Tag 1970 – Bastelmaus und Pups.

Wir haben gestern erfahren, dass Michel seinen Kumpels deutsche Schimpfworte beibringt, zum großen Vergnügen aller Beteiligten. Es kam zur Enthüllung, weil Michel seinen Kumpel zwang „Experimentier-Adventskalender“ vorzulesen, was natürlich schon ein fieses Wort für norwegische Zungen ist. Fand auch der Kumpel und sagte dann „Du bist ein Pillemann!“ zu Michel. „Gnihihi“ sagte Michel, während mein Kopf noch verarbeitete, dass das norwegische Kind grad sowas wie deutsch gesprochen hatte. „DU BIST KLEIN!“ sagte der Kumpel und Michel lachte sich halb schlapp, das war offenbar ein gut eingeübtes Spiel. „DU BIST EIN KLEIN‘ PILLEMANN!“ rief der Kumpel. „DU BIST EIN PUPS!“ rief Michel, woraufhin der Kumpel fragen musste, was Pups ist.

Wir entlockten Michel dann noch, dass er auch mehreren Kindern in seiner Klasse diese Wörter beigebracht hat, und so unangenehm mir das ist, bin ich doch seltsam erleichtert, dass er nicht die viel gröberen Schimpfworte, die mir so entfleuchen, den neugierigen Drittklässlern beibringt. Wörter, die er anderen beigebracht hat:

  • Pillemann
  • Pups
  • Kack

(Vielleicht fange ich auch einfach an, andere Autofahrende als „klein‘ Pillemann“ zu bezeichnen, das ist viel netter, als mein in diesen Situationen bevorzugter Kraftausdruck.)

Pippi hingegen ist in einer hardcore Bastelphase. So ziemlich jeden Tag bekommen wir irgendwas aus dem Kindergarten mitgebracht, ein ausgemaltes Bild, ein komplett selbstgemaltes Bild von uns als Familie mit vielen Herzchen, Bilder von Häusern mit Herzchen, Bügelperlen-Herzchen, Ketten, Perlen, Armbänder, you name it. Das hier hat sie mir beim Kulturhjulet gemacht:

Mama ist sehr stolz.

Zusätzlich bastelt sie dauernd irgendwas zu Hause und kann sich stundenlang mit Wasserfarbe und ähnlichem beschäftigen. Das ist schon sehr schön und die Erzeugnisse sind auch sehr süß und gut beobachtet.

Pippi hilft aber auch gern zu Hause mit, hier zum Beispiel beim Meerschweinchen füttern:

Meistens sind die momentan beide zum Knutschen. Also außer, wenn sie sich drum bewerben, als erstes an der Tanke „vergessen“ zu werden. Dann nicht.

Mein Arbeitgeber kam gestern mit lauter guten Sachen um die Ecke, erst gab’s Frühstück an die Haustür geliefert, dann einen unverhofften kleinen Geldsegen und am Ende auch noch Blümkes „für den außerordentlichen Einsatz in einem speziellen Jahr“.

Das haben alle Angestellten bei uns bekommen, nicht dass Sie jetzt denken, ich wär da irgendwie besonders aufgefallen. Aber ich freue mich natürlich über die Anerkennung. 2020 war kacke, für uns alle, und ein Strauß Blumen ist da besser als alles, was sonst so seit März von der Leitung kam.

Tag 1968 – Nix mehr gewohnt.

Ich war heute im Büro, Herr Rabe auch, aber ich sag’s mal so: das war vor Corona irgendwie nicht so anstrengend.

Ergebnis des Experiments:

Ich mag den Ausdruck „kommunizierende Röhren“ nicht, weil es klingt, als würden die reden und „sich hart diskursiv erarbeiten“, dass da hinterher in jedem Glas gleich viel sein soll. Deshalb hab ich es Michel auch einfach mit Gleichgewicht erklärt. Sieht man ja auch an dem Grün-Gelben Tuch, dass es nicht nur von gelb nach grün wandert und dann stoppt wenn im Grünen genug Flüssigkeit ist.

Überaus ärgerlich: der Rock, den ich neulich genäht habe, ist auf dem Nachhauseweg (immerhin erst da!) kaputt gegangen und zwar so ziemlich unrettbar. Bevor ich Bilder gemacht habe. Und nein, ich hab nicht versucht, mich an dem Rock an irgendwas abzuseilen oder so, ich hab mich einfach nur ins Auto gesetzt.

Stoffqualität fürn Arsch, würd ich sagen.

Also fürs Protokoll: ich hab mir da echt Mühe gegeben, der Rock war auch den halben Tag echt schön und bequem und das Auto kann auch nix dafür. Ich habe beschlossen, mich weder aufzuregen noch zu heulen.

Apropos nicht aufregen: ich könnte mich so dermaßen aufregen über UK und über die Medien, die rumposaunen, es würde bald ein Impfstoff zugelassen. Weil – es wird möglicherweise ein Impfstoff zugelassen – WENN DIE DATEN ZU EFFEKT, SICHERHEIT UND QUALITÄT GUT GENUG SIND. Da gehen ziemlich viele Leute gründlich durch sehr viele Daten und es reicht offenbar nicht, dass ganz Europa diese Impfstoffe dringend haben will, nein, UK macht einfach mal (wieder) was sie wollen, Politiker allerorten machen die Bevölkerung heiß und alle, wirklich ALLE, tun so, als sei die regulatorische Arbeit nur noch Formsache. Ich bin heilfroh, dass ich damit nichts zu tun hab, aber ich fühle SEHR mit meinen Kolleginnen und Kollegen in Europa und auf der ganzen Welt, die das grad evaluieren, unter einem irrwitzigen Druck von allen Seiten. Das wirklich allerletzte was wir ALLE wollen SOLLTEN, ist dass diese Menschen wegen des Drucks irgendwas zulassen, mit dem sie eigentlich Bauchschmerzen haben.

Das hat mich heute so aufgeregt, dass ich’s getwittert hab. Hinterm Schloss, weil ich neulich versehentlich bei der Arbeit meinen Twitteraccount fast verraten hab und wenn ich eins nicht will, dann dass meine Kolleginnen und Kollegen über mein belangloses Gesülze auf Twitter Bescheid wissen.

Das, und Covid19-Impfstoffe evaluieren müssen. Das will ich auch nicht.

Tag 1967 – Versuch macht kluch.

Wir experimentieren uns durch den Advent, Michel und ich (Pippi will hauptsächlich Türchen aufmachen).

Herr Rabe hat uns nämlich den Experimentier-Adventskalender von der Sendung mit der Maus besorgt. Der ist, soweit ich das nach 2 Tagen sagen kann, sehr liebevoll gemacht und Michel ist da natürlich voll in seinem Element. Seine Hypothese: morgen ist das Glas in der Mitte vor grünem Wasser übergelaufen. Wir werden es sehen, nicht wahr?

Gute Nachrichten vom Umbau: es ist fertig. Ich kann es auch kaum glauben. Wir haben uns entschieden, die Wand, in der die Schlafzimmertür vorher war, auf der Arbeitszimmerseite nicht tapezieren zu lassen, weil da eh eine glatte Fototapete hin soll. Dementsprechend hat der Chefhandwerker heute auf der Seite an der Wand den Rest der Tapete entfernt. Innen im Schlafzimmer haben wir aber wieder die Strukturtapete und er hat auch noch mal drüber gestrichen. Weiß, nicht in dem seltsamen Beige, das im ganzen Haus ist, aber wir streichen ja eh, Hauptsache wir haben einen halbwegs gleichmäßigen Grund.

Einziges verbleibendes Manko: es gibt unsere Fußleisten nicht mehr und uns fehlt ca. ein Meter. Die einzige Möglichkeit wäre, uns einen Meter Fußleiste spezialanfertigen zu lassen, vermutlich zu Mondpreisen. Gut, dass wir eh den Einbauschrank bekommen, dann wird der halt nicht mit den Fußleisten „eingefasst“, sondern mit irgendwas anderem, dann passt es wieder. Ich glaube, Fußleisten am Schrank braucht eh kein Mensch, schon mal gar keine braunen Leisten an einem (vermutlich) weißen Schrank.

Wir freuen uns jetzt aufs nächste Wochenende, wir werden streichen, lackieren und die eine, jetzt nackte, Wand grundieren/spachteln/irgendwie für Tapete fertig machen.

Ich wäre jetzt bereit für die Rechnung des Handwerkers, damit ich dieses Buch zuschlagen kann.

Tag 1966 – Tja, hmm, dann halt nicht.

Der Handwerkerchef wollte ja heute wieder kommen, kam aber nicht. Sagte auch nichts. Er kommt jetzt morgen. Ich bin ganz leicht angepisst, vor allem weil ich gestern das Fenster bezahlt habe, weil ne Mahnung kam. Man will sich ja gut stellen mit den Leuten, von denen man abhängig ist, dachte ich. Meh.

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Michel ist jetzt in der Phase, wo ihn das Wort „Penis“ zum Erröten und Kichern bringt. Man kann ihn damit sehr gut aufziehen, das würde ich natürlich NIEEEEE machen. Hihihi, Penis.

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Arbeit eskaliert ein wenig vor sich hin, aber manchmal macht mir das mehr aus, mal weniger, grad macht mir das nicht so viel aus. Noch zweieinhalb Wochen bis Urlaub, jedenfalls falls keine ganz dramatischen Dinge passieren (Potential ist die nächsten zweieinhalb Wochen jedenfalls gegeben).

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Gestern hatte ich wieder einen Hausfrauengenie-Moment und ich weiß jetzt, dass es zwischenzeitlich nicht so aussieht, aber Kunstblut (von Halloween) geht aus weißen Sachen restlos raus und färbt auch nicht ab, jedenfalls nicht, wenn man panisch die ganze rot gefärbte Weißwäsche noch zwei mal mit Oxi-Action spült. Hust.

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Bis mindestens Weihnachten weiter Homeoffice. Mag nimmer. Donnerstag darf ich einen halben Tag ins Büro, um Zeig zu holen und anderes wegzubringen (Ich kann ja zu Hause nicht makulieren)

Tag 1965 – Grüße aus der Sauna.

Die Wand ist immerhin jetzt verspachtelt und wir haben Fußleisten und zwei von drei Türleisten innen im Schlafzimmer. Die dritte, naja, kommt bestimmt auch noch.

Dass so großflächig gespachtelt wurde, ist wohl Absicht, denn die Wand war uneben. Dass die neue Fußleiste heller ist, liegt daran, dass sie neu ist, wir haben den Effekt auch auf dem Parkett: wo lange Möbel standen, ist der Boden heller.

Leider ist es jetzt eben furchtbar warm überall, weil, Überraschung, so Spachtelmasse ja trocknen muss, bevor sie abgeschliffen werden kann. Beschleunigt durch den kleinen Föhn da. (Endlich schleifen, endlich wieder Staub.)

Ich beschwere mich nicht. Es geht voran.

(„Dauert einen Tag.“ ey das muss denen doch die ganze Zeit klar gewesen sein.)

Ich beschwere mich nicht. Es geht voran.

Was positives: Gemeinschaftsarbeit Adventskranz.

„Mama, warum haben wir Silbernüsse?“

Tag 1964 – Kurze Meldung.

Wir hatten einen sehr schönen Tag, haben in 3-D echte Menschen gesehen (sogar ein ganz ganz niedliches, 3 Monate altes Baby) und ich trau mich kaum das zu schreiben.

2020 kann echt langsam weg, meiner Meinung nach. Auf ganz vielen Ebenen hab ich die Schnauze voll davon. Zum Beispiel ein schlechtes Gewissen haben, weil man völlig normale Dinge tut.

Tag 1963 – Einfach räumen, einfach räumen!

Es hilft ja alles nix, Fußleisten hin oder her, es muss irgendwie weiter gehen, wenn wir nicht für immer in völlig chaotischen Zimmern wohnen wollen. Und so haben wir heute eben geräumt. Erfolgreich, muss ich sagen, denn jetzt stehen in Michels Zimmer nur noch Michels Sachen und in unserem Schlafzimmer (fast) nur noch unsere Sachen. Die meiste Arbeit hat gemacht, den Bürokram auf ca. 1/4 einzudampfen und neu und möglichst sinnvoll zu sortieren. Aber jetzt haben wir tatsächlich das, was wir wirklich brauchen, in einem 2×4 Kallax-Regal stehen und es ist sogar noch ein Fach frei. Der Rest ist in den Müll gewandert (Kontoauszüge von 1999) beziehungsweise in Kisten verstaut (Kontoauszüge von 2013, Schulzeugnisse von Herrn Rabe und mir und ähnliches). Ein kleines Problem haben wir noch mit dem, was Marie Kondo „sentimental items“ nennt, und in Pippis Zimmer stehen halt noch Kisten und unsere neuen Schreibtische, im Arbeitszimmer muss ja noch gearbeitet werden können (seufz) aber immerhin geht das, was wir selbst in der Hand haben, voran.

Wir haben den Kindern gezeigt, welche Kleiderschränke wir uns für sie vorstellen. Ein Hoch auf die Ikea-Planungstools. Völlig gegen ihre sonstige Natur hat Pippi zu allem einfach Ja und Amen gesagt, aber Michel will doch lieber türkise und rosa Türen und Schubladenfronten und auch gern sein Zimmer dunkellila und rosa streichen. So sei es denn.

(Jetzt noch duschen, ist dringend, und dann bräsig vorm Fernseher abhängen. Das war anstrengend heute.)

Tag 1962 – Schlechte Neuigkeiten, aber auch egal.

Ich habe mir erfolgreich die Umbausituation schön getrunken. Das ist vielleicht nicht sinnvoll, aber was soll man sonst noch sagen.

Immerhin ist eine Tür drin, man will da ja jetzt auch nicht übermäßig pingelig sein. Leisten sind für Spießer und Schlafschafe!
Genau was ich mir vorgestellt hatte. Nicht!

„Das machen wir an einem Tag.“ Ey, ich lache immer noch.

Was gibt’s noch neues? Ach ja!

Bestanden!

Herr Rabe und ich haben unsere Prüfungen beide bestanden. Ich hatte zwei Fragen, bei denen ich nicht sicher war, aber bei beiden lag mein Bauchgefühl richtig: 1) Oslo liegt in a) Østlandet oder b) Sørlandet*? 2) Für Schwarzarbeit drohen a) dem Arbeitnehmer, b) dem Arbeitgeber oder c) beiden Strafen?

Insgesamt war der Test aber sehr entspannt und ich nach 7 Minuten fertig, musste dann aber noch 8 weitere Minuten herumsitzen, bevor ich gehen durfte. Danach habe ich Grünzeug für einen Adventskranz gekauft, fertige Kränze ohne Kerzen waren mir viel zu teuer**. Dann binde ich eben wieder selbst.

Noch mehr neues? Ach ja! Heute haben wir durch Zufall rausgefunden, dass Michels letzter Schultag am 18.12. sein wird und nicht, wie wir bisher dachten, am 22. Warum weiß keiner*** und das wurde auch irgendwie nicht von der Schule kommuniziert, vielleicht schreibe ich da morgen mal eine freundlich-vernichtende Inspektør-Behördenton-Mail an die Schule. Bin da grad ganz gut in Schwung.

___

*Vestlandet war auch eine Option, aber die habe ich sofort verworfen.

**850 Kronen (knapp 90 €)

***Corona wohl nur indirekt, wegen irgendwas mit den Jugendschulen und deren Examina???

Tag 1962 – Schlechte Neuigkeiten, aber auch egal.

Ich habe mir erfolgreich die Umbausituation schön getrunken. Das ist vielleicht nicht sinnvoll, aber was soll man sonst noch sagen.

Immerhin ist eine Tür drin, man will da ja jetzt auch nicht übermäßig pingelig sein. Leisten sind für Spießer und Schlafschafe!
Genau was ich mir vorgestellt hatte. Nicht!

„Das machen wir an einem Tag.“ Ey, ich lache immer noch.

Was gibt’s noch neues? Ach ja!

Bestanden!

Herr Rabe und ich haben unsere Prüfungen beide bestanden. Ich hatte zwei Fragen, bei denen ich nicht sicher war, aber bei beiden lag mein Bauchgefühl richtig: 1) Oslo liegt in a) Østlandet oder b) Sørlandet*? 2) Für Schwarzarbeit drohen a) dem Arbeitnehmer, b) dem Arbeitgeber oder c) beiden Strafen?

Insgesamt war der Test aber sehr entspannt und ich nach 7 Minuten fertig, musste dann aber noch 8 weitere Minuten herumsitzen, bevor ich gehen durfte. Danach habe ich Grünzeug für einen Adventskranz gekauft, fertige Kränze ohne Kerzen waren mir viel zu teuer**. Dann binde ich eben wieder selbst.

Noch mehr neues? Ach ja! Heute haben wir durch Zufall rausgefunden, dass Michels letzter Schultag am 18.12. sein wird und nicht, wie wir bisher dachten, am 22. Warum weiß keiner*** und das wurde auch irgendwie nicht von der Schule kommuniziert, vielleicht schreibe ich da morgen mal eine freundlich-vernichtende Inspektør-Behördenton-Mail an die Schule. Bin da grad ganz gut in Schwung.

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*Vestlandet war auch eine Option, aber die habe ich sofort verworfen.

**850 Kronen (knapp 90 €)

***Corona wohl nur indirekt, wegen irgendwas mit den Jugendschulen und deren Examina???