Tag 1301 – WmDedgT im März ’19.

März 2019. Kinder, wie die Zeit vergeht!

Wie an jedem 5. des Monats fragt Frau Brüllen, was wir denn eigentlich den ganzen Tag machen und in diesem Monat sind wir alle besonders gespannt ob sich an der widerborstigen Verlinkungssituation was geändert hat, aber no pressure!

Mein Tag ist bereits lang und noch nicht vorbei, mal sehen, ob ich alles zusammenbekomme.

Um 5:15 klingelt mich der Wecker aus einem Traum. Ich stelle ihn aus und schlafe weiter. 20 Minuten später bereue ich das und stehe auf, mache Grøt für die Kinder, mache 10 Liegestütze und 100 Russian Twists, mache Kaffee und gehe dann duschen. Dusche, Creme, Föhne, ziehe mich an. Michel steht plötzlich im Bad, muss aufs Klo und nörgelt, ihm gehe es nicht so gut und er wolle nicht in die Schule. Er hustet ordentlich und das ist alles verständlich, aber nun bin ich fast fertig und Herr Rabe noch nicht aufgestanden, weshalb ich auch etwas angepisst bin. Herr Rabe steht auf, ich schildere ihm die Situation, er ist noch nicht ganz wach und antwortet einfach gar nicht und so stapfe ich weiterhin angepisst ins untere Bad um mich zu schminken. Herr Rabe und beide Kinder kommen wenig später auch runter, ich verspreche Michel, ihn direkt im Anschluss an die Schule abzuholen, aber Michel will trotzdem gar nicht hin. Herr Rabe seufzt, dass er dann halt zu Hause bleibe, ich fühle mich rabenmutterig und rabenfrauig und überhaupt doof, hab aber keine Zeit für lange Entschuldigungen, packe zwei Bananen ein und laufe zum Bus.

Der Bus ist ein bisschen zu spät, aber den Zug um 07:00 erreiche ich trotzdem problemlos. Im Zug plane ich den Tag, mache Termine mit meinem Kollegen und versuche zu arbeiten, scheitere aber an der Netzwerkverbindung. In Lillestrøm steige ich in den Bus, am Ahus steige ich wieder aus. Nächste Woche habe ich einen Termin in der endokrinologischen Poliklinik da und ich soll vorher bittedanke nur da eine Blutprobe abgeben. Nicht beim Hausarzt, nein, nur da, ja, auch wenn das für mich einen Umweg von einer Stunde bedeutet. Voll schön (keine Tipps bitte, sonst leite ich Ihnen die Telefonnummer der Poliklinik weiter und Sie klären das mit denen, ja?). Jedenfalls dort eine Nummer ziehen, warten, mit einer Dame an der Schranke sprechen, eine neue Nummer bekommen, warten.

Irgendwann bin ich dran und stelle fest, dass ich eins der absolut ungünstigsten Kleidungsstücke für Blutabnahmen anhabe, das mein Kleiderschrank hergibt, nämlich ein enges und recht unelastisches Schlauchkleid mit sehr engen Ärmeln. Nun denn, ich bitte den Krankenpfleger, die Tür zu schließen und zwänge mich aus dem Kleid. Komplett. Ich sitze da also in meiner Strumpfhose und BH. Den Krankenpfleger schockt nichts, dafür nimmt er so sanft Blut ab, dass ich kaum merke, dass er sticht. Ich ziehe mein Kleid wieder an, bedanke mich und stehe fünf Minuten nach dem Betreten des Behandlungszimmers wieder auf dem Gang. Der eine Bus ist grad weg, ich hole einen Kaffee und stelle mich dann an die Bushaltestelle, der nächste Bus soll in 2 Minuten kommen.

Tut er nicht, er kommt in 16. Ich erfriere in der Zeit nur knapp nicht. Dann quetsche ich mich in den Bus, der so voll ist, dass die Türen kaum noch zugehen. Einige Haltestellen später hat sich das etwas gelichtet. Ich nutze meine schlechte Laune zur Erziehung Erwachsener und bestehe drauf, dass eine Dame, die in dem proppenvollen Bus die ganze Zeit schon einen Sitzplatz mit ihrem Strickzeug belegt, dieses da weg nimmt, damit ich mich setzen kann. Klug von mir, mich zu setzen, denn inzwischen stehen wir mit dem Bus im Stau.

Mit einer Laune kurz vor Eiszeit komme ich um viertel vor neun bei der Arbeit an.

Dann: Arbeit. Erst will mein Rechner nicht, dann doch, dann muss ich eine Kreditkarte leihen um einen ISO-Standard zu kaufen, den ich dann noch ausdrucke und schwupps ist es zehn. Ich soll nun ein Meeting haben aber meine Chefin kann nicht, sie sitzt in einem Krisenstab. Meeting wird verschoben: auf 14:30 bis 15:30. Tja. Ich fluche sehr, denn das macht meinen Pan, Michel um 13:00 von der Schule abzuholen, zunichte. Ich kaspere mit Herrn Rabe ab, dass er Michel um 14:15 abholt, sage im Hort Bescheid, dass sie Michel sagen sollen, dass er nach dem Mittagessen abgeholt wird und fühle mich super beschissen, weil versprochen und weil der Gedanke durch meinen Kopf zuckt, Michel zum Trost für seine doofe Karrieremama ein Ü-Ei oder so zu kaufen. Wie so ein abwesender Vater. Nur mit Brüsten. Ich schlucke das alles runter, es hilft ja nix.

Ich mache mich daran, den Report für die Inspektion letzte Woche weiter zu schreiben. Es ist ein Schmerz im Hintern. Ich bin langsam. Mein Kollege kommt und sagt, er äße heut am Schreibtisch. Sonst ist niemand da. Ich bin einigermaßen im Flow und gehe eine halbe Stunde später als sonst Mittag essen. Alleine. Eine Dame von den Zulassungen setzt sich zu mir und wir unterhalten uns ein bisschen über dies und das. Zwischendurch kommen zwei Mails, eine vom Insolvenzverwalter und eine vom Italiener, der panisch ist, weil er die Mail vom Insolvenzverwalter nicht versteht. Der Insolvenzverwalter schickt nächste Woche dann doch schon unsere Gehaltsforderungen and NAV. Nach nur vier Monaten. Inklusive „das NAV braucht dafür 7-8, manchmal bis zu zwölf Monaten, da habe ich keinen Einfluss drauf, don’t @ me!“. Ich möchte was kleinhacken.

Ich arbeite weiter am Report und an einer Checkliste für die Inspektion morgen und komme gut voran, bis halb drei, die Chefin ist immernoch im Krisenstab und der Kollege und ich machen das Meeting alleine.

Es ist alles ein großer Test, nun soll ich noch bis Ostern* eine Prozedur schreiben, und vielleicht habe ich das nur zu verstehen gemeint, aber eventuell soll ich auch noch ein Tool dazu basteln. Well. What could possibly go wrong? Ich bin ja schon ganze zwei Monate da. Es entspannt aber auch ungemein, das Gefühl zu haben, dass einem was zugetraut wird und dass man gebraucht wird. Noch vier Monate Probezeit, aber ich mache mir da keine Sorgen.

Wegen des Reports frage ich danach noch mal meinen Kollegen und dann verquatscht er sich und am Ende komme ich wieder erst um vier aus dem Werk. Schwer beladen, denn nach der Inspektion ist vor dem Auditor-Kurs. Immerhin habe ich Zeit genug, in Tøyen einmal auszusteigen und Brot beim deutschen Bäcker zu kaufen. Und eine Brezel, eine echte, warme, knusprige und fluffige Brezel. Ich weine fast. Dann denke ich drüber nach, ob ich Brot wohl, wenn ich nicht zum Backen komme, aus meiner eigenen Tasche bezahlen soll, statt vom Haushaltskonto. Und verwerfe den Gedanken.

Im Zug muss ich erst eine ganze Weile stehen, erst am Flughafen steigen genug Leute aus.

Bepackt.

Herr Rabe holt mich in Eidsvoll vom Zug ab. Im Auto schläft Pippi, Michel ist halbwegs fit. Zu Hause setze ich mich mit ihm an die Hausaufgaben, atme viel und korrigiere nicht und atme noch mehr und nur als er Buchstaben flächig übermalen will statt sie wegzuradieren schreite ich kurz ein. Pippi schläft. Herr Rabe kauft ein, wir haben keine Milch mehr (wie konnte das passieren?).

All die stummen Buchstaben fehlen… und Leerzeichen natürlich.

Als Herr Rabe wieder da ist, sind die Hausaufgaben fertig und Michel verzieht sich vor den Fernseher. Herr Rabe und ich kochen Tomatencouscous mit Feta, dann gibt es essen, Pippi verpennt alles. Sie wird wach, als ich sie ins Bett tragen will. Im Bad isst sie eineinhalb Bananen, Zähne putzen, Schlafi anziehen, „Abinsbett“. Natürlich braucht sie ewig zum Einschlafen, die Zeit nutze ich zum Bloggen, minus die Zeit von 20:40-20:46, da musste ich kurz (mit Wecker!) die Augen schließen.

___

Für morgen ist der Rucksack gepackt, Klamotten rausgelegt, Papiere geordnet. Zum ersten Mal geht es mit Übernachtung weg. Zwei Übernachtungen sogar. An der Westküste, der Kollege bezeichnete es als „trauriger Platz“ und ich wurde auf einen schlimmen Dialekt vorbereitet. Sicherheitshalber sind auch Kopfschmerztabletten im Rucksack. Im Platzkampf Schuhe vs. Teddybär haben die Schuhe gewonnen, an zwei von drei Tagen müssen wir ja keine Sicherheitsschuhe anhaben. Wir kriegen vom Werk, genau wie Schutzbrillen, keine eigenen, das ist so mittelcool hinsichtlich Fußpilz aber was will man machen. Für selbst kaufen sind mir Sicherheitsschuhe zu teuer und man braucht ja auch immer mal andere, für drinnen, für draußen, mit Rutschdings oder geerdet oder oder oder. (Muss noch Fußpilzsalbe einpacken.)

Alles passt in meinen normalen Rucksack. Bei Kosmetika musste ich wegen Handgepäck und Literbeutel und esoterisch bedingten** Flugplatzkontrollen leichte Abstriche machen, aber zwei Tage muss meine Haut eben nur mit Feuchtigkeitscreme klarkommen. Es ist alles etwas seltsam, finde ich, das letzte mal dass ich nur mit Handgepäck durch Norwegen geflogen bin, habe ich das Haus angeschaut, was wir einen Tag später gekauft haben. Und davor immer Vorstellungsgespräche. Jetzt sind in meiner Tasche Visitenkarten.

Jedenfalls: Herr Rabe hat meine Bluse gebügelt und verdient dafür Dank (Murch!).

Waschen, Zähneputzen, Cremen, 10 Liegestützen, 100 Russian Twists, Bett.

Ich werd Herrn Rabe und die Kinder vermissen. Jaja, nur zwei Nächte, aber trotzdem.

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*tatsächlich fragte ich zuerst: „Bis wann? Diesen Monat geht nichts mehr.“

**als könnte man nicht aus ein paar mal 100 mL nicht näher spezifizierter Flüssigkeit astreine Bomben bauen.

Ein Gedanke zu “Tag 1301 – WmDedgT im März ’19.

Ich freue mich über jeden Kommentar, außer er ist blöd, dann nicht. Außerdem ist jetzt wohl der richtige Zeitpunkt, um Ihnen mitzuteilen, dass WordPress bei jedem Kommentar eine mail an mich schickt, in der die Mailadresse, die Sie angegeben haben und auch ihre IP-Adresse stehen. Müssen Sie halt selbst wissen, ob Sie mir vertrauen, dass ich diese mails von meinen Devices alle sofort lösche, und ob Sie damit leben können, dass WordPress diese Daten auch speichert (damit Sie nämlich beim nächsten Mal hier einfacher kommentieren können).

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