Tag 390 – WMDEDGT September ’16

Es ist der 5., es ist WMDEDGT bei Frau Brüllen.

Sechs Uhr: alle Wecker gehen gleichzeitig. Kurzer Check: Pippi liegt neben mir (mit den nackten Füßen an meinem Oberschenkel, wie immer), Herr Rabe ist auch da, Michel nicht. Erstmal Snooze.

Dinge passieren (hallo, Snooze-Taste…), jedenfalls stehen wir dann doch zu spät auf, duschen sehr schnell, Kaffee für die Großen, Grøt für die Kinder machen, Michel wecken, Herr Rabe muss los. Kinder abfüttern (im Moment sind beide Fressmaschinen, das Grøt ist am Ende fast alle, Pippi zieht sich noch heimlich im Stehen auf seinem Stuhl Michels Reste rein), anziehen, allen die Zähne putzen, mich schminken und zack, zack, Wachs in die Haare, Ohrringe rein, die gestern schon gemachten Brotdosen in die Rucksäcke: Abmarsch. Es ist 08:15.

Als alle ihre Jacken und Regenhosen und Fahrradhelme und Schuhe anhaben und in und auf ihren Fahr-Devices sitzen, beamt sich der Uhrzeiger auf 08:32. Gnaaahh, das ist zu spät, ich habe Meeting um 09:00. Um 08:42 habe ich Michel erfolgreich zum Kindergarten gequatscht, hänge Jacken auf und stelle Schuhe ins Regal und schwitze ein bisschen und schnauze auch ein bisschen Michel an, der natürlich erst Hilfe dabei will, seinen Helm aufzuhängen, während ich zwei Rucksäcke, eine Matschhose und Pippi balanciere. Oben angekommen wird Pippi ohne viel Tamtam der Erzieherin übergeben. Die fragt mich, ob ich am Samstag beim Marathon mitgelaufen wäre. Ich lache. Pippi weint. Michel geht spielen. Auf dem Weg nach draußen hänge ich Michels Helm auf, reiße mir die Überschuhe von den Füßen und sprinte zum Rad. Dann rase ich wie eine gesengte Sau zur Arbeit (08:49). Um 08:59 (Rekord!) stelle ich mein Fahrrad ab. Wegen Abschließen und Weg bin ich dann zwar doch erst um 09:04 im Meetingraum und ich habe auch noch meinen Helm auf und meine Jacke an, aber es hätte schlimmer kommen können.

Meeting bis 09:30, super langweilig. Einziger interessanter Punkt: am Freitag wird hier Kreftfest sein (also Flusskrebse essen, dabei vermutlich trinken und gesellig™ sein). Es wird nochmal drauf hingewiesen, dass Sozialising wichtig ist. Innerlich lache ich mich kaputt. Äußerlich lasse ich mir nichts anmerken. Dann geht es um die Weihnachtsfeier, „die können wir ja näher an Weihnachten haben, an einem Freitag am besten“, ich rufe von hinten „SIXTEENTH“, das wird eingetragen, fertig. Keine Diskussion. Sozialising ist wichtig.

Nach dem Meeting verbringe ich geraume Zeit mit dem vergeblichen Versuch, meinen Computer hochzufahren. Er hängt sich aber immer irgendwo im Anmeldeprozess auf. Statt mich aufzuregen, gehe ich in den nahe gelegenen Supermarkt und kaufe fürs Frühstück und Mittagessen der nächsten Woche ein. Es gibt norwegische Äpfel, die wunderbar riechen und ebenso schmecken, das ist schön. Außerdem gibt es den neuen Weißkohl. Das heißt, ich kann demnächst mal Sauerkraut machen (das norwegische Sauerkraut schmeckt nicht).

Ohne Frühstück habe ich um elf großen Hunger und esse einfach schon mal Mittag. Mein Computer startet ja eh nicht. Ich versuche, das IT-department zu erreichen, aber erst ist besetzt, dann geht niemand ran. Ich schreibe eine Mail.

Nach dem Essen gehe ich ins Labor. Ich habe eine mail mit den Ergebnissen von letzter Woche bekommen und kann mit meinem Versuch weiter machen. Also mache ich, dann habe ich sehr viel Zeit zwischendurch (Inkubation, ich hab echt keinen Job für Ungeduldige) und dödel im Internet rum. Mein Computer geht weiterhin nicht. Ich stelle fest, dass sich um 13:00 schon elf Menschen beim WMDEDGT verlinkt haben und denke da ein bisschen drauf rum, außerdem wundere ich mich öffentlich bei Twitter und bekomme die Erklärung, dass man sich ja schon mal morgens verlinken und dann fortlaufend aktualisieren kann. Ich denke mit der Erklärung da weiter drauf rum und entschließe mich dann, das nicht so zu machen. E-mail-Abonnenten zum Beispiel würden dann ja immer nur den ersten Happen zu Lesen bekommen, bei machen Feedreadern ist es auch so: find ich blöd. Dann bin ich halt Nummer 120 in der Linkliste – was solls. Aber ich fange schon mal an zu schreiben, ich hab ja Zeit. UPDATE: Ich bin Nummer 48.

Irgendwann ist dann auch mal die Stunde Inkubation rum, ich mache im Labor weiter und habe dann ZWEI Stunden Inkubation. Meh. Ich geh Kaffee holen.

Mit Kaffe in der einen Hand und Handy in der anderen tausche ich mich mit Freundinnen über die Wonnen des Lebens mit Dreijährigen aus. In Echt tauschen wir Erfahrungswerte, wie oft wir so unsere Kinder anschreien (oft) und wie viel es bringt (nix) aus. Tjanun. Wir arbeiten an uns und sind uns unserer erzieherischen Unzulänglichkeiten bewusst, das ist ja schon mal was.

Zwischendurch rufe ich noch bei der Versicherung an und frage nach, was schiefgelaufen ist und warum ich Post vom Straßenverkehrsamt bekommen habe, mein Auto sei nicht versichert und sie würden es demnächst aus dem Verkehr ziehen. Ist natürlich alles gar kein Problem und schon lange erledigt, warum ich vor Wochen auf meine Mail keine Antwort bekommen habe, weiß natürlich auch keiner.

Zeitgleich mit einer Mail vom IT-Support, dass sie das total bedauern und dran arbeiten und das aber grad bei vielen Computern der Fakultät so sei, geht mein Computer plötzlich wieder. Gut, dann tippe ich da. Gucke über meine Daten, werde nicht schlau draus, google herum, werde etwas schlauer, zack, zwei Stunden rum, wieder ins Labor. Eine weitere Stunde später friere ich mal wieder alles in drei unterschiedlichen Gefrierschränken auf zwei Stockwerken und bei zwei unterschiedlichen Temperaturen ein, dann schreibe ich noch eine mail, in der ich den Leuten, die jetzt damit weitermachen müssen, erkläre, was ich gemacht hab (it’s natürlich magic!) und dann ist Feierabend und ich fahre nach Hause.

Zu Hause dann Kinderbespaßung und Essen machen (helfen, Herr Rabe macht das meiste der Arbeit, ich koche nur Reis und ziehe Tomaten ab), den von Pippi ausgeräumten Papiermüll wieder einräumen, dann Essen. Dabei Gespräche mit Michel:

Michel: „Ich und H. und M. und A. sind beste Freunde. Wir spielen immer zusammen. E. nicht.“
Ich: „Warum denn nicht E.?“
Michel: „Weil der ist nicht nett.“
Ich: „Warum ist der denn nicht nett?“
Michel: „Der sagt immer so Politi und Bæsj*. Das mag ich nicht so gerne.“ *Kacke

Fünf Minuten später, mit dem Essen fertig.

Michel: „Ich brauche so Papier! Und Stifte!“ *Fummelt sich im Schritt rum*
Herr Rabe: „Musst du nicht vielleicht erst mal aufs Klo?“
Michel: „Ja! Und Pillern! Und Kacken! So ganz viel!“

Herr Rabe bastelt noch mit Michel, ich mache Pippi bettfertig (die Rübennase hat sich Reis und Eis komplett überall hingeschmiert, es ist eine wahre Freude), dann mache ich noch ein zuckersüßes Video wie Pippi ganz nonchalant auf mich zu läuft (auf zwei! Beinen! Wir sind alle sehr stolz!), dann schaukele ich Pippi in der Manduca in den Schlaf, während Herr Rabe Michel ins Bett bringt. Dann muss Herr Rabe zum Sport, ich räume mit Pippi in der Manduca auf, füttere und wässere die Schnecken, spüle ab und dann gelingt mir sogar noch das Kunststück, Pippi schlafend ins Bett zu legen. Die günstige Gelegenheit nutze ich, um mein Gesicht zu waschen (ich hab jetzt das Reinigungsöl von dm und das ist mal ein echter Fortschritt in meiner Gesichtspflegeroutine!) und mich einzucremen, das geht mit Kind umgebunden sehr schlecht.

Und jetzt sitze ich hier am Küchentisch, trinke Wasser und esse schwedische Zitronenkekse und schreibe auf, was ich so den ganzen Tag gemacht habe. Das werde ich dann gleich verlinken und danach (! Für e-mail- und Feedreader-Leser!) versuchen, dass Pippi-Video hochzuladen. Das kann aber dauern. Aber es könnte sich lohnen, dann später nochmal vorbei zu schauen *augenzwinker*.


 

Tag 247 – Die Piraten! Korfu Tag 17

Heute, auf dem Weg durch ein ziemlich runtergerocktes weil halb verlassenes Dorf.

Ich: „Boah, hier is aber auch ganz schön viel kaputt…“

Michel: „Kuful [Warum, Anm.d.Red.] Häuser schön kaputt is?“

Ich: „Naja, weil eben keiner drin wohnt und das dann keiner repariert, wenn was kaputt ist.“

Michel: „Kuful keiner drin wohnt?“

Ich: „Die Leute sind bestimmt weggezogen, vielleicht in die Stadt, wo es mehr Jobs gibt…“

Michel: „Ja, oder velleicht in Urlaub efahrn!“

Ich: „Ja, vielleicht sind die Leute auch im Urlaub.“

Michel: „Ja, in Urlaub nach Trondheim efahrn.“

Herr Rabe und Ich: *verkneifen uns das Lachen*

Michel: „Oder Kaptain Sabeltann* komme ist, alles kaputteschossen hat. Das war egentlich so.“

Herr Rabe und Ich: *Lachen verkneifen klappt nicht mehr*

Etwas später. Ich versuche, auf der Karte die Orte zu finden, die in Griechischer Schrift auf den Schildern stehen. 

Michel: „Mama, du mir Reiseführer gibst, ich gucke.“

Ich: „Hier, du kannst das Reiseführerbuch haben, das brauche ich grade nicht.“

Michel: „Nein, kleine Reiseführer!“

Ich: „???“

Michel: „Da, so kleine Reiseführer, du da hast! *Ton wird schon weinerlich*“

Ich: „Meinst du die Karte?“

Michel: „Ja! Ich will auch Karte gucken!“

Ich: „Aber die brauche ich doch…“

Michel: *fängt an zu nölweinen*

Ich: „Ok, aber gleich brauche ich die wieder!“

Michel: *nimmt Karte* „Da muss ich erstmal so groß basteln…“ *faltet umständlich Karte auseinander* „Da hier so rekks, links fahren, hier so links schwiu, schwiu, hier! Da sind wir, Mama! *zeigt auf Punkt ganz im Süden von Korfu*

Ich, zu Herrn Rabe: „Oh, wir sind aus Versehen ganz in den Süden gefahren.“

Michel, zu sich selbst: „Musse hier wieder so klein basteln… So basteln und so und so… Klarte det! [Geschafft!, Anm.d.Red.]“ *“liest“ singend von der zusammengefalteten Karte ab* Eeeeeeesseeeeeellll, Mama Bustabe, Papa Bustabeeeee, Pipi Bustageeeeeee, Michel Bustage!!! Lalalalaaaaaninaaaaaniiiinaaa, Kindergartenkumpelbustageeeeeeneeeeeneeeeneeee…“

Es. Ist. So. Niedlich! Dieses Kind. HACHZ. 

*Käptn Säbelzahn. Norwegische Kinderserie über den Piratenkapitän Säbelzahn, Schrecken der Meere und so. Hat Michel nie gesehen, aber er weiß trotzdem alles darüber. Und singt die Titelmelodie, tagaus, tagein. Also, wenn er nicht Geburtstagslieder singt. 

Tag 179 – Pass mal auf!

Heute allerhand gemacht. Dank wachem Michel um sieben, der um viertel vor acht dann auch erfolgreich Pippi wachgelabert und -gewühlt hatte, war ja auch genug Zeit. Soviel zum „Hurra, Wochenende, endlich mal schlafen“-Plan. Trotzdem die Hälfte vergessen: Michel braucht neue wasserfeste und trotzdem warme Handschuhe, denn seine haben Löcher an den Nähten und das wars dann mit der Wasserfestigkeit. Haben wir im Laden aber mangels Liste nicht nach geguckt. Nun gut, dann habe ich nächste Woche eine Aufgabe. Falls ich nicht spontan nach Oslo fahre. Das muss ich gleich mal sehen, ob es da eine Möglichkeit gäbe. 

Wir essen ja sehr sehr wenig Fleisch, weil wir Massentierhaltung und den extrem unverantwortlichen Einsatz von Antibiotika in der Tiermast nicht unterstützen wollen. Deswegen haben wir dem Kindergarten erzählt, wir seien Vegetarier und möchten nicht, dass Michel Wurst etc. isst. Der Kindergarten sagte: ok. Ich hegte aber schon länger den Verdacht, dass die das nicht ganz so eng sehen, denn woher sonst soll er wissen, was Salami und was Fleischwurst ist, wenn wir im Supermarkt sind. Wir kaufen das nicht, aber er sagte neulich „Æ liker også salami!“ (Ich mag auch Salami). Nun ja, heute dann beim Essen folgendes Gespräch:

Michel: „Das denn, Mama?“

Ich: „Makrell, Michel, das Gleiche wie aus der Tube, nur eben aus ner Dose.“

Michel: „Kindergarten også (auch) Makrell.“

Ich: „Hmhm. Und was gibt’s sonst noch so zum Essen im Kindergarten?“

Michel: „Wurst.“

Ich: „Wurst?“

Michel: „Hmhm.“

Herr Rabe: „Oder meinst du ost (sprich: ust, Käse)?“

Michel: „Nein, Wurst. Pølse.“

Oookeeeyyyy. Soviel dazu. Nun kann ich ja super gut verstehen, dass da beim Essen ein gewisser Gruppendruck herrscht und dass der Kindergarten sicher nicht riskieren wird, dass ein Kind sich ausgeschlossen fühlt, weil es bestimmte Sachen nicht essen darf. Aber wenigstens hätten sie uns das sagen können. Und wir werden dann wohl mit Michel ein „Wurst wird aus Tieren gemacht“-Gespräch führen in der Hoffnung, dass er etwas besser versteht, wieso wir keine Wurst kaufen. Und ja, er kriegt auch zu Hause manchmal Pølse: aus Tofu. 

Das Gespräch war aber noch nicht zu Ende, es gab noch eine Fortsetzung. Kinder erzählen ja oft auch Quatsch, deshalb wollte ich ihn noch ein bisschen mehr aushorchen, um herauszufinden, ob er das jetzt nur so sagt, weil ihm nix besseres einfällt.

Ich: „Und wenn ihr Obst esst, was isst du da?“

Michel: „???“

Ich: „Ihr esst doch immer Fruktmåltid, was suchst du dir da denn aus?“

Michel: „Banan.“

Ich: „Ah.“

Michel: „Og (und) kiwi.“

Ich: „?“

Michel: „Banaaaaan, og kiwi, og epple… og appelsin. Æ liker alle deler (Ich mag alle Teile). *zählt an seinen Fingern ab* epple… Appelsin… Kiwi… Og banaaaaan!“

Ich: *schmilzt ein bisschen, weil er so unheimlich niedlich ist*

Michel: „Pass ma auf! *hebt seinen Po einseitig an* Kommta Pups! *pupst lautstark*“

Danach lag ich fast unter dem Tisch vor Lachen, was natürlich jede Maßregelung à la Wenn-dus-doch-vorher-merkst-dann-geh-doch-zum-Pupsen-bitte-woanders-hin völlig ad absurdum geführt hätte, weshalb ich sie mir dann auch einfach sparte. Dieses Kind ey. 

Meine Omi ist am Mittwoch 84 geworden, ich hab auch am Mittwoch schon versucht anzurufen, da war aber niemand da, denn, so erfuhr ich heute, sie waren Essen und es zog sich extrem und die Portionen waren so klein und überhaupt, wie kann man denn aus einem Pilz ein Hauptgericht für fünf Personen machen? Dann erzählte sie mir noch von ihren gesundheitlichen Malessen, wie ältere Leute das ja gerne mal so tun und es war dann doch ganz interessant, weil: sie hat eine Makula-Degeneration und ihr wurde ein Medikament gespritzt (ins Auge! Iiihhhhhh!!!), das eigentlich gegen bestimmte Krebsarten wirken soll. Ich weiß gefühlt alles über dieses Medikament, weil haha, damals irgendwann, als ich fest in der Firma angestellt wurde, sollte ich ein eigenes kleines Forschungsprojekt kriegen, damit ich mit meinem Masterabschluss nicht allzu unterfordert wäre (außerdem hatte keiner richtig Bock auf das Projekt, aber es gab irgendwelche Fördergelder dafür, also nehmen wir die Neue, die wär als TA eh überqualifiziert). Mein Teil des Projekts war, das Medikament so sauber zu kriegen, dass man es (theoretisch) Menschen spritzen könnte. Oder vielleicht erstmal Mäusen. Das hab ich auch hinbekommen, die anderen Projektpartner waren leider zum Großteil nicht so erfolgreich, deshalb liegt das vermutlich immer noch in irgendwelchen Schubladen und gammelt da rum, meine schöne Arbeit… Naja egal, jedenfalls war damals der Stand der Dinge: Augenärzte hatten wie auch immer herausgefunden, dass das Medikament super gegen eben Makuladegeneration wirkt. Aber man darf ja nicht einfach irgendwas, was gegen X zugelassen ist, gegen Y verwenden. Es gibt für solche Fälle ein abgekürztes Zulassungsverfahren, man muss ja zum Beispiel nicht nochmal neu nachweisen, dass man davon nicht tot umfällt. Das Ganze nennt sich Off-Label-Use und die Firma, die das Mittel gegen X (eben diese bestimmten Krebsarten in bestimmten Stadien) zugelassen bekommen hatte, steckte grade mitten in diesem zweiten Zulassungsverfahren. Das ist offensichtlich inzwischen durch. Was man nicht alles am Telefon von Omi erfährt. 

Tag 166 – Schlittenfahren für Anfänger und Fortgeschrittene

Wir sind heute zum See gefahren, also zu einem der drölfzig Seen hier in der Nähe, die Wahl fiel auf den mit dem Schlittenhügel. Außerdem kommt man da gut hin, man muss nämlich nur mit der Trikk bis zum Ende fahren und dann ist man da. 

Leider war das Wetter ziemlich bescheiden, es regnete ein bisschen aber wir zogen trotzdem los in der Hoffnung, dass es auf dem Berg etwas weniger regnen und dafür vielleicht schneien würde. Dann mussten wir doch tatsächlich 10 Minuten auf einen Bus in die Stadt warten und danach auch noch zur Trikk hasten. Was passiert, wenn man das Kind hetzt? Genau. Es wird immer langsamer. Witzig, dass ausgerechnet Herr Rabe, der mitunter sehr ähnliche Tendenzen hat, das scheinbar nicht weiß (ab jetzt dann schon). Nun ja, wir erwischten die Trikk. Nur um drei Minuten später für 15 Minuten in selbiger herumzusitzen und einem Rudel aufgescheuchter Autofahrer beim verzweifelten Versuch zuzuschauen, ihr Auto mit Achsbruch von den Schienen zu bekommen. Für das Kind natürlich ein unerwartetes Highlight, denn die Automenschen (da saßen echt mindestens sechs Leute drin, war aber auch ein LandRover) versuchten zunächst, das abgefallene (?) Rad wieder dranzubekommen. Das Kind meint ja eh immer, Autos gehen bevorzugt an den Rädern kaputt, deshalb war das für ihn nur logisch. Die Automenschen scheiterten allerdings schon am Aufbocken des Autos und im Endeffekt musste so ein norwegisches-ADAC-Äquivalent-Heini kommen und die Anweisung geben, das Auto doch einfach auf den drei verbliebenen Reifen etwas beiseite zu rollen. 

Irgendwann waren wir dann aber doch am See, es regnete auch hier, aber wir und ca. 150 andere Menschen ließen uns davon nicht beeindrucken. Das Kind wollte direkt den großen Hügel runter, Herr Rabe meinte, das geht schon, ließ sich aber durch den Anblick einiger Eltern, die mitsamt ihren Kindern und Rodelgeräten sehr schnell und unsanft im Schnee landeten eines besseren belehren. Ich suchte den Idiotenhügel, fand aber keinen. Herr Rabe handelte derweil das Kind auf den halben großen Hügel runter. Nun gut, wissend, wie das enden würde, stellte ich mich schon mal unten hin (ich habe es geschafft, dem Mann zu vertrauen, dass er sicher nicht mal auf die Idee kommen würde, sich mit dem Baby in der Trage auf den Schlitten zu setzen), der Mann wies das Kind ein und ab ging die Post. Der Schlitten hat einen Lenker. Das Kind kann aber nicht lenken und lenkte direkt scharf nach rechts, sodass es quer über die gesamte Rodelbahn schoss. Dabei wurde es immer schneller und sein Gesichtsausdruck immer panischer, bis es nach ein paar Sekunden schließlich kopfüber im Schnee landete. Der Schreck war natürlich groß, aber nach Pusten, Trösten und „Ganz schnell eflogt, Mama, Schlitten runter fallt!“ war es dann schnell wieder gut. Inzwischen hatte ich auch sowas wie einen Idiotenhügel entdeckt: an einer Stelle übten norwegische Eltern mit ihren (Klein-)Kindern das Hügelhochklettern mit Langlaufskiern. Norweger werden wirklich mit Skiern an den Füßen geboren und verstehen auch nicht, wieso andernorts so viel Abfahrt gemacht wird. Langlauf ist das einzig wahre, halbwegs ok ist noch Skispringen. Aber das nur am Rande. 

Den Idiotenhügel traute sich das Kind zuerst nicht alleine runter, also quetschte ich mich zum Kind auf den Schlitten und wir rodelten gaaaaanz laaaaangsam den Hügel runter. Dabei schafften wir es, niemanden umzufahren und auch nicht umzufallen. Das Kind hatte sein Vertrauen in den Schlitten, die Technik und seine Rodelfähigkeiten dann auch zurück und Herr Rabe hatte eine wenig benutzte Strecke entdeckt, die vom Steilheitsgrad her ein Mittelding zwischen dem Großen und dem superkleinen Hügel war. Da rodelte das Kind dann ein paar mal alleine und ein paar mal mit mir runter und es hat super Spaß gemacht, also mir zumindest, dem Kind glaube ich auch. 

Danach sind wir dann ziemlich nass nach Hause gefahren, haben Kekse in der Trikk gegessen (in der Trikk sah es aus wie in einem Skierwald) und auf dem Weg noch ein David Bowie-Plakat bewundert:

Kind: „Mama, der Mann hat Esicht annemalt!“

Ich: „Ja, das stimmt. Der hat sich immer gerne das Gesicht angemalt.“

Kind: „Sieht schön aus!“

Ich: „Ja, das fand der sicher auch schön.“

Kind: „Augen auch zu, auch annemalt.“

Ich: „Der hat die Augen bestimmt zu, damit man noch besser sieht, wie schön der sich angemalt hat.“

Kind: „Aber nich vergessen abwaschen, rausgeht. Geht weg sonst.“

Das hat er sich also gemerkt. Wenn man raus geht, muss man die Schminke vorher abmachen, weil die sonst im Regen oder Schnee abgehen könnte. Hoffentlich wusste David Bowie das auch. 

Tag 151 – Dies und das und Kinderkram

Heute wieder kaum Bilder gemacht, deshalb entschieden, kein Wochenende in Bildern mitzumachen. Ha. Dafür gibt’s heute ein paar Bilder mehr (und morgen vielleicht auch, mal sehen). 

Heute morgen dachte ich kurz, dass ich verbluten müsste. Es gibt ja Frauen, die sich über ihre Periode freuen, weil das so reinigend ist und zeigt, dass alles funktioniert, wies soll. Ich gehöre nicht dazu. 

Die To-Do-Liste für dieses Wochenende ist utopisch lang, aber immerhin haben wir fast alles zumindest angefangen. Als erstes stand da: Babysachen sortieren, Kiste vom Dachboden holen (wir vermissen diverse Dinge, vielleicht waren die aber auch kaputt, man weiß es einfach nicht mehr). Hier spielt das Riesenbaby mit dem Zettel, der die Größenangabe des Inhalts der Kiste darstellt. In der Kiste mit 6-9 Monate waren die vermissten Dinge nämlich nicht drin.

 

(Der Strampler ist in Größe „6Months“ und eigentlich schon zu klein. Genauso wie die Hälfte der Sachen, die dem Kind mit 7 Monaten gut passten.)

Das Kind beschwert sich seit einiger Zeit, dass der Gurt seines Reboarder-Kindersitzes sein „Pillerlamm“ einklemmt. Deshalb haben wir heute recht kurzfristig beschlossen, dass es Zeit für einen neuen Kindersitz ist. Ich hatte da schon mal vor einem Dreiviertel Jahr (als wir den Reboarder für drölfzig tausend Kronen kauften) was vorbereitet:

  Und jetzt ist das Kind stolzer Besitzer eines neuen Kindersitzes, den es nur noch in zwei Farben (raten Sie mal) gab, dafür aber wegen dieser Farben reduziert war. Und das Kind wählte die Farbe… *trommelwirbel*… Rosa. Die eigentlich Lila/Auberginig/Himbeer ist mit Rosa Kopfstütze. Schon schick, bis auf das rosa, ich hätte ja den blauen genommen, aber es ist ja seine Entscheidung. Herr Rabe war nur froh, dass das jetzt der „letzte“ Kindersitz ist, den wir kaufen, danach gibt’s ein Kissen, wenns das dann überhaupt noch braucht. Dafür wird es den Sitz hoffentlich lange haben. Und das Baby kann dann jetzt in den Reboarder, der geht nämlich ab Geburt.  

Herr Rabe hat sich ein neues iPhone gekauft heute und dann ging noch was schief mit der SIM-Karte, was etwas Chaos war wegen schließender Läden, aber jetzt geht alles und er ist sehr glücklich. Man muss dazu sagen, dass sein altes iPhone 4S jetzt auch schon lange Jahre auf dem Buckel hatte und ich keinen Menschen kenne, der so sorgsam mit seinen Devices umgeht, wie Herr Rabe, insofern wars verdient. 

Telefonat mit dem Kind:

Kind (Wohnzimmer): *Ringring* Mama?

Ich (Küche): Ja, hallo, Kind? Was gibt’s denn?

Kind: Guten Tag.

Ich: Hallo!

Kind: Wollte Sagen, du vorbei kommen!

Ich: Hmm, willst nicht lieber du zu mir kommen? Ich hab was leckeres gekocht.

Kind: Will keinen Kuchen.

Ich: Ok, es gibt ja auch keinen Kuchen, es gibt Lasagne.

Kind: Tschühüüüss! *geht spielen*

Ich: *sehe verwirrt mein imaginäres Telefon an und lege auf*

Das Baby ist zu groß für die Babyschale am TrippTrapp:

  
Morgen wird das Babydings vom Dachboden gesucht und das neue Kissen installiert, der Tisch war leider ausverkauft heute und wird später besorgt, Dünsteinsatz haben wir auch seit heute, EBook über breifreie Beikost ist runtergeladen: es kann losgehen mit selber essen. *Hier wehmütigen Seufzer einfügen*