Tag 1142 – Ende mit Schrecken.

Heute kann ich es erzählen, denn es hat geklappt.

Gestern war meine geheime Mission, vor dem Büro des Finanzmannes der Chipsfabrik herumzulungern und ihn dazu zu zwingen, mit mir zu reden. BEVOR der Chipsmann ihn auch aus der Firma kickt und ich gar keinen Verbündeten mehr da habe. Dann war aber der Finanzmann gestern gar nicht da, oder jedenfalls nicht als ich da war, aber die Anrufe der Rezeptionistin des Gebäudes ignoriert er im Gegensatz zu meinen nicht und so hatte ich ihn immerhin an der Strippe und konnte ihm ein Versprechen abringen, mich anzurufen. Was er dann auch tat*, aber erst nachmittags. Da sagte er schon, dass er mir gerne kündigen kann, wenn ich das will, Geld ist ja für mich eh nicht da und dementsprechend kann er das über den Chipsmannkopf weg entscheiden. Noch. Denn noch ist er da, auf dem Finanzmann-Stuhl. Heute sollten wir nochmal telefonieren.

Überraschend taten wir das auch. Aber nur ganz kurz, er hat mir erstmal ein Zugticket erstattet. Dann sollten wir nochmal telefonieren.

Als er endlich wieder anrief, hatte ich schon resigniert. Und saß auf dem Klo. Aber was soll’s, Kackgespräche kann man ja auch beim… lassen wir das. Jedenfalls tippte er am Telefon meine Kündigung. Ich wurde noch schnell los, was ich sagen wollte, nämlich: Der Chipsmann versucht dich rauszudrängen, ich dachte das solltest du wissen. Und: Jemand muss doch diesen Menschen stoppen. Der Finanzmann sagte daraufhin ein paar kryptische Dinge, die ich noch nicht fertig gedeutet habe, aber, hey, der Finanzmann und ich sind noch auf der gleichen Seite und „Also wenn er [der Chipsmann] die Firma übernehmen will, kann er gerne alle Posten haben!“ klang in Verbindung mit der Kryptik so, als würde der Finanzmann das Schiff jedenfalls nicht verlassen, ohne vorher nochmal ordentlich draufzukacken, aber das kann ich mir in meinem müden, überreizten und wunden Gehirn natürlich auch eingebildet haben.

Und dann sagte ich noch „Danke.“

Es war dann wirklich höchste Eisenbahn Pippi abzuholen, deshalb fuhr ich los, die mail** mit meiner Kündigung kam dann aber tatsächlich nach fünf Minuten und ich musste an einer Bushaltestelle erstmal rausfahren und einen großen Schwall Erleichterungstränen loswerden.

Es ist vorbei. Bis Ende Oktober muss ich offiziell noch, aber da Pippi ja operiert wird und ich heute auch nochmal bei meiner Ärztin*** war und wegen meiner galoppierenden Kaputtheit wieder krank geschrieben bin, beträgt meine Restzeit in der Firma allerhöchstens anderthalb Wochen.

Es ist vorbei.

Dobby is a free elf.

Was für eine irre Geschichte.

P.S. Der Chipsmann antwortete auf „Der Finanzmann hat mir gekündigt.“ übrigens „Sorry. Danke für die Info.“

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*Wenn er das nicht getan hätte, wäre ich halt heute wieder da gewesen. Und wenn er da wieder nicht da gewesen wäre, wäre ich heute Abend bei ihm zu Hause aufgelaufen. Aber diese ordentlich grenzüberschreitende Eskalation war ja Gottseidank nicht nötig.

**Nein, das ist natürlich nicht wasserdicht so, aber wo kein Kläger, da kein Richter, nicht wahr? Die Kündigung, die ich im Namen der Firma schon verfasst in der Tasche hatte und die nur noch seiner Unterschrift bedurft hätte, wäre allerdings rechtssicher gewesen. Nur mal so.

***“Das ist erlaubt! Es ist erlaubt, schwach zu sein und nicht mehr zu können!“ ist so ein Satz, da bin ich für die Taschentücherbox dann doch mehr als dankbar.