Tag 856 – Ach, ach, ach.

Mein Tag in Abrissen:

  • Aufgestanden nach dreieinhalb Stunden Schlaf, mit Kopfschmerzen ähnlich wie Kater.
  • Schmink, Anzieh, Pack, Auscheck, Frühstück mit Businesskaspern, morgens um vor sechs am Flughafen halt. Nicht meine Zeit, ich kann da auch noch nix richtiges essen.
  • Hurra, Pressbyrån verkauft auch um sechs Uhr morgens schon Ibuprofen.
  • Lange Schlange an der Sicherheitskontrolle. Sehr lange. Trotzdem entspannt geblieben.
  • Mit frischem Kaffee ins Flugzeug. Zu dösen versucht. Nix.
  • Mein Herz, wie auch schon gestern Nacht, versucht mir aus dem Hals zu hüpfen.
  • Gerädert in Frankfurt angekommen. Ohne über Los zu gehen direkt zum neuen Gate. Mit Last Call das Gate erreicht.
  • Hops nach Stuttgart.
  • Glanzleistung des Tages: Ich erblicke einen Menschen, der auf jemanden zugeht, der ein Schild mit „MPI Tübingen“ in der Hand hält. Mein Gehirn ist aus und ich renne auf den Menschen zu „Hallo, ich muss genau da* auch hin, können Sie mich vielleicht mitnehmen?“ und dann sage ich das nochmal auf Englisch, denn der Mensch ist Franzose und kann kein Deutsch.
  • Ich und der französische Professor werden vom Privattaxi nach Tübingen gefahren.
  • Im Taxi nehme ich endlich den Beta-Blocker. So sollte die maximale Wirkung zu Anfang des Gesprächs da sein. Kann ich gut gebrauchen, ich bin so aufgeregt, dass mir schlecht wird. Meine Hände zittern, das Herz hopst. Dazu Kopfschmerzen. Mir geht es eigentlich echt nicht gut.
  • Ich bin 30 Minuten zu früh (dank Taxi) und fixe Make-up, Deo und Schuhe im Klo. Außerdem esse ich den Lufthansa Frühstücks-Cookie.
  • Gespräch.
  • Oh damn.
  • Mir geht es nicht gut, ich bin hypernervös, wirke unerfahren, unsicher, vielleicht fahrig, bin ich ja auch.
  • Gefühlt rede ich mich um Kopf und Kragen.
  • Nach der zweiten Gesprächsrunde möchte ich mich unterm Tisch verstecken. Meine Hände zittern jetzt wie bei ner Parkinson-Patientin.
  • Dritte Runde: HR-Dame. Das war schön. Ich bin vermutlich zu offen, aber schlimmer kann ich’s echt nicht mehr machen.
  • Es ist vorbei. Ich hole meine Sachen. Ich vermeide, mir im Gesicht rumzufummeln, weil ich merke, wie ich zittere und jeder wird es sehen, wenn ich meine Hände nicht verstecke.
  • Damn, jetzt merke ich auch die Migräne.
  • Fuck ey, verkackt, weil krank und da uneinsichtig.
  • Selbes Klo. Migränetablette einwerfen.
  • Jetzt merke ich erst die Müdigkeit. Ich möchte mich zusammenrollen und schlafen.
  • Ich habe kein Bargeld. Ich gehe zu Fuß zum Bahnhof. 45 Minuten.
  • Tübingen ist echt hübsch.
  • Ich finde den Bahnhof nicht.
  • Ich hole mir einen Döner.
  • Ich finde den Bahnhof doch noch und fahre mit dem Bus über tausend schwäbische Käffer zum Flughafen. Ich döse und esse abwechselnd, ich fühle mich kacke und gleiche meine Erscheinung dem an.
  • Super nervige Kosmetikverkäufer wollen mir heillos überteuertes Zeug andrehen.
  • Flug. War. Ich döse.
  • Abgeholt von Tante, Leid geklagt.
  • Grünkohl mit Mettwurst. Viel Liebe!
  • Quatsch, Tee, Opi-Gespräche mit dem Onkel, der Tante und einem meiner Cousins. Mein Cousin und ich sind uns einig: Opi sah als junger Mann EXAKT aus wie Pete Campbell.
  • Abschminken, oh jöss, meine Haut, Tablette, bloggen, Bett.

Ich danke Ihnen echt allen für die Daumen. Und ich verfluche meinen Stoffwechsel.

Auto-Lobhudelei: alles irgendwie durchgezogen trotz widrigster Umstände. Und die Sache mit dem Taxi war preisverdächtig.

___

*nicht genau da, ein bisschen den Hügel hoch und ums Eck. Aber genau genug.

9 Gedanken zu “Tag 856 – Ach, ach, ach.

  1. Frau Em schreibt:

    Was ein beschissener Tag, das tut mir wahnsinnig Leid.

    For what it’s worth (und ich weiß, das ist nur sehr wenig….): mit „Fuck ey, verkackt, weil krank und da uneinsichtig“ sind Sie nicht allein. Ich kenne das auch, und auch die unweigerlichen Migränen dazu. PhD (und allgemein: normale Arbeitswelt) mit einer Krankheit, und insbesondere einer, die nicht grad gut auf Stress reagiert, ist manchmal einfach nur scheiße.

    Und manchmal kann man auch einfach nix mehr dafür, ab einem gewissen Grad an widrigen externen Umständen gibt’s körperlich einfach nur noch Shut-Down, egal wie wichtig es wäre, dass man Jetzt! Sofort! gut funktioniert. Mind over matter geht beim Stoffwechsel halt nur so weit und dann ist Schluss, Punkt Aus Ende.

    Ich drücke Sie ganz, ganz fest, auch wenn nur aus der Ferne.

    Bear-hug-Grüße
    Frau Em

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  2. Kari schreibt:

    Vielleicht hat es ja doch geklappt, die eigene Wahrnehmung unterscheidet sich manchmal sehr von der Außenwirkung.
    Und wenn nicht: dann eben nicht! Wird dann eben als Erfahrung gebucht.
    Sich zu bewerben wird eben auch nur dann einfacher, wenn man es oft genug macht. In dem Sinne:
    Kopf hoch und weitermachen!
    LG von Kari

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    • FrauC schreibt:

      Dem kann ich nur zustimmen: man weiß nie, wie der Gegenüber tickt und was der wahrgenommen hat und hören wollte. Meine Freundin kriegte mal so eine Standard-Testfrage gestellt, zu der einem im Bewerbungsratgeber schicke vorteilhafte Antworten empfohlen werden. Das ging ihr so auf die Nerven, dass sie rsusplatzte: „Wollen Sie jetzt die Musterlösung oder eine ehrliche Antwort?“ Und dass wiederum hat den Interviewer so beeindruckt, dass sie die Stelle bekam. ☺
      Also – nicht die Flinte ins Korn schmeißen! Lebbe geht weider, sagen sie hier.

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  3. Nancy schreibt:

    Würde gerne etwas Hilfreiches, Intelligentes oder was auch immer schreiben…aber im real life würde ich halt auch nur zuhören, glaube ich. Das Lesen ist ähnlich wie Zuhören.
    Und dann noch: Beerdigungen sind auch immer das Zusammenkommen und das Teilen von Erinnerungen. Mein Beileid.

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  4. Georg schreibt:

    Da fällt mir auch nichts anderes als ach, ach ein. Ich habe Ihnen die Daumen gedrückt und werde das weiterhin tun. Es wird sich hoffentlich bald eine Firma finden, die Ihre Fähigkeiten brauchen kann.

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