass er nicht wieder herunter kam. Es ging alles gut aus, ich half ihm runter und anschließend halfen wir auch Pippi noch mehrmals da runter, die gar nicht glauben wollte, dass sich Michel nicht nur anstellt. I

m Garten war es sehr schön:

… und man konnte sehr sehr alte, riesige Bäume und Rhododendren bewundern.

Wie man an den Bildern erahnen kann, ist es wirklich warm, 23 Grad im Schatten. Dafür haben wir nicht gepackt, das sind ja sommerliche Temperaturen für uns. Mit von der Schwägerin geliehener Sonnencreme eingeschmiert ging es, ohne es den Einheimischen gleich zu tun und fetten Sonnenbrand zu bekommen. Michel fragte mich anfangs, warum er so weiß sei, gab sich dann zuerst mit der Antwort „ich bin auch so weiß, das hast du wohl von mir geerbt“ zufrieden, meinte aber später, er würde ja schon gern etwas Farbe bekommen, weil er ja sozusagen im Dunkeln leuchte. Vielleicht kriegen wir ihn ja mit dem Argument öfter mal nach draußen. (Sagen Sie ihm das nicht, aber braun werden wir ja nun eher nicht.)

Hier noch ein social media-freundliches Bild von Pippi in einem der Bäume, in denen man klettern durfte:

Tag 2365 – Pärchenkackscheiß.

Wir hatten heute ein paar Stunden Kinderfrei, nämlich zwischen Schwimmen gehen (King Alfred Leisure Center… war jetzt eher so naja. Zum Thema „aber man duscht doch überall vorm Schwimmen nackt mit Duschgel und Haare waschen!!!“ [was ja in Skandinavien eiserne Regel inklusive Erwähnung in Kinderbüchern ist] – nicht bei König Alfred. Da gibts Gemeinschaftsduschen [und ein paar wenige Kabinen] und die Duschen sind kalt [Techniker ist informiert!], was nicht grad zum gründlichen Duschen animiert und es gingen auch einfach alle trocken ins Wasser. Bei König Alfred soll man halt Sport treiben, Punkt. Rutsche ist auch kaputt, Sprungturm gibts nicht. Aber dafür ist es relativ günstig) und Bettzeit. Wir gingen in Brighton eine ausgiebige Runde bummeln, das haben wir schon ewig nicht gemacht. Schaufenster gucken, auch mal wo rein gehen, und wenn uns was wirklich toll gefallen *und* es das in unserer jeweiligen Größe gegeben hätte (looking at you, gelbe Schuhe und blaues Kleid) *und* das dann auch noch gepasst hätte (looking at you, türkise Stiefeletten) wären wir durchaus in Kauflaune gewesen. Leider trafen die drei Punkte bei nichts zu. Rote Schuhe für Herrn Rabe haben wir auch nicht gefunden. Tjanun. Im Anschluss an die Bummelrunde gingen wir noch essen, nach zwei vergeblichen Anläufen („Tisch für zwei? Ja, kein Problem, in 45 Minuten ist was frei für euch!“) wurde es Thai und war sehr lecker. Es ist ja durchaus einfach auch mal schön, irgendwo hin gehen zu können, wo keine Pommes auf der Karte stehen. Insgesamt waren diese paar Stunden sehr schön, meine Schultern hängen jetzt wieder ein paar cm tiefer und ich merke auch, dass ich viel weniger Geräuschempfindlich bin, wenn ich nicht noch für die Emotionen zwei weiterer Menschen zuständig bin. Außerdem kann man mit Herrn Rabe sehr gut bummeln und shoppen.

Danach fuhren wir mit dem Bus zur Schwägerin und hatten das sehr zweifelhafte Vergnügen, den Bus mit einer Horde Teenager mit Hormonstau auf dem Weg zu irgendwelchen sozialen Abendaktivitäten zu teilen. Einige dieser Teenager waren deutsch und ich war zwischenzeitlich kurz davor, einem jungen Mann sowas wie „Das sag ich deiner Mama!“ zu sagen, nachdem er sich wiederholt sehr respektlos über Frauen geäußert hatte. Grundgütiger. Waren wir auch so? (Ich fürchte es.) Werden unsere Kinder auch so? (Ich fürchte es, werde aber mein bestes tun, damit sie es nicht werden.)

Ich möchte bissig anmerken, dass die Teenager vermutlich einfach gar nicht wussten, wie man sich benimmt, weil im Bus keine Schilder waren, auf denen stand „Please don‘t call anyone a MILF“. Engländer scheinen ein inniges Verhältnis zu Schildern zu pflegen, überall sind Schilder, was man soll und was man alles nicht darf. Immer höflich, aber bestimmt. Aber das waren ja eben gar keine englischen Teenager.