Die Kinder motzen sich schon morgens an, in der Kantine gibt es nur Salat, auf dem Rückweg vom Büro muss ich im Zug stehen. Bonus: Blutabnahme mit anschließendem dickem blauem Fleck und eine von innen vereiste Frontscheibe am Bahnhof, weil morgens wegen der Blutabnahme keine Zeit mehr war, die Alufolie aufs Auto zu prömmeln (Cardos ist WIRKLICH kein Winterauto).
Lichtblick: Ikea-Blumenbällchen am Abend, danach satt und zufrieden.
Vielleicht sind es auch nur diese neuen Medikamente und ihre Nebenwirkungen, das vorweg.
Aber… ich bin fix und alle. Gestern haben wir bis spät in die Nacht das Wohnzimmer umgeräumt und den neuen Fernseher aufgehängt und uns drüber geärgert, dass die „Birkenfarbene“ Schubladenblende irgendwie sehr rosa ist (die Türfronten der selben Reihe werden morgen umgetauscht, weil uns das wirklich so gar nicht gefällt). Und überlegt, wo all dieses riesige Lego eigentlich hin soll (und keine gute Lösung gefunden).
Heute war wegen Umräumen und Fernseherverpackung ein solches Chaos, dass ich sehr gestresst war und am liebsten weggerannt wäre. Außerdem hatten wir gestern Abend vor lauter Räumerei vergessen, dass wir noch hätten einkaufen müssen. Heute gab es deshalb die letzten 2 Brötchen, die letzten 3 Croissants und als Abendessen die norwegische Version von Dosenravioli aus dem Krisenvorrat (die wären aber eh bald abgelaufen und müssen deshalb weg). All das + die lange To-Do-Liste = Stress.
Vielleicht war auch eigentlich keine so gute Idee, gestern noch was soziales zu machen, aber ich war von einer Handvoll neurodiverser (hauptsächlich autistischer) Frauen zu einem informellen Treffen eingeladen worden, und fand das so lieb, dass ich ja sagte. Und es war auch wirklich schön, die anderen 4 waren alle sehr sehr nett und interessant und augenscheinlich erst mal „normal“, was ich sehr beruhigend fand, ich bin schließlich auch total normal, ähäm. Ich musste auch keine Diagnose vorlegen, um akzeptiert zu werden, auch das war sehr beruhigend. Die eine hatte in ihrem aktuellen Hyperfokus für alle kleine Bändchen gebastelt, auf denen „Neurospicy“ steht, jetzt bin ich also Mitglied in sowas wie einem Club. Und es tut auch mal gut, ein paar ähnliche Erfahrungen teilen zu können. Ich mag die gern, aber natürlich war das ziemlich anstrengend, ich kannte die ja vorher nicht und das war alles aufregend und so weiter.
In Kombination war das Wochenende vielleicht etwas zu ambitioniert. Und schon ist es vorbei, so ein Rotz.
Wir haben jetzt einen neuen Fernseher, der keinen grünen Fleck in der Mitte hat. Das ist sehr schön. Eine Folge Simpsons verifizierte die Fleckfreiheit. Ansonsten war die Inspektion heute sehr seltsam, sehr schnell vorbei und wir trotzdem nicht eher zu Hause. Abends habe ich eine Dreiviertel Stunde schlecht Geige gespielt, also tatsächlich schlecht, mein Hirn war nicht ganz da und dann machen die Finger auch was sie wollen.
Es ist anstrengend, aber ein paar Nächte in so einem Hotelbett sind schon auch erholsam. Dafür schmeckt das Wasser aus der Leitung, vor allem der erste Schluck (wenn man nicht, sehr typisch für Norweger und mich regelmäßig wahnsinnig machend, die ersten paar Liter einfach laufen lässt, als wären die Leitungen noch von 1850) nach Meerwasser, genaugenommen nach Tang, und das ist gar nicht mal so schön.
Aber gestern haben wir ausnehmend leckere Burger (von lokalen, glücklichen Kühen, mit selbst gebackenem Sauerteig-Brötchen) gegessen, heute sehr leckeres Sushi (ich hab nämlich gar nicht generell was gegen den Geschmack von Tang). TripAdvisor ftw., ein sehr nützliches Programm.
Außerdem bin ich das erste Mal mit einer Kollegin unterwegs, die schon die ganze Zeit meine Kollegin ist, mit der ich aber noch nie inspiziert habe, das hat sich einfach nie ergeben. Und das funktioniert ausgesprochen gut, wenn es auch für mich extra anstrengend ist (neue Leute, huiiii, so aufregend und spannend, welche Maske ich wohl brauchen werde???).
Morgen geht es nach Hause, ich freue mich wirklich schon.
Ja hmm, halt wenig geschlafen von gestern auf heute. Muss das nachholen.
Ansonsten ganz ok auf der Inspektion bisher. Trauriges Mittagessen. Meetingraum ohne Fenster. Und wie konnte mir in den letzten 5 Jahren entgehen, dass die Pharmakopoeia eine Grenze von 10^2 CFU*/g als „maximal 200“ definiert? Saufen die Lack da in Strasbourg? Ich glaube, mein Gehirn WOLLTE das einfach nicht wahrnehmen.
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*Colony forming units, aka Bakterien und Pilze, mit der Einschränkung, dass sie eben auch unter den ihnen angebotenen Bedingungen Kolonien bilden, das ist manchmal gar nicht so ohne.
Michel fühlt sich eigentlich wieder ganz gut, hatte aber abends wieder erhöhte Temperatur und bleibt deshalb auch morgen zu Hause. Ich habe keinerlei Krankheitssymptome und einen negativen Test. Solange ich nicht morgen früh (um halb sechs, und dann muss ich auch ohne snoozen aufstehen, urgs) krank aufwache, breche ich auf die letzte Inspektion des Jahres auf. Ich bin total aufgeregt, als wäre ich noch nie verreist, bin unnötig viele Schritte beim Packen gelaufen weil ständig irgendwas vergessen und überlege die ganze Zeit, ob ein Paar Schuhe wirklich reicht (ja) und ob nicht doch das Kissen hier bleiben und extra Schuhe mit sollen (nein). Schlafen erscheint mir utopisch. Aber muss ja alles, ne?
Ahhh.
Außerdem heute ein Meeting gehabt, das eine akustische Geduldprobe war, und das ich mehrmals stumm schalten musste, obwohl ich gleich zu Anfang geschrieben hatte, dass für uns zu Hause alle gleich laut und aus der gleichen Richtung aus dem Lautsprecher kommen und dass sie deshalb BITTE nicht alle gleichzeitig reden sollen. Das wurde einfach mal komplett ignoriert. Manche lachen auch echt laut. Auch dass manche nach drei Jahren Homeoffice noch nicht geschnallt haben, dass die Meetingraum-Mikrofone das, was man dem Nachbarn zuraunt, genauso auffangen, als sei man (und alle anderen zu Hause, die das Meeting noch nicht gemutet haben) der Nachbar, oder dass manche den Sinn von Mikrofonen generell nicht so ganz verstanden haben und meinen, da rein rufen zu müssen: ORRRR! Vielleicht bin ich auch extra empfindlich, weil aufgeregt, aber ORRRR!
Michel geht es besser, aber noch nicht gut. Er bleibt morgen zu Hause und ich auch – hoffend, dass ich mich nicht angesteckt habe, weil ich eigentlich Dienstag auf eine Inspektionsreise aufbreche. Ähäm.
Das andere Update hängt damit zusammen. Ich rantete neulich über Bügeln und die Sicherheitsrisiken von Bügeleisen. Dienstag und die Tage darauf brauche ich gebügelte Kleidung, insbesondere Blusen und heute habe ich mir einen hübschen, aber schmerzhaften rosa Streifen auf die Oberseite des linken kleinen Fingers gebrannt. Ich hasse Bügeln dadurch jetzt nicht unbedingt weniger. Vielleicht steige ich echt komplett auf Jersey um, einfach nur um nicht mehr bügeln zu müssen.
Tjanun, es geht halt mal wieder rum, wie jetzt vermutlich jeden Herbst. Michel hat Covid. Von nichts auf hohes Fieber und Kopfschmerzen im Laufe des Vormittags. Mit Fiebersenkern geht es ihm ganz ok und immer wenn er sich kurz ganz ok fühlt, steckt er sehr schnell Kalorien in sich rein. Nicht die schlechteste Idee, glaube ich. Abends hatten wir ihm angeboten, einen Film zu gucken, aber als ich ihm Bescheid sagen wollte, dass wir dann jetzt soweit seien, fand ich ihn mit Brille auf und nass geschwitzt eingeschlafen. Als ich ihm die Brille abfummelte guckte er mich kurz sehr orientierungslos an, murmelte etwas unverständliches in Richtung „Meheeeeenee! Ööhnnn.“, drehte sich um und schlief weiter. Also kein Film.
Armer Zwerg. So sehr er ja aus kleinen Wehwehchen ein Drama machen kann, wenn er richtig krank ist, macht er keins mehr und tut mir dann auch tatsächlich sehr doll leid. Da ist er auch gar kein pseudocooler Pre-Teen mehr, sondern eigentlich noch ganz klein. Seufz.
Ich bin hundemüde. Zu nichts in der Lage, auch wieder Kopfschmerzen gehabt, auf dem Sofa eingeschlafen. Vielleicht sind das Nebenwirkungen eines neuen Medikaments, das ich nehme. Nicht aufregendes, ich möchte es eigentlich auch gar nicht nehmen, weil ich eben vor solchen Nebenwirkungen Angst habe. Ich werde das beobachten, jetzt aber erst mal schlafen. Vielleicht sind es auch ganz einfach Nebenwirkungen von einem Tag im Büro, mit Team-Tag (viel Zeitverschwendung), gemeinsamem Mittagessen (schon wieder Salat, ich hab keine Lust auf täglich Salat, doofe Kantine mit ihrem Fleisch-Fetisch) und einem geschlossenen Café unten im Gebäude, bei dem man normalerweise sehr teuren aber wenigstens guten Kaffe bekommt. Alles viel. Könnte halt auch das sein.
Sie sind alle sehr lieb. Wirklich. Ich antworte auch, sobald meine rasenden Kopfschmerzen besser sind. Versprochen. Aber nach einem Tag im Büro mit der Schulsituation im Hinterkopf und auf dem Rückweg meine Gedanken und Wünsche zu dem Thema auf Norwegisch semi-geordnet aufschreibend bin ich furchtbar platt. Ich ging mich sogar zu Hause direkt hinlegen, was aber nicht half, im Gegenteil, die Kopfschmerzen wurden immer schlimmer. Michel ist auch alle und hat sich vorhin mit Herrn Rabe angeschrien, obwohl Herr Rabe eine Engelsgeduld hat und nur bei schlimmer Provokation laut wird. Vielleicht ist auch Herr Rabe alle, auf jeden Fall ist der erkältet. Bzw. hat seine Erkältung von neulich die Etage gewechselt und sitzt jetzt nicht mehr so sehr tief und schleimig in den Bronchien sondern in den Nebenhöhlen. Wir sind alle ein müder, geschaffter Haufen. Gut dass morgen keine Schule ist, es ist ein beweglicher Ferientag.