Der erste Inspektionstag war noch nicht so schlimm und ich war um sieben zu Hause. Quasi Luxus. Totaler Luxus: abends was vernünftiges essen (von Herrn Rabe zubereitet), Pippi ins Bett bringen, einen Spaziergang machen und noch ein bisschen Geige spielen. Sogar duschen war ich. Fast wie so jemand mit einem normalen Job. Man sollte vielleicht dazu sagen, dass ich zur Site nur 30 Minuten mit dem Auto fahre, ich habe also die für mich kürzest mögliche Anreise und muss dadurch auch erst um viertel nach acht los. Morgen auch noch ungeschminkt, da spare ich noch mal 10 Minuten vor dem Spiegel. Wie im Urlaub, ey.
Leider liegt jetzt ein Schniefnasenmichel hier in unserem Bett. Also leider sowohl weil er schnieft (armer Zwerg) und weil er in unserem Bett liegt (arme wir). Ich werde wohl gleich in sein Bett umziehen. Meh.
Heute haben wir bei der Arbeit was lustiges gemacht (oder was Leute wie wir halt so lustig finden, ne?), aber ich darf nicht drüber sprechen.
Ansonsten habe ich zwar die letzten Tage viel (viel viel VIIIIIEEEEL) zu viel gearbeitet, bin aber jetzt on Track mit allem. Also auf sowas wie null. Näher an Null komme ich nicht mehr.
Uff, das war saumäßig anstrengend. Dagegen wird mir die nächste Woche (Inspektion) wahrscheinlich wie Urlaub vorkommen.
Heute ging’s weiter mit der Politik und ich packe mir nur noch an den Kopf. Aber wenigstens bin ich meinen Senf losgeworden.
Ansonsten Inspektion, langer Tag, aber nur einer. Morgen Büro, übermorgen Kopenhagen (ab nachmittags).
Laune eigentlich weiter zum was zerhacken, aber besser kontrollierbar als gestern. Vielleicht lags auch an vielen Meetingraum-Keksen. Inspektion macht dick.
Die Inspektion war echt ok, aber sehr (sehr) anstrengend. Ich bin jetzt wieder da, aber nicht gesprächig, eher im Gegenteil. Außerdem musste ich heute nach der Inspektion noch beim Piercingstudio vorbei, weil ich den einen Stecker im Ohr ums Verrecken nicht mehr rein bekam (nach 4 Tagen und ein anderer ging problemlos rein, also an zugewachsen lag es definitiv nicht, nur an dicken Fingern und mit kleinen Dingelchen rumfriemeln ohne was zu sehen). Also noch mehr mit Leuten reden. Dann nach Hause und all das ohne Kopfhörer, die waren nämlich leer. Dass ich niemanden erschlagen habe, grenzt an ein Wunder. Auch, dass ich das nicht schon an einem der anderen Tage gemacht habe. Warum tragen manche Leute so viel Parfum? Nicht nur Frauen/Mädchen, auch Männer/Jungs. Man muss doch nicht in Moschus baden, um wohlriechend zu sein! Manche missverstehen aber scheinbar den Sinn einer Dusche und übertünchen starke Shampoo-Gerüche eiskalt mit Moschus. Mozart und andere Perückenheinis wären bestimmt stolz. Moschus ist das Vanille der Männerparfums. Also – nichts für mich. Uahrgh.
Außerdem war gestern ultimatives Zugchaos. Es fuhr einfach gar nichts. Herr Rabe schrieb mir das glücklicherweise, sodass ich direkt vom Hersteller aus ein Taxi nehmen konnte. Aber ein Taxi von Oslo bis nach Eidsvoll ist schon auch nicht billig, um das mal vorsichtig auszudrücken
Die Inspektion ist echt ok, aber die Fahrerei gestaltet sich wegen des nach wie vor unter Wasser stehenden Bahnhofs schwierig und langwierig. Jetzt muss ich dringend schlafen, morgen geht es sehr früh wieder raus.
Ein letzter Inspektionstag, ein Gruppenfoto, ich durfte die Adiletten behalten (als Andenken) und jetzt sitze ich schon wieder im Flugzeug. Das Internet ist so lala, es bleibt irgendwie immer zwischen Mitternacht und ein Uhr, ich würde gerne Zähne putzen und dann schlafen, aber das Anschnallzeichen leuchtet. Vielleicht putze ich einfach hier am Platz? Es schaukelt sehr, wer weiß, wann sich das beruhigt.
Und wer weiß, ob ich das jetzt hochgeladen bekomme. Naja. Gute Nacht jedenfalls.
Ich sitze auf gepackten Koffern. Ein bisschen wehmütig bin ich ja schon, andererseits freue ich mich auch echt wie Bolle auf zu Hause.
Die Essensreise wurde heute mit einer Schalentiersuppe beendet, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, die aber sehr sehr lecker war. Auch wenn es echt nicht leicht ist, mit Stäbchen die Muschel aus ihrer Schale zu rupfen.
Ist platt zum Quadrat ein Viereck oder ein Würfel? Es ist schwierig.
Jedenfalls bin ich sehr fertig. Der Tag war anstrengend, wir haben aber ausgesprochen gut gegessen (ich werde immer mutiger und habe einfach durch zeigen auf die Karte irgendwas nach Optik bestellt – und es war super. In einem Restaurant im Einkaufszentrum nebenan) und auch gut inspiziert. Zum Tagesabschluss habe ich noch einen kleinen Spaziergang durch die Straßen hier ums Hotel gemacht und dabei tatsächlich Ecken gefunden, die nicht bis zur scheinbaren Sterilität sauber waren.
Ach, und wussten Sie, dass Menschen in Korea ständig ihre Zähne putzen? Nach dem Mittagessen gehen alle zusammen Zähne putzen, die Firma hier hat Mundwasserspender auf dem Klo und die Mitarbeiterinnen haben Zahnbürsten und Zahnpasta auf dem Klo geparkt – da gibt es dafür extra einen Schrank. Ich muss sagen, das finde ich nicht das schlechteste.
Der erste Inspektionstag ist überstanden. Offen gestanden bin ich ziemlich fertig, kämpfe immer noch gegen den Jet lag an (teils eher mäßig erfolgreich, so wie heute morgen um zwei, als ich hellwach war, und auf dem Rückweg im Taxi, als ich einschlief) aaaaaber ich glaube, es ist ganz ok gelaufen bisher. Mein Mit-Inspektor, den ich ja gestern das erste mal überhaupt in 3D gesehen habe, ist sehr nett und überaus professionell. Die in der Firma sind auch nett und nicht so yes-mam-unterwürfig wie in Indien, sondern halt Profis, die ein Nischenprodukt herstellen. Ich glaube allerdings, dass sie uns vorgaukeln, geschlossen kein Englisch zu können. Ich habe zwar eine sehr professionelle Dolmetscherin, aber das hier ist ja nicht tiefste mongolische Provinz. Vom Rest der Kultur her bekommt man eher den Eindruck, ein bisschen mehr westlich wäre ca. New York. Die Leute sind auch überwiegend sehr jung, maximal mein Alter und drunter. Dass die kein Wort Englisch sprechen können die ihrer Oma erzählen, vielleicht dolmetscht die das ja dann. Es ist außerdem ein bisschen offensichtlich, schon zu antworten, sobald ich ausgesprochen habe statt auf die Dolmetscherin zu warten. Whatever, so kann ich üben, mit Dolmetscherin zu arbeiten. Auch ok.
Noch seltsamer als das angebliche nicht-Englisch-können war aber, dass wir gebeten wurden, im Meetingraum unsere Schuhe auszuziehen und Badelatschen anzuziehen. Ich hatte Ballerinas ohne Socken an und war mir für den Rest des Tages meiner Zehen übermäßig bewusst. Für morgen habe ich schon Socken in den Rucksack getan.
Und dann war da noch das Schild auf dem Damenklo, auf dem etwas mit knapp 10 Ausrufezeichen auf Koreanisch stand. Bis ich das aber mit Google translate-Bildersuche raushatte, was vor den vielen Ausrufezeicheb kam, war es aber schon zu spät. Auf dem Schild stand:
Um sieben aufstehen war überhaupt kein Problem. Bis sieben schlafen hingegen schon. Mein Körper fand irgendwie noch nicht, dass Nachtschlafzeit sei und war dauernd wach. Heute war ich deshalb einigermaßen groggy und hatte ein großes Bedürfnis nach sehr sehr viel Kaffee.
Mittags, als mir vorm Computer fast die Augen zufielen, holte ich mir deshalb einen im Shoppingcenter nebenan und machte dann einen Spaziergang, in den Park, der laut Google Maps etwa 1 km vom Hotel entfernt ist. Dabei lernte ich folgendes:
Meine Kreditkarte war für „Asien 1“ gesperrt. Jetzt ist sie entsperrt.
In Korea gibt es nirgendwo draußen Mülleimer. Interessanterweise fliegt aber auch kein Müll rum.
Bei gefühlten 95% Luftfeuchtigkeit und 25 Grad lächelt mein Deo einmal resigniert und macht dann einfach Feierabend.
Koreanischer Park ist mit Mauer drumrum und es gibt nur einen Eingang. Der ist nicht einen, sondern ca. 1,5 km vom Hotel entfernt, und man muss die ganze Zeit an der Hauptstraße lang. So romantisch!
Koreanischer Park ist ebenfalls für mich Hilfsnorwegerin viel zu steril.
Naja, es erfüllte seinen Zweck, danach war ich wacher. Und nass und hatte meinen Kaffeebecher immer noch in der Hand.
Im Laufe des Nachmittages kam auch mein Supporting Inspector an und wir gingen abends zusammen ins Hotelrestaurant essen. Der Inspector ist sehr nett, genau wie in Teams, auch in live. Scheinbar hat der Lieblingskollege in internationalen Fora von mir erzählt und die Erwartungen sind jetzt nicht niedrig. Ähäm.
Heute war ich etwas mutiger und bestellte Bibimbap. Da es mein erstes Mal Bibimbap war, zeigte mir der Kellner auf seinem Handy ein YouTube-Video, wie man das isst. Dem leistete ich Folge und es war wirklich sehr sehr lecker. Besonders lecker war etwas, das ich erst für frittierte Zesten von irgendwas hielt, bis ich entdeckte, dass jede der kleinen Zesten an einem Ende Augen hatte. Es waren winzige Fische, frittiert und sehr gut gewürzt. Und das Kimchi, das war auch sehr lecker. Und überhaupt – ich denke, das wird wieder so eine Essensreise wie nach Indien. Mjammi.
Zum Frühstück war ich auch schon mutig gewesen und habe etwas gegessen, von dem ich nur annahm, zu wissen, was es ist. Ich hatte aber recht.