Tag 2316 – Warten.

Ist schlechte Laune ein Coronasymptom? Oder ist das ein Symptom von productownership? Vermute letzteres, glaube aber auch, dass das eher eine Folge von Fehlanwendung ist. (Aus der Reihe „Dumme Entscheidungen von Frau Rabe“ ist eine aktive Rolle im IT-Projekt anzunehmen eine neue, spannende Staffel. Am Ende der Staffel, nach einigen Plottwists á la „Wir verlängern das Projekt um ein halbes Jahr, sagen es aber keinem“ brennt vermutlich alles, wie immer.)

Corona-Raben-Update: Pippi weiterhin fit, Herr Rabe langsam auf dem Weg der Besserung, ich müde, verstopfte Nase rechts, Kopfschmerzen und seit heute Abend auch Halskratzen. Alles nicht dramatisch schlimm, aber lästig.

Optiker und Augenarzt sind informiert und reagierten gelassen. „Kommt jetzt aus allen Richtungen, danke fürs Bescheid sagen“, war der Tenor. Es bedeutet bei denen keine Quarantäne, denn die kriegen nur Ungeimpfte nahe Kontakte – 10 Minuten mit Abstand und Maske in einem Raum sein, reicht in norwegischen Maßstäben nicht, um als solcher zu gelten.

Mit meinen Symptomen habe ich jetzt trotzdem Isolation bis mindestens Freitag gewonnen, was ja auch ok und richtig ist, aber mich zum Nachdenken gebracht hat. Denn, obwohl ja inzwischen hinreichend bekannt ist, dass auch Geimpfte sich infizieren und das Virus (wenn auch in geringerem Maß und kürzer und so weiter) weitergeben können, auch wenn sie keine Symptome haben – warum empfiehlt man dann hier in Norwegen voll geimpften, symptomlosen Nahkontakten (zum Beispiel Familienmitgliedern) ausdrücklich keine Tests, und ordnet, falls sie doch positiv getestet werden, nur 2 Tage Isolation ab Test an? Das macht für mich keinen Sinn, außer man möchte gerne, dass voll geimpfte, symptomlos Infizierte durch die Gegend laufen und Virus verteilen. Ganz so, als wolle man Immunitätslücken durch breite Streuung der Infektion schließen. Aber sowas würde ja ein verantwortungsvoll handelnder Staat nie tun, das wäre ja viel zu riskant, sowohl in Anbetracht der Auslastung des Gesundheitssystems, als auch unzureichend abschätzbaren Nachwirkungen der Erkrankung, als auch der Entwicklung von Immune-Escape-Varianten.

Ich für meinen Teil habe jedenfalls heute noch mal bei Oda bestellt und mich vor dem Schlafengehen an den Tipp von der Impfung erinnert und zwei Paracetamol genommen, in der Hoffnung, dass ich mich morgen besser und nicht schlechter fühle. Abwarten, hilft ja eh alles nix.

Ach, um es gesagt zu haben: hier in Norwegen ist Quarantäne = zu Hause bleiben, bei Symptomen testen, keinen Besuch empfangen, man darf aber z.B. in den Garten und im eigenen Haus leben wie immer. Das wird Nahkontakten empfohlen. Isolation = wenn man PCR-positiv ist. Zu Hause bleiben, keinen Besuch, zu Haushaltsmitgliedern nach Möglichkeit 2 Meter Abstand halten, man darf aber seine Kinder schon noch versorgen (ausdrücklich auch Fürsorgebedürfnisse erfüllen). Nur Isolation ist im norwegischen Corona-Infektionsschutzgesetz (Paragraf 8) verankert und infolge Paragraf 24 ist Übertretung dessen auch strafbar. Quarantäne kann nur empfohlen werden (keine gesetzliche Handhabe), außer Einreisequarantäne, die ist sehr genau reguliert. Sowas interessiert mich ja inzwischen aus beruflichen Gründen immer brennend: wo ist das „hjemmel“?

Tag 2314 – Weiter geht’s.

Pippi hat keine Symptome, aber einen wirklich eindeutigen Schnelltest. PCR-Ergebnis von ihr, mir und Herrn Rabe kommt vermutlich morgen oder Dienstag. Herr Rabe und ich hatten heute negative Schnelltests, Herr Rabe ist aber verschnupft und ich habe ziemliches Magengrummeln und Bauchkrämpfe. Wenn ich was falsches gegessen hab, wäre es komisch, dass nur ich das habe, wenn ich irgendwas nicht vertragen habe, wäre das eine neu entwickelte Unverträglichkeit von irgendwas, das ich regelmäßig zu mir nehme. Beides kann natürlich trotzdem sein. So oder so ist es unangenehm.

Weil ja vermutlich auch nächste Woche unsere Putzhilfe nicht kommen kann und wir langsam im Chaos versinken, haben wir heute gemeinschaftlich aufgeräumt und wenigstens das nötigste (Küche und Bäder) geputzt. Ein sauberes und aufgeräumtes Haus haben ist sehr schön, aber der Weg dahin so lästig. Die Putzhilfe ist hier wirklich jede Øre wert, denn letztlich erkaufe ich mir damit Freizeit, Herr Rabe erkauft sich Freizeit und wir beide erkaufen uns erleichterte Harmonie, weil ein Punkt, der in allen Zeiten, in denen wir selbst putzen mussten, regelmäßig zu Streit geführt hat, wegfällt. Freizeit und Harmonie sind eigentlich unbezahlbare Güter. Hoffentlich ist das hier alles bald vorbei, damit wir unsere normalen Routinen wieder aufnehmen können.

Apropos Routinen: morgen dann weder für mich noch für Herrn Rabe Office-Tag. Falls mein PCR-Test positiv sein sollte, freue ich mich auch schon drauf, eine sehr bissige Nachricht ans Werk zu schreiben, weshalb ich leider, leider Dienstag nicht am Hurra-Pandemie-vorbei-Tag teilnehmen kann. (Falls er negativ ist, kann ich trotzdem bissig schreiben, immerhin scheinen meine beiden Kinder diese Krankheit, die wir ja jetzt nicht mehr bekämpfen müssen, genau jetzt durchzumachen und ich kann mich die nächsten Wochen als Bonus noch ein bisschen vor PIMS und LongCovid gruseln.) Ich könnte natürlich trotzdem hingehen, wenn ich keine Symptome habe, auch ohne Test, und gegebenenfalls ein paar meiner älteren Kolleg*Innen anstecken. Mal gucken, ob ich die Impfgegner*Innen ausfindig machen kann, indem ich alle gezielt anatme und dann Buch drüber führe, wer übernächste Woche krank ist. 5 Stunden Seminar, 2 Stunden „Vorspiel“ (norwegische Bezeichnung fürs Fest vor dem Fest, kann ich ja auch nichts für, dass das so heißt) und 3 Stunden Essen im Restaurant, alles mit Hunderten von Leuten in geschlossenen Räumen ohne Masken klingt für mich wie das Rezept für ein Superspreadingevent.

So müde von allem.

Tag 2298 – Sollte…

… nicht schreiben mit diesem Müdigkeitslevel. Wirklich einfach nein. Ich nehme mir jetzt zu Herzen, was ich Michel neulich gesagt habe, nämlich dass alles, was vorm einschlafen schlimm, schrecklich und furchtbar erscheint, morgens meistens schon viel besser ist.

(Das Meerschwein ist es nicht, auch wenn es dem nach wie vor nicht gut geht.)

Tag 2288 – Nichts zu erzählen.

Den halben Tag verbrachte ich in Wollsocken, Wollpuschen, Strumpfhose, T-Shirt und Onesie vorm Computer (den Strompreisen bockig trotzend). Den Rest des Tages kreiste ich um die Kinder, abends fuhr ich zum Ballett. Die Babysittermama weiß jetzt aus erster Hand, wie das mit Michel und Schlafen momentan* ist und immerhin teilt jemand meine Sicht, dass das nicht mehr so ganz innerhalb des Normalen liegt. Was wir machen sollen, weiß sie aber auch nicht.

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*momentan as in „seit Monaten, oder Jahren, eigentlich schon immer, seit er aus dem Säuglingsalter raus ist“

Tag 2281 – Muss Augen zumachen.

Pippi heute Morgen im Bad: „Mama? Warum hast du so rot auf den Augen?“ (auf Deutsch, faktisk.) „Weil ich müde bin. Sehr müde.“ „Dann musst du wohl früher ins Bett gehen!“ (wieder auf Norwegisch.)

Pippi ist ein sehr kluges Kind. Überhaupt habe ich sehr kluge Kinder und einen klugen Mann und hoffentlich morgen was schriftliches raus, damit endlich mal ein paar Tage Ruhe ist.

(Und Hey – es kommt was an von dem, was ich versuche, den Kindern mitzugeben. Es geht nicht zum anderen Ohr wieder raus, sondern biegt im Kopf ab und kommt durch den Mund wieder raus. Ich bin ganz fasziniert.)

Tag 2260 – Noch platter.

Sport, also, warum macht man das überhaupt. Au Füße. Au alles.

Ich hoffe wenigstens auf guten Schlaf zur Belohnung.

Ansonsten ist Homeoffice ja auch ganz schön, Homeoffice alleine hat auch was für sich. Das muss alles in die Planung der teilweisen Rückkehr ins Büro mit einfließen.

Michel hatte heute wie jeden Dienstag Korps und fand das zwar nach dem Hort erst eine totale Zumutung, nachdem er was gegessen hatte gar nicht mehr so schlimm und dann war es wie immer gut. Was haben sie gemacht? „Na Musik.“ Ja, ach so. Hinterher meinte er zu mir, ich könne mich doch auch beim Korps anmelden, einem für Erwachsene und mit Geigen. Das gäbe es nämlich. „Meinst du ein Orchester?“ Ja, das meinte er. Aber Korps für Erwachsene mit Geigen find ich auch gut.

(Tatsächlich hab ich da schon öfter drüber nachgedacht, aber ich hab so unregelmäßig Zeit, das macht mich als Ensemblespielerin nun nicht sonderlich attraktiv. Naja, mal gucken.)

Mehr war heute nicht. Doch – ich hab eine Erinnerung bekommen, doch bitte mal wieder zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge zu gehen. Sind schon wieder drei Jahre rum, na sowas. Mache ich natürlich, man muss hier in Norwegen jede Vorsorge mitnehmen, die man kriegen kann.