Tag 3313 und 3314 – Nix passiert.

Gestern war Nix, nur Arbeit und ein bisschen Hormone und dadurch Laune irgendwann am Abend. Deshalb auch kein Bloggen, ich war mit allem unzufrieden.

Heute auch Arbeit, eigentlich wollte ich ins Büro, aber dann wurde gestern verkündet, dass da heute ganz viele Leute sein würden, die lustige Kennenlernspielchen in den Büroräumen spielen, und daraufhin sind alle, nicht nur ich, zu Hause geblieben. Da habe ich sehr effektiv gearbeitet und mich nach 6 Stunden und 56 Minuten ausgeloggt, also 4 Minuten früher als ich im Sommer arbeiten muss. Wow.

Ich bin dann trotzdem ins Übungshotel gefahren, wo ich mir immer vor mein neues Hobby einen Raum gebucht habe, damit ich nicht bis sieben Uhr abends im Büro hocke. Im Übungshotel habe ich 2 Stunden Geige gespielt, das war schön, aber ich muss echt dringend ne Stunde mit meinem Lehrer abmachen, ich langweile mich ein bisschen und beiße mich dann an Kleinigkeiten so sehr fest, dass ich sie übe, bis sie schlechter klingen als vorher. Das ist Käse.

Danach neues Hobby, das war wieder sehr lustig, noch lustiger als letztes Mal, und auch mehr Trainingsartig. Mein Einkauf erwies sich als semi gut geeignet, aber das lässt sich überspielen. Es macht jedenfalls sehr viel Spaß und ist auch sehr albern.

Tag 3305 – Fertig.

Michel wurde heute morgen in den Bus zur Klassenfahrt gesetzt und da die Kinder keine Handys mitnehmen durften, hören wir jetzt wahrscheinlich erst Freitag wieder was von ihm. Etwas seltsam ist das ja schon.

Ansonsten war ich heute im Büro und da drehen alle langsam am Rad wegen der Ereignisse, die sich im Herbst abspielen werden. Aber davon abgesehen war es ok da, mein Rechner musste erstmal eine Tonne Updates installieren und das führte über Umwege dazu, dass ich dann erst etwas später zum Mittagessen kam. Da war kein Platz mehr frei am Tisch mit den Kolleginnen und Kollegen, in der lauten, kalten Kantine, und dann war ich ja quasi gezwungen, mein Essen mit nach oben zu nehmen und da allein, in Ruhe und mit Ausblick nach draußen zu essen. Schrecklich.

Tag 3258 und 3259 – Endspurt!

Alles muss fertig werden, man (ich und mehrere meiner Kolleginnen und Kollegen) arbeitet sich also den Hintern ab. Auf uns alle warten absurd viele Wochen Ferien, weil die ganze „Flexizeit“ (die eigentlich Überstunden hätten sein sollen) ja irgendwo hin muss. Am 1.9. verfällt sie sonst. Angeblich ist das legal. Aber da habe ich mich sicher schon mal drüber aufgeregt.

An sich ist Arbeiten aber recht entspannt zu dieser Jahreszeit, man muss ja ständig Eis essen, und alle freuen sich auf frei haben.

Getier-Updates: Das Wespennest ist noch da. Greg hat sich erfolgreich und problemlos an einem Stück gehäutet. Eine Hummel (nehme ich an, denn die summen gerne um den Klee im Rasen herum) hat Pippi in den Fuß gestochen.

Ansonsten gibt es nicht so viel zu erzählen, Michel hängt viel zu Hause rum, schläft ewig und hat von ein paar Ausflügen in die Sonne ganz bezaubernde Sommersprossen bekommen. Pippi hängt hauptsächlich draußen rum (wenn sie nicht beim Dance Camp ist) und ist schon wieder ordentlich braun. Sie schläft auch wieder im Zelt, aber das mussten wir heute abbauen, da für die Nacht starker Regen angekündigt ist.

Vielleicht saufen die Wespen ja ab, ganz natürlich, ähäm.

Tag 3250 und 3251 – Platzwechsel.

Gestern war Nix.

Heute war erst eine Schulung in KI in GxP, die so naja war. Meiner Einschätzung nach waren die meisten Zuhörenden nach 20 Minuten abgehängt. Es war sehr technisch und sehr sehr wenig (eigentlich gar nicht) Inspektions-relatiert. Wie meine Chefin nach der Schulung zum Schluss kommt, dass jetzt demnächst überall KI aufploppt und wir dem gegenüber hilflos mit den Armen rudern, erschließt sich mir auch nicht. Die Vortragenden hatten mehrmals gesagt, dass ihnen nur eine einzige konkrete Anwendung bekannt ist, die in Betrieb ist, und dass die Vorgaben in Pharma es auch nicht einfach machen, mal eben irgendwas einzuführen und es deshalb kaum was gibt, was über Entwicklungsstadien hinausgeht.

Danach waren wir mit den Inspekteur*innen sozial aus, das war meine Idee gewesen und auf meine Initiative hin passiert* und dann hat meine Chefin das gekapert und zu ihrem Ding gemacht, ich bin deshalb etwas pissig, muss ich sagen. Also, kann sie ja machen, aber das ändert in meinem Kopf den Rahmen komplett. Anyway, weil ich ja aus Schaden doch manchmal klüger werde, fuhr ich nicht zusammen mit den anderen zu der Location, sondern ging zu Fuß. Das war eine knappe Stunde und sehr schön, ich allein mit Musik auf den Ohren, flott gehend durch ein endlich wieder sommerliches Oslo.

Die Location war so ein „Food hub“, wie man das jetzt so hat, in einer früheren Lagerhalle am Kai sind da einige verschiedene Essensbuden und es gibt eine Bar. Man bestellt per App und holt sein Essen und Getränke selbst ab, wenn es fertig ist. Man kann da auch draußen sitzen und das machten wir. Es war SEHR WARM in der Sonne und manchen konnte man dabei zusehen, wie sie leicht rötlich wurden. Überraschender Weise ich nicht. Ich hab jetzt nur mehr Sommersprossen. Ich bestellte mir indisches Essen, ein ordentlich scharfes Kichererbsengericht, das war schon echt lecker. Das Essen war auch schnell fertig und es gab allerlei fancy Getränke, wenn man bereit war, für irgendeine Fruchtsaftschorle 6-8 Euro zu bezahlen. Für alle anderen gab es kostenlos Wasser. Ich gönnte mir trotzdem eine Rhabarberschorle, aus Rhabarberliebe.

Wir unterhielten uns ein bisschen, aßen, es war warm und dann fing es leider an zu regnen. Also gingen wir nach drinnen. Da war es SEHR LAUT. Ich wollte schreiend weglaufen. Im Endeffekt saßen wir da dann aber auch nicht lange, weil der einzige freie Tisch ab 19 Uhr reserviert war. Es regnete auch nur noch ein ganz bisschen, also gingen wir wieder raus, aber auf die nicht so sonnige Seite. Da saßen wir noch eine Weile, immer mal wieder die Regenschirme auspackend, weil wieder ein paar Tropfen kamen. Aber wir hatten Spaß. Die ersten gingen nach Hause und es wurde im Schatten dann doch etwas kalt, also wechselten wir Verbliebenen zum dritten Mal am Abend den Platz, zurück auf die Sonnenseite. Mehr Rhabarberschorle wurde getrunken und etwas weniger oberflächliche Gespräche geführt, was ja auch einfacher ist, wenn nicht mehr 15 Leute da sind, sondern nur noch 6. Um halb neun löste sich aber auch der Rest der Gesellschaft auf. Leider verpasste ich um eine Minute den Zug. Tjanun, da musste ich noch ein Eis kaufen gehen. Es ist ja Sommer. Da ist das quasi eine Pflicht.

Es war ein schöner Nachmittag und Abend, jedenfalls für mich. Ich mag die seltsame Inspektionsgang. Trotzdem bin ich jetzt echt platt und habe Kopfschmerzen, es war ein langer Tag und viele Leute und viel Sonne direkt ins Gesicht. Gehe jetzt ins Bett, morgen ist ja auch schon wieder ein normaler Wochentag.

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*Ich bin nämlich eigentlich nicht antisozial. Ich möchte so gerne, es strengt mich nur an.

Tag 3249 – Schildkröte.

Zu viel gearbeitet, ansonsten nichts zu erzählen. Von Michel gedrückt worden, als ich endlich nach Hause kam, einfach so, ohne dass er was wollte. Das war schön, er ist ja immer noch ein bisschen mein Baby.

Ich habe den Beweis, dass Greg eigentlich eine Schildkröte ist. (Monty liegt in einem Versteck auf der warmen Seite und verdaut, ich glaube hen hat sich seit Samstag höchstens mal auf die andere Seite gedreht. Wenn man ganz leise ist, hört man es aus dem Terrarium vielleicht ab und an mal rülpsen oder schnarchen.)

Bild von Greg weiter unten.

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Tag 3242 – Fertig.

Ich jetlagge immer noch ein bisschen herum und wollte heute genauso wenig aufstehen, wie die liebreizenden Kinder. Aber ich wollte/musste ja ins Büro, und nach dem Büro wollte ich in Oslo noch drülf Dinge tun. Dann war das Büro doof zu mir, da waren zu viele Meetings und zu hell und überhaupt und danach die drülf Dinge liefen auch nicht wie geplant und das war alles doof und ich danach total platt. Nun ist es so, dass ich tatsächlich seit Donnerstag einen Zettel habe, der bestätigt, dass ich mir nicht einbilde, dass manche Dinge, die für andere kein Problem sind, mich völlig auspumpen, aber da muss ich erst mal selbst irgendwie Worte für finden. Bald, sicher.

Nach dem Arbeitstag war ich jedenfalls erst mal zwei Stunden im Bett und ausgeknockt von allem, dann migränig und Kinder ins Bett steckend und müde und jetzt bin ich trotzdem wieder wach, ächz. Pippi hat übrigens, das ist mir beim ins Bett komplimentieren wieder aufgefallen, beeindruckend dreckige Füße in beeindruckend kurzer Zeit, auch diesen Sommer wieder. Riesengroße, dreckige Füße. Da Pippi ja auch schnell braun wird, weiß man an anderen Stellen ihres Körpers im Sommer oft nicht, ob das alles vielleicht nach einem Bad ganz anders aussieht, aber bei den Füßen kann man da ja schon recht sicher sein. Und irgendwie finde ich gut, dass sie so ein Dreckfußkind ist, vorm Fernseher bleiben die Füße nämlich gemeinhin sauber.

Abends habe ich ein bisschen die Danger Noodles hantiert, damit die daran halbwegs gewöhnt bleiben. Monty zieht sich eigentlich zuverlässig jetzt jede Woche eine Ratte rein, die Greg aber standhaft verschmäht. Deshalb ist Monty jetzt auch deutlich größer als Greg. Das wird sich schon irgendwann geben, der Hunger wird’s schon irgendwann auch bei Greg reintreiben. Vielleicht taue ich noch mal ne Maus im selben Wasser auf und versuche Greg eine mausduftende Ratte unterzujubeln, aber erst mal bleibe ich recht entspannt. Dünn ist Greg noch nicht, und Monty hat ja irgendwann den Hungerstreik auch beendet und seither läuft es eigentlich gut. Das Terrarium ist offenbar auch angenommen, beide liegen an den unterschiedlichsten Stellen immer mal wieder rum und so soll es ja auch sein, dafür gibt es ja verschiedene Zonen da. Etwas wärmer, etwas kühler, etwas feuchter, etwas trockener. Bester Platz tagsüber scheint hinterm Farn zu sein, alternativ liegt Monty auch gerne in der Höhle auf der warmen Seite. Greg hat heute noch mal versucht, sich unter die Kokosnuss zu quetschen, aber das passt inzwischen dann doch nicht mehr und es sieht eher aus, als würde Greg die Kokosnuss auf dem Rücken herumtragen, wie so ein Einsiedlerkrebs seine Muschel.

Tag 3239 – Auf gepackten Koffern.

Den Tag über gearbeitet (halbherzig, es ist seltsam im Homeoffice wenn niemand anderes arbeitet) und ein bisschen mit dem Lieblingskollegen gechattet. Weil er direkt aus dem Urlaub in den Streik getreten ist, kommunizieren wir einfach weiter über Facebook Messenger. Mit der Teamleiterin kann ich ja über Teams kommunizieren, mit einigen anderen Kolleginnen schreibe ich SMS und mit einer WhatsApp. Es ist trotzdem komisch.

Danach habe ich gepackt. Zwei Hosen hängen noch im Bad, weil die Hosenbünde noch nicht ganz trocken sind. Bis auf Badezimmersachen, Ladegeräte etc. ist aber alles im Koffer. Und etwas extra im Kabinenkoffer, ich bin ja paranoid und habe alles für den ersten Inspektionstag im Handgepäck, für den Fall der Fälle. Ich hatte sogar (reichlich) Platz für das Reisekissen. Dieses Mal habe ich auch an einen Sonnenhut gedacht. Yeah. Morgen kann es recht entspannt losgehen, denke ich.

Packen beinhaltete das Verräumen von gefühlten 5 Tonnen gewaschener Wäsche, aber das ist jetzt auch endlich erledigt. Außerdem musste ich ein bisschen bügeln. Jetzt sind zwei Wäschekörbe frei und müssen nicht mehr vor dem Kleiderschrank rumstehen, schade, dass ich davon nichts habe.

Abends brachte ich beide Rübennasen ins Bett und beide beschwerten sich, dass es viel zu warm sei und es unmöglich zu schlafen und dann schlief Pippi nach 5 Minuten und Michel nach 15 trotzdem. Es ist tatsächlich relativ warm, aber ich glaube die Kinder reagieren eher darauf, dass es recht feucht ist. Laut Hygrometer in der Küche sind fast 60% Luftfeuchtigkeit, da kann man Pythons halten aber wir Raben sind das gar nicht mehr gewohnt, wir hatten jetzt monatelang furztrockene Luft im Haus (20 bis maximal 40%). Aber bei immer mal wieder Gewittern und ansonsten wegen warm gekippten Fenstern (unsere Fenster kippen nach unten auf, das macht so viel mehr Sinn in Anbetracht von Wetter als das deutsche Standard-Kippfenster) haben wir hier drin halt Termitenbauähnliche Bedingungen und Kinder, die sich wegen der Hitze (22 Grad) beschweren.

Ich werd die drei anderen Raben vermissen. Aber ist ja auch nur 8 Tage.

Tag 3238 – Dies und das.

War im Büro, dort waren nur absurd wenige Menschen, die meisten streiken ja. Die, die nicht streiken, haben super kritische Funktionen oder sind der Direktor. Oder gehen eh bald in Rente oder sind nicht in einer Gewerkschaft, das sind aber die wenigsten. Draußen waren Kolleg*innen mit Westen und streikten so herum. Es war mir etwas unangenehm, mich da durchzumogeln und normal arbeiten zu gehen. Allerdings taten mir die streikenden Kolleg*Innen auch aufrichtig sehr leid, als wir vom trockenen, kuscheligen Büro aus einem massiven Gewitter mit Wolkenbruch und Hagel zuschauen konnten. In Oslo ist ja dann auch immer sofort ein Problem, dass das Wasser nicht ablaufen kann. Folgerichtig standen die bis zu den Knöcheln im Wasser. Genau, was man sich dann obendrein noch wünscht.

Ansonsten: ich habe freudig feststellen dürfen, dass knappe eineinhalb Jahre Geigenunterricht sich tatsächlich auszahlen. Und wahrscheinlich auch nahezu tägliches Üben. Ein Stück, das ich vor zwei Jahren ziemlich schwer fand, ist… ok. Machbar, gib mir ein paar Wochen und ich krieg die 6 Seiten ansprechend hin. Ein schneller, unaufgeräumter Durchlauf um Fingersätze zu überlegen hörte sich tatsächlich schon echt ok an, ich spiele inzwischen sehr sauber (noch sauberer als vorher und das war nie mein größtes Problem) und mit einem guten, robusten Ton. Ich war selbst überrascht.

Morgen muss ich packen. Und zur Apotheke. Und aufräumen. Und arbeiten. Wahhh!

Tag 3236 – Yeah!

Ich muss nächste Woche nicht streiken. Ich habe eine Ausnahme bekommen. Der Weg dahin war etwas holprig und involvierte auch heute noch einige Nachrichten und einiges Durchhängen. Aber am Ende des Tages kam dann die Nachricht. Jetzt ist die HR-Dame – man muss ihr lassen, dass sie sehr wohl am Wochenende arbeitet, wenn ihre halbe Organisation streikt – aber noch ein bisschen panisch, weil die Ausnahme für die nächste Woche gilt statt für den Zeitraum der Inspektion. Das ist mir allerdings grad recht wurscht um ehrlich zu sein. Denn begonnene Dienstreisen ins Ausland dürfen wie geplant beendet werden. Ich schätze, das Direktorat will nur wissen, ob sie mir die IT-Zugänge Montag und Dienstag sperren müssen oder nicht.

Mit der Nachricht zeitgleich bekam ich eine nahezu explosive Migräne. Das war so anstrengend alles die letzten Tage.

Ansonsten habe ich heute nicht viel geschafft. So in der Schwebe sein bekommt mir gar nicht. Das einzige was ich gemacht habe, war nach Råholt zu fahren mit dem Vorsatz, einen neuen Sommerblazer und „Chub Rub Shorts“ zu kaufen. Einen neuen Blazer habe ich nicht, es sind grad grausliche Oversized-Schnitte in, und das finde ich wirklich furchtbar, nicht nur an mir, sondern unabhängig von der Person, die drin steckt. Warum will man aussehen, wie ein Kind, das sich als Erwachsene verkleidet hat? Aber ich habe mehrere Shorts gekauft. Das deutsche Wort will mir ums Verrecken nicht einfallen, den ganzen Tag schon nicht. Hier heißen sie „Biker“, so eng anliegende Hosen bis ca. eine Handbreit überm Knie. Die die ich gekauft habe sind aus Unterhosenstoff und High Waist und sollen eben verhindern, dass ich mir – RADLERHOSEN! So heißen die. Ja. – sollen verhindern, dass ich mir einen Wolf an den Oberschenkeln laufe, wenn ich im Sommer Kleider trage. Also wunde Stellen, wo die Oberschenkel aneinander reiben. Eine von diesen Radlerhosen hatte ich seither auch an und bin sehr zufrieden. Auch damit, dass ich nicht weit über das doppelte für „Bauch weg“ als Zusatzfunktion ausgegeben habe.

Tag 3235 – Fast alles schlimm.

Der Muskelkater ist höllisch. Alles tut weh, vor allem die Beine, komplett. Au. Aua aua aua jaul.

Der zweite Teil des Kurses war gut. Ich habe viel Lob bekommen. Das war gut.

Der Rest des Arbeitstages war direkt aus der Hölle, ich weiß immer noch nicht, ob ich ab Montag und dann eventuell nur bis Mittwoch streiken muss oder gar nicht oder komplett oder oder oder. Am Wochenende wird nicht verhandelt, ich nehme auch an, dass die Trulla von HR, die mir eine Entscheidung des zentralen Streikkomitees über meinen Antrag auf Ausnahme weiterleiten müsste, am Wochenende nicht arbeitet. Meine eigentliche Chefin hat passender Weise auch heute und Montag Urlaub und sieht offensichtlich gar keinen Grund, den abzublasen, bloß weil in ihrer Gruppe alle ausflippen, weil die komplette Gruppe streiken muss. Sie auch. Und ihre Chefin auch. Erst mal Urlaub machen, ja, kann man machen. Es hilft mir also vermutlich nicht, wenn das zentrale Streikkomitee am Wochenende durcharbeitet, um die Anträge zu bearbeiten. Weil keiner versteht, dass ich ein beschissenes Wochenende haben werde, wenn ich so in der Luft hänge. Oder vielleicht ist es ihnen auch egal. Hauptsache man selbst hat Wochenende. Work-Life-Balance, so wichtig. Und wie ich dann Bescheid bekomme, ist auch überaus fraglich. Es werden nämlich alle unsere IT-Systeme abgestellt und wir müssen spätestens Montag auch unseren PC abgeben. Eine Mail an meine Jobmail wird also einfach mal gar nichts helfen, die werde ich nicht lesen können.

Diese Situation, plus dass niemand konkrete Fragen mit konkreten Aussagen beantwortet, plus dass niemand versteht, dass nicht alle bei so einer ungeklärten Situation denken, juchu, so spannend, ich lasse mich einfach überraschen! hat bei mir bisher zwei mal 30 Minuten auf dem Klo bei der Arbeit heulen ausgelöst, plus im Kopierraum vor Leuten in Tränen ausbrechen, weil eine aus der „Wow so spannend, oder???“-Fraktion meinte, mich ansprechen zu müssen, plus den dringenden Wunsch, Menschen zu schütteln und auch mehrere echt wütende tatsächlich verschickte Mails. Soviel zum Thema „der Streik soll sich nicht negativ auf euch als Arbeitnehmer auswirken! Wir wollen nur die Arbeitgeber treffen!“ tbh mein Arbeitgeber scheißt auf mich, und von der Arbeitnehmerorganisation fühle ich mich jetzt auch nicht grad toll behandelt heute. Die Arbeit wird im Zweifel nur aufgeschoben und der ganze Rotz fällt uns brutal hinterher auf die Füße. Delegiert auf das niedrigste Niveau, weil das bei uns halt so ist. Diese ganze Streik-Sache ist ein neurotypisches Fest, für das ich komplett ungeeignet bin. Es fehlen echt nur noch die Trillerpfeifen und ich springe in Warnweste vor die T-Bane. (Mache ich natürlich nicht. Aber ich kriege sicher den nächsten Meltdown.)