Tag 3201 – Wechselwarmen-Update.

Mittwoch Abend bekam ich eine sehr aufgeregte Nachricht von Michel: „Greg hat seine Haut abgenommen!“. Darauf hatte ich ja schon gewartet, und so wie Michel es schrieb, hörte es sich auch nicht so an, als fleddere Greg herum wie Monty. Aber zur Sicherheit bat ich Michel darum, zu gucken, ob die Haut denn ganz aussieht. Und ja, tut sie, tatsächlich. Offenbar hat sich Greg tatsächlich die alte Haut an einem Stück ausgezogen, wie es sein soll.

Gestern habe ich dann die vorletzte Maus und eine kleine Ratte aufgetaut, zum wöchentlichen Fütterungsversuch. Ich hielt erst Monty eine Weile die Maus vor die Nase, dann probehalber die Ratte, während Greg in Monty’s Lüftungslochecke saß und nicht rauskommen wollte. Irgendwann gab ich bei Monty auf, konnte aber auch Greg nicht aus dem Loch locken. Und weil ich dann wirklich keinen Nerv mehr hatte, wie so ein Idiot vor dem Terrarium zu stehen, spätabends und mit toten Kleinnagern in der Hand, machte ich etwas, was man auf keinen Fall machen soll und ließ die Maus und die Ratte einfach unter der Wärmelampe im Terrarium liegen. Michel trug ich auf, ein Auge und ein Ohr drauf zu haben, nicht, dass die sich dann doch ums Fressen kloppen. Als ich irgendwann die Kleinnager abholen wollte, schlief Michel aber noch nicht und ich wollte nicht beim Einschlafen stören und bin dann da aus eigener Müdigkeit drüber weg gekommen und heute Morgen waren beide Kleinnager weg. Es hat also mindestens eine Schlange was gefressen und ebenso hat eine Schlange eine Ratte gefressen. Beides sind gute Nachrichten, selbst wenn Greg beide Tiere gefressen haben sollte. Greg sieht aber nicht aus, als hätte hen zwei Tiere gefressen. Monty hat wieder die Ecke okkupiert und kommt da nicht raus, sieht aber aus, als habe hen eine Beule ca. in Größe einer kleinen Ratte, was super wäre, da war nämlich mehr dran als an der Maus. Ich hätte Monty auch gern noch etwas eingehender angeschaut, aber bekam hen, wie gesagt, nicht aus der Ecke.

Es scheint also gut ausgegangen zu sein, aber nächstes Mal muss das trotzdem anders gemacht werden, das ist ein bisschen zu gefährlich so und ich wüsste auch einfach wirklich gern, wer nun was gefressen hat. Sie sollten nach Möglichkeit eh umsteigen auf Ratten, weil Mäuse irgendwann einfach zu klein sind. Eigentlich schon sehr bald, größere Mäuse als diese gibt es gar nicht zu kaufen und die Schlangen sind ja noch im Wachstum. Eine Maus, die eher an den 31 g als an den 40 g des Lieferspektrums liegt, ist jetzt schon dünner als Greg an der dicksten Stelle, und davon soll man ausgehen. Also Futter ca. so dick wie die dickste Stelle der Schlange.

Und bei aller Liebe, aber ich werde bei der Einrichtung von Montys eigenem Terrarium darauf achten, dass da keine Ecken sind, in denen sich die Schlange einfach verkeilen kann. Das sieht hübsch aus so wie es jetzt ist, aber ist, aus Halterinnenperspektive, wirklich sehr unpraktisch.

Apropos: warum sind Terrarientaugliche LED-Pflanzenlampen denn so teuer? Saufen die Lack? 200€ für ne Lampe???

Tag 3196 – 14 Minuten.

Bin ziemlich platt, ich hatte einen weiteren Diagnostiktermin, dieses Mal musste ich vierzehn Minuten lang den langweiligsten Test der Welt machen. Mein Perfektionismus war sofort an und die Frustration über Fehler groß. Darum ging es zwar nicht, aber fand ich trotzdem interessant. Am einfachsten fiel mir die Aufgabe, wenn es die maximale Geschwindigkeit hatte und dann machte ich auch die wenigsten Fehler. Signifikant und auffallend weniger Fehler als bei niedrigeren Geschwindigkeiten. Wenn’s brennt werde ich halt fokussierter, ich schrieb es ja bereits. Ansonsten bin ich hauptsächlich sehr schnell in meiner Reaktion, auch das auffällig. Alles andere an meinem Testergebnis war normal, was heißt, dass ich vermutlich kein Problem mit Aufmerksamkeit habe. Solange die Geschwindigkeit/die Informationsdichte hoch genug ist.

Ansonsten war nichts. Monty liegt jetzt gerne auf/in den Pflanzen, Greg scheint einfach beschlossen zu haben, zu warten, bis die Haut von allein von hen abfällt und sich bis dahin nicht mehr zu bewegen. Bei Greg verläuft das aber, soweit ich das bei den wenigen Zentimetern Körper, die ich sehen kann, beurteilen kann, bisher wie im Lehrbuch. Die Reste der letzten Maus kamen noch nicht wieder raus, dann war Greg erst total matt mit einem rosa Bauch, dann noch matter, jetzt aber wieder wesentlich glänzender, nahezu normal. Das Internet sagt, dann müsste es jetzt noch 1-2 Tage dauern. Dann werden wir erfahren, ob Greg auch so rumfutzelt. Also ich nicht sofort, ich bin ab Mittwoch bis Freitag nicht da.

Ah, etwas war doch: ich bin sehr stolz auf mich, weil ich diesen letzten Akkord auf der eins im letzten Takt inzwischen nahezu immer nahezu perfekt sauber hinbekomme, Bämm, einfach da. Ja, das sind 3 Ds, zwei Oktaven und man hört Unsauberkeiten sofort, wie ein abrutschender Bohrer beim Zahnarzt ist das. Und ich kann’s. Haha!

Jetzt hab ich’s beschrien, morgen geht’s also nicht mehr.

Tag 3185 – Nope again.

Greg hat sich heute seine Maus ohne mit der nicht vorhandenen Wimper zu zucken einverleibt. Monty hingegen… Nein. Erst saß hen ewig lange in der Ecke oben und kam nicht raus, auch nicht, nachdem ich Mäuseduft im Terrarium verteilt hatte. Irgendwann kam Monty dann aber doch runter, ich hielt hen die Maus vor die Nase, Monty drehte um und kroch wieder in das Loch. Das Spiel spielten wir drei mal, dann hatte ich die Schnauze voll. Morgen schreibe ich mal dem Züchter, ob ich irgendwas besser machen kann oder ob Monty einfach ein kleines Angsthäschen ist, das noch mehr Zeit zum Ankommen braucht.

Michel kam heute aus der Schule, recht aufgebracht, aber nicht so schlimm wie auch schon. Die Lehrerin ist dieses Mal eventuell ein bisschen sehr weit gegangen und die Kinder haben sich zu 8. spontan bei der Rektorin (bzw. ihrer Vertretung) beschwert. Weil es selbstwirksame, große Kinder sind, die wissen: wenn ein*e Erwachsene*r sich daneben benimmt, muss man das nicht einfach hinnehmen. Die 8 waren übrigens alle nur Zeug*innen, wie ein Klassenkamerat schlecht behandelt wurde. Und ich bin auch sehr froh, dass Michel total entsetzt darüber ist, dass die Lehrerin behauptet, ihre eigene Tochter nicht zu trösten, wenn sie sich weh tut. Irgendwelche von den guten Absichten, die wir mit den Kindern haben, sind wohl doch angekommen, auch wenn Michel das nicht so oft so deutlich zeigt. Pippi ist da anders, die hat mich auch neulich, als ich aus Gründen, auf die ich nicht eingehen möchte, auf dem Klo geheult habe, getröstet. Ich hab ihr gesagt, dass sie das nicht muss, aber sie meinte „wenn ich traurig bin, tröstest du mich auch“. Pippi hat mich auch im Hochseilgarten angefeuert. Sie ist vielleicht einfach eher Macherin, wenn es um soziale Dinge geht.

Das Auto war beim Service. Das war alles sehr aufregend, weil sie vergessen hatten, dass ich einen Mietwagen haben möchte. Dadurch musste ich ziemlich lange warten, ohne Kopfhörer in der irre lauten Wartezone und kam am Ende in Zeitstress. Dadurch hatte ich null Zeit, mich mit dem Mietwagen auseinanderzusetzten, der obendrein komplett zugeschneit war und natürlich nur so Mini-Eiskratzer, die es für 1€ gibt. Mein Schock: der versprochene Nissan Leaf war ein Quashkai geworden. Mit so einem Ding mit vielen Zahlen! Und zu vielen Pedalen.

Naja. Ich kam bis zum ersten Kreisverkehr. Und es hilft einer Frau, die im Kreisverkehr das Auto abgewürgt hat und die offensichtlich Probleme hat, das Auto wieder in Bewegung zu bringen, gar nicht weiter, wenn man hupend und unflätig herumgestikulierend an ihr vorbei fährt. So gar nicht. Eher im Gegenteil.

(Im ersten statt im dritten Gang anfahren. Das hilft enorm.)

Tag 3178 – Irgendwas ist ja immer.

Monothematischer Schlangencontent, aber ansonsten haben wir heute auch nur geputzt, das ist denkbar unspannend (außer des Grundes für das selbst putzen – unsere Putzhilfe kam nämlich einfach am Dienstag nicht und reagiert auch einfach mal gar nicht auf unsere Nachrichten… wir wissen also nicht, ob nächsten Dienstag oder überhaupt noch mal jemand kommt. Tolle Situation, kann ich nur empfehlen (nicht.))

Heute fraßen null von zwei Schlangen ihre liebevoll aufgetauten und aufgewärmten Kleinnager. Greg schnupperte an der Maus herum, nahm sie aber nicht. Monty war generell ein bisschen zu aufgeregt zum Fressen, und häutete sich auch immer noch. Die Behandlung gestern hat ein paar große Flatschen Haut abgelöst, aber nicht alles. Nachdem Monty aber ja nun eh schon aus dem Terrarium raus und in der Fütterungskiste war, machte ich, was der Züchter uns gezeigt hatte, sprühte Monty ordentlich mit Wasser ein und massierte dann ganz vorsichtig die Hautreste mit den Händen ab. Das funktionierte recht gut und jetzt ist alles ab. Hurra!

Als ich Monty danach wieder ins Terrarium setzte, merkte ich, dass ich die Tür ein bisschen hatte aufstehen lassen. Hupsi! Dann bekam ich fast einen Herzinfarkt, weil Greg nirgends zu sehen war. Greg hatte offenbar gemacht, was Greg immer (nicht immer, nur abends) macht, sobald man die Tür öffnet, und war sich die Welt da draußen mal anschauen gekrochen. Ich hatte Michels Schlange abhauen lassen, Krise im Quadrat! Aber was ja gut ist an meinem Gehirn: wenn ich bei sowas alleine bin und keinen holen kann, der mir hilft, werde ich super fokussiert und rational und denke kurz nach, wo ich mich als Schlange wohl so hinschlängeln würde und vor allem in der Kürze der Zeit auch könnte. Und siehe da, am ersten Ort, an dem ich schaute, saß Greg. Hinter dem Terrarium.

Das Handy wollte nicht fokussieren.

Ich musste zwar Schrank und Terrarium von der Wand abrücken, um an Greg dranzukommen, und dann auch bestimmt zupacken und mit sanfter Gewalt ziehen (Schlangen sind erstaunlich stark und können sich überaus gut zwischen Wand und Schrank verkeilen), aber jetzt sitzt Greg wieder unter der Kokosnuss im Terrarium, ich habe eben zur Sicherheit noch mal geguckt und auch geschaut, dass das Terrarium wirklich ganz fest zu ist. Weil DAS brauche ich NICHT nochmal.

Tag 3177 – Tupper.

Wir sind wieder zu Hause. Monty fleddert immer noch herum, durfte ich feststellen, und ich hatte schon vor unserem Ausflug nachgeguckt, was man da machen kann, weil so soll das nicht ablaufen. Es ist auch nicht gefährlich oder so, jedenfalls nicht, so wie es jetzt aussieht, aber idealer Weise ziehen die die alte Haut einfach aus wie eine olle Feinstrumpfhose, am Stück. Nicht wie Fledderfüße. Es KANN ernsthaft gefährliche Probleme geben, zum Beispiel wenn die Augen sich nicht häuten. Aber sowohl Augen als auch Schwanzspitze sind gehäutet, aber am Körper hängt noch überall fleckenweise alte Haut. Man kann diverse Dinge tun, am schonendsten erschien mir, die Schlange komplett in ein feuchtes Handtuch gewickelt einzutuppern. Mit Luftlöchern, versteht sich. Das lässt man dann über Nacht so, und dann sollten sich alle Hautreste problemlos lösen.

Wir haben die Transportboxen noch, die musste dafür herhalten, genau wie einige der Waschlappen von Ikea, die sich hier seit über 11 Jahren wacker halten. Das praktische an den Transportboxen: die haben schon Luftlöcher. Nachdem ich Monty eingefangen und in die Box verfrachtet hatte, war ich sehr zufrieden.

Achtung! Bild, auf dem Teile von Schlangen abgebildet sind, folgt!

Greg war übrigens sehr aktiv und neugierig und kroch immer an der Scheibe rum. Als ich aufmachte, kam hen tatsächlich freiwillig auf meinen Arm und schnupperte da ein bisschen rum. Als Greg sich aber auf den Weg in meinen Pulli (durch den Halsausschnitt) machte, setzte ich hen doch lieber zurück, unter der Kleidung muss ich dann doch eher keine Schlange haben. Ich glaube, Greg hat schon wieder Hunger und ist deshalb etwas rastlos.

Aber zurück zu Monty, in der Box eingetuppert. Für etwa eine Stunde, dann brach Monty einfach aus, immerhin jetzt mit loseren Hautfetzen. Rübennase. Ich habe die Box mit geöffnetem Deckel im Terrarium stehen lassen, vielleicht ist eine große Waschlappen-Wetbox ja doch noch verlockend. Und ich weiß jetzt, dass die Transportboxen für einen echten Transport tatsächlich extra gesichert werden müssen, die halten einer halbwüchsigen Schlange, die partout nicht darin sitzen will, nicht stand. Ich hielt es noch für übertrieben, dass der Züchter die mit Tesa verschlossen hat.

Tag 3174 – To-Do-Montag.

Jaja, Ferien, aber die To-Do-Liste ist lang. Lauter Zeug, zu dem man sonst nicht kommt, wie zur Entsorgungsstation fahren und ein Auto voll Müll (alles vom alten, kaputten Messer des Rasenmähers über diverses Hartplastik wie den gestorbenen Messbecher bis zu Pappe die zu groß für die heimische Tonne ist) wegbringen. Michel hat dabei geholfen, was gut war, da war es nämlich voll und mir zu viele Leute, da ist es für mich hilfreich, wenn ich so tun kann, als sei ich nur verwirrt, weil ich mich noch um ein Kind kümmern muss.

Danach war ich bei Ikea, einen dann doch nicht benötigten Lack-Tisch zurückgeben und im Gegenzug lauter ungeplantes Zeug kaufen (Bettwäsche war im Angebot, ich war quasi machtlos).

Abends dann neue Geigenstücke ausprobiert, ich soll aus 8 Stücken 2 bis 3 aussuchen, bisher habe ich 1, das mir gefällt, 1 wäre ok, die letzten beiden (von den 8) habe ich noch nicht angegangen, weil es dann schon spät war. Die ersten 3 der 8 sind alle zu einfach, das langweilt mich. Das letzte kenne ich, das ist aber auch das einzige von den Stücken, das „man“ kennt.

Die Schlangen machen bekloppte Dinge, vor allem Monty, dier, überall Haut abwerfend, wieder herumturnt wie am Anfang. Tagsüber lagen die „ausgesprochenen Einzelgänger“ zu zwei hübschen Häufchen aufgerollt direkt nebeneinander unter einem Stück Treibholz. Ich gehe auch deshalb stark davon aus, dass es beides tatsächlich Weibchen sind, denn die sind noch lange nicht geschlechtsreif. Männchen wären das in dem Alter (die sind 8 und 9 Monate alt) schon. Greg hat außerdem das Briefing „immer verstecken, auf keinen Fall einfach irgendwo offen herumliegen“ nicht bekommen. Das ist für uns natürlich alles schön, so sieht man nämlich mal was. Allerdings kann Michel nicht gut einschlafen, wenn Monty aussieht, als würde hen sich irgendwo hin begeben, wo hen möglicherweise nicht allein wieder weg oder runter kommt. Für die, die mit Schlangen Probleme haben, sage ich jetzt auch lieber nicht, wie gut die klettern können, wie wenig Körper auf wie kleinen Vorsprüngen liegen muss, damit die sich festhalten können, und durch wie kleine Spalten die passen.

Erst ein Bild vom wunderschönen norwegischen Frühling. Dann wechselwarme Ohnbeiner.

Hach. Wunderschön, nicht wahr.
Warum auch im Haus liegen, wenn man sich auch oben drauf legen kann.
Lieblingsplatz unter der Decke. Oder Zweitlieblingsplatz, der beliebteste Schlafplatz ist nämlich ganz oben rechts im Bild, wo das dunkle Loch ist. Da ist das Lüftungsloch.

Tag 3173 – Des Rätsels Lösung.

Monty fraß nicht, nicht, weil ich hen erschreckt oder verwirrt habe, sondern weil sich Monty häutet. Dann fressen die nicht und das ist ja irgendwie auch verständlich, wenn man versucht, die komplette Haut einmal abzuwerfen. Es sieht aus wie die Fledderfüße nach Baby Feet Behandlung. Es sieht aus, als würde es jucken, oder, besser, ich assoziiere mit so trockener, abfleddernder Haut starkes Jucken. Monty selbst ist nur inaktiver als hen vorher war und sieht ein bisschen aus, als würde hen so einen billigen Plastikhandschuh, wie sie in Eierfärbesets manchmal drin sind, tragen – silbrig, und irgendwie zu weit und zu steif und deshalb Falten werfend. Eine Schrumpelschlange. Die Wetbox finden beide total uninteressant, damit die Häutung besser läuft, habe ich deshalb sehr viel gesprüht, damit die Luftfeuchtigkeit höher ist. Greg verdaut die Maus und liegt jetzt sehr gerne abends oben auf dem Steinhaus, direkt unter der Wärmelampe, und lässt sich die Wärme auf den Kopf und den Mäusewanst strahlen. Greg wirkt sehr zufrieden, das kann man von Monty grade nicht behaupten. Aber das wird schon wieder.

Tag 3169 – 3171 – So viel los.

Mittwoch: wir alle waren bei Pippis letztem Kletterkurstermin zum Familienklettern eingeladen. Da waren wir auch alle, sogar Michel (unter Protest) und sind geklettert. Pippi natürlich allen voran. Pippi hat mich auch sehr süß im Hochseildings da angefeuert, als ich mir in vier Metern Höhe fast in die Hose machte vor Angst. Aber wenn man so mitten drin ist, kann man ja auch nirgends hin außer weiter auf dem Kurs. Gestern und heute hatte ich Muskelkater aus der Hölle. Michel auch, der ist dann nämlich doch erstaunlich viel geklettert.

Gestern war Inspektion. Das war viel. Und viel Chaos, das war es auch. Langer Tag.

Heute war weiter Inspektion, aber aus dem Homeoffice heraus, das ist schon wesentlich besser und da muss ich auch nicht um halb acht in Zügen sitzen.

Abends haben wir den Schlangen das erste mal Futter gegeben. Also, effektiv nur Greg, aber angeboten haben wir eine köstliche TK-Maus, wohltemperiert, natürlich beiden. Greg schnappte quasi sofort nach der Maus und erwürgte sie dann auch brav. Fast hätte hen die Pinzette gleich noch mit erwürgt. Ich hab mich bei dem Schnapper auch nur ein bisschen erschreckt, ähäm. Im Anschluss an die „Erwürgung“ schnupperte Greg einigermaßen aufgeregt an hens Beute herum, fand dann aber doch irgendwann raus, wo vorne ist und verschlang das Tier in der ca. Fünffachen Dicke seines Halses mit allem, Kopf voran. Das war faszinierend anzusehen. Und etwas morbide.

Monty bekam auch eine Maus angeboten, schnappte auch danach, aber ich erschreckte mich so, dass ich die Maus fallen ließ. Dann legte sich Monty drauf und machte mit dem Körper das federnde S, immer auf meine Hand fokussierend. Das war mir dann zu heikel, mit einem hastig gesuchten Plastikschwert stupste ich Monty weg und holte die Maus wieder raus. Monty fand die Maus dann aber nicht mehr essbar und verzog sich wieder in sein unerreichbares Loch. Greg verdaut. Morgen oder übermorgen probieren wir es dann nochmal, mit Monty und einer frischen Maus.

Tag 3166 – Sonntag.

Es war sehr sonnig heute, der ganze neue Schnee hübsch beleuchtet und glitzernd bei blauem Himmel. Das ist schon ganz nett, erfordert aber Sonnenbrillen (für alle, für mich erfordert nahezu jedes Lichtverhältnis eine, außer Nacht). Ich war auch ganz froh, dass ich heute Schlangenfutter abholen gefahren bin und nicht gestern. Die Stunde Gegurke über Land (etwa da hin, wo die Meerschweinchen mal Sommerurlaub auf dem Bauernhof gemacht haben) hätte in horizontalem Schneetreiben sicher noch weniger Spaß gemacht als heute. Heute war es wenigstens nur stellenweise glatt, stellenweise voller Schneematsch und stellenweise sehr nass. Aber jetzt liegen im Gefrierschrank ausreichend Futtertiere für ein paar Wochen. Ich finde das immer noch ein bisschen seltsam, muss ich sagen. Dabei liegen die im Gefrierschrank auch nur neben den (Teilen von) ebenso toten und ebenso eingefrorenen Futtertieren für Menschen, da müssen wir auch mal wieder was von essen, aber das ist ein anderes Thema (eins, das ich dauernd vergesse, weil wir ja nur alle Jubeljahre Fleisch essen und noch viel seltener welches kaufen).

Ansonsten war nix. Ich habe es nicht über mich gebracht, meine Steuererklärung zu machen, da muss ich das ganze Gedön, was noch in Deutschland ist (Berufsunfähigkeitsversicherung und ähnlich sexy Dinge), von Hand eintöckeln und kriege schon Hass, wenn ich daran denke. Können die Banken das nicht endlich international kommunizieren? Das wäre sehr schön. Das ist wirklich das einzige, was mich an der norwegischen Steuererklärung immens nervt. Ich habe aber auch noch bis Ende April dafür Zeit, Herr Rabe hat seine noch nicht mal bekommen, insofern ist alles gut und nichts dringend.

Tag 3165 – Tief atmen.

Es schneit schon wieder. Es war grad auf den Straßen alles weggetaut und weggeregnet, selbst auf dem Hof waren nur noch Schneereste und jetzt schneit es wieder, in der Version „super nass und klebt sofort zu einer Eisschicht zusammen“. Es ist zum heulen. Ok, nicht für alle, manche wollen ja Ostern Ski laufen und bezeichnen frischen Schnee Ende März bis Anfang April als „Osterstimmung“. Ich bezeichne das als FALSCH. Osterstimmung ist singende Vögel und blühende Narzissen, deshalb heißen die ja auch OSTERglocken. Osterstimmung ist nicht weiße Eier im Schnee suchen.

Ansonsten heute langsamer Tag mit Eskalation am Ende, Streit mit Michel, auch das ist… puh, alles, und er pubertiert ja noch nicht mal. Es kann also noch sehr viel spannender hier werden, als es eh schon ist. Hurra. (Muss das mit dem nicht-Trinken noch mal überdenken… Nein. Und eigentlich sollte man darüber auch nicht frotzeln.)

Gut:

  • in meiner Geige-üben-App stolperte ich zufällig in Ray Chens Übe-Session und das war sehr unterhaltsam und auch sehr lehrreich (und andere würden bestimmt „inspirierend“ sagen, aber ich mag das Wort so gar nicht).
  • Später, als ich selbst übte, besuchte mich eine in meiner Session, mit der ich da hin und wieder Kontakt habe, eine Tierärztin aus Australien, die ebenfalls als Erwachsene das Instrument wieder aufgenommen hat und etwa das gleiche Level hat. Da konnte ich mein Leid über die Doppelgriffetüden klagen und wurde verstanden und bekam Zuspruch, Hurra! Die Etüden sind aber auch tricky, aber das Gute daran ist: die sind nur bei den ersten 2-3 Malen schlimm, danach geht es recht schnell bergauf. Ich spiele die so vielleicht 10-ish mal, einzelne Passagen öfter, bis es sich passabel anhört und nicht mehr anfühlt, als würden sich meine Finger verknoten, und dann fange ich die nächste an. Gut genug ist dabei echt gut genug, ich will damit ja nicht auftreten, ich will nur die innere Hemmschwelle vor Doppelgriffen und Akkorden abbauen und auch schneller vom Blatt ablesen können.
  • Abends, als hen aktiv war, holte ich Monty für ein paar Minuten aus dem Terrarium. Die sollen sich ja schon daran gewöhnen, angefasst zu werden. So ein mal pro Woche, sagte der Züchter, kann man das ruhig machen, sollte man vor allem am Anfang auch, weil man sie ja einfach hin und wieder anfassen MUSS (sauber machen, Tierarzt, etc.) und dann ist es halt gut, wenn sie nicht total panisch werden, weil sie das nicht kennen. Monty ließ das über sich ergehen, ohne fauchen oder sich zusammen rollen, und schnupperte irgendwann auch neugierig meine Hand an, was ganz schön kitzelte. Hach. Zurück im warmen Terrarium machte hen sich aber ohne Umwege auf in das Lüftungsloch. Happy place.