Tag 442 – The Austernpilzexperiment. 

Vor einigen Wochen las ich im Internet irgendwo, dass man Austernpilze auf Kaffeeprütt züchten kann und war direkt Feuer und Flamme. Man muss nur Sporen oder besser Mycel bestellen, mit dem Kaffee mischen, warten, ernten. Oder so. Ich erzählte Herrn Rabe davon, der war auch sofort begeistert und seitdem haben wir den Kaffeeprütt vom morgendlichen Espressokochen nicht mehr weggeworfen, sondern getrocknet (immer wenn der Ofen eh lief beim Abkühlen ne Portion mit reingetan) und aufgehoben. Im Kühlschrank, weil ich Keim-paranoid bin. 

350 g trockenes, gebrauchtes Kaffeepulver im Joghurteimer.


Nachdem wir aus Deutschland wieder da waren, bestellte ich Pilzmycel aus Oslo. Die Menschen da nennen es Sporen. So sehen keine Pilzsporen aus, aber es sei ihnen verziehen, es sind Kaffeeprüttmenschen, die aus Prütt alles Mögliche machen, von Seife über Tasden bis zu eben Pilzen ist alles dabei. Gestern erreichte mich also ein Paket mit 500 g durchwachsenem Substrat. 

Was leider nicht dabei war, war eine Anleitung. Verständlich, denn die Kaffeeprüttmenschen bieten auch ein Pilzzuchtcoaching über Skype an, zum Spottpreis von 225 NOK (ca. 20 €) Ja, echt. Das war mir zu blöd, also googelte ich herum und beschloss dann, mit dem gesammelten Wissen mein eigenes Ding zu machen. Ha. Man hat ja nicht umsonst Biotechnologie studiert und da gelernt, wie man Bakterien, Pilze und Co. am besten züchtet. 

Also, erstmal wichtig: sauber arbeiten. Finger schrubben, trotzdem nix mit den Fingern anfassen, nicht in die Kultur Niesen, am besten auch nicht in die Richtung der offenen Kultur sprechen oder allzu heftig Atmen. Funktioniert super mit neugierigen Vierjährigen daneben. Nicht. 

Zuerst muss man alles entkeimen, man möchte nämlich keinen fremden Schimmelpilz in der Pilzkultur haben. Also erstmal den Wasserkocher füllen und orgeln lassen. Ich habe beschlossen, zwei Versuche parallel zu machen: einen Eimer-Ansatz und einen Tüten-Ansatz. Der Eimer bekommt Löcher in den Deckel, in die Tüte schneide ich ein Loch. Dann schneide ich Teefilter auf und bedecke damit die Luftlöcher. Das klebe ich mit Tesa fest. Jetzt habe ich einen Luftfilter. 

Wurde später noch durch eine größere Tüte ersetzt.



In den Eimer fülle ich jetzt kochendes Wasser und lege den Deckel lose oben drauf. Ich weiß, dass der Eimer und der Deckel das aushalten, weil ich das natürlich vorher ausprobiert hab. 

Weil Kaffeeprütt alleine möglicherweise zu kompakt wäre, zerfutzele ich einen Eierkarton in kleine Stücke. Das ist sehr befriedigend. Die Futzel schmeiße ich mit in den Heißwassereimer. Dann überbrühe ich pro Ansatz 350 g trockenen Prütt mit kochendem Wasser und seihe das Ganze durch ein Sieb, in das ich noch ein Zewa gelegt hab, ab. 


Das Wasser aus dem Eimer schütte ich weg und vermansche die Hälfte der Pappfutzel mit dem Kaffeeprütt mitsamt Zewa. Dazu löffle ich den Kaffeeprütt in den Eimer. Es ist wichtig, dass der Prütt noch heiß, aber nicht mehr allzu nass ist. 

Knapp über 700 g feuchter Prütt mit Papierfutzeln. Hmmm lecka.


Ich mache den Deckel drauf und warte ein bisschen, bis der Prütt etwas abgekühlt ist, dann kommt ein halber Teelöffel Natron dazu, als pH-Puffer (deshalb erst Abkühlen lassen: sonst schäumts nur und puffert nicht).

Mit der Tüte verfahre ich ähnlich: der heiße Prütt wird direkt in die Tüte gelöffelt. 

Dann mache ich alles zu und warte ca. Tausend Jahre bis das ganze auf Raumtemperatur abgekühlt ist, ich will ja nicht mein Mycel umbringen, weil ich es in zu warmes Substrat setze. 

Als alles abgekühlt ist, versuche ich 150 g Mycel in den Eimer abzuwiegen. Weil das Mycel aber ungefähr nix wiegt, wird das viel zu viel und lässt sich vor allem nicht mehr im Eimer umrühren. 

Riecht ein bisschen markant, aber E. Coli ist viel schlimmer, glauben Sie mir!


Ich spüle also schnell noch eine große Schüssel mit kochendem Wasser durch und vermansche darin meine 1400 g feuchten Prütts mit 300 g Mycel. Dann stopfe ich die Hälfte davon in meinen Einer, die andere in eine flugs gefertigte 3L-Tüte mit Filter. 

Passt gerade so. 850 g Substrat und Mycel zusammen.


Das beides kommt dann in der Küche in einen Schrank, denn es muss jetzt bei Raumtemperatur und möglichst im Dunkeln („Sommer“) das Mycel den Prütt durchwachsen. Das wird so 4 Wochen dauern, sagt das Internet. Diesen Beitrag dürfen Sie also ruhig als Beginn eines sehr langen Spannungsbogens auffassen.


Der Rest des Mycels kommt in ein Glas mit nicht ganz geschlossenem Deckel in den Kühlschrank. 

6 Gedanken zu “Tag 442 – The Austernpilzexperiment. 

  1. Ja, bin auch sehr gespannt. Bei uns im Bioladen wird so etwas auch angeboten. Verschiedene Pilzsorten jeweils mit Eimer und allem drum und dran. Wir schleichen da immer sehr interessiert drumherum. Aber jetzt gibt es ja Sie die das für uns ausprobiert. Finde ich super und warte sehr gespannt auf die Fortsetzung.
    PS: ich hasse Spannungsbögen.

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