Tag 1428 – Ferientag 7 (verschenkt).

Morgens aufgewacht mit einem Migräneanfall, der der Sorte angehörte, die ich glücklicherweise nur noch ganz selten habe: mit Übelkeit, Lärmempfindlichkeit, dem Bedürfnis was in meine linke Schläfe zu bohren und Resistenz gegen eine normale Dosis Triptane. Es ließ sich alles organisieren, Herr Rabe blieb etwas länger zu Hause, übergab Michel der Freundesmutter, die ihn mitnahm zu den Ferienspielen und Pippi guckte halt heute echt exzessiv Tablet. Nach einer zweiten Tablette gegen Mittag ließ sich der Restschmerz aushalten, dafür war halt mein Kreislauf ein schlechter Witz und dieses seltsame Ziehen im Hals ist auch unangenehm aber alles besser als Migräneschmerz! Trotzdem war mit mir halt nix anzufangen, ich konnte nicht mal irgendwo anrufen, weil ich das Gefühl hab, meine Zunge ist schwer und ich lalle so leicht rum. Vielleicht war es für Pippis Rotznase aber auch ganz gut, wer weiß. Jedenfalls: halt nix, aber auch wirklich gar nix von meiner langem To-Do-Liste auf die Reihe bekommen heute. Völlig verschenkter Tag.

Herr Rabe versorgte mich zwischendrin mit Unterhaltung. Wenn Simone Giertz mit Laura Kampf einen Tesla zersägt, bin ich doch dabei!

Pippi ging heute sehr viel besser ins Bett. Erst meinte sie zwar zu mir, ich solle doch den Stuhl einfach neben ihr Bett stellen (schlaues Mädchen) aber das lehnte ich liebevoll aber bestimmt ab. Mehr Abstand, liebes Kind, ich brauche mehr Abstand. (Die ist so putzig, und gleichzeitig so anstrengend. Die große Maus.)

Abends dann noch mein neues Spielzeug mit meinem neuen Abenteuer zusammengebracht. Ja, das ist ein total überteuertes Technikdingsi, ich möchte nicht darüber reden.

So hübsch!

Dass ich seit ich die Uhr bestellt hab, versucht habe, den allerbesten Bildschirmschutz zu bekommen, sagt viel über mein Vertrauen in meine Vorsicht meine Erfahrung mit Touchscreens. Mein FitBit hatte ja auch nach einer Woche schon einen Kratzer am Display, weil ich die Uhr beim Putzen umgelassen hatte und damit unterm Küchenoberschrank langschrappte. Da war lackierte Pressspanplatte härter als das Display. Aber die Uhr soll so schön bleiben und deshalb suchte ich. Weil ich ein YouTube-Influencer-Opfer bin kaufte ich nach dem Ansehen dieses Videos dann Liquid Glass. Ich bin skeptisch. Man wischt mit dem einen Tuch, dann mit dem anderen Tuch und am Ende mit einem dritten Tuch und dann soll das besser sein als Panzerglas zum Draufkleben (es gibt für dieses Modell der Apple Watch leider noch kein Glas von meiner bevorzugten Marke). Nun. Es fühlt sich an wie Magie, vielleicht ist es Magie, aber wer heilt hat Reicht wenn’s trotzdem funktioniert soll’s mir recht sein.

Und nun ins Bett. Der Kopf geht immer noch nicht wieder richtig.

Tag 1427 – Ferientag 6 und Tschüss, Besuch.

Heute war der erste Tag von Michels viertägigen Ferienspielen und gleichzeitig Abreisetag für meinen Bruder. Die Ferienspiele sind eine „Balanceschule“ mit Parcouring, Trapez- und Seilartisterie und Balance/Koordination. Oder wie Michel sagt „wir haben Aufwärmen gemacht und Stretching und ein Mädchen [die eine Trainerin, die dem Mädchenalter auch schon gut entwachsen sein dürfte] kann gefährliche Sachen an einem Seil machen, das von der Decke baumelt, sonst weiß ich auch nicht mehr“. War wohl aber gut. Was auch immer sie da taten.

Pippi ist ein wenig überdreht ohne Michel. Das werden spaßige 3 Tage noch.

Michels Uhr fiel gestern am See auf die Steine und das Uhrglas brach. Die Reparatur des Glases wird mehr kosten als eine neue Uhr und ca. drei Wochen dauern, weil Ferien sind. Trotzdem machen wir das und kaufen nicht einfach eine neue Uhr, denn ich kriege bei der Wegwerfeinstellung der Gesellschaft in Anbetracht der Müllberge auf fernöstlichen Inseln echt zu viel und hoffe, Michel lernt so mehr draus. Dass das Geld für die Reparatur oder halt eine neue Uhr von seinem Sparkonto kommt, kriegt er ja so noch nicht mit, das Konto ist für ihn ganz abstrakt. Drei Wochen ohne die neue Uhr sind da eindrücklicher.

Projekt „Kinder schlafen alleine ein“ läuft heute eher mäßig. Seit gestern sitze ich nicht mehr neben dem Bett sondern 2 Meter weiter am Kinderschreibtisch. Pippi findet das total kacke und boykottiert das Einschlafen. Durst, Pipi, Nase läuft, Spieluhr, Kuscheltier, dies, das, jenes. Bloß nicht einschlafen. Hoffentlich ist das jetzt nur ein kurzes Aufbäumen gegen diese schier unmenschliche Behandlung durch uns, jeden Abend diskutiere ich nicht mit so einem laufenden Meter herum. Davon abgesehen: 10 Minuten mit dem Kind kuscheln vs 60 Minuten mit dem Kind diskutieren und es immer wieder ins Bett schicken – wenn es so bliebe sähe ich da null Vorteil.

Außerdem ist mein Bruder heute nach Hause gefahren und ich bin ein bisschen traurig. Das war eine schöne Woche. Schnüff.

Tag 1426 – Flötensee.

Naturseeing wurde es. Genau genommen unser kleiner Badesee mit Strand, genannt Fløyta (Flöte). Dass es nur 18 Grad warm war (nicht im Wasser, in der Luft) juckte die Kinder überhaupt nicht. Auch nicht, dass das braunes goldenes Moorwasser ist. Hauptsache Wasser.

Pippi vermiete ich demnächst als norwegisches Kindermoden-Naturmodel.

Der Kopf der da im oberen rechten Bilddrittel aus dem Wasser guckt, ist mein Bruder.

Das war schön. Auch wenn danach zwei durchgefrorene Kinder mit Engelszungen zum Verlassen des Wassers überredet werden mussten. Hachz.

Tag 1425 – Sehenswürdigkeiten.

Also, ich fühle mich ein wenig schlecht deswegen, aber wir haben meinem Bruder heute das supersexy Käsebrot Einkaufszentrum in der nächsten größeren Stadt gezeigt. Da kann man immerhin Pokémon fangen Foundables befreien. An sich finde ich Einkaufsbummel in den Ferien ja schön, weil man dann die Muße hat, aber mit zwei überdrehten Quatschnasen am Bein die Verkäuferin davon überzeugen, dass ich echt nur drei Jogginghosen habe und deshalb auch nur zwei (wegen drei-für-zwei-Angebot) bezahle und ganz sicher nicht vier, das ist dann nicht so schön. Für sowas hätte ich lieber keine Kinder dabei, dann geht das auch dreimal schneller. Aber dann würde Michel auch kein Damenfußballnationalmannschaftstrikot haben wollen, das wäre natürlich zu bedenken. Wie dem auch sei: das shoppen muss mal aufhören, die Kinder haben nun alles und noch mehr. Ok, ne Trinkflasche für Michel und Brotdosen für beide, das noch. Dann ist aber echt mal gut!

Und morgen dann vielleicht mehr Sightseeing. Oder Naturseeing. Was anderes als Shoppingcenterseeing jedenfalls.

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Muss darüber nachdenken, dass Leute unser Familienleben als abschreckend empfinden. Kinder haben sei ja voll anstrengend. Hmmhmmhmm.

Ich lieb meine Kinder ja, aber grundsätzlich finde ich, es muss echt nicht jeder welche kriegen. Genau genommen kann ich vom Kinderkriegen aus vielen Gründen rational gesehen nur abraten und das einzige Argument pro Kinder ist so diffuses „wollte ich halt irgendwie“.

Ich würd gern weniger Sorgen haben. Zum Beispiel darum, ob meine Kinder nen Schaden kriegen, wenn ich so übers Kinderhaben rede. Dabei sind die doch das allerwertvollste, was ich hab. Weshalb ich mir ja dauernd Sorgen mache. Gnah.

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Muss im Urlaub:

  • Mehr Trinken
  • Mich mehr bewegen
  • Mehr allein sein
  • Mehr schlafen

Das werde ich nächste Woche alles mal angehen. Mit mehr Trinken (Wasser! Und kalten Pfefferminztee) hab ich schon angefangen, das lässt sich ja recht einfach in die normalen Abläufe integrieren.

Tag 1424 – Etwas bissig.

Ich weiß nicht, ob es der Koller ist, den ich gestern verspürte, ob es überhaupt ein Koller ist, aber ich bin im Moment grad ungnädig. Hätte ich nicht so eine ausgeprägte Impulskontrolle*, würde ich wohl noch viel öfter rumranzen, vor allem in den „Sozialen“ Medien. Gefühlt nur Idioten da. Seize the day, während die Arktis brennt, immerhin hat man keinen Krebs. Noch nicht. (Wie gesagt. Bissig, ungnädig, negativ, schlecht gelaunt, jedenfalls kann ich mich grad selbst kaum ernst nehmen, tun Sie das besser auch nicht.)

Michel hat eine neue Uhr, nachdem bei der alten das Armband kaputt und das Uhrglas zerkratzt war. Die Uhr hat er sich selbst ausgesucht, im Internet. Es gab ein paar Vorgaben, vor allem den Preis betreffend, aber im Grunde hab ich ihn machen lassen und am Ende haben wir die ausgesuchte zur Ansicht in den örtlichen Juwelier bestellt. Heute abgeholt, nach Check ob die um seine dünnen Handgelenkchen denn überhaupt passt. Tut sie und sie ist richtig cool und bestimmt gewöhne ich mich schnell an die begeisterten Ausrufe von der Autorückbank: „MAMA! Es ist zwei Uhr!!!“.

Auch Michel: kennen Sie noch Kirby, das kleine Bubble-Viech auf dem Game-Boy? Kirby kann Luft einsaugen und dann fliegen, aber auch Gegner einsaugen und runterschlucken um Special Features zu bekommen oder ausspucken um andere Gegner abzuschießen. Jedenfalls macht Michel beim Spielen das Saugen jedesmal mit, es ist zum Knutschen. Huiiib. Huiiiiib! Und dann bläst er die Backen auf, wie Kirby, wenn er fliegt. Unbewusst das alles. Ich platze vor Hachzigkeit noch irgendwann.

Am Nachmittag die Schneckenerde getauscht, das war nötig. Mein Bruder denkt jetzt, Schnecken wären sehr aufwändige Tiere, dabei hatte ich das nur schon eine Weile nicht gemacht und dementsprechend mit der Reinigung des Terrariums (festgetrockneter Schneckenschleim…) gut zu tun. Jedenfalls haben die Schnecken nun wieder zwei Farne, die auch lebendig aussehen und feiern das sehr indem sie sie anfressen. Anstatt des Radieschengrüns, das ihr Futter sein sollte. Tjanun.

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*Nicht, dass Sie denken, das sei was tolles. Wie immer wär ein Mittelding gut.

Tag 1423 – Ferientag 4.

Leichter Koller heute. 12 Stunden lang für beide Kinder im Grunde allein zuständig zu sein, schlaucht ganz schön. Weiß nicht, wie ich das finden soll, ich würd ja gern entspannen, aber so richtig will keine Entspannung aufkommen, wenn ich um sechs von Herrn Rabes Wecker und um sieben von dessen Tochter geweckt werde. Hrmpf.

Heute zwei Ausflüge getätigt, wider dem Koller oder so. Nämlich zum Bauernhof um, äh, Würstchen zu kaufen.

Da dieses Lamm mit der Flasche aufgezogen wird, ist es eher so ein Hündchen und wird vermutlich auch eher kein Würstchen.

Das war alles sehr idyllisch, dieses Jahr wächst und gedeiht alles auf dem Bauernhof, nur die Himbeeren, die leiden noch ein bisschen nach unter dem Dürresommer 2018, die sollten wohl ca. doppelt so hoch sein, wie sie sind. Hängen aber voller Beeren, also meckern auf halbhohem Niveau.

Von dort aus liefen mein Bruder und seine Freundin in den Ort (und verfransten sich, ich fühle mich ein bisschen schuldig), ich fuhr mit den Kindern zu IKEA. Am Gästebett ist eine Latte gebrochen, für meine drülfzig Natures (huiii Luxusproblem) sind mir die Zeitschriftensammler ausgegangen, im Flur sind schon wieder die Glühbirnen kaputt und so generell kann man da ja schnell mal nen halben Tag rumbringen, zumal einen, an dem nur 13 Grad sind und alle deshalb meckerig drauf sind. Im Auto schlief Pippi ein und war danach mies drauf, was sich erst mit der Aussicht auf Småland änderte. Da blieben dann auch beide Kinder, sodass ich es tatsächlich schaffte, alles einzukaufen was ich wollte, plus dies und jenes an Gedön – die Muße fehlt sonst oft. Jetzt haben wir zum Beispiel endlich wieder zwei heile (!) Knirpse im Haushalt. Sogar Bettwäsche kaufte ich, aus der Fundgrube. Fast wie früher, ohne Kinder.

Eine Stunde Rückfahrt später dann leckeres Abendbrot. Wir haben zum ersten Mal die einigermaßen gehypten Burger-Patties von Beyond Meat ausprobiert und ich muss sagen, das war sehr lecker. Schmeckt wie Fleisch, das muss man natürlich mögen, die Optik ist auch fast so, die Haptik auch und man kann es so braten, dass es innen rosa und saftig bleibt. Für mich definitiv geeignet als Fleisch-Ersatz.

Tag 1422 – Ferientag 3.

Tag im Schnelldurchlauf:

  • Michel zu Freund B. gebracht. Pippi freundet sich gaaaanz laaaangsam mit Golden Retriever Alva an. In Zeitlupe. Heute, nach fast einem Jahr, hat sie sie zum ersten Mal aus eigener Initiative angefasst.
  • Versucht, in Eidsvoll eine Waage aufzutreiben. Gescheitert. Beschlossen, dass Pippi über 15 kg wiegt.
  • Einen Kindersitz bestellt. Es mir dabei ganz einfach gemacht und alle Erkenntnisse und Entwicklungen auf dem Gebiet der Kindersitze Klasse 2/3 der letzten dreieinhalb Jahre links liegen gelassen und den gleichen Sitz, den Michel hat, in rot bestellt. Mit dem sind wir nämlich sehr zufrieden und man muss ja echt nicht dauernd das Rad neu erfinden.
  • Mit Pippi, meinem Bruder und dessen Freundin in den Ort spaziert, einen Kaffee getrunken und Eis gegessen, immer in grade noch so Reichweite des Inns, in das mein Bruder und ich drei Dark Detectors geworfen hatten. Hin und wieder was befreit, ansonsten unterhalten und Pippis Nase geputzt.
  • Zu Hause Michel vor der Tür getroffen, der grad nach Hause gebracht worden war und sich wunderte, wo wir sind (die Mutter von B. war auch noch da, nicht dass Sie sich wundern).
  • Nochmal losgedüst, Veggiepølse kaufen.
  • Einkauf in Empfang genommen.
  • Geschminkt (ja, die Reihenfolge war heute etwas seltsam)
  • Von den Kindern verabschiedet (Hurra!)
    Herrn Rabe zum Essen getroffen.
    Mittelgut gegessen.
  • Eine Brilliant-Event-Tour gemacht, bis die Spell Energy alle und Herr Rabe genervt war.
    Bett.

In Echtzeit war das alles zusammengenommen tagesfüllend und überaus entspannt. Ich mag das, nicht allzu viel vorzuhaben und dann ganz überraschend doch mehr zu schaffen.