Tag 965 – Leuchtende Augen.

Am Samstag waren wir Einkaufen. Hier ist ja über Ostern immer superlanges Wochenende, der Mittwoch ist schon nur noch Larifari-Arbeitstag, Gründonnerstag ist Feiertag, Karfreitag eh, Samstag ist dann halber Feiertag mit eingeschränkten Öffnungszeiten und dann eben Sonntag und Montag wieder Feiertag. Aber da sämtliche Norweger ihre Osterferien auf der Hütte* verbringen und Ski fahren, ging es eigentlich sogar mit dem Samstagseinkauf, bis auf eine Aubergine habe ich alles bekommen. Für die Aubergine wollte ich dann aber nochmal in den Meny, wir kaufen ja sonst alles beim Rema, der ist ein bisschen wie Aldi, der Meny eben eher so Edeka. Viel mehr Auswahl, aber halt auch alles teurer und bei 5 Litern Milch pro Woche merkt man das eben schon irgendwann, ob die 19,80 oder 20,90 kostet und hey – hier ist eh alles pseudo-monopolisiert, man kriegt zu 90% im Meny halt die gleichen Produkte wie im Rema. Für die anderen 10% fahren wir dann doch hin. Und wie das dann so ist, kauft man noch dies und das und bleibt nochmal an der Fisch- oder Käsetheke stehen. Die gibt’s im Rema nämlich nicht. Und wie ich da so stehe, am Karsamstag eine Stunde vor Ladenschluss, und in die Käsetheke starre, spricht mich ein sicher 2 Meter großer und recht beleibter Herr an, wonach ich denn suchen würde. Erst erschrecke ich mich fast zu Tode, denn Norweger sprechen eine nicht einfach so an der Käsetheke an. Aber der Herr arbeitet da. Trotzdem sage ich nur „ach, ich suche nur mal was, was ein bisschen besonders ist…“ und will schon zum Brie** greifen, da sagt der Herr „Haben Sie den hier schon mal probiert?“ und reicht mir Chambre. Sieht lecker aus. Und da fährt der Herr auch schon fort: „Wissen Sie, was Sie damit machen können? Wir hatten mal welche davon, die waren kurz vorm Ablaufen. Und dann haben wir die einfach in den Ofen getan! Das ist ganz toll, geht ganz einfach und schmeckt herrlich, einfach Cräcker reindippen und mhhhhh! Wunderbar!“ und dabei hat er ganz leuchtende Augen, ganz niedlich ist der 2-Meter-150-kg-Mann, dass ich es weder übers Herz bringe ihm zu sagen, dass das Konzept Ofenkäse in Deutschland jetzt nicht grad neu ist, noch den Käse nicht zu kaufen.

Heute gab’s deshalb Ofenkäse.

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Dinge, die wir am Wochenende nicht mehr geschafft haben, aber wegen „hui, der Käse stinkt ziemlich den Kühlschrank voll“ jetzt schnell nachholen müssen. Mit selbst erfundenem Brotbällchen-Teig. Sehr gut selbst erfundenem Brotbällchen-Teig. Der geht so: – 21 g Hefe (1/2 deutscher Würfel) in 150 mL lauwarmem Wasser mit einer Prise Zucker auflösen und dann mit – 500 g Mehl, – 2 guten Teelöffeln Salz, – 1 guten Esslöffel sehr weicher Butter, – 2 guten Esslöffeln griechischem Joghurt und – nochmal ca. 100 mL Wasser einen relativ weichen Teig kneten (so ~7 Minuten auf mittlerer Stufe in der Knetmaschine) – etwa 1 Stunde gehen lassen, bis das Volumen verdoppelt ist – 16 (20 wären besser gewesen) gleich große Teile abstechen und rund formen (ich hab sie geschliffen) – mit Kernen versehen, wer mag (dazu erst in Wasser tauchen, dann in die Kerne drücken) – um den Ofenkäsedeckel drapieren und abgedeckt nochmal gehen lassen (ich habe das kalt gemacht, für 1,5 Stunden) – Käse rein und dann so backen, wie man halt den Ofenkäse backt. #lecka #börpserchen #ofenkäse #mitbrötchen

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Michel fummelte sich beim Abendessen dauernd im Mund rum und beschwerte sich, dass der Zahn wehtue. Ich besah mir das also und sah ordentlich abgenutzte Milchzähne, Michel knirscht ja auch nachts mit den Zähnen (jetzt nicht mehr so stark wie auch schon mal, aber immernoch manchmal), ich sah auch hinter den Milchzähnen unten gerötete und geschwollene Kauleisten, da warten wohl die bleibenden Backenzähne auf ihren Durchbruch, und dann konnte ich nach ein bisschen Gefühle meinerseits endlich die heiß ersehnte Nachricht überbringen: „Der eine Schneidezahn unten, der sitzt nicht mehr ganz fest.“. Michel hat quasi komplett geleuchtet vor Stolz. Hachz.

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Auto-Lobhudelei: auf einigermaßen merkwürdige Mails einigermaßen sachlich geantwortet.

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*Anekdote: am Sonntag fragte die S. die M., ob der Sohn (H.) denn beim Papa auf dem Bauernhof sei. Ja, sagte die M., obwohl es erst geheißen hatte, „sie wollen auf die Hütte, aber da muss man 30 Minuten Ski laufen und das macht H. nicht mit“. Und da musste ich echt sehr lachen, das ist so klischeemäßig, Ylvis haben ein Lied darüber gemacht.

**Traurig, wie man hier gemainstreamed wird, aber Brie, Camembert, alter Gouda, echter Feta oder echter Parmesan sind für mich schon besondere Käsesorten geworden.

3 Gedanken zu “Tag 965 – Leuchtende Augen.

  1. Sunni schreibt:

    Die Käse-Brötchenidee ist super. Das machen wir auch mal. Und doofe (also seltsame) Mails am besten ignorieren oder stilsicher beantworten. Sie wissen doch : Karma comes back…:-)

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  2. Julika schreibt:

    Aber die Norweger haben den Braunkäse (norw. brunost – ich muss zugeben, ich habe es gegoogelt), den ich mal auf einer Fähre auf einer Waffel (!) verzehrt habe. Klingt gruselig, war aber köstlich!

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