Tag 910 – Ausgelaugt.

Der Tag war so mittelgut, aber dann telefonierte ich fast anderthalb Stunden mit… jemandem und jetzt muss ich ganz dringend ins Bett und hundert Jahre schlafen. Mindestens.

Weil es nötig ist: ich möchte hier keine Gesundheitstipps geben, aus ganz vielen Gründen. Ich bin total für Vertrauen in Ärzt*Innen. Ich bin total gegen Google als Informationsquelle für „mündige“ (muhahaha, was ein Euphemismus in dem Zusammenhang) Patient*Innen. Ich führte das auch schon mal aus. Und weil ich wirklich, wirklich keine Tipps hier haben möchte, werde ich Kommentare, die solche beinhalten, in Zukunft löschen oder nicht mehr freischalten.

Eine Kommentatorin hat dazu schlaue Dinge gesagt, was man machen kann kurz bevor man bei der Google Suche „linkes Nasenloch juckt Krebs“ auf Enter drückt.

Richtiger wäre der Ansatz (für eventuelle Betroffene): Schämt euch nicht mit Symptomen zum Arzt zu gehen, die euch nur „komisch“ vorkommen. Man darf zum Arzt weil man müde ist. Man darf zum Arzt weil man traurig ist. Man darf zum Arzt, weil man nicht versteht warum der Körper das ein oder andere macht. Viele Leute machen den Fehler, nur dann zum Arzt zu gehen, wenn sie bereits eine mehr oder weniger genaue Vorstellung haben, worunter sie leiden. Aber man darf auch eine Praxis betreten, wenn man sich einfach nur unsicher ist.

Und damit wäre auch alles gesagt.

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Auto-Lobhudelei: ich habe heute mit dem Restaurant gesprochen, bei dem ich das Defense-Dinner haben möchte (das hatte ich… hmmm, prokrastiniert ist das falsche Wort, vermieden zu tun), habe bei der Preisangabe pP keinen Herzinfarkt erlitten, werde trotz des wirklich nicht unsaftigen Preises das Rundum-Sorglos-Paket nehmen und damit meinen Geiz überwinden (nur über die Weinmenge muss ich mir noch Gedanken machen) und dann hab ich ja auch noch dieses Telefonat getätigt.

Tag 290 – … und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Meine Großeltern gingen immer zum gleichen Arzt. Immerimmer. Wegen allem. Doktor R. war schon ziemlich alt (halt so wie meine Großeltern) und nicht besonders innovativ in seinen Behandlungsmethoden und ich fand den doof, der war grob und unfreundlich. Aber meine Großeltern hatten grenzenloses Vertrauen in den Mann. In der Generation galten (und gelten) Ärztinnen tatsächlich noch als Halbgötter in weiß. Sätze wie „Wenn du dich in der Schule ganz doll anstrengst, kannst du auch mal Doktor werden!“ habe ich schon vor 20 Jahren gehört und auch mein Kind wird damit nicht verschont, leider.

Heute ist das anders. Ärztinnen werden nicht nur nicht mehr total überhöht dargestellt, was ihre berufliche Kompetenz angeht, nein, an allen Enden und Ecken wird an ihnen herumgemäkelt. In meinem Internet scheint es fast so, als hätten Ärztinnen grundsätzlich keine Ahnung von irgendwas und wenn doch, dann müssen sie ja vorsätzlich Menschen schaden wollen, wie sonst könnte man sich erklären, das Ärztinnen mitunter Dinge von sich geben, die von der allgemeinen Einschätzung des Internets abweichen?

Ich verstehe das nicht. Ehrlich. Wann ist das passiert, dieser Wechsel vom blinden Vertrauen hin zum allgemeinen Misstrauen? Und wie? Ich vermute, es hat mit dem Internet zu tun. Medizinische Informationen sind quasi jeder zugänglich, wenn man früher noch in eine Bücherei wandern musste, um da medizinische Wälzer zu lesen, so reicht heute die Eingabe von „Krankheit XYZ“ in die Suchmaschine der Wahl und man bekommt unzählige Ergebnisse. Und genau das ist das Gute und aber auch das Schlechte daran. Denn in dieses Internet kann auch jede etwas schreiben. Auch Scheiß. Wissentlich oder „in guter Absicht“ (aber trotzdem falsch) oder einfach aus Unwissenheit. Das unterscheidet Google vom Brockhaus. Selbst bei Wikipedia dauert es mitunter, bis Bullshit entdeckt und entfernt wird. In dem medizinischen Wälzer stehen Sachen, die man als gesichert annehmen kann. Überholt vielleicht, aber doch nicht grundsätzlich total daneben. Auch das Internet bietet eine Fülle von (ziemlich) gesicherten Informationen. Aber man muss diese auch als solche erkennen können. Die Spreu vom Weizen zu trennen fällt selbst studierten Köpfen da manchmal schwer. Selbst wenn ich nur die medizinischen oder pharmazeutischen Studien selbst lese, ist es manchmal schwierig, eine gute von einer schlechten Studie zu unterscheiden. Deshalb machen Menschen Kurse in Medizinischer Statistik (Ich winke mal kurz!), idealerweise, bevor sie anfangen Studien zu lesen oder gar selbst zu machen.

Dass die durchschnittliche Patientin (also die ohne medizinisches Fachwissen und/oder  gute Kenntnisse im Bereich Statistik) also von der schieren Flut der Informationen überfordert ist, kann ich gut verstehen. Und dann (jetzt fange ich mal an wild zu spekulieren) wird eben gefiltert: Ui, medizinische Fachstudie, möglichst noch auf fachchinesischenglisch? Versteht doch kein Mensch. Nächster Treffer. Hmm, trockene Ärzteseite mit blöder Prognose und doofen Therapieoptionen? Nächster Treffer. Erfahrungsberichte von Patienten? Schon besser. Ahhhh, hier, hier steht, es geht auch gut mit Nahrungsergänzungsmittel X / Homöopathischem Kügelchen Y / Diät Z. Perfekt. Ich bin ja nämlich gar nicht krank, steht ja hier. Oder die Therapie wäre viel besser und praktisch ohne Nebenwirkungen zu machen. Meine Ärztin hat halt keine Ahnung.

Idealerweise geht die durchschnittliche Patientin mit ihren ergoogelten Informationen dann nochmal zur Ärztin. In einer perfekten Welt setzt sich die Ärztin mit ihrer verunsicherten Patientin hin, nimmt sich Zeit, erklärt, wiesoweshalbwarum das Internet manchmal mit Vorsicht zu genießen ist, weshalb Nahrungsergänzungsmittel X vielleicht hilft, vielleicht aber auch nicht und vielleicht auch mit anderen Medikamenten ganz unerwartete Wechselwirkungen eingeht, warum der Therapieplan so ist, wie er ist und was man eventuell noch machen könnte, wenn der Therapieerfolg ausbleibt oder es Nebenwirkungen gibt. Die Patientin ist beruhigt und lässt das googeln in Zukunft bleiben.

Leider ist die Welt nicht perfekt, die Ärztin hat keine Zeit, nimmt die Sorgen der Patientin nicht ernst, lacht vielleicht, wenn die Patientin die Nebenwirkungsliste des von ihr verschriebenen Medikaments erwähnt, lacht noch mehr, wenn die Patientin die Homöopathischen Kügelchen Y nennt und  tut das alles mit einem lapidaren „das Internet können Sie vergessen“ ab. (Ich kann die Ärztin an dieser Stelle sogar verstehen. Zum einen werden Beratungsgespräche unterirdisch schlecht von den Krankenkassen vergütet, zum anderen hat die vermutlich am Tag 10 bis 20 Schlauberger, die meinen, durch eine Stunde googeln mehr zu wissen, als jemand, der 12 Semester studiert und dann noch praktische Aus- und Fortbildungen absolviert hat. Trotzdem sollte sowas natürlich nicht passieren.)

Und unsere Patientin? Misstraut der Ärztin noch mehr. Googelt weiter, findet Foren, findet Erfahrungsberichte, bestellt Nahrungsergänzungsmittel X und Homöopathische Kügelchen Y aus den USA und macht Diät Z. Passt die Dosis ihrer von der Ärztin verschriebenen Medikamente selbst an. Setzt eigenmächtig Medikamente ab oder nimmt sogar andere. Wenn sie Glück hat, passiert nichts schlimmes. Dann schreibt sie ihre eigenen Erfahrungen ins Forum, macht vielleicht eine eigene Internetseite zu ihrer Krankheit. Empfiehlt Nahrungsergänzungsmittel X / Homöopathische Kügelchen Y / Diät Z, mischt noch Handauflegen dazu, weil sie das zwischendurch auch noch gemacht hat und es ist ja nichts schlimmes passiert. Vielleicht ist ihre Krankheit sogar wirklich besser geworden. Vielleicht durch irgendeine der Therapien, vielleicht ein Placebo-Effekt (der ist sehr mächtig!), vielleicht spontane Remission, das kann die durchschnittliche Patientin für den Einzelfall genauso wenig sagen, wie die Ärztin. Doch die Informationsflut wird ein Stückchen größer und zwar auf der „Ärzte haben keine Ahnung“-Seite.

Sehen Sie? Es ist ein Teufelskreis. Zumindest für den hier zusammengesponnenen Fall.

Ich glaube nicht, dass alle Ärztinnen von allen Krankheiten der Welt Ahnung haben. Oder dass Ärztinnen keine Fehler machen. Halbgötter in weiß, das ist wirklich überholt. Ebenso kann ich verstehen, dass man sich im (deutschen) Gesundheitssystem nicht gut aufgehoben fühlt, eben wegen der Fließbandabfertigung, dem viel zu kurzen Ärztin-Patientin-Kontakt, dem gefühlten Ausgeliefert-sein. Been there, done that. Aber was meiner Meinung nach mehr Sinn macht als googeln ist: beharrlich sein. Fragen stellen. Nerven. Kennen Sie sich damit wirklich aus? Sollte ich nicht zur Fachärztin gehen? Gibt es noch andere Therapiemöglichkeiten? Kann ich unterstützend irgendwas tun (Diät, Sport, …?)? Und wenn das nicht hilft und man sich immer noch blöd behandelt vorkommt: Ärztin wechseln und zwar nicht kommentarlos „Ich geh da nich mehr hin!“, sondern mit Feedback. Zweite Meinung einholen. Von mir aus in eine Spezialklinik gehen, dritte Meinung einholen. Aber am Ende auch einfach: Vertrauen haben. In Menschen, die viel Zeit und Energie darauf verwendet haben, ihren Beruf zu lernen. In Menschen, die zum Großteil diesen Beruf gewählt haben, weil sie Menschen helfen wollen. In Menschen, statt in Suchmaschinen.

 

 

 

Tag 175 – Komischer Tag

Pippi geht es besser. Ihr Immunsystem ist scheinbar aus Stahl und hat die Bindehautentzündung nahezu über Nacht weggezaubert. Von Michel kenne ich das so nicht, bei dem wurde es immer schlimmer, irgendwann gingen die Augen kaum noch auf, alles verklebt und nur Antibiotika halfen. Pippi hatte heute morgen nur ein bisschen gelbe Krüstchen in den Wimpern hängen und das Auge war noch rot und geschwollen. Das hat aber gereicht, um Michel zu Tode zu erschrecken. Der arme musste furchtbar weinen, weil er fand, dass das ganz schlimm aussah. Ich verstand diese heftige Reaktion nicht so ganz, Pippi war ganz zufrieden eigentlich, aber Michel machte das offensichtlich große Angst. Nun ja. Er beruhigte sich dann, als ich gesagt habe, dass ich deshalb mit Pippi zum Arzt gehe. Bis zum Arzttermin, den ich erst für 13:00 Uhr ergattern konnte, war das Auge schon kaum noch rot und nur ein minibisschen geschwollen – klassischer Fall von Spontanheilung angesichts des Arztbesuchs. Aber ich hab ja nicht aus Spaß 7 Minuten das Warteschleifengedudel der Arztpraxis ertragen und im Anschluss 45 Minuten mit Pippi in der Trage das Auto aus seinem Neuschnee-Kokon befreit. Allerdings: was sagt man dann bei der Ärztin? „Ja, äh, ich weiß man sieht jetzt nix mehr, aber gestern wars ganz arg. Und bei meinem anderen Kind ist das nie von selber weggegangen, ehrlich!“ So ähnlich wars, aber wenigstens sagte mir die Ärztin zu, dass ich, sollte es nochmal schlimmer werden, auf SMS-Zuruf ein E-Rezept für Augentropfen kriege. Es war also nicht ganz umsonst, ans andere Ende der Stadt zu gurken (Memo an mich: nochmal gucken, ob hier in der Nähe ein Hausarzt Kapazitäten hat. Möglichst die Ärztin von Michel, die ist nett.) Und wo ich schon mal am anderen Ende der Stadt war, hab ich nochmal schnell beim Stoffladen vorbeigeschaut und mir Nähgedöns gekauft, das geht immer. Sonst geht auch immer Stoff, aber ich muss erstmal meine Vorräte wegnähen, bevor ich neue Stoffe kaufen darf. Das hab ich mir selbst auferlegt. Dann noch schnell Maiskringel für Pippi und im Hurra-sie-hat-einmal-zufrieden-am-Schnuller-genuckelt-Überschwang ein Schnullerband besorgt. Zu Hause etwas ferngesehen und Pippi bei ihren Krabbelversuchen beobachtet – hätte ich mir ja denken können, dass sie sich mit Robben nicht zufrieden gibt. Aber ein Knie und den gegenüberliegenden Arm anheben klappt schon ganz gut. Nur geht’s halt noch nicht vorwärts. Aber das wird sicher nicht mehr lange dauern. Danach habe ich gespült, gekocht, lecker gegessen, eigentlich ist alles gut, es war auch eigentlich ein friedlicher, guter Tag, trotzdem habe ich total schlechte Laune und bin müde und angekotzt von allem. Und liege auch schon im Bett. Hmm. Mal sehen, wies morgen ist. 

Tag 108 – Krankes Kind (3)

Heute war ich mit dem Kind beim Arzt. Herr Rabe hat einen Kinderkrank-Tag eingereicht, damit ich nicht das Baby in ein Wartezimmer voller verrotzter  Menschen mitschleppen musste. Besser wars auch, denn der Ausflug dauerte wesentlich länger als erwartet.

Um 13:45 hatten wir einen kurzfristigen Termin bekommen. Ich parkte neben der Praxis auf einem Wohngebietparkplatz und hoffte sehr, dass ich nicht wieder einen Strafzettel über 800 NOK (knapp 100!!!€) bekommen würde. Die Praxis war ganz schön voll und wir kamen erst um zehn nach zwei dran. Da gings dem Kind, das morgens noch halbwegs fit gewesen war, schon wieder recht dreckig und ich musste es die ganze Zeit tragen und auf dem Schoß haben.

Die Ärztin hörte ab, guckte in die Ohren, guckte in den Hals und wurde volle Möhre dabei angehustet. Sagte, sie hätte gerne nen CRP-Wert und nen Halsabstrich, Mandeln wären zwar normal aber man weiß ja nie. Der linke Lungenflügel würde etwas Rasseln bis tief in die Bronchien. Also setzten wir uns wieder ins Wartezimmer. Wurden irgendwann wieder aufgerufen für den Pieks in den Finger, der das Kind so schockierte, dass der darauf folgende Halsabstrich mit wenig Protest abging. Dann gab es ein buntes Pflaster und einen Flummi und viel Pusten von Mama. Und wieder ins Wartezimmer. Dann wieder zur Ärztin rein: Hmm, der CRP ist eigentlich ok, das ist alles komisch, gehen Sie bitte zum Lunge Röntgen ins Krankenhaus. Da war ich dann erst mal ziemlich geschockt: Krankenhaus??? So schlimm? Lunge Röntgen klingt auch nicht gut. Egal, erstmal dem Kind Sicherheit vermitteln. Und den Herrn Rabe anrufen, der und das Baby müssen mit, sonst kriegt das Baby Hunger und dann? Ja eben. Mann und Baby eingesackt, auf dem Rückweg noch schnell wegen tausend Einbahnstraßen verfahren, und ab ins Krankenhaus. Auch da: Warten. Lange.

Das Röntgen der Lunge war dann ein besonderer Spaß, weil das Kind partout nicht vor der Platte sitzen oder stehen bleiben wollte. Es erforderte eine blitzschnelle Röntgenassistentin, die just in dem Moment, als das Kind mal kurz richtig davor saß, auf ihr Knöpfchen drückte. Die seitliche Aufnahme war trotzdem etwas schief, aber da das Kind schon wieder völlig aufgelöst war und an mir hing wie eine Klette, meinte sie, vielleicht reicht es ja dem Arzt auch so, erstmal ausruhen und wenn doch noch ein neues Bild gemacht werden muss, dann machen wir das eben später. Ok. Also wieder: Warten. Auf die Bildauswertung.

Das Kind schlief auf Herrn Rabe ein, das Baby hatte Hunger und wurde gestillt, kackte und wurde gewickelt, war müde und wurde herumgeschleppt, die Uhr tickte vor sich hin und dann endlich kam jemand und rief uns auf: Gehen Sie bitte in die Kinder-Notaufnahme. Da wurde mir etwas flau, aber es half ja nichts. Ab in die Kinder-Notaufnahme. Die fanden wir zunächst nicht und irrten, jeder ein Kind und diverse Jacken schleppend, in der Kinderklinik herum. Irgendwann begegnete uns ein Arzt, der uns den Weg sagte. Also hin da und: Warten.

Dieses Mal mussten wir nur sehr kurz warten und wurden von sehr netten Kinderkrankenschwestern in Empfang genommen. Die stellten erstmal drölfzig Fragen und untersuchten das Kind ein bisschen. Wieder über 40 Grad Fieber. Oha.  Das Kind bekam dann ein Eis und ein Trinkpäckchen und 310 mg Paracetamol als Zäpfchen und zwei Emlapflaster falls Blut abgenommen werden müsse (nachdem es auf die Frage: „Tut’s dir irgendwo weh?“ seinen Finger mit dem bunten Pflaster vorgestreckt hatte) und eine Elektrode an den Fuß. Wir bekamen jeder einen Becher Wasser und das Baby einen Kinderwagen zum drin schlafen. Dann mussten wir wieder (Sie ahnen es sicher bereits) warten. Das Pflaster wirkt ja eh erst nach ner Stunde und außerdem war grade Schichtwechsel und sie wollten abwarten, wie das Paracetamol wirkt. 45 Minuten später schliefen alle außer mir. Die Schwestern kamen wieder und weckten alle wieder auf, maßen noch mal die Temperatur (jetzt nur noch 37,8) und gingen wieder raus. Nach noch mal 10 Minuten kam endlich der Arzt, ein netter, ziemlich kleiner, älterer Herr mit starker Brustbehaarung der die in meinen Ohren schönste Sprache der Welt sprach: Schwedisch. Es ist so schön. Hachz. Nun ja, er hörte noch mal ab, besah sich dann nochmal das Röntgenbild, guckte auf den CRP-Wert und machte viele hmms dabei. Und erklärte uns im Endeffekt könnten wir nichts weiter machen, die Lunge hört sich schlimm an, sieht aber so schlecht gar nicht aus, also Entzündung ja, aber keine schlimme, Bakterien sinds nicht, dann wäre der CRP höher, Viren vielleicht, obwohl dann eher auch Ohren und/oder Augen mit betroffen sein müssten, vielleicht auch Mycoplasmen, man weiß es halt nicht. Samstag sollte das Fieber wegsein. Wenns Montag noch nicht weg ist, nochmal zum Arzt. Von dem Husten hätten wir jetzt aber länger was, der alleine sei aber dann nicht mehr ansteckend. Viel trinken. Sei besser als jeder Hustensaft.

Mir fielen erstmal tausend Steine vom Herzen, das das Kind nicht im Krankenhaus bleiben musste. Und tatsächlich hab ich mich noch nie so über nen normalen Wutanfall gefreut, den es zu Hause wegen irgendwas und der runtergefahrenen Temperatur bekam. Darauf eine Pizza für alle!

Gebloggt: Tag 91 – Vom nackten Po

Heute war ich mit dem Baby beim Arzt. Es hat nämlich inzwischen seit geraumer Zeit einen Ausschlag am Po, eigentlich nicht am Po, sondern in der Windel quasi direkt unterhalb vom Bauchnabel abwärts, ein bisschen auch an den Beinen. Erst dachten wir, es sei allergisch gegen das Waschmittel. Also probierten wir weniger Waschmittel. Dann anderes Waschmittel. Extra Spülgang. Alle Cremes die wir haben (und das sind einige, glauben Sie mir). Ich hab sogar für über 10 € eine kleine Tube echtes Bepanthen gekauft. Trotzdem wurde es nicht besser, höchstens mal anders, aber rot und unangenehm aussehend blieb es. (Es stört das Baby übrigens überhaupt gar nicht.) Vor einer Woche beschlossen wir dann mal konsequent auf Wegwerfwindeln umzusteigen, um zu sehen ob das was bringt. Die Antwort ist ein klares Jain, es sieht nicht mehr so schlimm aus, die Haut ist nicht mehr ganz so gereizt, aber der Ausschlag an sich ist immer noch da. Also: Arzt. Irgendwann is auch mal genug.

Die Ärztin (leider hatte mein eigentlicher Hausarzt keinen freien Termin heute) hatte dann auch schnell eine Diagnose parat: Windelausschlag. Ich so: Ahhhhhh! Mensch, da wär ich ja nie drauf gekommen! Ausschlag in der Windel ist Windelausschlag! Faszinierend! Aha. Und dann bekamen wir eine Salbe aufgeschrieben, die auch das Kind schon mal hatte und nicht vertragen hat, irgendwas gegen Pilzinfektionen mit Kortison drin, gegen die „Entzündung“. Ich finde nicht, dass es noch entzündet aussieht, aber nun gut, ich bin ja keine Ärztin. Ich finde es jedenfalls auch ziemlich unschön, dass ich mein Baby mit Steroiden einschmieren soll, die nur eventuell was bringen und eventuell wächst dem Baby davon auch ein Schnurrbart. Und gratis obendrauf der Bonustipp an alle Eltern: So oft wie möglich ohne Windel lassen. Ich frage mich dazu ja folgende Dinge:
1. Wie warm ist es bei denen in der Wohnung?
2. Wieviele Handtücher etc. besitzen diese Menschen?
3. Was für Bodenbelag haben die?
4. (Bei Kindern, die schon mobil sind) Haben die meine geheime (jetzt nicht mehr) Geschäftsidee umgesetzt und einen Saug-/Wischroboter entwickelt, der automatisch immer dem Kind hinterherfährt?
Aber ich will ja nichts unversucht lassen, also schmierte ich eine ca. 0,2 Nanometer dicke Schicht der fiesen Creme auf einen Teil der „betroffenen Hautpartien“, legte dem Baby nen Handtuch unter den Po, drehte die Heizung auf Sauna und harrte, bewaffnet mit einem Stapel weiterer Handtücher, der Dinge die da kommen sollten*. Das Baby pullert tatsächlich ziemlich viel herum, soviel kann ich Ihnen schon mal verraten. Und es lacht dabei. Es kann das auch in jeder erdenklichen Position. Das spaßigste ergab sich aber aus der Kombi rutschiges Handtuch – glatter Laminatfußboden – unausgereifte Koordinationsfähigkeiten des Babys. Es schob sich nämlich durch sein Gezappel in Bauchlage ständig nach hinten weg, manchmal auch noch leicht im Kreis, es machte richtig Strecke dadurch und sah sehr witzig aus mit seinem nackten Po und den Michelinmännchenbeinen und dem vor Anstrengung roten Kopf. Leider fand das Baby das nicht ganz so witzig, weil es sich immer weiter von seinem Spielzeug entfernte. Dafür fand es dann aber gut, auf meinem Schoß sitzend seine Speckfüße bewundern zu können. So hatten wir alle was davon.

*Der erfahrene Leser fragt sich jetzt, was denn aus dem Abhalten geworden ist. Das ist irgendwie wegen nicht-Funktionierens eingeschlafen. Wir probieren es jetzt aber mal wieder.

Tag 24

Schon spät, deshalb Kurzversion.

  • Beim Statistikkurs gewesen, Einführung in SPSS. Zu spät gekommen, Raum nicht gefunden. SPSS ist Excel in besser und R für Arme.
  • Früher den Statistikkurs verlassen und zum Arzt. Baby mag nicht Auto fahren, am Maxi Cosi liegts aber nicht. Ich hab langsam den Eindruck, ich habe da ein kleines Mama-Kind (s.u.)
  • Beim Arzt gewesen:
    Ich: „Ich hab Rückenschmerzen.“
    Arzt: „Hmm.“
    Ich: „Und ich wüsste auch gerne, wie weit meine Bauchmuskeln wieder zusammengewachsen sind.“
    Arzt: „Soso.“
    Arzt: „Wie verhüten Sie denn jetzt eigentlich?“
  • Nach Hause gefahren. Zwischendurch kurz rausgesprungen und TK-Kirschen in dem einzigen Laden besorgt, in dem es die gibt. Noch Himbeeren mitgenommen, weil günstig.
  • Zu Hause Baby in den zweiten Stock geschleppt, Himbeeren in nen Topf geschmissen und gezuckert (morgen wird Marmelade gekocht), Baby gewickelt und fix wieder los.
  • Baby mag auch seinen tausendmillionen Kronen teuren Kinderwagen eher so nicht.
  • Gesundheitszentrum mit Baby: wiegt jetzt 5,2 Kilo. Ist aber sehr aufgeweckt und so. Ja, wusste ich schon. Sonst noch Fragen? Nein.
  • Auf dem Rückweg vom Gesundheitszentrum nen Kaffee geholt (ENDLICH!)
  • Versucht auf einer Bank zu sitzen und den Kaffee zu trinken. Baby says no.
  • Das Kind abgeholt. Mit dem Kind auf dem Spielplatz gewesen. Menschen getroffen. Davon überfordert gewesen (Kind fands aber gut). Ein Mädchen sagte freudestrahlend zu mir „Dein Kind ist ordentlich unheimlich!“. Ich versuche diese Aussage noch auszuwerten.
  • Nach Hause gegangen. Auf dem Weg beschlossen, heute nicht mehr zum Ballett zu gehen.
  • Wäsche zusammengelegt.
  • Abendessen: Fischstäbchen und Salzkartoffeln. Danke, Herr Rabe 🙂
  • Baby bespaßt. Baby ist wirklich sehr aufgeweckt. Wir führen angeregte Unterhaltungen:
    Ich: „Na du süße Speckmaus?“
    Baby: „Göh!“
    Ich: „Jaaa? Göh?“
    Baby: „Hrrggglll!“
  • Brownies mit Kirschen gebacken. Tausend Eier, ein Zentner Butter, ein Zentner Zucker, ein Zentner Schokolade, eine Prise Mehl. Babäääämmm. Ich hoffe sie sind so lecker wie sie riechen. Morgen gehts einen Arbeitskollegen besuchen, der einen Sohn im Alter des Kindes und eine Tochter von knapp zwei Wochen hat.
  • Das Baby lässt sich vom Papa quasi nicht beruhigen, er macht haargenau das Gleiche wie ich aber das Baby brüllt wie am Spieß. Um maternal gatekeeping wissend, nehme ich ihm irgendwann das Baby dann doch ab und es beruhigt sich sofort. Der Herr Rabe wird das baby wohl mal mehr im Tragetuch herumschleppen müssen, damit das besser klappt. Zumindest meinen Rücken wird’s freuen.
  • Den gefährlichen Abfall zum ersten Mal in zwei Jahren rechtzeitig an die Straße gestellt.
  • Jetzt. Bett.

Ansonsten glaube ich ich hab ein Loch im Zahn. Aber es tut nicht weh. Eigentlich merke ich gar nix. Zahnarzt ist hier so krass teuer, da bezahl ich lieber in Deutschland privat. Unser Weihnachtsurlaub füllt sich mit spaßigen Terminen, bevor wir überhaupt angefangen haben ihn zu planen.
Und in meinem linken Ohr piepts. Hmm. Warum wohl?