Tag 404 – Wie ich mal versehentlich ne Welle machte. 

Eigentlich schuld an allem. (Es geht ihr übrigens ganz ok, kein Fieber, hat zusammen mit ihrem Bruder uns die Haare vom Kopf gefressen und weder viel geschlafen (leider) noch weniger gespielt.)


Pippi hatte nach einer überaus anstrengenden Nacht heute morgen 37,4 Grad Temperatur. Das ist kein Fieber, aber mit der Fiebermesspolitik* des Kindergartens hätten wir sie nach spätestens ner Stunde eh wieder abholen müssen. Also disponierten wir kurzfristig um und ich schleppte Pippi mit zur Arbeit, ich musste eh nur kurz Labordinge machen und sonst am Computer sitzen, das muss dann eben mal mit Kind gehen. Naja, es ging so halb, Pippi wollte dann auf der Tastatur rumkloppen, also kam ich doch zu nix. Dann wurde sie irgendwann müde und ich schob sie herum, zweimal im Kreis durch die Uniklinik, in der die Gebäude untereinander mit Brücken verbunden sind. Nach zwei mal schlief sie endlich, aber da war ich schon zweimal am Schrein vorbei gekommen. Der Schrein, das ist eine Vitrine zu den Nobelpreisträgern May-Britt und Edvard Moser (und John O’Keefe, der ist aber kein Norweger und wird deshalb konsequent ignoriert nur am Rande erwähnt). In der Vitrine ist ein großes Bild des Paares, eine kurze (wirklich sehr stark runtergebrochene) Erklärung des Themas, Kopien (nehm ich mal an) der Nobelurkunden, drei kleine Bilder aus dem Laboralltag (gaaaar nicht gestellt, wie so Fotos eben sind) und: das Kleid, das May-Britt Moser bei der Preisverleihung trug. Es ist ein meiner Meinung nach sehr schönes Kleid, und mein Nerd-Herz hüpft ein bisschen ob der Aufgestickten Nervenzellen, die die Zellen, die sie und ihr Mann (und O’Keefe) entdeckt haben, darstellen sollen. Ich bin schon oft an dem Schrein vorbei gelaufen, aber heute fiel mir zum ersten Mal auf, dass das Kleid ziemlich raumfüllend da steht, dass es doch eigentlich kaum was mit ihrer Forschung zu tun hat und dass ich mir wünschen würde, dass in so einer Vitrine nicht als Hauptsache „The Dress“ steht sondern etwas mehr zu der Forschung, vielleicht ein kleines Video**, ein Bild von der Verleihung mit Erklärung, dass es eben diese Nervenzellen sind. Denn, kommt man ohne Ahnung da hin, sieht man: Aha, Nobelpreis, irgendwas mit Ratten (iiihhhh!) und ein Abendkleid. Nun ja, ich verpackte mein diffus ungutes Gefühl in semilustige hundertvierzig Zeichen und twitterte:

Ich Idiot. 

Seitdem verbringe ich den Tag damit, mich zu erklären, das mit den Zellen erklärt zu bekommen (ca. tausend mal), mit Leuten mehr oder weniger fruchtbare Diskussionen zu führen, mit Alice Schwarzer verglichen zu werden, meinen ersten Troll kennenzulernen, mich als doof bezeichnen zu lassen***, kurz: es ist etwas anstrengend grad. 

Merke: nix mehr von Bedeutung twittern. Oder dickes Fell wachsen lassen. 

*wenns Kind schreit, am besten nach 10 Minuten Gebrüll, messen. Dann Eltern anrufen, weil 38,1. Meh. 

**Erklärung zum Video: die Ratte hat eine Elektrode im Gehirn, die (in einem örtlich stark abgegrenzten Bereich im enthorinalen Cortex) genau messen kann, welche Zellen gerade „feuern“. Das feuern wird durch die weißen Punkte angezeigt. Je nach Aufenthaltsort feuert immer nur eine einzige Zelle und das Muster der Zellen entspricht einer Karte der Umgebung. This is fuckin‘ awesome!

***weil ich ja nicht weiß, ob sie das nicht vielleicht selbst so wollte. Als wäre es nicht total egal, wer da findet, ein Kleid sei eine angemessene Darstellung für Wissenschaft. 

8 Gedanken zu “Tag 404 – Wie ich mal versehentlich ne Welle machte. 

  1. ohmskine schreibt:

    Liebe Frau Rabe,

    nicht ärgern lassen!
    Vermutlich ist dickes Fell die einzig mögliche Lösung.
    (Falls Sie eine Bezugsquelle ausfindig machen: kaufen Sie mir eins mit?)

    Gruß,
    ohmskine

    PS: Ist dieses Kleid nicht eine großartige Inspiration für die kommenden langen dunklen Winterabende? Es müssen ja keine Neuronen sein, sticken Sie doch Haarnadelstrukturen oder Ihre Lieblings-Gensequenz.

    Gefällt 1 Person

  2. Eva schreibt:

    Ach Frau Rabe, beim eigenen Nobelpreis twitterten Sie einfach „ätsch!“. Und bestehen auf Ausstellung eines Schlafanzugs.

    Im Kindergarten von Tochter 1 gilt bei nervigen Kindern gern mal „Schlaf im Auge“ als potenzielle Bindehautentzündung. Dann zündet auch der Alarm.

    Herzlichst
    E.

    Gefällt 1 Person

    • Das mit dem nervigen Kind hab ich mal überhört 😜. Nein, ich verstehe ja, dass in der Erkältungszeit die Schwelle zum Eltern anrufen niedrig ist. Aber nervig ist es allemal für uns, wir müssen ja beide auch ab und an mal arbeiten.

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