Tag 1759 – Coronaferienrant.

Am Morgen. Ich öffne Twitter.

Kinderloser Mensch: „Ich verstehe ja, dass die Belastung der Eltern grad hoch ist. Aber überlegt doch mal, wie das für die Kinder ist, wenn ihr die Zeit mit ihnen so hasst.“

*Synapsen knallen durch*

Ich habe mir zur Zeit selbst einen Maulkorb auf Twitter verpasst, damit ich mich in solche und ähnliche Diskussionen nicht mehr einmischen kann. Weil es zu nichts führt, außer, dass ich hinterher ein Magengeschwür vom ärgern kriege. Aber jetzt möchte ich da doch meinen Senf dazu geben, schon allein weil hier ja auch schon solche Kommentare auf dem Blog kamen. Und weil ich, nachdem hier die Kinderbetreuung und die Schule ja nun seit einiger Zeit wieder geöffnet sind, sogar ein bisschen verstehen kann, woher kinderlose Menschen diese Idee nehmen, das ganze sei eigentlich ganz ähnlich wie Ferien nur halt ein bisschen plötzlich, ja mei.

Ich hasse meine Kinder nicht. Das mag jetzt überraschen. Vor allem, da die Entscheidung für Kinder im Grunde eine Schnapsidee im Hormonrausch war (judge me! Ich möchte aber behaupten, 80% der Eltern „entscheiden“ sich für Kinder eher aus dem Bauch raus). Es war Weihnachten 2011, ich war im Job so lala etabliert aber fühlte mich komfortabel in meiner Position, Herr Rabe und ich hatten es gut auf allen Ebenen, für Kinder ist eh nie der richtige Zeitpunkt haha, lass mal probieren. Im Februar bekam ich den Mutterpass, ziemlich schockiert, wie schnell man so nen kompletten Menschen angesetzt hat, sollte man nicht erst monatelang versuchen und so? Nein, wir nicht. Vorher wochenlang die Bedingungen gleichberechtigter Elternschaft aushandeln und möglichst noch vertraglich festhalten? Again, judge me. Wir hatten Glück, da auf einer Wellenlänge zu liegen (das war mir ja auch vorher schon klar), wir hatten Glück, dass Herr Rabe zu dem Zeitpunkt an der Uni arbeitete, die 7 Monate Elternzeit für ihn nicht ablehnen konnte, und den ganzen Rest des Vereinbarkeitswitzes, den sich deutsche Eltern tagtäglich vor allem in Form von Kommentaren wie „wer seine Kinder in die KiTa gibt, liebt sie nicht“ (s.o. btw) geben müssen, haben wir elegant umschifft, indem wir nach Norwegen gezogen sind.

Insofern rede ich hier aus vielen Gesichtspunkten aus einer Luxusposition. Es ist hier normal, dass Eltern eben mal ausfallen, weil Kinder krank werden. Wir sprechen uns ab, wer grad besser von der Arbeit wegkann, um das kotzende Kind aus seiner Einrichtung abzuholen, sagen unseren Chefs Bescheid, fertig. Es ist gesellschaftlich NORMAL, dass auch Väter das tun. Es ist NORMAL, dass Väter Zeit mit ihren Neugeborenen, Babies und Kindern verbringen wollen und deshalb längere Aus- und Elternzeiten nehmen. Es gibt eine Kondergartenplatzgarantie ab dem August nachdem das Kind 1 Jahr alt geworden ist und es ist NORMAL, dann wieder arbeiten zu gehen, wenn man kann und will, Vollzeit. All das ist in Deutschland schon in weiten Teilen nicht normal und der gesellschaftliche Druck aus allen Richtungen stresst dort Eltern, die von der Idee der Alleinverdienerfamilie abweichen müssen oder wollen, immens.

Halten wir also fest: ich liebe meine Kinder, wir haben hier viel Unterstützung.

Und dann kam Corona.

Von einem Tag auf den nächsten (!) war alle Routine weg. Die Kinder wurden nach Hause geschickt mit den Worten „Nehmt lieber alles mit, WAHRSCHEINLICH ist morgen keine Schule/Kindergarten, für wie lange weiß keiner.“ Die Kinder waren verwirrt und die Erwachsenen besorgt und man hat versucht, das alles irgendwie aufzufangen. Stundenpläne gemacht, Tage durchstrukturiert, wir bewarfen das Problem auch mit Geld und bestellten ein Trampolin für den Garten, guckten mit den Kindern die Pressekonferenz für Kinder (wieder sowas, was ich hier einfach super fand: die Regierung, die gezielt Kinder ansprach und trotz aller Unsicherheit, die auch nicht verschleiert wurde, beruhigende Worte fand und auf Fragen VON KINDERN einging) und besprachen mit unseren Arbeitgebern das weitere Vorgehen.

WIEDER: Wir sind hier total privilegiert. Es gab schon vor der Schließung der Schulen und Kindergärten die Anordnung VON DER REGIERUNG, dass alle, die können, Homeoffice machen sollen. Alle. Insofern waren wir eh zu Hause [ich nicht, aber das ist eine Geschichte, die hier nichts zur Sache tut, im Zweifel lesen Sie einfach den 12. und 13.3. hier im Blog nach] als alles schloss. Mein Arbeitgeber genehmigte schnell allen Eltern mit Kindern unter 12, normale Stunden abzurechnen, auch wenn die nicht 100%ig effektiv und/oder zu seltsamen Tageszeiten abgeleistet wurden. Alle Eltern bekamen 10 extra Kindkranktage für „Corona-geschlossene Einrichtungen“ vom Staat. Alles Luxus! Trotzdem war die erste Woche ein bisschen wie im Delirium und ging hauptsächlich für Organisation und allgemeines Klarkommen drauf. Schulaufgaben gab es auch noch nicht so wirklich viele, Kindergarten eh nicht. Die Kinder verstanden noch nicht, dass das jetzt wirklich lange so bleiben würde, wir auch nicht, doch, war toll.

Aber dann war irgendwann alles organisiert und es galt, zwei (weiterhin) Vollzeitjobs und zwei Kinder unter einen Hut zu kriegen. Zwei Kinder, wohlgemerkt, die gewöhnt sind, täglich andere Kinder und andere Erwachsene um sich zu haben. Die nicht kennen, dass Mama und Papa plötzlich die Ansagen machen, die sonst vom Kindergartenbetreuer oder der Lehrerin kamen. Die kein Problem damit hatten, dass zu Hause und im Kindergarten/der Schule andere Regeln herrschen, aber dass plötzlich die Kindergarten- und Schulregeln auch zu Hause gelten sollten, war schwer zu verstehen. Das knirschte also, erwartungsgemäß, und da kannste die Kinder lieben und dich freuen, Zeit miteinander zu verbringen, so viel du willst, sowas muss sich zurechtruckeln. Und mit zurechtruckeln meine ich: Wutanfälle aushalten. Geschrei aushalten. Viel. Oft. Lange. Wir ruckelten also, wir sorgten uns, UND DANN SOLLTEN WIR AUCH NOCH IRGENDWIE ARBEITEN. Wir teilten uns auf, was aber hieß, dass wir extrem lange Tage hatten. Was saugt. Sehr.

Wir wurden in dieser Zeit weder den Kindern, deren Schulaufgaben, unseren Jobs, dem Haushalt, noch uns selbst (Sport? Selfcare? Hahaha.) wirklich gerecht. Und guess what? Das sorgt für ein scheiß schlechtes Gewissen. Eh schon. Dann noch sagen „du musst aber schon schauen, dass die Kinder sich nicht als Belastung empfinden“ ist, sorry, total daneben und lädt noch ne Schippe schlechtes Gewissen drauf. Schlechtes Gewissen, in der Intensität, in allen Bereichen, lähmt.

Aber dann öffneten die Kindergärten und Schulen wieder und ich kann jetzt verstehen, wie Kinderlose oder auch Menschen mit Kindern aber ohne Erwerbsarbeit auf die Idee kommen können, das seien „Coronaferien“. Ich geh mal davon aus, dass kinderlose Erwerbstätige auch etwa eine Woche brauchten, um den Homeoffice-Schock zu überstehen, aber wenn ich mir mein Homeoffice-Leben jetzt so angucke ist das eigentlich sogar ganz nett. Ich kann viel länger schlafen, ich spare mir das Pendeln, ich kann mir meine Arbeit noch freier einteilen als eh schon, ich kann auch mal zwischendurch den Einkauf erledigen, Arzttermine sind gar kein Problem mehr und ich esse täglich Mittag mit Herrn Rabe. Der macht mir auch oft noch einen Kaffee und stellt ihn mir hin, während ich schon im nächsten Meeting sitze. Die finanziellen Sorgen sind weg und das Infektionsgeschehen sieht auch sehr vielversprechend aus. Es ist echt eigentlich sehr nice.

Genauso sind ja Ferien sehr nice. Keine Arbeit, Ausflüge mit den Kindern an den See oder in den Wald und wenn sie mal nen Film gucken wollen, kann ich in der Zeit trainieren oder meinen Hobbies nachgehen. Keine Schulaufgaben, Ausschlafen, kein Stress.

Nur WAREN DAS WÄHREND DER CORONTÄNE EBEN KEINE FERIEN! Das war das kinderlose Homeoffice, PLUS die arbeitsfreien Ferien, PLUS als Ersatzlehrkraft fungieren, PLUS andere Kinder ersetzen, PLUS Sorgen und Umstellungsschwierigkeiten der Kinder auffangen, PLUS selbst Sorgen haben WEIL ES EINE GLOBALE PANDEMIE IST.

Und jetzt sag mir nochmal, kinderlose Person, dass ich das als „Zeit miteinander verbringen“ hätte schön finden sollen, dass ich niemals hätte meckern dürfen, dass ich den Kindern hätte vorspielen müssen, dass alles tutti ist und wie Ferien und niemand von uns in dieser Zeit irgendwie überfordert, unterfordert oder unausgelastet ist. Dass die Kinder sicher nen Schaden davon tragen, dass ihre Eltern DIE SITUATION als belastend empfanden.

Rant Ende.

Tag 1167 – Ein paar konstruktive Vorschläge zum Thema „Ärztin-Patientin-Kommunikation“.

Wir sind, das mag jetzt überraschen, mich hat es jedenfalls heute morgen sehr überrascht, weiterhin im Krankenhaus. Nach einer einigermaßen okayen Nacht (wie das halt so ist wenn Dinger piepen und Zäpfchen gegeben werden und bei der Zimmernachbarin Blutdruck gemessen wird und so weiter) ohne Blutungen ging ich davon aus, dass auf das Frühstück wie beim letzten Mal die Visite folgen würde und dann dürften wir wieder nach Hause. Es kam die Pflegerin der Frühschicht und sagte, Pippi dürfe dann gleich auch wieder essen, wir sollen nur auf das OK der Ärztin warten. Pippi hatte ordentlich Hunger, oder Appetit oder einfach einen leeren Magen, der von der Glukoseinfusion halt unbeeindruckt war, jedenfalls aß sie ein Eis und trank Saft und dann holte ich mir Frühstück und brachte ihr einen Joghurt mit. Gestern hatte sie ja auch Eis und Saft in rauen Mengen bekommen.

Dann kam die Pflegerin und sagte „Hat sie davon was gegessen? Sie soll nicht essen!“, worauf ich sagte, ich hätte das so verstanden, dass sie nichts festes essen solle, damit die Wunden im Hals nicht gestört werden, worauf sie sagte, nein, sie solle gar nichts essen. Ich nahm Pippi den Joghurt weg, Pippi fand das absolut nicht cool und ich reichte ihr das Saftglas. „Sie darf auch nicht trinken. Sie soll fasten.“ „Warum denn das? Sie hat Hunger!“ „Sie kann keinen Hunger haben, sie hat Glukose bekommen. Und wenn sie doch Hunger hat, kann sie Eisstückchen lutschen.“ Sprach’s und verschwand.

Pippi verstand nicht, dass ich ihr ihr Essen wegnahm. Und ihren Saft. Und überhaupt alles. Wie auch, sie ist drei. Ich legte aus Solidarität auch mein Essen weg und versuchte sie zu beruhigen, aber es war absolut unmöglich, sie brüllte sich in Rage. Irgendwann hatte ich davon genug und ich ging mit ihr (brüllend) auf dem Arm an den Tresen und bat um eine Erklärung, WARUM sie plötzlich fasten solle. Die Pflegerin sagte, sie frage die Ärztin und käme dann sofort wieder.

Statt sofort kam sie eine dreiviertel Stunde später wieder. Mit der Ärztin im Schlepptau.

Das sei Routine, sagte die Ärztin. Falls man nochmal operieren müsse. Und wir sollen bis mindestens morgen bleiben. Weil ihr Hb-Wert zu stark gesunken sei. Das sei auch Routine. Essen dürfe sie weiterhin lieber nur flüssiges kaltes, und den Joghurt.

So. Und da, liebe Pflegekräfte, kommt jetzt mein „arrogantes Pflegekraftgebashe“. Ich möchte nämlich was dazu sagen. Ich habe direkt in der Situation auch zwei Sachen gesagt, nämlich

  • Es war noch nie die Rede von „nochmal operieren“ und ich hätte das gern schon gestern gewusst, wenn das im Raum stand/steht
  • Wieso wurde Herrn Rabe nicht gestern schon gesagt, dass es eventuell (sogar deutlich) mehr als eine Nacht Aufenthalt hier werden könne? (Denn es ist viel einfacher, 5 Unterhosen einzupacken und im Zweifel halt 4 ungetragen wieder aus, als sich von Tag zu Tag immer noch eine Unterhose nachliefern zu lassen.)
  • Bei beiden Dingen wurde, meiner Meinung nach, unterirdisch, nämlich gar nicht, mit uns kommuniziert.
  • Und da wird’s dann halt kompliziert, liebe Pflegekräfte und Ärztinnen. Denn ich bin durchaus nicht doof und vor allem wirklich kooperativ eingestellt. Ich möchte nur gerne verstehen, warum was gemacht wird. Weil ich eben nicht blöd bin. Ich kann mir beileibe nicht vorstellen, dass es viele Eltern gibt, die sagen „Ach so, Routine, ja gut, leuchtet ein.“, weil Routine nun mal keine Begründung darstellt. Bei mir kam es so an, dass mir nicht erklärt wurde, dass und warum gefastet werden sollte, aber mitmachen sollte ich es bitte und zwar ohne Nachfragen, denn auf Nachfragen wird man schnippisch. Es wurde nicht _erklärt_, warum wir noch hier bleiben sollen, bis der Hb-Wert wieder besser ist. Es wurden nicht mal Werte genannt, also weiß ich halt auch nicht, ob der Wert von 11 auf 9,8 oder von 12 auf 7,5 gefallen ist. Was ich aber weiß ist, dass Glukoseinfusion und Wassereis keinen Hb-Wert über Nacht verbessern werden. Weil ich, ich wiederhole mich, nicht blöd bin.
  • Wenn ihr meint, ein Kind muss, ungeachtet dessen ob es Schmerzen hat oder nicht, sechsmal am Tag Schmerzmittel kriegen: erklärt es bitte.
  • Wenn ihr meint, ein Kind muss eventuell nochmal operiert werden und sollte deshalb fasten: erklärt es bitte (und auch, wieso es am einen Tag anders gehandhabt wird als am nächsten, das ist mit btw immer noch nicht klar). Kommuniziert es und erklärt es. (Ich kann mir keine Eltern vorstellen, die auf eine Erklärung, dass nach einer Blutung wie dieser manchmal noch viel schwerere Blutungen auftreten können, die dann operativ gestoppt werden müssen wofür das Kind halt möglichst nüchtern sein sollte, sagen, scheiß drauf, YOLO, rein mit dem Schnitzel. Wirklich beim besten Willen nicht.)
  • Wenn ihr der Meinung seid, der Hb-Wert sei kritisch weit gefallen und rechtfertigt einen weiteren stationären Aufenthalt: Nennt Zahlen. Und dann: tut was, damit der Wert steigt. Zum Beispiel hättet ihr ja wenigstens mal fragen können, ob wir Vegetarier sind. So als Tipp.
  • Ganz generell: denkt nicht, alle die „nicht vom Fach“ sind, sind unmündige Idioten, die man gar nicht erst nicht aufzuklären braucht. Es könnte passieren, dass die ihren Groll ins Internet schreiben. Es könnte aber auch passieren, dass die tatsächlich einfach gehen. Dass die keinen Bock mehr haben, ihre Kinder erklärungslos mit Zäpfchen, Blutabnahmen und Fasten drangsalieren zu lassen, wenn sie keinen Sinn dahinter sehen, weil das einzige „Argument“ dafür, das sie zu hören bekommen, ist „das ist eben Routine“. Vielleicht kommen die bei der nächsten Geschichte dann einfach gar nicht mehr, weil sie fürchten, dass aus „nur mal gucken“ ein mehrtägiger Aufenthalt ohne Information aber mit FastenZäpfchenTralala wird.
  • Informed consent. Zwei Worte, beide davon so wichtig. Ohne Information kann kein Patient eine Entscheidung treffen, ob eine Behandlung sinnvoll ist oder nicht. Patienten, die den Sinn einer Behandlung nicht sehen, sind wenig kooperativ. „Routine!“ ist keine Information. „Routine!“ ist gewissermaßen der Rausschmeißer einer Diskussion und eine Ausrede. Das nächste mal, wenn ihr wen als unkooperativ abstempeln wollt: fasst euch mal kurz an die eigene Nase und fragt euch, was eure Kommunikation damit zu tun haben könnte.
  • Grüße –
  • Eine Mutter. Weder vom Fach noch doof.
  • Tag 1135 – Kein Kindergarten.

    Heute war ich beim Elternabend des Horts. Und ich habe mich da sehr aufgeregt. Wirklich sehr. Denn das alles strotzte vor Doppelmoral und widersprüchlichen Anforderungen und überhaupt hab ich mich EINFACH ECHT AUFGEREGT. Hier ein aufgeregtes Sammelsurium der Aussagen/Forderungen/Vorkommnisse.

    • Sie erwarten von den Eltern dies das und jenes, Wettergemäße Kleidung, Blabla. Wie im Kindergarten.
    • Das ist kein Kindergarten.
    • Die Kinder müssen sich selbst anziehen und auch genug anziehen.
    • Sie erinnern die Kinder daran, sich warm/kalt genug anzuziehen*.
    • Sie können nicht immer wissen, wo alle Kinder sind, das sind einfach zu viele auf zu wenige Erwachsene.
    • Sie geben auf die Kinder acht.
    • Sie können leider keine Ausflüge machen, zu wenig Personal.
    • Sie können die Bus-Kinder nicht zum Bus bringen, zu wenig Personal.
    • Sie können keine weiteren Aushilfen einstellen**.
    • Eltern sollen bitte ihre Kinder morgens bis mindestens zur 3. Klasse jeden Tag bis in den Raum begleiten. Dies soll den Kindern signalisieren, dass die Eltern sich für sie interessieren. (Und dann gehen sie halt dort verloren, weil ohhh, kein Personal, nee, hinter der Schule kann man echt nicht noch wen stehen haben, aber sie sagen den Kindern nochmal in streng, dass sie da nicht hindürfen***.)
    • Zu Essen gibt es Saft**** und Fast Food oder Brot.
    • Es müssen alle probieren. Nur wer probiert hat, kann als Alternative Knäckebrot mit Belag haben.
    • Parken bitte nur am Supermarkt. Den Fußmarsch dazu nutzen, dem Kind freundlich und fröhlich die Verkehrsregeln zu erklären. Eine schöne Zeit mit dem Kind verbringen.
    • Dafür einfach ne halbe Stunde früher aufstehen*****.
    • Beim Abholen die Kinder zuende spielen lassen.
    • Die Kinder müssen aufräumen.
    • Die Kinder dürfen keine Hausaufgaben in der Hortzeit machen. (Dazu spannende Aussage einer Mutter: „Naja, die Erstklässler sind ja noch nicht täglich bis fünf Uhr hier!“ I beg to differ, mindestens ein Erstklässler ist normalerweise jeden Tag bis viertel vor fünf da. Und morgens ab halb, viertel vor acht.) Für die 3. bis 6. Klasse gibt es Hausaufgabenbetreuung, Dienstags, Mittwochs und Freitags von *trommelwirbel* 07:45 bis 08:15 Uhr. Dies, meine Damen und Herren, ist die sinnloseste Regelung jemals. Denn was passiert, wenn man die Hausaufgaben in der halben Stunde nicht erledigt bekommt? Dann ist man halt angearscht und hat auch bis zum Unterricht am selben Tag nicht mehr die Möglichkeit, es fertig zu machen. WÄÄÄHHHHH???
    • Allein mit dem Fahrrad kommen bitte erst ab 5. Klasse. Da machen sie dann nämlich auch erst Verkehrserziehung.
    • Auf eigenes Risiko und IHR KENNT JA EURE KINDER AM BESTEN, also wir würden es nicht empfehlen, aber wenn ihr das UNBEDINGT WOLLT, können auch schon jüngere Kinder mit dem Fahrrad gebracht werden. In den Raum. Bittesehr.
    • Die Kinder sollen Selbständigkeit lernen und selbst entscheiden.
  • Hier mache ich mal einen Absatz, denn bei all dem konnte ich ruhig bleiben und mein „die machen das schon ok so, es wird dem Kind nicht schaden, es wird schon alles gut werden“-Mantra im Kopf aufsagen, aber bei
    • Zum Essen, also zum Austeilen und dann auch zum Essen machen wir einen Film (oder Kinderserie) an, damit die Kinder sitzen bleiben und Ruhe herrscht
  • Bin ich für meine Verhältnisse einigermaßen an die Decke gegangen. Nicht alleine, das fanden einige Eltern deutlich daneben. Weil, wtf??? Ja, alter, kein Personal, haben wir jetzt oft genug gehört, aber NEN FILM ZUM ESSEN? Ihr hypnotisiert die Kinder damit sie still sitzen? Das mag ja bei einigen Kindern auch noch gehen ohne zu schaden aber ich halte die Outcomes „abgelenktes Kind isst nicht“ und „abgelenktes Kind stopft sich über den Hunger hinaus voll“ je nach Veranlagung auch für wahrscheinlich. Und vielen, VIELEN DANK FÜR DIE DISKUSSIONEN die wir zu Hause dann haben werden, weil mein Kind seine Bildschirmzeit zu Hause nun noch mehr eingeschränkt bekommt. Ich bin nicht anti-fernsehen, ganz und gar nicht, aber GRENZEN!!! NICHT BEIM ESSEN! Und nicht dann insgesamt gerne an die anderthalb Stunden JEDEN TAG!
  • Hups, da wurde ich ein wenig laut. Entschuldigen Sie vielmals. Es musste kurz mal raus.
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  • Auto-Lobhudelei: Den SFO-Menschen vor allen die Meinung ziemlich genau so gegeigt, wie oben steht, nur auf Norwegisch. Und damit geschlossen, dass ich finde, dass solche gravierenden Dinge, bei denen beim gesunden Menschenverstand schon alle Alarmglocken schrillen, den Eltern VORHER mitgeteilt werden müssten.
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  • *notallchildren, meinem nicht, ganz offensichtlich, oder allerhöchstens halbherzig. Aber ich finde ehrlich gesagt, das ist auch nicht deren Aufgabe und das Kind kann wirklich langsam lernen, besser auf die Angemessenheit seiner Bekleidung zu achten.
  • **Warum wurde nicht gesagt. Nur „hahaha, wir können hier ja nicht 15 Aushilfen haben, haha!“ Warum denn eigentlich nicht, dann kämen vielleicht nicht Kinder abhanden.
  • ***Oder in den Apfelgarten auf der anderen Straßenseite, in dem eine Mutter letztens ihr Kind und seinen Kumpel fand, ohne, dass die Hortangestellten die Abwesenheit überhaupt bemerkt hatten. ZUM ZWEITEN MAL IN SECHS WOCHEN.
  • ****Da ging die anwesende Dorf-Zahnärztin ein bisschen an die Decke.
  • *****Boah ey, wo soll ich anfangen? Vielleicht ganz kurz: Wenn Michel und Ich ne halbe Stunde eher aufstehen, haben wir sicher keine tolle Mama-Kind-Quality-time, sondern zerfleischen uns. Tun wir eh schon. Ja, jeden Morgen. Nein, da hilft keine Routine. Nein, das macht uns nicht zu schlechten Menschen, sondern einfach zu welchen, die nicht gern früh aufstehen. Aber jeder Satz der so lapidar dahingesagt wird, jedes „aber wenn die Schule erst um neun anfängt, dann hat mein Kind ja schon fast Mittagspause, weil das um fünf eigentlich am fittesten ist, das geht nicht!“ haut brutal in die Kerbe, dass es verdammt nochmal unfassbar scheiße ist, selbst jeden Morgen die Frühaufstehergesellschaft zu verdammen und dabei die eigenen Kinder aus dem Bett zu werfen (eher zu zwingen), weil sie es eben lernen müssen, dass die Frühaufsteher die besserenschönerenerfolgreicheren Menschen sind, die die kack Regeln gemacht haben und zumindest bis zum Berufsleben ist das mit dem frühen Aufstehen jetzt eben so. Dann können sie sich einen Beruf suchen, in dem sie die Arbeitszeit selbst einteilen können und dann haben sie ein paar Jahre Frieden und dann kriegen sie Kinder und die KiTa schließt um 16:30, davor müssen acht Stunden Arbeit passiert sein und Leute werden ihnen sagen „Aber wenn du erstmal Routine hast, dann ist das kein Problem mehr! Wirst sehen, am Ende wachst du am Wochenende auch um sechs Uhr auf!“ Und dann ranten sie ins Internet, das kann ja auch keiner wollen.
  • Tag 1047 – Wikinger und schaler Beigeschmack.

    Heute waren wir auf einem Wikinger-Fest hier am Fjord. Das war zwar, wie ich finde, recht teuer (100 NOK für nen Erwachsenen, reines Eintrittsgeld, Kinder hätten 50 NOK gekostet, wären sie über Schwerthöhe groß), aber wir kamen rein und platzten direkt in den Heerkampf, wo sich bärtige und behelmte Männer bekämpften. Eine sehr bartlose Frau war auch dabei (im Bild ganz rechts in blau).

    Die Kinder waren da natürlich schon hin und weg und ich bin da ja auch nicht so unempfänglich, wie man vielleicht meinen könnte. Verkleiden finde ich ja sogar echt cool und das war schon alles sehr liebevoll und Detailreich gemacht (auch wenn ich zu bezweifeln wage, dass die Wikinger damals reinrassige Rauhaardackel besaßen. Aber wenn sie die besessen hätten, hätten sie sie sicher an genau so einer Lederschnur spazieren geführt). Im Anschluss an die Kampf-Show drehten wir dann eine Runde über den Markt, auf dem allerhand mehr oder weniger Geschichtsgetreues Wikingerzeug verkauft wurde.

    Der erste Stand hatte Holzdöschen. Der Zweite hatte Schmuck. Und Herr Rabe sagte direkt „Das da ist ein Nazisymbol!“. Es war eine Schwarze Sonne.

    Ab da ging ich mit einem ganz unguten Gefühl durch die Gegend. Die Frau, die sich einen kompletten (naja, ohne Fleisch, Blut, Knochen und Leben halt) Schäferhund um die Schultern gehängt hatte, vermochte das dann auch nicht mehr schlimmer zu machen. Jeden Stand checkte ich auf Nazisymbole ab. Was schwer ist, wenn alles voller Runen und Symbole ist, die man nicht versteht. Das ganze vermieste mir echt den Markt und als dann Herr Rabe einen Pfeil und Bogen für Michel kaufte und ich am selben Stand eine Kette mit einem fucking Hakenkreuz mit einer solchen Swastika sah, kam es mir fast hoch. Leider war da der Kauf des Bogens schon erledigt und das Kind glückselig, sonst hätte ich Mann und Kinder direkt da weggezerrt.

    Wir verbrachten dann noch etwas Zeit auf dem Spielplatz und ich sage es mal so: die gefürchtete Smartphone-Mutti auf dem Spielplatz googelt sich vielleicht grad die Finger wund nach einer harmlosen Erklärung für Nazisymbole auf einem Wikingerfest. Aber eigentlich hätte ich mir das sparen können, denn ich habe zu Swastiken und ihren Abwandlungen eine feste Meinung. Nämlich: Wenn du nicht grad ein 2000 Jahre alter Hindu-Tempel bist, schmücke dich nicht mit Nazisymbolen. Es ist mir schnurz, ob das „echte“ Hakenkreuz soundso viele Grad in irgendeine Richtung gedreht ist, oder ob die Haken links- oder rechtsrum gehen oder ob Odin persönlich sich eine Swastika auf die Stirn tätowiert hatte*. Dieses Symbol steht im Europa des 21. Jahrhunderts für eine menschenverachtende Politik, die zum Völkermord an den europäischen Juden und einem Weltkrieg mit Millionen Toten führte. Punkt. Sich heute mit einer frisch angefertigten Replik dieses Symbols zu schmücken, finde ich verwerflich. Klar kann** man das machen, aber dann kommen so komplett verbohrte linksgrünversiffte Gutmenschen wie ich und denken, dass du ein Nazi bist. Und die möchten dann auch deinen übrigen nicht-Nazi-Kram nicht kaufen und waren wohl auch das letzte Mal bei einer Veranstaltung, bei der sowas geduldet wird***.

    Puh. So. Genug Luft gemacht. Also abgesehen von diesen beiden Ständen war’s da echt cool.

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    Auto-Lobhudelei: Puh, leider nichts. Ich hätte mir von mir gewünscht, dass ich da direkt nen Aufstand gemacht hätte.

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    *Soweit ich das in meinem hektischen gegoogle finden konnte, haben die historischen Wikinger eher selten Swastiken benutzt. Dafür wurde „Die Germanen haben das auch schon benutzt!“ von den Nazis damals zur Propaganda benutzt, was dieses ganze „Aber die Kelten! Und die Germanen! Und Odin!“ halt auch wieder in ein bestimmtes, braunes Licht rückt.

    **man kann sich auch nackt in nen Ameisenhaufen setzen und ich fände das schöner, wenn diese Leute das täten.

    ***Ich werde den Veranstaltern morgen schreiben und sie um eine Stellungnahme bitten. Ganz vielleicht war es ihnen ja einfach nicht bewusst.

    Tag 252 – Oh, toll, Hochzeit! Ein Vorab-Rant. Korfu Tag 22

    Meine Cousine lebt in Kanada. Mit ihrem Verlobten. Einem Portugieser. Ich habe ihn noch nie gesehen, es war immer irgendwas, zum Beispiel sind wir meistens auf verschiedenen Kontinenten. Auf Facebook bin ich mit ihm befreundet und hatte tatsächlich schon das ein oder andere Kommentar-Scharmützelchen mit ihm. Er steht nämlich voll auf Waffen und ist quasi US-Amerikanischer Meinung (Unterart Texaner) zu „alle sollten Waffen haben“ und sagt tatsächlich so Sachen wie „not guns kill People. People kill people.“ Das ist für mich an Dummheit kaum zu überbieten und da kann ich auch nicht an mich halten. Und der Typ ist RECHTSANWALT. Der ist kein Vollidiot, der ist gebildet und so, der braucht auch keine Waffe, weil dauernd die Grizzlys seine Schafe reißen. Der will nur das „Recht auf Selbstverteidigung“. Also, kurz gesagt, der ist bestimmt total nett und so und ich kenn den ja quasi gar nicht und bin totaaaaaaal vorurteilsfrei ihm gegenüber. 

    Und die heiraten jetzt. Also, im Oktober. Schön, ne? Es ist nicht so, als wüsste ich das durch eine Einladung* oder so. Nein. Zu meinem Geburtstag rief mein Onkel an und übermittelte ein Safe-the-Date. Mehr. Nicht. Ja, doch: dass die Hochzeit nicht in Kanana sein würde (puh) sondern in Portugal. Wheeee, immerhin der gleiche Kontinent!

    Heute kam dann eine Mail von meiner Mutter wegen was ganz anderem und btw: meine Tante hätte Flüge für sie gebucht, sie sei vom 1. bis 9. (!!!) da, wir könnten uns doch ne Ferienwohnung teilen. 

    Puh. Durchatmen. Also, wir in Norwegen haben nicht noch einen extra-Feiertag in dem Zeitraum. Also wenn die Hochzeit am 7. ist, können wir am 6. oder ALLERHÖCHSTENS am 5. anreisen. Und müssen am 8. oder 9. zurück. Am 11. ist Michels Geburtstag, da will ich nicht irgendwo in der Welt rumgondeln. Dann sind schon wieder Herbstferien in Norwegen und der Kindergarten macht die Woche drauf (also in der Woche mit Michels Geburtstag) eh zwei Tage zu und wir „dürfen“ Urlaub nehmen. Wir** haben ja auch nicht unendlich viele Urlaubstage. Und im August sind wir vermutlich auch schon ein paar Tage zu einem Geburtstag in Wien. 

    Egal. Durchschnaufen. Ich hab dann trotzdem mal nach Flügen geguckt. Am 6. hin, am 9. zurück. Und es IST DER VERDAMMTE HELLE WAHNSINN!!! Der beste Flug geht um 06:45 hin, dann ist man um 15:45 da. Und am Sonntag um 06:00 zurück, um 22:00 da. MIT ZWEI KLEINEN KINDERN! Am nächsten Tag direkt wieder Arbeit und Kindergarten. UND DAS GANZE ZUM SPEKTAKULÄREN PREIS VON NUR (trommelwirbel) 567€ PRO F***ING PERSON!!!***

    Äh, nee. 

    (Da käme dann ja noch Hotelzimmer, Verpflegung und weiß nich was noch drauf. 2000 € oder so für ein langes Wochenende mit durchen Kindern.)

    *kann natürlich sein, dass die inzwischen da ist und in Norwegen im Briefkasten liegt.

    **Herr Rabe. Ich habe tatsächlich sehr viele Urlaubstage dieses Jahr weil ich letztes Jahr wegen schwanger und so kaum Urlaub genommen hab und das Maximum  an Urlaubstagen in dieses Jahr übertragen habe. Tja, wer wird da wohl die Herbstferientage nehmen****?

    ***Pro Erwachsenem. Pippi zahlt 10% davon, Michel 80%. Rechnen Sie selbst, ich reg mich da nur wieder auf. 

    ****Mütter ey. Die Arbeiten NIE. Immer ist was mit den Kindern. SCHRASTEAUUUUS!!!