Tag 674 – The genes, they are a’changing. 

Oslo-Trondheim Genome dynamics workshop. Der fing ja heute um elf an, vorher war ich natürlich, wie so eine streberhafte Doktorandin in den letzten Zügen, noch im Labor. Ich erklärte meiner Hilfskraft* was sie tun solle und gab mega wichtige Proben zum Messen ab. Um zehn vor elf sprang ich ins Auto, fuhr zur Konferenz, kam an und…

… es gab keine Stühle mehr. Plätze schon, nur keine Stühle. Tjanun. Ich hab also einem Hotelmenschen Bescheid gesagt** und mich dann auf einen der eilig herbeigekarrten Lobby-Design-Höcker gesetzt. 

Und dann verbrachte ich die Zeit bis zum Mittagessen eigentlich hauptsächlich damit, Paper zu lesen, weil alle Vorträge von Leuten waren, die und deren Arbeit ich eh sehr gut kenne***, oder einfach zum Sterben langweilig waren. 

Mittagessen: war durchwachsen. Der Nachtisch war gut. 

Danach wirklich interessante Vorträge, viele Notizen gemacht und keine weiteren Paper gelesen. Dafür einiges gelernt über Alkylierungen**** und die ALKBH-Enzymfamilie*****. 

Um drei sprang ich dann hektisch auf, kurz vorm letzten Vortrag der Session, setzte mich ins Auto und holte Pippi aus dem Kindergarten ab. Das war auch der Grund, weshalb ich das Auto dabei hatte: mit Bus oder Fahrrad wäre das alles noch viel enger geworden. So dachte ich jedenfalls. Im Endeffekt stand ich dann enervierend lange im Berufsverkehr herum und wäre mit dem Rad vermutlich viel schneller gewesen. Pippi versorgte ich schon im Auto mit mitgebrachter Banane und dann als wir ankamen noch mit einem Stück Kaffeepausenkuchen. Die war also happy. 

Tatsächlich war Pippi dann ein kleines Engelchen****** und ließ mich vier von fünf Vorträgen stressfrei anhören. Und alle Frauen so aaawww. Und dann hoffe ich immer, dass meine Augenringe und die Schokoflecken auf meinem Shirt und das vom Kinderschuhklettverschluss frisch reingerissene Loch in meiner Strumpfhose Abschreckung genug sind, weil eigentlich kann ich keinem Menschen guten Gewissens empfehlen, Kinder und PhD zeitlich zu kombinieren. Danach gab es einen erwas blöden Vorfall mit einem eigentlich total netten Mann******* und Pippi trank etwa vier Becher eigentlich für den Kaffee gedachte Milch und ging auch drei mal erfolglos aufs Klo, wir guckten ein minibisschen Poster an und dann fuhren wir…

… Michel abholen. Und dann nach Hause. Wo ich, ehrlich gesagt relativ erledigt direkt anfing mit…

… Beine rasieren. Wegen der Schokoflecken und der Strumpfhosenlöcher musste ich mich umziehen. Herr Rabe kam heim, ich wusch meinen rosa Lippenstift ab, machte Himbeerfarbenen drauf, nochmal schnell das Näschen nachgepudert und das Augenmakeup mit einem nach außen hin breiteren Lidstrich in dunkelblau abendtauglich gemacht, hohe Schuhe an und Zack, war es zu spät um Zeug in eine Handtasche umzupacken. Ich zog also mit meinem Rucksack los zum Dinner. Da war ich dann 10 Minuten zu spät, weil der Bus so viel Verspätung hatte. 

Dinner. Lecker. Ich saß am Tisch mit mir teils unbekannten, teils unsympathischen Menschen. Aber das Essen war echt gut. 

Danach Skybar für ein Stündchen. Wie putzig die Norweger*Innen sind: boaaahhh, 21 Stockwerke, der Hammer. Auch lustig: die Skybar teilten wir (verrückten Genforscher*Innen) mit irgendeiner Veranstaltung einer großen Baumarktkette. Und, was machst du so? Ich bau gern Sachen aus Holz. Und du? Ich will wissen, wie Enzym X zwischen fehlerhaften und endogenen Methylgruppen in mRNA unterscheidet. Nicht ganz so lustig: meine Fresse bin ich schlecht in Smalltalk und dem ganzen Networking-Zeug. Es ist schlimm. Nicht nur hab ich absolut kein Ansprechgesicht, ich sage halt auch einfach mal minutenlang nichts, statt irgendwas zu sagen. Damit können Leute schlecht umgehen. 

Außerdem starben irgendwann meine Füße quasi ab (nix gewohnt, aber ey, ehe ich <s> mir eingestehe, dass ich’s einfach nicht mehr kann</s> meine Schuhe ausziehe und barfuß nach Hause laufe, muss einiges passieren, ich kann lange lächelnd und mit hoch erhobenem Kopf meine tauben Zehen ignorieren, sowas lernt man beim Tanzen!) und deshalb******** sitze ich jetzt im Bus nach Hause und freue mich aufs Bett. 

* Die Masterstudentin. Ich hab sie nur diese Woche. Was blöd ist, weil ich viel viel mehr Hilfe gebrauchen könnte. 

** auf die Idee war von den ebenfalls betroffenen Norweger*Innen noch keine*r gekommen. 

*** Mein Chef zum Beispiel, der erklärte, was ich so mache. 

**** Abschnitt 1 meiner Thesis

***** Abschnitt 2 oder 3 meiner Thesis

****** Thanks to Maus-App und Peppa Pig. 

******* Er hatte ein Auto geholt, mit dem sie spielen konnte. Sie freute sich total und spielte sofort. Er fragte nach „seinem“ Namen. Ich sagte „Pippi!“. Und dann war er ganz bestürzt, er hatte gedacht, sie sei ein Junge und wenn er gewusst hätte, dass sie ein Mädchen ist, also dann hätte er ja kein Auto geholt und überhaupt täte ihm das total leid und… da hab ich innerlich so laut geseufzt, dass ich den Rest des Entschuldigungs-Sermons nicht mehr mitbekommen habe. 

******** und weil mein Chef auch schon nen norwegischen Abgang gemacht hatte, also einfach verschwunden war. 

Tag 581 – „Downtown“. Dienstag in Bildern.

Nicht, dass Sie denken, ich sei hier nur am konferieren. Neihein! Ich socialize ja auch mit meinen Peers und versuche darüber hinaus, mich an wichtige Menschen heranzuschmeißen mit potentiellen Kooperationspartnern in Kontakt zu kommen. Darin bin ich ungeübt, aber es wird. Socializing mit Peers geht viel besser, deshalb war ich auch heute mit drei weiteren PhD-Studenten dieses „Downtown“ suchen. „Downtown“ sollte es nämlich ein halbwegs berühmtes Burger-Restaurant geben. Als wir nach der Adresse fragten, bot uns die Rezeptionistin an, uns hinzufahren. Amerikaner gehen offenbar nicht zu Fuß, das ist mir schon am Sonntag aufgefallen, als ich wegen des gestohlenen Fahrrads viel Mitleid erntete – weil ich ja ganze 30 Minuten zurück laufen musste („Why didn’t you call an Uber?“). Also wurden wir gefahren. 

Dieses Foto kommt aus Gründen schon jetzt, ist aber eigentlich nach dem Burger entstanden. Da hinten ist Meer, man sieht es nur nicht.

Najaaaa. War ok. (War vor allem für norwegische Preise-Gewöhnte unfassbar billig. 6,37$.)

Nach dem Burger wollten wir (trotz des ewigen Nebels) den Strand besichtigen. Da muss man eh lang, um vom Burger-Restaurant nach „Downtown“ zu kommen.

Gnihihi, da ist Sand an meinen Füßen!


Und so wanderten wir am Strand lang. Es war echt und ganz unironisch sehr schön.

Oh, was mag diese Fußspuren machen?

Pelitrosse*! (Die sind sehr groß. Sehr sehr groß. Näher hab ich mich beim besten Willen nicht rangetraut.)

„In Kalifornien scheint die Sonne!“ haben sie gesagt…


Irgendwann kamen wir sogar in „Downtown“ an. „Downtown“ ist eine Straße. EINE! Da hat Trondheim mehr Innenstadt. Wir tranken einen grenzwertig schlechten Kaffee, aßen ein gutes Eis und sahen einen hübschen Schnäuzer. Dann nahmen wir den Shuttlebus zurück.

Ich will gar nicht wissen, was es da gibt.


Als wir wieder im Hotel waren, ging direkt die Postersession los, allerdings nicht mit meinem Poster und da es gestern bei der Postersession unheimlich laut gewesen ist und ich nicht schon wieder angeschrien werden wollte, traute ich mich mal wieder was neues, installierte mir schnell die Uber-App und nahm ein Uber in das 15 Meilen entfernte Outlet-center. Ich und Outlet-Center… also ich weiß ja nicht. Wenn man jetzt voll auf Michael Kors-Handtaschen steht, die sonst 500 € kosten und dann auf 300 € runtergesetzt sind, macht das ja vielleicht Sinn. Oder wenn man immer schon ein Gucci-Kleid wollte. Ich bin da ja nicht so drin, also kaufte ich zwei Paar sehr stark runtergesetzte Chucks aus der „allerallerletzter superfinaler ultra-Sale“-Ecke (die außerdem durchaus nicht die übliche Sorte sind, hihi), Parfüm (ich wollte eh mal neues** haben und Douglas mag ich nicht und da wurde ich echt nett und kompetent beraten – das ist ja für jemanden ohne Ahnung durchaus hilfreich, wenn man einfach sagen kann „Ich habe diesunddas, ich hätte gerne was, was so ähnlich ist, aber nicht das gleiche“ – und (wenig überraschend) Nagellack. Fertig. Dann suchte ich mir ein freies W-LAN, orderte ein Uber für den Weg zurück und kam gerade passend zum Dinner zurück. 

Ausbeute.


Das war mein Tag.

(Auf meinem iPad geschrieben 🙂 )

___

* Ich hab irgendwas mit Bio studiert, merkt man, ne?

** Ja, richtig gelesen: EIN neues. Ich hab noch nie mehr als ein Parfüm gleichzeitig besessen. (Seit heute hab ich dann sogar drei! Aber eins ist fast leer.)

Tag 580 – So war übrigens die Anreise.

Ich kämpfe noch ein wenig gegen den Jetlag an und übe kräftig das Tippen auf dem neuen iPad, bzw. auf dessen Tastatur. Da bietet sich doch an, mal über die Anreise hier zu schreiben.

In der Nacht von Freitag auf Samstag schlief ich praktisch gar nicht. Warum auch, auf so nem 11-stündigen Flug kann man doch prima schlafen. Immerhin war es so kein großes Problem um 4:30 Uhr aufzustehen. Um viertel vor sechs gab ich Herrn Rabe einen dicken und den Kindern je einen vorsichtigen Kuss und machte mich pünktlich auf den Weg: mit meinem völlig überdimensionierten Koffer, meinem Handgepäcksrucksack und meiner Posterrolle. Ohne Mütze und Handschuhe und in meinen sommerlichen Turnschuhen wahr ich zwar deutlich zu kalt angezogen, aber der Bus kam tatsächlich recht schnell und außerdem stand ich so unter Strom, dass ich kaum fror. 

Die erste große Herausforderung war das Aufgeben des Gepäcks am Flughafen. Der Automat weigerte sich, einen Gepäckaufkleber auszudrucken, also musste ich an den Schalter. Da war aber irgendein technischer Defekt, es stapelten sich schon die Koffer vor dem Schalter, weil die Bänder irgendwie nicht gingen und natürlich standen neben den Koffern diverse Rentner*Innen, die vor lauter Mistrauen in Technik und Personal wohl am liebsten ihr Gepäck persönlich ins Flugzeug getragen hätten. Hinter mir schnaufte eine Frau ungeduldig in meinen Nacken und schickte ihren Mann (der gar nicht mitreisen sollte) herum. „Frag mal da nach! Los, jetzt frag mal, was da los ist!“ Nach ca. 15 Minuten allgemeiner Ratlosigkeit sprangen aber alle Bänder wieder an und alles wurde gut. Sicherheitskontrolle und so war alles unspektakulär, ich kaufte mir eine Handcreme im Duty Free Shop und einen Kaffee, einen Smoothie und eine Banane am Kiosk und wartete aufs Boarding.

Auch der erste Flug nach Stockholm verlief im Grunde ereignislos, sieht man mal von der lächerlich kleinen Maschine und meine proportional zur Flugzeit ansteigende Nervosität ab. Schließlich hatte ich zwischen Landung und erneutem Start genau 40 Minuten zum Umsteigen. Von den 40 Minuten gingen 20 dafür drauf, in einen Flughafenbus zu steigen, auf die anderen Passagiere zu warten, langsam verrückt zu werden, „Aaaaaaaaahhhhhhhhhh!“ zu twittern und über den Flughafen kutschiert zu werden. Kaum angehalten, sprang ich aus dem Bus, rannte ins Terminal, die Treppen hoch, guckte auf den Bildschirm und las: LAX, Last Call. Sprintete durch die Passkontrolle, sprintete zum letzten Gate im Terminal, kam als letzte Passagierin und komplett durchgeschwitzt und mit den Nerven runter am Gate an, bekam aus einem unerfindlichen Grund einen Smoothie in die Hand gedrückt und boardete als Letzte. Wenn ich schlechter zu Fuß wäre, wäre ich vielleicht zu spät gekommen. Fazit: 40 Minuten zum Umsteigen in Arlanda reicht eigentlich nicht. Vor allem nicht wenn man eigentlich total dringend aufs Klo muss. 

Das Flugzeug nach LAX war sehr groß, ich saß ganz hinten am letzten Fensterplatz, neben mir ein junger, gutaussehender Norweger, der hirnentleerten, sexistischen Kram aus dem Bordunterhaltungsprogramm ansah. Das Essen war qualitativ mäßig und quantitativ gerade ausreichend. Es war sehr sehr laut und ich war Herrn Rabe unheimlich dankbar, weil er mir seine Active Noise Cancelling Kopfhörer geliehen hatte. (Habe ich je darüber gelästert, dass die Dinger absurd teuer sind? Wenn ja: Ich nehme alles zurück, die sind Gold wert!) Ein bisschen schlief ich, ich las die Hunger Games fertig, spielte Super Mario Land 2 auf meinem GameBoy (ja, einem alten Teil, ohne Displaybeleuchtung und Farben. Ich kann noch alles außer den Spielstand abspeichern), guckte die letzten drei Folgen von Black Mirror, die ich mir bei Netflix herunter geladen hatte (die Bienen! Huiuiui). Langweilte mich, konnte nicht mehr schlafen, guckte aus dem Fenster, langweilte mich noch mehr, las ein bisschen und dann waren wir auch schon da.

Dann standen wir erstmal 45 Minuten auf dem Rollfeld herum, weil unser Gate belegt war.

Dann stand ich 15 Minuten an der automatischen Passkontrolle an. Die dann wegen irgendwas mit meinen Fingerabdrücken nicht funktionierte.

Dann stand ich 30 Minuten an der Border Control an. („Are you here to do business?“ – „I’m going to a conference.“ – „Conference about what?“ – „RNA Editing.“ – „RNA What? What is RNA?“ – „Erm, a part of our genome?“ – „???“ – „Genes?“ – „What is your profession?“ – „I’m a… biologist.“ – „OK then, have a nice trip, welcome to the USA.“)

Und schlussendlich stand ich geschlagene 30 Minuten in der Schlange an, die einfach nur aus dem Flughafen heraus führt.

Inzwischen war es 14:20 und rechtzeitig zum Beginn der Konferenz um 15:30 in Ventura sein, konnte ich mir abschminken. Insofern war es auch nicht mehr weiter schlimm, dass wir natürlich auf dem Weg aus L.A. heraus im Stau standen. Apropos Abschminken: Ich erwog, einfach drauf zu scheißen und nach meiner (wann auch immer stattfindenden) Ankunft erst zu duschen und dann zu den Konferierenden zu stoßen. Je später es aber wurde, so wahrscheinlicher wurde es auch, dass ich wohl erst kurz vor der Poster-Session ankommen würde. Irgendwann zog ich seufzend mein Notfall-Päckchen aus dem Rucksack und schminkte mich notdürftig, davon ausgehend, dass ich mich wenigstens noch schnell würde umziehen können würde.

Als ich ankam, war mein Zimmer noch nicht fertig. Blöd, so musste ich in meinen Reiseklamotten mein Poster repräsentieren. Als ich mich für die Konferenz registrierte, erklärte mir der Mann da (Brian? Ryan?) den ca. 15 Meter langen Weg in den Konferenzraum. Ich musste zwei mal nachfragen, mein Gehirn war ganz einfach da schon nicht mehr erreichbar. Aus und schlafen gegangen. Oder ausgewandert. Trotzdem fand ich irgendwie den Weg in den Konferenzraum, hörte mir noch die Diskussion zum Eröffnungsvortrag an, hängte mein Poster auf und stellte mich daneben. Erklärte mein Poster zwei mal, aß (irgendwas) zu Abend, bekam endlich ein Zimmer, zog mich fix um und setzte mich in die Abendsession. 

Nach fünf Vorträgen war ich absolut gar gekocht, konnte mich kaum noch auf den Beinen geschweige denn wach halten und war unendlich froh, als ich endlich, endlich duschen konnte. Sauber und ungeföhnt fiel ich in das überdimensionierte, aber unheimlich bequeme Bett wie ein Stein und schlief tatsächlich bis 04:20, und dann nochmal bis 06:30. (Dass der Jet-Lag damit noch nicht ausgestanden war, sieht man an den gestrigen Ausfällen. Und auch heute bin ich noch nicht wieder komplett fit.)

Tag 579 – 12von12 im März ’17 (Vollhorst goes USA-Edition)

So viel Verpeiltheit Pech an einem Tag und dann auch noch am 12., wenn beim Kännchen-Blog 12von12 ist…

Der Tag fing damit an, dass ich aufstand, eine Eisentabletten in den Mund nahm, mit Wasser nachspülen wollte und… das Wasser in die Dose goss. WARUM AUCH IMMER. Naja. Ich versuchte, die innerhalb von Nanosekunden klebrigen Tabletten auf Taschentüchern zu trocknen, was daraus wurde… dazu später. 

Dann hatte ich ja Schuhe bestellt. Alle ne halbe Nummer zu groß. Und ich dachte noch, ob das denn sein kann mit den Maßen, und maß und maß und nochmal und doch, genau so wie es da stand, Größe 38,5 = 25 cm = US size 8.5. well, no. Muss ich halt weiter meine Turnschuhe tragen. 


Wenigstens tun mir so die Füße nicht weh und, Spoiler, später werde ich noch sehr froh um dieses bequeme Schuhwerk sein. 

Frühstück und die erste halbe Session ging rum, bis ich überhaupt bemerkte, dass 12von12 ist. Sessions und Poster darf man aber eh nicht fotografieren. Aber ich kann ja immerhin sagen, dass ich sehr interessante Diskussionen mit anderen Doktoranden (ok, alles Asiaten, alles Männer…) zu meinem Poster hatte. Also, wirklich. Es war ok, aber auch anstrengend und wir haben gemeinsam ein paar, Äh, Löcher in unserer Theorie gefunden. 

Dann war ich zu allem Überfluss und trotz aller Mikrofonangst Chair bei der letzten Session des Doktorandenseminars. Einer der zwei Talks handelte von Pflanzen und irgendwelchen RNA-regulierenden Elementen von denen ich noch nie auch nur entfernt gehört hatte. Da fiel mir dann auch beim besten Willen keine Frage zu ein. Außer „Hä?!?“ vielleicht. 


Nach der Session mussten wir noch evaluieren und eine arme Sau Ehrenperson auswählen, die ihren Talk bei der echten Konferenz nochmal halten muss darf. 

Über den letzten Punkt und überhaupt meine ganze Reise muss ich auch noch schreiben. Später. Erstmal: Freizeit! Man könnte rausgehen…


Naja, es ist immerhin warm. Ich will ja auch mein iPad abholen, muss die Schuhe zurückgeben und einen richtigen Kaffee hätte ich auch langsam gerne. Ich miete mir ein Fahrrad zu 10$/Stunde. Das Fahrrad hat kein Schloss, ist Pink, schwer und fährt sich überraschend gut. 


An der Mall angekommen weiß ich nicht so recht, was ich mit dem Fahrrad tun soll. Ich entschließe mich dazu, den Sattel abzunehmen (danach ist meine Hand schwarz) und es in die hinterste Ecke vom hintersten Parkhaus zu stellen. Ich will nicht zu viel verraten, aber: MACHEN SIE DAS NICHT! 

Die Schuhe zurückgeben war kein Problem. Hurra! Das iPad abholen schon, denn der Brian und auch der Jose konnten es nicht finden. Auch die Bestellung nicht. Ich fand aber auch keine Bestellbestätigung in meinen Mails, und auch auf meinem extra zu diesem Zweck angelegten Kundenaccount war nichts zu sehen. Ein kurzer Check in meinem Bankaccount bestätigte: offensichtlich habe ich mir das Bestellen des iPads (zum online-Sonderpreis von 699$) nur eingebildet. Peinlich. Ich ziehe los, mir einen Kaffee holen, wasche mir die Hände und wandere dann in die Elektronik-Abteilung, wo ich leicht mit den Zähnen knirschend 799$ für ein iPad bezahle. Handyhüllen zum klappen gibt es nicht. Trotzdem bin ich fröhlich, Yeah, schließlich habe ich grade einen Haufen Geld ausgegeben. Ich shoppe noch ein klitzekleines bisschen weiter.


Gehe zum Parkhaus und das scheiß Fahrrad ist weg. 


Ich rege mich tatsächlich nicht auf. Ich wandere durch das Parkhaus, vielleicht ist das irgendein Witzkeks gewesen oder jemand hat doch nach 100 Metern festgestellt hatte , dass es sich ohne Sattel schlecht fährt. Ich finde das Rad nicht und gehe zu Fuß zum Hotel zurück. 45 Minuten und es wird wieder neblig. (Nachdem ich die Hunger Games jetzt durch hab, hab ich ein kleines Problem damit, direkt in Nebel reinzulaufen.)


Schicker Lippenstift, ne? Der ist von ColorPops, Ultra Satin, macht zwar Abdrücke auf Gläsern und co., das sieht man den Lippen aber nicht an, also da bleibt immer noch genug drauf. Ich bin total hin und weg davon und wenn die Lidschatten von denen auch so gut sind, höre ich auch auf davon zu träumen, genug Geld für die Urban-Decay-Paletten zu haben. 

Als ich mit dem Fahrradsattel und dem Helm in der Hand über die Ampel vorm Hotel gehe, bricht ein Mann in einem Auto mit offenen Fenstern in schallendes Gelächter aus. Ich höre ihn noch irgendwas mit „… see her? … bike!“ herauslachen, recke den Kopf höher und eile auf die andere Straßenseite. 

Im Hotel muss ich die Sache mit dem Fahrrad gestehen. Niemand schimpft, aber ich sorge für Unglauben und dann Amüsement. Dann bezahle ich das Fahrrad für die Zeit, die ich unterwegs war und rechne damit, dass noch eine saftige Rechnung kommt, sobald die Rezeptionistinnen herausgefunden haben, wie sie mit dem Fall verfahren sollen. 

 Es gibt direkt Essen, für das man, jetzt, wo die richtige Konferenz ist, ziemlich lange anstehen muss. 


So nett vom Hotel. 

Nach dem Essen geht es mit dem Konferenzprogramm los. Irgendwann zwischen dem dritten und vierten Talk haut mir der Jet-Lag eine rein und ich könnte spontan am Tisch einschlafen. Muss aber irgendwie noch eine Dreiviertel Stunde durchhalten. 


Dann ist es endlich Zeit für mein King-Size Bett. 


Heißt aber auch, dass ich erst morgen mein neues Spielzeug ausprobieren kann. Ich muss eh noch den Stift aufladen. 


Das Ergebnis des Tablettentrocknungsexperiments ist leider nicht so doll. 


Jetzt Bett. 

Es war, ganz unironisch, trotz lauter Scheiß ein guter Tag! 

Tag 531 – Wieder zu Hause. 

Und nirgends ist es schöner. Das vertraute Kleinkindschnarchen (Pippi, und laaaaaange nicht so schlimm wie es bei Michel in dem Alter war, ich denke, wir kommen bei ihr um eine Polypenkürzung herum) ersetzt das nicht ganz so niedliche Schnarchen meiner Zimmernachbarin, statt Buffet gibt es Nudeln mit Soße, statt Nachtischbuffet ein Tütchen Weingummi in Eppiform, fair unter vier Personen aufgeteilt. 

Insgesamt war es schon sehr interessant, die Plenarvorträge waren sehr divers (von Hirnforschung über Pflanzen-Genetik zu Hardcore Bioinformatik war da alles bei. Eindeutiger Trend: die Darmflora.) und die Vortragenden sehr engagierte Redner*Innen und (so weit ich das beurteilen kann) in ihrem Feld herausragende Forscher*Innen. Ja, tatsächlich kamen auf 8 Vorträge (von denen einer leider abgesagt wurde) 3 Frauen, alle drei absolute Spitzenforscherinnen (Von Emmanuelle Charpentier habe ich ja schon berichtet, außerdem waren Marianne Fyhn und Ines Thiele da, wenn Ihnen das was sagt.), ich finde das sehr gut, denn oftmals wird ja behauptet, Frauen™ wollen sowas ja gar nicht, so Karriere und so, das liegt denen nicht. Und deshalb hat man leider für Gebiet XY keine Frau als Rednerin gefunden. So schade. Naja, also, die Norweger kriegens hin 😉

Auch die Minisymposia waren teils sehr interessant, ich weiß jetzt zum Beispiel sehr viel mehr über das Immunsystem von Pflanzen, als ich jemals wissen wollte. 

Im Endeffekt habe ich sogar gesocialized, wer hätte das gedacht, ich habe Leute aus Bergen und Oslo kennengelernt, traf jemanden, der Kleider selbst näht, sich selbst bunte Blümchen auf die Fingernägel malt und HIGH HEELS MEINER LIEBLINGSMARKE ANHATTE (‚Irregular Choice‘, kennt kaum wer, das macht es ja so außergewöhnlich). Gut, das war jetzt vielleicht nicht, was mein Chef unter professionalem Netzwerken versteht, aber was solls. Ich muss ja nicht morgen soundsoviele Visitenkärtchen vorzeigen. 

Das schönste: alle, wirklich restlos alle, Letztjahrs-PhD-Studenten die ich traf, sind genauso angepisst und überfordert und hadernd wie ich. Es liegt also doch nicht an mir. Auch wenn ich mich bei dem Spruch „I know who you are, you are the one who said you’re in a complicated relationship with your PhD!“ etwas ertappt fühlte. 

Post-Party Fundstück. Morgen mal googeln.

Tag 528 – Storefjell. 

Hallo, Treffen der norwegischen Vereinigung der Biochemiker. Im Nichts. Auf einem Berg. Hurra. 

Die Location ist auch so eher, Ähm, rustikal. 

Kein Witz.


Aber was solls. Grad bin ich eh bei was solls angekommen. Ich kenn eh keinen, also: was solls. 

Stimmt außerdem ja gar nicht, dass ich keinen kenne. Menschen die ich bisher getroffen habe:

  • Unsere Osloer Freundin, deren Miniminiminibaby wir im Frühjahr noch bewundert haben
  • Zwei Frauen, mit denen ich im rosa Fitnessstudio Muttisport gemacht habe
  • Zwei Typen, die ich mal auf dem Treffen der Trondheimer Fraktion der norwegischen Vereinigung der Biochemiker in Åre vor zwei Jahren kennen gelernt habe
  • Zwei Mädels, die bei uns ihren Master gemacht haben
  • Eine Frau, mit der ich vor drei Jahren auf einem zweiwöchigen Kurs in Tromsø ein Zimmer geteilt habe
  • Eine Dozentin und einen Professor, die bei ebendem Kurs unterrichtet haben

Meine Zimmernachbarin ist auch sehr nett, und das sage ich nicht nur, weil sie mich auf 27 geschätzt hat. (Als ich dann, verwirrt wie ich ja auch manchmal bin, sagte ich sei 32 (bin ich ja noch gar nicht, aber naja, die sechs Wochen…), fragte sie mich nach meinem Geheimnis. Ich empfahl ihr nen guten Concealer und Paulas Choice. Soweit hat mich das Internet schon gebracht.)

Super bisher: das Nachtischbuffet. So lecker. Die Hauptspeisen gingen alle eher so (wobei ich die Fleischgerichte nicht gegessen hab, also kann ich dazu nix sagen), aber das Salatbuffet und die Nachtische sind richtig gut. Reicht ja dann auch. 

Gut ist auch, dass ich nur zum Spaß hier bin, weil zum Zeitpunkt meiner Anmeldung schon alle Deadlines für PosterTalkTralala vorbei waren. Machste nix. *hier Schulterzucken vorstellen*

Und das Beste: ein Talk von Emmanuelle Charpentier. Hachjaja. (Inspirierende Frau, wirklich. Ich hoffe, die kriegt mal nen Nobelpreis dafür.)

Und jetzt: acht Stunden Schlaf am Stück, Ich jauchze und frohlocke!