Tag 1200 – Selbermachen.

Wir werden eine Lampe bauen. Ich habe sehr klare Vorstellungen von einer schönen Lampe und die trifft grad nicht unbedingt die Mode (die, wie ich erschrocken feststellen musste, daraus besteht, nackte Glühbirnen in Käfigartige Gebilde zu stecken). Erschwerend kommt hinzu, dass wir zwar im Flur allein vier Lampen mit Schalter haben, im riesigen Wohnzimmer aber nur eine (wer denkt sich sowas aus, bitte? Hassen Architekten Menschen?). Dann habe ich noch so fancy-schmancy getönte Riesenglühbirnen ausgesucht, die dann nackt da rumbaumeln sollen, die sollen natürlich alle zusammengeschaltet sein und dann auch noch dimmbar. Yeah! Hab ich erwähnt, dass ich absolut gar keine Ahnung von Elektrik habe? Alles, was mit Strom zu tun hat, jagt mir einen Heidenrespekt ein, da lass ich die Finger bei wech, wie man im schönen Ostwestfalen sagt. Das muss also Herr Rabe machen und dank meiner außerordentlich guten Norwegischkenntnisse haben wir dann sogar alles zusammengesucht bekommen, was er braucht, um diese Lampe mit einem neuen Lichtschalter zu verbinden. Einem an der Wand! Ich bin begeistert, ich hab schon einen tollen Mann. Und weil ich ja eher so die Frau fürs Grobe bin, hab ich gestern einen halben Baum, den ich im Wald fand, nach Hause geschleppt, Sie dürfen also gespannt sein.

Dann habe ich ein Schnittmuster gefunden, das, wie ich glaube, wunderbar für meinen vor langer Zeit gekauften Merinostrickstoff passen würde. Ich war aber etwas angespannt, ob der Stoff reichen würde, denn in der Anleitung heißt es, man brauche 2,20 m bei 1,40 m Stoffbreite. Mein Stoff liegt nur 1,30 m breit und ist auch nur 1,60 m lang. Aber Versuch macht kluch, ne? Ich habe also gestern das Schnittmuster zusammengepuzzelt und direkt erstmal die Nahtzugabe auf die Hälfte der vorgesehenen 1,5 cm gekürzt. Dann ein wenig Tetris und tadaaaa:

Ja, der zweite Ärmel passt da oben auch noch hin.

Ach ja: der Loden. Es ist kompliziert, vielleicht muss ich einfach drei Mäntel nähen.

Das schneide ich jetzt noch zu und dann ist Bettzeit. Morgen dann Sägen und irgendwas mit Lüsterklemmen machen.

Tag 1187 – Projekt Lerche.

Ich möchte ein Morgenmensch werden. Wirklich, wirklich gerne. Eine Eule sein ist, wenn man nicht-selbständig arbeiten möchte und/oder Kinder hat, die Betreuungseinrichtungen mit „Normalen“ Öffnungszeiten besuchen, einfach kacke. Ich habe deshalb recherchiert, wie man sich von der Eule zur Lerche umpolt*. Das Fazit war leider: das ist quasi nicht möglich, weil das zum Großteil genetisch bedingt ist. Die gute Nachricht ist aber: extreme Chronotypen sind selten und der Rest kann sich zumindest anpassen. Vielleicht gehöre ich ja zum Rest. Hoffen wir’s. An Willenskraft mangelt es mir ja eigentlich nicht, allerdings sieht das morgens um halb sechs oder sechs ganz anders aus, da zanken sich Geist und Fleisch um den ersten Platz im Unwilligkeitskontest. Deshalb schreibe ich das jetzt hier laut und deutlich in dieses Internet, auf das es sozialen Druck auf mich ausübe, der mich hoffentlich morgens aus dem Bett kickt.

Mein Plan ist folgender: Ich habe ja jetzt grad Zeit, ich kann das alles geruhsam angehen. Jetzt Experimente starten, die mich eventuell tagsüber zum Hulk werden lassen, weil ich nicht genug geschlafen habe, ist eine viel bessere Idee, als in zweidreivier Monaten plötzlich doch nen Job zu haben und die ersten Wochen unausstehlich zu sein. Ich fange also jetzt damit an. Ohne Druck. Außer von Ihnen. Und mir. Ab morgen werde ich also

  • Um sechs aufstehen…
  • … und direkt Sport machen. Wenigstens irgendwie bewegen. Hirn kann dabei ja ausgeschaltet bleiben, aber den Körper schnell hochfahren erscheint mir als der einzig gangbare Weg, sonst schlurfe ich nämlich morgens nur zwei statt eine Stunde planlos umher.
  • um genug Schlaf zu kriegen, werde ich auch um spätestens zehn im Bett liegen. Japp, das hat heute schon ganz toll geklappt. Ähäm.
  • Bildschirme ab zehn auch aus. (S.o., klappt super.)
  • Damit wiederum das klappt, muss ich früher bloggen. Eigentlich bietet sich das Ins-Bett-bringen dafür an, denn da liege ich eh rum und versuche, mich vom Einschlafen abzuhalten. Man könnte die Zeit also produktiv nutzen, anstatt sie bei Twitter zu verdödeln. Vorteil wäre auch, dass ich danach Zeit für Quatsch hätte, Netflix, Nähen, whatever. Ich werde mich bemühen.

Wenn ich das so aufschreibe, klingt der Plan für mich einleuchtend einfach, aber aaaaahahahahahaha, das wird un-glaub-lich** hart. Ich tippe auf: etwa so hart wie mit dem Rauchen aufhören. Aber was tut man nicht alles, um sich wie ein vollwertiges, produktives Mitglied der Gesellschaft zu fühlen, ne?

Ich hole mal noch die Tageslichtlampe und stelle sie da hin, wo ich morgen früh dann Sport machen will und dann gehe ich aber wirklich ins Bett!

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*Bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit „aber wenn du immer um sechs aufstehst, dann wachst du automatisch um die Zeit auf!“. Ich hatte acht Jahre lang Schulbeginn fast immer um 07:50, bei einem Schulweg von 50 Minuten. Ich stand jeden Morgen unter Qualen um 05:50 auf und schlief am Wochenende trotzdem bis 11.

**Habe ich erwähnt, dass Michel endlich verstanden hat, was Silben sind und wie sie sich von Buchstaben unterscheiden? Ich bin so froh, das hat mich schon ganz kirre gemacht, wenn er meinte, Zug habe ja drei Silben.