Tag 1197 – Die Chipsfabrik ist tot!

Heute war Insolvenzeröffnung. Ich war ein bisschen aufgeregt, im Nachhinein ganz unnötig. Es war so eine Enttäuschung, dass ich, hätte ich nicht vorher eine wunderbare halbe Stunde und einen guten Kaffee mit dem eplefrøken gehabt, die zwei Stunden Autofahrt wohl bereut hätte.

Im Prinzip lief das nämlich so:

Richterin: „Wer ist denn alles da?“

Chipsmann, Techniker und Ich sagen unsere Namen auf.

Richterin: „Der Vorstandsvorsitzende also nicht?“

Chipsmann: „Nein.“

Richterin: „So, Herr Techniker. Sie sind derjenige, der den Konkurs der Chipsfabrik begehrt. Warum?“

Techniker: „Die zahlen meinen Lohn nicht.“

Richterin: „Wie viel denn?“

Techniker: „Drei Kühe.“

Richterin: „Und bei Ihnen, Frau Rabe?“

Ich: „Brutto 9 Kühe. Und der Italiener kriegt auch noch mal 3.“

Richterin: „Herr Chipsmann, was sagen Sie dazu?“

Chipsmann: [langes umständliches Geschwafel, abgelesen von einem Brief] „Stimmt, also ich komme zwar nur auf insgesamt 9 Kühe netto, aber ja, bezahlen können wir auch das nicht.“

Richterin: „Gut. Dann ist die Insolvenz hiermit festgestellt. Das Gericht bestellt Den Anwalt als Insolvenzverwalter und beraumt das nächste Treffen für den 14.12. an.“

und das war’s dann auch schon.

Der Techniker und ich haben dann noch mit Dem Anwalt telefoniert, weil wir schnell ein physisches (!) Treffen mit ihm wollen, um diesen ganzen Schlamassel zu zerpflücken, und ein bisschen gegen das zu arbeiten, was ihm der Chipsmann sicher an Lügen und Schummeleien auftischen wird. Heute zückte er schon wieder diesen von vorne bis hinten falschen und betrügerischen Businessplan, ich dachte ich spinne.

Interessant war an dem Treffen: die Chipsfabrik ist aus den Räumlichkeiten geflogen, am 31.10. Dabei hatte der Chipsmann immer behauptet, die Vermieter seien total auf seiner Seite. Offensichtlich nicht. (Und da wollte er mich wirklich gerne weiter beschäftigen. Es ist doch einfach nicht zu glauben!) Und in dem langen Blabla und dem Brief, den er vorgelesen hat, kam mir die Zahl zu ausstehenden Lohnnebenkosten irgendwie seltsam klein vor. Heute Abend fand ich raus, wieso: ich bin nie als deren Arbeitnehmerin registriert gewesen, das Finanzamt weiß also gar nicht, dass ich da gearbeitet habe. Das ist, mit Verlaub, eine Riesenscheiße, die sie da schon wieder angerichtet haben. Versicherung, Krankenversicherung, Sozialabgaben, Steuern… alles nix! nix bezahlt!

Es sieht jetzt also ein bisschen aus, als hätte ich da schwarz gearbeitet. Wenn Sie mich denn bezahlt hätten, was sie ja taktvoller Weise nicht getan haben.

Jetzt hoffe ich, der Insolvenzverwalter kann mich nachregistrieren.

Oh the joys.

Darauf einen Ginlikör. Von dem ich seine Likörigkeit nicht auf dem Schirm hatte, deshalb Eis.

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Auto-Lobhudelei: ganz cool geblieben wärend der Verhandlung.