Tag 2004 – Nix zu erzählen.

Homeoffice, viel zu tun.

Michel kommt nach der Schule seit Dienstag allein nach Hause. Wenn er sich nach der Schule nicht noch eine Pølse an der Tankstelle holt, denkt er auch dran, anzurufen, wenn er losgeht.

In den Kindergarten dürfen wir jetzt gar nicht mehr. Damit ist der Kindergarten endgültig ein schwarzes Loch, in dem Kindersachen verschwinden.

Sehr pandemiemüde, aber es hilft ja alles nix.

Tag 2003 – Piep.

Bei Michel im Bett eingeschlafen und dort bis Mitternacht gepennt. Gedöst. Wie auch immer.

Ein okayer erster Arbeitstag nach dem Urlaub, würd ich sagen. Eine Sache ist kompliziert und ich hab Angst, dass meine Fragen an meine Kolleg*Innen dumm sind, aber ich komme nicht weiter, lost in Ausnahmendjungel. Ansonsten viel E-Mail-Sichtung und Arbeitsplanung, und ein paar Meetings.

Tag 2001 – Spazieren gehen. (Wooozaaa.)

Ich hab heute wenig wirklich sinnvolles getan, aber dafür war ich zwei mal eine knappe Stunde draußen unterwegs. Vormittags ging ich zur neuen Vertretung meiner Hausärztin (aus Gründen hier ein kleines Augenrollen einfügen), nachmittags ging ich einkaufen. Vormittags bekam ich so sogar richtiges Sonnenlicht ab. Auch wenn das ja furchtbar „weit weg“ ist, tut es gut. Und bei der klirrenden Kälte über die weißen Wege laufen tut auch gut. In meinen dicken Schneesachen bin ich zwar nicht so schnell wie sonst, aber was sollst. Licht und Luft. Hach.

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Großes Kopfschütteln über den deutschen „Lockdown“. Warum ist das so unfassbar schwer in Deutschland, Homeoffice da, wo es möglich ist, auch anzuordnen, also die Arbeitgeber*Innen zu verpflichten, das möglich zu machen? Das funktioniert hier zum Beispiel ja auch und ich sag es mal ganz vorsichtig: zur Zeit stehen wir im Vergleich relativ gut da…

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Auch Kopfschütteln über das Impfgemotze, hüben wie drüben. „Man“ hätte eigene Verträge mit den Lieferanten machen müssen, „man“ hätte viel mehr bestellen müssen, „man“ müsste jetzt viel schneller und so weiter. Ich frag mich, wie groß der Aufschrei wäre, hätte zum Beispiel Norwegen mit irgendeinem Lieferanten nen Vertrag gemacht und 10 Millionen Dosen bestellt und dann kommt das Zeug nicht durch die Zulassung und die Kohle für 10 Millionen Dosen ist weg. Oder, der Lieferant auf den man gesetzt hat, kann halt erst in Q2 2022 liefern, und man hat ja 10 Millionen Dosen bestellt, soll man also ernsthaft doch noch was anderes einkaufen, um *jetzt* mit dem Impfen anfangen zu können. So schnell ist die europäische Solidarität dahin, wenn’s um „wer kriegt wieviele Dosen“ geht, ist sich jeder plötzlich wieder selbst der nächste.

Und da hab ich noch nicht mal was dazu gesagt, wie lange sich diese Impfkampagne hinziehen wird und dass man nicht wirklich groß lockern kann, bevor genug geimpft sind, um eine gewisse Herdenimmunität zu haben. Da ist es wahrlich wumpe, ob man in den ersten paar Tagen 20.000 oder 50.000 Dosen verimpft. Das Personal fällt ja auch nicht von den Bäumen, ich kann mir auch vorstellen, das große Teile des Personals, das dafür qualifiziert wäre, zur Zeit damit beschäftigt ist, kranke Menschen zu versorgen.

Als wäre irgendwas, irgendwo, jemals an Tag 1 perfekt rund angelaufen. In ner Krise, in der alles am besten gestern aus dem Hut gezaubert werden muss, kann man das dann natürlich erst recht erwarten.

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So, rant over, ich gehe morgen wohl doch noch ein paar mehr Stunden spazieren, sonst rege ich mich ja nur auf. Ganz offensichtlich.

Tag 2000 – Ferien ohne Kinder.

Juhu, ich hab noch Urlaub und die Kinder nicht! Das ist ganz wunderbar, selbst mit Michel abholen mitten am Tag.

Den Tag nutzte ich zum Putzen und Meerschweinchen sauber machen, wiegen, Krallen schneiden und Haare (Muffin) kürzen. So langsam fühle ich mich wieder wohler zu Hause, das meiste Chaos ist beseitigt und es stört mich nicht mehr der Staub auf dem Schrank, auch wenn ich ihn nicht sehe.

Related: Ich habe festgestellt, dass die Beutel-Füllgrad-Anzeige am Staubsauger nicht besonders gut ist, und dass der Staubsauger viel besser saugt, wenn er einen frischen Beutel und neue Filter bekommen hat. So eine Überraschung aber auch!

Auch related: wir wissen nicht so ganz, was wir mit der Putzhilfe machen. Im letzten Lockdown kam sie nicht, wir haben sie aber trotzdem weiter bezahlt. Diese Woche geht es ja auch noch alles, aber wenn das hier wieder länger dauert, wird’s halt blöd mit dem Putzen. Man gewöhnt sich ja doch sehr an den Luxus, eine Putzhilfe zu haben. Richtiger wäre es, ihr abzusagen, keine Frage. Verboten ist es nicht, es ist ja eine Geschäftsbeziehung, kein „Besuch“. Ach mann, alles blöd.

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Die Menschen, die in Gjerdrum tot geborgen wurden, sind nun alle identifiziert worden. Es sind immer noch 3 vermisst. Wer jemals wieder in die Häuser zurückkehren kann, und wann, ist noch völlig unklar. Zur Zeit ist neben der Suche nach den Vermissten die größte Sorge, dass durch den Erdrutsch die Abwasserkanäle „abgerissen“ sind, und das nun alles einfach… naja. Sie können sich das vorstellen.

Tag 1999 – Weiter geht’s.

Also, da nimmt eine sich mal feste vor, das Doomscrolling* sein zu lassen und ist ein paar wenige Stunden nicht dauernd am Handy, schon gibt’s ne Pressekonferenz der Regierung, dass Norwegen wieder verstärkt zumacht. So ein Glück, dass es Silvester noch erlaubt war, so zu feiern, wie wir gefeiert haben (und es sich auch sicher anfühlte), weil wir jetzt *gar keinen* mehr treffen dürfen. Niemanden. Nur die Kinder dürfen in ihrer Freizeit noch andere Kinder aus derselben Schul- oder Kindergartenkohorte treffen.

Für uns heißt das konkret:

  • Michel geht erstmal nicht zum Sport-Hort. Der macht zwar weiter wie bisher und darf das auch, aber da werden ziemlich viele Kohorten gemischt und ich finde das nicht richtig, wenn die Regierung genau das empfiehlt, sein zu lassen
  • Die Frage nach „was machen wir mit Pippis (und meinem) Tanzen“ erübrigt sich vorerst (Auch da würde es sich falsch anfühlen, aber das ist Pippi schwer zu vermitteln und auf die Tanzschule kann man da nicht bauen – die machen, was erlaubt ist)
  • weiter Homeoffice
  • Keine Treffen, auch nicht mit den Corontänefreunden, anderen Freunden, den Nachbarn oder sonst irgendwem
  • Unser Inspektionsplan wurde quasi soeben angezündet
  • Seufz

Ich habe keine Lust mehr auf dieses Coronagehampel, aber es hilft ja alles nix, wir müssen da wohl weiter durch, bis wir es entweder alle hatten** oder bis wir alle geimpft sind.

Ich hab ja noch drei Tage Urlaub, die werde ich wohl mit Putzen, Nähen, Streichen und Schulweg mit Michel üben*** verbringen.

SEUFZ!

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Ein sehr trauriges Update: in Gjerdrum sucht man nun nur noch nach drei Menschen. Man hat sieben gefunden, aber bisher nur eine Person identifizieren können. Die Rettungskräfte geben aber die Hoffnung nicht auf, die drei Personen lebend zu finden. Wieviel Realismus dabei ist, kann sich bei -9 Grad nachts jede*r selbst überlegen. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Vermissten und Verstorbenen.

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* Sich wissentlich und willentlich schlechten Nachrichten aussetzen, vor allem in Social Media, aber auch in Zeitungen und co.

** Wobei da ja auch nicht geklärt ist, warum sich manche neu infizieren und in welchem Umfang das passiert.

*** Er kann den ja, ist aber schrecklich aufgeregt.

Tag 1997 – Rumschlunzen.

Manche haben schlecht und alle zu wenig geschlafen, weshalb wir den ganzen Tag seeeehr langsam waren und viel Kaffee getrunken haben. Das ist schon ein okayer Start ins neue Jahr.

Jetzt sind wir wieder zu Hause, haben die Schweinchen, die uns empört anquiekten, als wir zur Tür rein kamen, versorgt, haben lecker gegessen, Pippi ist beim Maus gucken am Abend eingeschlafen und wir Erwachsenen gehen gleich auch ins Bett.

Ein guter, ruhiger Tag, mit schalem Beigeschmack. https://www.nrk.no/norge/dette-er-de-savnede-etter-skredet-i-gjerdrum-1.15309985 (ich kenne keine der Personen. Aber ich hatte ganz kurz Hoffnung, dass man sagen könnte „Ach, die Familie! Die sind doch immer über Weihnachten und Silvester auf Gran Canaria!“)

Es ist 1996…

Bitteschön, 1. Ohrwurm des Jahres 2021.

Ich liege hier bei den Kindern im Matratzenlager, während eines wunderbaren Silvesterfestes.

Wir haben mit den Corontänefreunden gebührend ins neue Jahr gefeiert und 2020 ein herzliches f*ck you, tschüss und komm nie wieder mit auf den Weg gegeben.

Es war so schön, dass ich bisher noch nicht mal ein Foto gemacht hab.

Ich wünsche Ihnen allen, ach was, uns allen, dass 2021 nicht noch mal so ein Abfuck wird. Es kann eigentlich nur noch bergauf gehen!

So, jetzt schläft auch Michel, Pippi schnarcht schon. Zwei der drei besten Menschen, die ich um mich haben darf, ganz friedlich. Hach.

Ich wünsch Ihnen was. Vor allem: Frohes Neues!

Tag 1995 – Umme Ecke.

Bevor Sie sich sorgen – und geht’s gut. Der Erdrutsch ist nicht bei uns. Der Erdrutsch ist zwar, wie wir, in „Øvre Romerike“, aber immerhin ca. 30 km entfernt. Wir haben heute auch gelernt, dass wir nicht auf Quickton wohnen, nur auf „Matsch auf Fels“, was ja eine viieeeel sicherere Grundlage ist, Ähäm.

Morgen werde ich das, was wir mit dem Verkauf der Möbel vor grad mal zwei Wochen eingenommen haben, plus ein bisschen was, an eine gemeinnützige Organisation spenden, die die Familien unterstützt, die nun nicht mehr dort wohnen können, weil ihr Haus in einen Abgrund gefallen ist oder noch könnte oder sonstwie beschädigt wurde. Ich nehme an, selbst wenn ein Haus noch steht, ist es nicht mehr so stabil, wenn ein paar Meter weiter sich plötzlich ein riesiges Loch aufgetan hat.

Ich denke außerdem an die Angehörigen der noch 10 vermissten Menschen, an die selbst, und ich werd den total beknackten Gedanken nicht los, dass Leute da ihre Haustiere in einstürzenden Häusern zurücklassen mussten und was würden wir mit den Meerschweinchen machen. Die armen Meerschweinchen. (Ja, mir ist schon klar, dass das Copingmechanismen sind, die mir ermöglichen, mich nur Häppchenweise mit dem zu beschäftigen, das eine halbe Stunde Autofahrt von hier, in dem Ort, in dem wir vor ein paar Monaten noch eine Konfirmation gefeiert haben, passiert ist und weiter passiert.)