Tag 2805 – Höhenflug.

Meine Geigenstunde war um Längen besser. Warm machen hat geholfen, und sich nicht mehr in die Hose machen, dass der Lehrer bestimmt lacht und/oder sagt, dass man ein hoffnungsloser Fall ist und die Geige lieber als Feuerholz verwenden als darauf herumstümpern sollte, wahrscheinlich noch mehr. Die unterkomplexen Etüden darf ich dann jetzt sein lassen (Hurra!) und mich einer komplexeren Etüde und einem Concerto von Vivaldi widmen. Ansonsten habe ich weiter viele Punkte bekommen, an denen ich arbeiten kann/darf/soll, aber das ist ein sehr langfristiges Projekt, und, wenn man dem Internet Glauben schenkt, auch recht typisch für so halb fortgeschrittene Schüler*Innen wie mich. Kurz gesagt: zu wenig Gewicht im linken Arm, dadurch zu viel Bewegung in den Fingern, dadurch eine angespannte Hand, langsame Finger und schnelle Ermüdung. Ich merke die Symptome ja auch. Und ich erinnere mich auch noch mit gemischten Gefühlen an meine Geigenlehrerin, die immer immer immer wieder daran erinnerte, dass der Daumen locker sein soll. Jetzt soll ich erst mal einfache Dinge wie Tonleitern (oder die eine unterkomplexen Etüde) üben und mir dabei irgendwas, das runterfällt, wenn man zu doll drückt (wie eine Murmel oder ein kleiner Würfel) zwischen Geige und Daumen klemmen. Ich werde da morgen mal suchen, Murmeln hab ich ja jetzt. Ich habe auch angesprochen, dass ich die Bogenhaltung, die er möchte, zwar gut für Kontrolle finde, für lockere Passagen aber zu unflexibel. Wir kommen darauf zurück, aber erstmal soll ich es mehr so machen und weniger flexibel. Also rechts fester, links Daumen abhacken, äh, locker lassen. Um die Geige an sich höher zu bekommen müsste ich vermutlich eine andere Schulterstütze haben, eventuell auch wieder (meh) eine andere Kinnstütze, das ist nämlich so wie er meint, dass es richtig ist, für mich weniger stabil und auch leicht unbequem. Dafür hab ich nicht mehr immer den Abdruck der Schraube der Kinnstütze am Hals, hmm.

Jedenfalls, das war heute echt schon fast gut. Vielleicht hab ich ja irgendwann keine Angst mehr vor ihm.

Mehr war nicht. Reicht auch, so neben allem anderen.

Tag 2803 und 2804 – Auf ein Neues.

Gestern fehlte mir für alles der Antrieb und ich wollte am liebsten unter irgend einem Stein sterben. Heute ist endlich dieser Zyklus vorbei, das war dieses Mal eine schwere Geburt (haha). Ich schiebe das auf Corona.

Morgen habe ich wieder Geigenunterricht. Ich habe die zwei (unterkomplexen) Etüden in der 1. Lage brav geübt und mir für vor der Stunde im Übungshotel (wo ja auch die Stunde sein wird) ein Räumchen gemietet, damit ich mich warm spielen kann. Ich bin da ja leicht zwanghaft (das überrascht niemanden mehr, hoffe ich) und mache immer das selbe* „Warm-Up“, und dass ich das das letzte mal nicht machen konnte hat mich zusätzlich zu allem noch nervöser gemacht. Das lässt sich immerhin für 85 Kronen ziemlich einfach beheben und ich bin dann hoffentlich auch nicht mehr so verschwitzt wie letztes Mal. Generell wäre weniger nervliches Wrack sein schön.

Was anderes: nur Duolingo ist nicht wirklich sinnvoll für wen, die sich Sprachen gern über die Regeln erschließt. Ich habe jetzt aber eine Seite gefunden, die ganz gut erklärt, wie die Sprache aufgebaut ist. Mein Verdacht ist nämlich, dass Koreanisch gar nicht besonders schwer ist, weil es eine sehr regelbehaftete Sprache zu sein scheint. Es scheint auch wenige Ausnahmen zu geben, so wie im Norwegischen auch. Aber Duolingo ballert eine halt schnell mit ganzen Sätzen zu, in denen dann natürlich Verben konjugiert sind und seltsam anmutende Endungen an Wörtern hängen. Wenn man verstanden hat, was die Endungen bedeuten, macht das auch plötzlich alles Sinn, ohne diese Zusatzinfo macht aber selbst mein (ich behaupte** mal, überdurchschnittlich Mustererkennungs-begabtes) Gehirn irgendwann nur noch Hä. Hä-si-mi-da. Und weil ich aber nun mal gut Muster erkennen kann, suche ich dann nach den Mustern und bescheiße Duolingo und in erster Linie mich selbst. Auf der anderen Seite werde ich wohl niemals auf Koreanisch „Philadelphia“ oder „Princeton“ sagen müssen, insofern ist vermutlich verschmerzbar, wenn ich da nach dem Wort, das mit Phi anfängt und mit I-A aufhört, suche.

Noch was ganz anderes: ich hab die Murmelfrau aufgegeben, mir Murmeln im Laden gekauft und meine Murmel-Glitzerflasche gebaut, sie ist sehr schön und klackert dezent, und mit den Murmeln ergeben sich im Glitzer auch noch mal hübsche optische Effekte. Außerdem ist sie in der richtigen Größe zum Mitnehmen und liegt gut in der Hand. Ich hab sogar noch Murmeln übrig, falls mir mal der Sinn nach einer anderen Farbe oder so steht.

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*Natürlich nicht exakt das selbe. Es sind die selben drei Übungen, aber ich wechsele bei der ersten Übung die Griffarten durch und spiele bei der 2. Übung immer andere Dur-Tonleitern. Bei der dritten (auch Tonleitern, aber moll) wechsele ich Stricharten, wobei ich da seit langer Zeit am Ziel „Bogenwechsel weitgehend unhörbar machen“ festhänge. Vielleicht sollte ich mal was anderes üben, aber ich kann ja nicht mit was unperfektem aufgeben!

**Genau genommen habe ich einen Zettel, auf dem das bestätigt ist, dass ich „recht weit vom Durchschnitt entfernt gut“ Muster erkennen kann.

Tag 2802 – Ächz.

Es war ein sehr langer Tag, und auf verschiedene Arten anstrengend obendrein. Habe genug schwierigen Menschenkontakt bis Ostern gehabt, aber es geht gleich morgen so weiter. Immerhin aus dem Homeoffice.

Außerdem ist inzwischen Zyklustag 31 und ich hab seit Tagen latente Migräne wegen der unheiligen Kombination aus Zyklus und Temperaturschwankungen innerhalb eines Tages um 20 Grad. Ich mag echt nicht mehr, sowohl diesen Zyklus haben und diesen Winter haben. Kann ich jetzt Frühling bitte?

Tag 2801 – Popo.

Also vom Tag gibt es wenig zu berichten, mein Webinar war ersticht Bügelfreundlich und endete in einem Workshop, in dem leider alle außer mir und der Moderatorin komplett still und unsichtbar waren. Das kann ich wirklich nicht verstehen, wir sind alle Inspekteur*Innen und sollen unser Fachfeld diskutieren und dann kommt da buchstäblich gar nichts???

Danach schrieb ich ein bisschen an einem Report, flippte kurz wegen des IT-Projekts ein bisschen aus, fuhr Pippi zum Tanzen, lernte, dass Kuss auf Koreanisch Popo heißt, lachte darüber unangemessen viel, spielte Geige und brachte Michel ins Bett. Eragon metzelt sich durch die Gegend, Michel findet das gut, besteht aber auf Kuscheln zum Einschlafen. Ist ok, solange wir nicht wieder in eine Situation kommen, wo er zum Einschlafen zwei Stunden braucht. Und solange er nicht auf meinem Bauch herumdrückt, bloß weil er den „so schön bouncy“ findet.

Tag 2800 – Weg mit der Sieben.

Siebenen sind unsympathisch. Total. Bäh.

Vom heutigen Tag gibt es so mittelviel zu berichten. Ich hatte bei der Arbeit ein Webinar (das geht auch morgen und Donnerstag noch weiter), das allerdings zu Anfang eher mäßige Relevanz für mich hatte, weshalb jetzt sämtliche Blumen/Topfpflanzen mal geduscht haben und mein Bügelstapel um 50% geschrumpft ist. Ich hasse Bügeln, warum habe ich überhaupt Kleidung, die gebügelt werden muss? Die zweite Hälfte vom Webinar habe ich aber tatsächlich konzentriert zugehört und was gelernt.

Danach ging der Arbeitstag aus Gründen steil bergab.

Um halb vier wunderte ich mich dann doch so langsam mal, wo Michel eigentlich bleibt. Der hatte halt nur seinem Vater Bescheid gesagt, dass er nach der Schule mit zu einem Kumpel geht. Der Vater war aber im Büro.

Abends war ich beim Ballett und bin jetzt komplett platt. 5 Minuten Kinder-Warm-up (wir hopsen im Kreis und so, wirklich wie beim Kindertanz), 20 Minuten Stange, 5 Minuten Mitte, 30 Minuten Choreografie. Mir lief schon nach der Hälfte der Stange der Schweiß. Die Choreografie ist noch neu und ich hab noch nicht raus, wo man schnell mal tief Luft holen kann, bevor es lächelnd und elfengleich weiter geht. Ächz. Wie Michel hinterher so lieb meinte (als ich ihm vorlas) „Mama, das ist nicht böse gemeint, aber ich glaub du musst mal duschen.“.

Tag 2799 – Neue Dinge.

Keine Murmeln. Die Murmelfrau hat sich nicht noch mal gemeldet. Hmm.

Insgesamt ein sehr sehr durchwachsener Tag. Kindergarten bei der Arbeit, weiter Hormone (hoffentlich hat Corona nicht wieder meinen Zyklus kaputt gemacht und ich mache jetzt für immer Zyklusend-Alles-Hass-Phase), was dann dazu beitrug, dass der Kindergarten eskalierte und ich jetzt echt keinen Bock hab, mehr Zeit als unbedingt nötig im Büro zu verbringen. (Kurzversion: jemand hat auf meinem Stühlchen gesessen. Wenn die Person auch noch aus meinem Becherchen getrunken hätte, wäre ich wahrscheinlich einfach wutentbrannt aus dem Büro gestürmt und wäre nach Hause gefahren. Bei meinem Stuhl geht meine Grenze, generell bei dem wenigen an eigenem Kram, das wir im Büro überhaupt noch haben dürfen. Ich habe beantragt, diesen Stuhl behalten zu dürfen, habe es bewilligt bekommen und einen extra offiziellen Aufkleber drauf geklebt. Man KÖNNTE das respektieren und wenn man sich dazu entscheidet, das nicht zu tun, muss man damit leben, dass ich plötzlich gar nicht mehr lieb und nett bin, sondern eine Furie. Tja. (Zumindest ein paar Tage im Monat ist das so.)

Dann war einiges kurz gut bei der Arbeit, es tun sich wirklich tolle Möglichkeiten für mich auf und ich freue mich schon wie Bolle und lerne mit Duolingo jetzt ein bisschen Koreanisch. Mal gucken, wie weit man in (guckt in den Kalender) WHOA, zwei Monaten!damit kommt.

Dann wurde es wieder blöd, manche sind scheinbar ein wenig lernresistent (keine weiteren Stuhldiebstähle, immerhin). Und ich bin nach wie vor keine gute Pädagogin.

Stuhldiebstahl klingt ein bisschen wie Samenraub. Hihi.

Tag 2798 – Kurz durchatmen.

Die Kinder hatten heute Korps-Wettbewerb und dieses Mal ist Herr Rabe mit ihnen da hin gefahren. Ich war gewissermaßen befreit von dieser familiären Verpflichtung, wahrscheinlich hätte ich auch irgendwem dort den Kopf abgebissen, bei meiner Laune und allgemeinen Empfindlichkeit heute. Jedenfalls war ich ein paar Stunden alleine zu Hause und das war sowohl dringend nötig als auch sehr erholsam. Ich habe gekocht, gebacken, einen Spaziergang gemacht, lange telefoniert und ein bisschen Geige gespielt. Leider war die Familie ziemlich… gereizt als sie zurück kam (Streitthema Bildschirme) und da war meine Erholung schnell dahin, aber ich konnte schon fast wieder meine eigenen Gedanken hören und nahezu fertig denken.

Morgen ist es aller Erfahrung nach schon viel besser. Außerdem habe ich aufgrund einer relativ spontanen Bastelidee den Kauf von Murmeln über Kleinanzeigen ausgemacht und kann dann morgen Abend vielleicht was basteln. Mit Murmeln.

P.S. zwei Wochen an zwei Etüden in der 1. Lage rumüben ist recht, ähm, langweilig. Es sind noch nicht mal technisch schwierige Etüden. Die eine hat ein paar Tücken, mehr aber auch nicht (vielleicht ist da auch ein bisschen mein „Problem“, dass ich die durchschaue, also schnell schnalle, was man damit üben soll, und dann finde ich sie langweilig. Es sei denn, sie sind trotzdem schwierig genug). Muss dem Lehrer nächstes Wochenende sagen, dass ich ein bisschen mehr Challenge brauche.

Tag 2797 – Blues.

Vielen Dank für die Glückwünsche, ich freu mich ja doch, auch wenn’s ein unwichtiger Geburtstag ist. (Fun fact: weder 18, noch 20, noch 30 werden fand ich bisher irgendwie doll besonders. Vielleicht klappt es ja mit 40? 15 war einschneidend. 6 auch. 25, aus traurigen Gründen, auch. Auf diese Art, sowohl 15, als auch 6, als auch 25, möchte ich bittedanke nicht noch mal Geburtstag haben.)

Aus Gründen, die vermutlich einfach mit Hormonen zusammen hängen, bin ich heute aber mal nicht mein sprudelnd fröhliches Selbst, sondern eher so selbstmitleidiger Blob. Ich geh jetzt einfach ins Bett.

Tag 2796 – 38.

So, Geburtstag. Geburtstag und eigentlich nichts darüber zu erzählen… Es war alles wie es normalerweise an meinem Geburtstag ist, und das ist gut, weil Vorhersehbarkeit gut ist. Es gab Schichtkuchen, wie immer. Den hat Herr Rabe mit meiner Unterstützung Mittwoch Abend gebacken und gestern Abend mit Schokolade überzogen. Heute Morgen wurde ich von Michel mit Kaffee geweckt (eigentlich war ich schon halbwegs wach, kam aber nicht aus dem Quark, auch wie immer), exakt eine Stunde nach der Levaxintablette, perfekt. Pippi war sehr aufgeregt und zwang mich zu baldigem Runtergehen, wo Kuchen, Kerzen und Geschenke warteten. Und die Geburtstagsgirlande, die wir ebenfalls immer aufhängen. Ich bekam Blumen von den Kindern (in Töpfen, weil meine Kinder oder zumindest ihr Vater wissen, dass ich lieber lebende als Schnittblumen habe), selbstgebastelten Karten und von Herrn Rabe einen Thermobecher, dessen Deckel, im Gegensatz zu dem von der Danke-Tasse, in die Spülmaschine kann, sowie einen Notenständer und Magnete, was bestimmt gar keinen Hintergedanken hatte, wie zum Beispiel dass ich seit Monaten seinen Notenständer leihe und ständig lose Notenblätter davon heruntersegeln und dann irgendwo auf dem Boden liegen. Ich habe mich jedenfalls sehr gefreut.

Dann fuhr ich arbeiten, wo bis auf meine Kollegin niemand wusste, dass ich Geburtstag habe, aber es war ein guter letzter Inspektionstag, die Liste ist abgeliefert und die Firma dankt, wenn ich nicht danach ne Stunde im Stau gestanden hätte, wäre es echt ein rundum guter Arbeitstag gewesen. Ich mache meinen Job ja sehr gerne, da kann ich jede Menge Fragen stellen und rumprökeln, bis ich alles verstanden habe – oder die andere Seite verstanden hat, dass sie da irgendwie Quark machen. Ich mag das, wenn die andere Seite beim Abschlussmeeting nickt und einverstanden mit dem ist, was man an Schlechtigkeiten ausgegraben hat. In letzter Zeit hatte ich irgendwie viele „Diskutierer“ (m/w/d), das ist anstrengend.

Dann eben nach Hause, mit Stau, enervierend langsam ladenden Auto (ID.3, bin milde gesagt underwhelmed. Da gibt es für weniger Geld bessere E-Autos in der Klasse. Konacar zum Beispiel, aber die ist ja schon vergeben) und Auto-Rückgabe am Flughafen.

Zu Hause ein spätes Stück Nachmittagskuchen, Badewanne und dann Sushi, das Herr Rabe besorgt hat, weil er der beste Mann ist. Dazu trank ich ein halbes Glas Weißwein und weil das der erste Alkohol seit Silvester war, hat der auch sehr schnell viel Wirkung gezeigt. Hoppla.

So lässt es sich 38 werden.

(38. was für ein uninteressanter Geburtstag. Sexy wie ne Scheibe ungeröstetes Toast. Im Gegensatz zu mir, natürlich, ich bin mindestens geröstetes Toast, wenn nicht gar mit leichten Verbrennungsspuren hier und da…)