Tag 3202 – Mehr Updates.

Monty sitzt in der Ecke, aber sieht da dick aus, hat wahrscheinlich tatsächlich was gefressen. Hallelujah.

Mein Knie tut nicht mehr weh. Das war Donnerstag eigentlich genauso schnell weg, wie es gekommen war. Sehr seltsame Sache.

Wir haben Herr Rabes Steuererklärung endlich gemacht und er kriegt, im Gegensatz zu mir, Geld zurück. Wir kommen immer noch auf der Plusseite raus, so als Haushalt, aber mich ärgert das trotzdem irgendwie.

Das kleine Plus verdampfte noch bevor es auf dem Konto war, denn es mussten diverse Ersatzteile für das Trampolin im Garten bestellt werden.

Es ist noch nicht ganz Frühling, aber es liegen nur noch einzelne Flecken Schnee an schattigen Stellen und ich kann ohne Mütze und Schal spazieren gehen, ohne mir den Hintern abzufrieren. Dafür sieht man jetzt überall, was für Schweine manche Norweger*innen sind, weil überall Müll liegt. Die haben hier echt zu viel Natur, um sie wertzuschätzen. Aber über Windkraft heulen, weil das ja „unberührte Natur“ (also außer dass Menschen Wege durch den Wald gebaut haben, um da herumzulaufen, und dass da Menschen auch in nicht allzu großer Entfernung wohnen und Landwirtschaft betreiben) kaputt macht.

Bis heute Mittag hielt mein totaler Sozialkater an. Es fällt mir schwer, zu akzeptieren, dass das halt einfach so ist. Mir fällt auch, außer solche Sachen komplett sein zu lassen (was ich auch nicht will, weil es halt schon echt super und ich auf viele Arten in meinem Element war), nichts ein, was ich machen könnte, damit sowas nicht so schlaucht. Mir mehr Seltsamkeit zugestehen? In der Pause vermeiden, mit Menschen zu reden? Auf dem Klo verstecken? Der Kollegin sagen, dass ich abends alleine essen gehe? Ich will ja auch nicht unhöflich sein und solange ich in der Situation bin (und ein paar, wenige Stunden danach noch) ist es ja auch alles ok und ich merke nicht besonders, dass mir eigentlich ein sozialer Energie-Stöpsel gezogen wurde und meine Batterie einfach ausläuft. Es ist schwierig.

Morgen Büro, und ich bin noch gar nicht müde. Oder bereit, schon wieder Menschen, mit denen ich nicht verwandt bin, in 3D zu sehen. Auch das… schwierig.

Tag 3201 – Wechselwarmen-Update.

Mittwoch Abend bekam ich eine sehr aufgeregte Nachricht von Michel: „Greg hat seine Haut abgenommen!“. Darauf hatte ich ja schon gewartet, und so wie Michel es schrieb, hörte es sich auch nicht so an, als fleddere Greg herum wie Monty. Aber zur Sicherheit bat ich Michel darum, zu gucken, ob die Haut denn ganz aussieht. Und ja, tut sie, tatsächlich. Offenbar hat sich Greg tatsächlich die alte Haut an einem Stück ausgezogen, wie es sein soll.

Gestern habe ich dann die vorletzte Maus und eine kleine Ratte aufgetaut, zum wöchentlichen Fütterungsversuch. Ich hielt erst Monty eine Weile die Maus vor die Nase, dann probehalber die Ratte, während Greg in Monty’s Lüftungslochecke saß und nicht rauskommen wollte. Irgendwann gab ich bei Monty auf, konnte aber auch Greg nicht aus dem Loch locken. Und weil ich dann wirklich keinen Nerv mehr hatte, wie so ein Idiot vor dem Terrarium zu stehen, spätabends und mit toten Kleinnagern in der Hand, machte ich etwas, was man auf keinen Fall machen soll und ließ die Maus und die Ratte einfach unter der Wärmelampe im Terrarium liegen. Michel trug ich auf, ein Auge und ein Ohr drauf zu haben, nicht, dass die sich dann doch ums Fressen kloppen. Als ich irgendwann die Kleinnager abholen wollte, schlief Michel aber noch nicht und ich wollte nicht beim Einschlafen stören und bin dann da aus eigener Müdigkeit drüber weg gekommen und heute Morgen waren beide Kleinnager weg. Es hat also mindestens eine Schlange was gefressen und ebenso hat eine Schlange eine Ratte gefressen. Beides sind gute Nachrichten, selbst wenn Greg beide Tiere gefressen haben sollte. Greg sieht aber nicht aus, als hätte hen zwei Tiere gefressen. Monty hat wieder die Ecke okkupiert und kommt da nicht raus, sieht aber aus, als habe hen eine Beule ca. in Größe einer kleinen Ratte, was super wäre, da war nämlich mehr dran als an der Maus. Ich hätte Monty auch gern noch etwas eingehender angeschaut, aber bekam hen, wie gesagt, nicht aus der Ecke.

Es scheint also gut ausgegangen zu sein, aber nächstes Mal muss das trotzdem anders gemacht werden, das ist ein bisschen zu gefährlich so und ich wüsste auch einfach wirklich gern, wer nun was gefressen hat. Sie sollten nach Möglichkeit eh umsteigen auf Ratten, weil Mäuse irgendwann einfach zu klein sind. Eigentlich schon sehr bald, größere Mäuse als diese gibt es gar nicht zu kaufen und die Schlangen sind ja noch im Wachstum. Eine Maus, die eher an den 31 g als an den 40 g des Lieferspektrums liegt, ist jetzt schon dünner als Greg an der dicksten Stelle, und davon soll man ausgehen. Also Futter ca. so dick wie die dickste Stelle der Schlange.

Und bei aller Liebe, aber ich werde bei der Einrichtung von Montys eigenem Terrarium darauf achten, dass da keine Ecken sind, in denen sich die Schlange einfach verkeilen kann. Das sieht hübsch aus so wie es jetzt ist, aber ist, aus Halterinnenperspektive, wirklich sehr unpraktisch.

Apropos: warum sind Terrarientaugliche LED-Pflanzenlampen denn so teuer? Saufen die Lack? 200€ für ne Lampe???

Tag 3200 – Keinerlei Zugriff.

Kann nicht mehr. Reise gut, danach Loch. Todmüde, weil extrem schlecht geschlafen die letzten Tage.

Ich fände es wirklich Mega, wenn ich den wirklich guten Kurs einfach genießen könnte ohne danach über den nicht richtig stehenden Küchentisch in Tränen auszubrechen.

Oder absurd viele Rechtschreib- und Tippfehler zu machen. Als wäre in meinem Kopf kein Gehirn sondern nur noch als Gehirn geformte Watte.

Tag 3199 – Voll.

Mein Kopf. So voll. So. Viel. Information.

Ich liebe es.

Minus den Part, wo ich jedes Mal, wenn ich eine „doofe“ Frage stelle, was ich gerne tue, bereits drei mal (die meisten haben sich bisher exakt null mal irgendwie geäußert), auf dem Video bin. Vor 30 physisch Anwesenden und 562 (!) Teilnehmenden online, von denen ich ein paar sogar kenne.

Das Niveau von Fancyness des Hotels: da sind kleine Schonerchen im Badmülleimer.

Tag 3198 – Grüße aus Brüssel!

Bisher immer nur mal durchgefahren und das letzte Mal ist auch das schon knappe 14 Jahre her. Und jetzt gleich drei Tage Schulung bei der Europäischen Kommission. Es ist alles sehr seltsam, irgendwie. Bestimmt merkt bald wer, dass ich nur so tue als wäre ich Inspekteurin. Und erwachsen.

Brüssel hat bisher bei mir einen so lala Eindruck hinterlassen. Ich glaube, es gibt schönere Städte. Könnte aber auch am Regen liegen. Auf jeden Fall ist es sehr grün, das ist ja für uns aus dem Norden grad eine reine Augenweide.

Fun fact: die Schilder der EWR-Staaten standen zu Anfang nicht auf dem Tisch, sondern auf einem Schrank. Wir waren aber so früh, dass wir uns einfach irgendwo hin gequetscht haben, zufällig sogar alphabetisch passend zwischen den Niederlanden und Österreich.

Was allerdings ein bisschen abgefahren ist, ist das Hotel. Mein Zimmer geht über zwei Etagen*:

Und wären wir essen waren, war jemand da, hat das Bett fertig gemacht, Schokotäfelchen auf die Kissen gelegt und die Gardine zugezogen. Wären nicht alle verfügbaren Hotels in der gleichen Preiskategorie gewesen, würde ich mich für diese Dekadenz schämen, aber so finde ich es für zwei Nächte schon auch mal ganz nett.

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*sehr passend, da ich seit gestern Abend als ich ins Bett wollte sehr aua in meinem linken Knie habe. Treppe steigen geht aber, was nicht so gut geht sind die ersten Schritte nach längerem Sitzen. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt dafür als eine Woche vor der Tanzaufführung. Möchte meinen Körper manchmal gerne reklamieren, fürchte aber, die Garantie ist schon lange abgelaufen.

Tag 3197 – Elterngespräch in neu und shiny.

Wir haben ja in jedem Halbjahr ein reguläres Elterngespräch pro Kind und bei einem unserer Kinder reicht da auch eines und da muss man auch nicht unbedingt zu zweit hin. Heute habe ich das übernommen, weil Herr Rabe total Bock auf das ständige Zugchaos hatte ein wichtiges Meeting bei der Arbeit hatte. Ich war also mit Pippi (das ist meistens mit dem Kind dabei) bei dem Elterngespräch und das war diesmal etwas anders, weil es keine Mitteilung mehr über den Lernstand des Kindes gibt. Gar keine. Das haben Sie richtig gelesen. Es gibt nicht nur keine Noten (die gibt es eh nicht), sondern auch keine fachliche Bewertung einer gewissen Erwartungserfüllung oder so. Die Kommune hat nämlich rausgefunden, dass das Recht einer fachlichen Einordnung nur das Kind betrifft, aber nicht die Eltern, und das setzen sie so um. Vorher bekamen wir immerhin so grobe „kann“ – „kann besser werden“ Einordnungen anhand der Lernziele. Jetzt soll es so sein, dass die Lehrperson mit jedem Kind ein Zielsetzungsgespräch führt und das Ergebnis davon wird dann den Eltern kommuniziert. Ich gehe davon aus, dass dann auch demnächst die zielabhängigen Boni an die Kinder ausgezahlt werden. Voll gut, dass die Kinder schon ganz früh an diese Art Gespräch herangeführt werden und das ist dann ein ganz anderer Anreiz, Leistung zu bringen, nämlich. Aber ich schweife ab.

Man merkt vielleicht, dass ich diesem ganzen Konzept eher skeptisch gegenüber stehe. Aber ich muss sagen, Pippis Lehrerin hat das ganz gut hinbekommen. Es ging im Wesentlichen drum, wo Pippi überall besser geworden ist (in allem), was Pippi interessiert und was sie und die Lehrerin besprochen haben, was sie machen kann, um ihren Interessen entsprechend einzelne Dinge zu vertiefen. Wir werden also jetzt englische Lesebücher mit nach Hause bekommen und mit Pippi das kleine Einmaleins üben, weil TOTAL ZUFÄLLIG Pippi an dem interessiert ist, was eh grad dran ist. Ein Schelm… whatever.

Pippi durfte dann auch noch die erste PowerPoint-Präsentation ihres Lebens halten, über was sie in der Schule mag (Matte und Essenspause), was sie in ihrer Freizeit macht („Robloks“ spielen), und was sie mal werden will (Tierpflegerin). Letzteres untermalt mit einem sehr sehr unscharfen Foto von Greg (liegt btw. immer noch in seiner Ecke und wartet auf Weihnachten oder so). Das war schon sehr niedlich, muss ich sagen, Pippis wilde Farb- und Schriftauswahl, mit Pippis typischen Rechtschreibfehlern und auch inhaltlich. Hachz.

Das ganze Gespräch war dann nach zwanzig von dreißig angesetzten Minuten auch beendet. Alles tutti, angesichts der Umstände mit dem Zielsetzungstralala statt Lernstandsrückmeldung.

Nächste Woche ist dann das Gespräch mit Michels Lehrerin, das wird vermutlich nicht ganz so smooth.

(Jetzt muss ich super schnell schlafen, morgen früh um sechs Uhr geht mein Zug zum Flughafen, ächz.)

Tag 3196 – 14 Minuten.

Bin ziemlich platt, ich hatte einen weiteren Diagnostiktermin, dieses Mal musste ich vierzehn Minuten lang den langweiligsten Test der Welt machen. Mein Perfektionismus war sofort an und die Frustration über Fehler groß. Darum ging es zwar nicht, aber fand ich trotzdem interessant. Am einfachsten fiel mir die Aufgabe, wenn es die maximale Geschwindigkeit hatte und dann machte ich auch die wenigsten Fehler. Signifikant und auffallend weniger Fehler als bei niedrigeren Geschwindigkeiten. Wenn’s brennt werde ich halt fokussierter, ich schrieb es ja bereits. Ansonsten bin ich hauptsächlich sehr schnell in meiner Reaktion, auch das auffällig. Alles andere an meinem Testergebnis war normal, was heißt, dass ich vermutlich kein Problem mit Aufmerksamkeit habe. Solange die Geschwindigkeit/die Informationsdichte hoch genug ist.

Ansonsten war nichts. Monty liegt jetzt gerne auf/in den Pflanzen, Greg scheint einfach beschlossen zu haben, zu warten, bis die Haut von allein von hen abfällt und sich bis dahin nicht mehr zu bewegen. Bei Greg verläuft das aber, soweit ich das bei den wenigen Zentimetern Körper, die ich sehen kann, beurteilen kann, bisher wie im Lehrbuch. Die Reste der letzten Maus kamen noch nicht wieder raus, dann war Greg erst total matt mit einem rosa Bauch, dann noch matter, jetzt aber wieder wesentlich glänzender, nahezu normal. Das Internet sagt, dann müsste es jetzt noch 1-2 Tage dauern. Dann werden wir erfahren, ob Greg auch so rumfutzelt. Also ich nicht sofort, ich bin ab Mittwoch bis Freitag nicht da.

Ah, etwas war doch: ich bin sehr stolz auf mich, weil ich diesen letzten Akkord auf der eins im letzten Takt inzwischen nahezu immer nahezu perfekt sauber hinbekomme, Bämm, einfach da. Ja, das sind 3 Ds, zwei Oktaven und man hört Unsauberkeiten sofort, wie ein abrutschender Bohrer beim Zahnarzt ist das. Und ich kann’s. Haha!

Jetzt hab ich’s beschrien, morgen geht’s also nicht mehr.

Tag 3193-3195 – Platt.

Die Inspektion war wirklich nicht so schlimm wie befürchtet, trotzdem war ich danach einfach Pudding. Freitag genoss ich noch das Hoch des Abschlusses und das herrliche Wetter und ging noch zum Piercingstudio, mein eines Piercing wieder einsetzen lassen. Das ist es nicht wert, da blind rumzufummeln und am Ende ein knallrotes Ohr zu haben, beim Piercer dauert es 3 Sekunden und kostet mich 100 Kronen. Beziehungsweise jetzt nicht mehr, weil man bei dem Studio quasi die Garantie kaufen kann, die man bekommt, wenn man da etwas hat stechen lassen, und dann tauschen die es fortan ohne extra Kosten. Die Garantie lohnt sich für mich noch vor dem Sommer.

Nach dem Piercer ging ich im Vinmonopolet vorbei und kaufte eine Flasche Sekt, weil mir wirklich nach Feiern war. Leider schlief dann Michel spät und Herr Rabe früh und deshalb wurde Freitag kein Sekt getrunken.

Abends fraßen wieder beide Schlangen nicht. Greg sieht allerdings auch aus, als wäre hen in eine Puderdose gefallen, wird sich also wohl bald Häuten. Monty roch kurz an der dargebotenen Maus und verzog sich dann wieder. Der Züchter sagt, wahrscheinlich ist das Terrarium noch zu „offen“, das Internet sagt, Futter verweigern für 4-6 Wochen nach einem Umzug ist normal und 2-3 Monate überhaupt kein Problem, man soll Geduld haben. Ich habe das Internet zu diesem Thema inzwischen durchgelesen und -geguckt. Einfach warten und in der Wartezeit in Ruhe ein zweites Terrarium einrichten, weil das zusammen wohnen mit Greg wahrscheinlich nichts besser macht für Monty.

Samstag hatten die Kinder Korps-Meisterschaft, allerdings beide verschiedene, weil Pippi im Junior-Korps spielt und Michel im Hauptkorps. Herr Rabe fuhr morgens mit Michel hin, ich mit Pippi später mit dem Zug hinterher, wir trafen uns in Lillestrøm, tauschten die Kinder aus und ich fuhr mit Michel wieder zurück. Den Rest des Tages hing ich ziemlich durch und machte nicht viel, außer „Pørni“ zu Bingen. Das ist eine sehr herzerwärmende Serie aus Norwegen, die ich sehr empfehlen kann, falls sie mögen, wenn normale Menschen, die normal aussehen, normale Dinge erleben. Kein übermäßiges Drama, keine unaushaltbare Spannung. Einfach das nicht besonders wilde Leben einer alleinerziehenden Mutter von zwei Töchtern, Teenie und junge Erwachsene, plus dem da wohnenden Teenie-Neffen und was das alles so mit sich bringt.

Samstag Abend tranken Herr Rabe und ich dann aber den Sekt, darauf, dass die Firma so viel besser geworden ist, wozu ich sie kind of gezwungen habe, was sehr viel Arbeit war. Das war sehr schön, also vor allem mit Herrn Rabe mal wieder einfach zwei Stunden zu reden.

Natürlich hatte ich heute dann erst mal Kopfschmerzen, weil ich inzwischen nur noch alle Jubeljahre Alkohol trinke und auch vorher schon immer Glückssache war, mal hinterher keinen dicken Kopf zu bekommen. Das ist ätzend, und mit einer der Gründe, warum ich mir inzwischen meistens (as in: in 95 von 100 Fällen) auch das eine Bier oder das eine Glas Wein klemme. Der nette Abend mit Herrn Rabe auf dem Sofa war es trotzdem wert.

Nur mit mir los war auch den Rest des Tages nichts, auch nicht, als sich die Kopfschmerzen verzogen hatten. Ich möchte morgen eigentlich noch nicht wieder mit Menschen reden, jedenfalls nicht mit welchen, mit denen ich nicht verheiratet bin. Dieses Wochenende bin ich Herr Rabe wirklich sehr dankbar, dass er das Korpsmeisterschaftsdings übernommen hat und heute mit Pippi im Schwimmbad war. Nächstes Wochenende versuche ich wieder eine bessere Mutter zu sein. Heute musste es reichen, dass ich ein paar im Haus vorhandene, ungiftige Pflanzen (Grünlilien und Pilea) in reines Kokossubstrat umgetopft und dann ins Terrarium gestellt habe – damit es weniger „offen“ ist. Weil ich dann so gut dabei war, habe ich noch weitere Pflanzen umgetopft. Auch wie so ein normaler Mensch der normale Dinge erlebt.

Tag 3192 – Frau Rabe ordnet wieder Dinge.

Inspektion ist tatsächlich wesentlich weniger schlimm als sie beim selben Hersteller auch schon war. Wesentlich. Ich schreibe mir einen Teil davon selbst zu, weil ich in die echt viel Zeit und Geduld und Nerven gesteckt habe, damit die auf ein okayes Niveau kommen. Wider Erwarten haben sie dann aber tatsächlich von sich aus noch weiter Sachen verbessert und jetzt ist es echt ok, da zu sein. Was nicht okay ist, ist unsere (also des Werkes Direktoratets) IT. Gestern früh riskierte der Computer meiner Kollegin einen „versehentlichen“ Sturz aus dem 6. Stock, weil er sich weigerte, sich mit allen unseren Cloud-Systemen zu verbinden. Was schon doof ist, weil das Direktorat ja beschlossen hat, dass *Glitzer- und Konfettikanone vorstellen* Cloudbasierte Systeme und *mehr Glitzerkonfetti* Software as a service die totale Offenbarung sind. Oder wie ich sage: oha, die Direktion hat wieder neue Wörter gelernt, schnallt euch an, liebe Kinder. Jedenfalls ist alles was wir haben jetzt in der Cloud, in der einen oder anderen Form. Zugriff auf diese Daten ist also essentiell. Und den hatte meine Kollegin nicht. In der nächsten halben Stunde wurde ich Zeugin, wie meine Kollegin mit der IT-Hotline alle Phasen der Krisenbewältigung durchlebte. Nach einer viertel Stunde ging ich dem Hersteller Bescheid sagen, dass wir noch ein bisschen brauchen. Nach der halben Stunde hörte ich mich sagen: „Pass auf, das bringt nichts, fahr ins Büro und tausch den Computer aus. Ich sage im Büro Bescheid, dass du kommst. Und ich mache das hier schon.“, worauf meine Kollegin sehr dankbar ins Büro fuhr. Nervenzusammenbruch knapp abgewendet. Und ich schaukelte dann, nach einem Anruf bei meinem Lieblings-nicht-direkten-Kollegen, nämlich dem IT-Mann(TM) die Inspektion total souverän und seriös für die nächsten eineinhalb Stunden alleine. Ich weiß das, weil ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, mir selbst anerkennend nickend über die Schulter zu gucken. Spontane Begehung der Ventilationsanlage war in der Schaukelung inklusive, ohne irgendeine Form von geistiger oder tatsächlicher Vorbereitung. Ich sah mir dabei so zu und war imponiert darüber, dass ich nicht schreiend im Kreis gelaufen bin, sondern das Gegenteil passierte. Also, ja, ich bin nach solchen Tagen trotzdem so erschossen, dass ich abends einschlafe, sobald ich mich irgendwo hin setze, aber in der Situation selbst war ich total ruhig und fokussiert und habe das, für jemanden der keine Planänderung mag, sehr souverän gelöst.

Wahrscheinlich klingt das komisch, aber ich hätte einfach wirklich nicht gedacht, dass ich das so ruhig und versammelt hinbekomme, so total spontan.

Noch so was, nur konkreter: aus Gründen musste ich heute nicht nur Salat (mit Dressing) und warmes Mittagessen (mit Sauce) vom selben Teller essen, sondern es lag auch alles übereinander, damit auch ja alles nach allem schmeckt. Und ich habe das nahezu ohne Meckern gegessen (aus Hunger). Erst den Salat mit so wenig Buttersausce wie möglich, dann die Kartoffeln und den Fisch mit möglichst wenig, inzwischen lauwarmer, Vinaigrette.

Ich bin sehr zufrieden mit mir. Ok, ich muss mir noch was einfallen lassen, wie man „bitte mach nicht solche Schmatzgeräusche*“ in höflich formuliert. Aber sonst echt zufrieden.

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* vor allem nicht, wenn du gar nicht isst!