Tag 625 – Noch ein Tässchen…

So. Ich habe es ja schon angedeutet, dass es heute ans Eingemachte geht. 

Ich sage es mal so: TRIGGERWARNUNG! Manche (viele?) von Ihnen möchten aus diversen Gründen vielleicht nicht weiter lesen.

Es wird um Damenmonatshygiene gehen.

Also auch um die Periode.

Blut!

MENSTRUATIONSBLUT!

Und vor allem spreche ich hier nicht von Tampons oder Binden.

Sondern Menstruationstassen.

(Ich gebe Ihnen jetzt den Raum, diesen Blogpost unauffällig zu schließen. Ich frage morgen nicht ab, versprochen! Und es geht hier morgen auch wieder um andere Dinge.)

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Jetzt dürften Wir unter uns sein. Wie schön, dass Sie noch da sind!

Zu diesem Post kam es so: Letzte Woche, kurz vor der Abreise aus Bielefeld, meldete sich mein Uterus und sagte sinngemäß: Ich weiß genau, dass deine Menstruationstasse in Trondheim ist, hahaha, ich habe eine Pakt mit Murphy und lege genau jetzt mit der Abstoßung der Schleimhaut los, muhahahaha! Das war recht blöd, so für mich, weil auch meine Schwägerin nur sehr bedingt aushelfen konnte und so kam es, dass wir in Fährennähe in Kiel in einen DM sprangen, damit ich wenigstens Tampons besorgen könnte. Und da stand ich vorm Tamponregal und stellte fest: da gibt es jetzt die MeLuna, in drei Größen und für erschwingliche 15 € (so ca.). Also kaufte ich eine, weil halt. Und versprach auf Twitter quasi eine Rezension, die hier jetzt kommt.

Die Geschichte mit mir und Menstruationstassen generell fing an, als wir Michel mit Stoffwindeln wickelten und ich über die einschlägigen Seiten vermehrt von wiederverwendbaren Monatshygieneartikeln hörte. Da ging es aber vor allem um Binden und naja. Binden haben mich nie begeistert, ich mag dieses Gefühl nicht, so ein klebriges Windeldings im Schlüpper zu haben. Ich weiß noch, als ich mit 11 meine Tage bekam und vom ersten Tag an Tampons benutzte. Irgendwann war ich mal out of stock in der Schule und fragte meine Freundin. Sie guckte mich entgeistert an: „Du benutzt Tampons?!?“ Ich guckte genauso entgeistert zurück: „Du etwa nicht?!?“. Den Tampons war ich fast 20 Jahre lang treu und auch eigentlich nicht wirklich unzufrieden damit. Klar, am letzten und vorletzten Tag der Periode, wenn selbst der Mini nicht mehr voll wurde, war das Entfernen manchmal eine eher unschöne Sache und hinterher dauerte es immer zwei, drei Tage, bis sich alles wieder befeuchtet hatte, aber tjanun. Ich kannte es ja auch nicht anders und nahm das so hin. Aber wie gesagt, dann hörte ich von anderen Methoden und irgendwann auch von Menstruationstassen. Und meine Reaktion war „ewwww!“. Ich las mit einer Mischung aus Anwiderung und Neugierde über die Silikonhütchen, die (in der Vagina) das Menstruationsblut auffangen und dann einfach entleert werden sollen, ausspülen, wieder rein und fertig. Und irgendwann, nachdem die Gewöhnungseffekte das Gruseln überwunden hatten, überwog die Neugierde. Das war vor etwa drei Jahren. 

Ich bestellte eine Menstruationstasse im Internet. Das heißt, erst googelte ich und versuchte herauszufinden, welche wohl „die Richtige“ für mich sei. Hahaha. Es gibt ungefähr fünfzehn Hersteller, mit drölfzig Modellen und Größen und darfs in lila Glitzer sein? Die Größenangaben verwirrten mich unheimlich, auch so charmante Aussagen wie „wenn sie schon ein Baby entbunden haben, nehmen Sie auf jeden Fall Größe XXL“ machten es nicht besser. Ich hatte einfach keine Ahnung, ob 20 mL Fassungsvermögen viel oder wenig oder ausreichend wären, oder ob 5 oder 7 cm Durchmesser irgendwie passen könnten. Woher auch? Das einzige was ich wusste, war, dass ein 37cm-Umfang Babykopf nicht wirklich gut durchgepasst hatte. Wenig hilfreich. Am Ende bestellte ich eine Ruby Cup, hauptsächlich aus dem Grund, dass die „One Size fits all“ sind. (Außerdem bekommt von denen für jede verkaufte Tasse eine Menstruierende in Kenia eine Menstruationstasse gespendet, was für die Frauen da heißt, dass sie zum Beispiel zur Schule gehen können, wenn sie ihre Periode haben.) 

Die ersten drei Zyklen waren furchtbar. Ich bekam es nicht hin, das Ding so einzusetzen, wie es auf den Bildern stand (nämlich unter dem Muttermund in der Vagina, quasi eingeklemmt zwischen Schambein und Darm). Mal saß es zu weit unten, mal zu weit seitlich, mal war es nicht richtig aufgeploppt und alles lief nebenher (ewwww!!!). Das Entfernen ging regelmäßig schief und ich fragte mich schon, ob ich jetzt für immer bei der Arbeit meine komplette Untenrum-Bekleidung zum Ausleeren der Tasse würde ausziehen müssen um nicht alles vollzusauen. Nach zwei Zyklen war ich kurz vorm Aufgeben und gab mir noch einen dritten, letzten, bevor ich das Ding in den Müll schmeißen würde. Ich googelte nochmal und fand eine Seite mit verschiedenen Falttechniken. Die Menstruationstasse ist nämlich recht groß und auch steif, das hat seinen Sinn, wirft aber erstmal die Frage auf, wie man das reinbekommen soll. Das Geheimnis ist, dass man die zusammenfaltet (ich präferiere die Muschel), dann tief genug reinschiebt (wie einen Tampon) und dann langsam aufploppen lässt. Am Ende sollte man auf jeden Fall noch einmal mit dem Finger ganz um den Rand fahren und überprüfen, dass der Muttermund nicht irgendwo an der Seite vorbei schaut. Und ich kann ja jetzt auch mal so viel verraten, dass das bei mir heißt, dass die Tasse viel weiter oben sitzt, als vorgesehen. Aber so klappts. Und oh Wunder: seit diesem dritten Zyklus habe ich es tatsächlich unfallfrei durch meine Periode geschafft. Und ich gebe die Tasse nie mehr her.

Meine ganz persönlichen Erkenntnisse aus drei Jahren Menstruationstasse: 

  • 20 mL sind gar nicht mal so viel. Auch 30 nicht. 
  • Üben, üben, üben. Irgendwann geht es echt so einfach (und sauereifrei) wie nen Tampon zu wechseln.
  • Ziehen Sie nie (NIE!!!) einfach am Boden, um das Ding zu entfernen. Immer erst den Unterdruck lösen, es tut sonst echt sehr sehr doll weh.
  • Ein Klo mit Waschbecken in der Kabine ist sehr hilfreich (und ich weiß nicht, ob ich das machen würde, wenn ich wüsste, dass ich das nicht habe).
  • Eine Slipeinlage als Sicherheit ist unentbehrlich. Im Gegensatz zu nem Tampon läuft die Tasse nämlich einfach Schwallartig über, wenn sie voll ist. Man kann Slipeinlagen aber auch super selber nähen, wenn man PUL-beschichteten Stoff hat, sogar flüssigkeitsdichte.
  • Die meisten Leute finden das Thema Menstruationstassen noch viel schlimmer als, sagen wir mal, weibliche Achselhaare.
  • Tampons trocknen echt krass aus. Silikon nicht. Hilfreich, wenn man eh phasenweise unter unangenehmer Dürre oder auch ab und an mal Pilzinfektionen leidet.
  • Menstruationsblut lässt sich im Klo voll schlecht runterspülen.

Und damit zur Rezension von der MeLuna. Also die Farbe ist schon mal hübscher. Silikon ist halt gelblich-weiß und nach drei Jahren ist es auch das nicht mehr. Obwohl es jeden Monat ausgekocht wird (eine Information, die ich bei der MeLuna übersehen haben muss…?) ist es, naja, rostrot verfärbt, vor allem am Rand. Insofern ist das Lila ganz nett*. Ansonsten bleibe ich aber wohl fürs erste bei der RubyCup, denn: die MeLuna ist länger und schmaler. Dadurch, dass sie schmaler ist, kann ich sie nicht so gut „festklemmen“. Und dadurch, dass sie länger ist, verrutscht sie gerne mal und piekt unangenehm irgendwo hin oder gar raus, was zu einem lustig anzusehenden Gang führt, aber das wars dann auch schon mit dem Lustigen. Ein weiterer Faktor, der mich stört, ist der Ring, der zum Rausnehmen gedacht ist. Ich muss mal schauen, ob man den nicht auch ganz abschneiden kann, ich denke, damit würden sich auch die „Längenprobleme“ lösen. Die RubyCup hatte unten einen Stab, der aber laut Anleitung explizit gekürzt werden sollte. Ich hab ihn sukzessive ganz abgeschnitten, weil mir die sonst auch zu lang war und mich der Stummel mehr störte, als dass er irgendwie hilfreich war. Und eventuell hätte ich die MeLuna doch in L nehmen sollen, damit der Durchmesser größer wäre, der Sitz dadurch besser (und auch ein bisschen mehr reinpasst).

Fazit: Menstruationstassen sind super, die MeLuna ist… ok.

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*Ich sehe gerade, die RubyCup gibt es jetzt auch in anderen Farben. Schade, dass man die bis zu 10 Jahren verwenden kann (und ich so geizig bin).