Tag 1249 – #12von12 im Januar ’19. Nachgereicht.

[Kurz heute: sehr schöner Tag mit Besuch von A., A. und M. aus der Hauptstadt. Viel gequatscht, Waffeln gegessen und einen Ausflug zur Eisbahn gemacht. Ich habe Sonnenbrand auf der Nase.]

An jedem 12. des Monats machen wir Bloggenden, so wir denn Lust haben, 12 Fotos von unserem Tag. Caro von Draußen nur Kännchen sammelt dann diese Beiträge.

Kaffee und frisch gepresster O-Saft. Vielleicht weckt es mich ja auf. („Mama, ich will kuscheln, ich hab kalte Füße!“ hat’s nicht geschafft, es ist also ne Herausforderung heute.) #1von12 von #12von12

Samstagsdinge, Badezimmeredition. #2von12 von #12von12

Weil die Frage aufkam: ich wasche mein Gesicht und mache die Haare nass. In die Haare kommt das Shampoo und ins Gesicht die Maske. Beides wirkt so lange ein, wie ich brauche, den Rasierer zu schwingen, etwa 15 Minuten (ich bin da sehr gründlich, dafür halt nur ein mal in der Woche). (Update: wieder fürchterlichen Rasierbrand unter den Armen bekommen, ich hasse es so, aber ich hab alles probiert, dagegen hilft nur Haare halt wachsen lassen. As in Hippie, not as in to wax.)

Frisch gefrühstückt und gereinigt holen Pippi und ich Herrn Rabe und Michel vom Friseur ab, wo Herr Rabe sich hat die Haare schneiden lassen. Wir treffen uns im Vinmonopolet, wo Pippi bei jeder Flasche fragt, ob die auch nur für Erwachsene sei (Ja. Ja. Die auch, ja. Alle Flaschen hier sind für Erwachsene, Kind. Ja, die auch. Und die….) Michel liest Weinetiketten vor (Ø-K-O-L-O-G-I-S-K) und ich glaub die Verkäuferin hat Spaß.

Dann gehts zur Bibliothek, Bücher zurückgeben und neue ausleihen.

Bibliothekskind <3 #3von12 von #12von12

Michel und Pippi spielen Schach und ich gehe schon mal Waschmittel kaufen.

Das kann ja jetzt ein wenig dauern. #4von12 von #12von12 #itsathinghere

Dann fahren wir zur Post und ich kriege mein Paket wieder nicht ausgehändigt, weil ich doof ohne Ausweis dastehe, weil der Ausweis wegen der Beantragung des neuen Führerscheins zu Hause liegt. Ich ärgere mich, vor allem, weil ich in dem Paket einen Pulli vermute, den mir jemand aus dem Internet geschickt hat und dafür so einen Aufriss? Ich bin sicher, dass auf dem Abholschein nicht Einschreiben stand. Jedenfalls fahren wir dann zum Baumarkt und nach Hause und den Ausweis holen und dann wieder zur Post.

Nächster Versuch, ein Paket abzuholen. Mit ner Kollektion Ausweise, weil man weiß ja nie. Und auch wenn der eine nur noch ein paar Tage gültig ist und der andere auch demnächst abläuft, im 2. Anlauf mit weniger sensiblen Daten. #5von12 von #12von12

Dann fahren wir mit der Mission, einen Kindersitz für Pippi (für das Babysitterauto) und Schlittschuhe für Pippi, bzw. die nächste Größe für Michel, damit Pippi ihn beerben kann, zu besorgen. Die Stimmung kippt nachdem Pippi etwas geschlafen hat und fortan nicht auszustehen ist. Sie brüllt die ganze Zeit. DIE GANZE ZEIT. Es macht mich rasend, dann resignierend, ich sitze im Laden und fotografiere mein brüllendes Kind und twittere meinen Frust raus. Ja, das ist nicht nett. Ja, ich liebe sie trotzdem, aber ja, an dem Punkt wäre ich am liebsten gegangen und mit dem Bus heim gefahren, ganz alleine und ohne das Dauergeheul.

Weshalb wir vermeiden, K2 zum Einkaufen mitzunehmen. #6von12 von #12von12

Das geht leider noch ne Weile so weiter, das Dauergeheul. Ich bin gar und möchte gern selbst vor Erschöpfung heulen.

Irgendwann sind wir wieder zu Hause. Jetzt nörgelt Michel, weil wir es nicht mehr zum Schlittschuhlaufen schaffen. Ich atme in eine Tüte. Herr Rabe auch. Ich entschärfe die Lage ein wenig mit Walnüssen.

Wichtig, dass der Nachwuchs früh lernt, Gehirne zu präparieren. #7von12 von #12von12

Für uns Große gibts Kaffee, allerdings mit räumlichem Abstand zueinander, wir haben alle ziemliche Kotzlaune nach der Einkaufstortour.

Apfelmus statt Kuchen und Kaffee mit zeitlichem Abstand zur Eisentablette. Irgendwie werde ich heute gar nicht wach. #8von12 von #12von12

Noch so‘n Samstagsding. #9von12 von #12von12

Ich entferne den Nagellack der Woche, damit bis Sonntag Abend die Nägel ein wenig atmen können. (Update: ich bin dann Sonntag Abend zu unentschlossen und zu knapp dran für Farbe und mache Treat, Love and Color in Mauve-Titration drauf.)

Dann mache ich Lachsquiche. Die Familie kommt nicht und ich esse bald wen vor Unterzuckerung, macht die Laune nicht besser.

Nach wie vielen Malen „Das Essen ist jetzt fertig!“ fangt ihr einfach schon mal an? #10von12 von #12von12

(Update: der Konsens ist 2 mal.)

Weil aber kein Tag so kacke ist, dass man in Unfrieden ins Bett gehen sollte, kuscheln wir und ich lese vor, zwei Geschichten, weil zwei Kinder sehr unterschiedliche Interessen haben.

Vorlesen. #11von12 von #12von12

Ich schlafe nicht ein (Hurra!). Während sich Herr Rabe die Haarfutzel abduscht, betrachte ich den Inhalt meines Pakets, das eben doch ein Einschreiben war. Es enthielt meine ganz offizielle, vom Rektor höchst selbst unterschriebene und mit einem seltsamen Kunstdruck versehene Doktorurkunde. Ich fühle nichts. Es ist vorbei, schon so lange, es ist mir egal. Nicht wieder da hin zurückgehen. Da war es dunkel.

Die Ph.d.-Urkunde kam in einer hübschen Mappe (und war trotzdem an einer Ecke schon ramponiert). Aber irgendwie… gibt es wichtigeres. #12von12 von #12von12

Herr Rabe und ich versumpfen auf dem Sofa bis mir die Augen zufallen. Wir haben uns aber auch wieder lieb, das ist gut, nach solchen Tagen besonders. Das ist auch wichtiger als Bloggen. Deshalb tippe ich dann lieber um elf eine Entschuldigung, als Herrn Rabe um neun zu sagen „nee, Schatz, unterhalten geht nicht, es ist der 12.“. So.

Tag 1247 – Im kalten Wasser.

Mir fiel heute auf, wie viele seltsame Redensarten es rund um das Thema Wasser gibt. Der Auslöser war, dass ich von meiner Chefin mitgeteilt bekam, dass sie mich in einer neuen Gruppe haben will, die ein noch recht junges Unternehmen hinsichtlich Herstellerlaubnis und (später dann) Zulassung für ein Produkt aus dem Bereich „Advanced Therapies“ begleiten und beraten soll. Advanced Therapies sind Therapien, die Gentherapie, Zelltherapie oder künstliche* Gewebe beinhalten. Das ist heißer Scheiß und genau das, wofür man eine junge, moderne und andere Inspektørin gut gebrauchen kann und zufällig auch genau das, was diese junge, moderne und andere Inspektørin auch sehr gerne machen möchte, weil es heißer Scheiß ist.

Ich sagte meiner Chefin, dass ich da gerne ins kalte Wasser springe.

Sie fragte, ob ich Angst hätte? Ich antwortete, nein, ich sei nur überrascht, dass es so schnell ginge. Außerdem freue ich mich über das mir entgegengebrachte Vertrauen und auf die Aufgabe**.

Seitdem denke ich darüber nach, ob ich da wohl ins Schwimmen geraten werde? Ist das dünnes Eis***? Auch unter dünnem Eis ist das Wasser kalt und dann schwimmt man. Kommt halt drauf an, ob man den Kopf über Wasser halten kann.

Ich freue mich so! Hach, hach. Und jetzt lese ich dann noch mal ein wenig in den Advanced Therapies Guidelines, damit das Eis wirklich richtig fest ist. Dann brauche ich auch keine Angst haben, ins Schwimmen zu geraten.

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*hmmhmmhmm. Künstlich klingt so nach Plastik. Das sind schon echte Zellen bzw. Gewebe. Aber „engineered“ halt. Tissue engineering. Man entnimmt einem Patienten einige Zellen und lässt diese um ein Gerüst oder ähnliches wachsen. So kann man ganze Gewebe, zum Beispiel Darmzotten oder eine Aorta, nachwachsen lassen, die dann am Ende dem Patienten transplantiert werden können.

**Jupp, ich klinge immer noch, als lebte ich in einem dauernden Vorstellungsgespräch.

***Ich hab die total vertraulichen Dokumente aus der Anfrage kurz überflogen und das Eis fühlt sich schon recht solide an.

Tag 1246 – Strategie, Plan, Vorschrift, hui.

Ich ackere mich tapfer durch meine tausend Vorschriften. Dazu hatte ich heute noch zwei Meetings mit jeweils einer meiner insgesamt vier Chefinnen.

Im ersten ging es um die Struktur, Organisation und Strategie der Behörde und ich erfuhr noch mal genaueres über die Umstrukturierung, die letztes Jahr stattgefunden hat. Das Meeting war sehr nützlich, weil ich jetzt verstehe, welche Absicht hinter der Organisationsstruktur steckt. Das nimmt der (weiterhin vorhandenen) Unübersichtlichkeit ein wenig den Schrecken und ich sehe nun, dass das gut sein kann, wenn es auch in allen Köpfen angekommen ist.

Das zweite Meeting war mit der Chefin, die für mein lag die Verantwortung hat. Auch das sehr gut, es ging um „was macht unsere Einheit, unser lag, deine Kollegen…“. Nach dem Gespräch verstehe ich nun ein paar der Zusammenhänge besser und weiß nun, mit welcher Chefin ich was besprechen kann. Das mit der Gleitzeit nämlich zum Beispiel nicht mit dieser Chefin sondern mit der, die für mich die Personalverantwortung trägt. Das hat sich aber schon gestern geklärt, alles gut sozusagen, die Gleitzeittage werden nur „verbraucht“, wenn ich nicht die volle Kernarbeitszeit da bin und das wird wohl tatsächlich eher selten so sein. Das war ein Missverständnis, dem ich da aufsaß. Heute bin ich dann auch direkt mal ne viertel Stunde eher gegangen, weil die Züge immer zu spät sind und das blöd ist. Diese meiner Chefinnen ist übrigens sehr froh, dass ich da bin, genau ich, jung und anders und modern. Das ist mal schön, das nach hundert mal „bist du QP???“ zu hören.

Die Züge sind immer zu spät und da bröckelt die Planung etwas. Ich hab da noch nicht fertig drüber nachgedacht. Ich hoffe einfach, dass es irgendeine Baustelle oder so irgendwo vor Oslo ist, die grad auf der Strecke für Verzögerungen sorgt, aber sonst die Züge wenigstens einigermaßen pünktlich fahren. Haha, ja, ich bin noch so Pendel-naiv.

Bisher ist das Pendeln noch ganz ok. Ich lese morgens im Zug, Blogs oder ein Buch oder ich höre Podcasts. Nachmittags muss ich meistens bis zum Flughafen stehen und dann höre ich Podcasts oder Musik. Das frühe Aufstehen schlaucht mich aber sehr, hoffentlich gewöhne ich mich da noch dran.

Die neue Putzhilfe schickt versehentlich Textnachrichten mit „Chcesz cos ze sklepu“ an mich (Google Translate sagt sowas wie „Brauchst du noch was aus dem Laden“), sie putzt super, faltet Waschlappen und Putzlappen ganz akkurat und hat, weil das Bettzeug und die gewaschenen Bezüge da noch oben drauf lagen, einfach das Gästebett bezogen. Und die Spülmaschine ausgeräumt. Ich bin schwer beeindruckt. Und froh. Vor allem froh.

Morgen wird ein Einkauf geliefert. Da bin ich sehr gespannt drauf. Ich möchte den Lieferanten gern treffen und fragen, ob es ne Möglichkeit gibt, die 8 (!) Plastiktüten in Zukunft zu umgehen. Dann müssen wir nur noch zum Vinmonopolet und zum Meny (für Brot) und doch noch mal in den Supermarkt, weil unser Waschmittel wohl nicht mehr fürs Wochenende reicht.

Nächste Woche werde ich meinen Führerschein eintauschen. Erst gegen einen vorläufigen und dann gegen einen norwegischen Führerschein. Denn im EWR sind Führerscheine aus anderen EWR-Staaten zwar unbegrenzt gültig, aber ein deutscher Führerschein ist hier kein Ausweis und ich will echt nicht immer meinen Pass zur Post mitschleppen müssen, um ein Paket abzuholen. Außerdem stelle ich es mir einfacher vor, zum Beispiel Autos zu mieten, wenn man einen Führerschein hat, mit dem die Leute hier vertraut sind. Jedenfalls musste ich für diesen Führerschein noch einen Sehtest machen, damit nun auf dem Führerschein vermerkt werden kann, dass ich eine Sehhilfe benötige und nutze und die Sehhilfe auch zur Kurzsichtigkeit passt. Michel und Pippi haben also heute gesehen, wie so ein Sehtest abläuft. Michel hat auch nur ganz am Anfang Buchstaben gespoilert, dann hab ich gesagt, dass er das in seinem Kopf machen soll und nicht laut sagen. Als wir dann aus dem Raum gingen, sagte er „Ne, Mama? Da stand F G O R P. Fgorp. Was ist das für ein Wort?“ Michel kann schon echt viel lesen und liest nun halt alles vor, was er sieht. Und er sagt, er liest gerne, das freut mich ganz außerordentlich, ein Kind das gar nicht lesen mag wäre mir irgendwie fremd.

Pippi hat heute einen Ausflug gemacht. Das machen aus ihrer Gruppe jeden Donnerstag ein paar Kinder. Nach dem ersten Ausflug kam sie freudestrahlend an und sagte, sie seien in der „Apothek!“ gewesen, das kam mir unwahrscheinlich vor. Heute waren sie jedenfalls in der „Biblothek!“, das erscheint mir auch als ein besseres Ausflugsziel. Apotheke wär jetzt irgendwie zu sehr „ganz die Mama“. Apotheken inspiziert die Behörde nämlich auch.

Ebenfalls gelernt: wir als Inspektøre können jederzeit und unangemeldet Inspektionen durchführen. Selbst in Privatwohnungen, da könnte man zum Beispiel die korrekte Lagerung überprüfen. Jetzt stelle ich mir vor, wie tierisch beliebt man sich wohl macht, wenn man bei Freunden erst mal den Medizinschank aufreißt um dann Tenperatur, Luftfeuchtigkeit und die nicht-Vorhandenheit eines rollierenden Warenmanagements zu bemängeln. „Report kommt in spätestens 30 Tagen!“

Ich sehe eine glorreiche Zukunft als Partypooper auf mich zukommen.

Tag 1245 – Das wollte ich ja so.

Ich fragte heute meine Patin, was ich wohl dringend vor der 1. Inspektion, an der ich teilnehmen werde, wiederholen sollte.

Danach lud ich das halbe Internet runter und, weil ich nicht gut stundenlang am Bildschirm lesen kann, druckte es auch gleich aus. Migräne oder Regenwald, manchmal muss Frau sich entscheiden.

Bis auf das unterste (Das norwegische Arzneimittelgesetz) sind das übrigens genau die gleichen* Dinge, die ich im April auch schon durchgeackert und danach frustriert in die Altpapiertonne gestopft hab.

Aber das wollte ich ja tatsächlich so und deshalb ist das auch nicht schlimm.

Und der Ausblick!

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Heute etwa drei mal von unterschiedlichen Seiten gefragt worden, ob ich Qualified Person** gewesen sei. Bei der nächsten antworte ich mit dem entsprechenden Paragraphen, der besagt, dass ich zu meinen Industriezeiten keine QP gewesen sein kann, weil man, um QP zu sein, zwei Jahre Arbeitserfahrung braucht. Ich bin da nicht nur altersmäßig ein Exot, ich komme außerdem aus Arbeitslosigkeit, von der Uni und war noch nicht mal QP. Ich poliere einfach weiter meine Fanfare***.

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Heute Abend dann socializing event: Weihnachtsfest für die Angestellten mit Kindern. War ganz nett, ich hab jetzt mal ein paar der anderen Menschen mit Kindern aus der Behörde kennengelernt, ich bin nicht die einzige, andere Abteilungen sind da auch stärker repräsentiert. Voll war es trotzdem wirklich nicht, aber Michel war sehr glücklich, meine neue Arbeit mal zu sehen. Herr Rabe war sehr genervt, die Kinder waren wohl auf dem Weg zur Behörde ordentlich anstrengend.

Der Weihnachtsmann war da!

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*Zwei Änderungen: Advanced Therapies sind jetzt ein eigener Part im EudraLex (statt ein Annex zu sein) und ein Annex ist dazu gekommen – Real Time Release Testing. Because apparently it’s a thing.

**Die Person in einem Herstellbetrieb, an der die ganze Verantwortung hängt, weil sie die Batchfreigabe macht. Also unter jeden Batzen Dokumente, die mit einem Produktionsbatch erzeugt wird, ihre Unterschrift setzt, dass dieser Batch so in Ordnung**** ist und verkauft/weitergegeben werden kann.

****Also nach den internen, von der Behörde im Rahmen der Zulassung so genehmigten Vorschriften und unter Einhaltung der Qualitäts-Akzeptanzkriterien und ohne besondere, qualitätsrelevante Vorkommnisse durchgeführt.

Tag 1244 – Hopps!

Michel ist heute beim Skitraining das erste mal gesprungen. Ich war drinnen in der Skihütte und habe versucht, Guidelines zu lesen*, deshalb habe ich das nicht gesehen. Was wohl gut ist, weil ich gar nicht weiß, wie begeistert ich davon wäre, würde mein Kind Skispringer. Bei den Profis sieht das hinreichend sicher aus, aber ich bin sicher, deren Eltern mussten in jüngeren Jahren öfter mal diverse Blessuren versorgen und haben vermutlich auch das ein oder andere mal in der Notfallpraxis gewartet, während drinnen das angehende-Skisprung-Profikind genäht oder gegipst wurde. Da denkt man, Langlauf sei harmlos und dann kommt der Sechsjährige mit rot glühenden Wangen angelaufen und erzählt von seinen Sprüngen. Aber Hauptsache, er hat Spaß, ne?

Und den hat er und das ist alle absurden Sorgen um ungelegte Skisprungeier allemal wert. Und auch, dass er unbedingt am Wochenende Skilaufen will, kann ich verkraften, aber wo kriege ich denn nun so schnell Ski her? Und lerne Skilaufen?

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Ich bin todmüde. Und habe heute nach einer… ich nehme mal an einfach unbedachten Bemerkung mir gegenüber der hässlichen Fratze des Impostorsyndroms direkt wieder ins Gesicht geblickt. Aber nur kurz, dann überwog schnell der Ehrgeiz, es nun allen zu zeigen. Das ist mal ein Fortschritt seit dem PhD, da war mir der echte Ehrgeiz, der, der es nicht nur irgendwie über die Ziellinie schaffen will, sondern der schon mal die Fanfaren poliert und die Flaggen bügelt, der war mir da abhanden gekommen und jetzt ist er wieder da, mein alter Freund.

Trotzdem müde. Morgens um viertel nach fünf bläst hier leider keine Fanfare.

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Steuerkarte abgerufen und Schreck bekommen: der Lohnsteuersatz war routinemäßig auf das Letztjahres-Einkommen berechnet worden. Würde ich nur diese Steuern zahlen, käme mit dem Steuerbescheid nächstes Jahr eine wirklich schmerzhafte Nachzahlung auf mich zu. Was lobe ich mir in solchen Fällen Norwegen: einmal eingeloggt lässt sich einfach unter Angabe des neuen Einkommens eine neue Steuerkarte beantragen. Das tat ich heute am frühen Nachmittag als Kaffeepausenbeschäftigung und heute Abend kam die neue Steuerkarte. Was das für ein Aufriss mit Post und Zeug in Deutschland wäre, will ich mir gar nicht vorstellen.

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*ohne Erfolg, ich döste über Partikelgrenzwerten verschiedener Reinraumklassen ein.

Tag 1243 – Neue Themen.

Das erste mal bei einem Meeting aller Inspektør*Innen gewesen. Es war auf fünf Stunden angesetzt und wurde überzogen, danach machte mein Kopf nur noch diffuses Rauschen aus dem ab und an seltsame Abkürzungen hochschwommen. Alles in allem wohl ganz normal für den 4. Tag im neuen Job. Wurde im Meeting natürlich auch vorgestellt, stotterte nur wenig herum aber so langsam macht sich das „What am I doing here?“-Gefühl breit, was wohl auch zu neuen Jobs gehört wie das lustige Bild auf der Schlüsselkarte. Immerhin, das werte ich als Kompliment und gutes Zeichen, wurde ich danach fast in ein weiteres Lag abgeworben, nämlich das der Biolog*Innen. Advanced Therapies, Large Molecules, Biopharmaceuticals, juhu, da kann ich wenigstens fachlich ein bisschen was! Aber erstmal muss ich nun das Inspizieren lernen, danach kann ich Biofachsimpeln.

Zwischendurch saß ich in der Meeting und konnte fast gar nicht glauben, dass ich da inmitten von Menschen sitze, die sehr erwachsen sehr erwachsene Themen diskutieren. Hier eine Auswahl:

  • Der aktuelle Status zu einer europaweiten Rückrufaktion aus dem letzten Jahr, die sich noch in dieses Jahr reinzieht.
  • Brexit und welche Folgen ein harter Brexit ganz konkret für uns hätte.
  • Ein neues Sicherheitsfeature auf Packungen mit rezeptpflichtigen Medikamenten, das zur Fälschungssicherheit beitragen soll und bald eingeführt wird.
  • Rezeptfreie Medikamente für Aquarienfische, wo diese verkauft werden können und welche Behörde (unsere oder eine andere) je nachdem für die Aufsicht dieses Verkaufs zuständig wäre.

Sie sehen, alles sehr wichtig.

Puh. Nun schlafen, aber zackig.

Update: Post noch weiter anonymisiert, sorry. Das lässt mich lauter seufzen als Sie, glauben Sie mir.

Ab jetzt dann nur noch Kinderfotos. Von hinten. Verschwommen. Mit Smileybildchen.