Tag 3029 – Augenzucken.

Ach ja, Wochenende. Heute passierte so ca. gar nichts, das des Festhaltens würdig wäre. Das ist auch mal ganz schön. Leider reichte ausgiebig schlafen, essen, Geige spielen und Lego bauen nicht aus, um mein linkes unteres Augenlid vom Zucken abzubringen. Seit Mittwoch zuckt es ständig (mit Pausen) und lässt mich wesentlich gestresster wirken, als ich mich fühle. Ich nehme eh schon täglich Magnesium und dürfte da eigentlich keinen Mangel haben. Wenn ich mehr nehme, muss ich an anderen Stellen durch Ernährung den Nebenwirkungen entgegenwirken, was auch keine richtige Option ist. Es nervt jedenfalls kolossal. Langsam überlege ich, ob das ein Teufelskreis sein könnte: durch Stress und Nerv fängt das Auge an zu zucken, was nervt, was wiederum zu Zucken führt. Ein positiver Feedback-Loop. Nur halt einer, den eigentlich keine braucht.

So, Licht aus. Dank Normalzeit bin ich immerhin zu einer halbwegs normalen Zeit müde. Hurra!

Tag 3028 – Gemischtes.

Die Kinder hatten heute Korpsseminar, das war natürlich im Vorhinein Kinderfolter und hinterher aber super gut. Ich beantworte Michels Fragen „warum muss ich [Aktivität] machen?“ inzwischen meist nur noch mit „weil wir Monster sind“ und hoffe, dass er es bevorzugt zeitnah, spätestens aber so in 20 Jahren versteht. Über was soll er denn auch sonst in seiner Therapie reden?

Pippi ging nach dem Korpsseminar zur Halloweenparty der Tanzschule. Ich schminkte sie dafür, sie wollte das Gesicht weiß und die Augen schwarz, aber „nur so Striche, wie Erwachsenenschminke“, und die Lippen schwarz. Wann ist mein Baby denn so groß geworden? Aber dafür hier noch eine Perle, die sie im Schminkprozess äußerte: „Mama, das ist nicht schlimm, wenn du was falsch machst, dann sieht man, dass es selbst gemacht ist.“*

Kann man im Internet posten, da Kind nicht wirklich erkennbar.

Die Party war super und Pippi sehr zufrieden mit ihrem Tag.

Ich war, nachdem ich Pippi bei der Party abgeliefert hatte, noch kurz einkaufen und habe gruselige Gemüsepreise gefunden.

72 Kronen für ein Kilo Sellerieknolle?!?

Das sind über 6€ für… Sellerie. Ich dachte bisher immer, Sellerie sei eins dieser Wurzelgemüse, die sich auch in Norwegen gut anbauen lassen und deshalb quasi nichts kosten. Der hier ist ja auch von hier. Verkniffen hab ich ihn mir dann trotzdem, so dringend muss der dann doch nicht in die Bolognesesauce.

Ansonsten habe ich die traurige Nachricht zu vermelden, dass Pølse heute abgeholt wurde. Das war nicht so einfach für mich, weshalb ich es bis fünf Minuten vorher ignorierte und hinterher ziemlich durch den Wind war. Jetzt haben wir also gar keine Haustiere mehr.

Am Vormittag habe ich außerdem sichtbar gedacht und muss jetzt Michel schonend beibringen, dass wir keine Schildkröte(n) anschaffen werden. Auch wenn die cool sind. Ich kann und will nicht leisten, was Schildkröten brauchen und die haben es in Griechenland wesentlich besser als hier, selbst wenn wir uns ein Bein dafür ausreißen. Es ist ja immer noch Norwegen hier, wir können kein Tier haben, das zwar draußen wohnen soll, aber bei unter 15 Grad in Winterruhe geht. Das würde ja von spätestens Ende September bis frühestens Anfang Mai im Kühlschrank wohnen müssen. Neenee. Nope. Einfach nein.

All das… ein bisschen viel. Eine muss viel Lego bauen um das auszugleichen.

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*jaha, nämlich nicht wie so Industrieschminke, die man am Fließband ins Gesicht gestempelt kriegt! Bei der sind zwar die Augen symmetrisch, aber dafür war meins mit Liebe gemacht!

Tag 3026 und 3027 – Fertig!

Also, Mittwoch war schlimm. Donnerstag und Freitag war wesentlich besser, aber Mittwoch war einfach furchtbar. Es hängt mir noch ein bisschen nach, weil ich noch nie bei einer Inspektion so… überladen war, dass keine Konzentration mehr möglich war. Dabei war ich in genau dieser Fabrik sogar schon mal. Und da roch es genauso und war sicher auch genauso laut. Hell sicherlich auch. Ich schiebe einen Teil der Empfindlichkeit tatsächlich auf meinen Geruchssinn, der ist manchmal halt so on Fire, dass ich beim Hereintragen des Obsttellers denke, jemand hat Schnaps mitgebracht, dabei ist es nur die Ananas. Oder heute, dass jemand Zitronenbonbons lutscht, dabei war es Mandarine auf dem Teller. Jedenfalls war es kein so gutes Erlebnis dieses Mal. Es riecht nicht schlecht in der Fabrik, im Gegenteil, es riecht halt nach beliebten Aromen für Medikamente, aber es ist sehr intensiv. Keine Ahnung, wie ich das vor vier Jahren ausgehalten hab, dieses Mal war irgendwann mein Gehirn nur noch gefüllt mit einer Mischung aus Zitronen- und Pfefferminzgeruch und dem rhythmischen Lärm der Verpackungslinie. Ich bekam Gesprächsfetzen mit, aber mehr auch nicht. So kann eine nicht so gut inspizieren, um ehrlich zu sein.

Danach platzte mir nahezu der Schädel, der gestern auch noch irgendwie wattig war. Im Labor war ich einigermaßen froh, dass die unter anderem einen Raum haben, in dem lichtempfindliche Stoffe hantiert werden. Da hätte ich mich gut länger aufhalten können. Der Rest seither war Durchgang von Dokumenten und ich habe wieder total viel gelernt und würde jetzt gerne spontan noch viel mehr über galenische Pharmazie lernen, aber haha, wann.

Apropos wann: gute Nacht!

Tag 3023 – Keine Worte.

Ich bin diffus angepisst von allem. Vermutlich einfach zu viel durch die Gegend gerödelt, zu viel gemacht, zu wenig für mich getan, das nicht daddeln am Handy war. Bügeln zähle ich nicht als „für mich“, ich hasse Bügeln und bügele meine Sachen echt nur, weil ich muss. Heute musste ich, ich hatte keine einzige gebügelte Business-Hose mehr und morgen ist Inspektion, hoppala. Ich würde niemals auf die Idee kommen, beispielsweise und total hypothetisch versteht sich, Sweatjacken oder T-Shirts zu bügeln. Ich finde auch daran nichts entspannend, ich habe mühsam unterdrückte Angst vor allem dem heißen Bügeleisen, besonders in Verbindung mit Kabeln und dergleichen, die nun mal dazu gehören. SHE-mäßig müsste Bügeln ein untragbares Risiko darstellen. Ich argwöhne, dass das Patriarchat irgendwie dran schuld ist, dass Bügeln immer noch nicht sicherer ist als 1970 und nicht wesentlich sicherer als 1870 (immerhin müssen wir das Bügeleisen nicht mehr mit glühenden Kohlen füllen, voll der Gewinn).

Anyway. Schlechte Laune. Im Werk alle bekloppt.

Aber beste Kinder, vor allem Michel, der heute sehr erwachsen und ganz ohne Rumschreien seinen Missmut über die Schule einerseits (Grund und Anlass für einen Teil der schlechten Laune auch da, leider) und andererseits die von ihm wahrgenommene Untätigkeit seiner Eltern in Haustierfragen an mich kommunizierte. Punkt für Punkt aufgezählt und dargelegt, mit Lösungsvorschlägen. Vielleicht haben wir doch einiges richtig gemacht, auch wenn wir offenbar für ihn nicht deutlich genug über seine Haustierpläne nachdenken.

Werde in Zukunft versuchen, sichtbarer zu denken.

Tag 3020-3022 Wochenende, Freitag bis Sonntag, in den 3000er Tagen – Bereit…

… für Winterschlaf. Jedenfalls nicht für das hier:

Und auch nicht für Arbeit und routinemäßiges Lunch zu Hause vergessen:

Und auch nicht für Tschüss zu Pølse sagen, auch wenn ich für sie heute ein neues Zuhause gefunden habe, wo sie zwei neue Freundinnen bekommt (wenn sie sich mit ihnen verträgt). Sie wird wohl Freitag oder Samstag abgeholt. Seufz.

Das hier war ihr Bewerbungsfoto, eingewickelt in ein Handtuch, damit sie sitzen bleibt. Die Hupe ist sonst nämlich schneller weg als das Handy zoomen kann und dann hat man nur einen unscharfen Po auf dem Bild.

Ansonsten habe ich dieses Wochenende eigentlich nur Lego gebaut*. Das war auch mal nötig.

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* und Haushalt, Einkaufen, Wäsche waschen und so. Das übliche.