Tag 1307 – Training.

Seit heute beim Kurs zum Revisjonsleder, auf gut deutsch: Lead Auditor. Ähm. Also den Kurs muss ich machen, weil das in unseren Richtlinien steht: wer Revisjonsleder sein will, muss so einen Kurs gemacht haben. Ich erhoffte mir zudem etwas über Revisionsmethodik zu hören. Letzteres kam heute auf 2 Folien kurz mal vor, das können mir meine Kollegen besser beibringen. Ersteres, also das letztlich bloße Absitzen der Zeit da kriege ich auch hin, aber ich wär ja nicht ich, wenn ich nicht alles aufsaugen würde und jetzt könnte ich Ihnen erzählen wo die Unterschiede zwischen ISO 9001, 14001 und 45001 sind, aber ich nehme an, dann lulle ich die Hälfte von Ihnen direkt in den Tiefschlaf. Der Kurs ist jedenfalls… interessant (mit Alfred Biolek-Tonfall gesprochen). Ich bin jetzt total froh, dass ich bei einer Behörde bin, deren Aufsicht und Audits gesetzlich verankert sind. Mit uns diskutiert man nicht rum, welche Dokumentation man vorzuzeigen gewillt ist, oder wann der Qualitätschef aber leider einen Zahnarzttermin hat und nach dem Mittagessen geht. Also, kannste natürlich machen, das mit dem Diskutieren, da haben wir den schönen Ausdruck „mangelnde Zusammenarbeit“ für und da riskiert man direkt eine kritische Abweichung. So. Insofern haben wir es natürlich einfacher als Interne Auditoren, die in der eigenen Firma eventuell den eigenen Chefinnen auf den Zahn fühlen müssen. Aber dafür arbeiten bei uns auch Leute wie ich, Schwämme mit schneller Auffassungsgabe nämlich und nicht die Fraktion „ich muss erst mal vier Wochen vorher einen Karton Papier anfordern und alles akribisch durchgehen um dann überhaupt mal über Fragen nachzudenken“. Nach dem ersten Kurstag mag ich jedenfalls meine Kolleg*Innen und ihre direkte, effiziente Herangehensweise noch etwas mehr als eh schon. Mit Übung werd ich hoffentlich auch so schnell wie die zwei, das Grundpaket, das merkte ich heute sehr deutlich, habe ich schon. Bin wohl doch nicht ganz fehl am Platze als Inspektørin, Hurra.

Ansonsten: heute fiel mir auf, dass wir uns ja schon wieder dem schlimmsten Tag des Jahres nähern, der Umstellung auf Sommerzeit. Ich werde deshalb jetzt jede Woche eine viertel Stunde eher aufstehen, oh the joys, als wär das nicht eh schon alles sehr unschön.

Autsch.

So, damit verspreche ich nur noch sporadisches Genöl über meinen doofen Biorhythmus und den Eulenfoltertag.

Tag 1306 – Vierunddreißig.

Neulich bingten [guckten sehr schnell hintereinander weg alle verfügbaren Folgen] Herr Rabe und ich die Serie „Russian Doll“ auf Netflix. Da gerät an ihrem 36. Geburtstag die Protagonistin Nadia in einen Zeitloop, sie stirbt an diesem Tag und fängt dann wieder auf der Party an. Immer wieder. Einmal sagt jemand: „Das ist ein besonderer Geburtstag für dich, jetzt bist du älter als deine Mutter jemals war!“

Mit 34 bin ich nun älter als mein Vater jemals wurde.

Damit zu etwas positivem: ich bin gar nicht tot es war ein sehr schöner, unspektakulärer und ruhiger Geburtstag. Ich habe viele Gratulationen bekommen und mich über jede einzelne sehr gefreut, ich würde von meiner Familie reich beschenkt und durfte ausschlafen. So darf das sein. Große Party dann mal wann anders.

Was für ein Geburtstagswetter!

Frühstück! Mit Geschenken!

Buchstabenkunst.

Ein Vulkan, der Herzwolken ausspuckt. Ach Michel, du kleiner Herzmensch du.

Herr Rabe hat gestern noch Tischdeko besorgt.

Spaziergang in der Sonne, mit Sonnenbrille und Sonnencreme und hach! (Pippi schlief im Wagen, leider nur kurz, sie war nämlich vorher und nachher ziemlich nölig.)

Kuchen. So lecker! Und die Schoko ist ganz knusprig!

Wir zocken Mario Cart. Genau genommen zocken die Kinder und ich muss immer übernehmen, wenn Sie sich hoffnungslos festgefahren haben. Ich leide ein wenig unter den unterirdischen Mario Cart-Skills meiner Nachkommen. Da geht noch was.

Nun gehe ich ins Bett, mit 34. Den Tag unspektakulär beenden.

Tag 1305 – Seuchentag, Sofatag.

Die Seuche hat mich tatsächlich und Pippi gleich mit. Nach dem Frühstück ging ich aufs Sofa, schlief noch einmal zwei Stunden, schaute mit Pippi My Little Pony, fing irgendwann aus lauter Langeweile an zu Arbeiten, brachte die Kinder ins Bett und ging danach wieder aufs Sofa um mit Herrn Rabe Star Trek Discovery zu gucken. Ah, zwischendurch hab ich noch den Kuchen mit Schokolade überzogen, zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Schokolade temperiert und weiß noch nicht ganz, ob es das wert war, aber spannenderes hab ich wirklich beim besten Willen nicht zu berichten.

Tag 1304 – Zu Hause…

… mit Gliederschmerzen und Kindern, die sich daneben benehmen und einem Geburtstagskuchen, den ich mir selbst backe, für den aber nicht das richtige und vom Ersatz eine grad so nicht ausreichende Menge da ist, was ich aber natürlich erst kurz vor fertig merkte. Außerdem großes Grauen davor, meinen Rechner anzuwerfen und mich ins interne Netzwerk des Werks zu begeben, denn da warten Unschönheiten auf mich, es wurde gestern und heute schon im Taxi/beim Essen/beim Frühstück/beim Besprechen wild spekuliert weil es nur so halbgare Infos gibt, von uns ist ja niemand bei den gestern und heute stattfindenden Meetings gewesen. Also, nicht, dass ich (oder sonst wer) um seinen Job fürchten muss, keine Sorge, das ist es nicht, aber die von vielen lang ersehnte Ruhe bringt das, was sie wohl vorhaben, auch erst mal nicht rein.

Heute Weltfrauentag. Fühle mich schlecht, habe nämlich weder gekämpft noch demonstriert und das einzige was vielleicht mit etwas Phantasie als feministisch durchgehen könnte, war, dass ich jemandem ungefragt den Unterschied zwischen Burka und Niquab auf die Nase gebunden habe. (Burka ist das blaue und hat ein Gitter auch vor den Augen. Beim Niquab sind die Augen frei. Bittedanke.) Weiterhin habe ich mich kolossal aufgeregt, als eine (Arbeits-)Mail kam, dass die Männer in unserer Etage heute für die Damen Kuchen gebacken hätten. Ich möchte nicht einmal im Jahr Kuchen kriegen, liebe Kollegen. Ich möchte, dass auch ihr, sofern ihr mit einer Partnerin zusammenlebt, in euren eigenen Haushalten eure 50% tut. Ich möchte nämlich nicht immer mit müden Frauen zusammen sitzen, die sich selbstverständlich um Putzen, Wäsche, Einkauf kümmern, neben einem Vollzeitjob, für den sie (auch hier) weniger Geld kriegen als der gleich qualifizierte Kerl. Und ich möchte nicht immer umgerannt werden, weil ihr so entitled seid, dass euch der Bürgersteig in seiner gesamten Breite gehört, ich möchte nicht mehr dass ihr X sagt, nachdem eine Frau längst X gesagt hat und plötzlich feiern alle X ab, all das hätte ich gerne statt Kuchen und da könnt ihr alle was für tun. Jeden Tag statt ein mal im Jahr. So.

Tag 1303 – Oink, oink.

Manchmal hab ich so Tage, da muss ich erst den Eintrag vom Vortag aufrufen, um nachzugucken, welcher Tag dran ist. Tag 1303 ist so einer.

Nach Inspektion ziemlich gar. Es ist anstrengend, zumal ich den ganzen Tag auf Schläuchen stand.

Zwei Geschichten:

Im Meetingraum (der dieses Mal wirklich gar keine Fenster hat, wer denkt sich denn sowas bitte aus?) hängt ein Schild mit „Meeting-Regeln“. Alle Regeln sind in Großbuchstaben formuliert. Eine der Regeln lautet NULL HIERARKI (also keine Hierarchie). Ich las zwei Tage lang NULL HARAKIRI und wunderte mich nicht mal drüber.

Es gibt in diesem Betrieb natürlich viele Geräte mit beweglichen Teilen und die müssen geschmiert werden. Auf die Frage, womit sie die denn schmieren würden, antwortete der Mechaniker: mit Lebensmittel-grade Öl. Sie hätten grade umgestellt, weil sie „halal godkjent gris“ gebraucht hätten.

Ich war rechtschaffen verwirrt und fragte: „Ah, ihr habt jetzt also eine andere Sorte gris und das ist halal godkjent?“ „Jaja, das war gar nicht so leicht zu finden!“ war die Antwort. „Kann ich mir vorstellen, ich wusste gar nicht dass es halal godkjent gris gibt!“ Da dämmerte es meiner Kollegin, sie fing an zu lachen und sagte „Moment, ich glaube ihr redet von unterschiedlichen gris. Er redet von grease!“

(Irgendwas mit „bringt euren Kindern und Schülern doch bitte anständige Aussprache englischer Begriffe bei“. Es sei denn ihr wollt mal richtig lachen.)

Tag 1302 – Der traurige Platz.

Also so traurig ist es gar nicht. Halt klein, felsig, windig und schneefrei, aber dafür immerhin grün. Die Inspektion ist wieder so ganz anders als alles bisherige, nach der Begehung der Produktionsanlage wollte ich heute gerne erst mal eine halbe Stunde in einer schalldichten Kabine meditieren, nachdem wir uns zwei Stunden lang über diversen Mühlen und Mischern und Abscheidern gegenseitig in die Ohrenstöpsel gebrüllt hatten. Habe auch wieder das Gefühl, ich stelle die falschen und zu wenige Fragen in zu langer Zeit und überhaupt meh. Trotzdem hier fröhliches Bild in voller Osterkükenmontur:

Was wirklich traurig ist, ist mein Hotelzimmer, denn es hat keine Badewanne. Ebenfalls traurig war mein Sushi, beziehungsweise machte es mich traurig, denn es war da zu viel Wasabi eingebaut, ich hasse Wasabi (generell alles Senf-scharfe) und schmecke dann auch außer dem Wasabi einfach mal gar nichts anderes mehr. Wasabi soll hinfallen und der Sushi-Mensch auch.

Und weil ich die Augen kaum noch aufhalten kann: ab ins Bett. King Size. Aber keine Badewanne…

Tag 1301 – WmDedgT im März ’19.

März 2019. Kinder, wie die Zeit vergeht!

Wie an jedem 5. des Monats fragt Frau Brüllen, was wir denn eigentlich den ganzen Tag machen und in diesem Monat sind wir alle besonders gespannt ob sich an der widerborstigen Verlinkungssituation was geändert hat, aber no pressure!

Mein Tag ist bereits lang und noch nicht vorbei, mal sehen, ob ich alles zusammenbekomme.

Um 5:15 klingelt mich der Wecker aus einem Traum. Ich stelle ihn aus und schlafe weiter. 20 Minuten später bereue ich das und stehe auf, mache Grøt für die Kinder, mache 10 Liegestütze und 100 Russian Twists, mache Kaffee und gehe dann duschen. Dusche, Creme, Föhne, ziehe mich an. Michel steht plötzlich im Bad, muss aufs Klo und nörgelt, ihm gehe es nicht so gut und er wolle nicht in die Schule. Er hustet ordentlich und das ist alles verständlich, aber nun bin ich fast fertig und Herr Rabe noch nicht aufgestanden, weshalb ich auch etwas angepisst bin. Herr Rabe steht auf, ich schildere ihm die Situation, er ist noch nicht ganz wach und antwortet einfach gar nicht und so stapfe ich weiterhin angepisst ins untere Bad um mich zu schminken. Herr Rabe und beide Kinder kommen wenig später auch runter, ich verspreche Michel, ihn direkt im Anschluss an die Schule abzuholen, aber Michel will trotzdem gar nicht hin. Herr Rabe seufzt, dass er dann halt zu Hause bleibe, ich fühle mich rabenmutterig und rabenfrauig und überhaupt doof, hab aber keine Zeit für lange Entschuldigungen, packe zwei Bananen ein und laufe zum Bus.

Der Bus ist ein bisschen zu spät, aber den Zug um 07:00 erreiche ich trotzdem problemlos. Im Zug plane ich den Tag, mache Termine mit meinem Kollegen und versuche zu arbeiten, scheitere aber an der Netzwerkverbindung. In Lillestrøm steige ich in den Bus, am Ahus steige ich wieder aus. Nächste Woche habe ich einen Termin in der endokrinologischen Poliklinik da und ich soll vorher bittedanke nur da eine Blutprobe abgeben. Nicht beim Hausarzt, nein, nur da, ja, auch wenn das für mich einen Umweg von einer Stunde bedeutet. Voll schön (keine Tipps bitte, sonst leite ich Ihnen die Telefonnummer der Poliklinik weiter und Sie klären das mit denen, ja?). Jedenfalls dort eine Nummer ziehen, warten, mit einer Dame an der Schranke sprechen, eine neue Nummer bekommen, warten.

Irgendwann bin ich dran und stelle fest, dass ich eins der absolut ungünstigsten Kleidungsstücke für Blutabnahmen anhabe, das mein Kleiderschrank hergibt, nämlich ein enges und recht unelastisches Schlauchkleid mit sehr engen Ärmeln. Nun denn, ich bitte den Krankenpfleger, die Tür zu schließen und zwänge mich aus dem Kleid. Komplett. Ich sitze da also in meiner Strumpfhose und BH. Den Krankenpfleger schockt nichts, dafür nimmt er so sanft Blut ab, dass ich kaum merke, dass er sticht. Ich ziehe mein Kleid wieder an, bedanke mich und stehe fünf Minuten nach dem Betreten des Behandlungszimmers wieder auf dem Gang. Der eine Bus ist grad weg, ich hole einen Kaffee und stelle mich dann an die Bushaltestelle, der nächste Bus soll in 2 Minuten kommen.

Tut er nicht, er kommt in 16. Ich erfriere in der Zeit nur knapp nicht. Dann quetsche ich mich in den Bus, der so voll ist, dass die Türen kaum noch zugehen. Einige Haltestellen später hat sich das etwas gelichtet. Ich nutze meine schlechte Laune zur Erziehung Erwachsener und bestehe drauf, dass eine Dame, die in dem proppenvollen Bus die ganze Zeit schon einen Sitzplatz mit ihrem Strickzeug belegt, dieses da weg nimmt, damit ich mich setzen kann. Klug von mir, mich zu setzen, denn inzwischen stehen wir mit dem Bus im Stau.

Mit einer Laune kurz vor Eiszeit komme ich um viertel vor neun bei der Arbeit an.

Dann: Arbeit. Erst will mein Rechner nicht, dann doch, dann muss ich eine Kreditkarte leihen um einen ISO-Standard zu kaufen, den ich dann noch ausdrucke und schwupps ist es zehn. Ich soll nun ein Meeting haben aber meine Chefin kann nicht, sie sitzt in einem Krisenstab. Meeting wird verschoben: auf 14:30 bis 15:30. Tja. Ich fluche sehr, denn das macht meinen Pan, Michel um 13:00 von der Schule abzuholen, zunichte. Ich kaspere mit Herrn Rabe ab, dass er Michel um 14:15 abholt, sage im Hort Bescheid, dass sie Michel sagen sollen, dass er nach dem Mittagessen abgeholt wird und fühle mich super beschissen, weil versprochen und weil der Gedanke durch meinen Kopf zuckt, Michel zum Trost für seine doofe Karrieremama ein Ü-Ei oder so zu kaufen. Wie so ein abwesender Vater. Nur mit Brüsten. Ich schlucke das alles runter, es hilft ja nix.

Ich mache mich daran, den Report für die Inspektion letzte Woche weiter zu schreiben. Es ist ein Schmerz im Hintern. Ich bin langsam. Mein Kollege kommt und sagt, er äße heut am Schreibtisch. Sonst ist niemand da. Ich bin einigermaßen im Flow und gehe eine halbe Stunde später als sonst Mittag essen. Alleine. Eine Dame von den Zulassungen setzt sich zu mir und wir unterhalten uns ein bisschen über dies und das. Zwischendurch kommen zwei Mails, eine vom Insolvenzverwalter und eine vom Italiener, der panisch ist, weil er die Mail vom Insolvenzverwalter nicht versteht. Der Insolvenzverwalter schickt nächste Woche dann doch schon unsere Gehaltsforderungen and NAV. Nach nur vier Monaten. Inklusive „das NAV braucht dafür 7-8, manchmal bis zu zwölf Monaten, da habe ich keinen Einfluss drauf, don’t @ me!“. Ich möchte was kleinhacken.

Ich arbeite weiter am Report und an einer Checkliste für die Inspektion morgen und komme gut voran, bis halb drei, die Chefin ist immernoch im Krisenstab und der Kollege und ich machen das Meeting alleine.

Es ist alles ein großer Test, nun soll ich noch bis Ostern* eine Prozedur schreiben, und vielleicht habe ich das nur zu verstehen gemeint, aber eventuell soll ich auch noch ein Tool dazu basteln. Well. What could possibly go wrong? Ich bin ja schon ganze zwei Monate da. Es entspannt aber auch ungemein, das Gefühl zu haben, dass einem was zugetraut wird und dass man gebraucht wird. Noch vier Monate Probezeit, aber ich mache mir da keine Sorgen.

Wegen des Reports frage ich danach noch mal meinen Kollegen und dann verquatscht er sich und am Ende komme ich wieder erst um vier aus dem Werk. Schwer beladen, denn nach der Inspektion ist vor dem Auditor-Kurs. Immerhin habe ich Zeit genug, in Tøyen einmal auszusteigen und Brot beim deutschen Bäcker zu kaufen. Und eine Brezel, eine echte, warme, knusprige und fluffige Brezel. Ich weine fast. Dann denke ich drüber nach, ob ich Brot wohl, wenn ich nicht zum Backen komme, aus meiner eigenen Tasche bezahlen soll, statt vom Haushaltskonto. Und verwerfe den Gedanken.

Im Zug muss ich erst eine ganze Weile stehen, erst am Flughafen steigen genug Leute aus.

Bepackt.

Herr Rabe holt mich in Eidsvoll vom Zug ab. Im Auto schläft Pippi, Michel ist halbwegs fit. Zu Hause setze ich mich mit ihm an die Hausaufgaben, atme viel und korrigiere nicht und atme noch mehr und nur als er Buchstaben flächig übermalen will statt sie wegzuradieren schreite ich kurz ein. Pippi schläft. Herr Rabe kauft ein, wir haben keine Milch mehr (wie konnte das passieren?).

All die stummen Buchstaben fehlen… und Leerzeichen natürlich.

Als Herr Rabe wieder da ist, sind die Hausaufgaben fertig und Michel verzieht sich vor den Fernseher. Herr Rabe und ich kochen Tomatencouscous mit Feta, dann gibt es essen, Pippi verpennt alles. Sie wird wach, als ich sie ins Bett tragen will. Im Bad isst sie eineinhalb Bananen, Zähne putzen, Schlafi anziehen, „Abinsbett“. Natürlich braucht sie ewig zum Einschlafen, die Zeit nutze ich zum Bloggen, minus die Zeit von 20:40-20:46, da musste ich kurz (mit Wecker!) die Augen schließen.

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Für morgen ist der Rucksack gepackt, Klamotten rausgelegt, Papiere geordnet. Zum ersten Mal geht es mit Übernachtung weg. Zwei Übernachtungen sogar. An der Westküste, der Kollege bezeichnete es als „trauriger Platz“ und ich wurde auf einen schlimmen Dialekt vorbereitet. Sicherheitshalber sind auch Kopfschmerztabletten im Rucksack. Im Platzkampf Schuhe vs. Teddybär haben die Schuhe gewonnen, an zwei von drei Tagen müssen wir ja keine Sicherheitsschuhe anhaben. Wir kriegen vom Werk, genau wie Schutzbrillen, keine eigenen, das ist so mittelcool hinsichtlich Fußpilz aber was will man machen. Für selbst kaufen sind mir Sicherheitsschuhe zu teuer und man braucht ja auch immer mal andere, für drinnen, für draußen, mit Rutschdings oder geerdet oder oder oder. (Muss noch Fußpilzsalbe einpacken.)

Alles passt in meinen normalen Rucksack. Bei Kosmetika musste ich wegen Handgepäck und Literbeutel und esoterisch bedingten** Flugplatzkontrollen leichte Abstriche machen, aber zwei Tage muss meine Haut eben nur mit Feuchtigkeitscreme klarkommen. Es ist alles etwas seltsam, finde ich, das letzte mal dass ich nur mit Handgepäck durch Norwegen geflogen bin, habe ich das Haus angeschaut, was wir einen Tag später gekauft haben. Und davor immer Vorstellungsgespräche. Jetzt sind in meiner Tasche Visitenkarten.

Jedenfalls: Herr Rabe hat meine Bluse gebügelt und verdient dafür Dank (Murch!).

Waschen, Zähneputzen, Cremen, 10 Liegestützen, 100 Russian Twists, Bett.

Ich werd Herrn Rabe und die Kinder vermissen. Jaja, nur zwei Nächte, aber trotzdem.

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*tatsächlich fragte ich zuerst: „Bis wann? Diesen Monat geht nichts mehr.“

**als könnte man nicht aus ein paar mal 100 mL nicht näher spezifizierter Flüssigkeit astreine Bomben bauen.