Tag 2067 – Winteraktivität.

Bei meiner Arbeit gibt es jedes Jahr den „Winteraktivitätstag“. Da werden normalerweise Gruppenaktivitäten angeboten und normalerweise bin ich auf Inspektion (ein Schelm, wer denkt wir legten die Inspektionen mit Absicht so). Heute halt weder noch. Aber man bekommt einen halben Tag dafür frei und da will eine ja nicht so sein, also ignorierte ich das Halskratzen und marschierte los, Ziel: Eidsvollbygningen.

Nun, ich weiß jetzt: das sind 10,02 km und vieles davon geht leider über die Landstraße Richtung Bøn, da gibt es keinen Fußweg, sondern man latscht halt auf der Straße rum. Am Ende ist es aber noch mal nett, nämlich am Andelva:

Wenn da nicht der Untergrund gewesen wäre, wie der Untergrund erwartbar ist, wenn es erst viel schneit, dann viel taut, dann wieder friert und dann wieder schneit und wieder taut: klitschnasser, kniehoher Schnee auf einer massiven Eisschicht.

Aber hübsch da.

Nach etwas über zwei Stunden war ich trotzdem sehr froh, endlich angekommen zu sein und von Herrn Rabe abgeholt zu werden. Nächstes Jahr muss ich da echt ne Inspektion hin legen mache ich meine Winter-Lieblingsaktivität: Winterschlaf.

Dem Hals geht es übrigens so ok, es ist auch nur der Hals und die oberen Bronchien. Auf der Tour bin ich drei Leuten und drei Hunden begegnet und habe immer gut Abstand halten können. (gut = deutlich mehr als den norwegischen Meter, eher so drei Meter und Gesicht abgewandt.)

Tag 2012 – Winter in seiner schönen Form.

Heute war Pokémon Community day und ich spiel das ja nicht, aber dafür Harry Potter Wizards Unite und beim Eidsvollbygningen kann man auch so einfach schön rumlaufen und im Café gibt es guten Kaffee und Waffeln, wenn’s dann doch irgendwann arg kalt wird.

Ein neuer Teams-Hintergrund!
Hohe Luftfeuchtigkeit wegen eines kleinen Wasserkraftwerks direkt dort macht sehr hübsche und beeindruckend große Eiskristalle.

Hach ja. So mag ich den Winter. Mit „Knirscheschnee“ (gibt’s erst mit ordentlichen Minustemperaturen) und überfrorenen Bäumen, rot gefrorenen Nasen und Wangen und Kindern, die sich zwischen Schlitten und Ski nicht entscheiden können und dann mit Skischuhen (Langlauf) an Schlitten fahren.

Abends dann in eine heiße Badewanne gehen ist da extra schön. Jetzt wirken meine Füße in einer Feuchtigkeitsmaske ein und ich bewundere meine schneeweißen Beine.

Wir lassen jetzt den Abend ausklingen, indem Herr Rabe ein paar Wikinger auf der PlayStation tötet und ich ihm dabei zugucke, das ist sehr viel gemütlicher, als man meinen könnte. Und wenn meine Füße gleich babyweich sind, gehe ich ins Bett. So viel Sauerstoff und sogar Sonnenlicht hatte ich lange nicht mehr, das macht müde.

Tag 2001 – Spazieren gehen. (Wooozaaa.)

Ich hab heute wenig wirklich sinnvolles getan, aber dafür war ich zwei mal eine knappe Stunde draußen unterwegs. Vormittags ging ich zur neuen Vertretung meiner Hausärztin (aus Gründen hier ein kleines Augenrollen einfügen), nachmittags ging ich einkaufen. Vormittags bekam ich so sogar richtiges Sonnenlicht ab. Auch wenn das ja furchtbar „weit weg“ ist, tut es gut. Und bei der klirrenden Kälte über die weißen Wege laufen tut auch gut. In meinen dicken Schneesachen bin ich zwar nicht so schnell wie sonst, aber was sollst. Licht und Luft. Hach.

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Großes Kopfschütteln über den deutschen „Lockdown“. Warum ist das so unfassbar schwer in Deutschland, Homeoffice da, wo es möglich ist, auch anzuordnen, also die Arbeitgeber*Innen zu verpflichten, das möglich zu machen? Das funktioniert hier zum Beispiel ja auch und ich sag es mal ganz vorsichtig: zur Zeit stehen wir im Vergleich relativ gut da…

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Auch Kopfschütteln über das Impfgemotze, hüben wie drüben. „Man“ hätte eigene Verträge mit den Lieferanten machen müssen, „man“ hätte viel mehr bestellen müssen, „man“ müsste jetzt viel schneller und so weiter. Ich frag mich, wie groß der Aufschrei wäre, hätte zum Beispiel Norwegen mit irgendeinem Lieferanten nen Vertrag gemacht und 10 Millionen Dosen bestellt und dann kommt das Zeug nicht durch die Zulassung und die Kohle für 10 Millionen Dosen ist weg. Oder, der Lieferant auf den man gesetzt hat, kann halt erst in Q2 2022 liefern, und man hat ja 10 Millionen Dosen bestellt, soll man also ernsthaft doch noch was anderes einkaufen, um *jetzt* mit dem Impfen anfangen zu können. So schnell ist die europäische Solidarität dahin, wenn’s um „wer kriegt wieviele Dosen“ geht, ist sich jeder plötzlich wieder selbst der nächste.

Und da hab ich noch nicht mal was dazu gesagt, wie lange sich diese Impfkampagne hinziehen wird und dass man nicht wirklich groß lockern kann, bevor genug geimpft sind, um eine gewisse Herdenimmunität zu haben. Da ist es wahrlich wumpe, ob man in den ersten paar Tagen 20.000 oder 50.000 Dosen verimpft. Das Personal fällt ja auch nicht von den Bäumen, ich kann mir auch vorstellen, das große Teile des Personals, das dafür qualifiziert wäre, zur Zeit damit beschäftigt ist, kranke Menschen zu versorgen.

Als wäre irgendwas, irgendwo, jemals an Tag 1 perfekt rund angelaufen. In ner Krise, in der alles am besten gestern aus dem Hut gezaubert werden muss, kann man das dann natürlich erst recht erwarten.

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So, rant over, ich gehe morgen wohl doch noch ein paar mehr Stunden spazieren, sonst rege ich mich ja nur auf. Ganz offensichtlich.