Tag 2274 – Außer Arbeit wenig gewesen.

Ich lebe das happy life des alleinseins. Dieser Tage beinhaltet das leider sehr viel Arbeit, das Problem bei solchen Inspektionen wie der letzte Woche ist (wenn man sie leitet) ein Haufen Nachbereitungsarbeit. Ein absurd großer Haufen. Das ist auch Zeug, das ich nicht herumliegen lassen kann, wenn hier Leute sind. Das würde ich nicht mal im Büro auf meinem Tisch liegen lassen, jedenfalls jetzt noch nicht.

Wie gesagt, das wird ein spannender Herbst.

Tag 2272 – Besuch!

Wow, erster Besuch aus dem Ausland seit Corona. Alle sind sehr aufgeregt, Besuch wie Besuchte, alt und jung.

Ich könnte noch so zwei Tage Wochenende gebrauchen, muss ich sagen. Die Kinder haben ja Herbstferien, und ich… nicht. Gemein.

Stattdessen habe ich mir irgendwie in der Schulter was verklemmt oder so, in bestimmten (leider im Alltag recht üblichen) Positionen tut es beim Atmen, Lachen, Singen, Husten, also eigentlich immer, absurd weh. Wenn es nicht gestern Abend erst angefangen hätte und da sehr plötzlich gekommen wäre (allerdings ohne dass ich es irgendeinem bestimmten Anlass zuschreiben könnte), würde ich es ja auf meinen Sturz am Donnerstag Abend schieben. So oder so ist es blöd. Ein Hoch auf die Pharmaindustrie, die für solche Zwecke Schmerzmittel vertreibt.

Tag 2270 – Illegal.

Die bisher wirklich am meisten andere Inspektion ist überstanden. Zumindest der on-Site-Teil. Ich habe noch mal ganz andere, ungeahnte Level von Erwachsensein freigeschaltet und aus vollkommen unerwarteten Richtungen Lob bekommen und bin über all dem nicht in Tränen ausgebrochen, yeah. Zwischendurch wollte ich sehr gerne auf den Arm, stattdessen war ich halt Die Inspekteurin(TM). Freundlich, offen, fachlich integer und seriös. Immerhin gehört Verbergen von Gefühlen (zum Beispiel auf den Arm zu wollen) zu meinen Kernkompetenzen.

Wie viele Stunden Arbeit das nun waren, ist mit total ausgelutschtem Hirn nicht mehr so leicht festzustellen, was wohl heißt, dass es viel zu viele waren. Das sagt auch die Zeiterfassung, die mir Mecker-Mails schickt, welche Paragraphen im Arbeitszeitgesetz ich alle überschritten habe. So ca. alle, aber die für die wöchentliche Arbeitszeit kommt erst Montag.

Der Abend war zum runter kommen gedacht, sowie zum Feiern. Ich habe das diese Woche wirklich gut gemacht (wurde mir gesagt und ich versuche mir das auch selbst zu sagen – der Impostor stark in mir ist). Deshalb war ich auf dem Rückweg auch noch schnell im Vinmonopolet und habe streng nach Hübschheit des Etiketts eine Flasche veganen Biosekt gekauft, der tatsächlich sehr lecker ist. Da gehen sie hin, die staatlichen Spesen…

Man muss meinen Job schon sehr mögen, um ihn überhaupt freiwillig zu machen. Gott sei Dank liebe ich ihn nach wie vor.

Nach ausgiebigem Riechen an den Kindern und Herrn Rabe ist jetzt aber WIRKLICH Schlafenszeit. Aus verwaltungsrechtlichen Gründen müsste ich eigentlich am Wochenende noch mehr arbeiten, aber die Vorschrift übertrete ich nun auch, ist auch schon egal.

Tag 2269 – Autschn.

Als Tagesabschluss erst mal vorm Hotel volle Möhre hingelegt. Ist irgendwie auch schon egal, nur etwas peinlich. Die Hotelangestellten kamen rausgestürzt und dachten bestimmt, ich hätte gesoffen, dabei bin ich einfach nur heillos überarbeitet und müde und hab eine Stufe nicht gesehen, weil ich damit beschäftigt war, die heutigen 15 Stunden Arbeit in die Zeiterfassungsapp zu töckeln. Mein Hirn ist totaler Brei und mir graut aus Gründen schon vor den nächsten Wochen und Monaten. Und jetzt hab ich halt auch noch einen aufgeschürften Ellenbogen und eine kaputte Strumpfhose.

Morgen noch, dann kann ich hoffentlich erst mal einfach schlafen. Schlafen wäre super.

Tag 2268 – Spontane Nicht-Aussicht.

Bekam Ja zu meinem Hotelaufenthalt, habe bereits heiß geduscht und liege jetzt im Bett. Morgen klingelt der Wecker um viertel vor sieben, dann muss ich die Augen weit genug aufkriegen, um meine Tablette zu schlucken und dann kann ich noch ein bisschen dösen. Im Vergleich zu heute früh wird das also ein Fest.

Dahinter ist zwar sowas wie ne Aussicht (auf einen nicht betretbaren Innenhof), aber auch eine Spiegelung und naja, das ist dann doch zu privat.

Tag 2266 – So. Müde.

Ich bin noch dabei, von der Arbeit nach Hause zu kriechen. Bei der nächsten Inspektion in Oslo, die abends so ewig lang zu werden droht, frage ich mal vorsichtig an, ob ich nicht in Oslo in ein Hotel kann.

Immerhin muss ich morgen erst eine halbe Stunde später los, weil ich heute viel (und ich meine VIEL) zu früh da war, und das trotz zehnminütiger Verspätung des Zuges. Seltsame neue Ruter-App ist seltsam.

Tag 2265 – Groß und klein.

Blick nach Deutschland: eieieiei. Das werden ja super leichte Koalitionsverhandlungen. Nicht. Und die Lachnummer aus NRW ist nicht 100%ig raus, das bekümmert mich ebenfalls ein wenig. In Sachsen ist die NoAfD stärkste Kraft, das finde ich entsetzlich.

Norwegen ist verkatert nach den gestrigen Pandemieende-Sauf-Prügeleien. Geschieht ihnen recht.

Michel kann nicht schlafen. Es ist Cola im Spiel gewesen (nicht von uns genehmigt) und außerdem war er heute extrem aufgekratzt, denn er hat an einem Korps-Projekt teilgenommen, bei dem sie Musik mit der „Blåsemafian“ gemacht haben, drei jungen Typen, die mit Trompete, Saxofon, Posaune und Tuba ziemlich coole Musik machen. Am Ende gab es ein Konzert mit der Blåsemafian und allen Teilnehmenden. Michel ist jetzt totaler Fan der drei Typen und hat einen signierten Hoodie, den er aber wohl nie tragen wird, weil er nun an der Wand hängt. „Nur wenn ich auf ein Fest gehe ziehe ich den an!“. Für Michel freut mich am meisten, dass er total Spaß hatte und bei dem Konzert mitgemacht hat, obwohl er gestern erst gar nicht zu dem Projekt wollte und heute früh noch ganz sicher war, NICHT mit auf die Bühne zu gehen. Jetzt ist er einen Meter größer und findet sein Instrument und im Korps spielen wieder wesentlich cooler.

Sigurd, Jørgen und Shlfnn Bllb DllB.

(Anekdote: bei der Begrüßung der Blåsemafian hat Michel wohl als erstes wiedergegeben, was ich ihm auf seine Nachfrage erklärt hatte, nämlich „Mafia ist eine kriminelle Organisation!“, woraufhin die Band sagte „Genau, und unsere Musik ist einfach kriminell gut!“)