Tag 2175 – Was schaffen.

Ja, also ich hab ja Urlaub, ne? Dementsprechend habe ich heute lange geschlafen, im Bett Kaffee getrunken und ein Buch auf der Terrasse gelesen.

Nicht.

Ich hatte um neun einen Termin zur Blutabnahme, war um viertel nach neun im Baumarkt, habe den noch bewölkten Himmel zum Unkraut jäten genutzt und dann zum Fenster putzen. Jetzt kann man zwar wieder rein und raus gucken, aber das mit dem Urlaub machen, das muss ich noch üben, scheint mir.

Ich möchte dafür weder Lob noch Mitleid. Es ist eine reine Feststellung, dass ich immer erst mal irgendwas „arbeiten“ muss, bevor ich was „zum Vergnügen“ machen „darf“. All das kommt rein aus mir, niemand steht mit der Peitsche hinter mir, ich höre nicht mal irgendeine konkrete Stimme in meinem Kopf oder sehe einen konkreten tadelnden Blick. Nichts. Einfach ganz tief verwurzelte, von allen Seiten schon immer vorgelebte, protestantische Arbeitsethik. Plus Frausein, vermutlich, Frauen haben ja auch sonntags nicht frei, wer macht denn dann den Braten. Und ein Tacken Zwanghaftigkeit kommt bei mir auch noch dazu, ja.

Wie gesagt. Ich übe das noch. Die Fenster sind ja jetzt auch geputzt.

2 Gedanken zu “Tag 2175 – Was schaffen.

  1. Sarah schreibt:

    Ja, das ist tief verankert bei uns Frauen. Nur emsige Frauen sind gute Frauen (Männer dürfen natürlich ausruhen, Zeitung lesen und so).Eine kluge Frau (ich weiß leider nicht mehr, wer) hat mal gesagt, wir müssen öfter demonstrativ Pause machen. Für unsere Töchter, damit sie nicht dasselbe Bild bekommen. Pause machen für den Feminismus! Das fand ich gut.

    Gefällt 1 Person

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