Tag 3234 – Dreieinhalb Dinge.

Der Kurs war gut! Hurra! Alles überlebt. Kann mir da auf die Schulter klopfen, finde ich.

Vor dem Kurs jedoch totale Schreckensnachricht: ab Montag muss ich eventuell streiken. Ich kann dann nicht in die USA auf die Inspektion, es sei denn, ich bekomme eine Ausnahmegenehmigung meiner Gewerkschaft. Die ist beantragt (hoffe ich), das muss die Direktion höchstpersönlich beantragen. Ich hatte ja heute keine Zeit, mich um irgendwas zu kümmern, ich war vier Stunden damit beschäftigt, Leuten zu erklären, wie sie ihren (sehr wichtigen) Job machen sollen. Ich verstehe denn Sinn von Streik, ehrlich, ich streike auch gerne Montag und Dienstag, aber ab Mittwoch… halt nicht. Und wenn, muss ich bitte irgendwas schriftlich haben. Ich schreibe da dann nicht Dienstag Abend ne SMS (weil das Direktorat mir wohl auch meinen PC abnehmen wird) „Surprise, ich komme übrigens morgen nicht, ich streike! Beste Grüße, viel Spaß in USA-Land!“. Diese ganze Streiksache macht mich ehrlich gesagt komplett irre. Nicht zu wissen, was passieren wird, alles kann sich innerhalb von 5 Minuten ändern… Ich will nur noch schreiend und Haare raufend im Kreis rennen.

Um auf andere Gedanken zu kommen, und um einen gemachten Plan durchzuziehen, war ich nach dem Kurs beim Ballett und danach noch beim Krafttraining. Es sind wieder Sommerkurse und dieses Mal ist das Ballett deutlich machbarer, da kann ich dann noch Krafttraining dranhängen. Dachte ich. Dann starb ich halb, mein Beckenboden weinte, ich war hinterher in Schweiß gebadet inklusive Body und Hose, aber zufrieden war ich auch. Besonders schön: weil Pippi die Stunde vor mir hat und dann da auf mich wartet, hat sie beim Krafttraining ein bisschen mitgemacht, das war sehr niedlich.

Rekord!

Halbe Sache: innerhalb von 5 Wochen haben jetzt drei Leute mein Norwegisch (gegenüber dritten aber in meiner Anwesenheit) als respektive „sehr, sehr gut mit kaum Akzent“, „exzellent“ und „unglaublich gut“ bezeichnet. Gestern hat eine Norwegerin, die selbst über 10 Jahre in Deutschland gelebt hat und die mit einem Deutschen verheiratet ist, gefragt, wo ich herkomme, sie konnte den Akzent nicht heraushören. Das macht mich schon ein bisschen stolz. Ok, das macht mich sehr stolz. Da ist dann auch nicht so schlimm, wenn mir in vier Stunden Kurs mal „genau“ rausrutscht.

Tag 3233 – Superflink!

Arbeit, Arbeit und am Ende noch socializen mit mir unbekannten Personen, nämlich den anderen Vortragenden von dem Kurs der grad läuft. Arbeit: Meeting mit den deutschen Inspektoren mit denen ich nächste Woche in den USA bin (meine Güte, wie jung die sind!) und dann auch noch Verabschiedung einer Kollegin in den Ruhestand.

Ich bin jetzt echt gar, zu 1000% gar, aber ich war auch den ganzen Tag vorbildlich normal. Zu allem Überfluss (oder weil ich so gar bin, sodass sich mein Gehirn plötzlich an sowas aufhängt?) ist mir auf dem Heimweg eine Ungenauigkeit in der Präsentation eingefallen. Ich werde noch bekloppt.

Aaaaaaber die Aussicht vom Restaurant war wunderbar.

Bei Ankunft, da unten links baden Leute. Rechts das Munch-Museum, dahinter die Oper.
Bei Abfahrt.
Kunst in Abendsonne
Müde in Abendsonne.

Tag 3232 – Jaauuuul!

Aaaalso, mein Vortrag ist jetzt fertig, sogar schon exportiert nach pdf, damit ich nicht auf dumme doch-noch-mal-schnell Ideen komme.

Ansonsten war der Arbeitstag so lala. Auf dem Hin- und Rückweg im Zug stehen müssen war jetzt auch nicht so eine große Freude.

Michels Lehrerin ist seit dem Vorfall, wegen dem sich die Kinder bei der Rektorin beschwert haben, krank geschrieben. Das tut mir für die Lehrerin natürlich leid, man ist ja nicht aus Spaß krank, aber wir haben einen viel ausgeglicheneren und fröhlicheren Michel zu Hause, das fällt sehr stark auf.

Es sind nur noch knappe fünf Wochen Schule, dann sind Sommerferien. Verrückt, wie schnell das geht. Nach den Ferien wird Pippi auch nicht mehr zum Hort gehen und wir haben dann gar kein Kind mehr in irgendeiner Form von Betreuung, das ist auch einigermaßen verrückt. Die waren neulich noch speckige Babies!

Ich hatte ja nicht so sehr viel Zeit zum Üben in den letzten Wochen, aber mit sehr viel Geduld habe ich die zwei Zeilen mit den Doppelgriffen (ab Takt 19) jetzt bald soweit, dass es sich nicht mehr anhört, als würde man zwei Katzen gleichzeitig quälen. Man muss auch ein bisschen die Augen zudrücken, was das Tempo und insbesondere die Länge der 32stel angeht. Ich hatte mir das nicht so schwer vorgestellt, um ganz ehrlich zu sein. Aber Lagenwechsel und dabei auch noch von 1-3 auf 2-4 und so Faxen… es ist ein Wunder, dass ich noch nicht den Hals meiner Geige zerquetscht habe. Apropos 2-4: Ich wünsche mir einen einen Zentimeter längeren kleinen Finger links, wie lässt sich das realisieren?

So viel Arbeit für 8 Takte. Das mache ich auch nicht noch mal. Im Grunde habe ich jetzt drei Wochen nicht viel anderes geübt.

Tag 3230 und 3231 – Hmm.

Der Besuch fuhr gestern wieder nach Hause und behauptet, es war schön bei uns. Das Wetter hat sich aber auch wirklich alle Mühe gegeben, es ist jetzt schon seit über einer Woche durchgehend tagsüber über 20 Grad und herrlicher Sonnenschein. Die Natur explodiert total, so sehr, dass mir das sogar ein bisschen zu schnell geht. Tatsächlich explodieren auch die Pollenbeutel an diversen Pflanzen inklusive Nadelbäumen und ALLES ist IMMER sofort mit gelbem Pollen bedeckt. Frisch geputzte Fenster, Autos, der Terrassentisch, Brillengläser, Kleidung, das Zelt (in dem Pippi nach wie vor schläft). Pollen überall. Niemand hier hat eine Pollenallergie, aber ich wache trotzdem jeden Tag mit einer verstopften Nase auf und putze dann erst mal reichlich (sorry, TMI) grüngelben Gubbel raus. Danach geht es und ansonsten habe ich keinerlei Symptome von weder Allergie noch Erkältung, außerdem war es in der Schweiz schlagartig wie weggezaubert, insofern schiebe ich es tatsächlich auf entweder Pollen oder sonst irgendwas hier zu Hause im Bett.

Gestern war ich dann aber tatsächlich von allem so erledigt, dass ich eigentlich um acht hätte ins Bett gehen sollen. Los war mit mir eh nichts mehr. Ich habe dann auch nicht so recht Zugriff auf mein Gehirn und die Pipeline Gedanken —> Kommunikation hat einen gordischen Knoten* und deshalb habe ich auch das mit dem Bloggen lieber gelassen.

Heute war ausschlafen und dann diverses Zeug rödeln und ich habe ein paar Stunden gearbeitet. Ich muss Donnerstag einen Kurs (vier Zeitstunden) halten und die Präsentation war erst zu 60% fertig, weil immer irgendwas anderes wichtiger war. Jetzt ist sie aber zu 95% fertig und was noch fehlt, ist auch nicht so wichtig. Morgen muss ich dringend was anderes tun und Mittwoch muss ich dann die Präsentation für Freitag (eine Stunde, ähnliches Thema aber anderes Publikum) zusammenkloppen. Diverses Zeug: Herr Rabe hat an beiden Autos die Reifen gewechselt, ich habe am „alten“ Terrarium herumgepinselt. Gestern hatte ich da die Blumentöpfe drin aufgehängt und den Spalt von der Ex-Trennwand zugemacht. Mit Bauschaum, meinem guten Freund und treuen Begleiter. Die Schlangis wohnen so lange wie das „alte“ Terrarium renoviert wird zu zweit im „neuen“ Terrarium, wo sie sich bisher recht wohl zu fühlen scheinen, sie kriechen jedenfalls nicht rastlos herum. Greg ist hinter dem Farn im Lüftungsloch eingezogen, Lüftungslöcher sind anscheinend terrarienübergreifend der heiße Scheiß.

___

*das hat auch alles Namen in Weirdo-Land, aber ich traue mich nicht, mir die anzumaßen, bevor ich nicht mehr als eine vage Aussage der Diagnostikerin habe.

Tag 3227 – Wie am Schnürchen!

Ich arbeitete ja erst ab Mittags, weshalb ich… um kurz vor acht aufstand und mit Herrn Rabe die Bude aufräumte, damit die Putzhilfe auch tatsächlich putzen konnte. Danach arbeitete ich viele Stunden, weil ich eigentlich gar keine Zeit habe, halbe Tage „frei“ zu machen (hatte ja nicht frei, hatte Ruhezeit). Spontan fuhr ich außerdem nach Oslo, um mein Piercing wieder einsetzen zu lassen. Hin, Piercing rein, zur… doch nicht, irgendwas brannte an der Strecke und dann hieß es erst, der Zug würde direkt wieder umdrehen, wir müssten alle raus, dann aber doch wieder alle rein, weil der Zug doch weiterfährt, aber über die Bummelstrecke, auf der Bummelstrecke gab es dann auch noch eine Reihe Stops scheinbar ohne Anlass und am Ende war eine extra halbe Stunde für das Hin und Her draufgegangen. Dafür war ich auch nur eine viertel Stunde nach der Schwägerin in Eidsvoll.

Ansonsten laufen die 17. Mai-Vorbereitungen auf Hochtouren. Besagte Schwägerin möchte sich dieses Jahr das Spektakel mal anschauen. Im Hause Rabe wurden Hemden gebügelt, Sterne an Uniformsjacken genäht, Kleider anprobiert (alle durch nicht-Tragen geschrumpft, hrmpf) und Kinder gereinigt. Beide Kinder wollten nach der Reinigung dass ich Dinge mit ihren Haaren tue, Pippi flechten (im Bauernzopf) und Michel föhnen. Michel hat unfair langes, dichtes und dickes Haar und dazu auch noch Locken. Föhnen dauerte so ungefähr ewig und am Ende war es immer noch leicht feucht, aber besser als mit ganz nassen Haaren ins Bett und morgen mit einem Vogelnest auf dem Kopf aufwachen. Pippi hat übrigens meine Haare geerbt. Dünne Fusseln und schnell nachfettende Kopfhaut. Da muss man recht häufig waschen und das macht die Fusseln an den Enden auch nicht stabiler.

Tag 3206 – Auuuuu!

Mein Körper fühlt sich an wie zermantscht, alles tut weh. Die Generalprobe für die Tanzshow am Samstag war zusätzlich zu allem anderen eine eher mäßige Idee, aber nicht zur Generalprobe gehen geht ja auch nicht.

Das Elterngespräch mit meiner Chefin war so lala, ehrlich gesagt. Komisch, die ist gar nicht begeistert davon, wenn die jüngste ihrer Angestellten sagt, dass es uncool ist, dass immer nur oben drauf gepackt wird, ohne dass was anderes weggenommen wird, dass das zu Überarbeitung und explodierenden Stundenkonten führt. Dann sagt die, dass man selbst dafür sorgen muss, dass es nicht zu viel wird. Komisch, ich dachte ja irgendwie das sei so etwa im Kern das, was eine Personalverantwortliche tut, so, den Überblick behalten, was die einzelnen so tun und brauchen und nicht brauchen. Aber vielleicht vertue ich mich da und die Aufgabe einer Personalverantwortlichen ist lediglich, alle drei Monate ein Personalgespräch durchzuführen, wo aber ausschließlich darüber gesprochen wird, wie supidupi alles ist und alles andere müssen die Angestellten selbst irgendwie regeln. Oh, wir haben auch noch darüber geredet, inwiefern ich in Übereinstimmung mit den Werten des Direktorates arbeite und handle. Die Werte sind: Teilen, Neugierde, Glaubwürdigkeit und Handlungskraft. Also komplett leere, generische Worthülsen und darüber hinaus ein Verb und drei Nomen, was mich seit dem ersten Tag kirre macht. Ich habe wahrheitsgemäß geantwortet, dass ich den Teil vom Referat bisher immer einfach weggelassen habe, weil ich das sinnlos finde. Wer soll sich denn bitte nicht hinter diese Werte stellen können? „Näää, ich hasse es, Neues zu lernen und lüge wie gedruckt, dazu bin ich faul ohne Ende.“ Oder wie?

Der Rest vom Arbeitstag war auch eher mäßig und involvierte eine weinende Kollegin, womit ich ja super umgehen kann (also quasi gar nicht).

Ich bin müde. Und muss darüber nachdenken, ob es realistisch ist, zu erwarten, dass eine personalverantwortliche Chefin in der Lage ist, die Aufgaben und die Belastung von knapp 20 Menschen (die aber alle im selben Team sind und deren Kalender alle einsehbar sind) im Blick zu behalten, an die Kolleg*innen weiter zu geben, wenn jemand ausfällt und zu priorisieren, was gemacht werden soll und was nicht, wenn die Ressourcen knapp sind. Und was die Chefin von uns erwarten kann. Und weil ich darüber nachdenken muss werde ich noch viel müder.

Tag 3205 – Hmm okay.

Elterngespräch Nummer 2, mit Michel, und es war… okay? Ich bin einigermaßen irritiert, ehrlich gesagt. Vielleicht hat die Lehrerin aber auch inzwischen eingesehen, dass, wenn plötzlich 2/3 der Klasse irgendwelche Probleme haben, eventuell gar nicht die individuellen Kinder alle individuelle Ursachen dafür mitbringen. Jedenfalls ist Michel (ausgerechnet) in Mathe inzwischen weiter als alle anderen in der Klasse, behauptet aber weiterhin, das nicht zu können. Alle anderen Fächer waren ja noch nie ein Problem und sind es auch weiter nicht. Faszinierende Erkenntnis, die aber ungefähr alles erklärt, was mir seit 6,5 Schuljahren regelmäßig Augenzucken beschert: in Norwegen werden Rechtschreibfehler nicht mehr korrigiert und Rechtschreibung nicht bewertet. Es ist egal, man hat eh immer ein Autokorrekturwerkzeug dabei, es kommt mit der Zeit oft eh von allein (und wenn nicht, ist es ja egal, weil wir jederzeit Hilfsmittel zur Hand haben) und es ist wichtiger, einen sinnvollen Fließtext schreiben zu können, als dass dieser fehlerfrei ist. Ich bin echt fasziniert davon. Ich frage mich auch, ob das schon bis zu Arbeitgebern etc. durchgedrungen ist. Aber egal. Jedenfalls ist Michel gut in der Schule und eckt scheinbar auch nicht mehr so viel mit der Lehrerin an. Das ist gut, auch wenn ich dem Braten noch nicht zu 100% traue.

Abends waren wir alle klettern, woran selbst Michel einigermaßen Spaß hat, seit er weiß, dass er besser als seine Eltern darin ist. Er wiegt halt nichts und hat lange Gräten, das ist ein echter Vorteil. Herr Rabe und ich wiegen schon was. Ich bin geschmeidiger, er hat mehr Kraft. Insgesamt sind wir so ca. gleich schlecht gut. Allerdings habe ich mir an einem Boulder einen ganz enorm dicken Splitter unter den Fingernagel des rechten Zeigefingers gerammt und erst als ich am vorletzten Griff aufgeben musste, weil keine Kraft mehr irgendwo war, gemerkt, dass das ordentlich blutete. Nachdem ich den Splitter rausgezogen hatte, blutete es noch mehr und ich musste mir ein Plaster holen, was ich wenig später an einem anderen Boulder verlor. Das war dann aber auch der letzte, da waren meine Arme schon nur noch unbenutzbarer Pudding.

Ich kann übrigens nicht empfehlen, mit Post-Kletter-Nudelarmen Geige zu spielen. Ich konnte knapp die Saiten runter drücken und hatte auch etwa gar keine Koordination mehr. Also das war in seiner Lächerlichkeit schon fast wieder lustig.

Anyway. Morgen habe ich dann selbst „Elterngespräch“ (Mitarbeitergespräch), nur muss ich da, zu Michels Bestürzung, ganz alleine hingehen. Ich hatte überlegt, ob ich wohl einen emotional support husband dabei haben kann, aber ich will ja auch nicht komischer erscheinen als unbedingt nötig. Ich nehme Daumen für das Gespräch, echt, weil ich eine ganze Reihe unangenehmer Dinge ansprechen muss, damit sie endlich besser werden, und ein Teil dieser Dinge ist direkte Kritik an meiner Chefin. Hurra.

Tag 3182 und 3183 – Nope.

Körper tut überall weh, gestern Ballett, heute Bouldern (die Kinder haben jetzt beide Mittwochs Kletterkurs, irgendwas muss eine ja tun, wenn sie da schon zwei Stunden in der Hanne abhängen muss). Immer noch an Erkältung sterbend, die tötet mich aber so langsam, dass ich Ballett und sowas alles noch machen kann, es ist nur die Nase, die betroffen ist. Die dafür nervend. Gestern Abend herrschte mich Michel an, als ich ihn ins Bett bringen wollte: „Lass das!“ Es war meine Nebenhöhle, die wegen irgendwelcher Druckausgleichsgeschichten knackte. Nichts, was ich irgendwie bewusst steuern und sein lassen könnte.

Bei der Arbeit sehr viel nein gesagt. Verstehe aber tatsächlich nicht, dass meine Chefin, nachdem ich zu zwei Sachen wegen keine Zeit Nein gesagt habe, trotzdem noch mit der dritten und vierten Sache ankommt. Da fühle ich mich nicht sonderlich ernst genommen. Speziell finde ich auch, dass sie mich, nachdem ich meine Teilnahme an einem (Entschuldigung, aber Bullshit-)Ganztagsmeeting abgesagt habe, fragt, warum ich das mache. Weil ich da im Ausland bin, auf einer Inspektion, das steht seit vor Weihnachten in meinem Kalender. Der für alle zugänglich ist. Gestern habe ich auch einmal sehr laut und sehr deutlich gesagt, dass mein Nein nicht an mangelnden Interesse liegt, sondern daran, dass meine Arbeitszeit bis Ende September in weiten Teilen komplett verplant ist. Es ist für mich ein erstaunlich großer Stressfaktor, wenn ich ständig „geht nicht“ zu allem sagen muss, und dann auch noch erklären muss, warum es nicht geht, VOR ALLEM wenn ich das Leuten wiederholt erklären muss und VOR ALLEM wenn ich das meiner personalverantwortlichen Chefin erklären muss, immer wieder, ohne dass sie es irgendwie zu verstehen scheint. Der Frau, deren Job es ist, meine Arbeitsbelastung zu kennen.

Was ich außerdem heute für die Zukunft gecancelt habe, ist, meine Reiseabrechnungen zu „attestieren“. Ich muss da in so einem furchtbaren System eigentlich nur bestätigen, dass ich eine Reise bestellt und/oder getan habe, dass ich in einem Hotel gewohnt und mit einem Flugzeug geflogen bin, etc. In der Praxis muss ich aber drölfzig Buchhaltungsaufgaben machen, zum Beispiel das Frühstück vom Hotel aus der Hotelrechnung extrahieren und dann für die einzelnen Posten die richtigen Steuercodes angeben (ungleich Steuersätze, das wäre ja einfach, aber wir haben zum Beispiel 2 Codes für „12% Umsatzsteuer“, und es ist sehr wichtig den richtigen zu nehmen, aber es ist nicht ersichtlich und auch nicht logisch, welchen man nehmen muss. Zu bedenken außerdem: wir sind jetzt ein Papierfreies Büro mit Clean desk und free seating und können nicht mehr wie früher Listen mit Kostenstellen und Projektnummern und effing Steuercodes am Arbeitsplatz an die Pinnwand pinnen. Die Pinnwand ist noch da, die ist nur leer. Leere, graue Cubicles, was könnte es schöneres geben?). Und ich scheitere daran JE.DES. MAL. Jede einzelne meiner Attestierungen kommt zurück, weil ich irgendwas falsch gemacht habe. Literally jede und manche mehrmals. Ich gebe mir wirklich Mühe und mache trotzdem immer irgendwas falsch, und statt dass unsere Buchhaltung das alles so fertig macht, dass ich nur noch auf „bestätigen“ drücken muss, schreibt sie mir so Sachen wie „der Betrag ist falsch“ oder „falscher Steuercode, Hotelfrühstück ist 00“ (es ist nicht 00, weil es 0% Steuern sind. Es sind 25% Steuern. Code 7 ist auch 25% Steuern, aber scheinbar ein anderer) und dann darf ich wieder 5-10 Minuten mit steigendem Puls versuchen, ob ich es dieses Mal schaffe. Heute kam eine Rechnung zurück, bei der ein Betrag falsch war, den ich gestern aber nicht ändern konnte. Ich habe es extra meiner Kollegin gezeigt, und gefragt, ob ich irgendwie zu doof bin, diesen Betrag zu ändern. Heute kam es also wegen was zurück, das sich gestern technisch nicht lösen ließ und dann löste ich das total erwachsen und schrieb meiner Chefin, der ich auch schon vor 4 Wochen geschrieben hatte, dass ich mich von unserer Buchhaltung wegen diesem Rotz langsam gemobbt fühle und dass man Ressourcen sicher sinnvoller einsetzen kann als so, dass ich jetzt aufgebe. Ich mache das nicht mehr. Fertig. Ich kann ihnen gerne in anderer Form bestätigen, dass ich das war, die eine Reise gebucht hat. Aber nicht in diesem System, und definitiv nicht nachdem ich erst mal einen Haufen anderer, zum Teil technisch nicht möglicher Dinge machen muss. Einfach nein. Morgen richte ich mir ne Outlook-Regel ein, dass alles schön gesammelt und als gelesen markiert wird, und Ende. Und nein, ich will auch nicht noch ne Schulung in dem System, ich will, dass alle im Haus ihre Arbeit tun, die Buchhaltung ihre und ich meine. Ende.

Tag 3181 – Kommunikation bitte nur schriftlich.

Es ist ja so: ich kann nicht gut lügen. Eigentlich gar nicht. Bei bewussten Lügen haben ich das Gefühl, mir würde ein großer roter Pfeil über dem Kopf blinken, mit dem Wort LÜGE! dran, wie in einem Comic. Anschließend verfolgt mich das auch ca. für immer, dass ich das eine mal, da, da habe ich nicht die Wahrheit gesagt, Schande über mich, bestimmt fliegt es auch morgen auf und alle hassen mich. Ungefähr so. Was ich kann, ist sehr trockene, lustige Bemerkungen machen, mit vollkommen neutralem Gesichtsausdruck, wo mir die Ironie/der Sarkasmus völlig klar ist, aber andere nehmen das zum Teil doch überraschend ernst (meine Chefin zum Beispiel). Da ist mir aber völlig egal, ehrlich gesagt, meinen Humor werde ich sicher nicht ändern. Meine Umwelt kann sich damit trösten, dass ich keine richtigen Witze erzähle, seit ich aus dem Fritzchen-Witz-Alter raus bin. Das kann ich nämlich wiederum gar nicht, weder kann ich mir Witze merken, noch sie gekonnt rüber bringen. Super schlechte Wortwitze gehen manchmal. Welche von der Sorte, wo in der WG des besten Freundes damals eine Wortwitzkasse für stand.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: Aprilscherze und ähnlich gelagerte Puns gehen auch kaum in Persona. Ich möchte dabei auf den Füßen trippeln und gnihihi machend meine Hände reiben, weshalb das sofort auffliegen würde. Das Veräppelungs-Äquivalent zum blinkenden roten Pfeil. Aber schriftlich geht ganz gut, da sieht ja keiner das Gnihihi, das ich dafür auch so ganz in echt hier zu Hause machen kann. So habe ich heute dem Lieblingskollegen weis gemacht, dass ich mich total aufs Büro morgen freue und vorhabe, da jetzt öfter hin zu fahren, weil ja nicht das Büroklima darunter leiden soll, dass ich Inspektionen und Kurse und Gedöns habe. Und er hat es tatsächlich geglaubt, und gedacht, ich sei übergeschnappt. Gnihihi.

Ansonsten heute strahlender Sonnenschein, ich war ohne Mütze, Schal und Handschuhe draußen spazieren, das erste Mal seit mindestens Oktober, und es war warm genug. Hurra, hurra, 8 Grad plus! Kein Aprilscherz, sondern reine, ehrliche Freude.

Tag 3169 – 3171 – So viel los.

Mittwoch: wir alle waren bei Pippis letztem Kletterkurstermin zum Familienklettern eingeladen. Da waren wir auch alle, sogar Michel (unter Protest) und sind geklettert. Pippi natürlich allen voran. Pippi hat mich auch sehr süß im Hochseildings da angefeuert, als ich mir in vier Metern Höhe fast in die Hose machte vor Angst. Aber wenn man so mitten drin ist, kann man ja auch nirgends hin außer weiter auf dem Kurs. Gestern und heute hatte ich Muskelkater aus der Hölle. Michel auch, der ist dann nämlich doch erstaunlich viel geklettert.

Gestern war Inspektion. Das war viel. Und viel Chaos, das war es auch. Langer Tag.

Heute war weiter Inspektion, aber aus dem Homeoffice heraus, das ist schon wesentlich besser und da muss ich auch nicht um halb acht in Zügen sitzen.

Abends haben wir den Schlangen das erste mal Futter gegeben. Also, effektiv nur Greg, aber angeboten haben wir eine köstliche TK-Maus, wohltemperiert, natürlich beiden. Greg schnappte quasi sofort nach der Maus und erwürgte sie dann auch brav. Fast hätte hen die Pinzette gleich noch mit erwürgt. Ich hab mich bei dem Schnapper auch nur ein bisschen erschreckt, ähäm. Im Anschluss an die „Erwürgung“ schnupperte Greg einigermaßen aufgeregt an hens Beute herum, fand dann aber doch irgendwann raus, wo vorne ist und verschlang das Tier in der ca. Fünffachen Dicke seines Halses mit allem, Kopf voran. Das war faszinierend anzusehen. Und etwas morbide.

Monty bekam auch eine Maus angeboten, schnappte auch danach, aber ich erschreckte mich so, dass ich die Maus fallen ließ. Dann legte sich Monty drauf und machte mit dem Körper das federnde S, immer auf meine Hand fokussierend. Das war mir dann zu heikel, mit einem hastig gesuchten Plastikschwert stupste ich Monty weg und holte die Maus wieder raus. Monty fand die Maus dann aber nicht mehr essbar und verzog sich wieder in sein unerreichbares Loch. Greg verdaut. Morgen oder übermorgen probieren wir es dann nochmal, mit Monty und einer frischen Maus.