Tag 2161 – Nein, nein, nein.

Nein danke, ich möchte keinen Story-Beitrag erstellen. Was soll das überhaupt sein? Ist auch egal, ich bin ja hier nicht zum Geschichten erzählen.

Pippi ist weiter in der Vorschul-alles-Verweigerungs-Phase. Hoffentlich ist die bald vorbei.

Michel hatte Musikhausaufgaben auf und sollte Fragen zu seiner Lieblingsmusik beantworten, unter anderem, ob die in ihm Gefühle auslöst. „Nein.“ schrieb er. Ich musste ein bisschen lachen und ich glaub da auch nicht dran, aber benennen kann er die Gefühle halt nicht. Ich finde das auch eine ziemlich persönliche Frage für eine Hausaufgabe. Aber immerhin ist Michel sein nicht ganz alterstypischer Musikgeschmack nicht unangenehm. Es hat auch Vorteile, wenn einem ziemlich egal ist, was andere über einen denken. Möge es weiter für ihn mehr Vor- als Nachteile haben.

Viel Arbeit (vor allem drülfzig sehr unterschiedliche Aufgaben) will noch vor dem Urlaub erledigt werden, das macht meine Lunte etwas kurz. Merke ich selbst. Noch ca. eineinhalb Wochen…

Tag 2160 – Nachdenklich.

Jedes Wochenende machen wir eine To-Do-Liste. Bei mir steht jedes Wochenende so ziemlich das gleiche drauf: Meerschweinchen sauber machen, Blumen gießen (also alle, die nur wöchentlich gegossen oder sonstwie gewässert werden, wie zum Beispiel die Orchideen), Brot backen. Herr Rabe hingegen hat immer große Pläne und macht dann was anderes. Die Pläne bleiben aber auf der gemeinsamen Liste stehen und verursachen bei mir Stress. Warum? Darüber muss ich nachdenken.

Immerhin ist jetzt die Hecke an der Seite, an der wir sie vermutlich behalten werden, jetzt radikal und hoffentlich heilsam beschnitten.

(Weiterhin habe ich heute beide Kinder ins Bett gebracht und da ich ja nicht an zwei Orten gleichzeitig sein kann, habe ich erst Pippi vorgelesen, ihr dann gesagt, dass ich wieder zu ihr komme, wenn ich Michel vorgelesen habe, dann Michel vorgelesen und als ich wieder nach Pippi schauen ging, schlief sie schon. Jetzt habe ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen, und gleichzeitig freue ich mich ungemein, dass immerhin eins meiner Kinder alleine einschlafen kann, wenn es glaubt, es käme noch mal jemand wieder. Ich kam ja auch, aber halt zu spät. Danach legte ich mich übrigens wieder zu Michel, der kann das nämlich nach wie vor nicht.)

Tag 2159 – Pandemieschäden.

Also… nicht dass ich vor der Pandemie komplett, äh, normal gewesen wäre, ne? Und wer ist überhaupt normal und so weiter und so fort, schon klar. Aber ich fürchte echt, wenn wieder normales Leben sein soll, muss ich ganz behutsam wieder eingegliedert werden oder mir neue Strategien gegen zu viele Eindrücke auf einmal zulegen. Das klingt jetzt lustiger als es ist.

Die vollständige Geschichte geht nämlich so: wir mussten heute ein paar Dinge einkaufen, die wir hier im Ort nicht oder nur mit Gerenne bekommen hätten, also fuhren wir nach Jessheim. Alle, weil sowohl Herr Rabe als auch ich nicht dem jeweils anderen das Besorgen spezifischer Dinge auftragen wollten. In Jessheim ist das große Einkaufszentrum, da hat man alles an einem Ort, ist ja auch praktisch. Aber herrje, so viele Leute (Spoiler: gemessen an Prä-Pandemie gar nicht viele). Wir hatten schon einiges vorbestellt, das dann nur noch abgeholt werden musste, und wir wussten exakt, was wir brauchen, deshalb war der Besuch sogar relativ kurz, trotzdem hätte ich mich am Ende am liebsten irgendwo weinend zusammengerollt vor Überforderung. So viele Stimmen, Geräusche und Gerüche. Kinder rufen, Babies schreien, Leute reden, Durchsage, dass Elias seinen Papa sucht, verbrannter Käse, Kaffe, Parfüm, Musik, MamaichmussaufsKlojetztsofort… und nichts davon kann ich mehr ausblenden. Alles kommt gleich laut und gleich wichtig in meinem Kopf an. meine Batterie muss auch ne Macke haben, die war nach drei Minuten leer. So leer, dass sich mein eh schon schlechter Orientierungssinn schlussendlich komplett auflöste und ich, als ich kurz alleine (im Auftrag der Grundschulklasse) unterwegs war, völlig sinnlos um und durch das Gebäude lief und den Weg zum Kramsladen, zu dem ich wollte, ums Verrecken nicht fand. Trotz Infotafeln.

Im Auto wäre ich danach schon beinah eingeschlafen, zu Hause schaffte ich es grad noch so ins Bett, stopfte mir die NC-Kopfhörer in die Ohren („hypnotisch repetitive Musik“ ist ein wirklich gutes Heilmittel bei Stress bei mir) und döste eine Stunde vor mich hin. Danach ging es wieder, obwohl mir immer noch die Ohren klingeln. Aber hui, das war wirklich ganz kurz vorm Überforderungs-Heulkrampf. Das letzte Mal hatte ich das bei Michels (Kinder-)Geburtstag so krass. Davor… beim Sommerfest des Inspektorates 2019. In solchen Situationen wird alles einfach zu viel, und es zieht immer gleich noch einen Sozialkater nach sich.

Das wird ein Spaß, wenn potentiell wieder jeder Tag so wird. Hahaha. Ohje.

Angedachte Strategien bisher: NC-Kopfhörer und gegebenenfalls Sonnenbrille. Man kann Sonnenbrille auch in Einkaufszentren tragen, was solls, halten mich halt alle für so komisch wie ich bin. Besser als nach einer Stunde Einkaufen eine Stunde schlafen zu müssen. Aber was mache ich, wenn ich unter Menschen bin, mit denen ich auch kommunizieren muss/sollte? Huff.

(P.S. ja, ich hab drüber nachgedacht, ob mein Gehirn vielleicht nicht auf die gleiche Art funktioniert, wie bei den meisten Leuten. Sogar so konkret, dass ich Diagnostik beantragt habe. Die wurde im ersten Anlauf aber abgelehnt und meine Hausärztin riet dazu, vor einem neuen Antrag erst mal die Schilddrüsen-OP abzuwarten, nicht, weil sie denkt, dass die irgendwas ändern wird, aber weil die Medikation in meiner Akte für die zuständige Stelle ein Ausschlusskriterium sein kann. Insofern… warte ich halt. Eine andere Möglichkeit als über und durch die offizielle Stelle gibt es leider realistisch gesehen in Norwegen nicht.)

Tag 2157 – Hoppla, eingeschlafen.

Tja, also dieses Sport ist halt schon anstrengend. Ich hab danach noch etwas arbeiten wollen, da das aber nur lesen von Richtlinien war, war es nicht spannend genug und ich bin darüber eingeschlafen. Hups.

Gestern war ein guter Tag mit ausgesprochen guten Neuigkeiten, aber so ganz traue ich mich noch nicht, es auszusprechen, Näheres also in einer Woche.

Jetzt muss ich erst mal sehr viel Wasser in mich hinein füllen, ich hab gestern beim Sport so dermaßen geschwitzt, dass ich mich heute fühle wie eine Trockenpflaume.

Tag 2156 – Schon wieder nichts zu erzählen.

So ist das manchmal, und eigentlich gibt es ja auch definitiv schlimmeres.

Ich kann mich ja auch nicht dauernd aufregen, zum Beispiel über den europäischen Impfausweis, inzwischen bin ich bei den meisten Dingen sehr abgestumpft. Sind halt bald/demnächst/irgendwann überall Wahlen, ne?

(Ach, was wird das schön, wenn wir dann demnächst wieder versuchen können, das Klima zu retten.)

Tag 2155 – Kurz-vor-Ferien-Alltag.

Ach so, ja, vielleicht sollte ich auch auf Veröffentlichen klicken, das könnte helfen.

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Hier passiert nichts spannendes. Wir arbeiten so herum, dann holt Herr Rabe die Kinder ab, wir fahren sie (dienstags) beide zeitgleich zu unterschiedlichen Aktivitäten, ich gehe in der Zeit einkaufen und manchmal zur Apotheke (heute wieder, weil bei 4 Tabletten am Tag eine 100er-Packung halt nur für 25 Tage reicht). Besonders war heute, dass Michel noch Sommerabschluss mit dem Korps hatte (und da Cola trank, und dann schlecht schlafen konnte) und Pippi beim Tanzen gefilmt wurde. Alle Kurse filmen diesen Sommer ihre Choreografien, und zwar draußen. Statt Show im Theater mit Publikum* – ich begrüße das sehr, aus verschiedenen Gründen.

Weiterhin war für heute Gewitter angekündigt, mein Kopf möchte auch gerne, dass das endlich runter kommt, der ist nämlich seit heute Mittag schon kurz vor Migräne, aber es kommt einfach nicht.

Geige gespielt, deutliche Fortschritte bemerkt. Viel bessere Klangqualität, und ich beginne zuversichtlich zu werden, dass auch mein 1. Finger irgendwann in der Lage sein wird, ein Vibrato zu erzeugen. Möglicherweise sollte ich mir aber tatsächlich mal langsam nen neuen Dämpfer anschaffen (mein alter war Kolophonium-verkrustet), meinem linken Ohr zuliebe.

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*ich glaube nicht, dass Infektionsschutz seitens der Veranstaltenden eine große Rolle bei der Entscheidung zu Film statt Show gespielt hat, muss ich leider sagen. Der Infektionsschutz da ist nach wie vor ein schlechter Witz. Aber wir sind ja auch in Norwegen, wo es keine Aerosole gibt und am Wochenende die Pandemie – die hier auch gerne mal Epidemie genannt wird – schon quasi abgeblasen wurde, bevor dann hektisch zurückgerudert und richtig gestellt wurde, weil nix vorbei ist, auch wenn wir zur Zeit auf einem guten Weg sind (was wiederum nichts mit überragendem Infektionsschutz zu tun haben kann, denn der ist hier einfach nicht allzu dolle. Das einzige was wir sehr konsequent haben ist Homeoffice. Alles andere haben wir nicht/nur lokal/nur eingeschränkt.)

Tag 2153 – zu viele Hobbies.

Eigentlich war heute ein super Wochenendtag, an dem alle machten, was sie gerne machen: Pippi war bei ihrer Freundin M., Michel und Herr Rabe waren Pokémon fangen und ich war alleine. Das nutzte ich, um endlich mal wieder zu nähen und die Nähmaschine meiner Omi auszuprobieren. Die ist, hmmja, vielleicht muss ich noch üben, aber sie zieht gerne mit dem Unterfaden Schlaufen und das nervt dann halt schon irgendwann. Vielleicht liegt es auch am Garn, wer weiß. Meine Singer nimmt ja quasi jedes Garn, gerne auch das billige von Stoff&Stil, aber ich habe gehört, dass viele Nähmaschinen da wählerischer sind. Was aber immerhin geklappt hat, war, mein letztes Jahr zugeschnittenes Projekt fertig zu nähen, sodass ich jetzt immerhin keine angefangenen Projekte mehr herumliegen habe. Dafür habe ich jetzt einen sommerlichen Jumpsuit mit einigermaßen gewagtem Ausschnitt, aber nur einigermaßen und ein Top drunter dürfte das schon zu meiner Beruhigung richten.

(Fotos morgen.)

Was allerdings herunterfiel beim Nähen: Sport und Geige. Immerhin die Vibratoübung habe ich noch gemacht, ansonsten beschränkte sich das Üben heute auf mentales Training, also Musik hören.

Ich würd echt gern weniger Schlaf und Ruhe brauchen, wenn ich 20 Stunden am Tag Zeit hätte, würd ich viel mehr schaffen, insbesondere auch Dinge, die mir Spaß machen und gut tun.

Und jetzt zackig ab ins Bett.

Tag 2152 – Nicht wirklich was zu erzählen.

Sommerwetter, immer noch, hurra!

Herr Rabe hat heute an den Autos 11 Reifen gewechselt. Jetzt weiß er auch, dass die Reifen hinten an Carona breiter sind als vorne.

(Elektroautos fressen tatsächlich Reifen, eieiei.)

Hungrig einkaufen gewesen, wir haben jetzt genug Essen für die Apokalypse und selbige wird ein großes Grillfest.

Festgestellt, dass hier im Ort diesen Sommer ein paar verschiedene Sommeraktivitäten für Kinder angeboten werden, vielleicht haben die Kinder ja Lust auf einiges davon (Nähen, Schnitzen, Musik, Malen, Schwimmen, Parcouring…). Immer mal einen Tag oder zwei nicht nur zu Hause abgammeln tut denen sicher ganz gut (und uns auch).

Mit der Babysittermama lose besprochen, dass wir denen die Kinder auch in den Ferien gerne mal leihen werden. Die Babysittermama ist durchgeimpft wegen hohem Risiko, da kann man das ja langsam wieder aufnehmen. Es ist schon wieder über eineinhalb Jahre her, dass Herr Rabe und ich einfach so was miteinander unternommen haben. Wer da Moralkeuleschwingend von Kinder outsourcen schwafeln möchte, möge ein paar Meter in unseren Schuhen laufen (oder in anderen von Leuten, die keinerlei regelmäßige, eingespielte Möglichkeit haben, mal Zeit als Paar zu verbringen).

Jaja, im letzten Jahr hatten wir sehr viel Paarzeit. Romantisch, Rücken an Rücken im Homeoffice in Videomeetings, oft nicht mal Mittagspause gleichzeitig habend. (Homeoffice hat viele Vorteile, den Mann öfter zu sehen gehört auch dazu, aber viel mehr als sehen ist das meist halt auch nicht.)

Mir fällt grad auf, dass ich grad fast genau die Klamotten trage, die ich anhatte, als wir zu Pippis Geburt ins Krankenhaus gefahren sind. Fast, weil ich das selbe Hosenmodell auch in einer Nummer größer habe und an dem Tag anhatte. Sehr elastische Gummibündchen machen vieles möglich.