Tag 1919 – Kein Streik!

Ich habe nicht gestreikt. Um viertel vor sieben morgens kam eine SMS, dass sich die Parteien geeinigt hätten und wir uns auf normale Arbeit vorbereiten sollen.

(Exkurs: warum muss sowas mitten in der Nacht und dann auch noch über die Frist hinausgehend die Nacht durchmachend verhandelt werden? Macht denen das Spaß? Kommen die sich dann erst so richtig dolle wichtig vor? Im normalen Arbeitsleben würde man über so ein Zeitmanagement nicht nur eine Augenbraue heben, aber bei solchen Verhandlungen scheint das ja normal zu sein. Nach einer durchverhandelten Nacht um halb sieben morgens unterschreibt eine doch was auch immer, Hauptsache es ist vorbei? Menschen sind seltsam.)

Dementsprechend habe ich heute eben gearbeitet. „Ganz normal“, also mit ein paar Überstunden. Da die nächsten Wochen aber wirklich viele Inspektionen anstehen, muss es sein. Diesen Herbst kriege ich die volle Breitseite mit, was zusätzliche Arbeitsaufgaben angeht, all die Anfragen, all die internen Dinge. Im November soll ich auch zum ersten Mal bei einer internen Revision dabei sein, das wird super (aufregend). Und Corona ist ja auch weiterhin. Morgen muss ich mir wieder einen Mietwagen buchen, damit dem ich mich dann nächste Woche mit Pech bis zu sechs mal in den Osloer Rush-Hour-Stau stellen werde. Mit Ansage. Aber ÖPNV ist fy-fy, sowas machen wir nicht.

Ich mag nicht mehr Pandemie haben. Pandemie haben wir jetzt zur Genüge ausprobiert, Pandemie stinkt. Fertig.

Unsere ehemaligen Nachbarn, die vor knapp 3 Wochen ausgezogen sind, stehen in der Lokalzeitung, weil sie wegen irgendwelcher Regulierungs-Baugenehmigung-Dingens-Fehlinformationen und daraus resultierend unterlassenen Antragsstellungen leider ein illegales Haus gebaut haben, in das sie jetzt natürlich nicht einziehen dürfen. Bei manchen läuft 2020 noch bescheidener als bei anderen.

Heute war wieder Hip Hop. Nach skeptischem Beäugen der Eidsvoller Infektionszahlen (64 total seit März, das sind 10 mehr als vor 4 Wochen noch) ging ich hin. Was waren das noch Zeiten, als man sich schämte, wenn man nicht trainierte, und nicht, weil man (unter Menschen in geschlossenen Räumen) trainierte.

Wer weiß, wie lange das noch geht. Und es macht mir so viel Spaß. Und überhaupt, ich weiß ja dass ich es besser lassen sollte, aber dieses scheiß Homeoffice macht mich eh schon fertig und seltsam im Kopp.

Unter unserem Carport steht ein Fenster samt Zubehör. Für schöneres Homeoffice. Das bedeutet leider auch, dass ich dringend das Projekt Arbeitszimmer ausmisten – Kleiderschrank organisieren – Kinderzimmer umziehen vorantreiben muss. Keine Löffel.

Tag 1903 – Wrooooom.

Hier Motorengeräusch vorstellen.

Moment. Ein Elektroauto macht kein Motorengeräusch!

Für so eine Wallbox braucht man draußen am Haus ein bisschen mehr Strom als aus so einer normalen Haushaltssteckdose kommt. Das ist ein ziemlich dickes Kabel, das da rein geht. Deshalb hat der Elektriker heute auch ein dickes Loch in die Außenwand unseres Hauses gebohrt. Das Motorengeräusch stammt also von einer fetten Bohrmaschine. Und jetzt kommt mitten in der Wand ein dicker schwarzer Wurm raus und schlängelt sich nicht gerade unauffällig unter dem Carport lang zu der Ecke, an der wir das Auto immer laden. Tjanun. Bei passender Gelegenheit werden wir das Kabel einfach anmalen.

Aber es ist schon nett, das Auto jetzt deutlich schneller laden zu können.

Der Elektriker hat aber noch mehr Löcher gemacht, nämlich eins überm Stromkasten und dann eins vom Flur ins Bad. Durch die Fliesen. Wir haben jetzt Starkstrom im Bad und diese lustige Kombi an Warmwasserbereitern, bis der Wasserinstallateur wieder da war um den Durchlauferhitzer anzuschließen (und was wir dann mit dem Tank machen… tja. Keine Ahnung.)

Eins hat Wasser, eins hat viel Strom (aber die Sicherung ist noch raus).

Es war also immens gemütlich heute im Homeoffice, mit Gebohre und teilweise offen stehender Tür und Dreck im Flur. Und einem schweigsamen Elektriker, der aber immer mal wieder den Strom abdrehte. Aber jetzt ist es fast fertig. Hurra!

Ein kleiner Spannungsmoment kam noch, als der Elektriker die Hauptsicherung austauschen wollte, gegen eine größere (wie beantragt und bewilligt). Er fragte, wo denn der Hauptsicherungskasten sei und wir… waren aufgeschmissen. Keine Ahnung, wo das Ding ist! Wir suchten, fanden aber nichts, ich rief beim Netzbetreiber an und dir sagte „nordwestlich vom Haus, ist da eine Terrasse? Vielleicht unter der Terrasse?“ dafuq, ein Sicherungskasten unter der Terrasse? Herr Rabe stiefelte trotzdem mit dem Kompass Richtung Nordwesten los und fand tatsächlich kurz darauf den Sicherungskasten ungefähr 5 Häuser weiter, mitten in der Siedlung. Er und der Elektriker kamen zufrieden zurück zum Haus – und wunderten sich, dass das Licht noch an war, es sollte doch die Hauptsicherung raus sein? Und so fanden wir dann auch gleich heraus, dass die Beschriftungen in dem Kasten falsch sind waren (der Elektriker hat sie getauscht) und wir versehentlich bei den Nachbarn den Strom abgedreht hatten. Die sind aber am Wochenende ausgezogen, das hat da also niemand bemerkt. Aber jetzt haben wir also

  • 4 x 63 A
  • Eine Wallbox
  • Eine weitere App auf dem Handy (für die Wallbox)
  • Einen Durchlauferhitzer an der Wanf
  • Eine Badewanne

Es wird, es wird.

Tag 1891 – Überraschung!

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus! Allerdings etwas überraschende Schatten, denn heute um viertel nach sieben (morgens!) klingelte es und der Klempner stand vor der Tür. Angekündigt durch einen SMS-Wechsel gestern, der etwa so ablief:

14:30, Klempner: kann ich morgen kommen und die Dusche umsetzen?

17:00, Ich lese die SMS: Ja, mein Mann ist zu Hause.

Danach keine weitere Antwort und ich erwarte auch keine Antwort von irgendwem in Norwegen nach 17 16 Uhr. War aber dann auch nicht davon ausgegangen, dass der hier plötzlich steht – natürlich bevor irgendwer von uns auch nur Zähne geputzt hatte.

Aber die Dusche ist jetzt schon mal unten. Die Badewanne kommt vielleicht am Freitag schon und wird dann eventuell sogar am selben Tag noch eingebaut. Nächste Woche kommt der Elektriker* und wenn der da war, kann der Durchlauferhitzer eingebaut werden.

Dass das noch was wird, nach nur einem Dreiviertel Jahr Gehampel damit!

Leere Ecke.
Alte Duschkabine an neuem Ort.

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*denke ich zumindest, denn auf „nächste Woche passt, aber am besten nicht Freitag“ kam auch keine Antwort.

Tag 1858 – Schlafiplanung.

Ich sag heute bis zum späten Abend (als ich meine schnelle Spazierrunde startete) keinen Grund, mir etwas anderes anzuziehen als meinen Schlafanzug. Yeah, faul sein, bzw. Yeah, zu Hause herumrödeln. Bügeln, Aufräumen, Schlafzimmereinrichtung planen. Es wird schwierig, natürlich, sonst wär’s ja einfach. Wir werden aber ganz ernsthaft unseren kompletten Schrank durch-Marie-Kondo-en, auf dass wir alles stehend in Schubladen haben und nicht mehr so schrecklich viel Platz verschwenden, wie wir es jetzt tun.

Herr Rabe und ich können übrigens ganz toll zusammen planen und so gab es fruchtbare Diskussionen zu den Themen „An dem Punkt war ich schon fünf mal“ und „Du machst immer alles gleichzeitig“. Aber jetzt sind wir uns sowas wie einig. Denke ich. Vielleicht.

Dafür habe ich auch eigentlich schon keine Lust mehr auf Umbauen.

Tag 1851 – Vollprofi.

Die Umbaumaßnahmen nehmen teilweise Form an. Der „Entreprenør“ (so ein alles-Bau-Mensch) bestellt das Fenster und dann geht es los. Letzte Woche habe ich zufällig ein 50%-Rabatt-Angebot eines Unternehmens gesehen, das Einbauschränke baut und eben habe ich endlich mal Maß genommen, damit wir in unserem neuen Schlafzimmer, was ja jetzt noch das Kinderzimmer ist, einen vernünftigen Schrank trotz Teilschräge bekommen. Es wird eng, so viel kann ich schon sagen, aber ich hoffe auch, dass wir mit durch-Marie-Kondo-tem Schrank, der hauptsächlich aus Schubladen und Kleiderstangen bestehen soll, im Vergleich zu jetzt den Platz besser nutzen können. Jetzt haben wir nämlich große und tiefe Regalfächer, bei denen wir entweder die hintere Hälfte nicht nutzen oder an die Sachen in der hinteren Hälfte nicht dran kommen. Das ist scheiß. Und ein Angebot machen lassen schadet ja nicht.

Da ich den Winkel unseres Daches nicht weiß (40 Grad? Irgendwas hat die Innenarchitektin gesagt…), musste ich total professionell auf dem Boden messen, wie weit denn die Schräge geht. Mit einem Lot, auch total professionell, nämlich einer Tesarolle, die ich oben an die Decke geklebt habe, und dann abgerollt habe bis ganz kurz überm Boden.

Und jetzt grad fällt mir ein, dass ich natürlich die Fußleiste mit gemessen habe, dabei soll die natürlich da wo der Schrank dann stehen soll, weg. Naja, die Firma käme im Zweifel eh noch mal selbst zum Kontrollmessen.

Das ist alles sehr aufregend.

Tag 1799 – Versuch macht kluch.

Wir haben das rote Haus angesehen und ich muss sagen, ich war echt aufgeregt. Michel auch, nachdem wir ihm sagten, dass wir ein Haus angucken, das wir *eventuell* kaufen möchten, war seine Sorge innerhalb von Sekunden beim Level „aber wenn die Meerschweinchen beim Umzug Angst bekommen!“. Mini-Me halt, immer sofort im Kopf alle möglichen Worst-Case-Szenarien durchorgeln.

Meine Worst-Case-Szenarien vorher: a) es ist so Meh und ich will mir das nicht eingestehen und wir bereuen das bitter oder b) es ist super und wir geben alles, werden aber überboten. [Herr Rabe hatte nur ein Worst-Case-Szenario und das war, dass wir uns nicht einig sein könnten. Darauf wäre ich nie im Leben gekommen, das passiert quasi nie.]

Es war von der Maklerin klug uns direkt in die Küche zu schleusen. Die Küche ist echt ein Traum. Auch das Esszimmer ist schön, und sehr groß, und es hat ein Erkerchen! Auch das Wohnzimmer ist nicht klein, der Wintergarten ist putzig, in der oberen Etage hat alles sehr viel Charme und so, keine Frage, aber. Und da waren leider viele Abers und insgesamt dann viel zu viele Abers und wir werden deshalb wohl nicht auf das Haus bieten. Trotz allem Charme. Lieber das Reihenhaus ein bisschen pimpen*, unsere Verschuldungsgrenze nicht ausreizen, bei der nächsten Gelegenheit* das Haus rot*** streichen**** und nicht in absehbarer Zeit irgendwelche Dächer reparieren oder Keller ausbauen müssen.

Die Küche im roten Haus nehmen wir mal als Inspirationsquelle, da geht bei unserer Küche designtechnisch noch einiges.

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Vorm Haus besichtigen war heute Erntetag und ich habe dann mal diese monströse Zucchini vom Acker gerettet.

Bio-Meinungsverstärker.

Außerdem gab es wieder Grünkohl, Salat, Frühlingszwiebeln, Polkabeete und und und und mich macht das immer alles sehr froh da. schön war auch, zu sehen, wie die rote Beete, deren Ackerreihe ich vor zwei Wochen von Unmengen Unkraut befreit habe, explosionsartig gewachsen ist. Und überhaupt: es kommen wunderbare Kürbis-Zeiten auf uns zu.

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*Dachfenster-Arbeitszimmer-Themenkomplex, Badewannen-Autolade-Themenkomplex und neu heute als Wunsch dazu gekommen: die Küche könnte auch echt hübschere Fronten/Armaturen/Arbeitsplatte/Wände haben. Außerdem ist ein Fensterbrett kaputt.

**in ca. 2-5 Jahren, schätzungsweise, muss das Haus neu gestrichen werden, das ist bei Holzfassaden eben so.

***musste ich Michel versprechen, der sehr sehr traurig war, dass wir das rote Haus nicht kaufen wollen, weil er doch so Lust auf ein rotes Haus hat. Er fand auch den Teppich so schön. Ich überleg dann mal an allergikerfreundlichem Teppich für sein Zimmer herum.

****lassen

Tag 1798 – Irgendwie beruhigt und irgendwie auch gar nicht.

Ich lag leider heute den halben Tag flach, erst mit Migräne und dann mit den Nebenwirkungen des Migränemittels.

Dafür hab ich aber noch echt viel geschafft, nämlich alle Schweinchen sauber gemacht, die Hausärztin angerufen, die Tierärztin angerufen, dem Anwalt gemailt, Essen gemacht, einen Bilderrahmen repariert, mir eine Tastatur und Maus bestellt, die letztgenannten beiden Punkte von der Ferien-To-Do-Liste gestrichen und mit der Bank telefoniert.

Das Banktelefonat lässt mich einigermaßen ambivalent zurück, wir dürfen nämlich von Seiten der Bank aus versuchen, das Traumhaus zu kaufen. Jetzt bin ich irgendwie sehr beruhigt und es ist mir fast schon egal, ob wir’s nun machen oder nicht, und andererseits ist die jetzt wieder etwas weniger theoretische Möglichkeit für erneutes Chaos im Rabenleben genug um mir ordentliche Anspannung zu verpassen.

Wir schauen uns das also morgen Abend mal in echt und von innen an. Von außen kennen wir es schon, und Sie auch, denn es steht neben dem Kindergarten und ich habe es an Tag 1204 hier mal gezeigt. Und dann stellen wir Tausendundeine Frage, und dann gucken wir mal, ob es uns das Chaos und all das Geld wert ist (und im Zweifel wie viel, also wie hoch wir bieten würden).

Bis dahin atmen.

Tag 1796 – Erwachsen?

Herr Rabe fragte mich heute morgen, was mein gewöhnlicher Erkältungsverlauf sei. Ich hatte nämlich heute morgen Halskratzen und die ganze restliche Familie war ja erkältet bzw. schlägt sich noch mit den nur langsam abebbenden Symptomen rum.

Heute Abend, nach 251 bei einem 45 minütigen Workout verbrannten kilokalorien, hatte ich die Antwort: ich habe erst schlechte Laune, weil ich erkältet bin und dann ignoriere ich, dass ich erkältet bin. Anschließend habe ich 3 Monate Phantomzahnschmerzen von der Kieferhöhle. (Lässt sich leider nicht wirklich vermeiden, da hilft auch auskurieren nicht, das geht irgendwann von selbst wieder weg.)

Apropos ignorieren: ich bin auch super im ignorieren, dass irgendwas unvernünftig wäre und dass eine Entscheidung eigentlich schon dagegen gefallen war, wie zum Beispiel in Erwägung zu ziehen, ziemlich teure Häuser zu kaufen. Traumhaus ist Traumhaus und bleibt auch Traumhaus und, ach. Ach, ach. Kann nicht irgendein*e edle*r Spender*In mit so… ner Million Kronen oder so um die Ecke kommen? Das wäre so schön.

Morgen rufe ich die Bank an und lasse Charme spielen. Wenn das nicht reicht habe ich noch eine (Achtung Insiderwitz) alles einwandfrei dokumentierende Exceltabelle, die sehr detailliert zeigt, was wir so an Ausgaben haben und welche Spielräume da sind. Dann braucht es noch Glück. Viel Glück. Und eigentlich halt so ne Million. Hahaha.

(Wenns nicht klappt, machen wir’s uns halt hier wie geplant richtig schön. Da brauchen wir nicht mal Spenden für. Nen Klempner, der uns einen Durchlauferhitzer einbaut, haben wir nach nur sieben Monaten immerhin gefunden. Gut, der würde den sicher auch in ein Traumhaus einbauen… ich muss dringend aufhören, in diesen Bahnen zu denken. Jedenfalls möchte ich glaube ich nicht zur Besichtigung, wenn wir die Finanzierung nicht bekämen. Da kann Herr Rabe dann alleine hin, der ist nämlich einfach neugierig, aber nicht so emotional in dieser Sache wie ich.)

Tag 1792 – Endlich.

Erinnern Sie sich noch an die Reiseversicherung? Wir haben jetzt eine. Eine relativ günstige, aber immerhin. Wofür man sie so dringend braucht ist mir zwar immer noch nicht ganz klar, aber um mich rum ist man sich einig, dass man sie braucht und naja. Ok.

Was noch nicht heißt, dass wir einer Entscheidung für oder gegen Urlaub in Deutschland und wenn ja wann und wer wie lange näher gekommen wären. Da uns aber der Hygienespüler ausgeht, müssen wir wohl. (Das, meine Damen und Herren, nennt man eine Ausrede.)

Ich habe heute mit den rastlosen und dauerstreitenden Kindern einen sehr langen Spaziergang gemacht, das hat uns allen sehr gut getan, obwohl ich mich immer noch müde und schlapp fühlte und fühle. Ich hoffe, ich erkälte mich nicht auch noch. (Ein Ding, für das so eine Reiseversicherung vermutlich gut ist: wenn man eine gebuchte Reise wegen Symptomen einer Atemwegserkrankung nicht antreten kann. Unter normalen Umständen würde einen ja ne Erkältung nicht davon abhalten, in ein Flugzeug oder auf eine Fähre zu steigen, 2020 ist aber nun mal nicht normal.)

Was dagegen spricht, dass ich krank werden könnte, ist, dass ich weiter Sport mache – und mich danach meistens fühle, als könnte ich Bäume ausreißen. Den Spruch „in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“ finde ich aus vielen Gründen ziemlich daneben, unter anderem weil es nach dem berühmten „geh doch einfach mal unter Leute/geh mal raus/mach mal Sport“ klingt, das Leuten mit psychischen Erkrankungen gern entgegen gebracht wird. Ich denke deshalb seit Tagen dran rum, wie man das besser ausdrücken kann. Ich habe nämlich ganz subjektiv bei mir den Eindruck, dass Sport mir tatsächlich körperlich sehr gut tut und dass ich quasi sofort besser schlafe, zufriedener und ungehemmter esse und (vielleicht auch nur durch die letzten zwei Punkte?) weniger reizbar bin. Klar ist es auch psychisch gut, keine Schmerzen zu haben. Ist es vielleicht einfach das? Ein Körper, der sich gut anfühlt, weil man sich gut um ihn kümmert, belastet die Psyche immerhin nicht zusätzlich? Meh. Ich komme da zu keinem Schluss.

So richtig entspannt bin ich immer noch nicht. An To-Dos heute erledigt habe ich: Weide beschneiden und Kinderrucksäcke imprägnieren, außerdem habe ich die Innenarchitektin beauftragt, einen Anwalt angeschrieben (lange Geschichte, erzähle ich vielleicht mal wenn sie fertig geklärt ist. Sie brauchen sich in keiner Form sorgen, es geht nur um Geld und um keinerlei Gefühle) und rausgesucht, wie man den Hauskredit für die Umbauten erhöht. Zwischendurch habe ich noch sehr ausführlich mein persönliches Traumhaus angesabbert, das zum Verkauf steht, aber leider eigentlich ein wenig zu teuer für uns ist. Der Traum ist aber so groß, dass ich es schon durchgerechnet habe und najaaaaaaa also es wäre machbar, ABER.

Und die Reiseversicherung abgeschlossen habe ich ja auch. Recht erfolgreicher Tag also eigentlich. Trotz Müdigkeit.

Tag 1346 – Mal wacher.

Also vorgestern:

Wir hatten Besuch und zwar (fast) die Geburtstagstruppe von vorletzter Woche. Das war sehr sehr schön, wegen allem. Die Kinder rannten wie die Dilldöppken ums Haus und im Haus herum und dann kam ein Haufen Erde auf einem Laster und dann kletterten sie auch noch auf einem Erdhaufen herum.

Zwischendurch „blies“ ich Eier aus, weil wir die eigentlich noch bemalen wollten, aber dann kamen wir gar nicht dazu und das war auch ok. Aus den Eiinhalten machten wir einen Haufen Waffeln, beste Lösung denn ich finde hart gekochte, kalte Eier hochgradig widerlich. Schon der Geruch… bläh. Jedenfalls, letztes Jahr habe ich noch Strohhalme ins einzelne Loch gesteckt, dieses Jahr habe ich mir was neues einfallen lassen und jetzt muss mein Mund gar nicht mehr in die Nähe von rohen Eiern, das ist genial. Man braucht einen Pieker und ein Holzstäbchen und eine Silikonform für Hochdrück-Eis. Mit dem Pieker macht man oben und unten ein Loch und das untere muss man noch so groß prökeln (wie auch immer), dass das Stäbchen reinpasst. Damit macht man dann das Eigelb kaputt. Eisform oben auf das Ei setzen, ordentlich festdrücken, dann zudrücken und schwupps, kommt der Schlonz unten aus dem größeren Loch gelaufen.

Fehler
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Juhu!

Während ich das erfand, huben Herr Rabe und Freundin A. das Blumenbeet aus. Ich hatte ja extra noch Steine aufgesammelt, damit wir genug für die Beetumrandung haben, aber, äh, also Steine, irgendwer? Wir hätten so ein paar Eimer.

Nach dem Tag und dem Besuch waren die Kinder so platt dass Pippi auf dem Badezimmerteppich einschlief, während Herr Rabe duschte. Und ich war halt dann auch echt müde.

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Gestern:

Den ganzen Tag Erde geschippt und mit der Schubkarre zu den Beeten gefahren und da ausgeleert und von vorn. Den ganzen Tag? Nein, denn zwischendurch fragte die Nachbarin, ob ich ein Glas Rosé wollte. Ich wollte, das war nicht klug, mitten am Tag auf wenig Essen und in der Sonne Wein zu trinken, aber schön war’s. Und nach 10 weiteren Schubkarren voll Erde war der Wein auch wieder weggeschwitzt.

Die Kinder spielten den ganzen Tag mit den Nachbarskindern. Sie machten auch Scheiß, aber insgesamt war das alles – Gartenarbeit, Kinderblödsinn und Rosé – so nah an Bullerbü 2019 wie es nur geht.

Am Ende hatte ich ein richtiges Beet, mit Steinen drin damit ich trotzdem an alles rankomme. Hach!

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Heute:

Die Blümchen eingepflanzt und ein paar Küchenkräuter in das eine Rahmenbeet gesetzt. Mein Zitronenbasilikum hat tatsächlich in seinem Plastiktöpfchen den Winter überlebt und treibt wieder aus. Beim Rosmarin bin ich noch skeptisch, leider auch beim Lavendel. Dafür habe ich einen Lavendel im Garten gefunden und der treibt auch aus, den habe ich erst einmal beschnitten und nun darf er da gerne bleiben, am Platz der zukünftig neben dem Holunder sein wird. Der Rhabarber, den ich Mittwoch Abend noch eingebuddelt habe, steckt schon seine ersten Triebe aus der Erde. Meine Blümchen sahen im Beet alle noch etwas dünn aus, daher nutzte ich die Gelegenheit, dass das Saison-Pop-Up-Gartencenter am Kreisverkehr nun wieder auf hat und auch an allen Feiertagen (bis auf den 17. Mai) geöffnet ist und kaufte noch ein paar Stiefmütterchen und Steinbrech und Traubenhyazinthen.

Es folgt nun ein Hinweis: wenn es Sie in den Fingern juckt, Gartenratschläge zu erteilen: lassen Sie es bitte. Ich mache sicher Fehler. Ich möchte diese Fehler machen. Ich lese auch keine Bücher übers Gärtnern, ich belege keine Kurse, ich frage im Gartencenter nach, ob ich (z.B.) Holunder an die Stelle setzen kann, wo ich ihn hinhaben möchte oder ob es möglich ist, den auf maximal 2 Meter Höhe zu halten. Gegebenenfalls würde ich auch nachfragen, wenn irgendwas passiert, was ich mir nicht erklären kann. Aber wenn ich Tulpen neben Narzissen setze, dann möchte ich das selbst lernen, dass das nichts wird.

Jedenfalls hab ich heute alles rausgesetzt außer Eisenkraut, weil das ja nicht frosthart ist. Bis ich dann mal aufs Schild guckte:

Dann kommt das also morgen raus.

Bisher sehen jedenfalls sorgsam ausgewählte Ecken des Beetes so aus:

Bisher bin ich sehr zufrieden mit mir. Nun darf gern alles anfangen zu wuchern, der Stärkste gewinnt, hübsch blühen tun sie jedenfalls alle.

Sogar eine der Hängeampel-Mimöschen zeigt erste Blütenansätze:

Da hab ich schon wieder vergessen, was das ist. Offenbar blüht es lila.

Morgen fahren wir vielleicht den Holunder kaufen. Es bleibt spannend.