Tag 1574 – Vom Versuch, bettschwer zu werden.

Ich liege im Bett und denke, ich schaffe es nicht mehr, heute noch meine zwei Mäntel, von denen wir Sonntag endlich Bilder gemacht haben, zu zeigen. Weil das etwas mehr Mühe erfordert als hier einfach was hinzutippern. Andererseits bin ich gar nicht müde. Ich war müde, dann ging ich duschen um danach ins Bett zu gehen und jetzt bin ich nicht mehr müde. Aber das mit den Mänteln ist mir trotzdem zu riskant.

Ich liege also im Bett und trinke Kakao. Bestimmt muss ich wieder nachts aufs Klo, ich habe mir über den Abend verteilt nämlich noch eine Kanne Tee reingeschraubt. Ich scheine diese seltsame Erkältung zu haben, die zur Zeit umgeht, bei der man sich zwei Wochen lang täglich fühlt wie „wenn das nur noch nen Tucken schlimmer wird, bleibe ich morgen echt zu Hause“ aber am nächsten Tag geht’s einem halt wie immer nur halbschlecht. Bei mir kommen dann nachmittags Gliederschmerzen dazu. Nur müde bin ich nur wie üblich, also morgens, aber abends nicht. Möge der Kakao es richten.

Früher™️ trank ich gerne Kakao mit Amaretto. Der besorgt immerhin die Bettschwere zuverlässig. Ich mag auch Amaretto, aber ich liebe ja auch Marzipan. Vielleicht bin ich morgen nett und bringe meinen Kollegen Marzipankartoffeln zum probieren mit. Aber wahrscheinlich gibt’s nur Halsbonbons, wegen der halben Erkältung. Vom Amaretto bin ich aus Kosten- und Alkoholismusgründen weg. Sie können sich nicht vorstellen, wie viel Angst ich habe, von was abhängig zu werden.

Aus diesem Grund scheue ich mich auch nach wie vor, Schlaftabletten zu nehmen. Nur im äußersten Nervositätsnotfall nehme ich die und obwohl der Arzt gesagt hat, bis zu ner Woche kann man die ruhig nehmen, mache ich nach spätestens zwei Tagen Pause. Und weil ich ja immer erst so spät im Bett bin und früh raus muss und man aber laut Packungsbeilage nach Einnahme 6-7 Stunden für Schlaf einplanen sollte, lohnt das oft dann auch eh nicht mehr. Nur schlafen kann ich vom Nicht-Nehmen halt dann trotzdem nicht.

In der Zeit die das Getippe hier gekostet hat, hätte ich auch was zu den Mänteln schreiben können, oder irgendwas hübsches zuschneiden. Aber dafür merke ich, dass die Lider schwerer und das Blinzeln häufiger wird.

Und morgen schreibe ich über die Mäntel. Am besten gleich morgens aus dem Zug.

Tag 75 – Wir drehen an der Uhr herum

Juppheidi, endlich wird die Uhr wieder auf Normal gestellt. Wir sind ja allesamt Eulen und finden nichts furchtbarer als frühes Aufstehen, deshalb kommt uns das sehr entgegen. Dafür krieg ich jedes Jahr schon im Februar die Krise, dass ja bald wieder die Sommerzeit anfängt und fange dann Anfang März damit an, meine Aufstehzeit sukzessive so zu verschieben, dass ich quasi viele kleine Umstellungen hab, statt einmal eine komplette Stunde, die mir meinen Biorhythmus versaut. Trotzdem fühlt sich die Sommerzeit für mich falsch an. IMMER. BIS OKTOBER.

Ab morgen ist alles wieder gut, denn
– Die Zeit, zu der wir gut aufstehen können, heißt nicht mehr 10 Uhr, sondern 9 Uhr (und das klingt schon viel weniger Assimäßig)
– Die Zeit, zu der wir (Erwachsenen und Baby) müde und bettschwer sind, heißt nicht mehr 23 Uhr sondern 22 Uhr (und das klingt schon viel weniger verantwortungslos)
– Die Zeit, zu der wir das Kind ohne Theater ins Bett bekommen, heißt nicht mehr 20 Uhr, sondern 19 Uhr (und das klingt nach weniger Stress am nächsten Morgen, zumal ja auch gilt:)
– Die Zeit, zu der wir das Kind wecken müssen, heißt zwar weiterhin 7 Uhr, ist aber ja quasi 8 Uhr

Insgesamt: Voll geil.

Trotzdem habe ich keinerlei Verständnis dafür, dass etwas das eine große Mehrheit der Deutschen nicht will und das auch nachweislich keine Stromersparnis bringt, wie ursprünglich beabsichtigt war, trotzdem beibehalten wird. Es ist doch Bullshit, dass „einheitliche Uhrzeiten für die reibungslose Abwicklung des Binnenmarktes [in Europa] unerlässlich sind“ (wikipedia sagt, dass das beim letzten Mal der Grund für die Ablehnung eines Alleingangs war). Oder ist der Handel mit Großbritannien irgendwie gestört, weil die ne andere Zeit haben? Finden denn die Leute in, sagen wir mal, Spanien die Zeitumstellung so geil? Kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht wärs ja gar kein Alleingang? Brüssel? Hallo? Kann mal bitte einer den Quatsch abschaffen???

Ach ja, noch was: Nein, die Sonne geht nicht früher unter morgen. Also ja, schon, irgendwas um die zwei Minuten oder so. Aber es heißt nur die Uhrzeit anders. Wir stellen auch nicht die Zeit um. Sondern die Uhr. Die Kinder wecken uns nicht ne Stunde früher. Neinneinnein, die Uhrzeit HEIßT NUR ANDERS! (Sehen Sie, ich fange schon an zu schreien, das ist ein emotional sehr stark belastetes Thema für mich!)


Was völlig anderes: Das Baby ist jetzt in der Stan-Phase. Es sieht, wenn es erzählt, ganz exakt so aus:
Stan(M2)*
und bald werden wir alle Piratenschiffe besitzen.

*(Quelle: http://monkeyisland.wikia.com/wiki/File:Stan(M2).gif)

Tag 35

Morgen muss ich früh aufstehen. Also so um sieben. Ich weiß, für viele Eltern ist das Ausschlafen, für uns nach wie vor nicht. Dafür haben wir abends Mühe, das Kind vor acht neun ins Bett zu bekommen. Wenn das Kind es sich aussuchen kann, schläft es von 22:00 bis 10:00 Uhr. Da ist es ganz die Mama und der Papa. Leider geht das natürlich nicht mit unseren Arbeitszeiten, also müssen wir das ja wirklich noch kleine Kind zu seinem Rhythmus nicht entsprechenden Zeiten ins Bett und aus dem Bett wieder raus bekommen. Das tut mir oft sehr leid und ich hoffe für das Kind, dass es, wenn es mal groß ist, in der Gesellschaft eine größere Akzeptanz für verschiedene Tagesrhythmen geben wird. Sonst muss es eben DJ werden, oder Koch oder so.

Aber egal, ich schweife ja total ab hier. Morgen muss ich mit dem Baby zum Baby-TÜV, um 08:30. Und danach muss ich hier aufräumen, um 12 kommt nämlich eine  Kollegin vorbei, ihr Baby ist nicht ganz ne Woche älter als meins und sie hat sich gewissermaßen selbst eingeladen. Jetzt bin ich offen gestanden recht aufgeregt, erstens ist es für Norweger*Innen überaus unüblich, von sich aus Kontakt zu suchen, geschweige denn sich irgendwohin einzuladen, zweitens ist das hier ja meine comfort zone („mein Tanzbereich…“) und als solche heimelig-chaotisch* und drittens bin ich so enge zwischenmenschliche Interaktion nach zwei Jahren Norwegen gar nicht mehr gewohnt und befürchte, nur Quatsch zu faseln oder mich mit Kaffee zu übergießen oder gar die Kollegin. Andererseits kann man ihre Kontaktaufnahme vielleicht auch so deuten, dass sie dringend ein paar Mommy-friends sucht. Ich hoffe es. Aufräumen werde ich natürlich trotzdem. Aber der Winter wird kommen und er wird lang sein und grau und da macht es zu mehreren einfach mehr Spaß, mit dem Kinderwagen seine Runden zu drehen. Deshalb habe ich mir überlegt, dass ich mich einfach mal drauf einlasse. Yeah. Jetzt müsste ich nur noch weniger nervös sein…

*lies: überall liegt Kram und es ist grenzwertig dreckig