Tag 2086 – Nix zu erzählen.

Das spannendste, das ich heute gemacht habe, war, etwas mehr als eine Stunde Geige zu spielen. Mit meinem reparierten Bogen geht das gleich wieder ein wenig besser, ich bin sehr zufrieden. Meine Fingerspitzen weinen ein wenig, die müssen halt erst wieder ein bisschen Polster wachsen lassen.

Kontaktlos Eier und Kartoffeln geholt habe ich auch. Hui, Action.

Gestrichen haben wir immer noch nicht. Langsam nervt es mich, dieses Schneckentempo.

Eine sehr vorhersehbare, kitschige, trashige Ballettserie angefangen. Genau richtig für mein Coronamüdes Hirn.

Tag 887 – Familienbett-Rant.

Auch, was war das schön, damals, als Michel ein Baby war. Er schlief im von Herrn Rabe selbst gebauten Beistellbett direkt neben mir. Meistens lief es so ab: Michel wurde gestillt, gewickelt und dann in seinen Schlafanzug gepackt, eingepuckt, ins Bett gelegt und schlief dann recht fix ein. Wir konnten sogar rausgehen, während er noch wach war. Übers Babyphone hörte man exakt nichts und irgendwann tiefe Babyschnaufatemzüge. Ich klopfte mir feste auf die Schultern und fand, ich müsste ja alles richtig gemacht haben, dass mein Baby so super einschläft. Auch wenn er natürlich nicht durchschlief, ich stillte mehrmals nachts, aber da ich damals noch nicht raushatte, wie man im Liegen stillt, war ich ja eh jedes mal wach und legte ihn, sobald er satt war, wieder in sein Bett zurück. Später bekam er die Flasche nachts, aber auch der Mann legte ihn nachts wieder zurück. Als Umzugsvorbereitung wollten wir eine Beistellbettentwöhnung machen und stellten sein neues Babygitterbett immer weiter von unserem Bett weg. War auch kein Problem.

Dann zogen wir nach Norwegen, alles war furchtbar aufregend, Michel schlief quasi mit Kindergartenanfang gar nicht mehr und schon gar nicht in seinem Bett. Stunden, wirklich Stunden im Plural und GROß verbrachten wir als Einschlafbegleitung neben dem selben versch*ssenen Babybett, in dem er doch in Deutschland noch prima geschlafen hatte. Und er schlief nicht. Er erzählte, stand wieder auf, rüttelte an den Gittern, hopste in seinem Schlafsack. Wir bauten die Gitter ab, weil wir dachten, dass er sich vielleicht eingesperrt fühlt. Er hopste nicht mehr, war aber trotzdem nach dem Hinlegen noch ewig wach und laberte uns Knöpfe an die Backe. Wir sangen, wir lasen vor, wir verhielten uns möglichst langweilig und nicht-responsiv, NICHTS half. Und immer wenn er dann eingeschlafen war, ging der Zirkus nach maximal zwei Stunden von vorne los. Gerne auch mit Brüllen. Ich glaube, es dauerte keine drei Wochen, bis wir die Segel strichen und Michel, wenn er nachts wach wurde, zu uns ins Bett holten. Wo er dann mehr oder weniger gut weiterschlief, aber allemal besser als in seinem Zimmer, wo ja jemand dann auch auf dem kalten Fußboden neben ihm hocken musste. Stundenlang. Interessanterweise konnte er ab da auch besser einschlafen – war ja eh nur für ein paar Stunden. Nach einem viertel Jahr ca. Hatte Michel raus, dass er auch einfach zu uns kommen kann, statt uns übers Babyphone wachzubrüllen uns sich holen zu lassen. Und kam fortan von selbst in unser Bett gekrochen. Heute weiß ich: das war der Anfang vom Ende. Damals dachte ich: Der wird schon nicht für immer in unserem Bett schlafen wollen.

PUSTEKUCHEN! Dieses Kind wird vermutlich auch noch mit 15 seine*n erste*n Partner*In mit in unser Bett schleifen! Ich kriege bekanntermaßen schon bei zu viel Nähe zu viel und dann ist das ja nicht nur Nähe! Familienbett, das klingt kuschlig und nach süß duftenden Babyfüßen und kleinen Babynasen, die niedlich rumschnaufen. Vergesst es! Familienbett ist kleinkindliches Zähneknirschen, Schnarchen wegen vergrößerter Polypen, Füße, die sich in den Unterhosenbund mogeln und dann mit den Zehen das Gummi schnippen lassen, Hände mit rasiermesserscharfen Fingernägeln, die sich unter den Rücken schieben, Beine, die sich auf volle Blasen legen, Arme, die einem volle Möhre in das schutzlose, weil verdammt noch mal schlafende Gesicht hauen. UND DABEI SCHLAFEN DIE! Es kommt noch das nicht-schlafen hinzu, wenn man dann nachts direkt ins Ohr gebrüllt bekommt, Banane verfüttert, das Bett abzieht, weil unverdaute oder verdaute Flüssigkeiten drin gelandet sind, wenn man mit Wutanfallzwergen wrestelt, die mit allen Vieren auskeilen, weil ihnen hinter dem rechten Ohr was juckt und sie das nicht mitteilen können, weil sie mit „NEIIIIN!!! NEIIIIIN!!!“-Brüllen beschäftigt sind. DAS, meine Lieben, ist Familienbett. Und ich sag das jetzt mal nicht durch die Blume: Sex hat man auch nur noch alle Jubeljahre. Einstmals hatten Herr Rabe und ich ein erfülltes und reges Sexleben. JETZT HABEN WIR DAS GOTTVERDAMMTE FAMILIENBETT! Was ein Tausch! Lose-lose! Ich höre schon die süffisanten „also man kann ja nicht nur im Bett…“-Kommentare, und soll ich euch was sagen: Das geht euch nen Scheiß an, wo ich gern Sex habe. Solange das nicht auf Eurem Küchentisch ist, jedenfalls. Und im Übrigen ist für mich das Bett nicht nur ein Ort für entweder Schlafen oder Sex. Ich kuschle zum Beispiel gern mit dem Mann. Ja, das können wir auch auf dem Sofa. ABER DAS IST NICHT DAS GLEICHE! Ich habe auch große Teile meiner Master- und kleinere Teile meiner Doktorarbeit im Bett geschrieben. Weil das Bett der beste Ort der ganzen Welt ist! Ich lese da, ich regeneriere da und all das geht nur mittelgut, wenn ich auf 20 cm an den Rand geschoben werde und mir „ööhnnnn, öhnnnn!“ Ins Ohr gestöhnt wird, weil mein funzliges Leselicht an ist und man da ja nicht schlafen kann. Kleiner Tipp, Kind: in deinem eigenen Bett ist Platz und es ist dunkel und keiner atmet für deinen Geschmack zu laut!

Was ich auch nicht mehr hören kann: Ihr braucht ein größeres Bett. Nein. Dieses Kind würde auch in einem doppelt so großen Bett auf mir drauf liegen wollen. Dann wären eben 2 m Bett leer, 1 m Herr Rabe, 20 cm Michel und ich. Noch so was: macht doch ein Matratzenlager! WIE WOHNLICH! Und so gesund! Matratzen auf den Boden legen ist mindestens wegen Rücken, aber auch wegen Schimmel eine echt schlechte Idee. UND ICH WILL DAS AUCH EINFACH NICHT! Das ist mein Schlafzimmer, mein Tanzbereich, es reicht, dass alle anderen Räume von den Kindern gekapert sind und ich noch mindestens 10 Jahre drauf warten darf, alles wieder so einzurichten, wie ich das will (ich werde mindestens 5 Jahre lang in sterilen, weißen und äußerst karg eingerichteten Räumen leben. Im Wohnzimmer möchte ich eine Badewanne mit Löwenfüßen und eine lila Chaiselongue, der Rest bitte weiß und WENIG! Das wird schön). Es wird in meinem Schlafzimmer kein Matratzenlager geben, fertig.

Was übrigens fast das allerschlimmste ist: ich kann noch nicht mal sagen, dass ich was falsch gemacht hab. Oder besser, wir was falsch gemacht haben. Denn Pippi, die von Anfang an das Beistellbett blöd fand und Schlafsäcke und einpucken auch und die deshalb schon als Minibaby (OH SCHRECK!) direkt mit uns im Bett schlief, die schläft inzwischen im Grunde recht gut in ihrem Bett ein und oft auch durch (minus Bananenhunger). Das war ne harte Woche und dann ging das. Michel hingegen, wenn der nachts wach wird (meistens weil er pullern muss, manchmal aber auch WEIL NIEMAND DA IST MIT DEM ER KUSCHELN KANN) und wir auch nur versuchen, ihn in sein Bett zurückzubringen, fängt er an zu weinen und schläft dann einfach nicht wieder ein, wenn wir ihm sagen, dass wir uns zum Einschlafen zu ihm legen. Der ist so stur, oder hat so viel Angst, allein gelassen zu werden (wohlgemerkt während Pippi unter ihm im Bett ihre nicht-so-super-niedlichen Kleinkindschnarcher von sich gibt), der kann sich dann ewig halb wach halten, alle Antennen auf Empfang, und sobald wir aus dem Bett kriechen, kommt er hinterher. ICH. WERD. IRRE! Aber das andere Kind hat die Kurve ja prima gekriegt, alleine schlafen können scheint also auch wieder so eine Typ- statt einer Erziehungssache zu sein und ich wette, Michel gehört zu den Kindern, die dafür eben länger, so ca. bis zum Auszug, brauchen. Kommt mir nicht mit Hirnentwicklung, ey.

Es muss aufhören, dieses Familienbett, denn ich hassehassehasse es. Hartes Wort, dreimal wiederholt, weil: so isses halt.