Tag 316 – Zitronenkuchen, ab ins Bett. 

Heute war zu viel mal wieder. Doofe Ergebnisse bei der Arbeit, alles was ich gestern gemacht habe war für’n Eimer. Nach der Arbeit Kind vom Kindergarten abholen, sich anhören, dass er auf dem Kindergartengelände an einen Baum gepinkelt hat. Äh. Dann Grillen bei Freunden, wir irgendwie total unvorbereitet, erstmal ne halbe Stunde Gemüse auf Spieße friemeln. Hurra. Essen und so sehr nett, dann nach Hause, Kinder ins Bett gebracht und schon gefreut und dann: ach Mist, ich muss ja noch Kuchen backen für das Meeting morgen. Ich hab ja sogar extra Bio-Zitronen besorgt (stellen Sie sich das nicht zu einfach vor. Wir waren in 3 verschiedenen Läden, der Herr Rabe und ich). Also um halb zehn noch mal aus dem Bett gestiegen, wehmütig geseufzt und Zitronenkuchen gebacken. 

Beweisstück A.


Jetzt völlig im Eimer und mit Kopfschmerzen ins Bett. 

(Ach ja: mein neues Fahrrad ist toll! Und ich habe gestern Schneckenbabys bestellt, am Montag werden vier kleine Achatina Fulica Kinder in der Vollalbinovariante ihre Reise per Post zu mir antreten.)

Tag 315 – 11 Monate

Ach du kleine Pippimaus,

Ich hab dich so lieb. Kannst du nicht noch ein bisschen weiter mein Baby bleiben? Also, das ist zwar ganz schön, dass du jetzt stehen kannst und eifrig mit dem Laufwagen durch die Gegend tappst. Oder an meinen zwei Händen unermüdlich deine Runden drehst. Und nie hab ich niedlichere Hasenzähnchen gesehen. Aber letztlich sind das ja alles Zeichen, dass die Babyzeit vorbei geht. Schon fast vorbei ist, um genau zu sein. 

Klar, nicht alles am Babys haben ist toll. Der Schlafentzug ist mies. Geschrei im Ohr ist unschön über nervig bis zermarternd, je nach Dauer und Intensität. Windeln wechseln ist so geht so, vor allem wenn man dabei angebrüllt wird. 

Trotzdem ist auch ein futzikleines Tränchen in meinem Augenwinkel, wenn ich dich so angucke, wie du dir die Nudeln reinschaufelst. Eben noch wolltest du nur gestillt werden. Eben noch wolltest du auch nur getragen werden. Immer bei mir sein. Auf mir schlafen, auch nachts. Und jetzt brauchst du das alles nicht mehr. Du findest das Stillen zwar noch ganz nett, aber richtig aus Hunger scheinst du das nicht mehr zu machen. Das eigene Bett wird immernoch abgelehnt, aber du willst jetzt in unserem Bett deine Freiheiten haben und zappelst herum, bis du die beste Mischung aus Nähe und Wärme und Distanz und frischer Luft gefunden hast.  

Aber unter der Decke werden mir immer heimlich die Füßchen rübergeschoben.


Ich gebe gerne zu, dass ich die Babyzeit vermissen werde. Ich vermisse auch die Babyzeit mit Michel, die ersten Male, die Babygrinser und Babyschmatzer und die leuchtenden Babyaugen, wenn man Quatsch mit euch macht. Glucksendes, quietschiges Babylachen. Echte, ungespielte Begeisterung über die simpelsten Dinge. Oder die Konzentration, mit der ihr Dinge tun könnt. Die Phase, das weiß ich immerhin, wird noch etwas andauern. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie Michel ewig probierte, den sternförmigen Klotz durch das runde Loch zu prömmeln. Immer und immer wieder. Irgendwann gab er frustriert auf. Nahm den Deckel von der Box und pfefferte den Klotz so rein. Legte den Deckel wieder drauf und suchte sich was anderes zum Spielen. Ich war in dem Moment sehr stolz und dachte: mein großes Kind. Hach. 
Aber das ist eben was er da wurde und du jetzt auch langsam wirst: ein großes Kind. Eins mit starkem Willen und großem Ausdrucksvermögen, auch wenn noch keine Worte außer „Mamamamamama“, „Dada“ und „Banane“ dabei herauskommen. Man weiß bei dir sehr schnell, was du meinst. Du kuschelst auch noch gerne, keine Frage. Doch es ist etwas anderes, ein winziges Baby zu bekuscheln, das Haut spüren und riechen und Herzschlag hören möchte, als ein großes Baby, fast Klein(st)kind, das sich aktiv anschmiegt und die perfekte Position sucht, um die Nase in meinem Hals zu vergraben. 

Die Babyphase kommt nicht zurück. Deine ist fast vorbei. Es bleiben nur Erinnerungen, Fotos, dieses Blog. Ein Hauch von Babygeruch, eine ganz schwache Ahnung, maskiert durch Sonnencreme, Dreck und Kinderschweiß. Ein Anklang an Babyzeiten, wenn mir am Morgen zwei bis vier Füße zwischen die Beine geschoben werden. Ein gemurmeltes „Hand halten, Mama.“ statt verliebter Blicke beim Stillen. 

Wird alles anders. Wird alles gut. Und ein bisschen werdet ihr wohl immer meine Babies bleiben. 

<3

Deine Mama

Tag 314 – Das Fahrrad ist da!

Was mir die „zwischen 9 und 16 Uhr“-Tante gestern am Telefon ja ruhig auch hätte sagen können: das der DHL-Mann kurz bevor er hier aufschlägt noch mal kurz durchruft. Das hätte Herrn Rabe viel nervige Warterei erspart. 

Aber egal, das Fahrrad ist da, es scheint alles zu gehen, Herr Rabe hat es schon zusammengebaut und dann passend für mich eingestellt (ich hab ja absolut keine Ahnung von Fahrrädern, aber schon gewisse Ansprüche, so wie: die Griffe müssen so ganz weit nach hinten gekippt sein, damit ich wegen Überbein am Handgelenk den Lenker nicht mit angewinkelten Händen halte, ich muss so aufrecht wie möglich sitzen können, an die Klingel würd ich schon auch gerne drankommen…), der Akku lädt das erste Mal in unserer Küche auf und ich muss mich jetzt eigentlich nur noch entscheiden, welche der drei 100-seitigen Bedienungsanleitungen ich zuerst auswendig lerne. 


Und ein Schloss muss ich kaufen. 

Tag 313 – noch ein paar halbe Updates

Wir haben Michel heute ein Bett bestellt. Uffz. Lieferzeit ca vier Wochen, die müssen die Bäume in Dänemark wohl erst noch fällen. Nun gut, dafür ist auch das Bezahlen um vier Wochen verschoben worden, das heißt, wir können dafür auf die Steuerrückzahlung warten. Ach ja: es wurde die Luxus-Version eines erweiterbaren Bettsystems mit 5 Jahre Nachkauf-Garantie. 

Mein Fahrrad wird morgen geliefert, zwischen 9 und 16 Uhr (in der Zeit kann man ca. vierzig mal komplett durch Trondheim fahren, liebe DHL!). 

Eine Stockrose (von 12) ist eingegangen. Dem Rest geht’s gut. Der Anpflanzort war strategisch ungünstig gewählt, weil ich nicht bedacht habe, dass unter den Zaun fast kein Wasser kommt. Naja, es wird schon gehen, dann eben öfter mal gießen. 

Die Hochzeit in Portugal. Moah. Meine Omi sagte gestern sowas wie „komm doch du alleine, wir zahlen“. Das ist sehr großzügig, aber erstens sehe ich Pippi noch nicht im Oktober ein paar Tage alleine bei Papa bleiben und zweitens ist und bleibt das ein ganz schöner Aufriss. 

Die Schnecken, meine neuen Traum-Haustiere. Jetzt gerade könnte man theoretisch auch lebende Schnecken mit der Post verschicken, deshalb gucke ich gerade wieder verstärkt. Aber erstmal müsste ja ein Terrarium her und Puhh, sind die teuer. Hmm. 

Update: grade spontan ein Terrarium gekauft. Hihi. Dann kann ich ja Michel das Suchen einiger schöner Steine und Stöcker in Auftrag geben. 

Tag 312 – Hubschrauber

Meine Omi rief heute an. Weil sie uns zum Hochzeitstag gratulieren wollte (den hatte ich tatsächlich vergessen. Herr Rabe angeblich nicht). Sieben Jahre schon, jaja, so schnell geht die Zeit rum. Das Gespräch ging dann noch etwas weiter, zur Hochzeit meiner Cousine (in Portugal, immernoch keine Einladung, ob ich denn nicht die Kinder mal bei Herrn Rabe lassen könne und alleine kommen?) und zum Besuch meiner Mutter hier und ja, das habe sie erzählt, als sie sich trafen heute im Krankenhaus, ach ja, ob ich das denn überhaupt mitbekommen hätte, der Opi hätte ja am Mittwoch einen Herzschrittmacher bekommen. Ja, ganz aufregend war das alles, er wurde mit dem Hubschrauber abgeholt, das bekamen dann natürlich auch alle Nachbarn mit und dann direkt am nächsten Tag einen provisorischen und am übernächsten Tag den endgültigen Herzschrittmacher eingesetzt. 

Ich war erstmal völlig perplex (heute morgen habe ich noch über meinen Opa und sein kaputtes Herz und die Demenz und den ganzen Mist nachgedacht, und ob nicht möglicherweise einer der nächsten Besuche in Deutschland wegen einer Beerdigung sein könnte) und würgte meine weiter vor sich hin plaudernde Omi recht unsanft ab. 

Dann rief ich meine Mutter an, um zu fragen, warum sie mich nicht angerufen hatte. Dass meine 84 Jahre alte Omi da im Eifer des Gefechts nicht dran denkt, geschenkt. Aber meiner Mutter hätte es ja mal einfallen können. 

Meine Mutter beschwerte sich zuallererst bei mir, dass man sie ja auch erst am Mittwoch angerufen hätte, also einen Tag nach dem Schlaganfall (Aha! Ein Schlaganfall, schau an, hatte meine Omi nichts von gesagt.) und dem Hubschraubereinsatz und auch nur nachdem mein Onkel meine Omi darauf hingewiesen hätte, das sie ja zwei Kinder hat. Oder so. Also jedenfalls regte sich meine Mutter tierisch darüber auf, nicht sofort informiert worden zu sein. Schaffte aber die Transferleistung, dass sie ja vielleicht auch mich hätte informieren können, nicht von selbst, sondern musste erst darauf hingewiesen werden. Jaja, sorry. 

Dann erzählte sie mir zwei Mal, dass meine Omi ihr viermal erzählt hat, dass mein Cousin angerufen hat. Sie habe ja Angst vor diesem Alter, wo man nicht mal mehr mitbekommt, dass man was schon mal erzählt hat. 

Diese Familie kannst du dir einfach nicht ausdenken. 

(Meinem Opi geht es übrigens den Umständen entsprechend gut. Aber es war wohl knapp: hätte er sich am Dienstag Abend ins Bett gelegt, wäre das vermutlich übel ausgegangen.)

Tag 311 – Fußball nach Michels Art 

Michel hat heute mit Herrn Rabe etwas Fußball geguckt. Ich sach mal so: ich würde ihn jetzt nicht morgen im Fußballverein anmelden. Michel jubelte nämlich jedes Mal „Tooooor!“, wenn das Tor nur irgendwie im Bild zu sehen war. 

Nach dem Essen spielte er aber trotzdem alleine Fußball und das ging so:

  • Fußballtasche packen: Becher (zum Trinken), Fußballhandschuhe (zwei Waschlappen), Ball (eigentlich ein kleiner, weicher Handball, mit dem er auch drinnen spielen darf), Brot, alles in einen alten, viereckigen Waschmitteleimer gestopft. 
  • Losgehen: „Tschüss Mama, Papa, ich jetzt Fußball schon mal vor gehe, ihr gleich kommen und mich angucken, Pippi* auch! Tschühüüüss!“. Dabei kräftig winken. 
  • Im Wohnzimmer: Ball auspacken, Waschlappen an die Hände ziehen. 
  • Ball losschießen, Richtung egal. 
  • Auf den Boden schmeißen und wild herumwälzen.
  • „Tooooor!!!“ brüllen. 

So geht das wenn man alleine ist. Wenn dann das Publikum angereist ist und Papa  spontan als Gegenspieler verpflichtet wird, geht es etwas abgewandelt weiter:

  • Mama eine Flagge organisieren (eine norwegische, andere haben wir nicht). 
  • Die ratlose Mama anleiten, das Startsignal zu geben. 
  • Auf „Achtung, fertig, los!“ und das Hochnehmen der Flagge den Ball irgendwo hinschießen oder werfen.
  • Enthusiastisch „Toooooor!!!“ brüllen.
  • Mama die Flagge aus der Hand reißen, Papa „Jetzt du so schießen!“ zurufen.
  • Den von Papa gekickten Ball mit der Flagge über den Boden schieben, schlagen oder dribbeln.
  • „Yeeessss!!!“ brüllen und Papa die Handschuhe übergeben. 

So ist Fußball viel einfacher und lustiger, als es mir bisher vorkam. 

*Pippi ist natürlich Michels größter Fan. Vor Freude quietschend und Duplo-Klötze aneinanderhauend stand sie am Hocker und kriegte sich gar nicht mehr ein.  

Tag 310 – Titel vergessen

Mir ist heute nicht nach Schreiben. Michel hustet, Pippi findet auch irgendwie nicht in den Schlaf, Herr Rabe guckt Fußball und scheint mir aus dem Weg zu gehen, damit ich ihn nicht dazu zwinge, eine Bettentscheidubg zu treffen. 

Soviel dazu, arbeiten war ich auch, mir sind (das war gut) für das RNA-Projekt ein paar hundert Mark in Groschenhäppchen gefallen, dann Vortrag zum Biomarkersymposium besucht und: arschlangweilig. DNA-Repair, voll faszinierend, aber nach dem hundertsten Vortrag und 1000 dazu gelesenen Artikeln ist so oberflächliches Geschwafel reine Zeitverschwendung. Immerhin konnte ich mal wieder meine Wachhalte-Skills nutzen. 

So, und das muss reichen, ich muss ins Bett. Wachhalte-Energie ist für heute aufgebraucht.