Tag 178 – WMDEDGT Februar ’16

Die hoch verehrte Frau Brüllen ruft ja an jedem 5. des Monats zum Tagebuchbloggen auf. Dann wollen wir mal, ne?

Der Tag begann um 6:30 Uhr. Nicht. Denn ich drückte ziemlich lange auf der Snooze-Taste herum. Und bewunderte die Schnuffelkinder neben und auf mir. Wie sie so schnarchen und sich auf mich wälzen und im Schlaf schmatzen. Wenn ich eh wach bin, finde ich das sehr sehr sehr niedlich. Wenn Sie mich damit wecken, nicht. Aber egal, weiter im Text. Irgendwann sind wir dann doch alle aufgestanden, nachdem ich Michel eine Weile am Fuß gekitzelt hatte. Michel schnell seine Grøt warmgemacht: „Ich will Brot frühstücken, Mama!“ Ok, Brot muss ich ja eh schmieren für die Brotdose. Ist dann auch Wurscht, ob ich eine Scheibe mehr schmiere. Also Michel sein Brot gemacht, Brot für die Brotdose gemacht, selbst eine Scheibe gegessen, Gurke geschnitten und Blaubeeren abgewaschen, Wasserflasche neu befüllt, Kindergartenrucksack fertig. Pippi gewickelt und angezogen, mich angezogen, Michel und mir die Zähne geputzt, Michel angezogen. Blick aus dem Fenster: Schnee festgetrampelt, möglicherweise möglich mit dem Kinderwagen zu fahren. Im unteren Rücken nachgefühlt: das wäre in jedem Fall ratsam, mal nicht Pippi rumzuschleppen. Also Pippi in das Kinderwagenoberteil, Michel in seinen Anzug (+Handschuhe+Mütze+Stiefel) gestopft, Pippi die Treppe runtergeschleppt (meine Fresse, ist die schwer inzwischen), Kinderwagen zusammengebastelt, Michel aufs Kiddyboard, los gings. War ne komplett doofe Idee. Der Schnee war teils ziemlich matschig, sodass ich mich mit dem Kiddyboard dauernd festfuhr. Und teils war der Weg wegen des drunterliegenden Eises wie eine Buckelpiste: arme Pippi, die hätte ich auch genauso gut auf ne Rüttelplatte legen können. Nun ja, wir kamen irgendwann beim Kindergarten an, Pippi durfte sich ein bisschen mit Kindergärtnerin E. Unterhalten während ich Michel die obersten zwei Schichten abpellte, E. wurde von Michel über die neueste Entwicklung von Pippis Augenproblematik informiert („Schlimm aussieht, gestern. Ich liten Baby wart, auch Augen schlimm aussieht. Groß gewachsen jetzt, nich schlimm aussieht! Heute nich Joghurt-dag.“), E. verstand kein Wort, amüsierte sich aber königlich. Dann bekamen Pippi und ich noch je einen dicken Schmatzer und durften dann wieder nach Hause. Trotz Buckelpiste schlief Pippi auf den letzten fünf Metern ein und ich schleppte sie in den 3. Stock. Parkte sie im kühlen Schlafzimmer und machte mir erstmal ein Müsli und einen Kaffee. Dann machte ich mich ans Beantworten der vielen lieben Kommentare zu meinem Frust-Post von gestern und druckte meinen Änderungsvertrag aus, den musste ich nämlich heute abgeben. Geändert wurde die Dauer, wegen der Elternzeit und ein paar Krankheitstagen im ersten Schwangerschaftstrimester (Ich war 30% krank geschrieben wegen „Herr Doktor, nach dem Essen schlafe ich am Computer ein, wenn im Labor nix zu tun ist.“) Als ich damit fertig war, wachte passend Pippi auf und wir gingen ins Bad, damit ich Duschen konnte. Das tat ich ausführlich und mit Eincremen und so hinterher, das steigert mein Wohlbefinden ungemein. Ich schminkte mich sogar und zog komplett frische und saubere Sachen an, die nicht sooo nach Mutti aussehen. Dann zog ich Pippi, die wieder mit den Duschpfützen gespielt hatte, komplett um und fuhr los zum Krankenhaus. Natürlich war „meine“ HR-Frau nicht mehr da und ich musste den Vertrag bei einer anderen abgeben, aber egal, Hauptsache da. 

  
Danach hatte ich noch etwas Zeit und holte mir einen Kaffee und ein Panini und picknickte vor der Bibliothek. Pippi war inzwischen in der Trage eingeschlafen. Um 13:00 Uhr war dann ein Treffen mit dem Dozenten des Statistikkurses und den anderen beiden Mitgliedernder „Referenzgruppe“ um den Kurs zu besprechen und Verbesserungsvorschläge anzubringen. Ich war halbwegs beruhigt, dass auch die anderen die Klausur überraschend schwer gefunden hatten und auch viele falsche Antworten dabei hatten. Unsere Verbesserungsvorschläge   wurden gut angenommen und alle waren recht zufrieden mit dem Meeting. Um viertel vor zwei waren wir fertig und ich machte mich auf den Weg zum Labsenter, wo eine Kollegin ab viertel nach zwei Kuchen anlässlich ihres 40. Geburtstags verteilen wollte. Kurz dem Chef Hallo gesagt, ein bisschen geschnackt (nein, Pippi schläft nicht durch, ja, Tage krieg ich rum, jaja, geht alles total schnell, ah so, neuer Student aus Österreich, und L.s Paper ist in Blood, ok, das ist sehr gut, ja.)  Kram in meinem Büro abgeladen und dann zum Kuchen in den Lunchroom. Da direkt Mütterschnackgruppe aufgemacht: ich, eine deren Baby eine Woche älter ist und die grade wieder 50% angefangen hat, meine Kollegin A., im 7. Monat schwanger und eine Kollegin, die zwei kleine Kinder hat und das letzte Jahr versucht hat, neben denen und nem Vollzeitjob bei HUNT (eine große Biobank) ihre Diss zu schreiben und jetzt zurück ist um ihre Diss zu schreiben. Dann Kuchen und allgemeine Bewunderung des niedlichen Babys und Singen und Schnacken. Im Büro noch fix gestillt und gewickelt und den neuen Österreicher kennengelernt, der mich prompt Siezte und mich damit etwas aus dem Konzept brachte. 

Auf dem Rückweg noch schnell Hirse eingekauft und Quark, denn vermutlich werde ich morgen Käsekuchen backen und es ist besser, wenn der Quark über Nacht abtropfen kann. Knapp zu Hause wollte Pippi dann gerne noch ein bisschen Stillen und schlief dabei ein, ich fädelte ein bisschen im Internet herum, bis Herr Rabe und Michel wieder da waren, die natürlich auch direkt Pippi weckten. Mit Herrn Rabe schnell die Wochenendplanung besprochen, das Nöckelbaby seinem Vater überlassen und das Abendessen zu kochen angefangen. Herr Rabe überlegte sich dann zwischenzeitlich, dass er noch Holz aus dem Keller holen wollte und drückte mir Pippi wieder in die Hand, weshalb ich das Kochen unterbrechen musste. Pippi wollte unterhalten werden, wie auch schon den ganzen Tag über. Nach gefühlten Stunden waren dann aber Herr Rabe und Michel wieder da und ich konnte weiter kochen. Nach weiteren gefühlten Stunden war das Abendessen fertig: mit Hirse gefüllte Paprika, dazu Reis und Tomatensoße, für Pippi gedünstete Paprikastreifen und Hirsepuffer. Alle außer Michel fanden es sehr lecker, aber der hatte auch schon seinen Grøtrest, Knäckebrot mit Käse, Eis und einen Joghurt gegessen. Nach dem Essen Bettfertigmachen für Michel, der wollte zuerst nicht (sondern Sendung mit dem Elefanten gucken), kam dann aber doch als Pirat verkleidet und Bad getapst. Dann der Eklat: beim Abmachen der Augenklappe ging das Band von der Augenklappe ab, und beim Versuch, es wieder festzumachen, riss ich die komplette Ecke vom Moosgummi ab. Michel rastete total aus und war nur zu beruhigen, nachdem ich ihm versprochen hatte, ihm eine neue Augenklappe zu basteln, wenn er im Bett sei. Danach erst konnte ich ihn fertig umziehen, aufs Klo  setzen, Zähne putzen und so weiter. Als er endlich im Bett lag, forderte er mich auf, zu gehen und die Augenklappe zu basteln. Ja klar, ich hatte ja nur gesagt, ich würde das machen, wenn er im Bett sei. Von Schlafen hatte ich nichts gesagt. Also dreimal nachgefragt, ob es denn wirklich ok sei, wenn ich rausginge und dann in Windeseile Moosgummi, Gummiband, Schere und Kuli zusammengesucht und anhand der alten eine neue Augenklappe gebastelt. Michel war zwischenzeitlich wider Erwarten nicht eingeschlafen, Pippi hatte sich allerdings ganz ordentlich in Rage geschrien, weil sie ebenfalls hundemüde war und gerne Einschlafstillen wollte, was Papa natürlich nicht bieten kann. Ich fragte Michel, ob ich Pippi kurz holen könnte, worauf er sofort in Tränen ausbrach. Er erklärte mir (ich übersetze das mal so), dass Papa ja bei Pippi sei und ich solle bei ihm bleiben und nicht weggehen. Also blieb ich. Im Endeffekt musste ich dann auch nur einmal händchenhaltend das Speziallied (selbstgedichtetes Schlaflied, das ich ihm vorsinge, seit er ein klitzekleines Baby war) vorsingen und dann war er eingeschlafen. Herr Rabe hatte Pippi mit einer Tacochipstüte bzw deren Geraschel halbwegs beruhigt, aber als sie mich sah, erinnerte sie sich direkt an ihren Ursprungsplan. Und seitdem, also seit ca. Anderthalb Stunden, sitze ich hier im Poäng-Stuhl mit der schlafenden Pippi, Herr Rabe hat mir Guacamole und Tacochips gebracht und ich schreibe den Tag auf. Gleich werde ich noch Vorteig für Brötchen ansetzen, den Quark ablaufen lassen und dann auch ins Bett gehen, heute war ein langer Tag. 

Mehr WMDEDGTs gibt es wie immer hier.

Tag 177 – Selbstmitleid

In der Hoffnung, dass es besser wird, wenn ich es aufschreibe, folgt jetzt ein Post voller, Sie ahnen es schon, Selbstmitleid. Lesen Sie einfach lieber nicht weiter. 

Ich bin so müde. So. Müde. Müüüüüde. Pippi will abends nicht ins Bett, wird dann, wenn sie einmal drin ist, dauernd wach, nuckelt an mir herum, döst weiter, will auf der anderen Seite liegen, nuckelt, döst, wühlt herum, kneift mir in die Nase, die Brust, die Oberarme, hat Hunger, trinkt, nuckelt, und so weiter. Bis morgens. Letzte Nacht die Krönung: nachdem ich verzweifelt und vergeblich versucht hatte, sie wieder zum Schlafen zu kriegen, wollte sie gerne ein bisschen Spielen und laberte im Bett herum, offensichtlich hellwach. Um zwei Uhr nachts. Nachdem ich ca. 1,5 Stunden geschlafen hatte. Ganz ehrlich: da ist das Ende meines Geduldsfadens erreicht. Pippi angeschrien, Mann angeschrien, mit Pippi auf dem Arm wütend durch die Wohnung gestapft, Heulanfall bekommen, volles Programm. Und da sind wir auch schon beim zweiten Punkt: ich bin ungeduldig und pampig und gereizt und hasse alles und jeden, wegen nix. Michel ist in der „Warum?“-Phase angekommen, es hat etwas gedauert, bis wir das gerafft haben, weil er in einer Kindersprache-Version des lokalen norwegischen Dialekts fragt: „Kuful?“. Dieses Kuful nervt mich aber schon beim zweiten Mal zu Tode und ich ranze nur Michel an, obwohl ich sehr genau weiß, dass Kinder Sarkasmus nicht verstehen, dass es für ihn wichtig ist, Zusammenhänge zu erfragen, Blabla, pädagogisch KANN ICH GRAD NICHT! Und dann fühle ich mich super schlecht, wenn ich statt einfach zu sagen „Leute in Norwegen wohnen eben in Häusern, sonst wäre es zu kalt, deshalb wohnt auch dein Kumpel C. in einem Haus.“ nur pampig „Orrrrrr DARUM!!!“ antworte. Und das nicht nur einmal am Tag. Eigentlich will ich nur meine Ruhe. Michel soll weggehen mit seinem Kuful und seinen Stinkepupsen und seinem nächtlichen Zähneknirschen. Pippi soll weggehen mit ihrer Kacklaune, dem Geschrei, dem Kneifen. Und schon das zu denken macht mich in meiner eigenen Wertvorstellung zu einer sehr sehr schlechten Mutter. Und hatte ich schon erwähnt, dass ich obendrein eine schlechte Hausfrau und allgemein Frau bin? Ich kriege nichts auf die Reihe, ehrlich, mal die Spülmaschine anmachen oder ausräumen oder mal ne Maschine Wäsche ist das Höchste der Gefühle diese Woche. Geduscht habe ich heute auch einfach mal nicht: Pickeln, trockenen Stellen und Hautproblemchen wie bei einer Pubertierenden gefällt das! Meistens laufe ich zu Hause in meiner XL-Jogginghose rum, die viel zu groß ist, weil im 8. Monat schwanger gekauft. Inzwischen habe ich aber ich weiß nicht wieviel abgenommen, viel, da würden sich viele sicher drüber freuen, ich so geht so. Weil mir nix mehr passt. Hosen am Po zu weit, rutschen trotz Gürtel. Pullis und Kleider die Schlabbern. Mal abgesehen von meinen Brüsten, die einen sehr traurigen Anblick bieten. Und für neue Garderobe kaufen bin ich zu geizig. Ich weiß ja auch nicht, ob mein Körper schon fertig ist mit Abnehmen. Dank Stillen und Schilddrüse geht da ja vielleicht noch was. Oder vielleicht nehme ich auch wieder zu. Weiß man ja alles nicht. Also laufe ich in den immer gleichen Schlabbersachen rum und dieser Modeheini nickt wissend in meinem Kopf und steckt Herrn Rabe Visitenkarten von Scheidungsanwälten zu. Dann bin ich also demnächst getrennt erziehend und arbeitslos, weil das mit der Promotion läuft ja auch eher schleppend und ich müsste echt mal Druck machen, dass gewisse Dinge noch laufen bevor ich zurückkomme aber Ich. Hab. Gar. Keinen. Bock. Meine Arbeitsmotivation ist beim absoluten Nullpunkt angekommen. Ich will noch nicht mal Paper lesen. Am liebsten würde ich irgendwelche stumpfsinnigen Handlangeraufgaben machen, aber dafür bin ich wohl überqualifiziert und außerdem würde mich das auch wieder nerven nach ner Weile, deswegen hab ich die Promotion ja angefangen. Vielleicht hab ich auch einen ganz falschen Job, aber ich dachte lange, dass das das einzige ist, was ich kann. Und bei Licht betrachtet: irgendwas mit Menschen: nein. Mit Schreiben Geld verdienen: zu risky. Zu unkreativ. Am ehesten noch Gastro, aber zu blöde Arbeitszeiten. Oder Dienstleistung: zu schlecht bezahlt. Also hallo, Pharmamafia. Die dunkle Seite der Macht. Hrmpf. 

Ich habe den Eindruck, ich muss mal schlafen. 

Tag 176 – Des Rätsels Lösung

Ich weiß jetzt, warum meine Laune gestern so kacke war. Jaha! It’s this time of the month again. Ja, genau, noch nich mal vier Wochen her, vielen Dank auch. Es traf mich auch etwas (total) unvorbereitet heute früh, sagen wir mal so: Michel kennt jetzt ein paar neue Flüche und die Bettwäsche wurde mal wieder gewaschen. Leider verkürzte „der Zwischenfall“ unsere eh knapp kalkulierte Aufstehzeit erheblich, sodass wir alle total gestresst und missgestimmt kurz vor halb zehn am Kindergarten ankamen. Wieder zu Hause musste ich dann auch direkt Pippis Windel wechseln, und als ich endlich, endlich meinen ersten Kaffee in der Hand hatte wollte ich am liebsten einfach wieder ins Bett und den Tag neu starten. Naja, ich tat das dann doch nicht sondern frühstückte Nutellabrot (mach ich sonst nie, ungesundes Zuckerzeug und so, aber mir war soooooo nach Schokolade!). Pippi schlief beim Frühstück ein und schnarchte mich dann ganz herzallerliebst eine Weile an. Als sie wach wurde war es für mich aber höchste Zeit unter die Dusche zu springen, danach noch mal schnell Pippi gewickelt und umgezogen (jaja, die Dusche ist nach wie vor nicht ganz dicht und kleine Wasserpfützchen ja so wahnsinnig interessant! Gut auch, dass die Dusche nur nach außen aufgeht und da ja dann aber Pippi lag und mit den Ofützen spielte. Ich kann meinen Bauch sehr sehr weit einziehen. Ist ja auch ne Erkenntnis.) und dann ab zum Gesundheutszentrum zum 6-Monate-Check Teil 1: Ärztin. Die war dann ganz schön frech und behauptete, Pippi würde schielen. Das ist ja per se unmöglich, weil sie ja das allerhübscheste Baby der ganzen Welt ist und ganz im Ernst: sie. schielt. nicht. Wir werden trotzdem jetzt einen Augenarzttermin bekommen um das überprüfen zu lassen. Hmja. Hab ja sonst nix zu tun. Wenigstens hat die Ärztin was gegen die jetzt wieder schlimmere Bindehautentzündung aufgeschrieben. Das hab ich dann noch von der Apotheke abgeholt und mir dann in einem relativ neu eröffneten Café/Restaurant um die Ecke einen Kaffee und einen Schokobrownie gegönnt, auch um gegen meine innerliche Empörung wegen des nicht vorhandenen Schielens anzukämpfen. Sowohl Kaffee als auch Brownie waren sehr gut und besänftigten mich etwas. Vielleicht hätte ich Pippi was abgeben sollen: die war nämlich heute Abend wieder super kacke drauf und musste sich eine halbe Stunde in den Schlaf schreien. 

Nun ja. Ich hoffe einfach mal, dass morgen ein besserer Tag wird. 

Tag 175 – Komischer Tag

Pippi geht es besser. Ihr Immunsystem ist scheinbar aus Stahl und hat die Bindehautentzündung nahezu über Nacht weggezaubert. Von Michel kenne ich das so nicht, bei dem wurde es immer schlimmer, irgendwann gingen die Augen kaum noch auf, alles verklebt und nur Antibiotika halfen. Pippi hatte heute morgen nur ein bisschen gelbe Krüstchen in den Wimpern hängen und das Auge war noch rot und geschwollen. Das hat aber gereicht, um Michel zu Tode zu erschrecken. Der arme musste furchtbar weinen, weil er fand, dass das ganz schlimm aussah. Ich verstand diese heftige Reaktion nicht so ganz, Pippi war ganz zufrieden eigentlich, aber Michel machte das offensichtlich große Angst. Nun ja. Er beruhigte sich dann, als ich gesagt habe, dass ich deshalb mit Pippi zum Arzt gehe. Bis zum Arzttermin, den ich erst für 13:00 Uhr ergattern konnte, war das Auge schon kaum noch rot und nur ein minibisschen geschwollen – klassischer Fall von Spontanheilung angesichts des Arztbesuchs. Aber ich hab ja nicht aus Spaß 7 Minuten das Warteschleifengedudel der Arztpraxis ertragen und im Anschluss 45 Minuten mit Pippi in der Trage das Auto aus seinem Neuschnee-Kokon befreit. Allerdings: was sagt man dann bei der Ärztin? „Ja, äh, ich weiß man sieht jetzt nix mehr, aber gestern wars ganz arg. Und bei meinem anderen Kind ist das nie von selber weggegangen, ehrlich!“ So ähnlich wars, aber wenigstens sagte mir die Ärztin zu, dass ich, sollte es nochmal schlimmer werden, auf SMS-Zuruf ein E-Rezept für Augentropfen kriege. Es war also nicht ganz umsonst, ans andere Ende der Stadt zu gurken (Memo an mich: nochmal gucken, ob hier in der Nähe ein Hausarzt Kapazitäten hat. Möglichst die Ärztin von Michel, die ist nett.) Und wo ich schon mal am anderen Ende der Stadt war, hab ich nochmal schnell beim Stoffladen vorbeigeschaut und mir Nähgedöns gekauft, das geht immer. Sonst geht auch immer Stoff, aber ich muss erstmal meine Vorräte wegnähen, bevor ich neue Stoffe kaufen darf. Das hab ich mir selbst auferlegt. Dann noch schnell Maiskringel für Pippi und im Hurra-sie-hat-einmal-zufrieden-am-Schnuller-genuckelt-Überschwang ein Schnullerband besorgt. Zu Hause etwas ferngesehen und Pippi bei ihren Krabbelversuchen beobachtet – hätte ich mir ja denken können, dass sie sich mit Robben nicht zufrieden gibt. Aber ein Knie und den gegenüberliegenden Arm anheben klappt schon ganz gut. Nur geht’s halt noch nicht vorwärts. Aber das wird sicher nicht mehr lange dauern. Danach habe ich gespült, gekocht, lecker gegessen, eigentlich ist alles gut, es war auch eigentlich ein friedlicher, guter Tag, trotzdem habe ich total schlechte Laune und bin müde und angekotzt von allem. Und liege auch schon im Bett. Hmm. Mal sehen, wies morgen ist. 

Tag 174 – ;(

Pippi und ich waren heute mal wieder beim Muttisport. Soweit nichts besonderes. Auf dem Rückweg schlief sie im Kinderwagen ein, ich schleppte sie also (zum zweiten Mal heute) mitsamt Kinderwagenoberteil die 42 Stufen in die Wohnung und stellte sie im kalten Schlafzimmer ab. Dann aß ich die zwei restlichen Pfannkuchen von gestern kalt auf (dabei denke ich immer an meinen Opa, der die auch kalt sehr gerne aß). Um 14:40 wurde Pippi wach und ich holte sie aus dem Kinderwagen. Und sah direkt: Matschauge. Ihr linkes Auge war verklebt und schleimig und gerötet und geschwollen. Tadaaaa: Bindehautentzündung. Michel hatte das so oft als Baby, diese Diagnose traue ich mir durchaus ohne medizinische Kenntnisse zu. Ich rief also nach kurzem Check, ob nicht im Kühlschrank doch noch antibiotische Augentropfen sind, direkt beim Arzt an. Die Telefonsprechstunde schließt um 14:30, sagte das Band. Hmmm, toll, 10 Minuten zu lange geschlafen. Dann rief ich die Notfallpraxis an. Und landete in der Warteschleife. Nach 15 Minuten (!) gab ich auf, legte auf und rief nochmal an, in der Hoffnung, an einem anderen Endgerät zu landen, wo vielleicht schneller jemand antworten würde. Diesmal antwortete tatsächlich schon nach 5 Minuten jemand. Trotzdem war ich so schockiert davon, dass ich statt den Lautsprecher auszumachen aus Versehen auflegte. Gnaaaaaa. Also nochmal angerufen. 7 Minuten später sprach ich endlich mit einem Menschen. Ich kam direkt zur Sache, Baby, Bindehautentzündung, Schleim, rot, juckt offensichtlich. Und bekam als Antwort: Mit Wasser saubermachen, Hände gut waschen, dafür sorgen, dass sie nicht im Auge pult (hahahaha) und morgen den Arzt anrufen, wenns noch da ist. Ehm ja. Danke für nichts, ne? Meine Hoffnung war gewesen, dass die Notfallpraxis (eventuell sogar ohne Hinfahren, man darf ja noch Träume haben) ein E-Rezept für Augentropfen ausstellt, das ich dann einfach in der nächsten Apotheke abhole. Statt dessen versuchen wir uns jetzt in Schadensbegrenzung, machen das Auge mit Kamillentee und Muttermilch sauber so gut es geht und scheitern daran, Pippi am Augen reiben zu hindern. Pippi sieht aus wie Karl Dall, ist ziemlich nöckelig und findet den ganzen Augensaubermachscheiß total daneben. Der Hausarzt darf sich morgen auf den Besuch einer wütenden Löwenmama (mir) freuen. Schön den Scheiß in die Länge ziehen. (Ich wette, bis morgen sind es dann beide Augen. Und/Oder es steckt sich noch schnell wer an. Grrrrrrr…)