Tag 1029 – Jobdings.

Heute waren ein par Jobdinge, die muss ich Ihnen erzählen.

Erst habe ich dem Mann neben der Chipsfabrik geschrieben, dass ich die Geschäftsidee interessant finde und mich gerne mit ihm treffen würde, um herauszufinden, wie wir zusammenkommen können.

Dann stolperte ich bei Facebook über eine Anzeige, dass ein lokaler Sportladen nach einem*r Fahrradmechaniker*In sucht. Und weil ichs kann, fuhr ich hin und fragte, wie das so aussieht mit dem Job. Ich hätte Interesse, mag Mechanik, kann gut mit Leuten, mag mit meinen Händen arbeiten und wer nach zwei YouTube-Videos sein Rad selbst voll gut wieder hinkriegt schafft das unter Anleitung jawohl dreimal habe schon immer alle meine Fahrräder selbst gewartet und repariert (it’s true! Dass ich zwischendurch etwa 10 Jahre lang kein Fahrrad besaß, muss der ja erstmal nicht wissen). Der Fahrradladenmann war ganz angetan und meinte, ich soll pro forma noch was schriftliches schicken und so überprüfte ich zu Hause noch schnell ein paar Arbeitslosengeld-Bedingungen* und schrieb dann meine bisher lustigste Bewerbung. Sie glauben gar nicht, wie man meine letzten 8 Arbeitsjahre, die wahrlich nicht viel mit Fahrradreparatur zu tun hatten, hinbiegen kann, um mein Interesse an Fein- und größerer Mechanik darzulegen**. Wir werden sehen, was draus wird. Finanziell wäre das ein Nullsummenspiel verglichen mit den Dagpenger, aber ich hätte was zu tun, was ich cool finde.

Dann war KiTa-Fest und die eine Mutter arbeitet jetzt beim NAV (also dem norwegischen Arbeitsamt) und erzählte, ihre Nachbarin habe auch nen Dr. in Neurobiologie und arbeitet jetzt als Kindergärtnerin, weil sie nichts gefunden hätte, und ob ich mir denn nicht sowas wie Alten- oder Krankenpflege denken könnte, da wäre ein wirklich großer Bedarf. Um es mit meinen gestrigen Worten zu sagen: Hahahahahahahahahahahahahaganzsichernicht. Ich hab doch nicht 10 Jahre lang studiert um dann einen Job zu machen, den ich nie machen wollte und auch weiterhin nicht machen will. Fahrräder reparieren definitiv ungleich alte Leute wickeln.

Und dann kam ich nach Hause und hatte eine Antwort vom Mann neben der Chipsfabrik, ich solle nächste oder übernächste Woche mir mal das ganze ansehen, ich läge ganz oben in seinem Stapel und er redet morgen mit dem Styreleder (Vorstandsvorsitzenden? CEO? Ich finde keine rechte Entsprechung dafür) über mich. Und dann fielen da noch die Worte „Gruppenleitung übernehmen“, „Probezeit“ und „Übergangswohnung“ und „wenn du schon im Sommer anfangen willst“ und „müsstest noch einen Lehrgang machen, vermutlich in Lissabon“ in der mail und vielleicht vermutlich ist das eine krasse Überreaktion, aber Herr Rabe und Ich haben schon das Internet nach dem besten Wohnort zwischen der Chipsfabrik und Herrn Rabes Osloer Office durchforstet.

Und ich bin jetzt so aufgeregt, dass ich bestimmt nicht schlafen kann.

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Auto-Lobhudelei: Möglicherweise den Fahrradjob klargemacht. Jedenfalls hingegangen und gefragt, nen netten Eindruck hinterlassen auch ganz sicher. Und vielleicht habe ich ja vielleicht echt bald nen Job neben einer Chipsfabrik.

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*Zum Beispiel, dass ich nicht befürchten muss, das jetzt drei Monate zu machen und dann wird neues ALG auf diesem letzten Verdienst berechnet.

**Damals, als ich angefangen hab zu studieren, war ich schockiert über die Bioverfahrenstechnik-Vorlesungen. Verschiedene Sorten von Sterilflanschen und Strömungsprofile von Rührern und… Zeug wurde da besprochen, dass ich mir vorkam wie ein besserer (weil immerhin steriler) Klempner. Aber so ne Ultrafiltrationsanlage zusammenbauen ist auch nicht so viel anders als nen Fahrradreifen ausbauen. Nur dass man nen kalibrierten und qualifizierten Drehmomentschlüssel dafür hat, zu dem es eine SOP gibt, in der steht, dass man den soundso lagern und reinigen und wasweißich muss und dass man den einmal im Jahr zur re-Qualifizierung der QA vorlegen muss und so. Ich weiß das, ich war Drehmomentschlüssel-Geräteverantwortliche damals.

14 Gedanken zu “Tag 1029 – Jobdings.

  1. Bea schreibt:

    Beide Aussichten finde ich den Hammer. Warum nicht Fahrradreparateurin? Oder evtl. Bühnenzusammenschrauberin? Wenn das nicht mal flexibel und querdenken und was weis ich nicht noch alles ist.
    Der Job neben der Chipsfabrik klingt gut, und als ich das gestern las, hatte ich ein gutes Gefühl dabei. Schon allein wegen neben einer chipsfabrik arbeiten ;).
    Und ja, Pflegepersonal wird gesucht. Weltweit. Aber trotzdem danke. Könnte und wollte ich auch nicht.
    Viel Glück.

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  2. io schreibt:

    Jobs in Fahrradläden bringen bei der Arbeitssuche Glück – der hochqualifizierte Gatte war ja auch mehrere Monate arbeitslos und die Jobsuche gestaltete sich ähnlich … aufbauend … (plus „nutzlose“ Geisteswissenschaft) und nachdem er dann im Fahrradladen jobbte ging’s langsam aufwärts, sprich jetzt hat er ja sogar (s)einen Traumjob – und Spaß hat’s auch noch gemacht. Viel Erfolg!

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  3. Irene schreibt:

    In Lissabon kann man übrigens überraschend gut radfahren! Und die Autofahrer sind total entspannt und gar nicht „südländisch“.

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  4. MM schreibt:

    Coole Angelegenheit der Job in dem Fahrradladen! Ich kann auch Fahrräder reparieren und habe zwischen Promotion in den USA und Habil in D-Land (jaja in Geisteswissenschaften und danach dann die ewig lange Jobsuche nach dem „guten“, unbefristeten Job) ein Jahr lang auf dem Rad Post ausgetragen – als Nachklapp meines postalischen Studi-Jobs. Aus dieser Zeit stammt meine gute Kondition. Ich bin Teil einer RadlerInnengruppe (Herrenlose RadlerInnen, nachdem uns der einzige Mann abhanden gekommen ist) an meiner Arbeitsstelle und fahre regelmäßig den anderen Damen, die fast 20 Jahre jünger sind, einfach mal so davon. Über die Hügel des Ruhrgebiets und alle ohne Elektro; das ist Ehrensache bei uns.

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  5. Caramelia schreibt:

    Liebe Frau Rabe! Danke für diesen unterhaltsamen und positiven Post, ich freue mich so sehr mit Ihnen, dass es zwischendurch auch mal gute Nachrichten gibt. Die Daumen für den neben-der-Chipsfabrik-Job werden GANZ fest gedrückt und ich glaube an Sie!

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