Tag 1373 – Rasenflaum und Sommergeruch.

Off topic: das ist ja wohl ne Zahl zum davor gruseln. Mir als bekennender Geradzahlfreundin rollen sich dabei die Fußnägel nach oben. Ist das eine Primzahl? Ja, oder? Irgs.

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Ich hab die Arschkarte weggearbeitet. Es war schlimm und stumpfsinnig aber hell yeah, ich bin fertig und habe das gut gemacht. Sogar einen halben Tag eher als geplant. Da kann ich mich ab morgen wieder dem Aufbau meines theoretischen Wissens widmen.

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Der Rasen sprießt, der Briefkasten ist umgehangen (dass ich das noch erleben darf!) und das Blumenbeet blüht komplett. Das ganze Blumenbeet? Nein, die Kugelprimeln sehen unglücklich aus und ich weiß nicht, warum. Der Rest der Blumen macht sich aber sehr gut, das Kastenbeet steht nun auch und bald können da diverse Pflanzenkinder einziehen.

Wenn ich jetzt noch wüsste, was Gurki hat.

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Beide Kinder, aber besonders Pippi, kamen heute dreckig und sommerduftend nach Hause. Dieser ganz spezielle Geruch nach… wahrscheinlich einfach Dreck und Sonnencreme, romantisiert halt Sonne, Wind und wildes Toben, der ist schon ganz speziell. Falls Sie sich fragen, ob der einen Namen hat: natürlich. Seit heute. Sogar zwei.

Ich mag den Sommer.
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Heute schon war alles viel besser als gestern. Wahrscheinlich waren das gestern also nur Hormone. Hormone sind doch echt doof.

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Heute auf dem Rückweg von der Arbeit hörte ich ein wenig (laut) Montreal auf Spotify. Die habe ich mit Herrn Rabe zusammen vor gefühlten 100 ca. 8 Jahren mal auf irgendeinem Festival gesehen und da waren die so lala, jedenfalls nicht so toll, dass ich mir ein Album hätte kaufen wollen. Aber so vom Band als Datei kann man das gut anhören (wenn man melodischen Lärm mag).

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Sonst war nix, nein sonst war nix, sonst war nix, sonst war nix (Peter Licht).

Tag 1372 – Ein Tag wie durch Sirup waten.

Zu kurz geschlafen, schlecht aus dem Bett gekommen. Den ganzen Tag todeslangweiligen Kram gemacht, den ein trainierter Affe vermutlich genauso gut hinbekommen hätte. (Ok, ein sehr gut trainierter, computeraffiner Affe.) Beste Zeit beim Abholen der Kinder, da aber Hunger und Pippi wollte mir nichts von ihrem Pizzabrötchen abgeben. Lecker gekocht, die Kinder wollten es nicht. Geschrei, bis ich und nicht Herr Rabe Pippi ins Bett gebracht habe. Da eingeschlafen, wach geworden aber einfach die Augen zugelassen, müde, so müde, noch so viel zu tun, will nicht, will schlafen. Mit Mühe die Augen aufgemacht und überaus zäh die Essensbestellung eingetippt. Wenigstens das. Rest kann warten.

Jetzt natürlich wach.

Tag 1371 – Großes Herz.

Ach, ach, ach. Ich hab schon tolle Kinder. Zwei Stück. Zwei super Kinder. Pippi zum Beispiel, diese kleine Dreckspätzin mit Nagellack und Kleid, die grad alles alleine kann, außer sie will grad nicht, dann kann sie gaaaaar nichts, es ist alles schlimm und überhaupt sind ihre Knie müde. Alleine den Rucksack aus dem Kindergarten holen, auf Michels Sitz sitzen, alleine Blumen pflücken, aber bitte die Treppen rauf getragen werden. Sie versucht grad oft, ihren Willen mit Geschrei durchzusetzen, was gestern dazu führte, dass Michel heimlich tat, was Pippi hätte tun sollen (ihre Schuhe wegräumen), weil Michel das nicht mehr ertrug, dass sie so brüllte. Aber Michel wär ja nicht Michel, wenn er nicht ne schlaue Antwort auf mein „das war sehr lieb von dir, aber so lernt Pippi leider nicht, dass sie manche Sachen selbst machen muss“ parat hätte: „Ich wollte ihr nur zeigen, wie das geht, dann kann sie es beim nächsten mal selber.“ Das sind meine Kinder grad: die sture Kleine und der gewitzte Große. Michel hat weiterhin den Kopf voller wilder Ideen. Langsam kann man manchmal mit ihm ernsthaftere Gespräche führen. Ihm wirklich Dinge erklären. Weil hier am Freitag ja Nationalfeiertag ist, lesen die Kinder viel Zeug über die „Eidsvollsmennene“, die damals das Grundgesetz verfasst haben und ich konnte es nicht lassen, anzumerken, dass Frauen da nicht gefragt wurden. „Wer hat den Frauen denn eigentlich erlaubt, das [also mitentscheiden] heute zu machen?“ „Da haben viele Frauen lange für gekämpft, dass wir das heute dürfen, mitentscheiden.“ „Mit Pistolen?“ (da hab ich den Teil mit den Bomben legenden Suffragetten dann einfach mal ausgelassen, an „Krieg ist NICHT COOL“ arbeiten wir weiterhin) „Vor allem mit Worten. Die haben so lange gesagt, dass Frauen genauso kluge und gute Entscheidungen treffen können, wie Männer, bis sie die Politik mitbestimmen durften.“ „Was ist Politik?“ (und so weiter). Gut, zwanzig Minuten später sagt er, er will bei seinem nächsten Geburtstag nur Jungen einladen und Mädchen sind doof, aber mühsam ernährt sich das feministische Muttereichhorn. Und wieder zwanzig Minuten später, beim Prä-Bettzeit-Laberflash, der ihn fast täglich überkommt, erzählt er, wenn man schlafwandelt, kann man auch Computer spielen, mit geschlossenen Augen, nämlich, und im Comic, da malen die nämlich ZZZzzz an die schlafenden Leute, so wie bei Donald Duck und 100 + 105, was ist das, Mama, 501? Nein, 150. Und so weiter und so fort und mit Zahnbürste im Mund noch „Isch musch dir wasch schagen, Mama!“, das kann dann keine zwei Minuten warten, auf gar keinen Fall denn das ist ganz wichtig, dass ich weiß, dass es ja viele, viele McDonalds gibt. Jetzt sofort muss ich das wissen.

In solchen Momenten bläst sich mein Herz auf wie ein Luftballon und platzt fast. Ich hab die zwei so schrecklich lieb, ich würd jedem eine Niere spenden, wenn sie eine bräuchten. Meine großen, kleinen, wilden, kuschligen, klugen, albernen und einfach wunderbaren Rübennasen.

Tag 1370 – Keine 12 Bilder.

Heute morgen, beim Frühstück, wollte ich ein Bild von meinem Frühstücksei machen. Ein Ei, braun, gekocht. Schön und außergewöhnlich weil halt braun. Braune Eier gibt’s hier nicht im Supermarkt, die muss man dann schon beim Bauern holen, der die ungewöhnlichen Hühner hat, die halt braune Eier legen. Aber wie ich mein Ei so durch die Handykamera ansah und versuchte, einen vernünftigen Ausschnitt zu finden, auf dem möglichst wenig Krümel zu sehen sind, wurde mir die Belanglosigkeit des Seins meines Lebens dieses Bildes schlagartig bewusst und auch dass es heute 11 weitere vollständig belanglose Bilder werden würden und dann ließ ich es einfach sein.

Hier also kein Bild: mein Frühstücksei. Es gab auch Kaffee und Croissants.

Weiteres nicht gemachtes Bild: der vergebliche Versuch, legal die Sendung mit der Maus zu gucken. Aus unerfindlichen Gründen ist die seit letzter Woche Geo-geblockt, das heißt, wir mussten per App (7 Tage gratis Testversion) unseren Standort maskieren, damit die ARD nicht merkt, dass wir uns im außereuropäischen Ausland befinden. Ich hasse sowas ja.

Bild Nummer 3: die Nachbarn bringen uns Brezeln vom deutschen Bäcker in Oslo, beste Nachbarn.

Bild Nummer 4: die Kinder spielen mit dem Lego-Boost-Roboter, der grad eine Katze ist. Die Katze spielt Mundharmonika. Reizend.

Bild Nummer 5: die Kinder versuchen (schlecht) uns mit der Lego-Boost-App auf dem Tablet abzuhören. Dazu kommt Michel ins Bad, legt das Tablet hin, drückt auf den Knopf und sagt „Jetzt einfach normal Sachen besprechen, wie ihr das immer macht!“ und rennt kichernd raus. Wir besprechen Sachen wie „Es wäre so schön, würden die Kinder jetzt aufräumen“ und „HändewaschenSchuheWegräumenSetzDichAufDeinenPoBeimEssen“, wie wir das halt immer tun.

Bild Nummer 6: Selfie – in unseren besten Schlumperklamotten machen wir uns an die Gartenarbeit.

Bild Nummer 7: der Apfelbaum ist nun endlich gegen Sturm-Entwurzelung gesichert. (Nicht im Bild: meine Angst vor Wildverbiss. Irgendwas ist ja immer, ne?)

Bild Nummer 8: heute morgen sagte ich noch, ich müsste wohl im einen Kastenbeet komplett neu aussähen, denn da komme nichts, jetzt entdecke ich beim Gießen der Erdbeeren zwei Minibabypflänzchen, vermutlich Kohlrabi. Hurra! Vielleicht kommt der Rest ja auch noch.

Bild Nummer 9: der Rasen sprießt, der Lavendel lebt und die Sonnenblumen wachsen nun ebenfalls stabilisiert weiter.

Bild Nummer 10: Herr Rabe und Michel bauen ein riesiges Kastenbeet, das wir an die Grundstücksgrenze stellen werden. Der Nachbar hatte angeboten, die Kosten zu teilen und so werden wir den übrig gebliebenen Erdhaufen auch los.

Bild Nummer 11: Ich excele unseren Haushalt zusammen und dann excele ich weiter herum um herauszufinden, ob und wie wir uns ein Auto leisten können, sollte der Prius wirklich in die Knie gehen. Der Prius sollte wirklich bitte noch ein Jahr halten. (Also, halten und halten. Bitte keine Restwertübersteigenden Schäden kriegen.)

Bild Nummer 12: ich kuschele erst Pippi und dann Michel in den Schlaf. Pippi lese ich das Lille-Frosk-Buch vor, das ich so super finde, weil es von einem kleinen Frosch handelt, der richtig schlimmen Scheiß macht (unter anderem dem deswegen hinzugezogenen Schulpsychologen die Haare anzünden), sodass seine Eltern schlimm mit ihm schimpfen und er weggeht um weniger Scheiß zu machen, was aber nur dazu führt, dass er mehr Scheiß macht. Als er sich grad fragt, was er denn nun tun soll, kommt seine Familie mit dem Helikopter und holt ihn ab und ist super glücklich, aber der kleine Frosch sagt nur, er mache ja weiter nur Scheiß. Seine Familie sagt, das sei egal, er sei ihr kleiner Frosch halt wie er ist. Ich mag das Buch, weil die Botschaft ist: scheiß bleibt scheiß, aber wir haben uns trotzdem lieb. / Michel lese ich „Prinzessin Pfiffigunde“ vor, das hat er sich gewünscht. Prinzessin Pfiffigunde will nicht heiraten und schlägt reihenweise Freier in die Flucht, am Ende verwandelt sie einen besonders hartnäckigen in eine Kröte und lebt fortan ein glückliches Leben ohne irgendwelche lästigen Typen. Hach.

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Ebenfalls kein Bild: Muttertag. Da der hier im Februar ist und nicht wie überall sonst im Mai, habe ich das total vergessen, dass es irgendwie nett gewesen wär, meine Mutter anzurufen. Huff. Hmm. Nächstes Wochenende dann.

Tag 1369 – Jetlag.

Jajaja, ich weiß, nach Südnorwegen gibt es gar keine Zeitverschiebung. Aber irgendwie war die letzte Woche doch sehr viel anstrengender, als ich gedacht hatte. Von halb acht morgens bis zehn Uhr abends, nur unterbrochen von Pinkelpausen, in nicht selbst gewählter Gesellschaft sein, das schlaucht dann doch sehr. Ich muss das mal beobachten. Jedenfalls war ich heute den Tag über zu sehr wenig zu gebrauchen und bin, während die Kinder den „magischen Schulbus“ guckten, sogar eingeschlafen. Entsprechend wenig habe ich aber auch zu erzählen. Wirklich, das interessanteste heute war dass ich 50 Finger- und Fußnägel geschnitten habe.

Tag 1368 – Home, Sweet Home.

Nach einem laaaangen Tag wieder zu Hause. Die Kinder ins Bett gebracht und ein bisschen extra gekuschelt. Sehr schön. Und wahrscheinlich werd ich vom Satz „Mi har jo prosedyre på det!“ (Mit skarre-r und der sehr distinkten südnorwegischen Satzmelodie) träumen.

Das war eine gute Inspektion. Und vier Nächte mit >95% Schlafqualität laut App waren auch mal ganz nett. Jetzt kuschle ich mich aber an Michel und lausche seinem Zähneknirschen.

Tag 1367 – Kontrastprogramm.

… und zwar auf allen Ebenen.

  • Gestern Sonnenschein, heute den ganzen Tag Regen
  • Gestern den ganzen Tag Begehung, heute den ganzen Tag auf dem Hintern sitzen und Dokumente anschauen
  • Gestern hungrig ins Bett nach Essen in schniekem Restaurant, heute pappsatt und glücklich. Meine Kollegen kennen sich ja hier aus, die waren hier schon zwei- bzw. drülfzig mal, ich hingegen weiß nix. Ich wurde am ersten Tag gefragt, ob ich irgendeine bestimmte Küche nicht essen würde, beispielsweise asiatisch, aber ich esse so gesehen alles. Heute fuhren wir in den Nachbarort in ein Restaurant, von dem die eine Qualitätsdame meinte, das sei so schäbig gelegen, direkt am Kreisverkehr, aber das Essen sei gut. Schäbig gelegen war es dann auch, zwischen einer Autowerkstatt und einem Küchenstudio, gegenüber vom Baumarkt und halt direkt am Europastraßen-Kreisverkehr. Noch viel schäbiger fand ich aber das Restaurant selbst. So eine Mischung aus Imbiss und Kegelbahn-flair, uralte Lederstühle, auf denen man so tief einsinkt, dass der Tisch viel zu hoch ist und man sich fühlt wie ein Kind am Erwachsenentisch. In der Ecke eine unbediente Partykeller-Hausbar mit einer Lichterkette um die Pömpel rechts und links gewickelt und ein paar Flaschen Schnaps im Regal (mutig, wo hier ja selbst billiger Schnaps ein Vermögen kostet). Grelles Halogenlicht. In jedem Fall sehr ungemütlich und die Karte war auch sehr übersichtlich. Weil ich gestern ja schon ein Häppchen Fisch hatte, Hühnchen aus Gründen meide, wenn ich auswärts esse und es nichts vegetarisches gab, bestellte ich einen Burger. Mein Kollege hatte Fisch, die Kollegin gefülltes Hühnerfilet im Speckmantel. Die Kollegin und der Kollege bekamen ihr Essen zuerst, ich hatte also ca. 1 Minuten Zeit, deren Essen zu bewundern bevor mein Burger kam. Schwer beeindruckt staunte ich die großzügigen Portionen überaus schmackhaft und frisch und hübsch aussehenden Essens an. Auch mein Burger war optisch schon ein Knaller und vor allem so hoch gestapelt, dass ich gar nicht erst versuchte, meinen Mund entsprechend weit aufzureißen, da hätte ich mir wohl den Kiefer ausrenken müssen. Und geschmacklich erst – ein Traum! Ich hab selten so einen guten Burger gegessen. Alles daran war selbst gemacht und ganz frisch, das schmeckte man. Am Patty hab ich mir den Gaumen verbrannt, weil das offenbar grad aus einer sehr heißen Pfanne kam. Es war knusprig und braun und unfassbar lecker. Dazu der Rest vom Burger: geschmolzener Käse, frischer Salat und Gemüse, Sauce, von allem genau richtig viel. Als Beilage Kartoffelspalten mit grobem Salz und Kräutern, auch knusprig, heiß und saulecker. Ich bin immernoch hin und weg von dem schäbigen Ort mit dem super Essen. Omnomnom. Wenn Sie mal ganz im Süden von Norwegen sind, im Bible-Belt, melden Sie sich ruhig, dann verrate ich Ihnen den Namen.

Solche Überraschungen gern wieder.