Tag 666 – Heute ist das Ende aller Tage!

Eigentlich war ich grade drauf und dran Ihnen zu gestehen, dass ich grad einen kleinen Bloghänger habe, aber in Verbindung mit dem Titel könnte das zu der irrigen Annahme führen, dass ich gar nicht mehr bloggen mag. Dem ist nämlich selbstverständlich nicht so! Ich habe nur im Moment das Gefühl, nichts Spannendes zu erzählen zu haben. Heute so: Arbeit (Todbringende Langeweile, DNA und RNA aus 68 Proben isoliert, aka. Gerenne zwischen 2 Zentrifugen, elendiges Gefummel mit den Spin-Columns, die ganze Zeit den Geruch vom Mercaptoethanol in der Nase, sechs. Stunden. Lang.), Sonnenschein, schröckliche Blasen an meinen Füßen. Dreckige und glückliche Kinder, die im Moment täglich mit allerlei wilden Storys aus dem Kindergarten kommen („Mama? Die haben alle ihre Scheiden* gezeigt. Das wollte ich nicht sehen. Da bin ich weggegangen.“). Ein Eis in der Pause und immernoch Lammkeulenreste, aber so Lammkeule (generell fast alles. Auf jeden Fall alles an Fleisch. Kalter Braten ist das geilste. Ich esse aber wirklich fast alles auch kalt gerne) kann man ja auch super einfach so kalt essen und gebraten im Kühlschrank hält die sich auch ne Weile. 

Aber jetzt schwafle ich ja auch nur rum und da sind wir wieder beim Ausgangspunkt: nix zu erzählen. 

Dabei hätte man den Titel super ausschlachten können. 

Passender Weise lese ich gerade** dieses Buch:


Tom Egeland ist der Dan Brown Norwegens, die Bücher sind alle so „biblische Archäologen-Krimis“, spannend, ja, aber jetzt nichts, wo ich sagen würde, absolut jede*r muss das gelesen haben. Da gäb’s eh nur ein Buch von dem ich das sagen würde und das ist *trommelwirbel*: ‚Im Westen nichts Neues‘ von Erich Maria Remarque.  Jedenfalls geht’s in Lucifers Evangelium nicht direkt um ein von Lucifer geschriebenes Evangelium, sondern um eine lang verschollene, Alttestamentarische Apokryphe über den gefallenen Engel Lucifer und natürlich gehen Leute über Leichen, um dieses Dokument in die Finger zu kriegen und vor allem die unfassbare Bedrohung für das Christentum, wenn bekannt würde, dass… auszuräumen. Wie gesagt, ein okayes Buch. Kurzweilig, aber nicht so spannend, dass es mich vom Schlafen abhält. Grade also genau das Richtige. 

Und mit Tageszahlaktuellem Bezug, was will man mehr?

*Auf Norwegisch gibt’s nur ein Kinder-Wort für Geschlechtsteile: Tiss. Übersetzt wäre das sowas wie ein Piller-Teil. An dem Vorfall waren aber diesmal nur Mädchen beteiligt. Das letzte Mal warens nur Jungs. Die kleinen Kinder (also Pippi und Konsorten) zeigen sich gerne gegenseitig ihre Bäuche, das wiederum stelle ich mir ja sehr niedlich vor.

**auch schon ne Weile. Momentan schaffe ich selten mehr als vier, fünf Seiten am Abend, bevor mir die Augen zufallen. 

Tag 665 – Der Plan.

Diese Woche mache ich die Experimente fertig.

Nächste Woche sichte ich noch mal die Artikel und schaue mir andere Doktorarbeiten an. Donnerstag und Freitag ist dann „Genome Dynamics Workshop“. Genome dynamics könnte man auch als Oberthema nehmen, um die zwei völlig unterschiedlichen Themen in eine Arbeit zu pressen  einer Arbeit zusammenzufassen. Außerdem: grobe Struktur anlegen und ein LaTeX-Dokument mit den richtigen Seitenmaßen anlegen (wegen der komischen Unidruckerei, das Format ist kein DIN, sondern „B5“.)

Die drei Wochen danach: 4-5 Seiten am Tag schreiben. Das wird viel, das weiß ich. Es wird aber auch machbar, das weiß ich auch. Been there, done that, meine Masterarbeit von 115 Seiten (ok, da waren ca. 15 Seiten Verzeichnisse bei) schrieb ich in vier Wochen. 

Und Sie alle dürfen dann live mitverfolgen, wie ich vermutlich täglich mehrmals schreiend im Kreis laufe, ist das nicht schön? Das ist superschön. Jetzt muss ich aber vorschlafen gehen, vor mir liegen gelinde gesagt anstrengende Wochen.

Tag 664 – WmDedgPfMo ’17

Heute ist nicht nur Pfingstmontag, sondern auch der allerletzte Feiertag vor Weihnachten in Norwegen! Und es ist der 5. und deshalb fragt Frau Brüllen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Tja. Ehrlich gesagt frage ich mich am Ende dieses Tages, ob es sowas wie PMS auch um den Eisprung rum gibt. Denn heute morgen gings mir noch richtig schlecht, jetzt nicht mehr. Komische Sache, aber lesen Sie selbst:

Ich wurde um 03:43 vom Spruch „Papaaaaa, ich hab mir ausepullert!“ Geweckt. Das ist putzigstes Nortsch a la Michel. Es folgte eine wache halbe Stunde.

Dann werde ich wieder geweckt, um 07:28. Eigentlich eine okaye Zeit für Familien mit Kleinkindern,  das weiß ich. Ich fühle mich trotzdem wie vom Laster überrollt. Und merke, dass ich in einer Pfütze liege. Die nächste viertel Stunde zähle ich nicht so grad zu den Sternstunden meiner Elternschaft, ich ranze Michel ziemlich grob an, schmeiße ihn (verbal) aus dem Bett, reiße schimpfend Bettlaken und Matratzenschoner vom Bett, stopfe alles in die Waschmaschine und schimpfe derweil wirklich grob mit Michel, weil ich so so sooooooo gerne noch eine Stunde geschlafen hätte, aber alle Betten, die in Frage kommen könnten, nass sind. Michel verzieht sich irgendwann lieber ins Wohnzimmer und spielt vor sich hin, ich schmolle auf dem nackten Bett und friere (die Bettdecke ist auch nass) und hasse alles und die Welt. Ich rolle mich zusammen und wäre am liebsten an Ort und Stelle wieder eingeschlafen, aber dazu bin ich zu, ja was eigentlich, kraftlos. Und mir ist auch zu kalt, aber ins Wohnzimmer zu gehen und mir eine Decke zu holen übersteigt wirklich alle meine Kräfte. Irgendwann kommt Michel und wir vertragen uns wieder. Ich heule mich via Telefon bei einer Freundin aus und irgendwann habe ich genug Kraft zusammengekratzt um aufzustehen. So nach… ner Stunde.

Ich stehe also auf und fange an, das Frühstück zu machen. Friere Brot ein und Brötchen. Mir fällt ein, dass wir ja Lammkeule machen wollten und ich nehme sie aus dem Gefrierfach und lege sie ins Bad, da ist es am wärmsten. Ich tue alles sehr mechanisch und freudlos, aber immerhin hab ichs gemacht. Herr Rabe und Pippi stehen auch auf und machen Kaffee. Dann Frühstück. Emotionslos. M. Geschrieben, dass wir jetzt wach sind (keine Lüge) und sie H. Gerne vorbeibringen kann (Lüge). H. wird gebracht und die Kinder nehmen direkt das Wohnzimmer auseinander. Ich stopfe den Matratzenschoner in den Trockner und die Bettdecke in die Waschmaschine. Derweil heule ich mich bei Herrn Rabe aus. Warum pullert Michel ins Bett? Er knirscht auch mit den Zähnen! Bestimmt ist er gestresst! Aus meiner Sicht gibt es dafür zwei mögliche Erklärungen: entweder ich übertrage meine Stress auf ihn, oder ich übertrage nur den angenommenen Stress auf ihn, sehe also Stress bei ihm, wo keiner ist. Diese Ansicht vertritt Herr Rabe und sagt: Michel schläft manchmal wie ein Stein, der wird einfach nicht wach, wenn er muss. Ich weiß es doch auch nicht. Wir schmieden jedenfalls einen groben Plan: da mich die Ungewissheit, was ab 19.08. passiert, offenbar an den Rande des Wahnsinns und darüber hinaus treibt, gehen wir einfach spaßeshalber davon aus, dass dann alles vorbei ist. Ich werde bis zum Juliurlaub versuchen, die ca. 60 Seiten Einleitung meiner Thesis zu schreiben. Ich werde die angefangenen Experimente noch fertig machen und dann keine neuen mehr, bis Geld „auf dem Tisch“ liegt. Und das werde ich morgen meinem Chef sagen. 

Danach gehe ich duschen, kombiniert mit Rasur und Babyfuß-vorbereitendem Fußbad. Ich bin zwar danach kein neuer Mensch, aber immerhin fühle ich mich schon nicht mehr ganz so wertlos. Ich stecke meine Füße in Babyfuß-Tüten. Michel und H. Kommen an, mit Erdbeerresten zwischen den Zähnen und behaupten, sie hätten nichts gemacht. Pippi kommt angelaufen, wie eine Erdbeere riechend und kräht freudestrahlend und schmatzend „Piiiist!“ (eigentlich „spist“ = gegessen). Wir lachen alle, haben sich die Rübennasen doch echt unbemerkt ne komplette Packung Erdbeeren reingezogen. 

M. Kommt zurück und wir wollen raus. Alles dauert ewig. Am Ende nimmt M. Schon mal H. Und Michel mit und wir packen unseren Kram zusammen. Mittendrin schläft Pippi ein. Herr Rabe legt sie ins Bett. Ich sehe sie an und brauche all meine Willenskraft, um mich nicht einfach danebenzulegen und nie mehr aufzustehen. Herr Rabe sagt, ich solle mit rauskommen, das täte mir sicher gut. Widerstrebend leiste ich dem Folge. Quasi auf dem Weg hole ich den Matratzenschoner aus dem Trockner, stecke die Bettdecke hinein und wasche den Bettbezug. Drei Maschinen Wäsche. Vier, wenn man die nächtliche mitrechnet. 

Im Flur ärgere ich mich sehr über die Holzspäne, die überall auf dem Kinderwagen liegen, weil die blöden Handwerker der blöden Nachbarin die Platten für deren blöden Fußboden da im Flur gesägt haben, ohne vorher irgendwas beiseite zu räumen.

Pippi wird wach, als wir sie ins Auto setzen. Im Endeffekt hat sie vielleicht 20 Minuten geschlafen. Wir fahren zur Ringvebukta. Es gibt kaum noch Parkplätze, so überlaufen ist es da. Gefühlt alle Familien mit Kindern sind da. Ich will nach Hause. Stattdessen schmeiße ich mit Pippi Steine ins Wasser. Nach zwei Kaffee aus der Thermoskanne fühle ich mich halbwegs imstande mit M. Zu sprechen. Wir lästern total unfein ein bisschen über ein paar andere Kindergarteneltern und deren Kinder. Das tut ein bisschen gut. Langsam fühle ich mich menschlich und nicht mehr wie ein unfähiger Haufen Rotz.

Auf dem Rückweg zum Auto bekommt H. Einen Trotz- und Wutanfall, der die Trotz- und Wutanfälle meiner eigenen Kinder für mich wieder in Perspektive setzt. Das ist bestimmt fies, das zu sagen, aber: Ich bin so froh, dass auch andere Kinder so sind (und schlimmer, manchmal), wie meine. Es sind Kinder. Die sind so. Selbst die, deren Eltern gefühlt viel bessere sind als ich.

Wir fahren nach Hause. Ich bin immer noch müde, aber nicht mehr so, dass ich mich einfach auf den Fußboden legen möchte. Stattdessen mache ich Waffelteig. Den von Kleine Fluchten (*wink*). Dazu gibt es Kaffee und einen leichten Knoblauchduft, weil ich nebenher die Marinade für die Lammkeule fertig mache. Herr Rabe schnippelt ein bisschen am Fleisch herum und wir schieben die Keule in den Ofen. Die Kinder gucken Sendung mit dem Elefanten und ich lackiere mir die Fingernägel. Dreifarbig. In apfelgrün (schön), orange (schön) und gelb, das nicht deckt und deshalb nicht so wirklich schön wird. Pippi schläft fast vor dem Fernseher ein und Herr Rabe versucht, sie ins Bett zu bringen. Michel ist sauer, weil er mit seinem Papa spielen wollte. Als Ablenkung lackiere ich ihm auch die Fingernägel. Herr Rabe kommt mit der schreienden Pippi wieder aus dem Kinderzimmer. Sie wolle von mir ins Bett gebracht werden. Hektisch schmiere ich Überlack auf die Nägel der rechten Hand und dirigiere dann Pippi zurück ins Bett, ohne irgendwas anzufassen. Es klappt einigermaßen und ich schaffe es sogar, sie unfallfrei zuzudecken. Wir gucken die Gute-Nacht-App an, danach erzählt sie mir noch was und dann schläft sie relativ fix ein. Ich denke über den Tag nach und habe Mühe, mein eigenes Verhalten vom Morgen nachzuvollziehen. 

Nachdem Pippi schläft, beziehe ich die Betten. Dann lege ich mir und den Kindern Anziehsachen raus. Ich packe meine Sportsachen und die Schwimmtasche für den Schwimmkurs von Michel. Und wundere mich selbst ein wenig über meine Energie.

Es gibt essen. Lammkeule und Bohnen, wegen der späten Waffelmahlzeit verzichten wir auf die Kartoffeln. Für die Erwachsenen gibts außerdem jeweils ein Becks. Michel ist sehr müde und es ist etwas anstrengend mit ihm. Er will auch wieder keine Nachtwindel anziehen. Ich schnaube nur innerlich, als Herr Rabe ihm das genehmigt.

Herr Rabe bringt Michel ins Bett, ich packe Papiermüll und Glasmüll zusammen. Die Sonne scheint. Herr Rabe kommt aus dem Kinderzimmer und ich mache mich auf den Weg, den Müll wegzubringen und Geld für die Putzhilfe zu holen.

Im Flur ärgere ich mich sehr über die Holzspäne, die überall auf meinem Fahrrad und in meinem Helm liegen, weil die blöden Handwerker der blöden Nachbarin die Platten für deren blöden Fußboden da im Flur gesägt haben, ohne vorher irgendwas beiseite zu räumen.

Ich bringe den Papiermüll und den Glasmüll zur Entsorgungsstation. Fahre zur Tankstelle und hole Geld. Kaufe Eis um kleinere Scheine herauszubekommen. Bekomme einen niegelnagelneuen 200-Kronen-Schein und frage mich, was das wohl für ein Fisch da drauf ist, bestimmt ein Dorsch, denke ich, die Norweger sind so, die drucken ihren Dorsch auch auf Geldscheine. 

Als ich über die Ampel fahre, fällt mein Fahrradschloss aus der Halterung. Die scheint nicht mehr zu halten. Damit hat sich wenigstens auch geklärt, wie ich mein altes Schloss verlieren konnte. Ich sinniere darüber, wieso es mir morgens (und gestern und vorgestern) noch so kacke ging und jetzt ist alles wie weggeblasen? Ich schiebe es auf Hormone, was besseres fällt mir einfach nicht ein.


Zu Hause esse ich Eis und lese über den Geldschein nach. Es tun sich ungeahnte Welten des Designwahnsinns auf: hinten auf den neuen Geldscheinen sind Balken. Diese symbolisieren in ihrer Länge die Skala der Windstärken, mit zunehmendem Geldwert werden die Balken länger. Das Oberthema der neuen Scheine ist „das Meer“. Der 200er trägt den Titel „Das Meer, das uns Nahrung gibt.“ Drauf ist tatsächlich ein Dorsch und ein paar Heringe, denn „dies sind die Fische, um die sich die meisten Mythen ranken“. Jaja, mystische Heringe hier. Außerdem ist drauf: ein Fischernetz und ein Fischerboot, hinten, also angeblich ist da eins, ich sehe es nicht. Der Papageientaucher (der Vogel) ist auf jedem neuem Schein als Wasserzeichen, und auch die Ankerkette ist auf jedem Schein. Ich habe Spaß. Und dann schreibe ich anderthalb Stunden lang den Tag auf. Das wird mir morgen früh möglicherweise leid tun.

Tag 663 – Karriereleiter.

Mir mangelte es heute an Ideen, also fragte ich auf Twitter nach, wozu ich denn heute schreiben solle. Es wurde vorgeschlagen, das hier mal näher zu erläutern:

Nun. Es ist ja so, dass meine Familie als ich Teenager war nicht grade im Geld schwamm. Ich bekam, wenn ich mich recht erinnere, mit 15 Jahren 35 DM Taschengeld im Monat. Ein Paar Adidas Superstar kostete 120 DM. Meine Mutter kaufte mir zwar Schuhe, aber keinen Markenquatsch, sondern robuste Dinger von Reno, die durfte ich mir zwar aussuchen, aber naja, es waren halt keine Adidas Superstar. Ich brauchte also einen Job. Einen richtigen, nicht nur Katzen füttern von Leuten, die im Urlaub sind, weil Leute eben nur so zwei Wochen im Urlaub sind und auch maximal drei Mal im Jahr. So gefühlt einen Tag nach meinem 16. Geburtstag heuerte ich deshalb beim Obi an. Als Kassenkraft. Das war der Anfang einer langen Reihe Nebenjobs.

  1. Obi also, Kassenkraft. 10 DM/Stunde, 10 Stunden die Woche, nach der Schule bis acht Uhr, dann Kasse zählen und mit der Bahn durch die komplette Stadt nach Hause. Da war ich dann um 22 Uhr. Es war der helle Wahnsinn und der Job war, offen gestanden, echt scheiße. Aber immerhin lernte ich, Petunien von Geranien zu unterscheiden. Das absolute Grauen war ein Tag, an dem es sehr warm war und an dem ich an der „Gartenkasse“ arbeiten musste. Quasi im Gewächshaus. Alleine. Es waren da sicher über 40 Grad und nach zwei Stunden (von 5) war meine Wasserflasche leer und mein (weißes) Obihemd klebte klitschnass und durchsichtig an mir dran. Abends kamen mir beim Kasse zählen vor Erschöpfung die Tränen und danach habe ich gekündigt.
  2. Jibi, Einräumkraft. Beworben hatte ich mich eigentlich für Kasse, stattdessen wurde ich von so einem Einräumdienstleister angestellt, der mich dann auch nicht nur in der Filiale bei meinem damaligen Freund ums Eck einsetzte, sondern in der halben Stadt rumschickte. Das machte ich nicht sehr lange.
  3. Schuhe verkaufen, Sommerjob. Das war super. Irgendwo hatte ich einen Aushang gesehen, Urlaubsvertretung, Vollzeit für 4 Wochen, genau in den Sommerferien. Bei einem der teuersten Schuhläden Bielefelds. In den vier Wochen verdiente ich (also, für meine Verhältnisse) einen Haufen Geld und lernte alles, was ich über Schuhe weiß. Ich war bei einer Schulung über Schuhspanner dabei, putze die Spiegel und die Glas-Auslagen, stellte Schuhe hübsch ins Regal (Frauen: immer Größe 36, Männer: immer Größe 42), versuchte, mir die internationalen Größen-Umrechnungstabellen zu merken und scheiterte, probierte Schuhe an (seitdem weiß ich, dass Prada so unheimlich klein ausfällt, dass mir oft selbst die größte damals von denen produzierte Größe (40) noch zu klein ist) und verkaufte Schuhe. Das hat mir echt Spaß gemacht. Auch wenn ich keine allzu gute Verkäuferin bin, weil einfach zu ehrlich. Ich hab mal ner Kundin gesagt, dass ich die 200 DM-Stiefeletten besser finde als die 400 DM-Stiefel und naja, so schnell hat man sich die Provision versaut, ne? Aber die Kundin war sehr dankbar für die offene Meinung. Manchmal rauchte ich mit der Chefin. Und einmal kam der Firmeninhaber, da musste ich mich fast zwei Stunden lang im Lager verstecken, damit der mir keine fiesen Fragen stellen konnte. Seit dem Job liebe ich Schuhe.
  4. Edeka, Kasse. Bei mir ums Eck. Verdienst war mäßig, aber ich hatte viel Spaß und nette Kollegen. Mit einem hatte ich danach noch ziemlich lange ääähhhhh privat zu tun, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Die Chefin war ne ziemliche Hexe. Ich lernte drölfzig neue Obst- und Gemüsesorten kennen (Lollo Rosso, PUL 7014), gefühlte tausend PULs auswendig und wie man geschmeidig Geldrollen öffnet ohne dass die Kunden in der Schlange das Seufzen anfangen. Highlights: ich (17) fragte eine 28-Jährige nach ihrem Ausweis wegen Schnaps, jemandem fiel ne Flasche Rotwein und ne Packung Eier vor der Kasse hin und es gab ne unglaubliche Sauerei und (!) ich hab damals am ersten Arbeitstag nach der Euro-Einführung gearbeitet. Wir schmissen die Mark in einen Eimer unter der Kasse und an dem Tag hatte jeder von uns an die 100 € Abweichung in der Kasse. Die Chefin tanzte im Dreieck.
  5. IKEA, Kasse. Dafür musste man 18 sein. Dafür war der Verdienst ziemlich gut und die Kollegen unheimlich nett. Die Kantine bei IKEA ist übrigens für die Angestellten auch sehr gut und dabei sehr günstig! Und der Marktleiter setzt sich da auch total Skandinavisch mit an den Tisch und sagt „Hej, ich bin der Björn*, was machst du hier?“ (*Name von der Redaktion mit extrem schlechtem Namensgedächtnis geändert). Nachteil: die IKEA-Montur. Wäh. Kratzige und unförmige Dinger, nur Bluse (die ging noch halbwegs) war nicht so gerne gesehen, aber mit Pulli drüber wars oft sehr warm und das Halstuch war… halt ein Halstuch. Ich arbeitete immer Samstags für sechs Stunden, von 14 bis 20 Uhr und kann Ihnen sagen: Samstags bei IKEA ist für keinen so richtig schön. Aber kurz vor Feierabend, da gehts eigentlich immer. Highlight: Irgendwann in der Vorweihnachtszeit ging irgendwie das EC-Bezahlsystem kaputt. Es gab ein wirklich unvorstellbares Chaos an den Kassen, inklusive wütenden Kunden, die die hilflosen Kassenmenschen beschimpften. Und hinterher gabs  Schnaps im Kassenbüro. Ich weiß nicht mehr so ganz, wie es da endete, vom Gefühl her war es irgendwie für mich doof. Vielleicht hatte ich um andere Arbeitszeiten gebeten und das nicht bewilligt bekommen, ich weiß es nicht mehr.
  6. Barista. Hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Wirklich ganz doll viel. Umso niederschmetternder, dass ich nach vier Wochen per E-mail gekündigt wurde, die mail aber erst im Büro des Cafés las, als ich zu meiner Schicht morgens um sieben antreten wollte und mich meine Kollegin etwas sparsam ansah. Rolf, wenn Du das hier lesen solltest: das war echt unter aller Sau, menschlich gesehen. Aber ich lernte sehr viel über Kaffee in den vier Wochen.
  7. Irish Pub, Kellnern. War irgendwie lustig und verrückt und mies bezahlt und dreckig und stinkig und sexistisch und ich liebte es. Leider war es auch einfach gar nicht vereinbar mit dem Studium, das ja, in meinem Fall, meistens um acht Uhr morgens losging. Trotzdem zog ich das recht lange durch. Highlight: Disco-Night, bis morgens um sieben gearbeitet, dann noch nen Cocktail mit den Kollegen getrunken und halbtot nach Hause gewankt. Und Karaoke. Ach, Karaoke. Lowlight: Diverse eklige Weihnachtsfeiertische, dass ich mir irgendwann ein Pfefferspray kaufen musste, weil ich wirklich Angst hatte, nachts alleine zu meinem Roller zu gehen und dass wir immer schwarz tragen mussten. Ich kann immer noch instantan den Geruch von kaltem Zigarettenrauch und Bier abrufen. Ich lernte viel über Whiskey, Whisky und alle möglichen Guinness-Mischgetränke. Ich liebte es, erwähnte ich das? Irgendwann gings aber echt nicht mehr mit dem Studium und ich kündigte schweren Herzens.
  8. HiWi, Organisation eines Berufsfindungsseminars für Informatiker, das war blöd für alle Beteiligten und wurde nach einem Semester eingestellt.
  9. Biergarten, Kellnern. Das war noch viel besser als im Irish Pub. Weil: kein Stinken hinterher (außer die diversen Male, an denen ich mir Weizen über die Füße kippte). Und weil die Chefin, der Chef und all die anderen Angestellten wie eine Familie für mich wurden (und das meine ich ausnahmslos positiv). Ich lernte Zapfen, Weizen einschenken (ich kann zwei auf einmal!), wie man einen Laib Ciabatta in akkurat gleich breite, hübsch schräge Scheiben schneidet, ich überwand meine Wespenphobie, lernte extrem schnelles Kopfrechnen und wie man die Bitte um Rotwein-Mischgetränke charmant abwimmelt (ungefähr so: „Nä! Machen wa nich sowas! Wo komm wa denn da hin? Nä. Rotwein wird hier nich gepanscht. Das is barbarisch!“ Wichtig, dass man das im breitesten Ost-Westfälisch sacht, zu dem man fähig ist.). Ich kannte die Stammkunden und ihre Problemchen und machte mir Sorgen, wenn einer von denen unabgemeldet nicht kam. Ich fand den Job so toll, dass ich den sogar noch einen Sommer weiter machte, nachdem ich im sicheren Hafen der Ehe angekommen war einen richtigen, festen Vollzeitjob hatte. Und ich gehe da immer noch sehr gerne hin und schnacke mit den Leuten. Und vielleicht kommen mir grad ein bisschen die Tränen. Vielleicht mache ich einfach wirklich irgendwann ne Kneipe auf. (Brauchts noch Highlights? Arminia Bielefeld ist irgendwann da mal aufgestiegen. Das Stadion – Die Alm – ist da in Sichtweite und der Biergarten die erste „Tankstelle“ auf die man so trifft. Es war auch da der helle Wahnsinn, total stressig, gefühlte 200 Leute standen am Wagen und wollten jeder ein Bier (warum auch für die Kumpels mitbringen…), aber unheimlich toll. An dem Abend saßen wir hinterher noch lange auf dem Platz, die Chefin, die „Haupt-Angestellte“ und ich und tranken Prosecco (die anderen zwei) bzw. Bier (ich). Mit den geschwollenen Füßen auf den Bierkisten. Ach, war das schön.)

Hier nicht aufgezählt sind: Babysitten, Katzensitten, Nachhilfe (Biologie und… Philosophie, of all things) und Schwangerschaftsvertretung in den Kindergruppen meiner Tanztrainerin.

Doch, ich hab echt schon so einiges gemacht.

Tag 662 – Wirres. 

Aus Gründen habe ich heute zu viel über mich nachgedacht. Das bekommt mir nicht gut. Davon werde ich ganz… aufgekratzt, dann müde und am Ende leer. Das ist nicht schön und so schnell mache ich das nicht wieder. 

Die Hinweise verdichten sich, dass ich sehr gestresst bin. Die einzige, die mich stresst, bin ich selbst. Der Effekt ist aber der gleiche: ich bin grenzwertig erschöpft. Schaffe dabei nichts, habe ein schlechtes Gewissen und bin dann, genau, noch erschöpfter. Vielleicht sollte ich mich einfach hinsetzen und schreiben, damit das Elend wirklich bald ein Ende hat, egal wie. 

Ich hab den allerbesten Mann geheiratet. Nach fast 10 Jahren, die wir uns kennen, kann ich das wohl behaupten. 

Pippi sagt immer, wenn sie sich verabschiedet: „Ha det, Pippi! ‚Is Gleiheich!“. Das ist so unglaublich niedlich!

Heute den Wickeltisch verkauft. Jetzt muss nur noch das Beistellbett und die Windeln weg, dann ist das Gros des Babykrams weg. Und es fühlt sich sehr gut an. 

Kinder, die keine Babys mehr sind, sind schon praktisch. Man hat viel mehr Freiheiten: ich kann über meine Brüste verfügen, wie ich es für gut und richtig halte. Michel geht nach dem Kindergarten problemlos mit zu seinem Kumpel. Beide Kinder schlafen mindestens eine Weile in ihren eigenen Betten im eigenen Zimmer. 

Pippi kommt in die Autonomiephase. Traurige Eltern (wir) sind traurig. 

Tag 660 – Aggressionsproblem. 

Dinge, über die ich in den letzten Tagen wirklich, wirklich wütend wurde (Reihenfolge spiegelt nicht die Gewichtung wieder):

  • Ein Kindergarten irgendwo in Süddeutschland schickt ein Kind nach Hause, weil es keine eigene Sonnencreme dabei hat. Obwohl die Mutter ihr Einverständnis gegeben hat, die Sonnencreme eines anderen Kindes zu benutzen. 
  • Eine Mutter sagt, sie könne und wolle nicht mehr auf Art und Weise x erziehen, ihre Tochter tanze ihr auf der Nase rum. Andere Mütter fallen über die Mutter her: sie habe x halt einfach falsch gemacht, weil sonst würde weder auf Nasen getanzt noch wäre sie so fertig. 
  • Menschen, mit denen ich Labore teilen muss, sauen rum, füllen nichts nach und brauchen meinen persönlichen Kram auf. Ohne zu fragen oder auch nur Bescheid zu sagen. 
  • Menschen finden es wichtiger, oben auf dem Brutschrank Staub zu wischen, als dass ich meine Proben nach Ablauf der 24 Stunden Inkubationszeit aus dem Brutschrank holen kann. 
  • Die Bauarbeiten*. 
  • DIE NACHBARIN**!!!
  • Die Hausärztin der Kinder, die trotz Bitte meinerseits, mir keine anderen Allergien außer der Katzenspeichelenzymallergie mitzuteilen, einfach einen Brief mit den (kompletten) Ergebnissen des IgE-Tests schickte. MIT INFOMATERIAL, WIE WIR MIT DEM (JA AUSDRÜCKLICH NICHT ERWÜNSCHTEN) NEBENBEFUND JETZT UMGEHEN SOLLEN. 
  • Hausstaubmilben. 
  • Pippi, die am Pencil vom iPad gekaut hat. 
  • Pippi, die mein Glasthermometer fand und zerstörte.
  • Michel, der morgens unglaublich trödelig und heulig drauf ist. 
  • Das gesamte Projektteam, das findet, ich könnte ja noch drölfzig Experimente machen. Während mir aber gleichzeitig niemand zuhört, was ich schon gemacht habe. 
  • Das Projekt. 
  • Das Wetter. 
  • Dass ich wirklich jedes Mal, wenn ich mein Fahrrad abschließe, mich mit Öl von der Sattelfederung einsaue. 

Mir scheint, ich habe ein klitzekleines Aggressionsproblem. Oder vielleicht bin ich einfach sehr müde. 

*Die eine Tür ist zu kurz und knarzt, wir haben komplett absurde Anzahlen von Schlüsseln erhalten, überall fehlen noch Leisten und Farbe und Putz und es sieht auch Stellenweise noch aus wie Sau, obwohl wir schon zwischendurch mehrmals gründlich saubergemacht haben. 

**mit ihren SMS, ich versuche diesen Teil mental load und Nervenfresserei auf Herrn Rabe abzuwälzen, aber sie schreibt immer immer immer wieder mir. Ich will das nicht, sie und ich, das geht nicht, ich gehe inzwischen direkt an die Decke bei ihrer Art. Aber dann wird hier wieder irgendwas installiert und sie schreibt zum 15. Mal „Ich brauche die Schlüssel für vorne und hinten“ und ich erkläre wieder und wieder und wieder, dass wir nur zwei Schlüssel für vorne haben und man mit unseren Schlüsseln ja (wie sie weiß) viel Übung braucht, um die Tür zu öffnen und warum lassen wir nicht einfach die Tür auf? Und sie so: warum habt ihr nur zwei Schlüssel? Und dann platze ich.

Tag 659 – Hausaufgaben. 

Michel kam heute nach Hause und verkündete mit ernster Miene, er müsse dringend was aufschreiben. Etwas wirklich wichtiges. Er brauche das morgen im Kindergarten. Es sei wirklich, wirklich ganz wichtig. Er holte sich einen Zettel und einen Stift. Und dann sagte er noch „Aber dann muss jemand mir helfen beim Schreiben.“ und setzte seinen Hundeblick auf, dem sich, so glaube ich, niemand entziehen kann. Also setzten wir uns hin und er sagte: „Erstmal müssen wir zeichnen!“. und hielt mir den Stift hin. Ich sagte, was ich dann immer sage: „Wenn du zeichnen willst, dann zeichne, aber ich möchte jetzt nicht für Dich zeichnen.“ Er verneinte, wir müssten zeichnen schreiben. Schreiben müssten wir. Also zeichnen. So ging das eine Weile hin und her, bis sich irgendwann das Misverständnis aufklärte: er wollte, dass ich „Zeichnen“ auf den Zettel schreibe. Während ich das tat, fragte ich Michel, warum er das denn so dringend brauche? Für den Vierjährigen-Club, antwortete er. Es ist nämlich so, dass Michel, weil er angepisst war, dass er noch nicht zur Vorschulgruppe gehört, einen Vierjährigen-Club im Kindergarten gegründet hat. Der Club hat drei Mitglieder. Und für den Vierjährigen-Club wollte er also „Zeichnen“ aufgeschrieben haben. Und dann nochmal in kleinen Buchstaben. Und dann „Spielen“. Dann „Schreiben lernen“. Mir dämmerte langsam, was er da vorhatte. Und ja: „Danach lernen wir, still zu sein“ und „Zählen“. Michel diktierte mir das Manifest* seines Vierjährigen-Clubs. Als es fertig war, faltete er es sehr sehr ordentlich zusammen und packte es direkt in seinen Kindergarten-Rucksack. 

Ich hab es heimlich noch mal ausgepackt und fotografiert. (Michel, der kleine Trønder, sagte übrigens „Lær‘ oss å skriv'“ und „Lær‘ oss å vær‘ stille“


(Es folgte eine Unterhaltung über Sonnencreme, bei der ich nicht nur einmal an Frau Brüllen denken musste und bei der ich dann am Ende, als Michel Angst hatte, seine „Brakteriannj“** könnten, wenn er sich nicht eincremt, durch die Sonne schaden nehmen*** dann leider nicht mehr ernst bleiben konnte und etwas lachen musste. Der ist so unglaublich putzig manchmal. Und schlau! Und putzig.)

*Falls er den Stoff so durchzieht, wird er jedenfalls zum Schulbeginn nicht überfordert sein.

**Wortneuschöpfung a la Michel: B(r)akterien, mit Trønder-Endung bestimmter Plural von allem: -an, gesprochen -annj mit sehr weichem j

***wo er ja ganz und gar nicht unrecht hat. Bakterien können genauso UV-Schäden an ihrer DNA bekommen, nur kriegen Bakterien halt keinen Krebs, sondern sterben halt direkt. 

Tag 658 – Kurze Pause. 

Ich liege schon im Bett. Fünf Stunden Schlaf waren nicht genug und der Tag war dank Fitness (oh, wie glücklich es mich macht! Oh, welche Schmerzen ich morgen haben werde!) und Schwimmkursbegleitung doch recht anstrengend. Außerdem hab ich direkt nach dem Abschluss des einen Zellkulturversuchs den nächsten angesetzt, muss den aber morgen früh um acht Uhr starten – also um viertel vor acht da sein. Und weil mein Kopf leer ist und meine Muskeln müde sind, hab ich mich also trotz strahlenden Sonnenscheins einfach schon mal hingelegt, werde jetzt noch die letzte Folge der dritten Staffel House of Cards gucken und mir dabei Nagelpflege angedeihen lassen und dann werde ich hoffentlich einfach schlafen. 

(Ich erinnere mich etwas wehmütig an den Sommer 2014, als es so warm war, dass ich abends noch stundenlang auf der Terasse saß und las und in der ewig langen Dämmerung die Zeit vergaß. Jetzt ist es zwar sonnig, aber kalt und die Terasse haben wir auch nicht mehr.)

Tag 657 – Sowas wie Sommer, nur in kalt.

Komischer, zerhackter Tag. Wegen Meeting und Friseurbesuch (ja, letzteres ist quasi die Definition eines Luxusproblems, aber es war wirklich nötig und Selfcare ist ja auch so wichtig und so, nä?) musste ich einen Versuch so planen, dass ich gleich, um zwanzig nach elf, nochmal Proben nehmen muss. Danach werde ich wie ein Stein ins Bett plumpsen und morgen dann wieder früh aufstehen, weil, ach, ich weiß es doch auch nicht so recht. Weil man das halt so macht.

Der Friseurbesuch war einerseits natürlich schön, weil Friseurbesuch und außerdem ist mein Friseur so nett, aber andererseits war er auch sehr teuer und er hat wegen „ich möchte eigentlich diese Frisur hier, dafür muss ich wohl noch ein bisschen wachsen lassen, oder?“ Nur wenig geschnitten. Eigentlich nur den Nacken und den Rest etwas ausgedünnt, damit es weniger nach Helm aussieht… (Ich muss immer ein bisschen lachen, wenn ich in die vielen, voluminösen Haare greife und drüber nörgle, dass die so schnell wachsen. Fast 20 Jahre lang waren sie lang und platt und wuchsen gefühlte 0,3 mm im Jahr.) Naja, jedenfalls hat das bisschen Geschnippel natürlich trotzdem einen Batzen Geld gekostet. Deshalb war der Friseurbesuch im Großen und Ganzen halt nur so mittel, weil teuer und so ganz fertig ist die Frisur halt auch noch nicht. 

Auch das Wetter ist bestenfalls komisch, es ist zwar sonnig und auf der Dachterasse bei der Arbeit wird man schon wieder fast gekocht, aber im Schatten ist es saukalt. Also, zumindest wenn man – weil es in der Sonne ja so warm ist – im T-Shirt rausgeht, dann sind 14 Grad halt auch keine 25. Und nein, Ihre 35 Grad, die Sie in Deutschland grade alle haben, will ich auch nicht geschenkt, aber so ein Mittelding, das wär doch für uns alle irgendwie fein.

Dafür aber sehr schön mit der Masterstudentin produktiv vor mich hingearbeitet und nett unterhalten. Dann mitgekriegt, wie mein einer Kollege, dessen Frau grad nach einer OP den Fuß eingegipst hat, wegen diesem ganzen Vereinbarkeitsdings ordentlich ins Strudeln geriet, nachdem er irgendwelches Zeug falsch zusammengekippt hatte und eigentlich von vorne hätte anfangen müssen, dafür aber wegen der KiTa-Öffnungszeiten die Zeit fehlte. Und ja, ich freute mich ein bisschen darüber, immerhin bin ich nicht die einzige der sowas passiert, Hurra.

Apropos Vereinbarkeit: Am 15. haben Herr Rabe und ich eine astreine Doppelbelegung mit Terminen ohne Kinder. Herr Rabe hat erst Hackathon und dann Sommerfest, ich habe erst Mini-Konferenz und dann Dinner mit denn anderen Konferenzteilnehmern. Michel würden wir ja noch irgendwie für den späten Nachmittag loswerden, aber was machen wir mit Pippi? Im Moment spiele ich mit dem Gedanken, sie irgendwie von der KiTa abzuholen und dann zu den letzten Vorträgen einfach mitzunehmen. Auch um den Verantwortlichen zu zeigen, dass es eine eher rücksichtslose Idee ist, so eine Konferenz auf die hauptsächlich hier ansässige Leute (die zu 80% auch Kinder haben) kommen, bis 17:15 Uhr anzusetzen. Ach ja: unsere Babysitterin hat gekündigt, eine neue wurde uns von der Agentur vorgestellt, die ist aber bis Ende Juni im Urlaub, das ist also keine echte Option. 

Und jetzt: ab ins Labor!