Tag 530 – Bankett und Dings. 

Heute nur kurz. Weil Wein und jetzt soll gleich Party sein, aber die Blues-Lange-Frickel-Solos-Band* versucht uns gerade eher einzuschläfern. 

Heute war letzter Tag, morgen gehts nach Hause, es wird Zeit, ich saß heute mit 12 mir nahezu unbekannten Menschen in einem Jacuzi (schreibt man das so?) für 8 Personen und da jetzt alle wissen, dass ich mir nur sporadisch die Beine rasiere muss ich wohl abtauchen außerdem vermisse ich meine Familie gar sehr. 

Anbei noch ein bisschen Norwegerkitsch mit Troll-Fräulein. 


*es mag Ihnen jetzt übertrieben vorkommen, aber das Verfassen dieses Posts hat ein Gitarrensolo gedauert 

Tag 529 – Zukunftspläne. 

Schon damals als ich meinen Master machte schwebte es wie ein Damoklesschwert über mir. Seit ich sie das erste mal gesehen hatte, hatte ich Angst davor, dass mir das auch einmal blühen würde. Und jedes Mal, wenn sie kommen, sie emails schreiben, sie mit mir einen Kaffee trinken wollen, ganz unverbindlich versteht sich, und am allerschlimmsten auf Messen und Veranstaltungen, wenn sie verloren neben ihren Ständen stehen, wird diese Angst neu entfacht. 

Die Rede ist von Vertreter*Innen. 

Genauer: Vertreter*Innen für Labortralala und Biotechnologische Ausrüstung. 

Das heißt, heute heißt das ja gar nicht mehr so, sondern Sales Blabla oder Customer irgendwas. Aber sie sind eben Vertreter*Innen. Versuchen (hier jetzt gerade) nicht entscheidungsbefähigte Doktorand*Innen davon zu überzeugen, ihre Clean Benches, Photometer und Fluoreszenzscanner zu kaufen*. Und die Meute davon abzuhalten, einfach nur Kugelschreiber und Gummibärchen in Eppiform abzugreifen. Wenigstens nen blöden Flyer sollen die Masterand*Innen da doch bitte noch zu mitnehmen!

Und erschreckend viele von denen haben einen PhD. Mindestens Master of Science. Und noch viel erschreckender viele von denen** scheinen nicht besonders happy mit ihrem Job zu sein. Also sind das vermutlich Notlösungs-Jobs. Und da ist es wieder, das Damoklesschwert. Vielleicht kriege ich ja (auch?) keinen richtigen, echten Job? Vielleicht muss ich auch am Ende sowas machen? 

Ey, nee. Dann lieber Kellnern. 

(Schon alleine, weil ich ja meine Familie auch mag, also ist „Außendienst“ ganz hinten auf der Jobwunschliste. Auch wenn Videotelefonie mit den Kindern manchmal ganz lustig ist. 

)

*wohl wissend, dass das Gegenüber 1. keine Entscheidungsgewalt hat und 2. nur die Gummibärchen in Eppiform will. 

**bestimmt nicht alle, und ich will auch ganz sicher keinem auf den Schlips treten. Aber für mich wärs eben nix.

Tag 528 – Storefjell. 

Hallo, Treffen der norwegischen Vereinigung der Biochemiker. Im Nichts. Auf einem Berg. Hurra. 

Die Location ist auch so eher, Ähm, rustikal. 

Kein Witz.


Aber was solls. Grad bin ich eh bei was solls angekommen. Ich kenn eh keinen, also: was solls. 

Stimmt außerdem ja gar nicht, dass ich keinen kenne. Menschen die ich bisher getroffen habe:

  • Unsere Osloer Freundin, deren Miniminiminibaby wir im Frühjahr noch bewundert haben
  • Zwei Frauen, mit denen ich im rosa Fitnessstudio Muttisport gemacht habe
  • Zwei Typen, die ich mal auf dem Treffen der Trondheimer Fraktion der norwegischen Vereinigung der Biochemiker in Åre vor zwei Jahren kennen gelernt habe
  • Zwei Mädels, die bei uns ihren Master gemacht haben
  • Eine Frau, mit der ich vor drei Jahren auf einem zweiwöchigen Kurs in Tromsø ein Zimmer geteilt habe
  • Eine Dozentin und einen Professor, die bei ebendem Kurs unterrichtet haben

Meine Zimmernachbarin ist auch sehr nett, und das sage ich nicht nur, weil sie mich auf 27 geschätzt hat. (Als ich dann, verwirrt wie ich ja auch manchmal bin, sagte ich sei 32 (bin ich ja noch gar nicht, aber naja, die sechs Wochen…), fragte sie mich nach meinem Geheimnis. Ich empfahl ihr nen guten Concealer und Paulas Choice. Soweit hat mich das Internet schon gebracht.)

Super bisher: das Nachtischbuffet. So lecker. Die Hauptspeisen gingen alle eher so (wobei ich die Fleischgerichte nicht gegessen hab, also kann ich dazu nix sagen), aber das Salatbuffet und die Nachtische sind richtig gut. Reicht ja dann auch. 

Gut ist auch, dass ich nur zum Spaß hier bin, weil zum Zeitpunkt meiner Anmeldung schon alle Deadlines für PosterTalkTralala vorbei waren. Machste nix. *hier Schulterzucken vorstellen*

Und das Beste: ein Talk von Emmanuelle Charpentier. Hachjaja. (Inspirierende Frau, wirklich. Ich hoffe, die kriegt mal nen Nobelpreis dafür.)

Und jetzt: acht Stunden Schlaf am Stück, Ich jauchze und frohlocke! 

Tag 527 – When the shit hits the fan…

Ok. Gaaaaanz so schlimm war mein Tag nicht. Aber ich finde diese Redewendung so gut. Ich wollte die immer schon mal benutzen. 

Tatsächlich war mein Tag aber auch nicht sooooooo toll. Weil irgendwie ab dem Zeitpunkt, als wir das Haus verließen, alles in die Hose ging. Aber sehen Sie selbst. 

PROLOG: Michel hatte gestern seinen Schlitten mit im Kindergarten und der wurde mit dem eines anderen Kindes verwechselt. Heute war dementsprechend Schlitten-Austausch verabredet. Der Schnee ist aber zu 90% weg, es bleibt Eis und Schneematsch, je nachdem, wie festgetreten der Schnee vorher war. In den Fahrradanhänger passt der Schlitten auch nicht. Also war geplant, die Kinder und den Schlitten mit dem Auto zu fahren und dann zur Arbeit den Bus zu nehmen. 

  • Meine Mütze hab ich oben vergessen. Und die Regenhose auch, zum ersten Mal seit Monaten. Egal, wir fahren ja Auto. 
  • Draußen plumpst Pippi erstmal in eine Schneematschpfütze. Egal, das trocknet ja wieder. 
  • Das Auto geht nicht auf. Oh. Oh, oh. Das hatten wir doch schon mal. Hat wieder wer das Licht oder die Innenbeleuchtung angelassen? Herr Rabe sagt nein. Aber die Batterie ist definitiv tot. Was jetzt? Ok, Rad. Und den Schlitten an den Anhänger binden. 
  • Keine Mütze, keine Regenhose, Schlüpfriger Schneematsch, der Schlitten kratzt ohrenbetäubend laut über den Asphalt und die Kiesbedeckten Gehwege. Mein Lenker ist etwas schief seit dem Sturz am 12. Also in die andere Richtung schief als nach dem Sturz am 21.12. Stellenweise muss ich schieben weil es zu matschig ist und komme mir vor wie ein Schneepflug.
  • Am Kindergarten steht das ganze Draußengelände unter Wasser. Unter dem Wasser ist Eis. Pippi hat einen Stock dabei, den tunkt sie in das Dreckwasser und lutscht dann dran. Ich denke an Bandwürmer. Dann legt sie sich gleich nochmal auf den Bart und ist jetzt endgültig nass. 
  • Zum ersten Mal seit Monaten wieder Weinen beim Abgeben in der KiTa. 
  • Beim Losschnallen meines Fahrrads vom Anhänger fällt mein Fahrrad um und in den Schneematschwasserdreck. 
  • Zu Hause stelle ich das Fahrrad ab und nehme den Helm ab. Dank der Luftfeuchtigkeit von ca. 1000 % sehe ich jetzt aus wie ein Schaf. Außerdem ist meine Hose unten nass und Dreckbesprenkelt. 
  • Es kommt 8 Minuten lang kein Bus. (Das passiert sonst nur Sonntags morgens.)
  • Der Bus hat unfassbar dreckige Scheiben. Ich kann den rosaorangenen Wolkenporno beim Sonnenaufgang gar nicht richtig sehen. 
  • Ich hole mir Kaffee beim 7Eleven. Meine Lieblings-Kaffeemaschine ist kaputt. Ich nehme eine der zwei anderen. Erst kommt Espresso und dann sehr viel heißer Dampf: Milch ist alle. 
  • An der dritten Maschine zapft grad wer den ersten von vier Kaffee. 
  • Mein Computer geht wieder mal erst beim dritten Hochfahren richtig. 
  • Ich versuche mir Visitenkarten zu bestellen. Als ich mich endlich, endlich zu einem Entschluss durchgerungen habe, scheitere ich am Eingabefeld „Rekvisisjonsnummer“. Habe ich nicht. Muss ich mir holen. 
  • Die Dame, die so Nummern vergibt, ist Mittwochs nicht da. 
  • In der Mittagspause führe ich wahnsinnig aufmunternde (hier sehr viel Ironie denken) Gespräche mit dem serbischen Postdoc über die Zeit nach unserer Zeit in dieser AG. 
  • Ich hefte Gedöns ab, dabei bricht mir ein Fingernagel ab. 
  • Ich versuche ein paar Artikel auszudrucken. Nach der Hälfte vom Ersten ist der Toner alle und der Drucker tut gar nix mehr. 
  • Ich gehe einfach nach Hause. 
  • Zu Hause geht das Internet nicht wirklich. Es ist super langsam. 
  • Im Kindergarten sind meine Kinder um kurz nach vier die letzten. Ich fürchte, da ist auch der Wettbewerb, wer sein Kind zuerst abholt losgegangen. 
  • Michel weigert sich seinen Draußenanzug anzuziehen. 
  • Michel legt sich draußen erstmal komplett lang. 
  • Macht nix, der Anhänger ist eh von innen komplett nass, weil er mit dem Boden in einer Pfütze hing und sich vollgesogen hat. 
  • Michels Schlitten lasse ich einfach da. 
  • An der Bahnunterführung komme ich wegen Matsch nicht mehr auf der anderen Seite hoch. Ein Passant muss mir helfen und von hinten schieben. 
  • Herr Rabe fährt mit Michel zum Schwimmkurs. Ich bleibe mit Pippi zu Hause, will aber noch einkaufen. 
  • Ich versuche mir eine Einkaufs-App, mit der man Rabatte bekommt, herunterzuladen. Die gibt es nur im norwegischen App-Store. Für den mein Account offenbar nicht zugelassen ist. 
  • Das Autobatterie-Ladegerät lädt noch. 
  • Als ich mit Pippi endlich loskomme, gießt es wie aus Eimern. 
  • Was Pippi nicht davon abhält, sich aus der Regenpelle zu wurschteln. Und mich anzuschreien, weil das ja nass und kalt ist. 
  • Zu Hause. Ich koche. Es brennen nur die Zwiebeln ein bisschen an. 
  • Ich backe ein Brot. Es wird obendrauf viel zu schwarz. 

Womit alles begann.


Ich betrachte es als Zeichen, dass ich mir weder beim Duschen den Hals gebrochen hab, noch beim Packen der Koffer in tausend Teile zerfallen ist. Genug Pech gehabt. So für die nächsten drei, vier Jahre. Bestimmt wird jetzt auch die Konferenz, auf der ich ab morgen bin, total super. 

Tag 525 – Mein Baby…!

Michel wurde heute zum ersten mal von einem KiTa-Kumpel direkt nach der KiTa mit nach Hause genommen. Das war für uns alle sehr aufregend. Für mich weil er so schnell groß wird und bestimmt ist es in anderen Familien cooler, fremde Eltern schimpfen tendenziell nicht so viel mit einem wie die eigenen, ich weiß das noch. Also vermutlich wird er bald ausziehen wollen, wenn er erstmal raus hat, wie viel cooler es in anderen Familien ist. Für Michel war es auch aufregend, weil erstes Mal und total cool mal nicht die eigenen Eltern und den Kumpel hat er auch sehr gerne und der hat sicher auch total tolle Spielsachen. Was mich beruhigt hat: die Eltern des Kumpels, die mir eh immer schon recht entspannt erschienen, waren ganz gelassen und brachten Michel sogar zurück (die wohnen in einem anderen Stadtteil, der Sohn geht zu der KiTa, weil es so eine supertolle KiTa ist und der Papa an der Schule nebenan arbeitet). Michel kam rotwangig-glücklich zurück, hatte einen Ketchup-Rand um den Mund und erzählte ganz aufgeregt, der Kumpel, der hat gar kein eigenes Zimmer, der schläft bei seinem Papa und seiner Mama. Und eine Katze haben die auch und die hat er gestreichelt und die hat ihn umarmt. Was auch immer das heißt. Auf jeden Fall eine rundum positive Erfahrung für alle. Das nächste Mal dann bestimmt auch ohne, dass ich ab halb sieben alle 30 Sekunden aufs Handy gucke, wie spät es ist und vielleicht hat der andere Papa ja geschrieben, dass sie da sind und Michel im Auto eingeschlafen ist. 

Tag 524 – Die lieben Kinder. 

Geschwister, unverkennbar.


Ach ja. Die Kinderchen. So niedlich. Manchmal. 

Manchmal nicht. 

Heute ist das letztere manchmal. 

Michel redet unfassbar viel und vor allem laut. Also so laut, dass wir bei der nächsten HNO-Kontrolle mal nachfragen werden, ob er wirklich wirklich WIRKLICH normal gut hört. Gefühlt sagen wir tausendmal am Tag „Du brauchst nicht so schreien!“, „Nicht so laut, bitte!“ oder, pädagogisch wertvoll wie eh und je, „BRÜLL HIER NICHT SO RUM!“. Zur Lautstärke kommt eine enervierende Redundanz des Gesagten. Es ist eigentlich immer irgendeine Forderung, die er jetzt sofort erfüllt haben will. „KANN ICH GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER? KANN MIR JEMAND GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER REINSCHINKEN? PAAAPAAAA? ICH WILL GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER!!!“ [Grün, weil die Packung grün ist. Die vom naturtrüben ist gelb.] Und wenn man dann auf das angebrüllt werden nicht sofort reagiert oder – undenkbar – man wagt es sowas zu sagen wie „Grade ist schlecht, schau mal ich wickel grad Pippi, putze mir dabei die Zähne und mit den Füßen falte ich Wäsche. Hol dir doch schon mal den Saft aus dem Kühlschrank, ich komme dann gleich.“ Dann kommt „ICH WILL NICHT HELE TIDA [die ganze Zeit] WARTEN!!! ORRRRRAAAAAAAAA!!!!!!“ und Meltdown. Entzückend. 

Heute hatten wir außerdem eine Gegessen-wird-was-auf-den-Tisch-kommt-Diskussion, bei der ich mich zeitweise fühlte wir meine eigene Oma. Aber wenn selbst Herrn Rabe, der ja sonst die Ruhe selbst ist, der Kragen platzt, weil sich Michel seit Wochen weigert, was anderes als Nudeln mit Ketchup oder Nudeln mit Kräutersalz zu essen, dann ist es eben Zeit für die Auseinandersetzung. Wir haben jetzt einen Kompromiss: wir tun nicht mehr so obereklige Dinge wie Zwiebeln und Petersilie (die hat er vorher noch roh weggeknabbert, aber Schwamm drüber) ins Essen, dafür probiert er wenigstens. Es ist dringend an der Zeit, dass sich an Michels Essgewohnheiten was ändert, schon alleine weil sich Pippi den Mist abguckt und noch viel früher in die Ich-esse-nur-nackte-Nudeln-Phase startet. Obwohl sie eigentlich noch vieles mag. 

Ja, ach ja, Pippi. Die Nervensäge. Ich vermute mal es ist wieder irgendsoein Schub, jedenfalls habe ich nicht nur nachts wieder ein Kind auf dem Gesicht liegen, nein, tagsüber habe ich immer ein nörgelndes, oder weinendes, oder hysterisch schreiendes Kind am Bein. Sie versucht dann an mir hochzuklettern, sobald ich versuche, mich zu bewegen lässt sie sich theatralisch auf den Boden plumpsen und weint, als hätte ich ihr gerade Den Einen Ring weggenommen und ins Feuer geschmissen. (Manchmal schaffe ich es, sie von mir loszueisen, dann klebt sie halt an Herrn Rabe. Hauptsache sie klebt.) Dazu natürlich alterstypische Dickköpfigkeit, bei einem eh schon willensstarken Kind ist das, ähhh, herausfordernd. Und absolutes Unverständnis für Dinge wie „Guck mal, die ganz scharfen Küchenmesser, die sind echt nur für Große, wir hängen das jetzt hier wieder hin.“. Meltdown. Auch das: entzückend. Ganz und gar reizend. 

Hach ja. Und dann liegen die nachts in meinem Bett, und schnarchen mir ins Ohr und schieben ihre Füße zwischen meine Beine und das ist alles vergessen. Dann ist da nur Hachseufz. (Bis zum nächsten Morgen, wenn es wieder heißt „ICH WILL GRÜNEN APFELSAFT…“) 

<3 

Tag 523 – Sie ist wieder da. 

Ich habe sie nicht vermisst. Die Migräne direkt aus der Hölle. Einmal mit alles, bitte. 

Jetzt liege ich wieder im Bett, da war ich schon den Großteil des Tages, nach der Migräne kommen nämlich die Nebenwirkungen der Medikamente, in meinem Fall: Kreislauf. Ich kann knapp lange genug stehen, um Michel nen Schlafanzug anzuziehen. 

Und wie das so ist, erlebt es sich im Bett wenig. Und mit matschiger Birne schreibt es sich auch keine guten Blogbeiträge. Deshalb hier heute nix neues. 

Wenn Sie aber gerne was ganz langes lesen möchten und des Englischen mächtig sind, möchte ich Ihnen diesen Artikel empfehlen. Quintessenz: Schwangere werden über die Risiken und eventuellen Spätfolgen einer vaginalen Geburt völlig unzulänglich (meist nämlich gar nicht) aufgeklärt und das ist Mist.  

Tag 522 – Forscher. 

„Mama? Wenn ich groß bin will ich Dinosaurierforscher sein.“

Michel beschäftigt seit einiger Zeit dieses „Wenn ich groß bin“-Ding. Ich sage dann meistens, so wie auch heute:

„Wenn du möchtest, kannst du Dinosaurierforscher werden.“

„Ja, und du und Papa und Pippi, ihr müsst dann auch Dinosaurierforscher werden.“

„Hmm, aber ich mag ja meinen Beruf, ich möchte gar nichts anderes werden.“

„Was ist dein Beruf?“

„Ich bin ja schon Forscherin. Für Proteine.“

„Was ist Proteine?“

„Hmm, Proteine sind so ganz kleine Dinger, die sind so klein, man kann die meisten davon gar nicht sehen, nur das was daraus gemacht ist.“

„Was ist daraus gemacht?“

„Fast alles. Alles was lebt. Du und ich und das Essen hier und ähhhh Milch und so.“

„Und Bakterien.“

„Ja, in Bakterien sind auch Proteine drin.“

„Ja. … Mama? Warum du wenn du Geburststag hast nach Amerika fliegt?“

„Weil ich da mit anderen Forschern rede. Forscher treffen sich manchmal und dann erzählen die sich, was sie so erforscht haben.“

„Wenn du dann fertig geredet hast musst du wieder zurück kommen!“

„Na klar komme ich wieder zurück!“

„Wenn du dann drei Tage geredet hast. Und du musst ja auch schlafen! Wo ist denn dein Bett in Amerika?“

„In einem Hotel.“

„Kommt Pippi dann mit?“

„Nein, ich hab doch gesagt, dass da keine Kinder mitkommen können.“

„Pippi ist ja auch ein Forscher!“

„Ja?“

„Ja. Baby-Forscher.“

Tag 521 – #12von12 im Januar ’17

Was 12von12 ist und viele viele mehr davon wie immer bei Draußen nur Kännchen

Kackmorgen mit müde nach Kacknacht mit Husten. Davon keine Fotos. Herr Rabe blieb heute mit beiden Kindern zu Hause, weil jetzt Michel Fieber hat und Pippi so ungenießbar ist, dass wir die vermutlich postwendend unter irgend einem Vorwand aus dem Kindergarten wieder bekommen hätten. Schub, Zahn, Husten, Schläft schlecht, alles Mist irgendwie. Irgendwann könnte ich mich aber doch zu Hause loslösen und…

Erst mal vor der Haustür mit dem Rad ausrutschen. Ich hab dann mal den Bus genommen. Und nen mega fetten blauen Fleck am Schienenbein. #aua #1von12 von #12von12

 …legte mich direkt mit dem Rad auf die Fresse. Naja, auf die Seite. Irgendwas hab ich auch blödes mit meinem Bein gemacht dabei, es hat sich wohl irgendwie verhakt, jedenfalls ist es an mehreren Stellen dick und tut beim Laufen und bei Druck weh. Aber – soweit ich das beurteilen kann – nur tief liegende Hämatome. 

Ich fuhr dann also mit dem Bus zur Arbeit und…

Äh… Wo sind meine Proben??? #2von12 von #12von12

 …fand meine Proben nicht. Irgendwer taut den -80er ab, das ist löblich, aber ne Email wäre trotzdem schön gewesen. Ich fand dann nach etwas Suchen die Ersatzkühltruhe und nach etwas mehr Suchen darin auch meine Proben und so konnte ich dann doch arbeiten. 

Wie ich so arbeite. #3von12 von #12von12


Mein Laborarbeitsplatz. Klein ist er, aber direkt an Fenster und Heizung. 

Extra spät Mittag essen, damit ich mit keinem reden muss. Läuft bei mir. #4von12 von #12von12 #antisocial

 Ja, also so wirklich gesellig war ich heute nicht. Eigentlich gar nicht. 

Kaffeezeit \o/ #5von12 von #12von12 #müdemutti #meinekinderschlafennicht #ichschlafdafürgleichimstehenein

 Mein Arbeitstag war ziemlich eintönig, ich habe 2 x 43 Proben hydrolysiert, das heißt ich hatte jeweils 2 x 45 Minuten Inkubation und 2 x 20 Minuten Zentrifugation. Beim zweiten Mal musste ich in der Zeit auch kein weiteres Zeug machen (wie Eppis beschriften; wie ich das hasse, diese Frickelei in Minischrift und dann sind die Eppis obendrauf irgendwie fettig oder so und die Schrift hält nicht und meh. Als wären Labelwriter sooooo teuer. Augenrollen.) und holte mir einen Kaffee. 

Kennen Sie dieses „There are two types of scientists“ meme? Well… it’s a thing. #6von12 von #12von12 #Kontrolletti

 Meine Boxen sind die links. Es kostet mich manchmal viel Willenskraft bei dem Kollegen rechts einfach wegzugucken. 

Irgendwann spät waren dann die letzten Proben in der SpeedVac zum Trocknen und ich machte ein bisschen Bürodinge. Nach ein bisschen Email-hin-und-her habe ich jetzt eine Zimmerpartnerin für die Konferenz Ende nächster Woche, ich habe den Jahresbeitrag für die norwegische Biochemikergesellschaft bezahlt und in Erfahrung gebracht, wie ich bei denen ein Reisestipendium beantrage. Habe mit leichter Belustigung gelesen, dass ich, wenn ich das Reisestipendium bekomme, einen Artikel mit Bildern für die Mitgliederzeitschrift schreiben muss. (Herr Rabe schlug vor, einfach meine Blogbeiträge aus der Zeit dann mit Google Translate zu übersetzen.) Habe die Quittungen für die Kalifornien-Konferenz schon mal an die Uni weitergereicht, damit ich das (hoffentlich) nicht aus eigener Tasche vorstrecken muss. Dann ging ich nach Hause. Um viertel vor fünf. Und war fast die letzte. Das mag ich an Norwegen. 

Brokkolisuppe, im Hintergrund krankes und nörgeliges Kind. Das andere Kind kippte sich derweil die Suppe über den Latz. #7von12 von #12von12

 Michel ist wirklich richtig krank, der arme Murch. Und sehr nörgelig. Aber die Suppe war lecker. 

Weil das Eis alle war und in einem Weihnachtspäckchen Quetschies waren, gibt’s halt so eins zum Nachtisch. #8von12 von #12von12 . Erst dachte ich „Whaaaaaat, 200 kCal pro Tüte???“. Sind aber kJ. #überteuertesZeug #Umweltsauerei #aberdieKinderfindenssuper

 Dinge, die ich nie selbst kaufen würde: Quetschies. 

Michel war nach dem Essen so im Eimer, dass er ins Bett wollte. Wir guckten ein Buch an, hörten zwei Mal dem Elefanten (seinem Nachtlicht) zu und schon schnorchelte er. Als ich aus dem Kinderzimmer kam, bot sich mir ein friedlicher Anblick. 

Die minderjährigen Raben schlafen, wenn auch nur teilweise im Bett. #9von12 von #12von12

 

Tja, leider musste ich dann nochmal los, um meine Proben aus der SpeedVac zu holen. Als ich das mal vergaß, gab’s Schimpfe von der Kollegin. 

… und nochmal ganz kurz zur Arbeit. Seufz. #10von12 von #12von12

Aber das geht ja glücklicherweise ganz schnell und so war ich schnell wieder zu Hause. Kurz ein Stück Schokolade gegessen, dabei kurz über die beknackte Schreibweise aufgeregt, dann Pippi übernommen. 

Chon lecker, diese Chokolade. Chmeckt viel besser als zum Beispiel Chuhcreme. #11von12 von #12von12


Jetzt muss ich noch Zähne putzen, und dann ganz schnell schlafen, mal sehen, wie oft heute Nacht Geschrei ist und Bäumchen wechsle Dich in unseren Betten gespielt wird. 

Ich werde ein bisschen angeschnarcht, es ist so niedlich😍. #12von12 von #12von12 #nofilterjustweirdlighting