Tag 384 -Aus, aus, das Spiel ist auuuus!

Ach, Stillen. Ich mag Dich. Wir können Freunde bleiben. Aber es ist vorbei.

Anfangs lief es so gut mit uns, zwar explodierten mir beim Milcheinschuss quasi die Brüste, aber nach ein paar Tagen lief es wirklich gut. Dass mein Körper es nicht nur schafft, in ein paar Monaten komplette Menschen zu produzieren, sondern diese dann auch noch weitere Monate zu ernähren und wachsen zu lassen ist für mich immer noch verrückt. Und schön. Schön verrückt.

Pippi war ja auch die Still-Weltmeisterin. Zwar häufig, aber effizient, zack, fünf Minuten, leer, schlafen. Michel war anders, der trank ewig lang, 45 Minuten und noch nicht fertig, aber dafür hatte er einen schönen drei Stunden-Rhythmus, auf den Verlass war. Leider hatte Michel schon früh keine Lust mehr aufs Stillen, ich versuchte alles, sogar Dinge, die mir im Nachhinein recht peinlich sind (ich sach nur: Heilpraktikerin), aber er wollte ums Verrecken nicht, brüllte sich jedes Mal die Seele aus dem Leib. Ich zog es noch einen Monat durch und gab dann auf. Wir gaben ihm Brei, der schmeckte wie Pappe und siehe da: das glücklichste Baby der Welt. Der ganze Abstillprozess ging dann auch sehr schnell (aber schmerzlos) und mit sieben Monaten war Michel abgestillt.

Pippi habe ich fast sechs Monate voll gestillt und dann noch lange ziemlich viel. Erst im Urlaub fingen wir langsam an, die Stillintervalle auszudehnen, da war sie dann acht Monate alt. Als sie neun Monate alt war und ich wieder arbeiten ging, stillten wir noch morgens direkt vor meiner Abfahrt und dann nachmittags wenn ich nach Hause kam sofort wieder. Dann stillten wir nur noch nachmittags und abends und nachts und morgens zum Aufstehen. Dann wurde mir das Dauergenuckel nachts zu bunt und wir führten über ein, zwei Wochen eine neue Regel ein: zwischen elf Uhr abends und sechs Uhr morgens gibts keine Brust. Das fand Pippi ziemlich blöd (mit ihren elf Monaten war das auch sicher nicht zu verstehen) und selbstbestimmt (vom Kind) ist auch anders, aber ich konnte nicht mehr. Irgendwie war uns die nachmittags-Stillmahlzeit auch zwischendrin abhanden gekommen und so stillten wir nur noch zum Einschlafen und Aufwachen.

Zwei Monate später nach diversen Einschlafstill-dauer-orgien bis alle heulten wurde mir klar (und Herr Rabe sagte es mir): Pippi kann nicht zwischen trinken (hätte ich weiterhin ok gefunden) und nuckeln (trieb mich in den Wahnsinn) unterscheiden. So ging es nicht weiter. Also entschied ich für den Familienfrieden und gegen das Saugbedürfnis des inzwischen ja auch Kleinkindes: kein Einschlafstillen mehr. Nach einigem Hin und Her und Verzweiflung allerorten erlebt jetzt die Manduca hier ein Revival, weil Pippi, und da kann ich sie sehr gut verstehen, jetzt abends ein sehr großes Kuschel- und Nähebedürfnis hat und auch gerne in den Schlaf getragen werden möchte. Und da es für uns sehr viel einfacher und schöner ist, abends mit der kuscheligen Pippi zehn, zwanzig Minuten durch die Wohnung zu schaukeln, bis sie schläft, statt zwei Stunden Gehampel und Geturne und Geschrei mitzumachen, ist das so für uns eine gute Lösung.

Die/Der aufmerksame Leser*in sagt jetzt: huh? Was wurde aus dem Aufwachstillen? Tja, das wollte ich dann leider auch nicht mehr, weil durch das seltene Stillen das Gefühl in meinen Nippeln wieder voll zurückkam und ich es plötzlich sehr, sehr unangenehm fand, wenn Pippi daran saugte. Also wirklich richtig unangenehm, sodass ich die letzten zwei Mal das Stillen dann vorzeitig abbrach, weil es sich so komisch anfühlte. So, wie sich Stillen nicht anfühlen soll.

Tschüssi, Folio!


Tja, und so nahm ich vorgestern die passenderweise letzte Tablette aus der letzten Packung Folsäure und machte meinen Frieden mit mir. Ich bin keine Langzeitstillmutter. Ich habe nichts gegen Mütter die (sehr viel) länger Stillen, als ich es getan habe, im Gegenteil, ich bewundere das. Ich schaffe es nicht. Und es ist ok so.

Und jetzt genieße ich die Zeit, in der ich und ich ganz allein Herrin über meinen Körper bin.

Bis zum nächsten Mal 😉

9 Gedanken zu “Tag 384 -Aus, aus, das Spiel ist auuuus!

  1. kathrinrabenmutter schreibt:

    Aber du hast doch lange Zeit gestillt, also bist du Langzeitstillende. So! 😃

    Also, im Ernst jetzt: wenn das Kind wirklich ernsthaft ein riesig großes Problem, und ich meine so ein „Aufgrund dieses Traumas wird sie niemals selber Kinder wollen“-Problem hätte, hätte das nicht innerhalb so kurzer Zeit geklappt. Und das abendliche Tragen wären keine 10 Minuten sondern eher so 3 Stunden. Und die Nächte wären unruhiger. Und die Tage auch. Und das Kind weinerlich, anders. Eben so, wie man sich fühlt, wenn ein Bedürfnis nicht gestillt wird. Also, was ich sagen will: so falsch wird diese Entscheidung nicht gewesen sein. Wenn es JETZT allen damit gut geht, dann war es gut. Also: alles gut. 😊

    So ist es eben. Stillen wird irgendwann eben nur noch gebraucht um dieses starke NÄHEbedürfnis zu stillen, nicht mehr den Hunger. Und das stillt ihr ja, jetzt eben nur anders. Du brauchst dich also in meinen Augen gar nicht zu rechtfertigen, denn es ist IMMER gut, wenn es allen gut geht. Ganz einfach eigentlich 😉

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  2. ohmskine schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch Frau Rabe, Sie haben Ihren Körper zurück!
    Ich fühle mit Ihnen und erinnere mich an etwas Wehmut und ganz viel Freude über zurückeroberte Selbstbestimmung.
    Haben Sie sich verdient, Sie Supermutter!
    Gruß,
    ohmskine

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    • Ich glaube, da haben zehn Endokrinologen fünfzehn Meinungen zu 🙈. Ich hab für mich festgestellt, dass es mir am Besten geht, wenn ich möglichst wenig drüber nachdenke und gar nicht Google.

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  3. Nimmt Pippi denn dann zum Nuckeln einen Schnuller? Oder braucht sie den dann durch das Tragen und Kuscheln letztendlich doch nicht?

    Bei uns ist an Abstillen gar nicht zu denken. Mich stört auch das ewige Genuckel nicht. Allerdings dauert es auch abends maximal 1 Stunde, in der Regel etwa 30 Minuten vom Beginn des Schlaflieds bis ich aus der Tür komme. Damit kann man doch deutlich besser leben… Nachts wird ab 1 Uhr früh manchmal komplett durchgenuckelt, aber ich kann da einfach bei weiterschlafen. 😀

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