Tag 1184 – Aber.

Heute alles eigentlich gut gewesen, trotzdem seit abends Kacklaune. Hat keinen Grund*, ist einfach so, morgen dann wieder mehr.

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Auto-Lobhudelei: etwa 500 m weit über meinen Schatten gesprungen und dieses Networking versucht, oh my, wie ich es hasse, wie ich mich dabei auch fühle wie ein Kind in Erwachsenenverkleidung, das versucht, bei der Vorstandssitzung nicht aufzufallen, herrje. Dafür ganz ok hinbekommen. Uff. Auch: Schreibtisch unter bergeweise Papier freigelegt.

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*ok, das Roggenmehl war alle, ich hab mir richtig fies in den Finger geschnitten und RuPaul hat keine rausgeschmissen, aber das sind ja alles keine richtigen Gründe.

Tag 1183 – Der Räumverein.

Vor etwa zwei Wochen bekamen wir in unserer Straße hier alle einen (elektronischen) hochoffiziellen Brief von der Kommune. Darin stand, dass ab dem Winter 2018/2019 wir als Eigentümer für jegliche Straßeninstandhaltung zuständig sind, zum Beispiel Beleuchtung, Dings, Bums, Tralala und Räumen im Winter.

Am nächsten Tag schneite es übrigens.

Jedenfalls alle so: waaaahhhhhhhh! Panik! Hier wird NIE MEHR geräumt und jeder muss demnächst immer selbst den Laternenmast hochklettern und ne neue Birne reindrehen und den Meter Straße vorm Haus asfaltieren.

In der Nachbarschafts-Facebookgruppe ging es ein paar Tage lang hoch her, nachdem aber jeder einmal „aber das können die doch nicht machen! Direkt vorm Winter!“ geschrieben hatte, flaute es auch schnell wieder ab.

Man muss dazu sagen: in der ganzen Straße wohnen 21 Parteien. 21. Quasi unüberschaubar viele.

Jedenfalls war recht schnell halbwegs sicher beschlossen, dass wir eine Art Verein gründen müssen, der dann den Räum-Mann beauftragt. Jemand klärte mit der Kommune ab, dass die den Räumdienst nicht kündigen, bis wir soweit sind ihn wieder zu beauftragen, weil November halt auch etwas spät ist, um nach einem anderen Räum-Menschen zu suchen. Es wurde gesagt, dass wir für die Gründung dieses Vereins ein Treffen brauchen.

Dann kam Grillenzirpen.

Bis heute Nachmittag. Denn um 17:30 Uhr las ich plötzlich in der Facebookgruppe eine neue Nachricht: „Findet das Treffen heute um 19:00 Uhr statt?“

Überraschender Weise (für mich) war die Antwort ja.

Also ging ich um 18:58 Uhr los Richtung Hausnummer 6. Schönes Haus, etwas seltsame Leute drin. Nachbarn halt. Sucht man sich nicht aus. Außer mir waren noch 7 andere Parteien gekommen, was die eine Nachbarin mit „vermutlich haben sie es nicht rechtzeitig mitbekommen“ kommentierte. No shit, Sherlock, irgendeinen Kommentar in einen Thread mit 46 Antworten schreiben ist halt keine offizielle Einladung. Nun saß ich da also, Die Neue, zwischen den Nachbarn und versuchte irgendwie zu folgen, das Gespräch drehte sich mehrmals im Kreis um die Sachen, die eh schon klar waren (nein, wir brauchen keine Angst vorm Wintereinbruch haben, ja, wir müssen uns jetzt irgendwie organisieren) und mit neun von 21 Parteien kann man ja auch keinen Verein gründen in dem alle anderen dann halt mitmachen müssen, ob sie wollen oder nicht. Zumindest fand ich das und die anderen nickten dazu zustimmend. Deshalb werden wir nächste Woche Donnerstag um 19:30 (weil dann bei den meisten Leuten mit kleinen Kindern diese im Bett liegen, hahahahahahaha) ein neues Treffen haben, es wird aber dieses Mal eine schriftliche Einladung geben.

Das hat über eine Stunde gedauert. Eine Stunde. Herrje. Das wird noch lustig hier.

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Auto-Lobhudelei: heute endlich mit dem Einsortieren von (Näh-)Kram im Arbeitszimmer angefangen.

Tag 1182 – Nicht verhandelbar.

Ich komme soeben von einem Kurs zu Verhandlungstechniken, den meine… Genossenschaft? Also meine Arbeitnehmervereinigung gegeben hat. Das kostet nix außer des Mitgliedsbeitrags und wenn man arbeitslos ist, ist auch die Mitgliedschaft kostenlos. Dafür gibt’s Brötchen und Kaffee, man könnte fast auf Ideen kommen… egal.

Der Kurs war eher ein dreistündiger Vortrag einer Anwältin plus zwei Rollenspiele*. Die Anwältin war sehr sympathisch und die ganze Aktion auch einigermaßen informativ. Und mit dem Gedanken daran, dass hier ja bestimmt** irgendwann*** mal wieder Gehaltsverhandlungen anstehen, für mich auch sinnvoll, das alles mal geballt zu hören. Mitgenommen habe ich folgendes (ohne in meine Notizen zu gucken):

  • Vorbereitung ist alles!
  • Dafür: Ziele setzen, Grenzen festlegen, Szenarien durchspielen, Plan B auch durchspielen. Das selbe dann noch mal für die Gegenseite und sich auf der Basis dann überlegen, wie man der Gegenseite das was man selbst will als win verkauft. Das sind die besten Argumente.
  • Das erste Angebot ist das wichtigste.
  • Versuchen, nicht diejenige zu sein, die das 1. Angebot macht.
  • Am Ende sollten alle zufrieden sein, wobei uns, Hurra!, auch unser Unterbewusstsein hilft, das das schon so hinbiegen wird, dass wir am Ende zufrieden sind.
  • Zu netten Menschen sagt man eher ja.
  • Nicht drohen, keine Ultimaten, es sei denn, man meint es auch wirklich so.
  • Nie das erste Angebot akzeptieren.
  • Beim letzten Punkt gehe ich nicht mit, denn ich persönlich habe ganz oft eigentlich gar keine Lust zu verhandeln. Ich will auch in vielen Situationen nicht, dass mit mir verhandelt wird. Ich nenne das Energie sparen. Wenn ich, keine Ahnung, ein Paar Skier auf Finn kaufe, bezahle ich, was da steht, fertig. Wenn ich in einen Laden gehe auch, da frage ich auch nicht, ob sie nicht noch nen Helm drauflegen können, wenn ich grad ein Fahrrad gekauft habe. Das hat (im Laden) auch damit zu tun, dass ich nicht gierig und/oder geizig erscheinen möchte, bei Finn habe ich einfach keine Lust auf drülfzig Nachrichten hin und her und Geschacher und am Ende hat man Zeit und Nerven investiert und vielleicht 50 Kronen gespart. Andersrum schreibe ich realistische Preise an die Sachen, die ich da anbiete und wenn dann wer die Hälfte bietet und es dazu noch bitte geliefert haben will, finde ich das einfach dreist und da verkaufe ich es dann lieber gar nicht, ätsch. Mein Rollenspielpartner sah das ähnlich und unser erstes Rollenspiel lief dann so:
  • [Geschichte: ich habe einen Skipass für den ganzen Tag für 300 Kronen gekauft, will aber nach dem halben Tag nach Hause. Am Parkplatz spricht er mich an, ob ich ihm den Skipass verkaufen würde.]
  • Ich: Ja, was bietest du denn?
  • Er: 150.
  • Ich: Ok.
  • Er: Abgemacht.
  • Fertig. Ja, natürlich hätte ich argumentieren können, dass er noch 50 Kronen spart und nicht Schlange stehen muss, wenn er mir 250 bezahlt und er hätte dann argumentieren können, dass ich immer noch 50 Kronen gewonnen habe, wenn er mir 50 gibt statt gar nix und meine Karte einfach verfällt. Aber was soll denn sowas, wenn wir doch beide mit 150 happy sind?
  • Beim 2. Rollenspiel wäre es dann fast genauso gelaufen, ich musste mich echt beherrschen, das Spiel mitzuspielen. Die Geschichte war dieses Mal anders, wir bekamen „geheime“ Informationen, die der andere nicht sehen durfte.
  • [Geschichte: Er verkauft 12 Flaschen (eine Kiste soll das sein, hat nicht eine Kiste immer sechs Flaschen? Naja, egal.) Wein, Château Tralala, 1982er Jahrgang, ein ganz toller Wein. Ich will den Wein kaufen.]
  • [Seine Information: er hat den Weinkeller seines Schwiegervaters geerbt, aber selbst gar keine Ahnung von Wein. Ein Kumpel hat gesagt, der Château Tralala sei total teuer, 12.000 Kronen für eine Kiste hätte der letztens auf ner Auktion gebracht, allerdings von 1985. 4 der Etiketten auf den Flaschen sind feucht geworden und leicht beschädigt.]
  • [Meine Information: ich bin Weinkennerin und verfolge die Angebote regelmäßig. Eine Kiste diesen Weines dürfte etwa 30.000 Kronen wert sein, ich hätte schon Käufer für einzelne Flaschen für 2500-3000 Kronen. Natürlich tun die leicht beschädigten Etiketten der Qualität des Weins keinen Abbruch, wohl aber dem Verkaufspreis.]
  • Wir: Blabla, schöner Weinkeller, jaja, alles geerbt, blabla.
  • Ich: Du willst also diese Kiste verkaufen? Was hast du dir denn für einen Preis vorgestellt?
  • Er: Ich hatte an 14.000 gedacht.
  • [You see?]
  • Ich: *denkt* OK! *sagt* Hmm, das finde ich ein bisschen happig, in Anbetracht der kaputten Etiketten auf den Flaschen hier, die sind ja quasi wertlos. Ich hatte mir 8.000 vorgestellt.
  • Er: Hmm. Aber dass die Etiketten kaputt sind, macht ja den Wein nicht schlecht.
  • Ich: Nein, aber es deutet darauf hin, dass er falsch gelagert wurde. Ich weiß ja nicht, was dein Schwiegervater damit gemacht hat. Für mich ist das ein unbekannter Hintergrund, ich kaufe praktisch die Katze im Sack…!
  • Er: Neulich bei einer Auktion ging eine Kiste davon für 12.000 weg!
  • Ich: Der hatte auch ne dokumentierte Lagerungsgeschichte****.
  • Er: Hmm, ok. Pass auf. Du kriegst eine Flasche für 1/12 von 8.000, nimmst sie mit und probierst*****. Und dann wenn der Wein gut ist, kriegst du den Rest der Kiste für 12.000.
  • Ich: OK, dann nehme ich aber eine von denen mit dem kaputten Etikett. … So, ich habe jetzt probiert und der Wein ist noch gut, ich bezahle dir 11.330 Kronen für den Rest, ok?
  • Er: OK.
  • Tja. So kam ich also zu einer virtuellen Kiste Château Tralala, von dem ich 8 Flaschen an meine virtuellen Freunde verkaufen kann. Oder vielleicht 7 und eine behalte ich und… rahme sie mir ein oder so. 7*2.500-12.000 Kronen sind 5.500 Kronen Gewinn, wenn ich die vier Flaschen mit den kaputten Etiketten für jeweils 1.000 Kronen verscherbelt kriege, sind es 9.500 Kronen Gewinn. Virtuelle Kronen. Außerdem bin ich um die Erkenntnis reicher: ich mag nicht gern verhandeln.
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  • Auto-Lobhudelei: das war mal wieder außerhalb meiner Komfortzone.
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  • *Rollenspiele, ne? Schlimm.
  • **hoffentlich
  • ***bald
  • ****Das hab ich in dem Moment einfach erfunden, damit die Geschichte weitergeht, wozu hat man denn jahrelang Improtheater angeschaut?
  • *****Ich wage stark zu bezweifeln, dass man so einen Wein überhaupt trinken würde, wenn man Weinkenner ist. In dem Moment hat der ja schlagartig null Wert. Andererseits ist das auch genau der Punkt, der mir an dieser ganzen Geschichte am Absurdesten erscheint, aber das nur so am Rande.
  • Tag 1181 – #WmDedgT im November ‘18.

    Es ist schon wieder der 5., wie konnte das eigentlich passieren, aber egal, Frau Brüllen will natürlich wie jeden Monat wissen: was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

    Um sieben stehe ich auf, nachdem ich sehr lange keine Lust dazu hatte. Es ist schon zu spät und die Kinder haben auch keine Lust und schlechte Laune und als wir um acht endlich aus dem Haus kommen, bin ich eigentlich schon bedient und habe Fransen am Mund vom repetitiven „Zieh dich bitte an, den Schlüpfer auch, erst ausziehen, ja alles, jetzt zieh dich an, du hast ja Immernoch nichts an, … frühstücke bitte, nicht schwafeln, frühstücken, iss doch bitte einfach noch was, bitte vergiss das Frühstück nicht…“ Und eigentlich sind wir dann auch schon ein bisschen spät dran und Michel nölt, er sei krank und überhaupt. Wir parken am Supermarkt und ich schleppe Pippi und Michels gewaschene Draußenklamotten zur Schule. Verräume alles, versuche mich erfolglos von Michel zu verabschieden und bequatsche dann Pippi, zurück zum Auto selbst zu laufen.

    Am Kindergarten angekommen verräume ich Pippis frisch gewaschene Draußenklamotten und höre mir Genöl darüber an, dass ich doch da bleiben soll. Aber nur kurz, weil ich so dermaßen den Kaffe aufhabe inzwischen, dass ich mich mit mühsam zurückgehaltenem Groll lieber schnell verabschiede. Ich lasse, zugunsten von Bewegung und Laune, das Auto stehen und gehe zu Fuß zurück nach Hause. Mit Brot kaufen zwischendurch dauert das eine knappe Dreiviertel Stunde. Zwischendurch bekomme ich eine mail vom Chipsmann, die mir nicht viel mehr sagt, als dass ich eine weitere Mailadresse blocken muss.

    Zu Hause wartet Herr Rabe nicht wirklich, denn er arbeitet heute von zu Hause aus. Es müssen sich ja nicht noch alle seine Kollegen anstecken. Ich dödele ein wenig im Internet rum und esse einen Joghurt. Ich fiebere mit, ob es irgendwer aus dem Internet schafft, in Deutschland ein paar der eigentlich heute erst erscheinenden Produkte von Hatice Schmidt zu bekommen. Ich mag ja ihre Videos sehr gern, weil die nicht so überdreht sind, aber informativ sind und ehrlich wirken. Ich kann mit diesem ganzen auf 14-Jährige zugeschnittenen YouTube-Zeug nicht so ganz viel anfangen und das scheint in Deutschland sehr zu dominieren. Jedenfalls hat Hatice Schmidt nun eine Kollektion an Produkten mit L.O.V. herausgebracht und 1. würde sie, da bin ich sicher, keinen Scheiß herausbringen und 2. Habe ich inzwischen ein paar Videos von anderen YouTuber*Innen zu den Produkten gesehen und am Ende wollte ich halt die Lidschattenpalette und den Bronzer haben. Da hatte ich am Samstag einen Aufruf gestartet und es haben sich echt viele bereiterklärt, zu schauen und einige haben das auch erfolglos getan, aber Frau Wunnibar hat es geschafft und ich freu mich sososo doll, hach!

    Nach aller Freuerei ziehe ich meine Sportklamotten an und mache ein Workout, das erste mal im neuen Haus. Das macht nur leidlich viel Spaß, ehrlich gesagt, denn ich war auch schon mal fitter und das ist ja nicht mal nicht lange her. Naja, das wird auch wieder, denke ich, während ich danach zwanzig Minuten weiter schwitze.

    Wenn ich ja aber eh nun rieche, kann ich auch das Bad putzen, denn das hat es nötig. Ich höre derweil einen Podcast über Mantelstoffe und bin nun einiges schlauer und habe ein sauberes Bad. Ich schließe das Bad putzen gerne mit einer Dusche für mich ab, ich sprühe die Dusche von innen en und schrubbe dann mit einem Mikrofasertuch rum, dann ziehe ich mich aus und steige in die Dusche, brause alles (nicht mich!) richtig heiß ab und dann dusche ich ganz normal, nur dass ich am Ende halt alles nochmal trocken überwische (das mache ich nicht bei jeder Dusche). Ich bin also am Ende auch sauber und fühle mich jetzt wieder wie ein neuer Mensch.

    Es folgt ein Brotpäuschen mit Herrn Rabe, wir schnacken noch ein wenig und dann gehe ich auch schon wieder los, die Kinder abholen. Wenn wir die Zeit haben, müssen die ja nicht bis ultimo in ihren Betreuungseinrichtungen sein.

    Mit Michel zusammen zum Kindergarten gehen dauert etwa doppelt so lange wie ohne. Ich besteche ihn, indem ich eine Kinderzeitschrift in Aussicht stelle, wenn wir es ohne viel Gemecker den Berg hoch schaffen. Michel geht daraufhin die meiste Zeit an meiner Hand, beklagt sich nur zwei mal ganz leise über schmerzende Füße und erzählt sonst allerhand Geschichten. Zum Beispiel ist er magnetisch, und weil die Erde ja auch ein großer Magnet ist, kann er nicht fliegen. Das Ent-magnetisieren dauert ein Jahr. Sagt er.

    Wir holen Pippi ab und mir werden noch so viele Bastel- und wasweißichzettel in die Hand gedrückt, dass ich auf dem Weg raus erst die Hälfte vergesse und dann die andere Hälfte fallen lasse. Das ärgert mich, weil ich jetzt dann doch ganz gern wieder nach Hause möchte. Seit eineinhalb Stunden bin ich inzwischen unterwegs. Aber wir müssen noch einkaufen. Ich kaufe drei Paprika und eine Kinderzeitschrift und vergesse die Zahnpasta für Michel. Tja.

    Zu Hause hat Pippi schlechte Laune und nervt Michel beim Hausaufgaben machen. Der ist eh schon so schluderig dabei, dass ich ganz viel atmen muss. Irgendwann ist er aber fertig und Herr Rabe ist dabei zu kochen. Ich vergesse (tatsächlich) die Regel, dass es erst nach dem Essen Fernsehen gibt und lasse die Kinder Kinderfernsehen anmachen. Ich bin so müde, dass ich dabei fast einschlafe, aber nur fast, weil immer wenn meine Augen zufallen die 5-Minuten-Episoden von Grizzy og lemen zu Ende sind und ein Streit entbrennt, welche als nächstes geguckt werden soll. Dann erfahre ich, dass die Spice Girls nächstes Jahr auf Tour gehen und bin gar nicht mehr müde, sondern spinne mit meiner Twitter-Timeline herum, dass wir uns doch in Edinburgh treffen könnten. (Liebe Timeline: ich meine solche Schnapsideen meistens ernst! *zwinker, zwinker*)

    Es gibt Essen und die Kinder mögen es natürlich nicht. Pippi ist außerdem übermüdet und in ätzender Laune. Es ist wie es ist, aber halt nicht schön. Irgendwann brechen wir ab und wollen die Kinder ins Bett stecken. Plötzlich hat Pippi Hunger. Sie isst im Bad eine halbe Banane und dann bringe ich sie ins Bett. Schon bei den letzten Seiten im Peppa Pig-Buch atmet sie auffällig ruhig. Danach dreht sie sich um und schläft innerhalb von 30 Sekunden laut schnarchend (wegen der Erkältung). Puh. Kurz döse ich auch ein, aber ich habe mir einen Wecker gestellt, werde geweckt und stehe auf. Räume unten den Tisch ab, bekomme von Herrn Rabe Gesellschaft, der spült und wir legen gemeinsam noch die Wäsche zusammen. Ich rege an, den Schrank endlich fertig in die Küche umzuziehen, da stand das untere Teil jetzt eine Woche und das Oberteil aber im Wohnzimmer und dann machen wir das „mal eben“. Das Ding ist so sauschwer und zudem unhandlich, dass ich, ganz tief in der Hocke sitzend, mit dem Schrank in den Händen einfach nicht hochkomme. Meine Beine sind nicht stark genug (jedenfalls nicht nach knapp 20.000 Schritten und 30 Minuten beinlastigem Workout heute). Herr Rabe muss also den Schrank auf meiner Seite erst auf einen Hocker stützen und dann seine Seite hochheben. Die letzten 30 cm Höhenunterschied schaffen wir dann wieder gemeinsam und jetzt steht dieser Schrank da bitte bis zum Auszug. Uff.

    Nun: Bloggen und Katjes Kinder essen. Gleich: Ru Pauls Drag Race Makeover Challenge zu Ende gucken. Dann Bett.

    Tag 1180 – Nix für Vegetarier*Innen.

    Ich meins ernst. Wenn Sie nicht damit klarkommen, dass wir hier heute ein halbes Lamm in kleine Teile zerlegt haben, kommen Sie lieber morgen zurück, denn ich werde das nun beschreiben.

    Mein Nagellack hat den Tag nicht überlebt.

    Wir essen ja nicht viel Fleisch und versuchen immer darauf zu achten, dass es nicht aus Massentierhaltung kommt und möglichst tierfreundlich* gehalten wurde. Wir sind hier in Norwegen damit lax geworden, weil es, sobald man seine vier Wände verlässt, immer noch schwierig ist, vegetarisch zu essen, aber wir bemühen uns. In Trondheim haben wir ja unser jährliches halbes Lamm immer vom Schafe-Freund bekommen, hier haben wir jetzt den Bauernhof, bei dem wir ab nächstem Jahr auch Community-farmen werden. Weil das „grob zerlegte“ Lamm in Trondheim immer hauptsächlich kleine und zum Großteil undefinierbare Brocken voller Knochen war, haben wir es hier auch wieder „grob zerteilt“ bestellt, weil ich Angst hatte, „klein zerteilt“ sei dann Gehacktes. Tja, also das hier war wirklich grob.

    „Was denn? Drei Teile!“

    Das Lamm kam an, während ich mit Pippi im Krankenhaus war, bzw an dem Tag, als wir zurück kamen und wir stopften es aus Überforderung mit der Gesamtsituation einfach erstmal in den Gefrierschrank. Heute aber wollten wir gern was davon essen und so tauten wir gestern kurzerhand alles auf, um heute alles zu zerlegen. So grobe Teile nehmen einfach viel zu viel Platz im Gefrierschrank weg.

    Erstmal guckten Herr Rabe und ich ganz romantisch ein paar Lammzerlegungs-Tutorials auf YouTube. Dann desinfizierte ich den Küchentisch und machte mich ans Schnippeln. Nach etwa einer Stunde kam Herr Rabe dazu und wir säbelten, hackten und sägten** dann noch zwei weitere Stunden, bis ich fast verhungert und das Lamm in thematisch sortierten Portionen wieder im Gefrierschrank war. Minus das Filet, das gab es zum Abendessen***.

    Hier die Ausbeute:

    Keule ohne Hüfte, Karree mit Fleisch an den Rippen noch dran, weil ich es nur unter unschönem Gemetzel abbekommen hätte, Filet.

    Suppen-/Fond-Knochen (oben) und „Fårikål-Kjøtt“ (unten), also grobe, fleischige Knochenbatzen, die mit Kohl im Topf geschichtet werden und dann lange geschmort werden, das ist sehr lecker. Hier sind vor allem Teile vom Hals, von der Hüfte und von den Rippen bei.

    Gulasch. Ich glaube, je besser man zerlegen kann, je weniger Gulasch bekommt man. Wir hatten recht viel.

    „Grillfleisch“. Man könnte auch sagen „keine Ahnung was das für ein Teil ist, aber es ist ganz, sieht lecker aus, ist aber auch irgendwie zu klein um es so zu braten“.

    Und zu guter letzt:

    Der Müll. Alles was Fleisch dranhatte und alles Fett haben wir wieder eingefroren, weil ich es schlicht und ergreifend nicht über mich brachte, den riesigen Haufen einfach wegzuwerfen. Vielleicht wird auch Fond draus. Direkt weggetan haben wir nur Sehnen, Nerven und kleine, splitterige Knochen.

    Am schwierigsten war das Auslösen der Hüfte, das sah bei YouTube easy peasy aus, aber was ich da veranstaltet habe würde einem Fleischer wohl die Tränen in die Augen treiben. Insgesamt war alles erstaunlich langwierig und erstaunlich wenig eklig. Auch wenn der Tisch danach ein bisschen CSI-mäßig aussah.

    Jetzt ist wieder etwas mehr Platz im Gefrierschrank. Und nächstes Jahr wird’s vielleicht doch ein ganzes Lamm. Fein zerlegt (aber mit ganzem Rücken).

    An Herrn Rabe mag ich übrigens besonders, dass er beim Säbeln die Titelmelodie von Shaun das Schaf gesungen hat. Und Bææ bææ lille lam. Hachz.

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    *ich schreibe hier absichtlich nicht artgerecht, weil das mit heutigen Zuchtrassen im Normalfall schon eh gar nicht mehr geht, man kann ein Hausschwein nicht im Wald aussetzen und es überlebt dann indem es Wurzeln frisst. Das wird nicht gehen. Und selbst wenn es ginge: artgerecht hieße wohl vor allem, es einfach leben zu lassen statt es aufzuessen, ne?

    **aus Ermangelung an Alternativen mit einem Brotmesser. Ich wünsche mir fürs nächste mal eine anständige Säge.

    ***Es war köstlich.

    Tag 1178 – Schniefhust (und eine Erleichterung).

    Uns hat alle die Spontanerkältung erwischt. Von „bis auf ein bisschen Halskratzen ganz ok“ auf „Nase fühlt sich an wie mit Watte ausgestopft und läuft unaufhaltsam, Husten und Gliederschmerzen“ in ca. 2 Stunden. Nämlich genau so lange, wie Michel in der Kinderdisco war.

    Er hatte da viel Spaß mit (dank?) seiner „coolen Frisur“.

    Ich war heute mal wieder in geheimer Mission unterwegs und bin jetzt die letzte Verbindung zur Chipsfabrik los. Also, abgesehen davon, dass da noch zwei (eigentlich aus Gründen drei, aber das ist… kompliziert) Gehälter ausstehen natürlich. Aber für die muss ich mit keinem da mehr reden, da muss ich letztlich nur noch die Füße hochlegen und auf den Konkurs der Firma warten.

    Ach, eigentlich war es ein guter Tag. Ein sehr guter. Und ich freue mich jetzt einfach auf die nächste Woche, ich werde meine Nähmaschine und mein Sportprogramm wiederbeleben und hier im Haus rödeln und es uns endlich fertig hübsch machen. Also, solange alle bis dahin wieder fit sind, natürlich.