Tag 88 – Pupsgesicht

Wie ich einmal versuchte, Holz zu kaufen.

Heute war ich ja für die Abholung des Feuerholzes am Gefängnis verabredet. Die Abholung war nur zwischen 08:30 Uhr und 14:30 Uhr möglich, da Herr Rabe von 07:30 Uhr bis 15:30 Uhr arbeitet, musste ich das also machen. Ist ja auch gar kein Problem. Eigentlich.
Erstmal musste ich den Kindersitz des Kindes aus dem Auto ausbauen. (Daran ist Herr Rabe beim letzten Mal gescheitert. Zugegebener Maßen musste ich aber auch vor dem ersten Einbau ein YouTube-Video ansehen, weil ich die Bedienungsanleitung für den Kindersitz nicht fand. Als erstes wurde im Video erklärt, wo die Bedienungsanleitung ist.) Der Einbau und auch Ausbau ist total einfach – wenn man weiß wies geht. Und der Kindersitz wiegt ungefähr eine Tonne. Das heißt das schlimmste am Kindersitz ausbauen war dann das Schleppen in den Hausflur. Dann legte ich den breiteren Teil der Rückbank um, fuhr mit dem Baby und dem vorbereiteten Auto zum Muttisport, sportete herum und fuhr direkt danach zum Gefängnis. Schrieb eine SMS, dass ich jetzt da sei und bekam etwas später eine Antwort: Fahr rein.
Huuuuhhhh, aufregend, ins Gefängnis fahren. Ist ja Blödsinn eigentlich, aber genauso wie Polizisten aller Art flößen mir Gefängnisse einen Heidenrespekt ein. Und auch Gefängnisangestellte. So wie der M., mein Holzkaufkontakt. Er erklärte mir kurz, wo ich hinfahren soll, einmal ums Gebäude rum und dann da hinten ist das Holz. Da fuhr ich hin. Er ging das Stückchen zu Fuß. Ich stieg aus, er rief ich solle noch näher an die Stapel ranfahren. Der Abstand Auto – Holz betrug zu diesem Zeitpunkt ca. fünf Meter, ich hätte mir durchaus zugetraut, das Holz diese fünf Meter zu tragen, aber nun gut, der macht das ja häufiger und will wahrscheinlich seinen eigenen Rücken schonen, dachte ich mir. Bestellt hatte ich zehn Säcke á 60 L. Der M. warf einen Blick in das Auto, auf das (schlafende) Baby, in das Auto. Fragte mich, wo ich denn das Baby lassen wolle. „Das Arme!“. Ich sagte, wir könnten ja sehen, wie viel wir reinbekommen ins Auto, im Zweifel müsse das Baby halt mal auf den Beifahrersitz für die zehn Minuten Autofahrt, in Norwegen, durch Wohngebiete. Ob ich denn den Airbag ausstellen könne. Ich (zu ehrlich für mein eigenes Wohl) verneinte. „Oh.“, meinte M., „Das Arme! Wir werden mal sehen, packen sie das Baby mal auf die andere Seite, klappen sie das mal hoch und diese Seite hier runter. Aber viel kriegen wir da nicht rein, das seh ich so schon.“ Ich so: sagte nix. Baute das (schlafende) Baby aus, klappte die breite Seite wieder hoch und die schmale runter, baute das (schlafende) Baby auf der breiten Seite der Rückbank wieder ein. M. warf noch ein paar weitere Blicke auf das (schlafende!!!) Baby und sagte jedes Mal „Das Arme!“. Dabei packte er mir drei Säcke ins Auto. Als ich mit der Babyumpflanzerei fertig war, „Das Arme!“, schnappte ich mir auch eine Sack und stopfte ihn hinter den Beifahrersitz in den Fußraum. „Kommt das Baby jetzt doch nach vorne? Dann kann ich Sie nämlich nicht fahren lassen! Das ist ja sehr gefährlich! Das verantworte ich nicht!“ Ich so: „Nein. Aber hier passt ja locker noch was hin, auch wenn da das Baby ist.“
Was ich hätte sagen sollen wäre sicher eher was in die Richtung gewesen, dass das ja wohl nicht sein Problem ist, dass ich zu schätzen weiß, dass ihm seine Mitmenschen nicht egal sind, mir das aber im Vorfeld bereits reiflich überlegt hätte und das Risiko als extrem gering einschätze, dass uns ein Unfall, der für das Baby auf dem Beifahrersitz fatal wäre, passieren könnte. Aber ich sagte nichts. Ich sagte auch nicht, dass ich nicht verstände, weshalb das Baby auf dem breiten Bankteil fahren soll, wenns doch auch locker auf den schmalen passt und dann mehr Platz ist. Ich sagte auch nicht, dass sowohl hinter dem Fahrersitz, als auch auf dem Beifahrersitz (da muss man so nen Sack natürlich anschnallen und der Sitz wäre hinterher dreckig, aber möglich ist es!) noch Platz für jeweils einen Sack war. Der M. packte mir also noch zwei Säcke drauf und meinte dann: „So, mehr geht jetzt aber wirklich nicht mehr rein. Ich will Ihnen das Auto auch nicht so voll machen, mit dem Baby, dem Armen! Wissen Sie was, ich fahre den Rest auf den Parkplatz draußen. Sie haben ja sicher einen Mann, dann schicken Sie den nochmal her für den Rest. Ohne Baby.“
Spätestens an dieser Stelle hätte ich dem M. mal ein paar Takte zu seiner sexistischen Kackscheiße, die er da grade von sich gab, sagen sollen. Und ihm mal sagen sollen, dass mich das sehr stört, dass er die ganze Zeit „Das Arme!“ zu meinem friedlich schlafenden Baby sagt. Dass ich mich bevormundet und herabgesetzt fühlte durch sein Verhalten.
Leider war ich inzwischen so aufgebracht, dass ich höchstens ein wütendes „Du bist ein blödes Pupsgesicht!!!“ mitsamt Wuttränen herausgebracht hätte. (Da muss ich noch an mir arbeiten.) Also sagte ich: ok. Und fuhr mit meinem halbleeren Auto nach Hause. Ich war so wütend, dass ich einen riiieeesigen Umweg fuhr, aber als ich zu Hause war, hatte ich mich halbwegs abgeregt. Immerhin. Und das Baby schlief noch immer.

2015-11-06 12.17.08

Mehr darf ich als Frau nicht in meinem Auto transportieren. Wegen dem Baby. Dem Armen.

Ich schaffte es sogar noch, die sechs Säcke Holz aus dem Auto in den Hausflur zu bringen, bevor das Baby aufwachte. Eineinhalb Stunden, einmal Stillen, zweimal wickeln und einmal Tran ins Baby füllen später brachen wir dann wieder auf, den Rest vom Holz holen. Über seine Anordnung, meinen sicher vorhandenen Mann zu schicken, habe ich mich elegant hinweggesetzt. Die restlichen Säcke waren dann auch fix im (wieder halb leeren) Auto verstaut und zu Hause wieder ausgeladen.
Immerhin hat sich der M. bei den Säcken verzählt und jetzt haben wir elf Säcke zum Preis von zehn plus ein paar meiner Nerven.

Und was war das Schlimmste an der Geschichte? In einem der Säcke saß ne fette Spinne. Und jetzt werde ich die nächsten Wochen immer wenn ich mit meinem Auto fahre (in dem ja Spinnenverseuchtes Feuerholz war) Phantomkrabbeln im Nacken spüren.

Danke, M. Du Pupsgesicht.

Tag 86

Heute morgen mal wieder festgestellt, dass das Kind immer langsamer wird, je mehr man es hetzt. Unfassbar, wie langsam so ein Kleinkind werden kann ohne Moos anzusetzen. Im Endeffekt mit dem Auto zur 700 m entfernten KiTa gefahren, ich Umweltsau. Aber wenn man um 09:28 vor dem Haus steht und um 09:30 da sein sollte, weil Mittwochs Ausflugstag ist und sie um 09:30 aufbrechen, ergibt sich da ein Zeitproblem. Schuld daran dass ich das Kind hetzen musste war übrigens das Baby bzw. dessen undichte Windel im eigentlich geplanten Moment des Aufbruchs. Ein chaotischer Start in den Tag.


Beim Gefängnis angerufen. Das Gefängnis hat nämlich das billigste Feuerholz hier in Trondheim. Freitag werde ich da hinfahren und 10 Säcke á 60 L Holz abholen, für 350 NOK (ca. 40 €). Dann können wir endlich unseren Kamin wieder beheizen, jetzt wo Herr Rabe bei YouTube gelernt hat, wie man das voll supi hinkriegt ohne alle 5 Minuten dran rumzustochern (was mich wahnsinnig macht).


Mittagessen mit Kollegin. Kollegin ist krankgeschrieben wegen Stress. Sie ist alleine für alle Bestellungen des Instituts verantwortlich, also ca. 200 Leute sagen ihr, was sie brauchen, sie bestellt das dann, bucht die Kosten auf die Projekte, nimmt die Bestellungen in Empfang und verteilt sie an die richtigen Empfänger. Das alles auf ner 70 %-Stelle, weil getrennterziehend mit 3 Kindern (4, 7 und 10 Jahre). Im Endeffekt hat sie seit September letzten Jahres 130 % gearbeitet (10-12 Sundentage, wenn der Ex die Kinder hat etc.). Jetzt hatte sie ein Feedbackgespräch mit ihrem Chef, es sollte darum gehen, wie man sie entlasten kann, also konkret ob und ab wann man eine weitere 50 %-Kraft einstellen könnte. Statt dessen ging es dann darum, wie sie im Homeoffice noch mehr arbeiten kann, wenn sie mit kranken Kindern zu Hause ist. Was sie gar nicht will. Jetzt ist sie krankgeschrieben, weil sie aus der Besprechung rausging und nicht mehr atmen konnte. Nein, auch in Norwegen ist nicht alles rosig…


Statistikkurs, letzte Vorlesung. War.


Statistikaufgaben gemacht, geht halbwegs. Hab mir ne app runtergeladen für die komplizierteren Rechnungen, sogar eine die Geld gekostet hat (ich bin da sonst extrem geizig). Macht leider nicht was ich will und ich weiß nicht warum. Seufz.


Das Baby schläft super viel. Ich glaube es ist, weil es sich jetzt ziemlich zuverlässig auf den Bauch drehen kann, das muss erstmal verdaut werden. Leider krieg ich es nicht so ganz hin, die Schlafpausen für mich zu nutzen (also vielleicht auch mal zu schlafen oder so) sondern mache da Quatsch wie Statistikaufgaben, Wäsche zusammenlegen und Gefängnisse anrufen.


Schon wieder vergessen, einen Termin für Dezember bei der allerbesten Friseurin der Welt zu machen. Ngaaaaa. Stilldemenz ist kein Mythos, ich sag es Ihnen. Dabei hab ich diesen Termin sehr sehr nötig. Haarausfall nach ner Geburt ist nämlich leider auch ganz und gar kein Mythos und ich beginne, etwas lustig auszusehen mit meinen dezent kahlen Schläfen.


Sauerteige angesetzt, damit ich morgen beim WMDEDGT wenigstens ein bisschen was zu tun habe. Sonst wär das eher so: Kind wegbringen, Stillen, Wickeln, Stillen, Wickeln, Stillen, Wickeln, Ballet, Bloggen, Bett.


Nacht vier, die das Kind ohne Windel verbringt. Hat bisher zwei von drei Nächten geklappt (das eine mal war eigentlich nur ein winziges bisschen, ehrlich!) und ich kann es kaum fassen!!!Einself! Vielleicht ist der kleine Zwerg tatsächlich komplett trocken?!? (Das jetzt hier zu schreiben ist der Härtetest. Murphy und so, Sie verstehen.)