Tag 39 – „5 minutes of fame“ oder „You’re big on twitter“

Heute war eigentlich ein ganz normaler Tag, aber dann passierte was verrücktes. Ich bekam eine email.

Familienbetrieb Betriebsfamilie gefällt einer Deiner Tweets

Dazu muss man wissen, Familienbetrieb, das ist einer von den ganz Großen. Quasi ein Superstar der Familienblogs.
Anders kann es nicht sein, denn sonst hätte er ja keine Fans und ich, ja, ich bin ein Familienbetrieb-Fan.
Christian schreibt satirische Episoden aus dem Familienalltag, manchmal sogar als Mehrteiler. So darf man der Betriebsfamilie beispielsweise in den alljährlichen Bretagne-Urlaub folgen und ich muss sagen, das ist fast so gut wie selber in den Urlaub fahren. Nur lustiger. Über die Familienfeier hab ich mich schlappgelacht und ich weiß jetzt auch wieso ich nienieniemals Saftfasten werde.

Wenn also dem Familienbetrieb einer meiner Tweets gefällt, werde ich ein bisschen rot. Das muss so ähnlich sein, wenn man Musiker ist und dann gefällt deinem musikalischen Idol ein Song oder ein Album von dir. Ich habe einen sehr witzigen Menschen zum Schmunzeln gebracht! Hihi *verschämt wegguck*.

Soweit so gut, aber dann plingelte mein Handy plötzlich in einer Tour und hörte gar nicht mehr auf. Weil mit einem Mal lauter Leute diesen Tweet favten und retweeteten und mir folgten. Ich verstand gar nicht so recht was los war, bis ich auf die Idee kam, mir die Familientweets der Woche anzusehen. Hähä. Da war ja ich! Kann man nachträglich Lampenfieber bekommen? Es fühlte sich so an.

Ist das lächerlich, dass ich mich wie Bolle über ein paar likes und retweets und eine Handvoll neuer follower freue? Ja! Aber egal, ich freu mich so :D

Danke, Christian!

UPDATE: Uiuiui, jetzt werd ich doch direkt wieder rot, weil der liebe Herr Paul seine Leute hier herschickt. Was ein Tag. Vielleicht sollte ich mich zur Ruhe setzen, besser wird’s nicht. (Herr Paul les ich auch gerne! Kann ich auch nur empfehlen, ist was ganz anderes, auch mehr so ein Tagebuchblogger als ein Artikelblogger. Und er macht Essenspläne! Essensplangeschwister im Geiste…)

Note to self: Ich muss ganz dringend ein blogroll machen.

Tag 2

Wir haben heute einen Reisepass für das Baby beantragt. Also fast.

Wenn ein Baby von deutschen Eltern in Norwegen geboren wird, muss man nämlich eigentlich zur Botschaft, um einen Kinderreisepass zu beantragen. Da müssen dann beide Eltern hin plus Kind. Die Botschaft ist in Oslo, klar. Wir wohnen in Trondheim. Das sind 600 km, oder 8 Stunden Fahrt. Mit Baby wohl eher 10. Mit Baby und Kleinkind wohl eher ein Jahresurlaub.

Gut, dass es die Honorarkonsuln gibt. Sogar eine in Trondheim. Was ist die weibliche Form von Konsul? Ich fände Konsula gut. Nennen wir sie Konsula. Die Konsuln können die notwendigen Dokumente beglaubigen. Und NUR die! Norwegische Behörden können keine von einer deutschen Behörde ausgestellten Ausweise beglaubigen. Nicht dass man auf so ne absurde Idee kommt.

Wir waren dann also heute bei der Honorarkonsula der Bundesrepublik Deutschland in Trondheim. Mit einem wilden Mix deutscher und norwegischer Dokumente im Original und Kopie, ausgefüllten Anträgen (Augenfarbe bei einem drei Wochen alten Baby…?) und einem zwei Passbildern. Die Passbilder hat Herr Rabe mit viel Geduld und einem seiner neuen, schweineteuren Objektive sehr professionell gemacht, am Computer noch professioneller skaliert und so und dann etwas weniger professionell auf unserem Drucker ausgedruckt. Dann hat heute morgen das Kind seine Milchfinger draufgedrückt und offensichtlich bei dem einen Bild das eine Auge des Babys verwischt, das sah jedenfalls komisch aus aber der Konsula war das egal. Und in den Pass kommt eh das andere. (Dass so ein Baby sein Aussehen quasi ständig ändert ist für so nen Pass auch egal, der ist dann sechs Jahre gültig. Aber ohne kann man nicht ausreisen aka Weihnachten nach Deutschland fahren.)

Vor dem Besuch im Konsulat war ich ein bisschen aufgeregt, Botschaft, Konsul, das klingt immer alles so hochoffiziell und nach Diplomatenstatus und Koks und Nutten Männern in Anzügen.

Die Konsula ist hauptberuflich Gynäkologin und hat ihre Praxis („das Konsulat“) im vierten Stock eines Shoppingcenters.

Eigentlich hatte ich sie fragen wollen, wie man Konsul wird, war dann aber zu enttäuscht von der Abwesenheit jeglicher Gatsby-Atmosphäre.

Morgen schicken wir den Packen beglaubigten Papiers dann nach Oslo, frankierten und an uns adressierten Rückumschlag nicht vergessen, und dann kann Weihnachten kommen.