Tag 1961 – Neuigkeiten.

1. Michel hat heute (japp, nach 1,5 Tagen Benutzung) seine Brille kaputt bekommen, weil er im Sport-Hort mit einem anderen Kind zusammengestoßen ist. An ungünstiger Stelle ist der Rahmen gebrochen. Ich weiß jetzt, dass man für Reparaturen auch noch mal Unterstützung beim NAV beantragen kann. Kommt bestimmt gut, bevor der erste Antrag überhaupt bearbeitet ist. Michel ist am Boden zerstört und hat heute mehrmals deshalb geweint, weil das jetzt wieder ziemlich lange dauern wird, bis er seine Brille wieder hat.

2. Hier war heute ein Elektriker und hat die Kabelage geändert und den Lichtschalter und die Steckdose versetzt, auf die richtige Seite der Wand und an die richtige Wand.

Morgen kann es also weiter gehen. Hoffentlich haben wir dann bald wieder eine Tür.

3. Das Pensum ist noch mal durchgelesen, Glomma ist 611 km lang, Sognefjorden ist an der tiefsten Stelle 1308 m tief und die UN hat 193 Mitgliedsstaaten und morgen um ca. 13:15 Uhr kann ich das alles wieder vergessen (as if) und im Februar dann den Antrag abgeben und Norwegerin werden. So 14 Monate später dann. (Wohl nicht rechtzeitig zur Stortingswahl. Schade. Ich bin, auch wegen Kinderbrillen, sehr bereit endlich linksgrünversifft und mit der brennenden Fackel des Feminismus in der Hand meine Stimme abzugeben.)

Tag 1960 – Keine Neuigkeiten.

Ab morgen müssen wir Mundschutz auch in unserem Kaff in Läden tragen. Mache ich schon seit Wochen, aber es wird hier jetzt auch Pflicht. Ich hab da keine große Meinung zu, ich mache es halt (wie gesagt, schon lange), schaden wird es ja nicht. Des Weiteren dürfen wir uns indoor nur noch mit 19 weiteren Menschen treffen, „verantwortlicher Arrangeur“, fest montierte Sitze und Meter hin oder her. Als Nächstes erkennen sie noch Aerosole an, das wäre ja mal was.

Ansonsten war das hier ein normaler Homeoffice-Arbeitstag. Ich habe meinen Kurs weiter gemacht und perfektioniere langsam das stumpfsinnige Beschäftigen meiner Hände und meines abschweifenden Kopfes beim langen, konzentrierten Zuhören. Heute habe ich sehr viel Wäsche verräumt, und später am Tag während des Kurses gekocht. Ich habe während Meetings auch schon gebügelt und Stoff zugeschnitten. Ich kann mich tatsächlich so deutlich besser konzentrieren, als wenn ich auf meinem Hintern sitze und gar nichts tue außer Zuhören, denn da dödeln meine Gedanken bei zäheren Themen sehr schnell weg. In Meetings, in denen von mir aktive Teilnahme erwartet wird, habe ich meine Glitzerflasche, Glitzer beim Glitzern zugucken ist genau das richtige Maß an „Ablenkung“, um nicht abgelenkt zu werden.

Klingt komisch, ist aber so.

Tag 1959 – Fortschritt?

Naja, also es geht voran, hier zu Hause. Aber langsam und mit lauter Scheiß, der zwischendurch auftaucht. Ich lasse mal Bilder sprechen:

Aus der Perspektive sieht es ja schon ganz gut aus.
Aus der leider nicht. (Klassischer Fall von „Drei mal abgeschnitten, immer noch zu kurz.“)

Und hey, die Tür ist raus!

Sehr raus.

Leider ist halt die Tür an der anderen Seite noch nicht wieder drin. Sprich: wir haben keine Tür.

Das Problem: interessante Verkabelung, hier muss erst ein Elektriker kommen und der kann erst am Donnerstag.

Ich habe das mit der Steckdose sogar gesagt, als der Baumensch hier war, dass es nämlich da bei den Nachbarn Schwierigkeiten gegeben habe. Da hieß es, das sei alles kein Problem. Jetzt ist es plötzlich doch eins und wir haben voraussichtlich bis Freitag keine Tür. Toll.

Alles eher wenig erquicklich, muss ich sagen. Mittendrin ging auch noch der Feueralarm, weil das Gesäge so gestaubt hat.

Hauptsache, hinterher ist’s schön. Das ist jetzt mein Mantra.

(Bitte lass uns da nicht haufenweise Geld in den Sand gesetzt haben.)

___

Was ganz anderes: Michel hat jetzt auch eine Brille und kann jetzt noch besser klugscheißern. Bisher ist das super ultra cool, findet er. Beim Abendessen meinte er allerdings, dass ihm ein bisschen schlecht von der Brille würde. Tjanun, so ist das leider am Anfang, aber armer Zwerg.

Tag 1958 – Wie ich mal früh ins Bett gehen wollte…

… und stattdessen nach Jessheim fuhr, um zwei gebrauchte Kallax-Regale abzuholen, in Jessheim feststellte, dass beide gleichzeitig zusammengebaut nicht in Carona passen, nach Hause fuhr, ein Regal ablieferte, wieder nach Jessheim fuhr, das zweite Regal holte und wieder nach Hause fuhr. Jede Tour 28 Minuten plus ein bisschen tragen.

Heute war wirklich eher so semi-koseliges Homeoffice und jetzt ist es sehr dreckig überall. Ich weiß nicht, was alles schief gelaufen ist, aber es dauerte auch alles länger als geplant und das Fenster ist jetzt zwar drin, aber es pfeift noch der Wind durch.

Das ist auch wesentlich größer, als ich gedacht hatte.

Die Arbeiter haben ordentlich geflucht (auf Polnisch) und kommen morgen wieder. Es soll ja auch noch die Tür versetzt werden.

Wir haben übrigens beide nicht mal den Hauch einer Chance, den Öffnungsmechanismus ohne Hilfsmittel zu erreichen. Müssen wir wohl ein kleines Leiterchen bereit stellen.

Die Arbeiter haben in den Fensterrahmen auch ne fiese Macke gemacht, ich hoffe, die bessern sie morgen aus ohne dass ich rumnerven muss. Aber ein mistneues 1.500€-Fenster darf bitte mackenfrei sein.

Ich hab letzte Nacht sehr schlecht geschlafen und das war jetzt heute alles ein bisschen viel. (Es kamen noch Kommunikationsprobleme hinzu, der Kindergarten hatte nur Herrn Rabe mitgeteilt, dass Pippi den Slot 08:00-15:00 bekommen hat und nicht 08:30-15:30, wie ich bis 08:23 heute morgen dachte. An schlechten Tagen wirft mich sowas voll aus der Bahn. Heute war ein relativ schlechter Tag, in dem Sinne dass ich eh schon ziemlich gestresst war.) Deshalb einfach gute Nacht.

Tag 1957 – Getauscht.

Michel schläft zwar noch nicht, aber bestimmt bald. Wir kuscheln noch. Auch große Jungs, die in ihrem eigenen Zimmer schlafen, kuscheln noch.

Genau, wir haben nämlich heute die Zimmer getauscht. Morgen wird das Fenster eingebaut und dann (hoffentlich haben sie das nicht vergessen, zuzutrauen wär’s ihnen leider ehrlich gesagt) auch die Tür des ehemaligen Kinderzimmers versetzt. Um die Ecke. Um zu vermeiden, dass wir dann unser Bett, das Kinderbett in Teilen, diverse Schränke und überhaupt alles um eine Ecke basteln müssen, haben wir das eben alles heute gemacht, solange die Türen noch gegenüber voneinander liegen.

Erwartungsgemäß herrscht hier noch ziemliches Chaos, leider. Das alte Gästebett steht teilweise demontiert im Wohnzimmer, das wird morgen abgeholt (der Plan war, das zum Preis, den uns Ikea auch dafür zahlen würde, anzubieten, wenn es dann wer abholt, haben wir gewonnen, weil wir es nicht zu Ikea fahren müssen. Hat geklappt). In Pippis Zimmer stapeln sich Kindermöbel, für die noch bessere Lösungen hermüssen, Kisten voller zwischenzeitlich geparktem Kram und die neuen Schreibtische (damit die Arbeiter morgen Platz haben). In Michels Zimmer ist noch sehr viel Arbeits- und Nähkram. Im Elternschlafzimmer steht noch die Spielküche und die Kinder-Kommode voller Bastel- und sonstigem Kram. Überhaupt alle haben noch die schrecklichen Schränke.

Morgen stehen wir dann alle früh auf und Herr Rabe und ich arbeiten dann wohl beide am Wohnzimmertisch, während über uns gebaut wird. Koselig.

Sehr gut: endlich Zimmer getauscht.

Gut: Im Arbeitszimmer rigoros aussortiert und mehr als eine Umzugskiste „Archiv“ erzeugt, also Dinge, die nicht wegkönnen, die man aber auch wirklich nicht griffbereit haben muss. Nur wohin jetzt damit?

Gut: Eingesehen, dass ich kaputte Kinder-Jogginghosen nicht mehr reparieren werde und die Reparaturkiste auf die Hälfte eingedampft.

Erkenntnis: Pippi hat zu viele Klamotten. Da müssen wir dringend noch mal durchgehen, was davon behalten werden soll, denn das soll ja dann auch in ihren neuen Schrank passen. Jetzt grad sehe ich da schwarz.

In der Zwischenzeit ist auch das Kuschelkind eingeschlafen. Ich könnte hier aber auch noch ein bisschen liegen bleiben.

Hachz.

Tag 1956 – Pokémon, Grünkohl, Schwein(chen), Evergreens.

Wir waren heute wieder auf einer längeren Pokémon-Runde am Eidsvoll-bygningen. Da waren zwar auch viele andere Leute, aber nicht so, dass ich mich unwohl gefühlt hätte. Die meiste Zeit waren wir ja auch eh draußen und geredet habe ich nur kurz mit der anderen Kindergartenmutter, die wir immer treffen. Über die Kinder sind wir ja quasi eh eine Kohorte.

___

Nach der Pokémonrunde war ich kurz einkaufen, damit wir noch Bier bekamen, das gibt es am Samstag ja nur bis 18 Uhr. (Immer, nicht speziell wegen Corona.) Man sieht jetzt immer mehr Leute mit Maske, ich bin keine Exotin mehr, juhu! Weil ich wusste, dass Pippi im Auto eingeschlafen war und Michel sehr konzentriert Pokémon spielte, kaufte ich noch zwei Schoko-Adventskalender. So stand ich an der Kasse beladen mit vier Dosen Weihnachtsbier, zwei Adventskalendern und einer Tüte Schmalzringe (Hungerkauf) und traf natürlich jemanden, nämlich H., den Vater von I. „Ist schon Weihnachten?“ fragte der. „Wir fangen dieses Jahr früh an.“ sagte ich. Das klingt jetzt bissiger als es war, der H. ist der nett, alle H.s sind nett, und ich bin ja auch nett.

___

Grünkohl ernten waren wir ebenfalls. So viel gibt es in dieser Jahreszeit ja nicht mehr zu ernten, aber wir haben Kürbis, Lauch, Weiß- und ich Ben Grünkohl geholt, letzteren in rauen Mengen, um daraus westfälischen Grünkohl zu kochen und dann traurig einzufrieren, bis wir irgendwann mal Kohlwürste, Mettenden oder Kassler bekommen. Haha. Seufz. Rosenkohl haben wir auch geerntet, der wird morgen eingefroren bis Weihnachten.

___

Ich plane, siehe obiger Punkt, schon fleißig das Weihnachtsessen. Seit heute. Da habe ich nämlich, aus einer Laune heraus, Bio-Fleisch beim Osloer Supermetzger vorbestellt, zur kontaktarmen Abholung bei der Warenausgabe am 22.12. Es gibt wieder Krustenbraten, an zwei Tagen vermutlich, und an am dritten dann Lammcarree.

___

Die Schweinchen sind im Petersilienhimmel, da stand nämlich auch noch das halbe Kräuterbeet beim Bauernhof von voll. Da lässt sich Muffin auch für streicheln (sogar Pølse lässt sich dafür die Nase kraulen), nur am Hals darf ich ihm nicht fühlen, dann warnbeißt er. Also so, dass man merkt, dass er könnte, wenn er wollte, noch will er nicht, aber…! Es sieht aber alles am Hals gut aus, bisher kein neuer Abszess. Jetzt muss das Schweinchen nur noch wieder dicker werden. Wir waren da ja schon auf einem guten Weg und dann kam der Abszess. Aber er ist fit und auch weiterhin der Chef im Gehege und wenn er sich kraulen lässt, lässt auch Pølse das zu. Marshmallow nicht. Nicht mal für Petersilie lässt die sich anfassen. Dabei bin ich doch total nett, ehrlich, gar nicht gefährlich und selbst an Marshmallow ist nicht genug dran für nen Weihnachtsbraten.

___

Abends mit Herrn Rabe Discovery geguckt, wir hinken da etwas hinterher. Mich amüsiert ein wenig, wie sie die Trill als so einen Star-Treck Klassiker aus dem Hut zaubern. „Wir brauchen ne Charakterentwicklungsfolge, mit ordentlich viel Zwischenmenschlichem, hat wer ne Idee? Boah nee, nicht schon wieder Trill, hat noch wer ne andere Idee? Keine? Na schön. Trill it is.“

(War aber ne schöne Folge.)

Tag 1954 – Zwo, Eins, Risiko!

Gestern hatte ich ja die erste halbe Session meines Online-Kurses angefangen, heute habe ich dann den kompletten ersten Tag gemacht, und die erste Session vom zweiten Tag. Es war auch da, wo es endlich anfing, wirklich interessant zu werden. Nach fast zwei Jahren im Werk weiß ich die Grundlagen europäischer Zusammenarbeit inzwischen eben schon, da war jetzt nicht viel Neues bei. Am zweiten Tag (von insgesamt drei) geht es ans praktische. Die erste Session war sehr geprägt von Risiko. Mir war gar nicht klar, was ich für einen gefährlichen Job habe. Vielleicht, ganz vielleicht, habe ich jetzt großen Respekt davor, irgendwann mal nach Indien oder China oder sonstwohin geschickt zu werden. Vielleicht dauert diese Pandemie ja noch ein paar Jahre. Ähäm.

___

Was ganz anderes: wegen katastrophal dünner Personaldecke, die durch Krankheit (nicht Corona) jetzt kritisch große Löcher hat, schränkt Pippis Kindergarten seine Öffnungszeiten ein. Bis Weihnachten. Mindestens. Es gibt jetzt zwei Slots, 07:30-14:30 und 08:30-15:30. Wir haben uns für den 2. beworben, dabei aber auch gedroppt, dass wir beide systemrelevante Funktionen haben, aber dank Homeoffice schon klar kommen. Jetzt weiß der Kindergarten das auch. Die Leute im Kindergarten tun mir wirklich leid, es ist da schon länger ein hoher Turnover und es kommen keine neuen, qualifizierten Leute. (Nein, ich weiß wirklich nicht, wieso. Ich mag die da alle sehr gerne, vor allem die, die da schon länger sind. Aber wer weiß, vielleicht ist das gerade das Problem für Leute, die neu reinkommen, keine Ahnung.) Wegen Corona haben sie gleichzeitig einen eigentlich sogar erhöhten Personalbedarf. Geht nicht, Erzieher*Innen wachsen ja nicht auf Bäumen. Jetzt will die Regierung den privaten Kindergärten (nicht was Sie jetzt denken. In Deutschland hieße das vermutlich Elterninitiative) auch noch die Förderung empfindlich zusammenstreichen und es ist ja nicht so, dass der Kindergarten dann einfach mehr Geld von uns Eltern eintreiben kann, weil die Regierung ebenfalls die maximalen Elternbeiträge festlegt und die sind für alle Kindergärten, kommunale wie private, gleich. (Das Gleiche mit dem Hort, deshalb kostet der Sport-Hort auch das gleiche wie der normale Schul-Hort.) Es ist für unseren kleinen, wunderbaren Kindergarten einfach richtig kacke, rundum.

Tag 1953 – Kleine Räumereien.

Das neue Gästebett ist zwar noch nicht zusammengebaut, aber immerhin stehen die drei riesigen Pakete nicht mehr im Flur. Dafür haben wir jetzt Macken im Parkett. Hrmpf.

Der Fenstereinbaumann hat sich noch nicht wieder gemeldet. Langsam werde ich etwas ungeduldig.

Heute waren zwei sehr nette Menschen da, haben sich im Kinderzimmer Lego in die Füße getreten (was kommen die auch ne Stunde eher als erwartet) und werden uns jetzt einen Schrank bauen. Er wird sehr viele Schubladen haben, von innen beleuchtet sein, und die Decken- und Fußleisten aus dem Raum werden wieder verwendet. Ein richtiger Einbauschrank also. Mir inzwischen fast egal, was das kostet, Hauptsache es passiert endlich was und wird schön und nicht, naja, plastikhaft. Ich habe daraufhin den Abend darauf verwendet, über meinen Nähplatz zu meditieren und habe jetzt eine Idee, die, glaube ich, gut wird. Wir müssen jetzt noch mal schauen, ob wir wirklich noch weiteren Stauraum für Kleidung außer in dem Einbauschrank brauchen, oder ob wir einfach Luft in einem Raum haben, das wäre ja mal ganz was neues.

Schnipsel-Planungs-Party.

Ich werd die Außenrollos vermissen. Und ein Zimmer, das ausschließlich zum Schlafen da ist, auch. (Das Gerümpelzimmer, das das Arbeitszimmer zur Zeit leider ist, nicht. Hoffentlich rümpeln wir dann nicht an anderer Stelle drauf los.)

Falls man mal ein Haus kauft: nie davon ausgehen, dass ja nie beide gleichzeitig Homeoffice haben werden. Denn dann kommt Corona nach grad mal anderthalb Jahren und lacht eine aus.

Tag 1952 – Leichter gesagt als getan.

Ich wollte ja heute einen online-Kurs beginnen, der drei Tage dauert. Tja, Pustekuchen, denn ich habe offenbar irgendwann zwischen Januar 2019 und jetzt mein Passwort für die Lernplattform vergessen. Natürlich lag es auch nicht im Passwort-Manager und natürlich ließ es sich auch nicht mit einem einfachen Klick zurücksetzen. Ich musste da eine Mail schreiben, mit der Bitte, mich zu meinem (unbekannten) local administrator durchzustellen, damit diese*r dann das Passwort zurücksetzen kann oder sonst irgendeine magic macht. Die Mail an die local administrator ging dann um 17:01 raus (und in CC an mich) und die betreffende Kollegin gehört offenbar nicht zu denjenigen, die rund um die Uhr arbeiten (kluge Frau!!!). Vielleicht habe ich ja Glück und es geht dann morgen. Es ist nämlich wirklich nicht leicht, sich drei Tage für sowas frei zu halten.

Statt Kurs habe ich dann heute lauter doofe Sachen gemacht, die ich aus guten Gründen wegprokrastiniert hatte, und am Ende hatte ich echt schlechte Laune.

___

Abends war ich mit Michel schwimmen, während Pippi beim Tanzen war. Kinder dürfen ja noch machen, was sie wollen. Unser Bad hat da harte Zugangsbeschränkungen, deshalb ist man mit sehr wenigen Leuten gleichzeitig da, das ist nicht das allerschlimmste. Im Gegensatz zu meinem Tanzkurs fühlt sich das auch nicht nach Himmelfahrtskommando an, weshalb ich den Tanzkurs ja auch abgesagt habe. Michel hat, weil er in der dritten Klasse ist, im Schwimmbad das ganze Jahr über freien Eintritt und, was wichtiger ist, er muss schwimmen lernen. Es macht mich irre, zu wissen, dass Michel einfach absäuft, wenn man ihn kurz alleine lässt. Der ist acht, hat kaum Respekt vor dem Wasser, überschätzt seine Fähigkeiten, kriegt dann aber Panik und fängt an zu zappeln, kurz: es ist nicht einfach. Gleichzeitig kann er nicht treiben, auf dem Rücken gar nicht und auf dem Bauch nur mäßig und da kann er den Kopf aber auch nicht bei heben. Der geht unter wie ne Bleiente. Er ist da genauso verzweifelt wie ich und hat heute wirklich fleißig geübt, aber es will nicht klappen, der Po bleibt nicht oben und der Kopf schon mal gar nicht. Ich habe Schwierigkeiten, ihm das zu erklären, weil ich so ca. schon immer schwimmen konnte und als Kind im Schwimmverein war. Ich hab alles versucht, von Hand unter Michels Bauch halten, über „Fühl mal wie hart mein Bauch ist, wenn ich das mache“ bis zu wissenschaftlichen Erklärungen von Auftrieb, Michel bekommt es nicht hin. Armer Zwerg. Da würde ich auch jetzt in unserem Bett liegen und herumschnarchen.

Ich merke mir das jetzt und judge nie wieder Eltern von Kindern, die nicht schwimmen können.