Tag 456 – Ein paar Häppchen. 

Michel wachte heute morgen auf und weinte sofort los: „Festen Schnodder wegmachen!“ Dann sprang er aus dem Bett, rannte zu Herrn Rabe und sagte „Ich bin krank!“. Tatsache, das Kind ist krank. Schon die Temperatur seiner Füße irgendwo zwischen glühender Kohle und flüssigem Lava (als er noch schlief) hatte Fieber angedeutet. Dazu kommt ein ordentlicher Husten. Herr Rabe lieb also heute Vormittag mit ihm zu Hause, ich ging kurz arbeiten und kam zum Mittag nach Hause um Herrn Rabe abzulösen, der dann seinerseits kurz arbeitete. 

Als ich Pippi in den Kindergarten brachte, waren kaum „große“ Kinder da. Herr Rabe sagte heute Nachmittag, von den 8 Ü3-Kindern seien 6 krank. Tja. Da wundert einen auch nix mehr. 

Total beknackte Idee: „Nur mal kurz Zellen zählen, danach kann ich ja noch was essen.“ Dann ging die Essenszeit fürs Zählen drauf (und für den Kampf mit dem Zählgerät, das erst meinte, meine Zellen, die im Mikroskop noch total gut ausgesehen hatten, seien alle tot) und das erste mal aß ich dann um halb eins was, als ich wieder zu Hause war. Mein Körper dankt es mir mit Kopfschmerzen. 

Gestern kamen meine bestellten Fahrradreifen mit Spikes an und Herr Rabe zog sie mir gestern Abend noch aufs Rad. Ich kann jetzt also wieder fahren. Auch wenn das bei -9 Grad nicht so ganz viel Spaß macht. Aber die Reifen machen Spaß, damit kann man echt über die spiegelglatten Parkplätze radeln ohne sich vor Angst in die Hose zu machen. 

Es sind -9 Grad. Unsere Wohnung ist kalt. Zwei Heizkörper sind ein Witz, selbst mit Kamin an kriegen wir es nicht in der ganzen Wohnung warm. Also holte Herr Rabe heute die Zusatzheizungen (kleine Ölheizungen auf Rollen) vom Dachboden. Der Stromanbieter dankt. 

Ich hab beim Nähen einen Bock geschossen. Genau genommen habe ich schon beim Ausschneiden des Schnittmusters einen Bock geschossen, das aber nicht gemerkt, bis ich mich heute am bereits zusammengenähten Pulli fragte, warum der Ausschnitt am Rücken genauso groß ist wie vorne. Äh ja. Da war ich wohl wegen zu vieler zu bunter Linien und gestrichelt/gepunktet/durchgezogen für vorne/hinten/gerader Schnitt durcheinander gekommen. Tjanun, so verbrachte ich heute einige Zeit damit, über das Fixen von Fehlern zu Sinnieren. Meine Strategie auch dieses Mal: es auffällig korrigieren, damit es aussieht, als wäre es Absicht. So mache ich es immer dann, wenn es sich nicht so fixen lässt, dass man den Fehler wirklich gar nicht mehr sieht oder bemerkt. 

 Bilder gibt es, wenn der Pulli fertig ist. 

Pippi die kleine Fressmaschine kommt jetzt immer aus dem Kindergarten und wetzt direkt zu ihrem Hochstuhl. Wenn man sie dann nicht reinsetzt, versucht sie unter demonstrativem Gemecker selbst reinzuklettern (Danke, Stokke, dass das nahezu unmöglich ist). Der Grund: auf dem Tisch steht meistens noch ein Rest vom Frühstücksgrøt. Und Pippi hat offensichtlich nach dem Kindergarten erstmal riesigen Hunger. Dann wird alles gegessen, was man ihr vorsetzt: der Frühstücksrest, der Rest aus ihrer Brotdose, Brot, Obst, whatever, Hauptsache schnell und viel. Heute war sie laut Herrn Rabe schon beim Abholen enttäuscht, dass keine Brotdose mit Resten in ihrem Rucksack war. Spielen macht wohl sehr hungrig. (Ich finde das gut, dann muss ich mir vielleicht nicht noch mal von der Helsesøster anhören, dass Pippi ja ruhig etwas zulegen könnte, weil sie ja „leicht unterdurchschnittlich groß und schwer“ ist.)

Tag 414 – U-Dings und so. 

Michel ist das superste Superkind über zwei Jahren, das ich habe. Wir hatten ja gestern nicht wirklich Zeit, ihn auf diesen Gesundheitscheck heute vorzubereiten, deshalb verkündeten wir ihm das heute früh recht spontan und ein bisschen ängstlich, dass er sich total verweigern könnte. War aber nicht so, im Gegenteil: er war total begeistert und konnte es gar nicht abwarten, loszukommen. Als er dann gemessen wurde und mit 104 cm genau auf der Krokodilhöhe ist, fing er auch schon an, loszuerzählen: „Ich hab so T-Shirt mit Krokodil. Und Sonnenbrille.“ Und eigentlich hörte er dann auch nicht mehr auf zu erzählen, bis wir fertig waren. Fazit des Ganzen: Michel sieht auf beiden Augen sehr gut. Er spricht gut und hat einen großen Wortschatz. Er malt altersgerechte Muster und Kopffüßler. Er kann Ursache und Wirkung erkennen und erklären (der Junge drückt zu fest auf die Zahnpastatube, deshalb kommt Zahnpasta raus. „Dann wird die leer! Und überall Zahnpasta! So aufm Boden und überall, bis zur Decke!“) Er kann Emotionen auf gezeichneten Bildern erkennen und beschreiben. Er kann bis elf zählen „Eins, zwei, drei, vier, sechs, achtneunzehn, elf“. Er weiß, wie sein Nachname ist (ha! Seit ner Woche vielleicht). Und er kann einen uralten Röhrenfernseher erkennen, dann sagen (auf norwegisch natürlich, wie alles) „Ich weiß nicht was das auf norwegisch heißt.“ und dann auf Nachfrage, wie das Wort denn auf deutsch wäre, „Fernseher“ sagen. Und bei diesem ganzen Programm, das auch echt zügig durchgekloppt wurde, war er niedlich und quatschig und redselig und einfach total Vorzeige-Vierjähriger. 

In den Kindergarten wollte er dann erst nicht, aber er bekam von der Helsestasjon eine billige Trinkflasche geschenkt, die durfte er im Kindergarten rumzeigen und dabei von seinen Abenteuern erzählen, dann gings. 

Ich fuhr dann zurück zur Fieber-Pippi, die mit Herrn Rabe zu Hause wartete. Heute morgen hatte sie richtig geglüht, das tat sie auch immer noch als ich wieder da war. Sie döste herum, ich guckte tausend Folgen Gilmore Girls, versuchte vergeblich von zu Hause aus auf das neue Online-Bestellsystem der Uni zuzugreifen, irgendwann als Pippis Laune wegen 39,7 komplett im Keller war, gab ich ihr Nurofen-Saft, dann gings ihr erstmal besser, dafür kriegte ich dann Koofschmerzen, die sich leider vom Ibuprofen bisher unbeeindruckt zeigten. Deshalb gabs für mich kein Ballett heute und ich liege schon im Bett. Fazit von Pippis Kranktag: um ihr den Appettit zu verderben muss mehr passieren als ein läppisches Fieber. Und wenn sie echtes Fieber hat, merkt man das sofort: sie ist schlapp, anhänglich und schläft eigentlich die ganze Zeit. Und will sich ausziehen. Kluges Kind. 

Hier noch das Bild, dass Michel von mir bei der Helsestasjon malte. Das kam so: er sollte eigentlich einen Kreis malen, die Frau malte ihn vor und er sagte: „Das ist ja so rund! Wie ein Ball! Oder die Sonne! Ein Kopf ist auch rund! Und Gläser…“ die Frau fragte ihn dann, ob er auch sowas malen könnte, er meinte aber, er hätte keine Lust. Ob er denn dann vielleicht Lust hätte, Mama zu malen? Ja klar. (Den Kreis so und auch ein Kreuz malte er dann später noch. Fürs Protokoll.)

Nase, Augen, Mund, Nasenlöcher, Beine. Damit ich „so über den Boden laufen kann“.