Tag 2722 – Wunderheilung.

Hahaha, die Ärztin hatte ja gestern Antibiotikum verordnet, wenn es heute nicht wesentlich besser ist. War es nicht, also wollte ich das Antibiotikum (Penicillin. Nichts abgefahrenes.) in der Apotheke vorbestellen. Haha. Von deutlich über 1000 Apotheken in Norwegen haben knapp 70 überhaupt Penicillin als Saft da. Hahaha. Die nächstgelegene war auch nicht in Oslo sondern ein Stück hinter Hamar. Aber was tut man nicht alles, damit das Kind endlich nicht mehr so leiden muss, ne, also holten wir Penicillin in einer Stunde Fahrtzeit Entfernung ab. Die Pharmazeutin in der Apotheke war dann sogar noch so nett darauf hinzuweisen, dass die Flasche, die die Ärztin aufgeschrieben hatte, bei der Dosierung nicht für die komplette Behandlungsdauer reichen würde. Als ich erzählte, wo wir wohnen, bekam sie Mitleid und gab mir das fehlende Drittel in Form einer zusätzlichen kleinen Flasche mit. Und jetzt hat auch diese Apotheke keinen Penicillinsaft mehr. Aber mal ehrlich – ein Hoch auf die Pharmazeutin, die alle ihre beruflichen Rechte und Pflichten so gewissenhaft erfüllt. Der Ärztin sei verziehen, dass sie über den Mangel an Penicillin nicht Bescheid weiß, meiner Erfahrung nach haben Ärzt*Innen oft keinen Schimmer von Medikamentenmangel, es sei denn, es stand schon fett in allen Zeitungen. Dass die Ärztin aber nicht gemerkt hat, dass Dosierung, Behandlungsdauer und verschriebene Packungsgröße nicht zusammen passt – äh. Ja. Gesichtspalme.

Mit sehr viel Mühe und Bestechung mit Cola zum Nachspülen quatschten wir nach der erfolgreichen Beschaffung die erste von 40 Dosen in Pippi rein. Penicillin ist einfach extrem widerlich und der Geschmack so penetrant, dass er kaum zu übertünchen ist. Diese Marke hier versucht es vergebens mit Orangenaroma. Und siehe da – als wir die Einnahme der zweiten Dosis ankündigten war Pippi spontan geheilt von all ihren Plagen! Ein Wunder!

War sie natürlich nicht. Sie wollte nur keine Medizin mehr nehmen müssen. Die zweite Dosis ging dann auch nur nach vielen Tränen und lebhaften (kindgerechten) Horrorstories von multiresistenten Keimen im Ohr runter. Eine Dosis landete auf der Kleidung (tjanun), also noch 37 mal. Das wird eine spannende Zeit für alle Beteiligten.

Ich erwäge zu diesem Anlass nicht ganz ernst doch wieder von meinem Plan, keinen Alkohol mehr zu trinken, abzurücken. Bisher lebe ich zwar ganz gut mit alkoholfreiem Weihnachtsbier, aber nachdem ich eine Dosis Penicillin in eine willensstarke Siebenjährige gequatscht habe, will ich eigentlich gern nen Schnaps und auf den Arm.

Tag 2721 – Fies.

Herr Rabe war heute Abend mit Pippi bei der Legevakt, weil nach zwei Tagen Ohrenschmerzen keinerlei Besserung in Sicht ist. Fazit: ist halt fies entzündet, aber mehr auch nicht. Morgen können wir ein Antibiotikum in der Apotheke abholen, wenn es nicht morgen deutlich besser ist.

Ja, hmm. Das war irgendwie ein nicht ganz wie geplantes Weihnachten. Arme Maus.

Tag 2720 – Grad noch…

… gefehlt: Pippi ist richtig krank, das linke Ohr ist entzündet und tut ihr offensichtlich sehr doll weh und die Nase produziert so viel Schnodder, dass wir ihr zu Weihnachten eine eigene kleine Papiermühle für die Taschentücher hätten schenken sollen. Dazu leichtes Fieber, also insgesamt eine fette Erkältung mit einer daraus resultierenden Mittelohrentzündung. Nichts, was nicht innerhalb weniger Tage vermutlich von selbst wesentlich besser wird, aber scheiße genug wenn man es hat (oder ein Kind damit hat, das dementsprechend beschissen schläft und tagsüber drauf ist). Arme Maus. (Jaja, wir machen, was wir können, Wärme, Schmerzmittel, inhalieren… aber es tut halt einfach sau weh.)

… gefehlt und…

… gut gegangen: Ich dachte heute, es sei eine gute Idee, den Backofen nach dem Braten gestern mal sauberzumachen, bevor heute der Fisch reinwandert. Also machte ich den Ofen sauber, wie ich das immer so mache und danach wollte ich den Ofen vorheizen und *pling* flog die Sicherung raus. Licht ging, alles andere im Ofen führte zum selben Resultat. Google sagte, dass wahrscheinlich irgendwo beim sauber machen Wasser rein gelaufen sei, und dass man es trocknen lassen sollte und dann noch mal gucken (außerdem mache Rasierschaum sowohl Ofen als auch Sicherung (???) zuverlässig sauber, was auch immer das mit dem Problem zu tun hat, aber es war eine hoch gerankte Antwort). Aber auch nach zwei Stunden ohne Tür im Ofen flog die Sicherung jedes Mal raus, wenn ich ihn anschaltete. In der Zwischenzeit hatte sich aber Herr Rabe in die Thematik per YouTube eingearbeitet. Und so schritt er zu Werke, den Backofen ausbauen, dann auseinanderbauen, überall messen, wo der Kurzschluss ist (erfolglos) und schlussendlich trotzdem den Übeltäter hervorzaubern. Die Heizspirale für Oberhitze ist hinüber. Sie ist unter anderem verformt, das allein wäre aber vermutlich nicht so schlimm, allerdings ist auch ihr Mantel geplatzt und vermutlich ist da das Putzmittel rein gekommen und hat den Kurzschluss verursacht. Der Ofen ist 10 Jahre alt und ich rechnete fest damit, dass das sein Todesurteil sei, aber ein Hoch auf die Gütersloher Markenware und Herrn Rabe, der einen norwegischen Händler aufgetrieben hat, bei dem man problemlos Ersatzteile wie Heizspiralen für diese Markenware bestellen kann. Herr Rabe checkte noch gewissenhaft die übrigen Heizelemente durch, die aber alle ok aussehen und bastelte den Ofen dann wieder zusammen. Ich hatte den Eindruck, er hatte da Spaß dran, während ich eher so innerlich schreiend im Kreis lief, weil wir den Backofen wirklich oft benutzen und es war doch der Fisch geplant und der hält ja nicht ewig so frisch im Kühlschrank und ohgottogottogott Panik. Am Ende klemmte Herr Rabe noch die kaputte Heizspirale ab, und siehe da: der Ofen funktioniert auch ohne, jedenfalls Umluft und Unterhitze funktionieren ohne Probleme, jetzt, wo es keinen Kurzschluss mehr gibt. Es gab dann sogar noch Fisch, aus dem sauberen Backofen (Umluft), und er war sehr lecker, wenn auch spät.

Ich empfehle nicht, an den Feiertagen den Ofen „mal grad“ zu putzen. Machen Sie das nicht. Never putz a running Ofen, oder eher, Never putz an Ofen you need later that day.

Heute Herrn Rabe ewig dankbar.

Tag 2719 – Frohe Weihnachten!

Ich hoffe ehrlich, Sie hatten alle einen ähnlich entspannten Heiligabend wie wir. Wir haben sehr lecker gegessen, beschert, einen Weihnachtsfilm geguckt, dabei ist Pippi (die leider wieder krank ist) eingeschlafen. Michel, Herr Rabe und ich haben dann noch Lego gebaut, jede/r sein/ihr Set und Michel baut tatsächlich immer noch, fueled by julebrus (Weihnachtslimo).

Früher war mehr Lametta, aber das war ganz früher ja auch noch aus Blei, heute undenkbar. Früher war auch mehr schick machen, das war heute nicht drin, weil warmes Essen und eine saubere Wohnung priorisiert wurde. Vielleicht wird das eine neue Tradition, Weihnachten in exakt den Klamotten, in denen man Lust hat, sich sinnlosen Winterspeck anzufuttern. Weil früher war auch mehr Stress.

Tag 2718 – Vorweihnaaaaaaahhhh!

Urgs, muss das vor Weihnachten immer so stressig sein? Müssen alle unbedingt noch einkaufen, wenn ich auch unbedingt noch einkaufen muss? Müssen Leute dringend ihre Babies und Kleinkinder mit zum Einkaufen nehmen? Ich schätze, ja. Und ich will da auch eigentlich keinen verurteilen, aber für mich ist das ein maximaler Albtraum und hätte ich nicht auch zur Apotheke gemusst, ein Rezept abholen, hätte ich das Einkaufen mit großer Freude Herrn Rabe überlassen. Der hat derweil geräumt.

Nach so ner Tour schaffe ich es knapp nach Hause und kollabiere dann noch mit der Mütze auf auf dem Sofa, wo ich nicht mal in der Lage bin, mein Handy zu holen oder mit irgendwas sinnvollerem als „hmmmnnnäää“ zu antworten, wenn Herr Rabe fragt, ob ich irgendwas brauche oder mich hinlegen möchte.

Vergessen habe ich übrigens obendrein einiges, weil irgendwann mein Hirn nicht mehr so ganz wollte, wie ich.

Kurz: ein Tag, den wir wieder mal in die Kategorie „für die Tonne“ und „Frau Rabe ist seltsam“ einsortieren.

P.S. Warum klingt Bach so leicht und ist so schwer?

Tag 2717 – Weiß oder Matsch?

Hier schwingt dauernd das Wetter um, kein Wunder, dass ich Kopfschmerzen habe. Letzte Woche waren noch -15 Grad, jetzt waren zwei Tage +-1 Grad, dabei aber auch Regen, heute war Schneesturm bei -1 Grad, morgen sollen es wieder -8 Grad werden und Samstag und Sonntag dann runter bis -18. Nächste Woche dann wieder Tauwetter. Yeah.

Michels Übernachtungsbesuch war gut (wenig Schlaf und viel Alberei, wie das halt ist mit 10) und was wohl auch gut war, war sein spontaner „Auftritt“ gestern in der Klasse. Er hat zwei Weihnachtslieder auf dem Kornett gespielt. Einfach so. Dienstag Abend hat er die dann auch drei mal geübt und dabei 5000% Fortschritt gemacht. Ich bin super stolz auf ihn, er macht das super (wenn er doch nur mehr üben würde…!). Seine einzige Klage heute war, dass die Klasse „zu viel“ applaudiert hat. Hach, Hach.

Ich durfte, als ich Michel abholen wollte und dann aber noch spontan auf einen Kaffee blieb (was dämlich war, so unvorbereitet, weil ich eigentlich keine Ressourcen für Socializen hatte heute, aber egal, man will ja auch nicht unhöflich sein), sehr ausgiebig ein klitzekleines Schoßhündchen von schätzungsweise 35 kg und guter Kniehöhe Stockmaß streicheln, denn dieses arme, arme Tier wird offenbar nie gestreichelt und musste deshalb sehr dringend sehr nah bei mir sein, mehrmals auch mehr oder weniger auf meinem Schoß. Ich mag Hunde meistens eher so mittel gerne, viele Hunde riechen sehr unangenehm für mich, aber der hier war super und sehr flauschig. Ein bisschen wie Babies: ich will kein eigenes haben, aber so zu Besuch, gut gelaunt und nicht stinkend sind die schon super.

Tag 2716 – Nicht der Rede wert.

Vergessen wir diesen Tag einfach. Würd gern berichten können wie ich gleichzeitig optimal entspannt, Self-Care gemacht und Weihnachten vorbereitet habe, aber das wären gleich drei Lügen auf einmal, und ich kann ja so schlecht lügen.

Morgen ist bestimmt besser. Und etwas ist tatsächlich auch echt super: Michel hat sich spontan überlegt, bei seinem Kumpel zu übernachten. Er ist nach der Schule heute mit zu dem Kumpel gegangen, sie haben Kekse gebacken, und als Herr Rabe mal vorsichtig anfragte, wann wir ihn denn abholen sollen, kam als Antwort „morgen!“. Also hat Herr Rabe nur einen Haufen Zeug zum Kumpel gefahren, Michel braucht zum Übernachten ein klitzkleines bisschen mehr Kram, als Pippi. Also tatsächlich, weil er wegen der Hausstaubmilbenallergie wesentlich besser mit seinem eigenen Bettzeug schläft als mit Gästebettzeug. Ach, schön, dass er das jetzt so kann, einfach so.

Tag 2714 – Überraschend.

Ich war heute beim Zahnarzt. Das war sehr aufregend für mich und wenn sie schon bei der Vorstellung von Zahnarztbesuchen Schweißausbrüche kriegen, warne ich sie lieber vor, aber es muss raus.

Normalerweise habe ich ja nichts an meinen Zähnen. Normalerweise knöpft der Zahnarzt mir für ein bisschen Alibi-Gekratze an minimalem Zahnstein bei der Vorsorge Geld ab und schickt mich dann wieder weg. Letztes Mal aber nicht, letztes Mal machten wir einen neuen Termin aus, um zwei sehr kleine, aber inzwischen weiche, Karieslöcher zu füllen. UIUIUI! Gleich zwei. Für mich überraschend bot der Zahnarzt da schon eine Betäubung an, was ich absurd fand, weil er ja gesagt hatte, wie klein diese Löcher sind und ich auch beim rumstochern nichts gemerkt hatte.

Heute war also dieser Termin und es kamen noch ein paar Überraschungen dazu, für mich Zahnarzt-Noob jedenfalls. 1. wie unangenehm ist denn diese Druckluftdüse bitte? Die Luft ist ja eiskalt! 2. Wie schnell das ging. Oben hat er vielleicht 20 Sekunden gebohrt und dann noch mal 40 Sekunden die sehr tiefen Furchen in dem Backenzahn eingeebnet. Unten dauerte es etwa doppelt so lange. 3. Das tut ja doch weh! Also unten tat es weh. Oben nicht. Aber unten war es so ein Gefühl, wie wenn die in der Sensodyne-Werbung Eis essen, nur halt nicht ein Mal kurz sondern nach den ersten Sekunden den ganzen Rest der Zeit. Gerade als ich beschlossen hatte, dass ich doch gern mal ne Pause hätte, war er fertig.

Dann kamen die Füllungen, nichts spektakuläres, so ein Plastikzeug, das mit einer Mini-UV-Lampe gehärtet wird. Mein Mund hat jetzt von innen mehr UV-Licht abbekommen, als ich im letzten Monat, schätze ich. Noch mal abgeschliffen, drüberpoliert, fühlt sich alles gut an? Ja? Ok, dann war’s das. 4. Nach 15 Minuten war ich fertig. 5. Uiuiui, teuer. Nicht teurer als erwartet, bzw. hatte ich es mir sogar schlimmer vorgestellt, aber hier in Norwegen muss man ja als Erwachsene im Normalfall alle zahnärztliche Versorgung selbst zahlen und dann kosten zwei winzige Füllungen halt 1800 Kronen.

6. Heute Abend merkte ich außen am Zahn unten (die Löcher waren ja nur in den Kauflächen gewesen) eine rauhe Stelle mit der Zunge, worauf ich nicht sein lassen konnte, daran rumzufriemeln und im Endeffekt brauchte es nur ein Mal Kratzen mit dem Fingernagel, da hatte ich ein paar kleine Plastikfüllungssplitterchen in der Hand. Ich glaube, die kamen nur außen vom Zahn, sind also wahrscheinlich da runter gelaufen als das Zeug noch weich war, aber ich rufe doch lieber morgen früh noch mal den Zahnarzt an, ob das so richtig ist. Es tut jedenfalls nichts weh, nichts ist schmerzempfindlich, sieht auch alles tiptop aus, aber es sind meine ersten Füllungen, ich hab doch keine Ahnung.

Das alles war so aufregend, dass ich danach echt platt war, mich nicht konzentrieren konnte und später noch Migräne bekam. (7., aber eigentlich ist das nicht überraschend, ich kenne mich ja inzwischen.)

Tag 2713 – Drei Viertel.

Bäder geputzt, Schweine gegossen, Blumen sauber gemacht, Kamin und Flur gesaugt. Mich bei der ganzen Putzerei noch mal über die Putzhilfe geärgert, weil ich überall runde Ecken, die schon lange rund sind, finde. Eine kleine* Spinne erst obdachlos und dann leblos gemacht, weil bei Spinnen im Schlafzimmer bei mir echt Grenzen weit überschritten sind. Nach draußen setzen hat grad den selben Effekt wie der Hausschuh, nur langsamer.

Als Herr Rabe wieder da war, hat er mit den Kindern den Baum geschmückt, während ich gekocht habe. Michel war erst voll dabei, aber dann kam er in die Küche gerannt und wusch sich mehrmals laut schimpfend die Hände, weil er „Baumsirup“ an den Händen hatte. Schlimm, diese Naturprodukte, harzen einen einfach an. Das Wort Baumsirup hat Michel übrigens selbst erfunden, auf Norwegisch heißt es harpiks und hat weder mit Baum noch mit Sirup irgendwas zu tun. Ich finde Baumsirup kommt in die Kategorie „Pinguinlatschen“** – also Wörter, die Michel sich ausdenkt, weil sie beschreiben, was in seinem Kopf dazu vorgeht. Der Baumsirup veranlasste ihn dann aber zum Baden, immerhin.

Morgen ist Büro und dann Zahnarzt mit Bohren und teuer. Weiß noch nicht, was mich mehr „freut“.

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*sah aus, als hätte sie Potential, ordentlich groß zu werden

**Flossen (zum Schwimmen)