Tag 289 – Hrmpf

PMS from hell, Kopfschmerzen, Übelkeit, nicht reden wollen, das ganze Programm. Die Ibuprofen die ich den ganzen Tag schon nehme und die nicht wirken sind in Wirklichkeit Paracetamol (steht in Griechischen Lettern auf der Packung) und das erklärt wenigstens, weshalb sie nicht wirken gegen die Kopfschmerzen, trotzdem trägt es nicht grad zu meiner Laune bei. Zumal ich bei Kopfschmerzen keine Schokolade essen kann, weil ich davon dann Migräne bekomme. 

Und jetzt ist es besser für uns alle, wenn ich für heute aufhöre zu schreiben. Bis morgen wieder!

Tag 288 – #OffTopic im Mai HIER!!!

Ohhh, ich bin so aufgeregt! Es ist #OffTopic-Zeit und dieses Mal sind vier Damen zu mir gekommen, auf mein kleines Blöglein, um mit mir über Umbrüche zu quatschen. Das kennt ja jede*r, da kommt etwas Neues, man freut sich ein bisschen bis ganz doll und ein bisschen macht man sich vielleicht auch in die Hose, manche mögen gerne alles bis ins allerletzte Detail durchplanen und haben noch Plan B-D in der Hinterhand, andere lassen alles auf sich zukommen und denken sich „wird schon schiefgehen“… Kurzum, ein schönes Thema für einen kleinen Kaffeetratsch.

Aber jetzt sollen erst mal die Damen zu Wort kommen!


Carmen (Vegane-Familien)

Alles Neue macht der Mai.

Ja tatsächlich. Das stimmte irgendwie immer. In diesem Jahr starte ich als alleinerziehende Zweifachmami selbstständig durch, da ich im April meine Elternzeit beendet habe. Letztes Jahr hatte ich im Mai meine Prüfung zur Ganzheitlichen Ernährungsberaterin und vor zwei Jahren wurde ich schwanger ;)…. Soll ich noch weiter zurück gehen und mal suchen? Achneeee…. Viel interessanter ist die aktuelle Situation. Vor allem wenn ich so überlege was gerade alles hinter meiner Stirn vor sich geht. Da ist so viel los. Es ist unfassbar. Kennt Ihr das wenn der Kopf keine Ruhe gibt und Ihr von einer Idee und Erkenntnis nach der nächsten überrascht werdet? Mir geht’s gerade so. Ich habe seit ein paar Tagen einen völligen Energiekick, was auch mit dem Wetter zusammenhängen kann. Die Ideen sprudeln noch mehr aus mir heraus als ohnehin schon. Und naja – da der Kleine immer mehr und immer mehr in der Kita eingewöhnt ist, habe ich auch endlich die Zeit zur Umsetzung. Ich bin fröhlich und gut gestimmt und freue mich auf eine wunderbare und veränderte Zukunft :) Es wird sich noch sehr sehr viel verändern. Das spüre ich und es gefällt mir wahnsinnig gut. Meine Ängste hab ich fast alle abgelegt. Und Ihr so?


Lena (Elfenhimmel)

Der größte Umbruch in diesem Jahr, war der Umzug unseres Sohnes von der Frühchenstation nach Hause. In der Klinik hat man nichts anderes zu tun, als mit dem Kind zu kuscheln, es zu füttern und dazwischen immer wieder mal abzupumpen. Die fertig gemischte Milch wird einem inkl. aller Medikamente gebracht und zum Pumpen hat man stets neue Flaschen & Einmalsets; der vollkommene Kontrast zu einem Leben zu Hause also.
Wir freuten uns sehr, als es ziemlich spontan hieß, dass wir unseren Elfen mitnehmen dürfen und ihn somit 24 Stunden am Tag bei uns haben können. Doch, nicht mehr stundenlang mit Anika in einem Zimmer zu sitzen und zu quasseln und auch ansonsten vollkommen auf uns allein gestellt zu sein, war erst mal ein wirklich sonderbarer Gedanke. Umso näher der Tag kam, umso häufiger kullerten bei mir die Tränchen; das Gefühlschaos zwischen Freude, Ungewissheit, fehlender Vorbereitungszeit und Vermissungsschmerz war einfach enorm. So doof es in der Klinik auch ist, man verbringt so viel Zeit dort, dass es sich schon fast wie „zu Hause“ anfühlt. Ich hatte mich nach all den Tagen, Wochen und Monaten wirklich sehr daran gewöhnt.
Daheim angekommen, wurde mir erst so richtig bewusst, wie groß der Umbruch wirklich war. Plötzlich steht man da, muss alle Medikamente selbst herrichten, hat keine sauberen Flaschen und Sets mehr zum pumpen und muss bei jedem Piepsen des Monitors ganz alleine entscheiden, wie es zu werten und was zu machen ist. Alles, was man zuvor nicht durfte, muss man von einem auf den anderen Moment ohne Übung ganz alleine hinbekommen. Inzwischen ist aus der anfänglichen Überforderung Routine geworden & es sind sogar noch mehr Medikamente plus eine Sonde dazugekommen.
Ich glaube dieser Umzug, war der beste und komischste Umbruch unseres bisherigen Lebens, der einfach alles veränderte.


Kathrin (Ökohippie)

Umbruch. Umbau. Umzug. Ja, das alles steht bevor, wir wissen nur noch nicht, in welcher Reihenfolge das ganz genau passiert. Denn wir ziehen um, genauer gesagt in Eigentum, das wir ganz nach unseren Vorstellungen umbauen und renovieren werden und ich freue mich riesig. Da wartet eine Wohnung nur darauf, so von mir und uns gestaltet zu werden, wie wir alle, und nicht der Vermieter oder Eigentümer, das gerne hätten. Wir werden Türen, Wandfarben, Bodenbeläge, Möbel aussuchen und uns ein Heim erschaffen für unsere kleine Familie und das wird ganz großartig. Doch im Moment ist es vor allem ein seelischer Umbruch, denn egal wann ich über den Umzug nachdenke, ich sehe mich immer nur mit Maxi Cosi die Treppen zu DIESER Wohnung rauf kommen. Mit einem winzigen Baby, wenige Tage alt, kurz nach einer wundervollen Geburt, an die ich mich mein ganzes Leben erinnern werde. In dieser Wohnung bin ich Mutter geworden. Nicht buchstäblich, aber ich habe diese Zimmer hier bereits einmal umgestellt, renoviert und kindersicher gemacht. Und das war ein wunderschönes Gefühl, denn ich hatte dabei einen dicken Bauch und Nestbautrieb. Das wird fehlen. Beim Umzug und auch danach. Klar, auch jetzt richte ich wieder Kinderzimmer ein, aber für Babies, die schon da sind. Ich denke, jede Mutter kann verstehen, dass es gedanklich gerade harte Arbeit ist, sich von den Räumen zu lösen, in denen Bubba gelernt hat zu laufen, in denen D-Von gelernt hat zu krabbeln und in denen sie beide zum ersten Mal zusammen gespielt haben. Es wird neue schöne Momente und Erinnerungen geben, dessen bin ich mir bewusst, aber als Mensch ist es gerade vor allem eines: ein Umbruch im Kopf. Ich versuche also, mich nicht an dem Ort festzuhalten und nur mitzunehmen, was ich ohnehin tief im Herzen eingeschlossen habe. Und den Rest, den verpacke ich in Kisten und Taschen und Koffer. Und Kindersitze, natürlich.


Eine meiner Töchter wird in diesem Jahr zur Schule kommen. Ich bin, das könnt ihr euch sicher vorstellen, total aufgeregt. Boah, mein Baby wird groß! Es ist unvorstellbar, wie schnell die Zeit vergeht. Für uns wird dieser Schuleintritt eine große Sache, denn wir haben uns gegen eine klassische Schule entschieden, obwohl wir Eltern beide Lehrer sind. Oder vielleicht gerade deshalb? Vielleicht.

Unsere Tochter wird an einer Freien Schule lernen. Konzept dieser Schulen ist die absolute Freiwilligkeit des Lernens.  Die Kinder können sich 10 Jahre lang jeden Tag neu entscheiden, ob und was sie lernen wollen. Das klingt für euch bestimmt erst einmal total absurd. Ihr werdet vielleicht einwenden, dass sich dann die Kinder doch bestimmt immer nur für das Spielen entscheiden? Da meine Tochter schon eine Probewoche absolviert hat, bei der ich dabei sein durfte, kann ich euch ein bisschen erzählen. Ja, die Kinder spielen viel. Oft ist eine große Gruppe von ihnen auf dem Schulhof. Manchmal spielen sie Fußball, manchmal Fangen, einige Kinder spielen mit Regenpützen oder mit Stöckern. Es gibt einen Kreativraum, auch dort sitzen häufig Schüler und kneten. Es gibt riesige Knetkunstwerke, die im freien Spiel entstanden sind. Genauso oft aber sieht man Kinder in den Klassenräumen, die mit ihren Lehrern die Köpfe zusammenstecken und über für sie interessanten Themen brüten. Ich war erstaunt, wie gut diese Freiwilligkeit funktioniert. Alle Kinder lernen lesen, schreiben, rechnen und mehr. Viele gehen nach der 10. Klasse aufs Gymnasium. Sie haben zwar in den ersten Monaten Anpassungsschwierigkeiten und manchmal müssen sie das eine oder andere Themengebiet aufholen, doch nach kurzer Zeit gehörten bisher alle zu den 1er oder 2er Kandidaten. Allen gemein ist, dass sie sich selbst sehr gut motivieren können und wissen, wie sie am besten lernen – vielleicht, weil sie vorher so viel spielen durften? Ich weiß es nicht.

Vor kurzem gab es einen Kongress zum Thema Freilerner, dem ich beigewohnt habe. Dort sprachen viele kluge Leute. Professoren, Hirnforscher, Bildungswissenschaftler. Aber auch Erwachsene, die selbst so aufwachsen durften, bzw. Eltern von Jugendlichen, die Freilerner sind. Es war unheimlich motivierend, diesen Menschen zuzuhören und hat mir ein bisschen die Angst vor unserem Schritt genommen. Denn einfach ist es für eine 6-Jährige sicher nicht, sich ihre eigenen Lerngebiete zu suchen. In der Probewoche war das gut zu merken: Es gab zum Tagesbeginn einen Morgenkreis, in welchem die Lehrer die Lernangebote für den Tag vorstellten. Die Kinder hörten zu, entschieden sich innerlich, an was sie teilnehmen wollten und an was nicht und planten somit ihren Tag. Meine Tochter war das nicht gewohnt und schlingerte die ersten drei Tage. Oft wusste sie nicht mehr, welcher Lehrer was wo anbot, manchmal war ihr langweilig, einmal verpasste sie sogar das Mittagessen. An der klassischen Schule ist das natürlich viel strukturierter: Dort wird den Kindern zu jeder Zeit gesagt, welche Materialien sie auspacken sollen, was sie nun lernen werden und wann sie essen können. Für einen Erwachsenen mag das einengend wirken, doch für Kinder ist das, glaube ich, eher entspannend, weil ihnen Entscheidungen abgenommen werden und sie sich diesbezüglich ausruhen können. Doch schon ab Donnerstag in der Probewoche hatte meine Tochter ihren Rhythmus gefunden. Sie hatte Lehrer und Kinder kennen gelernt, wusste, dass sie gern Lesen lernen wollte und merkte sich, welche Lehrerin das anbot. Sie verbrachte ausgefüllte Tage, fand eine Freundin und war am Nachmittag bestens gelaunt. Sie freut sich nun sehr auf die Schule. Ich bin gespannt, denn natürlich weiß ich, dass sich alle Kinder auf die Schule freuen. Als Lehrerin sehe ich aber auch, dass diese Freude leider schon nach kurzer Zeit einer Enttäuschung oder Resignation weicht. Ich bin gespannt, wie das an unserer Freien Schule wird. Wie auch immer es wird, es wird ein großer Umbruch. Ich habe nun bald ein Schulkind! Eines, das selbst entscheidet, was es lernt. Ich muss lernen, loszulassen und ihr nicht hineinzureden. Es ist immerhin ihr Kopf – sie entscheidet, was da rein soll. Aber die Zuckertüte, die fülle immer noch ich!


Und dann noch ich.

Blicken wir kurz mal zurück. Es ist Februar 2013. Kalt, nass, öde. Ich sitze viel mit dem vier Monate alten Michel zu Hause rum. Und langweile mich. In ein paar Monaten werde ich wieder arbeiten gehen. Ich freue mich ein bisschen auf die Leute und auf das Rauskommen. Auch die Arbeit an sich macht mir Spaß. Gleichzeitig wird mir immer klarer, dass es in der Firma für mich nicht weiter nach oben gehen wird. Und ich will mehr Verantwortung, mehr selber denken und entscheiden und wirklich mitreden können. Ich brauche einen Doktortitel. Ich habe ein Baby. In Deutschland wird mich mit Baby niemand einstellen, denke ich zumindest. Außerdem wollten wir doch eh immer nach Schweden. Ich schreibe Bewerbungen.

Fast forward drei Monate. Ich habe Bewerbungsgespräche über Skype. Eins läuft richtig gut, mit den Norwegern. Die eine norwegische Stelle, auf die ich mich auch beworben hab. Ich habe ein richtig gutes Gefühl. Wenige Tage später bekomme ich eine email von dem Norweger: ich hab den Job.

BADUUUUMMMMM! Sie können es sich nicht vorstellen, was sowas mit einem macht. Der helle Wahnsinn. Erstmal selber raffen: Wir werden nach Norwegen ziehen! Bald! Mit Baby und allem! Dann muss man das allen sagen, die Reaktionen schwanken dabei von ehrlicher Freude für uns bis zu ehrlicher Enttäuschung und über alle halbgelogenen Stufen dazwischen. Und alle muss man aushalten, klar. Dann gibt es unfassbar viel zu organisieren, ne Wohnung in Norwegen will gefunden werden, Teile unseres Gedöns werden verschenkt, verkauft, eingelagert, eingepackt und mitgenommen. Tausend Kündigungen werden geschrieben. Zwischendurch Zweifel: das arme Baby! So weit weg von allen anderen Bezugspersonen! Wir können die Sprache noch nicht! Wir sind „die Migranten“, die zu Hause ihre Muttersprache sprechen! Wie soll das gehen, solange Herr Rabe noch keinen Job hat? Reicht die Kohle? Was, wenn wir keinen Kitaplatz kriegen? WAS, WENN WIR KEINE WOHNUNG KRIEGEN???

Ich organisiere und mache und tue und schiebe alle Zweifel weg so gut es geht. Ich arbeite bis wenige Tage vor dem Umzug. Der Abschied von meiner Arbeit ist so extrem emotional, dass ich durch den Keller der Uni nach draußen schleiche, damit nicht alle Welt sieht, wie verheult ich bin. DAS HIER GEBE ICH ALLES AUF! Für unseren Traum, der vielleicht in Erfüllung geht, aber vielleicht wird es auch ganz schlimm. Eine Freundin sagt „Und wenn es schlecht wird, habt bitte den Mut, es euch einzugestehen und zurückzukommen. Das ist das Wichtigste!“. Die Worte bleiben mir lange im Gedächtnis.

Der Umzug selbst verläuft entspannt. Ich fahre mein neues (naja, gebrauchtes neues) Auto ganz alleine nach Norwegen. Michel sitzt mit Papa und Opa im Transporter. Auf 600 km norwegischem Autobahn-Surrogat wird mir klar, wie schön das Land ist, in das wir jetzt gerade umziehen. Die Wohnung ist schön, der Vermieter hilfsbereit, wir gehen zu Fuß zum See und die Luft ist eisklar. Michel schläft auf meinem Rücken ein.

Ich seufze auf. Es wird schon gehen. Irgendwie. Und solange meine zwei Lieblingsmenschen da sind, wird es auch gut sein.

2013-10-13 15.38.53


 

Tag 287 – Ach…

… Ich habe aus Gründen heute keinen Text für Sie. Aber Sie würden mir eine große Freude machen, wenn Sie stattdessen heute mal bei limit of control lesen würden, denn die kleine Spartacus ist jetzt auch 10 Monate alt geworden und überhaupt schreibt die Autorin so schön. Und das sage ich nicht nur, weil wir uns (aus einem früheren Leben) kennen! (Übrigens, als Michel noch nicht mal in Planung war, und Dr. Schmotzen ziemlich klein, da waren wir mal alle bei N. und J. und Dr. Schmotzen war so niedlich und fzerozero so schön und diese ganze Familie so toll, da wollte ich auch mal so werden wie die. Ja.)

Tag 286 – Grundlos gute Laune

Heute ist eigentlich voll der Kacktag. Echt. Wollen Sie mal hören?

– Zur Blutprobe beim Arzt gewesen. Warum schon wieder? Ich scheine in eine Unterfunktion zu rutschen. Außerdem ist der eine Antikörper (a-TPO) stark und der andere (TRAK) weiterhin leicht erhöht. Das wiederum würde eigentlich auf eine Überfunktion, wie ich sie ja auch hatte, hindeuten. Das verstehe nun wer will, ich jedenfalls nicht. Deshalb habe ich nächste Woche einen Termin, bei dem mir der Arzt das hoffentlich alles erklären wird. Gut im Sinne von Schilddrüsenscheiß abhaken ist es jedenfalls nicht. 

– Meine Zellkulturen, die ich jetzt geschlagene drei Wochen aufzupäppeln versucht habe, sind heute in den Müll gewandert, irgendwas stimmte damit ja offensichtlich nicht und die wissenschaftliche Aussagekraft von einem Experiment mit solchen Krepelzellen wäre gleich null. Tjanun. 

– Dann hundert Jahre gebraucht, um Puffer anzusetzen. Zu lange, um heute noch mit irgendwas anderem anzufangen. Wenigstens war ich ein Schlaupenis und habe mir Stocklösungen gemacht, das heißt, beim nächsten Mal geht’s schneller. 

– Herr Rabe hat Michels Mickey Mouse im Kindergarten vergessen und mein super empathisches Kind hat sich eine halbe Stunde lang in den Schlaf geweint. Nicht, weil es die Mickey Mouse so doll vermisst hätte, nein, weil die „Mickey Mouse alleine ist und traurig ist“. Dann sollte ich Geschichten erzählen, was die Maus jetzt macht (Party feiern mit dem Kindergartenspielzeug natürlich), da weinte er aber noch mehr. Trotzdem sollte ich noch mehr Geschichten erzählen. Das Weinen aushalten gehört wohl auch zum Elternsein dazu. 

– Danach eineinhalb Stunden gebraucht, um Pippi zum Schlafen zu kriegen. Die kleine Rübennase hat glaube ich wirklich nen Schub oder so, aber einen lustigen, der sie sehr wach, kommunikativ und aufgedreht macht. Jedenfalls laberte sie erst herum, dann hampelte sie (mit schon zufallenden Augen) im Bett, dann fing sie aus heiterem Himmel an zu Klatschen (zum ersten Mal), eventuell machte sie der Blitz dann auch wieder etwas wacher, sie hampelte weiter und laberte und klatschte und zappelte herum. 


– 10 Grad und Nieselregen. 

Trotzdem habe ich gute Laune heute, vielleicht, weil ich heute im Wartezimmer erst Diesen wunderbar ehrlichen (wir haben auch Handabdrücke am Auto, die nicht mehr abgehen) und dann den informativen UND lustigen Artikel über Sonnencreme von Frau Brüllen (kriegt auch einfach keine andere so hin. Isso.) gelesen habe, dann in der Mittagspause die Kommentare zum zweiten (rechtsdrehender Elbensaft!) und am Ende im Bus die facebookkommentare zum ersten Artikel, wo dann wieder so Sachen kommen wie „Ich mach Sonnencreme jetzt selbst.“ und „Dreck schützt ja auch.“ und da wars dann irgendwie vorbei mit mir, seitdem muss ich die ganze Zeit lachen über Himbeersamenöl. 

Vielleicht ist es der Wahnsinn, der mich doch noch holen kommt. 

(Übrigens haben wir zufällig grade eine neue Sonnencreme für Michel gekauft. Eine mit „bösen“ chemischen Filtern. Mein Auswahlkriterium war diesmal ein anderes als sonst, nämlich: muss super fix gehen. Sonst hat ja doch keiner Bock dazu, weder wir morgens, noch die Betreuer*Innen im Kindergarten und am wenigsten das Kind. Und eine Sonnencreme, die wegen Alpinaweißartiger Konsistenz nie benutzt oder wenn dann nur sehr grob aufgetragen wird, ist im Zweifel sehr viel schlechter in der Sonnenschutzwirkung (Norwegen. Dünne Ozonschicht. Viele Hautkrebstote. Sehr helle Haut.), als eine mit eventuell hormonähnlich wirksamen Bestandteilen, die dafür mehrmals täglich und somit gemäß der Empfehlungen verwendet wird. Also habe ich zum Probieren meine Handrücken damit eingeschmiert, die Alpinaweißige abgelehnt, ebenso eine, die einen glitschigen Ölfilm hinterließ, meine Hände zweimal mit sehr viel Seife gewaschen, und dann fiel die Wahl auf eine sand- und wasserfeste, die schnell einzieht und gut riecht. Zack, feddich. Ökotest: ausreichend. Tjanun. Das versaut mir meine Laune jetzt auch nicht mehr.)

Tag 285 – Grinsebacke

Pippi ist heute genau 10 Monate alt. Hachja, Kinder, wie die Zeit vergeht. Wir waren auf einem Kindergeburtstag und sie war so unfassbar niedlich, dass glaub ich die Hälfte der anwesenden Damen Milcheinschuss bekam. So ein fröhliches, freundliches Baby, nein wie süß, und spielt so schön! Ja, ich weiß. Ich bin auch unheimlich froh, dass die Fremdelphase von vor ein paar Wochen vorbei ist. Überhaupt ist Pippi tatsächlich im Moment ein Sonnenschein sondergleichen*. Und das trotz zweitem Zahn, der (total untypisch) oben durchbricht, gegenüber dem ersten Zahn. Leider ist sie auch um sieben Uhr morgens ein Sonnenschein. Naja.


Ich wollte eigentlich einen ausführlicheren Eintrag über mein Superduperbaby schreiben, aber mir fällt nichts ein, ich komme auch nicht ins Gefühl rein, ich bin einfach zu kaputt.

Sorry, Pippi. Morgen vielleicht.

*morgen dann nicht mehr, Murphy war da bisher immer zuverlässig. Aber egal, ich lass das jetzt so.

Tag 284 – Blogdingsi

Das Wort hab ich Herrn Paul geklaut. 

Unspektakulären Tag. Putzen, Aufräumen, Backen, Einkaufen, Duplo bauen, Wäsche waschen, Kochen, Essen, Füße fitzeln (hört das auch irgendwann wieder auf?), Skypen mit meiner Mutter (hier kleines orrrrr denken), Kurzurlaubsplanung. 

Kurzurlaubsplanung. Ich werde in Flugzeuge steigen müssen, möglicherweise sollte ich mal meinem Arzt was vorheulen, dass die Flugangst immer schlimmer wird, vielleicht hat der besseres Zeug als ich in der Apotheke einfach so kaufen kann. Vermutlich lacht er mich aber nur aus und erzählt mir all die vielen Dinge, die ich eh weiß (jaja, Busfahren ist tausendmal gefährlicher, die Chance im Lotto zu gewinnen größer, Blabla). Aber mit jedem Flugzeugunglück wird es schlimmer. Und mit jedem Kind auch. 

Und jetzt muss ich an was Schönes denken und aufhören mir die letzten Sekunden im Leben von Leuten, die mit einem Flugzeug abstürzen, auszumalen. Die mit ihren Kindern… Nein Stop. 

Zur Ablenkung lese ich jetzt „Arbeit und Struktur“ von Wolfgang Herrndorf. Die Handlung ist wirklich äußerst heiter. Ähem. 

Tag 283 – Käsetag. 

Heute gab es Frühstück. Mehr positives lässt sich über meinen Arbeitstag kaum sagen. Erst ne halbe Stunde Rumgerenne und tausend Meinungen einholen um dann doch zu beschließen, dass wirs genau so machen wie immer (nicht ich, ich bin 1. experimentierfreudig und 2. hab ich das noch nie gemacht, es gibt also bei mir noch kein „wie immer“). Aber egal, immerhin gab es am Ende einen Beschluss. Leider ging es danach noch weiter: Ich habe ein neues Kit und die Anleitung liest sich so „add dies und das, spin for 15 seconds, fertig“. Also, zumindest so ähnlich. Am Ende war es eine elendige Friemelei mit kleinen Säulchen, die in kleinen Röhrchen stecken und die man da dauernd rein- und rausbasteln muss, drölfzig Waschschritte, alles peinlich sauber natürlich, manche Schritte muss man zweimal machen, in die Zentrifuge passen für manche Schritte wegen der doofen Deckel nur 18 Proben, ich hab aber 21, und so weiter und so fort. Und schwuppdiwupp waren 4 Stunden vergangen, mein Magen schrie mich an, den Herrn Rabe musste ich anrufen, dass ich es nicht schaffe, Michel aus dem Kindergarten abzuholen und um meine Zellen musste ich mich ja auch noch kümmern. Das sind so Arbeitstage, die braucht kein Mensch. 

Danach so kaputt, dass ich eigentlich ins Bett hätte gehen wollen, aber da sind ja auch noch die Kinder, der Haushalt, das Abendessen. Wenigstens ein bisschen mit den Kindern getobt und gekuschelt hab ich. Und Duplohäuser mit runden Fenstern (naja, kreuzförmigen, weil aus Duplo irgendwas Rundes machen?Hmmnee.) habe ich gebaut. Und mit Pippi geduscht. Die hatte sich nämlich freudestrahlend bis zum Haaransatz und ins Ohr rein mit Tomatensuppe slash Soße eingeschmiert. 

Also: Alles Käse, außer der Kinder. Die sind höchstens kleine Babybels. 

Jetzt Bett. 

Tag 282 – Ooooch, ich schaff das schon. 

„Nei da, det klarer jeg!“

Das sagte ich heute ca. drölfzig Mal zu Mister I trust you. Der weiß ja einschüchternd viel und hat wahnsinnige Labskills, ok, der macht das auch schon seit, ich weiß nicht, 20 Jahren vielleicht, und ich erst seit (mal überlegen…) oha 7 sind es doch auch schon. Egal, zurück zum Thema, jedenfalls will ich vor so einem nicht dastehen wie der letzte Idiot. Ich bin auch kein Idiot, ganz sicher nicht, aber der macht mich total nervös, wenn der mir beim Arbeiten zuguckt und da das heute auch irgendwie alles nicht so wirklich Routine für mich war, stand ich ziemlich unter Strom. Nun gut. Ich habe glaube ich nichts wirklich verkackt, alles läuft, nach Angstschweiß riechende Pullis kann man waschen, Frühstück braucht ja auch kein Mensch und die aus schierem Hunger eilig in die Mikrowelle geschmissene Pizza zum Mittag (Rest von gestern) schmeckte auch als zusammengebackener Batzen aus Teig, Belag und Käse recht gut. 

2. mal Feierabend um 22:30. Wenigstens ist es noch hell.


Probennahme nach zwölf Stunden überlasse ich trotzdem beim nächsten Mal ihm. Sein Sohn hatte Fußballspiel heute und ich schaffe das ja auch alleine (hier wieder Angstschweißgeruch vorstellen). Und so mega toll ist das ja nun auch nicht, nach dem Kinder ins Bett bringen nochmal loszudüsen.  


Bildunterschrift will nicht. Dann halt so: Probennahme nach 0, 1, 4 und 12 Stunden erledigt (mit Handling-Verschiebung), 24 fehlt noch. Ich bin sehr froh, dass wir den Chef vom 15-Stunden-Zeitpunkt abbringen konnten. 

(Hoffentlich lohnt sich der Quatsch wenigstens.)

Tag 281 – Stößchen!

Lustig: nach einem Glas Sekt bin ich enthemmt genug, die Geschichte meiner Schwiegermutter über das tote Kleinkind des Zahnarztes einfach mit den Worten „Ja, die Geschichte kenne ich und ich will sie nicht nochmal hören!“ abzuwürgen. 

Nicht so lustig: nach einem Glas Sekt ist meine Schwiegermutter so durcheinander, dass sie Herrn Rabe für ihren Bruder hält und mich nach meinem Opa fragt, aber ihren Mann meint. 

Das ist alles ziemlich besorgniserregend. Wie man damit umgehen soll weiß man ja auch nicht. Und schon mal gar nicht, wenn man sich doch auch noch dauernd über die typischen Aufreger aufregt. Also irgendwie ist es alles traurig, und sauer sein gestattet man sich auch irgendwie nicht. An den Stellen, wo man eben doch sauer wird (Kind am Arm packen, Kind Blödsinn einreden von wegen alles ist gefährlich, Kind gegenüber leere und unsinnige Drohungen aussprechen…) fühlt man sich hinterher schlecht, sie weiß es ja nicht besser oder es ist Teil der Krankheit (die Sache mit den Gefahren scheint so ein typisches Demenz-Ding zu sein). Schwierig. 

(Kann ich bitte einen Orden haben? Ich hab gar nicht laut herausgebrüllt „DER ZAHNARZTTERMIN IST AM FREITAG UM ACHT HERRGOTT NOCHMAL!!1Elf!“. Sie ahnen nicht, wie schwierig das war.)

Tag 280 – Hipp Hipp Hurra!

Festumzug, Symbolbild. Ich stand die meiste Zeit auf Zehenspitzen und werde wohl morgen schrecklichen Muskelkater haben.


Heute war der norwegische Nationalfeiertag. Das ist hier ein richtig krass großes Ding, das wird von allen richtig groß gefeiert. Mit meiner deutschen Sozialisierung kam ich da erst nicht gut mit zurecht, dieses ganze Flaggengewedel und man gratuliert sich gegenseitig zum in Norwegen leben? Seriously? Inzwischen hab ich mich dran gewöhnt. Ich wedle zwar noch nicht selber mit Flaggen, aber es stößt mich auch nicht mehr ab, wenn andere oder sogar meine eigenen Kinder das tun. Ist ok. Ich bretzel mich auch gerne ein bisschen auf, wenn es denn sein muss. Und der Festumzug ist immer ziemlich witzig. Also, so von außen betrachtet. Aber sehen Sie selbst, ich habe kompensatorisch getwittert, das musste sein, weil ich mit Pippi weiter hinten stand, während Herr Rabe, seine Eltern und Michel ganz nah am Geschehen standen. Ich hatte also keinen zum Lästern außer mein Handy. 

Noch kurz vorab: bei dem Umzug dürfen im Grunde alle mitmachen. Jeder Verein oder Gruppierung oder Berufsgruppen oder Einwanderergruppen, also alle. Dann trägt man ein Fähnchen vor der Gruppe her, manche machen Quatsch, viele nicht. 

Man muss dazu sagen, dass die Trønder berühmt sind für ihre Schnäuzer und hier jedes Jahr die Bartmeisterschaften ausgetragen werden. Da sind echt verrückte Konstruktionen dabei. 

Spielmannszug ist eine beliebte Sache in Norwegen. Ich muss leider immer an die (großartigen) Doktor Proktor Bücher denken, daran wie die Kinder zwei Wochen vorm 17. Mai anfangen zu üben um dann am 17. Mai selbst zwei Stunden im Regen das immer gleiche Repertoire aus drei Liedern zu spielen. Hihi. 

Curling ist ja eh auch so ne Sache für sich. Aber auch sehr beliebt in Norwegen. Da sind sie auch international gut drin. 

Natürlich meinte ich schlafendes. Aber trotzdem finde ich die Darbietung etwas gruselig. 

Rollskier sind auch wieder so was spezielles. Aber nun gut, die Langläufer müssen ja irgendwie auch im Sommer trainieren. 

Nämlich bunte mit pinken Puscheln an der Seite. 

Tatsächlich finde ich Kampfsport für Kinder ziemlich gut, weil es sehr viel Körpergefühl vermittelt. Aber er muss es ja auch mögen. Erstmal schauen, dass wir irgendwo mal ein Probetraining machen können, nach den Sommerferien. 

Das war die „Vereinigung Intervalltraining“. Eher nicht mein Verein. 

Irgendwo hier wachte Pippi auf und ich verpasste den Star Wars Fanclub. Schnüff. 

Überhaupt ist die Tracht hier ganz und gar nicht uncool. Jedes Dorf hat seine eigene Tracht und auch und gerade junge Mädchen tragen zu festlichen Anlässen gerne Tracht. Am 17. Mai sieht man immer sehr viele Trachten, auch viele verschiedene. Mir wurde erklärt, dass man eine richtig gute Tracht gerne vererbt bekommt, oft zur Konfirmation. Anziehen kann man die zu Volksfesten, Konfirmationen, Taufen, Hochzeiten, Omas 80stem und so weiter. Es gibt auch Männertrachten, die sieht man aber sehr viel seltener. Ich finde viele Trachten sehr hübsch, aber der Preis (1000 € mindestens nur für das „Kleid“, dazu kommt noch Hemd, Schuhe, Cape/Mantel und vor allem das „Silber“, also Geschmeide und Gürtel und Schnallen und Dingsis zum dranmachen) schreckt doch sehr ab. 

Junge Frau mit Dreadlocks und Tracht kauft Süßkram.


Trøndertracht in Rot und in Blau (ich finde die in grün am schönsten. Es gibt auch noch beige und orange.)

Die hatten so traditionelle hellblaue Kleider an mit weißer Schürze und weißem Häubchen. Sah sehr niedlich aus. Deshalb wahrscheinlich die ernsten Gesichter, als Kontrapunkt. 

Ja, ob das ernst gemeint oder Ironie war, weiß man natürlich nicht. Das war auf jeden Fall die Vereinigung der Medizinstudenten. 

Und mit pinken Badekappen und sonst nix an. Bei 8 Grad. 

JugenDkorps sollte das heißen. War nicht mehr ganz so jugendlich. 

Also, von 170.000 Trondheimern laufen ca. 70.000 in dem Zug mit. Und 200.000 gucken zu. Oder so. 

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P.S. Und dann war ich noch ganz kurz im Labor und die Zellen sind nicht hoch genug gewachsen und das ist ziemlich doof.