Tag 1287 – Mehr Ausweisgeschichten.

Jaha, etwas eintöniger Blogcontent zur Zeit. Ich könnte Sie auch mit Feinheiten des norwegischen Betäubungsmittelgesetzes belästigen langweilen, aber ich kann ja auch das lose Führerscheinende nicht so lassen, also machen wir erst das eine und dann erzähle ich Ihnen ne spaßige Drogengeschichte.

Jedenfalls: der Führerschein. Ich war ja auf vier Wochen Bearbeitungszeit eingestellt und deshalb letzte Woche sehr verwundert, als ich eine Digipost* bekam, der Antrag auf Führerscheintausch sei bearbeitet und bewilligt und ich könnte dann jetzt vorbeikommen und die Ausstellung des norwegischen Führerscheins beantragen. Ich war auch ein bisschen überfordert, so spontan, aber dann dauerte Donnerstag morgen irgendwie eh alles länger als geplant und dann dachte ich, ach, ich kann das auch jetzt grad machen, dann komme ich halt richtig zu spät, yolo. Oder so ähnlich jedenfalls. Durch Ultra schnelle Recherche fand ich im Zug sitzend heraus, dass es günstiger ist, in Lillestrøm aus dem Zug zu steigen und dann da mit dem Bus zur Trafikkstasjon in Lillestrøm zu fahren (und dann wieder zurück und von Lillestrøm wieder Zug, T-Bane, das übliche), statt in Oslo in eine T-Bane zu steigen, recht lang in eine Richtung zu fahren, und dann auf dem Rückweg in diese T-Bane und dann in eine andere T-Bane zu steigen. Ich lernte so also die Trafikkstasjon in Lillestrøm kennen und das war schön, die ist nämlich viel koseliger. Es war so leer, dass ich nach dem obligatorischen Nummer ziehen nicht mal Zeit hatte, meine Jacke auszuziehen, da war ich schon dran. Eine nette Dame fragte mich nach meiner Erklärung, ich wolle nun den Führerschein beantragen, nach meiner Personennummer, dann schickte sie mich in die Fotokabine, ich machte ein Foto, dann unterschrieb ich auf einem Elektronischen Feld und dann unterschrieb ich da noch mal ohne überzumalen**, bezahlen, fertig. Ich bekam noch einen neuen vorläufigen Führerschein mit, auf dem nun stand, ich hätte die Ausstellung eines Führerscheins beantragt, auf dem alten vorläufigen Führerschein stand ja nur, ich hätte das Eintauschen eines ausländischen Führerscheins beantragt. Jaja, das ist natürlich ein riesiger Unterschied! Aber sehr angenehm, das ganze Prozedere dauerte keine 10 Minuten inklusive Foto machen.

Heute kam der Führerschein mit der Post. Er ist rosa und erstaunlich dünn, im Gegensatz zum deutschen erstmal nur 15 Jahre gültig (danach muss ein neues Foto drauf) und hat lustige Sicherheitsdingsis, wie zum Beispiel mein Bild nochmal als Wackelbild und als eine Art Hologramm. Sehr spannend alles. Aber dann doch auch überraschend einfach und schnell.

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Die Drogen-Geschichte. Nächste Woche nehme ich an einer Inspektion bei einem Unternehmen teil, das unter anderem Narkotika herstellt. Narkotikaherstellung, -Lagerung und -Vertrieb sind natürlich noch mal speziell reguliert und weil ich ja kein Pharmazeut bin (hier Augenrollen denken) muss ich extra Einarbeitung in Narkotika-Klassifizierung und so weiter kriegen. Überraschung: ich gehe nicht unvorbereitet in sowas und hatte natürlich das norwegische Betäubungsmittelgesetz gelesen und die nächste Woche relevanten Narkotika auf der Narkotikaliste herausgesucht und auch schon ein wenig Recherche betrieben, was den Wirkmechanismus angeht und zu welcher Klasse denn das gehört. Jaja. Streber und stolz drauf***. Aber es war trotzdem nicht umsonst, wir sprachen unter anderem darüber, wie Stoffe auf die Narkotikaliste kommen und dass man im Moment in Norwegen darüber diskutiert, ob nicht Tramadol auf diese Liste kommen sollte, weil der Schwarzmarkt für Tramadol wohl grad blüht. Das hatte ich auch letztens schon gelesen (im Internet auf der Webseite irgendeiner Zeitung, das sind also keine Behörden-Interna, falls Sie schon Augenzucken hatten) und mich doch sehr gewundert. Weil: Tramadol? Davon hatte ich vor über zehn Jahren mal einen echt unangenehmen und total unbeabsichtigten Trip, nachdem ich keine Migränemedikamente im Haus, aber Migräne aus der Hölle hatte, mit Brechen und Weinen und „ruf den Ärztlichen Bereitschaftsdienst an“. Es kam ein Urologe. Er gab mir eine Spritze und etwa eine Minute später war ich komplett schmerzfrei, das war wunderschön, ich bedankte mich ausgiebig beim Urologen dafür und als er meine Zimmertür schloss übergab ich mich das erste Mal. Damit hörte ich auch für zwei Tage nicht wirklich auf. Nach weiteren zehn Minuten kam noch ein wattig-rosanes Wolkengefühl dazu, ich war total happy und lachte mich kaputt, während ich mir die Seele aus dem Leib kotzte. Ich hab’s ja nicht soooo mit Kontrollverlust und hui, da war ich so druff, ich stand die ganze Zeit neben mir und dachte „jetzt reiß dich mal am Riemen!“, aber es ging nicht, so wie wenn man versucht, sich selbst aus einem Albtraum zu wecken. Nur dass ich letzteres kann, aber dieser Drogenzustand ließ sich genau so wenig abstellen wie die Kotzerei. Und davon werden Leute abhängig? Wundersam ist die Welt.

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*ich liebe Norwegen für die online-Lösungen für alles. Einmal bei Digipost mit der Bank-ID registriert, schon kriegt man Behördenpost zu 90% nicht mehr als Papier. Überhaupt, Bank-ID. So praktisch!

**Ausladende Handschrift halt.

***das ist noch nicht lange so und ein Ergebnis jahrelanger Bemühungen, die Hänseleien und das Mobbing der Schulzeit in ein positives Selbstbild umzudeuten.

Tag 1266 – Tschö, Führerschein!

Pippi war heute recht fit. Ja, mit Rotznase, ja, ich musste sie die meiste Zeit tragen, weil sie keine Lust hatte zu laufen, aber so fit, dass ich das triumphale im „Ich bin nicht im Kindergarten, ich bin nämlich KRANK!“ gegenüber der ebenfalls kranken Nachbarstochter deutlich rausgehört hab. Dass sie halbwegs fit war, war gut, weil wir so nach Oslo fahren konnten um endlich meinen norwegischen Führerschein zu beantragen. Den Termin hatte ich gestern noch von 08:15 auf 11:45 gelegt, damit ich nicht um halb sieben mit Pippi los musste und so fuhren wir recht gemütlich in die Hauptstadt. Meine Unterlagen hatte ich ja alle beisammen und ich dachte deshalb auch, dass direkt ein Foto von mir für den norwegischen Führerschein gemacht würde, aber nein. Der Antrag, den ich abgegeben habe, ist gar kein Antrag auf einen Führerschein, sondern nur der Antrag auf einen Tausch des Führerscheins. Nachdem nun meine Daten ins System eingedutzelt sind, mein Führerschein eingezogen wurde und ich einen drei Monate gültigen Ersatzzettel als Fahrerlaubnis bekam, wird nun Norwegen in Deutschland anrufen und checken, dass ich nicht sechstausend Punkte in Flensburg habe, welche Gefährte ich überhaupt fahren darf und so weiter. Das dauert etwa vier Wochen. Und *dann* kann ich, auch wieder in Oslo, die Ausstellung eines norwegischen Führerscheins beantragen. *dann* wird auch ein Foto gemacht. Und die Gebühr bezahlt. Und überhaupt. Und *dann* warte ich vermutlich noch mal eine Weile, bis mir die norwegische Entsprechung der Bundesdruckerei die Førerkort fertig gemacht hat. Die ich dann auch wieder in Oslo abholen muss, weil unsere Dorf-Trafikkstasjon „nur Fahrzeugangelegenheiten“ erledigt.

Das ist alles unerwartet kompliziert und ich bin einfach froh, dass ich nun in Oslo arbeite. Wenn auch, natürlich, nicht so ganz in der Nähe dieser Trafikkstasjon.

Pippi und ich fuhren dann einfach wieder zurück. Auf dem Weg noch ein Croissant und ein Baguette. Wie ich dann so am Bahnhof stand, sah ich eine Autowerkstatt. Da ließ ich spontan einmal nach dem seltsamen und Unheil verheißenden Geräusch schauen, mit dem wir schon seit *hust* Weihnachten *hust* rumfahren. Das Auto hat einen Lagerschaden vorne links. Nichts, von dem einem morgen der Reifen bei voller Fahrt abfällt (das sind meine schlimmen Vorstellungen, die ich bei komischen Geräuschen am Auto immer gleich hab), aber schon was, was bald behoben werden sollte, damit’s nicht noch schlimmer wird und dann am Ende nämlich doch der Reifen abfällt. Montag früh werd ich also das Auto da abliefern, auf dass das neue Lager eingebaut werde. Herr Rabe macht Homeoffice und holt das Auto dann ab, wenn der Elektriker, der passenderweise auch Montag kommt, uns ein paar mehr Steckdosen in Küche und (hoffentlich, pleaaaase!) Bad gebaut hat. Tschö Geld auch. Grüß mir den Führerschein.