Tag 1187 – Projekt Lerche.

Ich möchte ein Morgenmensch werden. Wirklich, wirklich gerne. Eine Eule sein ist, wenn man nicht-selbständig arbeiten möchte und/oder Kinder hat, die Betreuungseinrichtungen mit „Normalen“ Öffnungszeiten besuchen, einfach kacke. Ich habe deshalb recherchiert, wie man sich von der Eule zur Lerche umpolt*. Das Fazit war leider: das ist quasi nicht möglich, weil das zum Großteil genetisch bedingt ist. Die gute Nachricht ist aber: extreme Chronotypen sind selten und der Rest kann sich zumindest anpassen. Vielleicht gehöre ich ja zum Rest. Hoffen wir’s. An Willenskraft mangelt es mir ja eigentlich nicht, allerdings sieht das morgens um halb sechs oder sechs ganz anders aus, da zanken sich Geist und Fleisch um den ersten Platz im Unwilligkeitskontest. Deshalb schreibe ich das jetzt hier laut und deutlich in dieses Internet, auf das es sozialen Druck auf mich ausübe, der mich hoffentlich morgens aus dem Bett kickt.

Mein Plan ist folgender: Ich habe ja jetzt grad Zeit, ich kann das alles geruhsam angehen. Jetzt Experimente starten, die mich eventuell tagsüber zum Hulk werden lassen, weil ich nicht genug geschlafen habe, ist eine viel bessere Idee, als in zweidreivier Monaten plötzlich doch nen Job zu haben und die ersten Wochen unausstehlich zu sein. Ich fange also jetzt damit an. Ohne Druck. Außer von Ihnen. Und mir. Ab morgen werde ich also

  • Um sechs aufstehen…
  • … und direkt Sport machen. Wenigstens irgendwie bewegen. Hirn kann dabei ja ausgeschaltet bleiben, aber den Körper schnell hochfahren erscheint mir als der einzig gangbare Weg, sonst schlurfe ich nämlich morgens nur zwei statt eine Stunde planlos umher.
  • um genug Schlaf zu kriegen, werde ich auch um spätestens zehn im Bett liegen. Japp, das hat heute schon ganz toll geklappt. Ähäm.
  • Bildschirme ab zehn auch aus. (S.o., klappt super.)
  • Damit wiederum das klappt, muss ich früher bloggen. Eigentlich bietet sich das Ins-Bett-bringen dafür an, denn da liege ich eh rum und versuche, mich vom Einschlafen abzuhalten. Man könnte die Zeit also produktiv nutzen, anstatt sie bei Twitter zu verdödeln. Vorteil wäre auch, dass ich danach Zeit für Quatsch hätte, Netflix, Nähen, whatever. Ich werde mich bemühen.

Wenn ich das so aufschreibe, klingt der Plan für mich einleuchtend einfach, aber aaaaahahahahahaha, das wird un-glaub-lich** hart. Ich tippe auf: etwa so hart wie mit dem Rauchen aufhören. Aber was tut man nicht alles, um sich wie ein vollwertiges, produktives Mitglied der Gesellschaft zu fühlen, ne?

Ich hole mal noch die Tageslichtlampe und stelle sie da hin, wo ich morgen früh dann Sport machen will und dann gehe ich aber wirklich ins Bett!

___

*Bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit „aber wenn du immer um sechs aufstehst, dann wachst du automatisch um die Zeit auf!“. Ich hatte acht Jahre lang Schulbeginn fast immer um 07:50, bei einem Schulweg von 50 Minuten. Ich stand jeden Morgen unter Qualen um 05:50 auf und schlief am Wochenende trotzdem bis 11.

**Habe ich erwähnt, dass Michel endlich verstanden hat, was Silben sind und wie sie sich von Buchstaben unterscheiden? Ich bin so froh, das hat mich schon ganz kirre gemacht, wenn er meinte, Zug habe ja drei Silben.

15 Gedanken zu “Tag 1187 – Projekt Lerche.

  1. Sunni schreibt:

    Trost gefällig? Ich war als Jugendliche und junge Frau eine Eule, konnte nachts bis 1 Uhr früh stricken für andere(ich war jung und brauchte das Geld) und kam sehr schwer um 5.30 Uhr aus dem Bett, das musste ich, weil 7.30 Schulbeginn für mich war und vorher ein bzw. zwei Kinder in die entgegengesetzten Einrichtungen zu Fuß bringen. Je älter man wird, desto leichter fällt das frühe Aufstehen. Und natürlich das frühere ins Bett gehen. Und BIldschirme früher aus hilft ungemein. Vielleicht hilft auch ein gestaffelter Übergang ein wenig, also sich 5 oder 10 Minuten eher aus dem Bett zu quälen. Viel Erfolg! Sie schaffen das.

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  2. mmknudsen schreibt:

    Aaaaalso nur so ne kleine Idee. Als ich für meine Bachelor Arbeit recherchiert habe bei der es um das Thema schlafe ging bzw um das sogenannte delayed sleep phase syndrom habe ich des Öfteren gelesen, dass es um sich umzugewöhnen tatsächlich hilfreicher ist quasi immer später ins Bett zu gehen aber immer genau gleich lang zu schlafen bis man irgendwann wieder bei abends ins Bett gehen angelangt ist. Nur so ne Idee falls dein Plan nicht klappt :) ich weiß, dass diese Methode mit Kindern, die morgens in die Schule etc. müssen quasi unmöglich ist aber ich fand’s damals auf jeden Fall sehr spannend und auch eigentlich durchaus einleuchtend, da es mir definitiv leichter fällt mich
    ne Stunde länger wach zu halten als ne Stunde früher aufzustehen 😉

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      • mmknudsen schreibt:

        Ja genau aber irgendwann muss man dann halt tagsüber schlafen, da wird’s schwierig… also das war für Extremfälle aber ich fand das einfach ne interessante Überlegung 😉

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      • Aaaaach, aber fast demnächst Sykepleier! Das zählt auch!

        Nein, Spaß beiseite: ich glaube, so einen stark längeren endogenen Tag hab ich nicht. Ich würd mich eher bei 25 Stunden verorten… eher halt klassischer Spätschläfer, mit leicht überdurchschnittlichem Schlafbedürfnis. Ich hoffe, wenn ich letzteres erfüllt bekomme, ergibt sich ersteres.

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  3. mmknudsen schreibt:

    Aaaaalso nur so ne kleine Idee. Als ich für meine Bachelor Arbeit recherchiert habe bei der es um das Thema schlafe ging bzw um das sogenannte delayed sleep phase syndrom habe ich des Öfteren gelesen, dass es um sich umzugewöhnen tatsächlich hilfreicher ist quasi immer später ins Bett zu gehen aber immer genau gleich lang zu schlafen bis man irgendwann wieder bei abends ins Bett gehen angelangt ist. Nur so ne Idee falls dein Plan nicht klappt :) ich weiß, dass diese Methode mit Kindern, die morgens in die Schule etc. müssen quasi unmöglich ist aber ich fand’s damals auf jeden Fall sehr spannend und auch eigentlich durchaus einleuchtend, da es mir definitiv leichter fällt mich
    ne Stunde länger wach zu halten als ne Stunde früher aufzustehen 😉

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  4. ohmskine schreibt:

    Sehr geehrte Frau Dr. Rabe,
    mir erleichtert es die Morgende, wenn die Abläufe einer strengen Routine folgen, so daß mein Hirn erst mal weiterschlafen kann.
    Deshalb stehen hier abends die Tornister bereit, die Klamotten liegen im Bad und der Frühstückstisch ist gedeckt. Vom Bett zur Haustür ist eine „Einbahnstraße“: vom Bett ins Bad (Zähne putzen, anziehen, frisieren), von dort an den Frühstückstisch (Müsli), dann in die Küche (Brotdosen und Flaschen füllen die Kinder selbst) und schließlich in den Flur (Schuhe und Jacken anziehen, Tornister aufsetzen) und aus der Tür.
    Klappt natürlich nicht immer (Grenzen testen, Regeln brechen – so wichtig für die kindliche Entwicklung!), aber mit diktatorischem Eifer meinerseits hat es sich über 3 Jahre eingespielt.
    Dieser Ablauf erlaubt, daß ich nicht vor den Kindern aufstehen muß, sondern erst mit ihnen zusammen ins Bad wanke. Klar, Sport morgens wäre toll. Aber nix für mich.
    Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Optimierungsarbeit!

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  5. Meine „Liegezeiten“ sind schon extrem zurück gegangen. Wenn ich jetzt mal schlafen kann, so lange wie ich will, bin ich trotzdem spätestens um 08:00 wach. Ich vermute, dass wenn die Kinder mal erwachsen aus dem Haus sind, habe ich die Transformation zur Lerche abgeschlossen 😩.

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    • Der Unterschied ist, dass die gesamte Arbeitswelt auf Frühaufsteher ausgerichtet ist. Von Ihnen verlangt niemand (gut, es sei denn Sie arbeiten Nachtschicht), noch bis 23 Uhr zu arbeiten. Wenn Sie um halb acht vor der KiTa stehen, sagen die nicht „aber wir öffnen erst um elf! Dafür können Sie die Kinder aber bis neun Uhr abends hierlassen, also passt das doch!“ Wenn Sie ihren toten Punkt haben, müssen Sie nicht eigentlich Klausuren schreiben oder Vorträge halten.

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  6. Die Ras s elbanden-Mama schreibt:

    Ich fühle mit, obwohl ich eine Lerche bin, die mit einer Eule verheiratet ist.
    Jahrelang habe ich mit den Kommentaren der Mitmenschen gerungen, wie das sein kann, dass diese liegen bleibt und erst gegen 8:30 so laaangsam erwacht, während ich ab 5:30 die Kinder umsorge.
    Aber ich habe dann irgendwann verstanden, dass es nicht anders geht.
    Das Miteinander ist jetzt viel friedlicher. Zum Glück hat meine Eule auch einen passenden Job in der IT, da werden nachts die Systeme umgestellt. Das fällt ihm wiederrum 100x leichter als mir.
    Liebe Grüße

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