Tag 2084 – Kein Knast.

Kein Bankirrtum zu meinen Gunsten, aber fast, der Fehler, den ich bei den Steuererklärungen gemacht habe, würde nämlich eher Freibeträge als Strafzahlungen geben. Schau an, schau an. Demnach kann ich mir jetzt auch überlegen, ob es mir das wert ist, Dokumente zusammenzusuchen, von denen ich keine Ahnung habe, wo sie sein könnten (vermutlich zum Teil nicht mal in Norwegen, denn viele deutsche Gesellschaften schicken keine Briefe ins Ausland, wo kämen wir denn da hin!).

Das war ein gutes Telefonat, und ein weiteres klärte zumindest etwas auf, das ein fettes Missverständnis hätte werden können (und dann hätte ich was angezündet, es ist immer besser, wenn ich nichts anzünde). Nächstes mal wenn was größeres, gesundheitliches ist, möchte ich bitte, bitte nach Kongsvinger. Das ist zwar ab vom Schuss, aber desorganisierter als Ahus Nordbyhagen kann es nicht sein. Das ist schlichtweg nicht möglich.

Heute war so ganz generell Finanz-Tag. Wussten Sie, dass Elektroautos in Norwegen seit diesem Monat auch KFZ-Steuer zahlen müssen? Ich nicht. Hat mir keiner mitgeteilt, das habe ich zufällig herausgefunden. Da ich seit einem Jahr auch exzessiv norwegische Nachrichten lese, war es wohl auch da nicht.

Mein Bogen ist fertig und morgen hole ich ihn ab. Morgen hole ich oder holen wir auch noch was anderes ab, dazu aber morgen mehr. (Kein Kind/Ultraschallbild. Niemand ist schwanger und einer von uns ist nun auch ganz offiziell steril. Mit bis auf einen Faden, der sich nicht auflösen wollte und deshalb kurzerhand selbst gezogen wurde, keinerlei Problemen.)

Sonst: müde. Unproduktiv (bis auf die Finanzsachen, aber ich mag echt nicht auch noch im Urlaub den ganzen Tag auf den Bildschirm gucken!) und müde, letzteres nach wie vor von allem. Corona stinkt und soll jetzt endlich weggehen.

Tag 1559 – Schrecklich erwachsen.

Neulich sagte unsere Finanzfrau aus Deutschland, beim jährlichen „Check-Up“, wir sollten mal wieder ein ausführlichere Gespräch führen, nach Hauskauf und mit wahrscheinlichem Verbleib in Norwegen sei das mal ratsam. Bis dahin solle ich mal ein paar Dinge herausfinden, nämlich was in Norwegen passiert, wenn

  • man arbeitslos wird
  • man krank wird
  • man krank bleibt oder sonstwie einer nicht mehr arbeiten kann
  • einer stirbt
  • wir uns trennen

Erquickliche Themen also.

Gott sei Dank habe ich über Twitter jemanden kennen gelernt, die das norwegische Sozialsystem sehr gut kennt. Und die wohnt gar nicht mal so weit von uns entfernt! Also hatten wir heute äußerst netten Kaffeebesuch und jetzt sind wir ein bisschen schlauer, was in welchen Fällen passiert. (Was ich zum Beispiel nicht wusste: wir müssten im Zweifel in Deutschland nach deutschem Recht geschieden werden, die „Kinderverteilung“ würde aber norwegische Behörden involvieren. Alles sehr interessant, solange es hypothetisch bleibt.) Ausgang des Gespräches war, dass ich erstmal recht beruhigt bin. Allein dass wir uns mit diesen Themen befassen ist ja schon was, was nicht viele machen, dann haben wir auch unsere deutschen Altersvorsorge-Verträge und diverse Versicherungen noch, damit sind wir schon besser abgesichert als ein Großteil der Norweger und, was am Wichtigsten ist: abgesehen von Arbeitslosigkeit* lässt einen der norwegische Staat nicht hängen. Bei Arbeitsunfähigkeit, längerer Krankheit, Pflegezeiten usw. ist das soziale Netz da und hält.

Und wenn man jetzt genau hinhört, kann man hören, wie mir diverse Steine vom Herzen fallen.

Vielen Dank, liebes Eplefrøken!

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*Da ist man ja quasi selbst schuld dran**.

**NICHT! Aber es ist die einzige Erklärung, die mir für die deutlich schlechtere Behandlung von Arbeitslosen gegenüber Kranken einfällt.

Tag 1362 – Zu kurz.

Frau Halbesachen ist wieder zu Hause und ich bin ein bisschen wehmütig, weil es irgendwie viel zu kurz war. Das waren sehr schöne Tage und ich werd noch lange an unsere Gespräche denken und daraus Kraft tanken. <345

Leider etwas das auch zu kurz ist: die Restlebenszeit unseres Autos. Jedenfalls vermutlich. Nachdem im Januar das eine vordere Radlager getauscht wurde, ist nun das andere vordere Radlager hinüber, noch bevor wir geschafft haben, Sommerreifen aufzuziehen*. Da gehen weitere 4000 Kronen hin und irgendwann müssen wir wohl dringend mal schauen, was sich noch lohnt und was nicht, eine Grenze festlegen und entsprechend schauen, wie lange wir auf ein neue(re)s Auto warten könnten**. Aus Gründen ist die Auswahl recht klein, ein, naja, Wunschtraum steht fest, das Budget ist aber auch begrenzt und weil die Auswahl klein ist, kommen auch Gebrauchte nur in Frage, wenn sie eigentlich keine sind sondern von 2018. „Jahreswagen“ nannte man das wohl früher. Oder „Vorführwagen“. Mir alles egal, wie das heißt, ich hab heute erst verstanden, was „Leasing“ ist und dass auch das nicht in Frage kommt (nicht mit 2 kleinen Kindern, nicht für Leute für die ein Auto ein Gebrauchsgegenstand ist und kein Statussymbol, einfach nein). Nun ja. Erstmal das andere Radlager reparieren lassen, denn ein Auto das klingt wie ein Hubschrauber kauft ja nun auch niemand.

Seufz.

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*Da es die letzten Nächte wieder gefroren hat, war das jetzt nicht so sonderlich dramatisch

**ja, manche der Autos, die in Frage kämen, haben zum Teil erhebliche Lieferzeiten und sind auch nicht als Gebrauchtwagen zu kriegen und wenn Sie jetzt scharf nachdenken kommen Sie bestimmt auf die Richtung in die es gehen soll (und wenn Sie schon länger mitlesen, dürfte Sie das auch nicht sonderlich überraschen)

Tag 1331 – Macht man nicht!

Kennen Sie das? Sie kommen vom Friseur, schon vielleicht nicht hundertprozentig superhappy, aber dann kommen Sie aus der Dusche und das volle Ausmaß der Verschneidung offenbart sich im heimischen Spiegel? Ich hatte das am Freitag. Hui. Meine Experimente mit der Lehrling waren ja eh schon immer etwas aufregend, dieses Mal hatte ich auch wieder zwischendurch mehrmals sagen müssen, sie möge es bitte noch kürzer schneiden, aber: hui. Da guckten überall noch einzelne Haare raus, der Nacken war auf beiden Seiten unterschiedlich viel zu lang, am Vorderkopf (ist das ein Wort?) war noch vieeel zu viel Haar über, um die Ohren eh, es war… hui. Huff! Oioioi. Am Vorderkopf hat Herr Rabe dann korrigiert (Herr Rabe ist da wirklich begabt!), aber als ich dann am Sonntag beim rumfühlen obendrein ein „Loch“ am Hinterkopf fand, war ich sicher: schlimmster Haarschnitt, der überhaupt jemals auf meinem Kopf gewesen ist. Schlümm.

Wissen Sie auch, was man in solchen Fällen tut?

Genau. Man geht natürlich ganz selbstbewusst da hin und sagt „SAMMA HAKTS??? Ich bin mit dem Schnitt nicht zufrieden, das ist hier und da zu lang und da ist ein Loch.“ Das tut man.

In einem Paralleluniversum jedenfalls. In einer anderen Welt, da gehe ich da selbstbewusst hin. Und ganz ganz viele andere auch. Dauernd quasi kommen Kunden zu Friseursalons zurück und sagen „Das war Murks.“ oder sagen im Restaurant „Das Steak hatte ich medium-rare bestellt, das hier ist medium-well done, bitte bringen Sie mir ein neues“ oder auch „Wissen Sie, nachdem das zweite Steak auch medium-well done war, möchte ich hier kein Trinkgeld geben.“ Doch doch, das passiert ständig.

Nicht.

Jedenfalls entnehme ich das der Reaktion der Friseurin und der Lehrling darauf, dass ich mich sachlich beschwerte und nachfragte, wie man das nun lösen könne. Auch dass ich tatsächlich wiederkam um der Lehrling die Gelegenheit zu geben, ihre Fehler selbst zu sehen und dann auch noch zu korrigieren, schien eher so häufig zu sein wie tanzende Einhörner im heimischen Garten. Das wundert mich nicht, denn es deckt sich mit meinem (ganz subjektiven) Gefühl: vielen Leuten, besonders Frauen, ist es ganz unangenehm, negative Kritik auszuüben.

Wieviele Leute nicken lächelnd auf die Frage „hat’s geschmeckt?“ und kommen dann kommentarlos einfach nie wieder in dieses Restaurant? Die Hälfte? Zwei Drittel? Nicht ganz kommentarlos, weil sich gegenüber Dritten natürlich schon darüber ausgelassen wird, wie schrecklich die bei Friseur X immer die Haare schneiden und dass der Koch von Restaurant Y ja eh keine Ahnung hat und eigentlich war auch die Bedienung immer schon unfreundlich. Aber Leuten das ins Gesicht sagen ist unhöflich, macht man nicht, sagt man nicht. Norwegen ist da ganz besonders groß drin, Janteloven, so schön.

Und ich sag Ihnen mal was: zum Friseur zurückgehen und die Lehrling um Korrektur des Disasters auf meinem Kopf bitten war heute wirklich unangenehm. Aber sehr erwachsen. Das Richtige, denn die Lehrling wird nun hoffentlich niemandem mehr Löcher in die Haare säbeln bei der nächsten Kundin mit kurzen Haaren besser drauf achten, dass um die Ohren rum kein Helmeffekt entsteht. Quasi pädagogisch total wertvoll. Erwachsen halt. Und wie alles erwachsene voll mein Ding und gar nicht unbequem und ich bring das auch so ganz entspannt und natürlich rüber, haha, wer denn nicht.

Ich nicht. Aber ich bemühe mich.

Für mehr sachliche, bestimmte, aber höfliche Kritik und weniger hintenrum Gemotze und Geläster.

Tag 165 – Ernste Gespräche

Herr Rabe und ich haben geredet. 

Wir werden unser kindisches, passiv-aggressives Heizung-an-Heizung-aus-Spielchen in Zukunft sein lassen und einfach bei ausgeschalteter Heizung die Schlafzimmertüren schließen, damit nicht die ganze Wohnung kalt wird. 

Ich erwarte mindestens eine Halbierung unserer Heizkosten. 

Außerdem gehen wir jetzt ernsthaft die Urlaubsplanung an. Sind ja auch irgendwie nur noch 2 Monate bis Ostern. (Tipps, anyone? Es sollte warm sein (im April), grob Canaren/Balearen/Mittelmeerinseln, Wasser sollte da sein und keine Fantastillarde Euros kosten…)