Tag 1684 – Corontäne Tag 11.

Tja, nichts passiert so richtig. Alles zäh. Finde die Kollegen doof, die sich über SO UNFASSBAR VIEL ARBEIT!!! beschweren, während ich reinste Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen machen soll. Das sind, so ungefähr jedenfalls, alle. Aber angeboten habe ich mich echt oft genug. Viel zu wenig Bewegung, die Schulter tut weh. Die Kinder Michel motzig. Alle nur zufrieden, während man draußen ist und das ist man zu kurz. Nicht mal wirklich Bilder habe ich gemacht.

Es sprießt schon was!
Wir haben jetzt ein Familien-Kanban-Board. Meine Zettel hängen noch nicht, morgen zeige ich das mal detaillierter.

Tag 1683 – Corontäne Tag 10.

Wir haben uns heute an eine Familie gebunden, die nun unser Kontakt für die nächsten Wochen wird. Gegenseitig. Und falls die Maßnahmen nicht – wie in Deutschland – doch noch verschärft werden. Die Wahl fiel, aus Gründen, auf B. und seine Eltern. Wir haben da nämlich ein Projekt, wir nennen es Casa Corona und es wird ein Baumhaus im Wald für die Jungs.

Michel fremdelte zunächst sehr mit der Situation. Das wird noch lustig, wenn hier irgendwann wieder normaler Betrieb losgeht (sicher nicht nächsten Freitag wie ursprünglich geplant). Es brauchte etwa eine halbe Stunde, bis sich Michel traute, ins Haus der Freunde, wo er schon drülfzig mal war, zu kommen.

Nach einem kleinen Update drinnen und einer Runde Händewaschen für alle ruinierten wir dann den Unterboden des Prius endgültig (es fielen weitere zwei Teile ab) und wir denken jetzt doch verschärft über den Kauf eines Traktors als neues Auto nach, aber so weit ist es auch wieder nicht zum Casa-Corona-Wald und wir wissen jetzt ja, dass das Auto für den Weg nicht geeignet ist. Jedenfalls war es da total schön und der ganze Nachmittag nahezu normal und so dringend nötig und dass wir eine Waldbrandwarnung haben, haben wir erst hinterher gesehen, ’schwör!

Wir haben sogar noch Würstchen über dem Feuer gegrillt. Wir sind so eingenorwegert!

Ansonsten: mir geht’s nicht so gut, das merkt man daran, dass ich um halb sieben wach war, nicht mehr schlafen konnte, und um viertel vor acht aufstand um das Bad zu putzen. Ich finde den Film nach wie vor scheiße.

Tag 1682 – Corontäne Tag 9.

Heute ist nicht viel passiert. Wir haben alle ein wenig Lagerkoller und es knirscht weiter hier und da. Pippi macht viel Show, Musik, Geschichten erzählen, Schauspiel. Michel möchte seine Ruhe. Wir alle bräuchten mal eine Weile ohne die anderen, aber. Haha. Ha. (Nur noch vier Wochen oder vier Monate oder so, oha wo ist der Schnaps.)

Ordnung ist wichtig, wenn eh alles chaotisch ist. Mich nervte schon lange meine Strumpfhosenschublade. Ich habe ein Strumpfhosenproblem, das weiß ich, das Problem ist darin begründet, dass ich immer neue kaufe, sobald ich schöne im Angebot finde. Ähäm. Tja. Jedenfalls habe ich heute aufgeräumt.

Eine habe ich an, eine ist in der Wäsche.
Nachher. Eine war kaputt, eine war eigentlich eine Wollleggins von Michel und für die Leggins (neben der Schublade) muss ich einen anderen Platz finden.

Ich muss dringend aufhören, Strumpfhosen zu kaufen.

Tag 1681 – Corontäne Tag 8.

Es knirscht und holpert und ist einfach anders und einfach ist anders. Aber es muss ja. Und deshalb wird es auch.

Ich hatte heute den Schul-Teil des Tages und habe den dazu genutzt, mit den Kindern nahezu zu machen, was auf dem Stundenplan stand, nämlich Blumen pflanzen. Ich erzähle lieber nicht zu viel darüber, wie das war. Ich bin ein Kontrolletti und das klappt mit wuseligen Kindern eher mäßig.

Blumenkreißsaal.

Draußen guckt der Rhabarber aus der Erde, sonst aber leider noch nichts.

Mittags durfte ich meine neue Sonnenbrille abholen. Morgens Blutprobe. Beides sehr Corona-gekennzeichnet. Beim Arzt durfte ich ausnahmsweise im Wartezimmer warten aber auch nur, weil da niemand anderes saß. Andere Patient*Innen sollten draußen warten und wurden angerufen, damit sie rein kommen können. Das selbe beim Optiker: ich wartete im Auto auf meinen abgemachten Termin, während drinnen die Optikerin über alle Oberflächen putzte, die der vorherige Kunde angefasst hatte. Optiker haben hier auch seit Montag eigentlich Zwangs-zu, die Brille durfte ich nur abholen, weil ich sie lange vor den Maßnahmen jetzt bestellt habe. Und eben einzeln und nach Terminabsprache und mit minimalem Kontakt zur Optikerin. (Bild vielleicht morgen.)

Ich finde das alles gruselig. So stelle ich mir die Angangssequenz aus Zombie-Filmen vor, die ich aus Gründen nicht gucke.

Mittag bis später Nachmittag: Arbeit. Meetings (Remote) und Anleitungen für die Kolleg*Innen basteln. Es ist kompliziert.

Es ist etwas verstörend, zu sehen, dass der Kollege sich nicht rasiert und die Kollegin sich nicht schminkt, andererseits sitze ich auch ungeschminkt vorm PC.

Es braucht wohl alles noch ein bisschen Gewöhnung.

Tag 1680 – Corontäne Tag 7.

Hrgls ich muss eigentlich echt dringend ins Bett. Meine Augen sind schon ganz klein.

Ich freue mich ein bisschen darauf und darüber, meinen Kolleg*Innen all die schönen Arbeitstools nahezubringen, die wir ja eigentlich schon eine Weile bis zufällig vor kurzem bekommen haben, aber nicht in Betrieb genommen haben. Ich bin die ganze Zeit voll pädagogisch (finde ich) und schreibe immer z.B. wo man welche Daten findet. Das Screenshot-Tool ist mein bester Freund und ich schreibe das erste Wiki meines Lebens. Und dann schreibe ich eine Mail, wo steht, wo man in Teams das Wiki findet. Aber das wird schon alles werden, mir macht sowas ja Spaß und es ist DIE Gelegenheit, alles vom vollgemüllten Server zu retten, was wirklich gebraucht wird und den Rest in Gorleben umzubenennen.

Wir haben heute Blumenerde gekauft. Nicht so viel, wie ich wollte, aber schon viel. Dazu bin ich mit den Kindern zur Miljøstation gefahren und habe Komposterde in Säcken auf dem einsamen Parkplatz in den Kofferraum geworfen, danach habe ich kontaktlos mit Karte bezahlt. Menschlicher Kontakt: quasi 0. Der Frühling kann jetzt kommen.

Eigentlich ist der Frühling schon da. 12 Grad und warme Sonnenstrahlen!

Spaziergang ohne Menschen. Die drei, die wir trafen, machten einen sehr weiten Bogen um uns und wir um sie.

Tag 1679 – Corontäne Tag 6.

Spät, heute aber wegen Arbeit am Abend. Vielleicht muss ich doch aufpassen, dass ich nicht mehr als die 7,75 Stunden am Tag arbeite, die ich momentan abrechnen kann. Bei uns ist es nämlich netterweise so geregelt, dass die, die Kinder zu betreuen haben, sofern sie annähernd „normal“ arbeiten, die normale Arbeitszeit abrechnen dürfen, auch wenn sie momentan vielleicht nicht ganz so effektiv arbeiten und nicht ganz so lange „da“ sind. Ich mache ja normalerweise dauernd Überstunden, jetzt grad halt nicht, oder doch? Hmm. Ich muss das beobachten.

Die ganze Situation ist furchtbar anstrengend, ehrlich gesagt. Schon an Tag 6. Jetzt fühlt es sich nämlich endgültig an wie 2 Vollzeitjobs. Vollzeit-Arbeit plus Vollzeit-Kinderbetreuung. Keine Ahnung, wie unsere Omas das gemacht haben, bevor es Kindergärten gab, ehrlich. Da mussten wohl Kinder wirklich einfach so mitlaufen, schätze ich, und auch viel mit anpacken.

Ersteres können meine Kinder relativ gut, zweiteres… naja. Wir arbeiten dran. Heute haben wir „Kunst und Handwerk“ gemacht:

Meerschweinchenschloss. Es bekam noch ein Katapult, mit dem die Meerschweinchen dann eine kleine Weihnachtsbaumkugel aus Plastik schießen können. Also falls wir hochintelligente WehrMeerschweinchen kriegen, jedenfalls.
Das hat Pippi echt alles ganz alleine gemacht und dabei auch nur minimal rumgesaut!

Pippi haben wir außerdem heute mit einem Perlen-Fädel-Set glücklich gemacht:

Das kann sie sehr lange. Es werden auch sehr lange Ketten.

Und der Vorteil an all dem: ich musste nicht wieder „My hat, it has three corners“ auf drei Sprachen singen. (Wie konnte das passieren? Warum bin ich in dieser Situation? ICH HABE DAS SO NIE UNTERSCHRIEBEN!).

Remote arbeiten mit meinen Kolleg*Innen ist ein bisschen challenging, oder wie meine Chefin sagte: „wir sind ja alle nubes“. sic.

Tag 1678 – Corontäne Tag 5.

Alles neu, alles anders. Arbeit: 4 mal mit 3 verschiedenen Leuten über 3 verschiedene Kanäle gesprochen. Es ist ein bisschen challenging für viele aber wir fuchsen uns da schon rein. Müssen ja. Allerdings musste ich tatsächlich sehr lachen, als mein (normalerweise eher reservierter) Kollege mir über den Teams-Chat ein Emoji eines tanzenden Pinguins schickte.

Schule:

Kindergarten:

Schule lief schon besser als gestern. Ich hoffe einfach, alles ruckelt sich zurecht.

Pippi schlief leider nachmittags auf dem Sofa ein und kam dann natürlich abends überhaupt nicht ins Bett, also dödelte sie noch eine Weile im Wohnzimmer herum, während ich in der Twitter-Kneipe saß. Das war eine super Idee von Little B und ich freue mich drauf, dass das möglicherweise eine sehr viel sozialere Zeit wird, als mein normales Leben. Dafür hab ich auch gern auf 2 h Abendarbeit verzichtet. Sehr gerne! Und gerne wieder.