Tag 1238 – Hallo, ich bin die Neue.

Meinen ersten Tag als Inspektør soweit ganz gut überstanden. Ich war pünktlich da, aber zu verwirrt, um mich anzumelden, aber da war auch noch eine andere, und die war auch nicht angemeldet, ha. Und die durfte trotzdem rein, pfft. Ich jedenfalls nicht, aber ich wurde auch ohne Voranmeldung von meiner neuen Teamleiterin E. abgeholt, musste mich dann eben noch über das fancy Bildschirm-Dingsi eintragen und mir einen Aufkleber ausdrucken lassen. Dann gingen wir rein und WHOAAAA! So schick! So hell, so Holz und Glas und Metall und alles offen und WHOAAA! Ich bekam den Mund kaum zu. Natürlich gibt es auch eine Garderobe, wo man seine Straßenschuhe ablegt und irgendwas zwischen Birkenstock und Pumps anlegt, wie man halt mag. Ich hatte meine Schuhe schon in der Lobby getauscht, stellte also nur meine Tüte da ab und zog meinen Mantel aus. Dann wurde mir mein Büroplatz gezeigt, der ganz am Ende des, äh, Raumes (? Ist es trotzdem ein Raum, wenn es eine Wendeltreppe und diverse Meetingraum-Glaskästchen in der Mitte hat?) liegt und natürlich wurde ich schon Leuten vorgestellt. Mein Arbeitsplatz ist auch so ein fancy modernes Ding, ich hab zwei Bildschirme und komme mir jetzt fast wie eine IT-lerin vor. An meinem Arbeitsplatz stand auch schon ein Namensschild, es lag da ein Computer mit meinem Namen und ein Telefon und eine SIM-Karte und ein Gutschein für den Kaffeeladen unten im Haus. Ich war ganz verzückt, stellte aber nur meine Tasche ab und ging mit meiner neuen Chefin in den Meetingraum „Curie“*. Vorher stellte sie mich noch der Kaffeemaschine vor, die recht anständigen Kaffee braut, auch der Espresso ist in Ordnung. Hach!

Dann erklärte mir E. das gar nicht mal so einfache System von Gruppen und „lag“** und Leiter*Innen und irgendwie anderen*** Leiterinnen und Abteilungen und demnächst werde ich wohl dann auch den Oberchef kennen lernen. Weiter ging es mit den Hauseigenen SOPs und dem dazugehörigen Datenmanagementsystem und äh, Ja, Behörde halt. Alles sehr… strukturiert. (Das kommt mir Ja sehr entgegen, nur jetzt so am Anfang ist es erst mal viel.)

Ehrlich gesagt war ich danach schon recht gar, aber es stand ja noch die Begrüßungsrunde an. Vom dritten bis in den sechsten Stock arbeiteten wir uns durch die Abteilungen und irgendwo bei den Jurist*Innen spätestens war mein Kopf so voll mit neuen Gesichtern, dass die in meiner Erinnerung nun alle gleich aussehen und Siv Irgendwas heißen. Immerhin ging mir nach dem fünften Mal „Ich fange in der Kontroll-Abteilung an.“ – „Sie ist GMP-Inspektør.“ selbst auch „Ich bin GMP-Inspektør!“ über die Lippen. Und die Reaktion war immer „Oh, DAS ist gut!“, weshalb ich einen hohen Workload auf mich zukommen sehe. Äh, ich meine natürlich, mein lag.

Nach der Begrüßungsrunde war ich außerdem sicher, dass ich tatsächlich so eine der jüngsten da bin und da sicher 70% Frauen arbeiten. Wobei unsere Abteilung noch verhältnismäßig viele Männer beschäftigt.

Danach war es erst 11 und ich eigentlich reif fürs Heiabettchen, aber ich hatte ja noch gar nicht meinen fancy Arbeitsplatz eingeweiht und mich eingeloggt in das heilige Intranet. Ich sage mal so: 274 E-Mails. Morgen*** muss ich dringend ein paar lustige Regeln aufstellen nach denen die Mails sortiert werden. Sowas wie „wenn es an alle@Behörde geht und ich nur im CC stehe, schieb es in diesen Ordner of Doom in den ich nur schaue, wenn ich sonst wirklich gar nichts zu tun habe, also nie“.

Aber hey, immerhin ging alles, Windows 10 ist des Teufels aber da werd ich nicht gefragt. Grad als ich drauf und dran war, wen anzufallen vor Hunger sprangen alle auf und riefen „Lunsj!“ und damit hatte sich auch mein vergeblicher Versuch, das Wifi auf meinem Handy ans Laufen zu kriegen, erledigt.

Kantine. Gut und verhältnismäßig günstig, ein bisschen was**** tut auch die Behörde dazu. Ich hatte leckere Tomatensuppe und Salat und dabei hab ich einer Gruppe Menschen Ü50 erklärt, in was ich meinen Doktor gemacht hab und die waren dann doch schnell ziemlich abgehängt. Hihi.

Danach stritt ich mich weiter mit meinem Computer und dem Wifi am Handy, was leider auch meine Patin, K.-M. nicht beheben konnte. Sehr seltsam, es geht einfach nicht, bei drülfzig Diensten kann ich mich mit meinem Login und Passwort (das ich, dank hundertfünfzig fehlgeschlagenen Wifi-Verbindungsversuchen, auch schon auswendig kann) anmelden, nur da nicht. Irgendwann hab ich auf und suchte erst mal nach einer Steckdose, um das neue Telefon zu laden. Haha. Der Schreibtisch ist so fancy, und ich so trottelig, dass mir erst mein Kollege (und heute noch, aber morgen nicht mehr, lag-Leiter) J. zeigen musste, wie ich die Abdeckung vom versteckten Kabelkanal öffnen kann, um an die Mehrfachsteckdosenleiste zu kommen. Gleich voll professionellen Eindruck gemacht.

Nach dieser schweißtreibenden Aktion kam, was kommen musste: Fototermin für die Zugangskarte. Oh je. Ob es nun am Lichteinfall, an meiner vornehmen Blässe oder an zu viel Highlighter lag: ich war eine Lichtgestalt. Mein Gesicht war eigentlich nur ein weißer Fleck, darunter dunkles Kleid, darauf aschblondes Haar. Erst als ich meine Brille abnahm, ging es halbwegs und so kann ich morgen früh eine Karte abholen, auf der ich völlig untypisch keine Brille aufhab, immernoch sehr sehr hell aussehe und leicht verwirrt dreinschaue. Huff.

Zurück an meinem Arbeitsplatz hatte J. meinen Einarbeitungsplan soweit fertig gestellt, der morgen mit seiner Nachfolgerin als lag-Leiter abgesprochen und dann von ihr unterzeichnet wird. Der Plan umfasst 4 Seiten in tabellarischer Form und da ist von Brandschutz bis Verwaltungsrecht alles mögliche dabei und auch von „am besten gestern“ bis „irgendwann dieses Jahr noch“. Mir wird ganz sicher nicht langweilig werden. Morgen muss ich erst mal all die Menschen, die mir Dinge beibringen sollen (Brandschutz zum Beispiel, am besten gestern!) zu Meetings einladen, denn das müssen die Neuen alles selbst machen, jaja, damit sie es lernen.

Kurz zusammengefasst: ich fühle mich da sehr wohl. Alle waren ganz ganz nett zu mir, niemand scheint meine Qualifikation anzuzweifeln, es hat alles Hand und Fuß und Regeln und Ansprechpartner*Innen und hach. Es war einfach wirklich gut, wenn auch viel. Bester Indikator: keine Kopfschmerzen trotz all der neuen Siv Irgendwasse. Ich werd jetzt gleich wie ein Stein schlafen.

Morgen auch Bilder. Wir haben einen Fahrstuhl mit Spiegel!

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*Nicht, dass Sie denken, die hätten da alle solche Namen. Einer heißt zum Beispiel auch „Kreativität“.

**Ein lag ist eigentlich eine Mannschaft oder Gruppe, hier vielleicht am ehesten als Projektgruppe zu verstehen. Das mit den lag ist echt irre, es gibt über 100 aktive lag zur Zeit, weil jeder in 2-10 lag ist und da… zu beiträgt. Ähm.

***as if. Aber bald.

****entsprechend etwa 3 Mittagessen im Monat, aber das ist auch schon mehr als es an der Uni je gab und eh mehr als ein Chef, der einem aus Dominanzgehabe raus das eigene Essen wegisst.

Tag 1087 – Nix mit ausschlafen.

Mit dem Schlafen klappt es bei mir grad eh wieder nicht so super, aber heute mussten wir tatsächlich auch noch beide Kinder wecken, um nämlich deren neue Schule bzw. Kindergarten anzuschauen. Michels neue Schule ist recht nah und 2/3 des Wegs liegen mit Herrn Rabes Weg zum Zug zusammen. Noch ist ja keine Schule sondern Ferienbetreuung, aber wenigstens haben wir schon mal ein paar Kinder gesehen und in Erfahrung gebracht, welche Art Brotdose Michel am Montag braucht. Frühstück nämlich wenn er sehr früh kommt, sonst eigentlich nichts. Ansonsten gibt es über die Ferienbetreuung nicht viel zu sagen. Angenehm finde ich, dass hier alle auf Pendler*Innen eingestellt sind und recht lange Betreuungszeiten anbieten. Das erleichtert uns vieles. Michel freut sich ein bisschen und ein bisschen geht ihm auch die Düse, das ist also auch alles ganz ok.

Pippis neuer Kindergarten hingegen ist halt echt weit weg. Mit einem kleinen Umweg liegt er auf meinem Arbeitsweg, anders würde es echt nicht gehen. Aber dafür ist das mal der krasseste Kindergarten, den ich bisher gesehen habe. Er wurde erst im Februar eröffnet, es ist also alles ganz neu. Ganz ganz neu. Es gibt gefühlte 30 Gruppen mit jeweils 20 Kindern, Pippi ist jetzt in der Türkisen Gruppe. Zwei der Betreuerinnen sind eher im Oma-Alter, das finde ich ja recht sympathisch. Und ganz anders als vor zwei Jahren bei der Eingewöhnung aus der Hölle fing Pippi direkt an mit den anderen Kindern, den Spielsachen und den Betreuerinnen zu spielen. Yeah! Als wir den Rest des Kindergartens anschauen wollten, blieb sie sogar auf eigenen Wunsch hin in der Gruppe und verpasste so eigentlich das beste. Nach Mal- und Bastelraum, Bibliothek, Turnraum und Küche wurde uns nämlich der „Wasserspielraum“ gezeigt. Ein Kindergartenspa. Eine große, aber flache Wanne, in der jeweils zwei bis drei Kinder planschen können. Pippi wird AUS-RAS-TEN! Ein Kindergarten mit Badebecken.

Auch draußen ließ der Kindergarten absolut keine Wünsche offen (außer grünes Gras vielleicht, aber was willste machen bei totalem Bewässerungsverbot) und wenn das so gut weiterläuft, wie es sich angedeutet hat, haben wir da wirklich Glück im Unglück gehabt, dass alle Kindergärten in der Nähe von unserem neuen Wohnort voll waren.

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Auto-Lobhudelei: nach 4 Schubladen die restlichen 4 in Rekordzeit zusammengebaut. Und endlich Klamotten ausgepackt.

Tag 875 – Wieder im Trott aber doch nicht.

Heute erster Tag KiTa für die Kinder nach den Weihnachtsferien. Beide freuten sich, beide standen fast ohne Meckern auf*, ließen sich fast ohne Meckern anziehen, frühstückten (Michel) bzw. klemmten sich zwei Joghurts unter den Arm (Pippi) und ließen sich aufgeregt, aber anstandslos in der KiTa abliefern. Ich war ja heute zum ersten Mal in meinem Leben so richtig arbeitslos, also rödelte ich etwas ziellos zu Hause herum und machte dann eine To-Do-Liste, sonst mache ich nämlich gar nichts richtig. So war ich sogar recht produktiv, ich nähte ein Kleid fertig, färbte meine Haare nochmal**, testete, ob es nicht vielleicht das Puder ist, das meine Haut kaputt macht (sieht so aus… Nyx HD pressed finishing powder translucent, anyone? Kaum gebraucht, super Puder***). Mittendrin rief die KiTa an, ich hatte direkt Puls, aber es ging nur drum, ob Pippi schlafen sollte oder nicht, sie wolle nämlich nicht und die anderen Kinder in ihrem Alter sollen auch nicht mehr. Ich sagte, wenn sie nicht will, muss sie nicht. Wenn sie will, soll sie nicht mehr als 45 Minuten schlafen. Dann wusch ich ein bisschen Wäsche, räumte die Spülmaschine ein und startete sie, machte Kaffee… das Übliche eben. Auf meiner Liste stand aber auch noch, bei diversen Werkstätten Termine auszumachen, nämlich einmal bei Toyota, wegen des Spiegels und des Schlüssels, und dann bei einer günstigeren Werkstatt um die Ecke, für AU/HU, plus vorher alle nötigen Reparaturen. Die Toyota-Werkstatt ist nämlich 1. teuer und 2. doof, denen will ich nicht mehr Geld als unbedingt nötig in den Rachen werfen. Die Toyota-Werkstatt war dann auch weiterhin doof: den Schlüssel bestellen sie nur gegen Vorkasse, dafür muss ich da morgen ganz früh**** hin. Yeah. Dafür ging es in der anderen Werkstatt total fix und ich sollte direkt vorbeikommen. Wie zu erwarten war***** fiel mein geliebtes Autoli durch den norwegischen TÜV, wird aber in den nächsten Tagen direkt repariert, wenn alle Teile da sind. Das wird leider teuer, aber wenn wir das Auto entweder noch ne Weile fahren oder aber in absehbarer Zeit verkaufen wollen, muss TÜV drauf sein. Seufziseufz.

Danach war sogar noch Zeit für eine wichtige und lange wegprokrastinierte Mail und das Auffrischen meines CV****** samt Hochladen in ein******* Bewerbungsportal, dann holte ich die Kinder ab und Pippi schlief natürlich direkt unweckbar ein. Nach einer guten halben Stunde bekam ich sie wieder wach, puh, sonst wäre das heute wieder so ein Schlaf-Drama geworden.

Und morgen ist dann wieder alles anders, denn wir fahren spontan mit der Hurtigruten eine Station nach Bodø und dann mit dem Nachtzug zurück.

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Auto-Lobhudelei: ein bisschen shit done gekriegt.

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*Pippi mit ein bisschen Meckern, aber die soll sich mal nicht beschweren, ich hab von der Nacht mit ihr in Michels Bett furchtbare Nackenschmerzen.

**Die waren nach „Lorreall preferongs lös blondissimäs“ leider gar nicht Platin, sondern gelb. Richtig krass, als hätte ich versucht, schwarze oder rote Haare zu blondieren. Heute mit Blondierpulver und Entwickler aus dem Friseurshop noch mal drüber gegangen, hat ein bisschen geholfen.

***für andere Hauttypen als mich

****nachdem ich beim Fundbüro angerufen hab, aber bevor wir die Familie zum Frühstück treffen

*****wenn ein Prius röhrt wie ein getunter Golf III, ist wohl der Endtopf durchgerostet

******“submitted 22.12.17, tentative date for defense: 22.03.18″

*******weitere werden folgen, auch neue Bewerbungen, aber erstmal klein anfangen, ne?