Tag 1566 – Keine Freude.

Es ist nicht das erste Mal, aber ich muss nochmal kurz über PMS ranten. Obwohl ich eigentlich ja beschlossen habe, es konsequent PMDS* zu nennen, weil das hier alles nicht mehr normal ist.

Ich hasse alles. Wirklich alles. Ich hasse, dass Herr Rabe mit den Kindern gebastelt hat. Ich meine, GEBASTELT. Lustige Schneemänner. Dabei haben sie Weihnachtsmusik gehört, was ich hasse. Ich habe derweil die Meerschweinchenbox geölt, was ich hasse, weil es stinkt und eh nicht reicht, um das Ding Pipifest zu machen, weshalb nach drei Wochen die Kiste für immer Meerschweinpipigeruch verströmen wird. Und nein, Hass ist kein zu starkes Wort, ich bin derart geladen, dass ich mit keinem mehr rede, weil ich sonst gemeine, verletzende Dinge nicht nur sagen, sondern brüllen würde. MEINE FRESSE AUTOKORREKTUR, BRÜLLEN IST EIN VERB, DAS SCHREIBT MAN KLEIN! Entschuldigung.

Nichts macht mir Freude. Ich bin so gefangen in meiner grundlosen Aggression gegen absolut alles, es gelingt mir nicht, die von Herrn Rabe verteilte Weihnachsdeko (AM TOTENSONNTAG!) schön zu finden, oder den gebastelten Schneemann mit Puschelschwanz niedlich. Ich schaffe es nicht.

Ich hasse mich selbst und meinen Körper, der mir Schmerzen bereitet. Dass ich es nicht zum Sport schaffe, weil HASS auch auf Sport und das Fitnessarmband und den ganzen Leistungswahn man muss immer schön aussehen und straff sein und ob ich Schmerzen habe oder nicht liegt ja auch in meiner Hand, Sport ist so toll bei all dem, JAJA FU SPORT.

Am schlimmsten ist aber dieser allgemeine Zustand, dass ich einfach nicht abstellen kann diese unfassbar schlechte Laune zu haben und im Prinzip ein wandelnder Mario-Barth-Witz bin. Ich weiß nicht was tun, soll ich drüber reden und mich der Lächerlichkeit preisgeben, eventuell andere Frauen mit reinreiten, die PMS haben weil „HAHA, DU BIST SCHON WIE FRAU RABE!!!“ oder soll ich es lassen und die Zähne zusammenbeißen und einfach „Heut schlechte Laune, kein Eintrag“ schreiben? und das unsichtbar machen, dass es Leute gibt, die WIRKLICH JEDEN MONAT EIN FUCKING PROBLEM HABEN und dass uns niemand hilft (LOOKING AT YOU, GYNÄKOLOGIN!)?

Wie eine es dreht: das Patriarchat lacht sich immer ins Fäustchen.

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Disclaimer: Bitte. Keine. Gesundheitstipps. Keine. Gar keine. Wirklich. Keine.

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*prämenstruelle dysphorische Störung, googeln Sie das ruhig, Kurzfassung: die wahlweise depressive oder alles kleinhackende große Schwester von normalem PMS

14 Gedanken zu “Tag 1566 – Keine Freude.

  1. darkrain schreibt:

    Danke, dass Sie das so öffentlich machen. Wirklich. Mir geht es da zwecks der Laune und dem Hass so ähnlich wie Ihnen und mir kommt es vor als würde es jeden Monat schlimmer.
    LG

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  2. Anette schreibt:

    „Ich weiß nicht was tun, soll ich drüber reden“ —> ja, bitte darüber reden. Hormone sind krass und machen Krasses mit uns…aber thematisiert wird das viel zu wenig. Danke für‘s Teilen!

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  3. Katrin schreibt:

    Ich kenn das nicht, nur ansatzweise und in anderem, leicht lösbarem Zusammenhang (wenn ich ein bestimmtes Hungerlevel erreicht habe, ist alles in mir auf Angriff gepolt. Wehe irgendwer oder irgendwas kommt mir dann schief). Ich kann nur minimal nachvollziehen, wie es Dir tagelang so geht. Seinen Emotionen so ausgeliefert zu sein muss enorm viel Kraft kosten. Vor allem, wenn man ja rational weiß, dass man sich eigentlich jetzt anders fühlen müsste – es steht ja kein fletschender Säbelzahntiger vor einem, sondern nur das geliebte Kind, das einem fröhlich SCHON WIEDER IRGENDWELCHEN SELBSTGEBASTELTEN MUELL ZEIGEN MÖCHTE!!! Die Schere geht da krass auseinander. Ich hoffe du findest irgendwo deine Lösung.

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  4. E. schreibt:

    Same here. Seit den Kindern definitiv stärker als vorher. Vor allem irrationale Ängste, die sich dann plötzlich in Luft auflösen. Und der Zorn … es ist wirklich schlimm.

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  5. Ronja schreibt:

    Ein wenig creepy fand ich es schon, als ich heute auf dem Weg zum Kinderarzt in einer kleinen Stadt in Süddeutschland war und vor mir zwei Mütter mit Kinderwagen und Kleinkindern liefen. Anfangs habe ich eher versehentlich zugehört, bis mir klar wurde, dass die eine der anderen von Ihrem Erlebnis mit der Blumenverkäuferin berichtet hat (sie hat klaf benannt, dass sie das in einem Blog gelesen hat). Und dann meinte sie, ihr habe es richtig gut getan das zu lesen und vorallem den Satz, dass Sie als Mutter auch Emotionen haben dürfen. Und wie Sie die Emotionen in einem Schrei kanalisiert hätten, um den Kindern gegenüber nicht ungerecht zu werden.
    So klein ist die Welt, dachte ich. Und dass Ihre Texte anderen helfen.

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